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Ich war früher "Fundamentalist" und bin es heute nicht mehr

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wisefool
Themenstarter
Beiträge : 53

Vor ca. 20 Jahren habe ich Gott in einer Freikirche erlebt. Ich hatte noch nie so etwas Schönes gefühlt und habe dann versucht, mich in diese Gemeinde einzubringen, was aber aufgrund meines "Werdeganges" nicht gerne gesehen war. Es war eine Pfingstgemeinde. Ich hatte in der Angfangszeit auch einige christliche Freunde, die keine wirkliche Ahnung hatten und mein Glaube wurde so von Anfang an auf ein schlechtes Fundament gestellt. Ich habe dann immerzu dieses Gefühl der Einheit mit Gott zu reproduzieren versucht und bin sowohl in der Gemeinde als auch außerhalb Menschen mit meinen Aktionen auf die Nerven gegangen. Irgendwie hat das Alles nicht funktioniert und da ich immer mehr ausgegrenzt wurde, was ja verständlich ist, begann ich, mich abzukapseln und zu radikalisieren. Nicht in dem Sinne, dass man ein Attentat plant, doch ich habe viele Meinungen einfach übernommen, weil ich dachte: "die sagen das ja auch Alle und da muss ja irgendwo ein Weg sein..." Diese ganzen Sachen "die man tun oder glauben muss um ein guter Christ zu sein", wovon 90-95% irgendwelcher politischer Bullshit aus den USA der Reagan-Ära ist, (pro life, god hates gays, Obamanation usw.) und ich bin dann über irgendwelche Internetportale in den Nuller-Jahren in eine Verschwörungsnische abgerutscht.

Mittlerweile beobachte ich mit Kopfschütteln die Entwicklungen im AfD- und Trump-Bereich und es grämt mich, dass Leute wie ich wahrscheinlich die Vorläufer von diesem ganzen Q-Anon-Mist waren.

Dabei muss man ganz klar sagen, hätte ich eine Gemeinde gefunden, wo die Leute mich aufgenommen hätten, wäre es wahrscheinlich nicht so schlimm gekommen. Aber das war auch Alles nicht so einfach, ich hatte oft den Drang, die Gemeinde zu wechseln, da ich mich dort schon lange nicht mehr richtig wohl fühlte, doch der Leiter sagte immer nur "Wenn Gott dir das nicht eindeutig sagt, würd ich an deiner Stelle hier bleiben" (denn so is dat in einer richtjen Fingsjemeinde). Gaslighting at its finest. Oh habe ich schon erwähnt, dass ich dort auch ca. acht Jahre lang den Zehnten bezahlt habe :/

Ende vom Lied war, dass ich massive Probleme bekam und mein Leben nun nicht mehr normal führen kann. Selber Schuld, auf jeden Fall. Ich bin jedoch von meisten radikalen Positionen abgekommen (Außer das Opfer von Jesus zu proklamieren, damit ich eine neue Kreatur werden kann) und habe Gott erst nach 20 Jahren wieder neu erlebt. Ich bin auch mittlerweile sehr froh über die Trennung von Kirche und Staat, denn diese erlaubt uns, zu glauben was wir wollen (und allen Anderen auch), gleichzeitig möchte ich betonen, dass ich es wichtig finde, dass Christen sich nicht durch die Politik ermächtigen um anderen Gruppen Nachteile aufzuladen. Das ist einfach nur niederträchtig. Die Trennung von Kirche und Staat geht mir auch noch nicht weit genug, erst wenn bspw keine Vorteile von "Kernfamilien" gegenüber Patchworkfamilien bestehen. Aber hey, so läuft das doch lauf Bibel auch ("was du nicht willst das füg auch keinem Anderen zu" oder wieder war das?) Nun würde ich gerne ein normales Leben führen. Es ist jedoch schwierig. Wo fängt man an?

Mir ist bewusst, dass ich vor einigen Jahren ein paar Leute hier im Forum vor den Kopf gestoßen habe wegen irgendwelchen religiösen Themen. Es wäre toll wenn ihr mir den Blödsinn verzeihen könntet. Leider habe ich selber kaum jemals erlebt, dass Christen sich mir gegenüber entschuldigt haben.

