Rosenkranzbeten
Im Rahmen eines anderen Threads kamen wir auf das Thema Rosenkranzbeten zu sprechen. Längst nicht alle Katholiken tun das und viele, gerade evangelikale Christen nehmen Anstoß daran. Der regelmäßige Einwand ist, das Rosenkranzbeten stelle die Gottesmutter Maria in den Vordergrund und lasse ihren Sohn gleichsam „blass“ aussehen, nicht „zur Sprache kommen“, verdränge ihn.
Somit würden Katholiken den Fokus von Jesus Christus Weg auf seine Mutter hin verschieben. Wäre dem so, könnte ich die evangelikalen Vorbehalte und geistlichen Warnungen verstehen. Nur, ist das wirklich so?
Da ich denke, dass das ein eigenständiges Thema sein könnte, hier meine an anderer Stelle erstellte Replik zu diesem Thema:
Nehmen wir an, jemand betete einmal am Tag den Rosenkranz (so wie ich es tue und nur empfehlen kann), dann hat er
# 53 mal die Gottesmutter gegrüßt
# 50 mal Jesus hinsichtlich eines bestimmten „Geheimnisses“ angesprochen
# 3 mal Jesus gebeten, in ihm den Glauben zu vermehren, die Hoffnung zu stärken und die Liebe zu entzünden
# 5 mal das Vaterunser gesprochen
# 5 mal Jesus im dreieinigen Gott angebetet (Ehre sei dem Vater…)
# 5 mal ausdrücklich Jesus um die „Verzeihung der Sünden“ gebeten
# 12 wichtige Punkte des christlichen Jesus-Bekenntnisses bekräftigt (im Apostolicum)
# 2 mal durch Kreuzzeichen Jesus im dreieinigen Gott „körperlich“ unterstrichen.
Nimmt man dann noch hinzu, dass ein sich lediglich wiederholender, „formelhafter“ Mariengruß (Lk 1, 28 + 42)
a) anders zu gewichten ist als die Anbetung Gottes im Vaterunser,
b) deutlich weniger stark ins Gewicht fällt als die innige Bitte um Vergebung der Sünden durch Jesus
c) und anders zu bewerten ist als das variierende Erinnern und Bekräftigen der Christusgeheimnisse
dann komme ich zu dem Schluss, dass das Rosenkranzgebet objektiv ein Jesusgebet ist, das lediglich „durch die Brille“ seiner Mutter hindurch gesprochen wird.
Hinzu kommt, dass durch die regelmäßig gebeteten, im deutschsprachigen Bereich verbreiteten fünf (nicht nur vier) Rosenkränze zweimal die Woche das vollständige Evangelium „durchgebetet“ wird und zwar wie folgt inhaltlich fokussiert:
1 Menschwerdung Gottes in Jesus (5 freudenreiche Jesus-Geheimnisse)
2 Öffentliches Wirken Jesu (5 lichtreiche Jesus-Geheimnisse)
3 Leiden und Sterben Jesu (5 schmerzreiche Jesus-Geheimnisse)
4 Auferstehung und Verherrlichung Jesu (5 glorreiche Jesus-Geheimnisse)
5 Vollendung der Welt in Jesus Christus (5 trostreiche Geheimnisse)
Mir ist in 40 Jahren keine protestantische Gebetsform begegnet, die all das „leistet“, was das Rosenkranzbeten zu leisten in der Lage ist. Deshalb bete ich ihn gern.
Ob und in welcher Weise bestimmte Gebetsformen und Frömmigkeitssübungen einer Gotteserfahrung dienlich oder eher abträglich sind, hängt von so vielen Faktoren ab, dass ich noch nie Gebetsformen anderer Konfessionen negativ beurteilt habe, sondern immer noch interessiert zur Kenntnis nehme und schaue, ob sie mir selbst guttun und weiterhelfen.
Lustigerweise waren es gerade die vehementen evangelikalen Vorbehalte gegen das Rosenkranzbeten, die vor ca. fünf Jahren mein Interesse für diese Gebetsart geweckt haben.
