Freiheit im Christe...
 
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Freiheit im Christentum

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Lucan-7
Themenstarter
Beiträge : 28955

Dieses Thema kam kürzlich hier in einem anderen Thread auf, und wenn man über "Freiheit im Christentum" redet, dann muss man natürlich fragen, was "Freiheit" eigentlich überhaupt bedeutet. Und das kann sehr verschieden sein.

Für die meisten bedeutet "Freiheit" wohl so viel: "Ich kann tun, was ich will". Für den einen ist das Reisefreiheit, für den anderen die Freiheit der Rede. Viele meinen damit vor allem die eigene Freiheit... Faschisten wünschen sich allerdings die Freiheit, andere unterdrücken zu dürfen, wieder andere wünschen sich ein Land, das "frei" von Menschen ist, die nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen, andere verstehen darunter Reichtum, etliche auch sexuelle Freiheiten... der Möglichkeiten sind da viele.

Ich möchte mich hier mal auf einen bestimmten Gegensatz konzentrieren, der wohl für das Christentum prängend ist. Denn das Christentum wird von vielen Menschen - häufig durchaus zu recht - als einengend und unfrei wahrgenommen. "Christentum" bedeutet für viele Menschen Beschränkungen und Verbote... dies ist schlecht, das ist "Sünde", alles ist verboten. Und etliche Threads hier im Forum in der Form: "Darf man als Christ dieses oder jenes tun...?" scheinen das auch zu bestätigen.

Häufig steht dabei eine generelle Lustfeindlichkeit des Christentums im Zentrum, wobei die Sexualität natürlich eine sehr große Rolle spielt. Kein Sex vor der Ehe, keine Selbstbefriedigung, kein Fremdgehen, keine lüsternen Blicke oder Fantasien... alles ist verboten und eingeschränkt. Manchmal sogar bis hin zu bestimmten Praktiken in der Ehe. Hinzu kommen auch andere Dinge wie Völlerei, Gier und anderes... manche mögen sagen: Alles was Spaß macht ist nicht erlaubt.

Folglich gibt es Tendenzen, die "Freiheit" als etwas betrachten, das dem christlichen Glauben entgegensteht. Warum soll man erwachsene Menschen nicht tun lassen, was sie wollen? Wenn sie sich sexuell austoben wollen... bitte sehr, ist doch nichts dabei, solange alle einverstanden sind! Sollen die Leute doch machen was sie wollen, wer will sich da von irgendwelchen Vorschriften irgendwas verbieten lassen...? Wer Spaß an Orgien hat, welcher Art auch immer... bitte sehr, Freiheit ist angesagt!

Interessanterweise hat Paulus den Begriff der "Freiheit" ganz anders aufgefasst, und das finde ich tatsächlich spannend. Denn Paulus betrachtete jene Leute, die sich ganz ihren Trieben hingaben, als "unfrei". Denn sie waren ja Sklaven des Fleisches, also ihrer Triebe, hatten ihr Leben nicht unter Kontrolle, gaben sich Dingen hin, die ihnen letztlich schadeten.

"Freiheit" bedeutete für Paulus, sich nicht von seinen Trieben beherrschen zu lassen, sondern die Kontrolle dem "Geist" zu übergeben - und nicht dem "Fleisch". 

Paulus hat den Begriff der "Freiheit" also quasi ins Gegenteil verkehrt: "Freiheit" bedeutete nicht, seinen Trieben jederzeit folgen zu können - sondern genau das eben nicht zu tun... bzw. nicht tun zu müssen!

Allerdings besteht der Verdacht, dass Paulus hier möglicherweise zu weit ging. Denn er hat ja auch die Ehelosigkeit propagiert, und das mit der Bemerkung, dass jene, die es halt sonst nicht aushalten, durchaus heiraten mögen... es aber besser sei, es nicht zu tun.

Hier zeigt sich wohl auch die Lustfeindlichkeit, die man dem Christentum oft vorwirft, in dem es nicht nur darum geht, die fleischlichen Gelüste zu kontrollieren - sondern sie vollkommen zu unterdrücken oder sogar zu negieren.

Damit geht der Glaube aber meiner Ansicht nach zu weit, weil das letztlich eine Selbstverleugnung bedeutet. Den Ansatz, die eigenen Triebe zu kontrollieren kann ich noch mitgehen... alles zu leugnen und zu unterdrücken hat aber nichts mehr mit "Freiheit" zu tun, meiner Ansicht nach.