Ich hoffe auf eine angeregte und respektvolle Diskussion.

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29 Antworten
neubaugoere
Beiträge : 15439

Also ich kann dir alles verzeihen, ich kann mich eh nicht erinnern, ob wir jemals "aneinandergerieten". 😉 😀

Ein Gedanke von mir bezüglich Gemeinde, Gemeinde suchen (weil einige hier Bezug genommen hatten). Ich erzähl dir mal, wie ich in meine zwei Gemeinden kam, bei denen auch nicht alles rund läuft und ich in jeder Gemeinde genug "(An-)Eckpunkte" aufzählen könnte:

In meine erste Gemeinde führte mich Gott. Ich sage das bewusst und gern so, weil ich zwar "gesucht" habe (ich hatte das innere Verlangen danach, irgendwohin gehören zu "müssen"), aber mein sicher auch einziger Versuch in einer Bibelstunde begann und endete, in der ich von vier Ehepaaren vermutlich über 70 und 80 saß mit einem Pastor um die 30. 😀 (ich find das heute ziemlich witzig) Das war nicht so meine Vorstellung von "Gemeinde". Ich wusste nicht, was richtig oder falsch ist und bat Gott. Der sandte mir jemanden, der mich in seine Gemeinde einlud und nicht nur das, er beantwortete Jahre vorher meine ganzen Fragen, die ich hatte und blieb hartnäckig in seinen Einladungen. 😉 Also ging ich irgendwann mit und das war dann meine Heimat. Ich war in allem neu. Heute sage ich über diese ersten Jahre und diese Gemeinde, sie war mein Brutkasten, meine Kindertagesstätte, mein Ausbildungsbetrieb.

Diese Gemeinde "starb". - Ich saß also ohne Gemeindeanschluss da. Also bat ich Gott, hatte ja schon mal "funktioniert". 😉 Ich musste lernen, dass Gottes Geist mich führt, während ich mich "bewege", während ich auf dem Weg bin. Als ich das verstand, brauchte ich nur die Türklinke zu berühren und hatte meine Antwort (also den Namen der Gemeinde). Ich hatte alle Gemeinden, die für mich halbwegs in Frage kamen (keine Landeskirche), durch die Allianz-Gebetswoche bereits kennengelernt, hatte reinschnuppern können, die Prediger kennengelernt und die Atmosphäre. Ich ging die Straße entlang in Richtung dieser Gemeinde und Gott ließ mich einen Schriftzug über dem Haus sehen "Familie". Er empfing mich mit einem mir sehr lieben Dialekt 😉 und eben sehr liebevoll und freundlich. Und auch meine acht Bestätigungsbitten beantwortete mir Gott immer ohne Murren. 🙂

Später erfuhr ich dann, warum es diese Gemeinde sein sollte und immer noch ist. Sie ist mein Schleifstein und ich bin ihrer, sie ist meine Heilung und ich kann ein wenig Leben reinbringen, wir lernen von- und miteinander, sind einander Inspiration und Herausforderung. Wir gehen miteinander den Weg, jeder für sich und wir alle gemeinsam. So verstehe ich Leib Christi. 

Ich hoffe, ich konnte ein wenig inspirieren und/oder zum Nachdenken anregen.

Segen dir.

neubaugoere antworten
2 Antworten
wisefool
(@wisefool)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 53

@neubaugoere 

Ja ich glaube ich habe dich auch einmal angepflaumt damals. Entschuldige das bitte. Was, acht Bestätigungsbitten?!? 

Irgendwie fällt mir da auch wieder eine ganz kleine Gemeinde ein, mal schauen. Ich habe zur Zeit das Thema "Zuhause sein", was dort passen könnte.

wisefool antworten
neubaugoere
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 13 Jahren

Beiträge : 15439

@wisefool 

Ja, acht. - Ich dachte: näääää, die sind so anders als ich und die glauben so anders als ich ... wirklich? Dein Ernst??? - nach dem siebten Mal wollte ich schon aufhören und fragte noch ein achtes Mal, bis ich es wirklich verstanden und verinnerlicht hatte. 😀 Okay, er meint es ernst. 😀 Dann wird dat wohl'n Sinn haben, den ich nicht (noch nicht) sehe.

neubaugoere antworten


Deborah71
Beiträge : 23077

@wisefool 

Zum Beitrag

Aus deinem Beitrag schaut mich eine Aussage an, die ich nicht wirklich auf Reihe kriege, was du damit meinst.