Ebenso bemerkenswert finde ich es im Nachhinein, dass es gerade meine muslimischen Schüler und Bekannten waren, von denen ich an den Wert eines regelmäigen Gebetslebens erinnert wurde…
Veröffentlicht von: @mariaIch glaube nicht, dass Gott eine Mutter hat.
Glaubst du nicht, dass Jesus Gott ist?
@pankratius Die Problematik, die hier auftaucht, ist, dass Maria Mutter der Person des Sohnes ist. Wenn aber Maria Mutter Gottes ist, wäre sie damit auch Mutter der Dreifaltigkeit. Denn die Beziehung von Maria zum Sohn liegt auf der Ebene der Person, nicht auf der Ebene des Wesens.
Da scheint ein Missverständnis bzgl. der Dreifaltigkeit vorzuliegen.
Wir haben einen dreieinen Gott, keinen dreigeteilten.
Auch der Sohn ist Gott, nicht "ein Drittel Gottes".
Maria ist die Tochter des Vaters, die Mutter des Sohnes und die Braut des Heiligen Geistes.
@pankratius Ja, stimme soweit zu. Es war nur meine Erfahrung, dass in Diskussionen bei der Frage, ob Maria Mutter Gottes ist, meist die Mutterschaft auf die Person bezogen wird und nicht auf das Wesen.
Veröffentlicht von: @turmfalke1Außerdem gab es schon zu Jesu Erdenzeiten Ansätze zu einer Marienverehrung
Natürlich. Die ganze Bibel ist voll von Marienverehrung - deshalb ist es ja so absurd, dass so viele vermeintlich "bibeltreue" Christen sie ablehnen.
Veröffentlicht von: @turmfalke1Zumal sich die Bibel über den weiteren Werdegang seiner Mutter sehr zurückhält, geschweige denn ihr eine solch hohe Rolle zuweist.
Veröffentlicht von: @turmfalke1Maria dient weder Jesus noch uns als Geburtshelferin.
Schon mal Offenbarung 12 gelesen?
@alle
Sorry für die vielen kurzen Beiträge in kurzer Zeit meinerseits hier. Das nächste Mal bündele ich.
Ich bin nur so schockiert von manchem, was ich hier lesen muss ...
Veröffentlicht von: @kerygmaWenn Privatoffenbarungen das biblische Zeugnis ersetzen, wird es natürlich schwierig mit der Gemeinschaft, die sich auf das biblische Zeugnis beruft
Einen Smilie empfinde ich nach einem solchen Satz, der verdeutlicht, dass du über „Privatoffenbarungen“ offensichtlich nicht im Bilde zu sein scheinst, als deplatziert.
Außerdem zeigt mir der Themenwechsel, dass du hier - wieder nur dein antikatholisches Repertoire abspulen möchtest. Was genau soll das bewirken? Welchen Sinn soll das ergeben?
Veröffentlicht von: @turmfalke1Paulus stellt in 1. Korinther 10, 20 klar, dass die Nationen den Dämonen opfern und warnt, dass die Christen Gemeinschaft mit den Dämonen haben sollen.
Wie können wir da als Christen offen sein für dass, was andere Religionen hervorgebracht haben? Ist das nicht genau diese Gemeinschaft, vor der Paulus so sehr warnt.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob wir von derselben Sache sprechen. Deshalb ein Beispiel und eine Frage:
Veröffentlicht von: @turmfalke1Ich denke, ein gewichtiger Grund, aus dem gerade evangelikale Christen das Rosenkranzbeten ablehnen ist die Tatsache, dass aus dem Gebet, dem Reden mit Gott, ein Ritual gemacht wird. Das Gebet dient in erster Linie der Beziehungspflege zwischen Gott und Mensch.
Ich weiß, warum evangelikale Christen das Rosenkranzbeten ablehnen. Aber ich hatte den Beitrag nicht geschrieben, um sie zum Rosenkranzbeten zu überreden, sondern einen Beitrag dazu zu leisten, dass evangelikale Christen besser verstehen, was es Katholiken bedeutet und die Vorurteile, von denen ich weiß, dass sie existieren (und „gepflegt“ werden), abzubauen.
Dazu gehört das Vorurteil es ginge in dem Gebet um Maria. Für Katholiken geht es dabei aber um Jesus, um die Jesusgeheimnisse, es geht um das Evangelium, das ich damit innerhalb einer Woche „durchbete“.