Wichtig finde ich jedenfalls, die unterschiedlichen Vorstellungen von "Freiheit" zu berücksichtigen... und die Frage zu bedenken, wie viel "Freiheit" (in deren Vorstellung) man anderen Menschen zugestehen kann.

Wie sehr ihr das?

Ist Christentum mit "Freiheit" vereinbar... oder ist es eher eine Einschränkung...?

 

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BePe0905
Beiträge : 613

@lucan-7 

Es erscheint mir etwas zu kurz (oder zu einseitig) gedacht, den Begriff "Freiheit" vorrangig mit dem Christentum in Relation zu bringen -  oder als Gegensatz zu christlicher Lebensauffassung sehen.

Ich sehe "Freiheit" zwar einerseits als Gegensatz zu "Gefangenschaft", wie es wohl die meisten Menschen tun. Aber das betrifft doch nur die körperliche Freiheit.
Die wahre Freiheit - und zwar die des Geistes und des Willens - reibt sich an allem, was in irgendeiner Form mit "Bindung" und "Verpflichtung" zu tun hat. Wer also eine Bindung eingeht (egal, ob dies die Ehe ist oder die Mitgliedschaft in einem Verein, die Zugehörigkeit zu einer (Religions-) Gemeinschaft oder die verbindliche Anmeldung zu einer Reise) gibt somit ein Stück persönlicher Freiheit auf und verpflichtet sich zur Annahme der Gruppenregeln. Denn schließlich hat Gruppe ihre Statuten, ihre Regeln, ihre Satzung - und mit Eintritt in diese Gruppe erkennt man sie an und verzichtet auf die Ausübung bzw. Erfüllung dagegen gerichteter persönlicher Wünsche. Das ist bei einer Religionsgemeinschaft nicht anders als in einem Karnevalsverein (und manchmal sieht man da überraschende Ähnlichkeiten...). 

Im christlichen Verständnis unterscheide ich aber zwischen "Bindungen" und "Verpflichtungen".
Bindungen verstehe ich vorrangig als äußerlichen Ausdruck, auch als Formalie, die unsere Freiräume zugegebenermaßen einengen und begrenzen.
"Verpflichtungen" sind für mich dagegen zwar meistens die Folge von Bindungen, oft aber wurden sie freiwillig bzw. aus Verantwortungsbewusstsein eingegangen. Wenn ich z.B. eine "eheliche (Ver-)Bindung" eingehe, dann erwächst für mich daraus (nicht nur) eine "innere Verpflichtung" zur Verantwortung für meine Partnerin - aber dieser kann ich durchaus mit Freude und einem hohen Maß innerer Befriedigung nachkommen. 

Mit einem Blick auf Paulus erkennen wir hier auch, dass jede Bindung, die wir eingehen, Verpflichtungen nach sich zieht, die uns in gewissem Maße unfrei machen. Und dies ist es wohl auch, was er mit Blick auf die Ehe meint, wenn er rät, möglichst nicht zu heiraten. Denn jede Bindung an andere Menschen birgt die Gefahr, dass unsere Bindung an Gott leidet, weil aus der Bindung zu Menschen Verpflichtungen entstehen, die uns mental, zeitlich, finanziell u.a.m. vereinnahmen und unsere Freiräume beschneiden. 

Die so oft beschworene "christliche Lustfeindlichkeit" gibt es mit Sicherheit, möglicherweise bei einzelnen Menschen sogar als Selbstzweck und Lebensinhalt. Und garantiert auch bei manchen Zeitgenoss/inn/en, die darin eine besondere christliche Anforderung - oder vielleicht gar Tugend (?) sehen wollen. Ich sehe sie aber eher als Produkt einer verklemmten (patriachaisch dominierten ?) Gesellschaft, die dies als Herrschaftsanspruch und Maßregelungsinstrument installierte und (leider auch heute noch) versucht, dieses mit wenigen vorhandenen Bibelstellen zu begründen. Im Gegensatz dazu beschreibt die Bibel sehr offen sexuelle Freuden (besonders im AT), aber diese Stellen wurden (zumindest in meiner Jugend) im Konfi-Unterricht schnell übergangen....  

Aber letztlich zeigen dann spätestens die Gebote einen gewissen Rahmen, der die (ungezügelte) persönliche Freiheit begrenzt, also sozusagen als "geistliche Vereinssatzung". 