(Außer das Opfer von Jesus zu proklamieren, damit ich eine neue Kreatur werden kann) und habe Gott erst nach 20 Jahren wieder neu erlebt.

Zwischen eine Wahrheit proklamieren und die Wahrheit für sich glaubend annehmen, sehe ich einen Unterschied. Wie passt das Gott neu erlebt haben dazu? Und was willst du ausdrücken?

 

deborah71 antworten
2 Antworten
wisefool
(@wisefool)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 53

@deborah71 Du hast schon Recht, das ist ein Unterschied. Für mich gehörte das Beides im Prozess so eng zusammen, dass mir das nicht auffiel. Das Akzeptieren und das In-Anspruch-nehmen. Ich sage dann in Gedanken: "Gott du hast dafür bezahlt, dass ich in der Situation den Weg finde, Gott, du hast bezahlt für den Groll, den diese Person gegen mich hat, Gott, du hast bezahlt, dass ich in deine Gegenwart kommen kann, hast für diese Sünde bezahlt usw.

Klingt ziemlich banal, nicht?

‭Hebräerbrief 9:12 SCH2000‬

[12] auch nicht mit dem Blut von Böcken und Kälbern, sondern mit seinem eigenen Blut ein für alle Mal in das Heiligtum eingegangen und hat eine ewige Erlösung erlangt. 

Das Schönste ist, dass es nicht weniger wird wenn man es gebraucht hahaha

 

wisefool antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 23077

@wisefool 

Zum Beitrag

Danke, jetzt wird es klar.

Banal?  Ich sage: geniale Dinge sind einfach. 🙂 

deborah71 antworten
Kappa
 Kappa
Beiträge : 277

@wisefool guten Tag,

 

Ein Stück weit ist meine Geschichte eine ähnliche, aus dem Süddeutschen Raum.

Leider war ich zwischenzeitlich komplett vom Glauben weg, das hätte auch böse ausgehen können da ist es im Zweifelsfall besser, man bleibt im Glauben.

Ich bin dann vor ein paar Jahren wieder zum Glauben "gezogen" worden. Ich hatte dann neu versucht die richtige Gemeinde zu finden, irgendwann bin ich über einen Freund dann zum katholischen Glauben gekommen.

Aber, den nehme ich schon ernst und der verritt auch Konservative Werte. Allerdings ist der Glaube dort viel weniger Subjektiv ausgerichtet und es gibt eigentlich quasi keine Unklarheiten wer zum Beispiel wiedergeboren ist und wer nicht und bezüglich den Lehren relativ klare Strukturen, was mir geholfen hat. Das war früher, weil ich Theologisch Interessiert war, ein Problemchen für mich.

 

Aber bezüglich: "Mittlerweile beobachte ich mit Kopfschütteln die Entwicklungen im AfD- und Trump-Bereich und es grämt mich, dass Leute wie ich wahrscheinlich die Vorläufer von diesem ganzen Q-Anon-Mist waren."

Denke ich nicht so. QAnon ist USA spezifisch, damit haben wir direkt ja nicht zu tun.

Dann muss man aber schon sagen das gewisse Endzeit- Lehren oder sogenannte "Verschwörungen" zum gewissen Teil einen biblischen Befund haben.  Nicht im Detail das ist der Punkt, aber grundsätzlich doch so weit, das auf dieser Erde in der Politik eben nicht alles so fair und erhaben sein kann, wie der Zeitgeist und hiesigen Medien einem das permanent kolportierten. 

Ansonsten mache ich mir mittlerweile auch Sorgen das Christen bei politischen Richtungen mitlaufen, welche unsere Werte förmlich hassen, bekämpfen und mit Füßen treten. 

