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Jesus - absolut und relativ

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AWHler
 AWHler
Themenstarter
Beiträge : 2297

An Jesus glauben, ihm folgen, Gott in ihm sehen - ja, darum geht es in unserem christlichen Glauben.

Aber dieser Glaube und das Bekenntnis zu ihm steht in Frage – und die heißt: Hat die frühe Christenheit (das NT, die Evangelien, die frühe Kirche) Jesus von Nazareth erst nachträglich und verfälschend zu etwas gemacht (zum alleinigen Heiland & Retter der Welt), was er ursprünglich gar nicht war und sein wollte? Oder haben sie ihn - nachösterlich - erst richtig erkannt und angemessen bekannt., als das was er tatsächlich war, ist & bleibt, und was sich mit ihm offenbart hat?

Im Verständnis unseres Glaubens an Jesus Christus und im Streit um sein Verstehen gibt es oft nur eine "Entweder-Oder"-Alternative: Entweder NUR und AUSSCHLIESSLICH das Bekenntnis zu ihm - oder das Ein-geständnis und die Verwerfung, dass der Glaube an ihn (als den Christus) Verfälschung, Missverstehen und ein Konstrukt ist.

Es gibt, denke ich, noch eine andere Möglichkeit: Sie besteht schlichtweg darin, dass jede brennende Liebe und jede befreiende, beglückende und ehrliche Erfahrung ihren Ausdruck sucht. So weiß ein Verliebter definitiv, dass das Objekt seiner Liebe der/die "Schönste, Beste und Tollste" auf dieser Erde und seit Menschengedenken ist. Niemand verdenkt ihm/ihr diese Liebesbezeugung und einzigartige Bindung. Und es ist nicht die Unwahrheit, sondern Erfahrung, ehrliches Bekenntnis, leidenschaftliches Empfinden.

Objektiv geht es auch nicht darum, Jemandem diese Liebe auszureden oder mieszumachen. Er/sie teilt es mit der Welt. Aber die Verhältnissetzung dieses absoluten Bekenntnisses relatviert sich natürlich, ohne dass die Liebe, die Beziehung und die Erfahrung damit geschmälert oder getrübt wird.

Im 20./21. Jhdt ist die Geschichte, das Welterkennen und unser Wissen aber nun über die Jahrhunderte unvergleichlich zu früheren Zeiten gewachsen und ein anderes. Horizonte der Wahrnehmung sind unvergleichlich geweitet. Das gilt auch für die Geschichtswissenschaft (historisch-kritisches Forschen & Verstehen in allen Bereichen), Religions- und Kulturgeschichte, Religionspsychologie und Religions-Soziologie ... Und davon betroffen ist definitiv auch das Verständnis der Bibel (in ihrer Entstehung und historischen Einordnung, in ihrer traditions- uns literargeschichtlichen Erforschung) und das heute vorhandene global-wahrnehmende, inter-religiöse Wissen.

In all dem kann ich, wenn ich ehrlich bleibe und mich nicht verschließe, bleibende Wahrheiten und Bezüge nicht mehr verabsolutieren, sondern darf sie in ein verstehendes Verhältnis setzen zu Dingen, die die Menschen früherer Zeiten nicht wissen und sehen konnten.

Wenn ich in dieser Gegebenheit der Neuzeit & Gegenwart Christ bin und Christ bleibe, muss ich mich deshalb nicht in die "Entweder-Oder"-Alternative von "Jesus-Wahrheit oder garnix" begeben, sondern glaube mich durch ihn und zu ihm „gottnah & geliebt“, glaube an die Substanz seiner Mission (der heilenden & vergebenden, zu Liebe & Gerechtigkeit rufenden Reich-Gottesbotschaft) und finde zugleich Wahrheiten, Befreiungserfahrungen, Liebe, Erkenntnis und Gerechtigkeit auch außerhalb meiner Christusverbundenheit und außerhalb von Kirche & Christentum.

Die oft so verhärtete Alternative, dass Jesus entweder in trennender Ausschließlichkeit geglaubt werden muss ODER dass der gläubige Jesus-Bezug letztlich aufs Ganze eine Fälschung, Irrung und Illusion ist, ist also mMn nicht zwingend.