Für mein Leben gibt es unendlich viele Rituale. Wenn der Wecker klingelt, sind fast alle Abläufe ritualisiert. Der Tagesablauf hat seine Rituale. Kein Fest kommt ohne Rituale aus. Der Ablauf meines Sonntags ist glücklicherweise ritualisiert, das Kirchenjahr ebenso. Und das Gebetsleben ist auch ritualisiert. Diese Abläufe waren für mich auch früher schon ritualisiert: freies Morgen- und Abendgebet, Tischgebet. Das Tischgebet war ziemlich genau festgelegt. Rituale sind was Tolles, wenn der Platz für Neues und Kreatives bleibt…
Dein Begriff „Beziehungspflege“ ist großartig. Wie pflege ich die Beziehung mit meiner Frau? Nur indem ich ständig mit ihr rede? Wir können das, aber wir können auch schweigen. Ich mache den Garten, sie holt die Croissants zum Frühstück. Alles Beziehungspflege. Wenn wir schon in der zwischenmenschlichen Beziehungspflege so kreativ sind, warum sollte dann die zu Gott weniger kreativ sein und sich in einer einzigen Form erschöpfen?
Veröffentlicht von: @turmfalke1Sicher hat Maria Jesus zur Welt gebracht, aber Jesus sagt auch, als Maria und ihre anderen Söhne ihn suchten: "Wer ist meine Mutter, wer sind meine Brüder." und stellt dann klar, dass die, die seine Worte hören und glauben, seine Mutter, Brüder und Schwestern sind. Ist nicht damit der Begriff "Gottesmutter" Maria schon eine unzulässige Erhöhung, gegen die sich Jesus selbst ausspricht?
Ich höre oft, dass dieser Satz gegen Maria ausgespielt wird. Meinst du, Jesus wollte damit den Wert seiner Mutter herunterspielen? Die ihn empfangen und geboren hat, erzogen hat? Wollte Jesus hier wirklich die einmalige Beziehung zu seiner Mutter herunterspielen, in diesem Moment abbrechen und durch neue Beziehungen ablösen? Das wäre schwer vorstellbar. Auch du würdest doch um nichts in der Welt die Beziehung zu deiner Mutter abbrechen.
Und dann kommt ja nach deinem Zitat noch der Satz, das diejenigen ihm geistliche Mutter und geistlicher Bruder ist, der den Wille; seines Vaters im Himmel tut. Und Maria war diejenige die genau das getan hat. Bis unter das Kreuz. Sie ist also nicht nur biologische Mutter, sondern auch die „Mutter im Geiste“, da sie den Willen Gottes vollständig erfüllt hat…
Veröffentlicht von: @turmfalke1Wie soll Maria, die nicht die Gabe der Allgegenwart besitzt, diese Grüße entgegennehmen?
Und wenn man schon Maria grüßt, warum dann nicht auch Paulus, der uns das Evangelium so klar gemacht hat, Petrus, der als der Fels bezeichnet wurde, Johannes, der Lieblingsjünger, ...?Und warum muss man sie immer wieder grüßen, ebenso auch Jesus? Ich stell mir grad vor, wenn jemand bei mir zu Besuch ist - er begrüßt mich, dann reden wir eine Weile, dann grüßt er mich wieder, dann wieder reden, wieder ein Gruß ... Ich glaube mal, das käme mir schon etwas seltsam vor.
Wir leben im Diesseits und verstehen Raum und Zeit nur im Ansatz. Albert Einsteins Überlegungen dazu oder die Quantenverschränkung bleiben den allermeisten ein Rätsel. Was wir hier schon kaum verstehen, sollten wir nicht einfach auf das Jenseits projizieren.
Paulus, Petrus etc. kannst du im Gebet auch um Hilfe anrufen und sie zuvor „grüßen“. Manche machen das, es spricht nichts dagegen.