 

Viele Grüße Edd

 

 

 

kappa antworten


wisefool
Themenstarter
Beiträge : 53

Hallo Kappa,

erst einmal finde ich deine Geschichte sehr interessant, bei mir hat sich das so eingeschlichen dass ich mittlerweile denke, es wäre nicht gut, den großen kirchen den Glauben abzusprechen, so wie das manche radikalen Christen aller Couleur tun. "Das sei ja nicht die richtige Lehre, nicht die richtige Kirche, nicht die 'Herausgerufenen'". Auch wenn das nie explizit von Leitungskräften ausgesprochen wird, schwingt das doch immer wieder mit, und diese Denke pflanzt sich in "Seitentaschen" von Freikirchen munter fort.

Nein ich denke, wir müssen nicht Alles mitmachen, auch nicht Alles gut heißen, aber wir müssen doch akzeptieren, dass es andere Menschen gibt, die das Alles ganz anders sehen und das auch dürfen. Kirche und Staat haben das weltliche Recht, vollkommen getrennt zu sein. Und Gott gibt uns auch die Kraft, das so stehen zu lassen. Das ist sehr praktisch, weil man sonst Gefahr geht, in Verbitterung zu ertrinken.

Viele Menschen haben ein falsches Bild vom Glauben und das ist ehrluch gesagt auch gut verständlich wenn man sich die letzten 2000 Jahre mal genau anschaut und sich fragt was das mit Jesus zu tun hat.

Denen kommt es doch wie Hohn vor, wenn wir von Christenverfolgung reden und leider ist das sehr verständlich.

Leider hinterfragen wir trotzdem nicht die "Werte" des Mittelalters. Die weltliche Macht der Kirche, welche die Inquisitionen, Kriege, Ablasshandel und Ausgrenzung bis hin zur Exkommunikation hervorgerufen hat, diese Themen gilt es aufzuarbeiten. Was wir nicht wollen, das sollten wir auch keinem Anderen zufügen. Ganz egal welchem Glauben oder was für einer Bewegung diese Leute angehören. Das auf die globale Gesellschaft auszuweiten, wäre nur die folgerichtige Veränderung, die wir den Menschen schon so lange versprechen. Sind wir so kurzsichtig, dass wir nicht sehen wollen, dass das wonach sich viele Menschen schon seit langer Zeit vergeblich sehnen: "Ich bin auch ein Mensch!" Genau das ist was Jesus in Wirklichkeit schon seit 2000 Jahren von uns fordert.

wisefool antworten
Arcangel
Beiträge : 4448

@wisefool 

Hallo, auf deine Gemeindesituation will ich gar nicht grossartig eingehen. Mehr auf deinen Titel, den du gewählt warst.

Darf ich fragen, wie du dich heute bezeichnest? Was man nicht ist oder nicht sein will, hat man schnell beantwortet, aber was man ist, ist eine schwierigere Frage. 

arcangel antworten
3 Antworten
wisefool
(@wisefool)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 53

@arcangel 

Ich bin schon Christ, oder was meinst du? Würdest du das auch so sehen oder stört dich was am Gesamtbild?

Das ist eine gute Frage und da müsste ich selbst mal eine Weile drüber nachdenken. Ich bin lange am Leben vorbeigerannt und würde gerne wieder mehr Kompatibilität finden, habe Gott neu erlebt und muss irgendwo von vorne anfangen. Und ich finde es logisch, dass man eins und eins zusammenzählt und sagt: Die Entwicklung der Menschenrechte aus der Erkenntnis von Stückwerk, die das Ziel der Weltgeschichte zu sein scheint und vom Kategorischen Imperativ untermauert wurde, muss vom Christentum bestätigt und nicht bekämpft werden. 

Andersrum wird auch ein Schuh daraus: Man kann leicht behaupten, Christ zu sein doch wenn man genau hinschaut, ist es nicht so einfach. Manche Christen bekommen in der Seelsorge gesagt: " Findest du es nicht irgendwie schizophren, wie du das lebst?" Und doch ist es ein Prozess, wo nicht Alles von jetzt auf gleich so läuft wie wir es gerne hätten.

Dann wiederum geht im christlichen Bereich auch Vieles nach dem Motto "walk that walk, talk that talk" und wenn man lange genug unauffällig war und Alles absolviert hat, kriegt man einen Aufkleber: "Offiziell bestätigt", damit alle Anderen das auch wissen? Es hieß auch mal irgendwo "die Liebe glaubt Alles, aber was glaubt sie denn eigentlich, wenn sie Alles glaubt? Wie kann sie Alles glauben, aber dem einen Typen, der geht gar nicht und dem glaubt sie es nicht, denn der ist total unmöglich, das haben der Liebe ihre Nachbarn gesagt.