L'Chaim

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6 Antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 4814
Ich hab Probleme mit Deinem Text. 
Z.B. damit: 
Veröffentlicht von: @awhler

So weiß ein Verliebter definitiv, dass das Objekt seiner Liebe der/die "Schönste, Beste und Tollste" auf dieser Erde und seit Menschengedenken ist. Niemand verdenkt ihm/ihr diese Liebesbezeugung und einzigartige Bindung. Und es ist nicht die Unwahrheit, sondern Erfahrung, ehrliches Bekenntnis, leidenschaftliches Empfinden.

So verliebt war ich wohl noch nie. 
Ich hab Augen im Kopf und bin insgesamt relativ nüchtern und realistisch; und so hab ich mir noch nie eingebildet, dass Person X der 'was-auch-immer-ste' ist oder war. 
Liebe besteht ja auch darin, eine Person mit all ihren Schwächen und Mängeln zu akzeptieren und zu lieben.
Dieses 'Dennoch', von dem auch im Glauben die Rede ist. 

chai antworten
AWHler
 AWHler
(@awhler)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 2297

@chai 

Ich wollte das Verliebtsein nicht umfassend beleuchten, sondern nur als Vergleich dafür anführen, dass es sein kann, Jemanden "in den Himmel zu heben" und nur noch "Augen für ihn/sie" zu haben, so dass Liebensbezeugungen dieser Art einerseits ein ehrliches und legitimes Bekenntnis sind - aber auch klar ist, dass der Ausdruck von Liebe relatviert werden darf, ohne der Liebe abbruch zu tun. 

L'Chaim

awhler antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 4814
Veröffentlicht von: @awhler

@chai 

Ich wollte das Verliebtsein nicht umfassend beleuchten, sondern nur als Vergleich dafür anführen, dass es sein kann, Jemanden "in den Himmel zu heben" und nur noch "Augen für ihn/sie" zu haben, so dass Liebensbezeugungen dieser Art einerseits ein ehrliches und legitimes Bekenntnis sind - aber auch klar ist, dass der Ausdruck von Liebe relatviert werden darf, ohne der Liebe abbruch zu tun. 

L'Chaim

Das ist möglicherweise einfach vom Temperament und der Persönlichkeit abhängig. 
Und dann lässt es sich 1:1 auf den Glauben übertragen. 

chai antworten
AWHler
 AWHler
(@awhler)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 2297

@chai 

Ja - und es ist wohl auch das (religionsphänomenologische) Kennzeichen einer tieferen Glaubenserfahrung und Identifizierung damit, dass man etwas erst einmal verabsolutiert und erst im Weiteren so etwas wie Integration und wieder geöffnete Wahrnehmung passiert.

L'Chaim

awhler antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 4814
Veröffentlicht von: @awhler

@chai 

Ja - und es ist wohl auch das (religionsphänomenologische) Kennzeichen einer tieferen Glaubenserfahrung und Identifizierung damit, dass man etwas erst einmal verabsolutiert und erst im Weiteren so etwas wie Integration und wieder geöffnete Wahrnehmung passiert.

L'Chaim

Keine Ahnung. Vielleicht hab ich da was übersprungen. 

chai antworten
Tojak
 Tojak
(@tojak)
Beigetreten : Vor 14 Jahren

Beiträge : 655
Veröffentlicht von: @awhler

An Jesus glauben, ihm folgen, Gott in ihm sehen - ja, darum geht es in unserem christlichen Glauben.

Aber dieser Glaube und das Bekenntnis zu ihm steht in Frage – und die heißt: Hat die frühe Christenheit (das NT, die Evangelien, die frühe Kirche) Jesus von Nazareth erst nachträglich und verfälschend zu etwas gemacht (zum alleinigen Heiland & Retter der Welt), was er ursprünglich gar nicht war und sein wollte? Oder haben sie ihn - nachösterlich - erst richtig erkannt und angemessen bekannt., als das was er tatsächlich war, ist & bleibt, und was sich mit ihm offenbart hat?

Im Verständnis unseres Glaubens an Jesus Christus und im Streit um sein Verstehen gibt es oft nur eine "Entweder-Oder"-Alternative: Entweder NUR und AUSSCHLIESSLICH das Bekenntnis zu ihm - oder das Ein-geständnis und die Verwerfung, dass der Glaube an ihn (als den Christus) Verfälschung, Missverstehen und ein Konstrukt ist.

