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Errettung nur durch Glaube (Sola Fide)?

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Claudius
Themenstarter
Beiträge : 55

Hallo allerseits, ich überprüfe gerade oben angegebene Kernlehre der Reformation. Mein Problem ist jedoch, das ich in der Kirchengeschichte sowohl des Ostens als auch Westens bisher hierzu keine Bestätigung gefunden habe - eher das Gegenteil, nämlich die Lehre Glaube und Werk gehören notwendig zusammen und Glaube allein reiche eben nicht zur Rettung aus. Deshalb wollte ich fragen, ob ihr entsprechende Werke einzelner Kirchenväter kennt, die dieses Dogma bestätigen? Liebe Grüße.

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Kappa
 Kappa
Beiträge : 1588

@claudius 

Guten Morgen, ein guter Punkt.

Das war mein Kernproblem in meinem "früheren" Glaubensleben im evangelikalen Bereich.

Mich hat das fast verrückt gemacht. Innerhalb einer Gemeinde gab's Leute die sagten "einmal gerettet immer gerettet" und welche die ziemlich das Gegenteil sagten, das einem jede kleine Schwäche eine Heiden Angst machte. Jeder hatte irgendwelche Bücher oder Prediger hinter sich, oder eben Bibelstellen. Ich habe selbst das NT extrem oft gelesen und konnte es nicht wirklich zufrieden stellend für mich klären.

Durch einen Freund der eigenen evangelische oder freie? Theologie studierte, bin ich Recht spät mit einer Traditionellen Glaubensansicht in Berührung gekommen und habe mich dann mehr und mehr damit beschäftigt. 

Gerade auch die Teils sehr schroffen Schriften der Kirchenväter oder Apologeten passten so gar nicht mehr in das Bild wie der christliche Glaube heute vermittelt wird. Ich sag dann mehr Konsistenz in der Entwicklung des katholischen Glaubens und wurde nach einiger Zeit des zauderns dann Katholisch.

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Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 25 Jahren

Beiträge : 6323

@kappa 

Ich habe selbst das NT extrem oft gelesen und konnte es nicht wirklich zufrieden stellend für mich klären.

Na ja das Neue Testament alleine gibt auch kein Gesamtbild. Um zu verstehen, was Rettung bedeutet braucht man die Gesamtschau der Bibel. 

Bei dieser Gesamtschau wird schnell klar, dass das einhalten oder nicht einhalten von Gesetzen nicht das entscheidende Kriterium dafür ist, ob jemand von Gott gekannt wird oder nicht. Und ich verwende jetzt mal diese Formulierung und lehne mich da an die Aussagen von Jesus und seinen Gleichnissen. Denn Rettung ist schliesslich das, kennt mich Gott und er sich meiner an.

Die Fixierung auf die Sünde und Sündenvergebung der Austeilung der Gnade und Vergebung ist dabei eigentlich nicht das Entscheidende. Die Vergebung der Sünde ist lediglich Wegbereiter für aber nicht Inhalt der Rettung. Rettung ist ein Prozess denn Petrus in seinem 2. Brief in den ersten 11 Versen auf den Punkt bringt. Gleichzeitig ist Rettung aber bereits mit dem ersten Schritt vollendet. Es ist absolut irrelevant wie weit wir in diesem von Petrus beschrieben Prozess gekommen sind, entscheidend ist das wir in diesem Prozess stehen. 

Wenn dich die Katholische Kirche auf diesen Weg fördert und hilft dann super geh ihn weiter, wenn nicht, dann such dir eine Glaubensgemeinschaft die dies tut. 

Wir werden von Gott gekannt, wenn wir seinen Sohn immer mehr erkennen. Das und nur das ist relevant. 

arcangel antworten


Kappa
 Kappa
Beiträge : 1588

Zu den Werken; Beispielsweise gibt's das Zeugnis eines Schülers von Johannes dem Apostel, der ein Martyrium erlitten hat.

Wenn man das liest, kommt ganz klar zum Vorschein das er davon ausging, sofern er seinen Häschern nachgeben würde, er verloren wäre. Er war selbst ein alter Mann und wurde letztlich verbrannt. 

Nun geht's jetzt hier speziell um eine Sache, das Ausharren im Glauben. Aber das Grundprinzip bleibt - das eine Seele nicht nachgibt sondern entgegen eines eigenen Vorteils ein Opfer bringt. 

Was sich auch lohnt zu lesen, ist die Didache. Eine frühchristliche Gemeindeordnung.  Ich meine die wird sogar ins erste Jahrhundert datiert. Lohnt sich zu lesen!

kappa antworten
Deborah71
Beiträge : 29111

@claudius 

Mir ist noch kein Werk begegnet, das belegen würde, man sei lebendig, wenn man nicht atmet.  