Jedenfalls werden die Wunder irgendwann aufhören und auch die Prophetie wird aufhören, aber die Liebe wird nicht aufhören.

wisefool antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 23 Jahren

Beiträge : 4448

@wisefool 

Jede christliche Glaubensgemeinschaft hat so ihre kulturellen und theologischen Probleme. Das Verständnis von Jesus ist leider viel zu oft von denominelen Normen eingefärbt. Diese zu sehen fällt einem, wenn man einen Schritt zurück macht und eine Aussensicht einnimmt, nicht schwer.

Dem Begriff Fundamentalist müsste man demnach noch ein Substantiv anhängen. Täufer, Pfingstler, Charismatiker, Calvinist, oder was auch immer. Sich gegen diese Substantive und deren theologischen und kulturellen Gebäude zu stellen und diese zu dekonstruieren, finde ich eine gute Sache.

Doch wenn man fertig ist mit dekonstruieren, liegt es an einem wider anzufangen aufzubauen, nicht alles, was man dekonstruiert hat, ist schlecht und manches muss man total verwerfen, anderes hinzufügen.

Wenn du mich fragst, ob ich ein Fundamentalist bin, dann muss ich dies bejahen, Jesus ist mein Fundament und mein Ziel. Von Jesus her und auf Jesus versuche ich alles in meinem Leben auszurichten. Ein anderes Fundament will ich nicht.

Das Problem ist, dies bringt mich zwangsläufig in Konflikt mit der Welt. Denn Leben findet sich nicht, in dem, was die Welt bietet, sondern alleine darin, was Gott einem Offeriert.

Dass man ein frommes Leben faken kann, ist wohl offensichtlich. Das prangerten die Propheten schon lange vor Jesus an.

Wer Christ ist, für den ist Gott normativ und nicht die Welt. Die Krux ist, dass viele ihre Interpretation dessen, was Gott gesagt haben, soll als normativ verkaufen.

Für mich läuft Christsein auf zwei fundamentale Werte hinaus.
Absolute Treue, Hingabe und Liebe gegenüber Gott. Gekoppelt mit dem, was Augustinus gesagt hat. Liebe und dann tu, was du willst.

Theologische, unterschiedliche Sichtweisen werden hierin irrelevant. So wie es Paulus geschrieben hat.

Röm 14,22 Wovon du persönlich überzeugt bist, das ist eine Sache zwischen dir und Gott. Glücklich schätzen kann sich, wer so handelt, wie es seiner Überzeugung entspricht, und sich nicht selbst verurteilen muss.

Und was das Ziel der Weltgeschichte ist, ist genauso irrelevant, relevant ist alleine, was Gottes Ziel ist. Und das ist die Verherrlichung seiner Heiligen in der kommenden Erde in der Er alleine alles unter seiner Macht gestellt hat.

arcangel antworten
wisefool
(@wisefool)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 53

@arcangel Als erstes Mal danke für deine Antwort, ehrlich gesagt werde ich immer gleich unruhig wenn Leute fragen was ich bin. Früher war es auch schon so: Man wird von einem Leiter gefragt, was man eigentlich ist und das wirklich Beunruhigende an der Frage ist, dass es sich plötzlich anfühlt als wäre Glauben oder Unglauben in diesem Moment nur irgendwelche Gerüchte, irgendwelches Hörensagen und "Weil derundder dem Pastor das gesagt hat, weiß er was der Glaube bedeutet und solange du das auch glaubst bist du schon auf ein guten Weg". Aber das Beklemmende in der Situation ist, dass man nach dieser Frage das Gefühl hat, der Pastor weiß es auch nicht besser...