Es gibt, denke ich, noch eine andere Möglichkeit

Wenn man nicht von einer kompletten Verbalinspiration der Bibel ausgehen will oder, in der Variante "Schrift und Tradition", der Kirche Prokura für den eigenen Glauben erteilt, kommt man an solchen Fragen wohl nicht vorbei. 

Der historische Jesus selbst hat nichts Schriftliches hinterlassen. Die unter dem Begriff "Neues Testament" zusammengefassten Schriften stammen von verschiedenen Autoren und sind zu verschiedenen Zeiten und vor verschiedenen Hintergründen entstanden. Der Begriff "verfälschend" ist vielleicht nicht so gemeint, klingt aber für mich zu negativ. Selbst wenn man davon ausgeht, dass alle Autoren ihr Bestes gegeben haben und nichts bewusst willkürlich hineingebracht haben, wären trotzdem ganz unterschiedlich geprägte Texte herausgekommen. Es sind Glaubenszeugnisse, wenn man es gut meint: Gotteswort in Menschenwort.

Offenbar ist auch in der frühen Kirche schon Leuten aufgefallen, dass die verschiedenen kursierenden Schriften nicht vollständig zusammenpassten. Die Folge waren eine Auswahl (Kanonisierung), was denn nun dazugehört und was nicht sowie eine Dogmatisierung, wie das Ganze denn nun im Zusammenhang zu verstehen sei. Auch darum gab es Streit, der zum Teil auch mit Gewalt ausgetragen wurde.

Wenn man bereit ist, das zu akzeptieren, ist es vorbei mit der absoluten Sicherheit. Das wiederum ist schlecht für einen Auftritt im Brustton der Überzeugung, wie er für die Leitung von Gemeinden und erst recht für Missionierung hilfreich, vielleicht sogar unerlässlich ist.

Wenn man sich nicht mit solchen Ungewissheiten herumplagen will, kann man natürlich zu "Allein die Schrift" kombiniert mit Verbalinspiration greifen, alternativ zu Schrift plus Tradition plus Autorität. Das sind allerdings auch schon zwei Varianten, und es gibt noch mehr dieser fundamentalistischen Art. 

Es gibt Leute, denen ich eine solche fundamentalistische Art abnehme, weil sie im Glauben wie im sonstigen Leben ohne intellektuellen Anspruch unterwegs sind (was nicht heißt, dass sie dumm wären) und weil ich einen Reflex ihres Glaubens in der Art spüre, wie sie leben und mit anderen Menschen umgehen.

Bei den meisten anderen akzeptiere ich keine Haltung, die mir die Welt erklären oder mich missionieren will, ohne dass ich danach gefragt hätte. Da kommen wir ins Geschäft, wenn wir gemeinsam nach der Wahrheit suchen. Das sehe ich als die "andere Möglichkeit". 

 

tojak antworten
1-ichthys
Beiträge : 857
Veröffentlicht von: @awhler

Aber dieser Glaube und das Bekenntnis zu ihm steht in Frage – und die heißt: Hat die frühe Christenheit (das NT, die Evangelien, die frühe Kirche) Jesus von Nazareth erst nachträglich und verfälschend zu etwas gemacht (zum alleinigen Heiland & Retter der Welt), was er ursprünglich gar nicht war und sein wollte? Oder haben sie ihn - nachösterlich - erst richtig erkannt und angemessen bekannt., als das was er tatsächlich war, ist & bleibt, und was sich mit ihm offenbart hat?

Das frage ich mich auch immer wieder. Und habe leider noch keine Antwort gefunden. Dennoch erscheint mir das nachösterliche plausibler.

1-ichthys antworten


gedankenwelt
Beiträge : 71
Veröffentlicht von: @awhler

Aber dieser Glaube und das Bekenntnis zu ihm steht in Frage – und die heißt: Hat die frühe Christenheit (das NT, die Evangelien, die frühe Kirche) Jesus von Nazareth erst nachträglich und verfälschend zu etwas gemacht (zum alleinigen Heiland & Retter der Welt), was er ursprünglich gar nicht war und sein wollte? Oder haben sie ihn - nachösterlich - erst richtig erkannt und angemessen bekannt., als das was er tatsächlich war, ist & bleibt, und was sich mit ihm offenbart hat?