Die Geburt von Oben geschieht auf Glauben hin und die Gnade wird wirksam zur Rechtfertigung. Am Kreuz kann man nichts nachbessern oder dazutun für seinen Einstieg in die Rettung. Das ist das Allein aus Glauben, der durch den Geist gewirkt wird im Herzen und das Allein aus Gnade

Luther hat 5 Soli formuliert. Reißt man sie auseinander, kommt man schnell zu Fehlschlüssen. 

Es gibt daher Lehren, dass der Glaube genüge und man sich nach wie vor sündig und egozentrisch verhalten könne, weil man ja glaube. Das ist aber vor der Schrift nicht haltbar und läuft unter Irrlehre. Eben ein falsch verstandenes Allein aus Glauben. 

Paulus und Jakobus ergänzen sich. Sie gegeneinander auszuspielen ist falsch. 

Gott müsse mich in den Himmel lassen, weil ich ja alle frommen Regeln perfekt einhalten hätte, ist der Irrtum unbelebter Religion, Selbstrechtfertigung durch Leistung. 

Gott müsse mich in den Himmel lassen, weil ich glaube, mich aber nicht danach verhalte, ist mMn Selbstbetrug. 

 

deborah71 antworten
2 Antworten
Claudius
(@claudius)
Beigetreten : Vor 2 Monaten

Beiträge : 55

@Deborah71

Luther hat 5 Soli formuliert. Reißt man sie auseinander, kommt man schnell zu Fehlschlüssen.

Ich formuliere meine Frage etwas anders, falls es nichts ausmacht:

Die 5 lutheranischen Prinzipien sind:

  1. Sola Scriptura (Allein die Schrift): Bibel als alleinige und unfehlbare Autorität in Glaubensfragen.
  2. Sola Fide (Allein durch Glauben): Der Mensch wird nicht durch Taten, sondern allein durch Glauben gerechtfertigt.
  3. Sola Gratia (Allein aus Gnade): Rettung ist ein unverdienter Akt göttlicher Barmherzigkeit, der nicht durch moralisches Verhalten verdient wird.
  4. Solus Christus (Christus allein): Jesus als einziger Mittler zwischen Gott und Menschen.
  5. Soli Deo Gloria (Gottes Glorie allein): Jeder Glaubensakt dient allein der Verherrlichung Gottes.

2, 3 und 5 stehen in direktem, logischen Zusammenhang und bedingen einander; 1 und 4 kann man als gegenseitige Konsequenz betrachten. Fasse ich ersteres Tripel in Form einer Aussage zusammen ergibt dies:

I. Der Mensch wird nicht durch Taten, sondern allein durch Glauben gerechtfertigt, denn Rettung ist ein unverdienter Akt göttlicher Barmherzigkeit, der nicht durch moralisches Verhalten verdient wird. Jeder Glaubensakt soll vielmehr allein der Verherrlichung Gottes dienen und ist daher mit jeder Form von Eigenkalkül unvereinbar.

Aus Kombination von 1 und 4 folgt des weiteren:

II. Jesus ist einziger Mittler zwischen Gott und Menschen. Daher kann und muss der Bibel als Wort Gottes alleinige und unfehlbare Autorität in Glaubensfragen zugebilligt werden.

Mein Problem:

Alle Theologen und Kirchenväter sowohl der westlichen als auch östlichen Christenheit, die ich bisher referenziert habe widersprechen in ihren Schriften explizit den Punkten 2, 3 und 4, teilweise darüber hinaus Punkt 1. Das kommt mir seltsam vor. Es sollte doch irgend einen Theologen vor Luther geben, der ihn stützt?!!!

claudius antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 29111

@claudius 

Das ist auch seltsam. 

Schön dargestellt von dir. 🙂

deborah71 antworten


Stern
 Stern
Beiträge : 2906

 

Ich glaube nicht, dass man das für alle über einen Kamm scheren kann.

Denn jemand, der kurz vor seinem Tod (oder vielleicht auch während seinem Sterbeprozess) auf Jesus vertraut ist anders zu bewerten als jemand, der nach seiner Umkehr noch ein Leben vor sich hat, in dem er tatsächlich noch handeln kann.

Ich weiss nicht, ob man das Thema in ein entweder-oder- Schema pressen kann.