"Freiheit" bedeutete für Paulus, sich nicht von seinen Trieben beherrschen zu lassen, sondern die Kontrolle dem "Geist" zu übergeben - und nicht dem "Fleisch". 

Ich möchte dies noch ergänzen: "Freiheit" bedeutet heutzutage für uns auch, sich nicht von materiellen Werten jeglicher Art beherrschen zu lassen, ebensowenig wie von menschengemachten Ideologien, die uns mehr beeinflussen und vereinnahmen, als wir es selbst wahrhaben wollen. Aber es ist uns nicht verboten, dies alles kennen zu lernen, im Sinne des Wortes: "Prüfet alles - und das Beste behaltet". Wobei klar sein dürfte, dass für manchen Zeitgenossen schon die Prüfung eine ernste Herausforderung ist, die nicht jeder meistert. 

In diesem Sinne denke ich auch an die Aussage des Songs "Me and Bobby Mcgee": "Freiheit ist ein anderes Wort dafür, dass man nichts mehr zu verlieren hat". Dies war (lange vor Kris Kristofferson) die Ordensregel der Bettelmönche - und das gilt eigentlich für Christen genauso wie für jeden anderen auch. 

 

bepe0905 antworten


Chai
 Chai
Beiträge : 4570

Manchmal fühlt man sich auch frei, wenn man weiß / wissen darf, dass man eine gewisse Verantwortung abgeben darf. 
D.h. man weiß, dass man letztendlich nicht für alles, was auf dieser Welt passiert, verantwortlich ist. 
Diese Erkenntnis kann unglaublich befreiend sein. 

chai antworten
1 Antwort
BePe0905
(@bepe0905)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 613

@chai 

Manchmal fühlt man sich auch frei, wenn man weiß / wissen darf, dass man eine gewisse Verantwortung abgeben darf.

Ja, mit Verantwortung ist das so eine Sache: 
Einerseits finde ich es als Anerkennung, Verantwortung übertragen zu bekommen. Und - seien wir mal ehrlich - Verantwortung zu tragen hat auch etwas mit Selbstwertgefühl zu tun. Man ist so etwas wie ein Wächter oder ein Hirte, der dafür sorgt, dass alles gut, richtig und sicher läuft und sich die anderen Menschen wohlfühlen. 
Aber ich stimme dir absolut zu, denn genauso schön und befreiend ist es aber auch, Verantwortung wieder abgeben zu dürfen, also sagen zu können: "dafür bin ich nicht (mehr) zuständig, macht das unter euch aus!"

 

bepe0905 antworten
Stern
 Stern
Beiträge : 2906

@lucan-7 

Ich finde jetzt den Faden nicht, aber ich meine irgendwo hast du auch die Frage gestellt, wovon genau denn nun diese Freiheit besteht im Christentum und dass dir da noch niemand eine befriedigende Antwort darauf geben konnte.

Diesbezüglich will ich zumindest darauf hinweisen (durch die Erinnerung daran in einem anderen Thread), dass Jesus Werk darin besteht, dass er die Macht des Teufels gebrochen hat.

Wie man „die Macht des Teufels“ nun einordnet, spielt eine untergeordnete Rolle (also ob als Krankheit, Besessenheit, Lebensfeindlichkeit, Verwirrung,…) wichtig ist theologisch nur: es ist erledigt. Was immer uns von Gott trennt - es ist weg.

Das ist selbst als Christ für mich so unglaublich, dass ich es nicht weiter erstaunlich finde, dass das ein Nichtchrist auch nicht glaubt. 

Warum ist es so unglaublich? Weil meine Sinne mir bisweilen etwas anderes sagen und ich es als Christ bisher auch nicht geschafft habe, diese Wahrheit für mich vollständig zu erfassen und zu erleben. Ständig gaukeln mir meine Sinne etwas anderes vor. Das ist also streng genommen der pure Unglaube, der es verhindert, dass ich diese Freiheit erfahre.

Sowohl als Menschen als auch als Christen dürfen wir machen was wir wollen (Prüfet alles und behaltet das Gute). 
Zur Orientierung haben wir Gebote. Die obersten zwei, die alle anderen unter sich vereinen, im NT und ansonsten unseren eigenen inneren Kompass (und den HG).

Der Kompass (Werte, Ziele) kann aber beschädigt sein oder falsch gepolt (Einflussbereich des Teufels) - und dann klappt das Prüfen auch nicht mehr (Messgerät kaputt und falsche Prüfkriterien). 