Es gibt wenig überzeugende Argumente für eine Verfälschungsthese. Wir haben eine Zusicherung des Heiligen Geistes, dass er uns in all Wahrheit führen wird.

gedankenwelt antworten
15 Antworten
AWHler
 AWHler
(@awhler)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 2297

@gedankenwelt 

Ich muss da erstmal wieder rein finden in den Thread und Zusammenhang 😉

Mir ging es darum, dass es NICHT einfach die Alternative zwischen Ablehnung des christlichen Glaubens (als Fälschung und Illusion) und einer einzigen & ausschließlichen (!) Weise, Form und Erfahrung dieses Glaubens gibt (orthodox, rechtgläubig behauptet)  - sondern eine nachösterliche, geist-geleitete christliche Entfaltung. die aber (ökumenisch, theologisch) vielfältig, bunt und immer auch zeitverortet (so auch neu-zeitlich im 20./21.Jhdt) ist.

L'Chaim

awhler antworten
gedankenwelt
(@gedankenwelt)
Beigetreten : Vor 4 Wochen

Beiträge : 71

@awhler Das wirkt für mich eher wie ein theoretischer Ansatz... ich finde den Begriff auch schwierig. Was Glaubensentfaltung für Blüten entwickeln kann, lässt sich am katholischen Christentum sehen. Tatsächlich finde ich wichtiger, immer wieder darauf zu schauen, dass der Geist uns an alles erinnern wird, was Jesus gesagt hat (Joh 14,26). Luther hatte das erkannt, dass Christentum immer wieder eine Reform braucht, eine Zurücksetzung auf den Ursprung, viel mehr als eine Entfaltung, die zu Inhalten führt, die nicht mehr im Ursprung vorhanden sind. Der Geist lässt uns Christus erkennen und führt uns zu ihm, weil Jesus Christus die Wahrheit ist. 

gedankenwelt antworten
AWHler
 AWHler
(@awhler)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 2297

@gedankenwelt 

Ich finde, dass es den EINEN Strang des Verstehens und Glaubens (durch die Zeit, global, durch die Kulturen, religiösen & geistesgeschichtlichen Kontexte) nicht gibt ... Du schreibst: "Was Jesus gesagt hat ...". "Zurücksetzung auf den Ursprung ...", "Christus erkennen ...", "Jesus Christus, die Wahrheit" --- eben dies (Verstehen, Deuten und Praktizieren) geschieht ja sei 2000 Jahren viel-fältig.

Ich mach's konkret: Christlicher Glaube begegnet uns (anschaulich an Personen und ihrem Wirken) im 20./21. Jhdt  in der ganzen Bandbreite von Ulrich Parzany, Billy Graham, Paul Tillich, Dorothee Sölle, Rudolf Bultmann, Richard Rohr, Eugen Drewermann, Bede Griffiths, Hugo Ennomya-Lassalle ...  in indischer, asiatischer oder afrikanischer Inkulturation , als Befreiungs- , Feministische- oder Therapeutisch-ausgerichterer Theologie/Glaubensform usw.

Sie alle sind mMn auf ihre je eigene Weise berechtigt (in ihren Richtigkeiten und Grenzen) und für mich respektable Ausdrucks- und Verständnisformen christlichen Glaubens in der Welt und in den Köpfen & Herzen von Menschen. 

L'Chaim

awhler antworten
Salvatore23
(@salvatore23)
Beigetreten : Vor 9 Jahren

Beiträge : 60

@gedankenwelt Na, aber Luthers Reformen entsprechen in vielerlei Hinsicht nicht wirklich Jesus Christus Lehren. sind folglich selber längst reformbedürftig. Findest Du nicht auch?

salvatore23 antworten
gedankenwelt
(@gedankenwelt)
Beigetreten : Vor 4 Wochen

Beiträge : 71

@salvatore23 Hast Du mir jetzt zugestimmt oder widersprochen?

gedankenwelt antworten
Salvatore23
(@salvatore23)
Beigetreten : Vor 9 Jahren

Beiträge : 60

@gedankenwelt Bei den weisen Worten bezüglich Johannes 14:26 vollkommene Zustimmung.

Der Heilige Geist erinnert uns Christen immer wieder daran, wie ein christuskonformes Leben aussieht.wwjd

Johannes stellt in 2 Johannes 1:9 klar:Wer darüber hinausgeht und bleibt nicht in der Lehre Christi hat Gott nicht, wer in der Lehre BLEIBT, hat Beide, den Vater und den Sohn.

