Paulus
Hallo alle zusammen, wie kriegt ihr eigentlich Paulus und Jesus nach den Synoptikern zusammen? Ich bin hier gescheitert.
Liebe Grüße.
Was meinst du mit Synoptikern?
Ich habe die beiden nie unter einen Hut gebracht. Für mich ist Paulus Theologie schon fast das Gegenteil von Jesus Aussagen, wobei ich denke, dass das Christentum sehr viel mehr von Paulus als von Jesus geprägt ist.
VG
Chey
Was sind für dich die größten Unterschiede, die es scheitern haben lassen?
Und wie ordnest du das Johannes-Evangelium da mit ein (also siehst du dies "näher" bei den Synoptikern oder "näher" bei Paulus)?
@lhoovpee also da ich das Johannes Evangelium gerade aus der Peshitta übersetze und der syrisch-aramaeische Text eindeutig eingebettete Chiffren sowie gematrisch kodierte Sequenzen enthält, sehe ich ihn mittlerweile eher in der jüdischen Weisheitstradition sowie definitiv frühen Merkaba verortet als klassisch christlicher Theologie des vierten Jahrhunderts. Dies gilt für Paulus im übrigen auch, nur das dieser an zentralen Stellen klassisch griechische Zitate aus Schriften bekannterer Philosophen paraphrasiert hat sowie merkwürdiger Weise Themen der späteren Kabbala vorgreift (etwa Spekulationen um den Adam Qadmon).
Ich denke beide Werke folgen damit esoterischen Trends des ersten Jahrhunderts, die man als jüdisch charismatische Welle bezeichnen kann. Dabei handelte es sich um die Ausbreitung und weitere Bekanntheit mystischer Lehren und Praktiken insbesondere in der pharisäischen Bewegung ab etwa 300 vor Christus sowie durch unabhängige, charismatische Persönlichkeiten und Individualisten, zu denen ich beispielsweise Joni den Kreiszeichner zähle.
Ich bin hier gescheitert.
Woran genau?
Also, nicht dass ich Paulus besonders gut kenne…manchmal sind mir Widersprüche aufgefallen…kannst du so ein zwei Sachen benennen?
Ich belsse es bei einem Beispiel:
2 Korinther 12.6 folgend:
ἐὰν γὰρ θελήσω καυχήσασθαι, οὐκ ἔσομαι ἄφρων, ἀλήθειαν γὰρ ἐρῶ· φείδομαι δέ, μή τις εἰς ἐμὲ λογίσηται ὑπὲρ ὃ βλέπει με ἢ ἀκούει ἐξ ἐμοῦ
denn falls es mich zu brüsten gelüstet hätte, wäre ich [doch] nicht (ἄφρων) ignorant oder unweise [damit]; Wahrheit gar werde ich sprechen: Ich sehe hiervon tatsächlich ab, nicht das jemand innerhalb meiner (λογίσηται ὑπὲρ) mehr in Betracht zieht als was er in mir sieht oder jemand von mir hört, [nicht wahr¹]?Ich möchte das nicht weiter übersetzen müssen, sondern zitiere stattdessen weiter aus der Elberfelder Übersetzung:
7 auch wegen des Außerordentlichen der Offenbarungen. Darum, damit ich mich nicht überhebe, wurde mir ein Dorn für das Fleisch gegeben, ein Engel Satans, dass er mich mit Fäusten schlägt, damit ich mich nicht überhebe. Um dessentwillen habe ich dreimal den Herrn angerufen, dass er von mir ablasse. Und er hat zu mir gesagt: Meine Gnade genügt dir, denn ⟨meine⟩ Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung. Sehr gerne will ich mich nun vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi bei mir wohnt.
Gut, also ich verstehe das der Dorn im Fleisch wahrscheinlich idiomatisch zu verstehen ist und Paulus anscheinend unter einer schmerzhaften Krankheit litt, welche er im Sinne der Semantik anscheinend einem Engel Satans zuschrieb. Was für mich nicht mehr vermittelbar verbleibt ist, das der Jesus, welcher Dämonen austrieb, Krankheiten heilte sowie Maria mehrere Dämonen derart verleitete, so das sie im folgenden als Nachfolgerin unter dem Ehrennamen Magdalena bekannt war (was aramäisch Idiomatisch in etwa Turm der Stärke bedeutet) - also dieser Jesus ausgerechnet seinem selbsterwählten Apostel an die Heiden nicht zur nötigen Gesundheit in einer Situation enormer Bedrängnis aufgrund von ihm so bezeichneter Überapostel verhalf?!??? Seine ganze Argumentation ist völlig absurd. Wer ihm da auch immer geantwortet haben mag, das ist mit Sicherheit nicht der Jesus aller vier Evangelien.
¹ Ich habe das hier so übersetzt weil τι wie τις interrogative Personalpronomen darstellen und diesen Satz daher meiner Überzeugung nach zur impliziten Suggestivfrage machen. Das ist stilistisch in seiner offensichtlichen Selbstüberhöhung bis Überheblichkeit der bisher krasseste Satz, der mir bisher im gesamten neuen Testament untergekommen ist.
Ich denke, dass Paulus eine Reihe Eigenschaften hat, die Jesus eifach gut gebrauchen kann. Er war ja ein perfekt gebildeter, ehrgeiziger, anspruchsvoller Jude, der alles mit grösstem Eifer gemacht hat. Und diese Eigenschaften hat er auch für Jesus…er wäre also- auch aufgrund der persönlichen Offenbarungen- durchaus der Kandidat schlechthin zum überheblich sein gegenüber anderen Christen. Hätte er keinen Stachel, wäre es ihm vielleicht gar nicht möglich, auf dem Teppich zu bleiben.
Ich sehe da gar kein Widerspruch.
Und um es nochmal ausführlicher zu sagen: wenn dein körperliches Heilsein dafür sorgen würde, dass du überheblich wirst und dadurch verloren bist - dann ist es besser, du bleibst fürs Erste unheil.
@claudius Gibt es da irgendwelche Verse, an denen Du konkret hängst ?