Dann hält man die falsche Richtung für die richtige Richtung (richtig im Sinne von förderlich für Frieden, Freude, Liebe,…).

Wenn dich niemand daraus (aus diesem beschädigten Zustand) befreien würde, würdest du auf ewig in die falsche Richtung laufen. 🏃‍♀️ 

Die Freiheit die sich für mich aus diesen Gedanken ergibt, ist für mich schier unglaublich, nach wie vor …

 

stern antworten
4 Antworten
Samira-Jessica
(@samira-jessica)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 633

@stern Aber der Teufel scheint dennoch Einfluss auf uns haben zu können ...

samira-jessica antworten
Stern
 Stern
(@stern)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 2906

@samira-jessica 

Aber der Teufel scheint dennoch Einfluss auf uns haben zu können ...

Theoretisch nicht.

Praktisch musst du aktiv widerstehen, was für mich soviel heisst wie sich bewusst darüber zu sein, welche Kräfte da gerade am kämpfen in einem sind und sich dann entscheidet, welchen man den  Vorzug gibt.

 

 

-

stern antworten
Samira-Jessica
(@samira-jessica)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 633

@stern Dafür muss man sich erstmal damit auseinandersetzen und dann aus der Schockstarre wieder herauskommen. Das hab ich in den letzten Monaten geschafft, aber es gar nicht so einfach.

Aber wenn man erkannt hat, womit man es zu tun hat, erleichtert das den Widerstand.

Und wenn man aus der Schockstarre raus ist, kann es sogar faszinierend sein, wie er arbeitet.

samira-jessica antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 28955

@stern 

Ich finde jetzt den Faden nicht, aber ich meine irgendwo hast du auch die Frage gestellt, wovon genau denn nun diese Freiheit besteht im Christentum und dass dir da noch niemand eine befriedigende Antwort darauf geben konnte.

Beim Thema "Freiheit" kann ich noch so weit mitgehen, dass der "Geist" über dem "Fleisch" stehen sollte... da stimme ich  also Paulus grundsätzlich hinzu, auch wenn ich denke dass er und die Kirche weit über das Ziel hinausschiessen.

 

Diesbezüglich will ich zumindest darauf hinweisen (durch die Erinnerung daran in einem anderen Thread), dass Jesus Werk darin besteht, dass er die Macht des Teufels gebrochen hat.

Ja, für diese Aussage fehlt mir tatsächlich das Verständnis. Denn davon ist nun wirklich gar nichts zu sehen.

Sünde und Verbrechen laufen auch seit der Kreuzigung ungehindert weiter, und es gibt auch keine großen Unterschiede zwischen Christen und Nicht-Christen. Historisch gesehen hat sich in der Welt nichts verändert. Wenn der Teufel also damals "besiegt" wurde, dann macht es jedenfalls keinen Unterschied - und deshalb halte ich diese Aussage für falsch und irreführend.

 

Der Kompass (Werte, Ziele) kann aber beschädigt sein oder falsch gepolt (Einflussbereich des Teufels) - und dann klappt das Prüfen auch nicht mehr (Messgerät kaputt und falsche Prüfkriterien).

Dann hält man die falsche Richtung für die richtige Richtung (richtig im Sinne von förderlich für Frieden, Freude, Liebe,…).

Wenn dich niemand daraus (aus diesem beschädigten Zustand) befreien würde, würdest du auf ewig in die falsche Richtung laufen.

Das passierte und passiert überall in der Welt, für Christen wie für Nicht-Christen... das Christentum macht da von aussen betrachtet keinen Unterschied. Und schützt auch nicht davor, Verbrechen zu begehen.

lucan-7 antworten


Arcangel
Beiträge : 6323

@lucan-7 

Es gibt zwei sich widersprechende Auffassung von Freiheit:
- Das eine ist Freiheit zu ....
- Das andere ist die Freiheit von ... 

Diese beiden Auffassungen spiegeln sich auch in Gesellschaft wider, währen eine amerikanische Auffassung von Freiheit der ersten entspricht, verstehen europäische Gesellschaft Freiheit auf der zweiteren Art. 

Der Ami sagt sich, der Staat soll sich zurückziehen damit ich tun kann was ich will. 
Der Europäer sagt sich, der Staat soll dafür sorgen das vor Übergriffen geschützt werde, und nicht zum Spielball von anderen werde. 