Daran hat sich Luther nachweislich nicht vollkommen gehalten.(ausser bez.Kritik am Ablasshandel der RKK)

 

salvatore23 antworten
gedankenwelt
(@gedankenwelt)
Beigetreten : Vor 4 Wochen

Beiträge : 71

@salvatore23 Stimme zu, aber Luther war einfach nur ein Mensch, der auf die Notwendigkeit zur Reformation hingewiesen hat, und ansonsten auch ganz Kind seiner Zeit und auch voll Katholisch. Im Gegensatz zur Orthodoxie, die sich von Rom aufgrund ganz spezifisch dogmatischer Fragen getrennt hat, war die Reformation eine politische Trennung aufgrund von Missbräuchen. Ich denke nur an die Beichte, die Luther selbst praktiziert und weiterhin vertreten hat, dabei ist in der praktizierten Form eine spätere Entwicklung bei den Römern, die in keiner Beziehung zu ihrem Ursprung steht.

gedankenwelt antworten
Salvatore23
(@salvatore23)
Beigetreten : Vor 9 Jahren

Beiträge : 60

@gedankenwelt Worauf bezieht sich Dein letzter Satz im Detail? Danke für Aufklärung.

salvatore23 antworten
gedankenwelt
(@gedankenwelt)
Beigetreten : Vor 4 Wochen

Beiträge : 71
Veröffentlicht von: @salvatore23

@gedankenwelt Worauf bezieht sich Dein letzter Satz im Detail? Danke für Aufklärung.

Das Luther ein Kind seiner Zeit war und als katholische Theologieprofessor und Mönch eben auch eine katholische Prägung hatte.

Ich will das Thema Beichte jetzt nicht zu sehr ausführen, hier hatte ich es bereits im Kontext angemerkt. Klassisch wird das Abendmahl "zur Vergebung der Sünden" gefeiert. In der katholischen Kirche gibt es gleichzeitig die Ohrenbeichte "zur Vergebung der Sünden". Diese Beichte kannte Jesus aber nicht. Dadurch stellt man sich ein wenig die Frage, ob in der katholischen Kirche Beichte und Abendmahl/Eucharistie nicht miteinander konkurrieren, bzw. das Abendmahl nicht überflüssig wird, wenn man zur Beichte geht.

Schaut man in die frühe Geschichte der ersten Christen, war diese Beichte oft vor der ganzen Gemeinde bzw. dem Bischof der Gemeinde. Es ging dabei um Sünden, die so gravierend waren, dass sie zum Ausschluss aus der Gemeinde führten. Man war aus der Abendmahlgemeinschaft ausgeschlossen.

Durch die Beichte - also dem Bekenntnis der Sünden - vor der Gemeinde, konnte man wieder zur Gemeinde zugelassen werden und daraufhin wieder am Abendmahl teilnehmen. Somit ergänzt sich das Bekenntnis der Sünden vor der Gemeinde als Abendmahlgemeinschaft, um wieder am Abendmahl teilnehmen zu dürfen, und das Abendmahl "zur Vergebung der Sünden".

Dass Katholiken heute permanent zu Beichte und Abendmahl gehen, beißt sich historisch gesehen und mit dem Neuen Testament. Schließlich wurde die verpflichtende Beichte sowieso erst mit dem Konzil von Florenz eingeführt, so 15. Jahrhundert. 

Luther steckte aber noch vollkommen in diesem "Modus" und hat die Beichte weiterhin vertreten - für mich eben ein Beispiel, wie sehr er Kind seiner Zeit war.

gedankenwelt antworten
Salvatore23
(@salvatore23)
Beigetreten : Vor 9 Jahren

Beiträge : 60

@gedankenwelt Von was für ersten frühen Christen stammt Dein Bericht bezüglich Beichte vor Gemeinde usw?

Ich gehe davon aus, derlei Prozedere erfolgte erst nach der Konstantinischen Wende.

Aus Luthers Sicht kam diese einem problematischen Machtmissbrauch gleich.

salvatore23 antworten
gedankenwelt
(@gedankenwelt)
Beigetreten : Vor 4 Wochen

Beiträge : 71

@salvatore23 nachapostolische Zeit bis Ende des 2. JH.