Aber ich denke, Gottes Berührung geht doch weit über dieses Hörensagen hinaus und auch über ein "frommes Leben". Gerettet sein kommt davon, dass wir es nicht selbst vollbringen können, sondern dass er bezahlt hat für uns. Vielleicht können wir noch nicht mal immer Alles vollbringen was die zehn Gebote fordern. Kinder können auch nicht von Geburt an laufen und bei manchen dauert es beträchtlich länger, andere lernen dafür früher sprechen. Bei uns hieß es immer: "Wenn du gerettet bist, dann weißt du dass du gerettet bist." Das half mir jedoch überhaupt nicht. Ich dachte: naja, Gott hat mich berührt und auf einmal war Alles anders, aber was jetzt? Alles was ich an christlichen Aktivitäten da drauf klatschte, hat irgendwie nicht langfristig dazu geführt, dass ich als christlicher Mensch autark wurde. Unser Pastor nahm manchmal den Psalm 1 wo es heißt: "der Gerechte ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen" und sagte: "Wenn man ein Baum ist, gepflanzt an Wasserbächen, dann kann man auch mal eine Dürre überstehen, aber es gibt auch diese Bonsaichristen, die man immer wässern muss, damit sie nicht eingehen." Und trotzdem hatte man immer das Gefühl, dass in der Gemeinde die "Fähigkeit, abhängig zu sein von Gott" als ein zu hohes Gut eingestuft wurde, zu dem sich die modernen, individualistischen Menschen überhaupt nicht mehr befähigen lassen. Diese Botschaft degenerierte jedoch schnell zum Abhängigsein von der Gemeinde. So wurde im Endeffekt das Bonsaichristentum zur Leitkultur. Ich kann heute nicht mehr genau sagen, ob ich das nur so wahrnahm, weil ich in Wirklichkeit voll dran vorbei gelaufen bin, doch es schien mir, als wenn ich geradezu in diese Richtung gelehrt worden wäre.

Wenn ich ein paar Schritte weiter weg gehe, dann denke ich eher, dass Gott uns auch die Kraft und die Perspektiven gibt, in der heutigen individualistischen Gesellschaft als Menschen klarzukommen und dass die Denkweise, der Individualismus sei per se schlecht, genau aus dieser übermäßig abhängigen Selbstsicht kommt (was bequem ist, da man die wichtigen Entscheidungen immer an jemand Anderen abgeben kann). Aber was war dann der Sinn der Bonsaipredigt? Irgendwie drehte sie sich ja im Kreis und bewirkte genau das Gegenteil... die klangvollen Worte haben mich nicht überzeugt. Ich verstehe bis heute nicht den Pastor von damals, denn ich hatte bei ihm immer das Gefühl, dass er das wirklich lebte, und trotzdem haben wir so aneinander vorbeigeredet. Es erschüttert mich ein Wenig, mir vorzustellen, dass er vielleicht oft absichtlich an uns vorbeigeredet hat um uns zu provozieren, selbst den richtigen Weg zu finden, statt einfach zu sagen, was dazu nötig ist. Es sei denn, ich war so taub und blind, dass ich es einfach nicht verstanden habe. Aber es ist doch nicht richtig, das Christsein zu einem Adeptentum zu machen, wo nur die Eingeweihten mitspielen können...

Es war also irgendwie klar, dass das ein komischer Weg war. Ich frage mich häufig, ob es sich lohnen würde, das mit meiner alten Gemeinde aufzuarbeiten. Der damalige Jugendleiter ist scheinbar jetzt der Gemeindeleiter und ich hatte wenigstens früher das Gefühl, dass er mich mochte. Vielleicht bringt es auch überhaupt Nichts und es ist besser wenn ich es nicht tue. Ich weiß dass ich gerettet bin, vielleicht ist das das einzige Gute, was ich von damals mitnehmen kann. Ein ziemlich moderner, individualistischer Schluss... scheinbar brauchen manche Menschen eine Sekte, um Gott zu erleben.

wisefool antworten


Blumenwiese
Beiträge : 96

@ wisefool dieses Auf und Ab, kenne ich auch nur zu gut und ich frage mich gerade ob es denn wichtig ist zu einer Gemeinde zu gehören, sind nicht die Gläubigen diese Gemeinde, ich meine ob allein oder in einer Gemeinde.

Es gibt soviel Sünde in jeder Gemeinde, besonders letztens kamen einige Missbrauchsfälle, auch in reformierten Gemeinden zu Tage, will und soll man denn zu solchen Gemeinden gehören?

blumenwiese antworten
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