 

stern antworten
8 Antworten
Kappa
 Kappa
(@kappa)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 1588

@stern 

Da ist was dran. Der Schächer am Kreuz wird hier oft gebracht als Beispiel. Wobei er in dem Sinn natürlich kein Leben mehr für Gott leben konnte. Allerdings hatte er extremes Leid zu ertragen und hier nicht zu verzweifeln oder zu verbittern, das ist nicht so einfach gewesen. 

Aber natürlich wer sich auf seinem Sterbebett sozusagen zu Gott hinwendet, bei dem ist es praktisch was anderes als wenn man ein "normales" Leben mit Gott über einen längeren Zeitraum führen darf.

kappa antworten
Stern
 Stern
(@stern)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 2906

@kappa 

Aber natürlich wer sich auf seinem Sterbebett sozusagen zu Gott hinwendet, bei dem ist es praktisch was anderes als wenn man ein "normales" Leben mit Gott über einen längeren Zeitraum führen darf.

Genau.

und ehrlich gesagt: man weiss auch  nicht, wie das Leben davor bewertet wird…da hat es ja vielleicht trotzdem etwas uneigennütziges gegeben, das Gottes Willen entsprochen hat

stern antworten
Kappa
 Kappa
(@kappa)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 1588

@stern das ist durchaus möglich, immer wenn man der Liebe aus gehandelt hat vielleicht

kappa antworten
neubaugoere
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 19188

@kappa 

Der Schächer am Kreuz hat ihm Anbetung gegeben, Ehre. Sein Herz war verändert. Er hatte erkannt. - Und sowas äußert sich ...

neubaugoere antworten
Kappa
 Kappa
(@kappa)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 1588

@neubaugoere ja das auf jeden Fall. Dazu musste er es durchhalten in diesen schweren Stunden.

kappa antworten
neubaugoere
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 19188

@kappa 

Ich hab jetzt ne Weile überlegt, ich hake doch noch mal nach. Du weißt: ein jeder prüfe, das Gute behalte.

Dieses - sinngemäß -: "Der Schächer hat am Kreuz kein Leben mehr für Gott gelebt" <-- auf diese deine Gedanken möchte ich noch mal zurückkommen. Gibt es da bei dir eine Art Leistungsgedanken, dass jeder ein Leben für Gott leben muss und wenn nicht - wie beim Schächer - ist das (gefühlt) "ungerecht" (man beachte die Anführungszeichen)?

Ich frag mal lieber, bevor ich da was reininterpretiere ...

neubaugoere antworten
Kappa
 Kappa
(@kappa)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 1588

@neubaugoere 

Mh, so glaube ich nicht.

Im Mutterleib gestorbene Kinder haben ja als Beispiel noch keinerlei Leistung in dem Sinn gehabt.

Das ist eher so- wenn Gott einem mit einem Leben segnet, dann vertraut er einem quasi wie im Gleichnis, die Talente an. Also Verantwortung so zu leben, das wir sein Freunde sind und seinen Willen suchen. Wem mehr anvertraut ist,  da wird man mehr fordern 

Für Menschen die das gar nicht mehr können aufgrund fehlender Zeit ist es natürlich anders.

kappa antworten
neubaugoere
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 19188

@kappa 

*hm* Anders: Ich frage nach dir, wie du tickst. (nicht, wie "es" allgemein verstanden wird)

Ich frage, ob da evt. bei dir ein Leistungsgedanke vorhanden ist (ein Leben für Gott leben) oder vielleicht Neid (der Schächer hatte es gut, der kam gleich mit, musste kein Leben für Gott leben <-- ich hab arg übertrieben, aber unser Innerstes ist manchmal so)?

Ich kann mich täuschen. Dann sag es einfach.

neubaugoere antworten
Kappa
 Kappa
Beiträge : 1588

Hi Deborah,

Das stimmt natürlich der Eintritt in den neuen Bund , das überhaupt zu Jesus zu kommen ist freilich ein Geschenk das man in dem Sinn nicht erarbeiten kann. 

Ich habe seine Frage nur so verstanden, das es sich auf die Zeit im Nachgang dann betrifft - was mache ich sozusagen mit den Talenten die Christus mir gegeben hat, er hat uns ja von der Sünde befreit.

kappa antworten
1 Antwort
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 29111

@kappa 

Wir sind von der Macht der Sünde befreit, aber noch nicht von den alten Gewohnheiten. Heiligung ist ein Prozess. 

In einem der Johannesbriefe müsste so formuliert werden: er kann nicht mehr sündigend bleiben. 
Der Heilige Geist schärft das Gewissen ... und klopft oft höflich mahnend an...  "ey, muss das jetzt so? Du kannst jetzt doch auch anders... " .  

deborah71 antworten


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