Hierzu empfehle ich immer einen Blick ins Lexikon für Theologie und Kirche, da hat man erstmal eine Referenz.

gedankenwelt antworten
Turmfalke1
(@turmfalke1)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 4393

@salvatore23

Johannes stellt in 2 Johannes 1:9 klar:Wer darüber hinausgeht und bleibt nicht in der Lehre Christi hat Gott nicht, wer in der Lehre BLEIBT, hat Beide, den Vater und den Sohn.

Daran hat sich Luther nachweislich nicht vollkommen gehalten.(ausser bez.Kritik am Ablasshandel der RKK)

Sicher hat sich Luther wie jeder Mensch in manchen Dingen geirrt - aber im Großen und Ganzen hat er schon mit vielen damaligen Irrlehren der RKK aufgeräumt und das Evangelium wieder auf den Leuchter gestellt - Rechtfertigung aus Gnaden, Jesus der einzige Mittler zu Gott - damit auch Ablehnung der Gebete zu Heiligen, Abendmahl in beiderlei Gestalt, ... 

turmfalke1 antworten
Salvatore23
(@salvatore23)
Beigetreten : Vor 9 Jahren

Beiträge : 60

@turmfalke1 Ich vermisse bei Luther gerade  die jesuanische Fohe Botschaft, dass wer Jesus nachfolgt nicht mehr länger in der Finsternis bleibt sondern sich selber zum Licht der Welt verändern kann.

Ja die RKK hat schon früh begonnen viel heidnische Kultur dem CHRISTENTUM aufzuzwingen.

- Sol invictus Geburtstag auch als den von Jesus erklären

- Kreuzigung und Auferstehung auf das Fest der OSTARA verlegen

- höchster Priester nach 7 Weihegraden Papa nennen, wie im verbreiteten Mithraskult = Papsttum

Kaiser Konstantin hat das jesuanische  Christentum  nach seinem Gusto umgekrempelt.

salvatore23 antworten
gedankenwelt
(@gedankenwelt)
Beigetreten : Vor 4 Wochen

Beiträge : 71

@salvatore23 Ich würde mal anmerken, dass es damals noch keine RKK gab. Der Begriff kam erst mit der Reformation. Die ersten Jahrhunderte hat immer die ganze Kirche entschieden (ökumenische Konzile).

gedankenwelt antworten
Turmfalke1
(@turmfalke1)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 4393

@salvatore23 Ich vermisse bei Luther gerade  die jesuanische Fohe Botschaft, dass wer Jesus nachfolgt nicht mehr länger in der Finsternis bleibt

Verstehe ich nicht - gerade Luther hat doch herausgestellt, dass wer an Jesus glaubt durch die Gnade aus der Finsternis der Sünde errettet ist. Gerade das war ja Luthers freimachende Erkenntnis, die er in jenem Turm hatte, dass er sich das eben nicht verdienen oder erarbeiten kann, sondern ihm durch Jesus frei geschenkt wird.

sondern sich selber zum Licht der Welt verändern kann.

Wie sollte er sich selbst zum Licht der Welt verändern. Wer an Jesus glaubt, ist ein Licht in der Welt, wenn er Jesus aus sich leuchten lässt. 

Sol invictus Geburtstag auch als den von Jesus erklären

Also das sehe ich nun gerade nicht als schlimm an, zumal diese These nicht eindeutig belegt ist und heute von Historikern differenziert gesehen wird. Was fakt ist: Der römische Kaiser Aurelius führte 274 n. Chr. den Kult des unbesiegbaren Sonnengottes ein und der 25.12 wurde als Festtag der Geburt der Sonne gefeiert. Die früheste sicher christliche Quelle, die den Tag als Geburtstag Jesu nennt, stammt aus Rom um 336 n.Chr. Daraus entstand die These, die Kirche habe den heidnischen Festtag christianisiert. Selbst wenn die These stimmt, bedeutet sie nicht, dass die Kirche Jesus mit Sol invictus gleichgesetzt hätte bzw. dass sie heidnische Götter verehrt. Es kann bedeuten, dass die Kirche einen heidnischen Festtag umdeutete, um Christen eine Alternative zu bieten. Der Tag als populärer Feiertag wurde praktisch "umgewidmet".
Eine weitere These sagt aber auch, dass der Tag gar nicht wegen Sol invicticus gewählt wurde, sondern weil man davon ausging, dass Jesus am 25. März empfangen worden sei - und neun Monate später ergibt den 25.12. Damit wäre der Tag rein christlich begründet, unabhängig vom Sonnengott.

