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Jakobus "stroherne Epistel" oder verkannter Schatz?


GoodFruit
Themenstarter
Beiträge : 2713

Hallo Community,

Ich muss gestehen, dass mir der Brief des Jakobus oft problematisch war. Der Glaube, aus dem ich lebe, ist ein Glaube, den mir Paulus theologisch eröffnet hat und der Luthers Schlüssel zur Erkenntnis der Ursachen seiner Rettung wurde. Nur aus dem Glauben bin ich gerettet, nur die Annahme meines Retters macht mich frei - ich kann da aus mir heraus nichts dazu tun. Und dann kommt da ein Brief, der sagt, dass Glaube ohne Werke tot ist. Wie passt das zusammen? Hat Jakobus die Briefe des Paulus nicht gelesen?

Und dann kam da eine Predigt, die mir geholfen hat, den Brief des Jakobus richtig einzuordnen und so dann zu verstehen.

https://www.youtube.com/watch?v=M5dpQmeGXjE

Die Predigt wurde von Miriam Schaupp, Christus Gemeinde Pforzheim, vor ca. 2 Monaten gehalten. Es ist das nicht meine Gemeinde, aber ich höre gelegentlich die Predigten von dort.

Welche Erkenntnis hat jetzt den Groschen bei mir in Bezug auf Jakobus fallen lassen?

Die Predigt leitet eine Predigtreihe über Jakobus ein und beschäftigt sich mit der historischen Einordnung des Briefes und des Schreibers des Briefes.

Durch ein logisches Ausschlussverfahren wird deutlich, dass der Schreiber des Briefes Jakobus, der Bruder bzw. Halbbruder von Jesus sein muss.

Jakobus war keiner der Jünger Jesu - er ist erst nach den österlichen Ereignissen zum Glauben gekommen und wurde dann in der Urgemeinde eine ganz wichtige leitende Persönlichkeit.

Der Brief steht in der Epistel hinter den Briefen des Paulus - in der Zeitleiste müsste er aber eigentlich der erste Brief sein. Er ist geschrieben worden, bevor die Apostelgeschichte fertig wurde. Jakobus schreibt an die zwölf Stämme in der Verfolgung, weshalb ich annahm, dass dieser Brief für mich als Christ aus den Nationen nicht relevant sei.

Der Grund aber, warum Jakobus die Christen aus den Nationen nicht anspricht, ist aber nicht der, dass der diese bewusst ausschließen möchte, sondern dass es diese zum Zeitpunkt, als der Brief geschrieben wurde, noch gar nicht gab.

Als Jakobus den Brief schrieb, war Stephanus grad gesteinigt worden und es erhob sich eine Verfolgung gegen die Christen, die eine rein jüdische Sekte war und der Paulus, der uns einmal den Glauben als Schlüssel zur Errettung erklären würde und der zum Apostel der Völker werden sollte, noch der Saulus, der ausgezogen war, Christen zu verfolgen und vor Gericht zu zerren. Es kommt zu einer Fluchtbewegung von Christen und der Brief des Jakobus richtet sich an eben diese geflohenen Christen vom geistigen Zentrum aus Jerusalem aus, aus der Urgemeinde, die trotz Verfolgung in Jerusalem verharrte. Er hat zum Ziel die Ermutigung dieser geflohenen Christen.

In der Zeit, als Jakobus den Brief schrieb, war das Leben der Urgemeinde noch sehr jüdisch geprägt und die Erfüllung der Gesetze und das Tun des Gesetzes waren Selbstverständlichkeit. Jakobus hat viele Bezüge zur Bergpredigt, der "christlichen Hausordnung", und zu den Sprüchen als weise Ratschläge für gelingendes Leben.

In so einem Kontext verstehe ich erstmals den Brief des Jakobus erstmals und ich sehe die theologisch neuen Perspektiven, die durch die Öffnung der Gemeinde für Nichtjuden durch die Erlebnisse des Petrus sowie die aus der guten Kenntnis der alten Schriften und ihrer Anwendung auf die messianische Einordnung von Jesu Leben von Paulus als Erweiterungen der Erkenntnis, die der Jakobus noch nicht haben konnte.

Später begegnet uns ja eben dieser Jakobus im Apostelkonzil (Apg 15, 13ff.), wo er verkündet:

3 Als sie aber schwiegen, antwortete Jakobus und sprach: Ihr Brüder[4], hört mich! 14 Simon hat erzählt, wie Gott zuerst darauf gesehen hat, aus den Nationen ein Volk zu nehmen für seinen Namen. 15 Und hiermit stimmen die Worte der Propheten überein, wie geschrieben steht: 16 »Nach diesem will ich zurückkehren und wieder aufbauen die Hütte[5] Davids, die verfallen ist, und ihre Trümmer will ich wieder bauen und sie wieder aufrichten; 17 damit die Übrigen der Menschen den Herrn suchen und alle Nationen, über die mein Name angerufen ist, spricht der Herr, der dieses tut«, 18 was von jeher[6] bekannt ist. 19 Deshalb urteile ich, man solle die, welche sich von den Nationen zu Gott bekehren, nicht beunruhigen, 20 sondern ihnen schreiben, dass sie sich enthalten von den Verunreinigungen der Götzen und von der Unzucht[7] und vom Erstickten und vom Blut. 21 Denn Mose hat von alten Zeiten[8] her in jeder Stadt ⟨solche⟩, die ihn predigen, da er an jedem Sabbat in den Synagogen gelesen wird.

Ich möchte diese Erkenntnis mit Euch teilen, da ich meine, dass sie hilft, einen Schatz in der Bibel neu zu entdecken und richtig eingeordnet dann zu einer Quelle von Erkenntnis und geistigem Wachstum zu machen.

Liebe Grüße,

GoodFruit

 

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