Die biblische Version von Freiheit entspricht definitiv der zweiteren. Das erkennt man schon bei der allerersten Gelegenheit wo Sünde ins spiel, kommt. Und das ist in 1.Mose 4,7 als Gott mit Kain spricht. Dort wird Sünde so beschrieben. 

"Ist es nicht so: Wenn du gut handelst, kannst du frei aufblicken. Wenn du aber nicht gut handelst, lauert die Sünde an der Tür, und nach dir steht ihre Begier, du aber sollst Herr werden über sie."

Im biblischen Verständnis herrscht entweder die Sünde über uns oder wir sind frei von ihr und Herrschen über Sünde. Dabei geht es nicht Gier, Macht, Eifersucht, Lust uvm. Gesetze sind schlussendlich nur eine Krücke um einen Rahmen zu geben aber sie helfen nicht, das wir frei von der Sünde sind. Du kannst alle Gesetze aus Furcht vor Strafe befolgen und dennoch Sklave der Sünde sein. 

Wer frei von der Macht der Sünde ist, kann Lust verspüren, eifersüchtig sein, und Macht ausüben, ohne sich zu versündigen, denn all das tut Gott. Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, was etwas Sündhaft macht ist, wenn seine Schöpfung dazu benutzt wird sich selbst, anstatt Gott zu dienen. 

Wie Luther schon gesagt haben soll, der Mensch wird geritten, entweder vom Satan zum Verderben, oder von Gott zum Heil. 

arcangel antworten
1 Antwort
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 28955

@arcangel 

Es gibt zwei sich widersprechende Auffassung von Freiheit:
- Das eine ist Freiheit zu ....
- Das andere ist die Freiheit von ... 

Diese beiden Auffassungen spiegeln sich auch in Gesellschaft wider, währen eine amerikanische Auffassung von Freiheit der ersten entspricht, verstehen europäische Gesellschaft Freiheit auf der zweiteren Art. 

Sehe ich nicht so.

Zunächst sehe ich nicht zwangsläufig einen Widerspruch zwischen den beiden, je nachdem was man dort einsetzt.

Und die Amerikaner mögen zwar behaupten, dass es ihnen um die persönliche Freiheit geht, alles tun zu dürfen - in Wahrheit geht es ihnen aber darum, alles aus ihrem Leben auszuklammern, das sie ablehnen.

Und das ist dann je nach Einstellung die Regierung, Banken und Steuern... aber auch andere Religionen, Kommunismus, fremde Ideologien. Das schließt dann auch LGBTQ ein, genau so wie "fremde Leute" aus anderen Ländern... und auch die Weigerung, sich mit der eigenen Geschichte kritisch auseinanderzusetzen und die Rechte von Schwarzen und Indigenen anzuerkennen, an deren Völkern Verbrechen begangen wurden.

Dem stehen dann jene gegenüber, die aufgeschlossener sind und sich für die Freiheit einsetzen, genau diese Dinge anzusprechen und sich für deren Anerkennung einzusetzen.

 

  Im biblischen Verständnis herrscht entweder die Sünde über uns oder wir sind frei von ihr und Herrschen über Sünde. Dabei geht es nicht Gier, Macht, Eifersucht, Lust uvm. Gesetze sind schlussendlich nur eine Krücke um einen Rahmen zu geben aber sie helfen nicht, das wir frei von der Sünde sind. Du kannst alle Gesetze aus Furcht vor Strafe befolgen und dennoch Sklave der Sünde sein. 

Ich denke, genau das spiegelt sich aber auch im "Fleisch" und im "Geist" wieder, die ja als gegensätzlich beschrieben werden... und in der Aufforderung durch Jesus, dass man von neuem geboren werden muss (Nämlich im Geist) zusammengefasst wird.

 

lucan-7 antworten
lhoovpee
Beiträge : 3537

@lucan-7 

Paulus hat den Begriff der "Freiheit" also quasi ins Gegenteil verkehrt: "Freiheit" bedeutete nicht, seinen Trieben jederzeit folgen zu können - sondern genau das eben nicht zu tun... bzw. nicht tun zu müssen!

Interessant finde ich es, dass diese Tendenz in jeder Religion vorhanden ist. 

Und ich denke ein Grund dafür ist, dass Täter ihre Freiheit immer missbrauchen und die Freiheit anderer missachten. Sei es in heutiger Zeit der Kindesmisbrauchring um Epstein, die Kindesmissbrauchfälle in den Kirchen und Vereinen, sei es der Menschenhandel in Bordellen. Sei es die Vergewaltigung in der eigenen Ehe oder die tausenden Übergriffe jedes Wochenende in Diskotheken, Kneipen und Volksfesten. Hier kommt der Aspekt des Alkohols, der ja meist von Religionen auch als Negativ angesehen wird, dazu. 