Ich nutze als evangelischer Christ die Tage rund um Weihnachten, um mich immer wieder völlig neu mit der Geburt meines Erlösers zu beschäftigen und der unendlichen Liebe Gottes, der Seinen Sohn auf diese Erde gegeben hat. Außerdem bieten die Tage mit ihrem Brauchtum eine Steilvorlage, auch andere Menschen auf diesen eigentlichen Sinn von Weihnachten, und damit auf Jesus hinzuweisen. Ein Sonnengott spielt dabei für mich keine Rolle - meine Sonne ist Jesus.

Kreuzigung und Auferstehung auf das Fest der OSTARA verlegen

Das ist historisch nicht haltbar. Erstens ist Ostara keine historisch belegte Göttin. Die Annahme beruht auf der Behauptung von Beda Venerabilis, einem englischen Mönch, der schrieb, dass der Monat "Eosturmonath" nach einer Göttin "Eostre" benannt sei. Dafür gibt es jedoch keine Belege und auch keine Erwähnung bei germanischen oder nordischen Autoren. Erst recht gab es zur Osterzeit kein dementsprechendes Fest, auf welches man dann Kreuzigung und Auferstehung verlegt habe. Populär wurde der Gedanke, dass Ostern ein "Fest der Ostara" sei, erst im 19. Jahrhundert durch eine Spekulation darüber durch Jacob Grimm (der Märchen Grimm).

Wahrscheinlich ist, dass der Name Ostern vom indogermanischen Wort für Morgenröte, Osten, Aufleuchten, ... kommt. 

turmfalke1 antworten
Meriadoc
Beiträge : 990

@awhler 

Hmmh,...

 

Ich kenne seit über 30 Jahren eine Frau. Ihr Anfang als Christin war recht chaotisch und es gab Dinge, die waren echt hässlich. Sie beschloss daran was zu ändern. Nahm Seelsorge in Anspruch, ging auf eine Bibelschule. Als ausgebildete Krankenschwester machte noch eine Ausbildung zur Hebamme. Sie lebt nun seit Jahren in den extremsten Ländern und ich bin fasziniert von ihr. Man sieht sie oft in Bildern, oder wenn sie zu Besuch da ist, immer lächeln und man spürt ihre ansteckende Freude. Und, sie liebt Jesus von Herzen. Jederzeit kann sie verschleppt werden...oder getötet. Mitarbeiter von ihr sind auch schon getötet worden. Sie lebt in einer Dimension des echten Gottvertrauen. Egal ob sie getötet wird oder sonstiges. Sie kennt leid und sie weiß, auch sie könnte es treffen.

Verabschieden wir uns doch von unserer dümmlich, naiven Gottesbild und lassen Gott/Jesus der sein, der uns liebt. Ich bin gerade dabei, dies und mehr zu akzeptieren. Nicht jeder ist für solch Glauben geeignet oder bereit. Man öffnet sich, oder man sperrt sich. Ich habe dieses Jahr so viel Leid und Schmerz in der Gemeinde erlebt. Meinen eigenen Schmerz und Wut habe ich abgelegt und kapituliert. Ich lebe noch :-). 

Man sagt, Jesus hat einen Plan, aber meistens wird seinem Plan nachgejagt.

 

Nice Day

meriadoc antworten


gedankenwelt
Beiträge : 71
Veröffentlicht von: @turmfalke1

Es kann bedeuten, dass die Kirche einen heidnischen Festtag umdeutete, um Christen eine Alternative zu bieten. Der Tag als populärer Feiertag wurde praktisch "umgewidmet".

Irgendwo hatte ich mal gehört, dass der Gedanke war: Christus ist die wahre Sonne.

gedankenwelt antworten
1 Antwort
Turmfalke1
(@turmfalke1)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 4393

@gedankenwelt

Irgendwo hatte ich mal gehört, dass der Gedanke war: Christus ist die wahre Sonne.

Genau, auch das ist denkbar. Auch der Gedanke der Wintersonnenwende: Die Nacht nimmt ab, der Tag nimmt wieder zu. Gerade das passt in Verbindung zu Jesus als Sonne, mit der der Tag beginnt und die Nacht, die Finsternis weichen muss.
 
 

 

turmfalke1 antworten
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