Bei all dem Fallen viele wohl in Ohmacht und verlangen sehr strenge Regeln; wie kein Sex vor der Ehe; kein Pronos; keine Selbstbefriedigung; kein Alkohol. Das die genannten Regeln nicht Zielführend sind, ist ja offensichtlich. Der Verzicht auf Befriedigung führt nicht dazu, dass Täter keine Menschen missbrauchen. 

Interessant und Paradox ist natürlich auch, dass jene, die solche konservativen Regeln fordern, gleichzeitig Menschen folgen/wählen, die die Regeln vollkommen ignorieren. Sei es ein Trump mit seinen Verbindungen zu Epstein oder seiner Aussage er dürfe jeder Frau in den Schritt packen, der von konservativen Christen gefeiert wird; oder sei in die CDU, die bis heute Großteils gegen "Nur Ja heißt Ja" votiert; damals gegen die Bestrafung von Vergewaltigungen in der Ehe war; und dennoch von vielen konservativen Christen gewählt wird. Ganz nach dem Motto: Andere sollen bestraft werden, ich selbst darf das aber!

lhoovpee antworten
1 Antwort
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 28955

@lhoovpee 

Interessant finde ich es, dass diese Tendenz in jeder Religion vorhanden ist. 

Und ich denke ein Grund dafür ist, dass Täter ihre Freiheit immer missbrauchen und die Freiheit anderer missachten. 

Ja, und vieles davon wird durch Religionen erst ermöglicht.

Religion dient ja nicht dazu, irgendwie "gut" zu sein, sondern dazu, eine bestimmte Gesellschaftsordnung aufrecht zu halten. Gelingt diese Ordnung, dann wird die Religion auch erfolgreich sein. Deshalb wird einer Glaubensgemeinschaft, die Chaos predigt, etwa in Form von Ausschweifungen oder zivilem Ungehorsam, auch kein langfristiger Erfolg beschieden sein.

Der Schutz des Einzelnen ist nur so lange von Bedeutung, wie die Ordnung nicht gefährdet ist. Deshalb ist Vergewaltigung in der Ehe auch kein Problem - so lange die Frau keine Möglichkeit hat, Anklage zu erheben und damit Unruhe zu stiften. 

Genau das wurde ja von der Kirche über etliche Jahrhunderte auch ermöglicht. Die Frau war Gehorsam schuldig, notfalls mit Verweis auf Paulus, Scheidung war ausgeschlossen - und mit diesen Repressalien konnte die Ordnung bewahrt werden. 

 

Bei all dem Fallen viele wohl in Ohmacht und verlangen sehr strenge Regeln; wie kein Sex vor der Ehe; kein Pronos; keine Selbstbefriedigung; kein Alkohol. Das die genannten Regeln nicht Zielführend sind, ist ja offensichtlich. Der Verzicht auf Befriedigung führt nicht dazu, dass Täter keine Menschen missbrauchen. 

Das dürfte wohl eher der Kontrolle durch die jeweiligen Religionsführer dienen. Wer über die Sexualität bestimmt, der bestimmt über das Leben. Und wer schuldig wird, der muss sich verantworten - was wiederum der Macht der Führung nützlich ist.

 

Interessant und Paradox ist natürlich auch, dass jene, die solche konservativen Regeln fordern, gleichzeitig Menschen folgen/wählen, die die Regeln vollkommen ignorieren. Sei es ein Trump mit seinen Verbindungen zu Epstein oder seiner Aussage er dürfe jeder Frau in den Schritt packen, der von konservativen Christen gefeiert wird; oder sei in die CDU, die bis heute Großteils gegen "Nur Ja heißt Ja" votiert; damals gegen die Bestrafung von Vergewaltigungen in der Ehe war; und dennoch von vielen konservativen Christen gewählt wird. Ganz nach dem Motto: Andere sollen bestraft werden, ich selbst darf das aber!

Ja, vor allem bei Trump scheint man das Brechen der Regeln als eigene Stärke zu interpretieren... schaut her, ich bin so mächtig, ich kann mir das leisten! Ich bin stärker als eure Regeln!

Es ist schon ein seltsames Phänomen.

lucan-7 antworten


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