Zur Frage, warum man Maria im Rosenkranz so oft grüßt: Ein einziger Gruß würde rein sachlich natürlich ausreichen. Die 50-fache Wiederholung im Rosenkranz dient jedoch dazu, den Betenden in einen Zustand tiefer, meditativer Ruhe zu versetzen, um an der Hand Marias das Leben Jesu zu betrachten. Solche sich wiederholenden Formelemente finden z.B. auch in Liedern. 10 Strophen gesungen. Warum immer wieder der gleiche Refrain?
Wenn dich der sich immer wiederholende Mariengruß stört: lass ihn einfach weg. Das wäre die einfachste Form ihn zu protestantisieren.
Veröffentlicht von: @turmfalke1Und warum 5x das Vaterunser "sprechen"? Ist Gott vergesslich? Muss ich Ihm das Gleiche immer wieder "vorbeten"? Ein wirkliches Gespräch sieht für mich anders aus.
Warum nicht? Warum jeden Sonntag? Reicht nicht einmal im Jahr? Ich kann das Vaterunser gar nicht oft genug beten. Immer wieder bleibe ich innerlich an einer anderen Stelle hängen und denke nach. Oder ich beten immer nur die ersten drei Bitten. Aber auch hier: Du kannst die 5 großen Perlen auch durch ein anderes Gebet ersetzen. Betest du aber mit einer Gebetsschnurr, wäre es wenig sinnvoll, sich für jede Kugel etwas Neues auszudenken.
Du kannst den physischen Rosenkranz auch für das Freie Beten nutzen. Für jede Perle ein Gedanke oä. Die Gebetsschnurr ist immer nur Angegung, nicht Erfüllung eines Gebetspensums. Wäre dem so, würde bzw. könnte ich den Rosenkranz gar nicht beten…
Veröffentlicht von: @turmfalke1Auch hier - warum 5x? Wenn wir merken, dass wir gesündigt haben, dürfen wir Jesus um Vergebung bitten, dann ist uns vergeben. Zumindest sagt es so die Bibel. Wenn wir das immer wiederholen, steckt darin nicht ein Zweifel an der geschehenen Vergebung?
Die Missionarin Corrie ten Boom brachte das mal schön auf den Punkt. Sie verglich das mit einem Gast, der bei einer Hausfrau zu Besuch ist, und sagt: "Ich habe aber einen Durst, könnte ich bitte einen Tee bekommen?" Die Hausfrau stellt den Tee vor ihm hin, aber anstelle zu trinken, sagt der Gast wieder: "Ich habe aber einen Durst, könnte ich bitte einen Tee bekommen?" Wäre das nicht eine Beleidigung der Hausfrau. Und so wie der Gast einfach Danke sagen und den Tee trinken kann, dürfen wir Danke sagen und die geschehene Vergebung für uns in Anspruch nehmen.
Das mag lustig klingen. Corrie ten Boom macht sich hier aber offensichtlich lustig über eine Gebetsform, deren Sinn sie nicht verstanden hat. Ich weiß nicht ob es an meiner christlichen Erziehung liegt, aber ich mache mich grundsätzlich nicht lustig über Dinge, von denen ich ausdrücklich weiß, dass sie anderen Menschen etwas bedeuten…
Veröffentlicht von: @turmfalke1... und warum "durch die Brille seiner Mutter" beten? Zumal sich die Bibel über den weiteren Werdegang seiner Mutter sehr zurückhält, geschweige denn ihr eine solch hohe Rolle zuweist. Jesus ist der Mittler. Wir brauchen keinen Mittler zum Mittler.
Du könntest die Christusgeheimnisse auch durch die Brille z.B. des Lieblingsjüngers Johannes beten, das wäre sogar eine gute Idee oder durch die deine Brille. Da sind überhaupt keine Grenzen gesetzt. Gebet ist Beziehungspflege, wie du oben richtig festgestellt hast. Viel Ehepaare pflegen ihre Beziehung durch ähnliche Rituale, manche entdecken ganz neue Formen…
Das Argument mit dem Mittler passt hier nicht. Als ehemaliger Freikirchler könnte ich dir die genau Stelle nennen, an der ein evangelikaler Christ gegenüber einem Katholiken dieses Argument bringen sollte. Hier jedenfalls noch nicht. 😂
Veröffentlicht von: @turmfalke1Mir ist am wertvollsten, mit Jesus gemeinsam durch den Alltag zu gehen. Sicher ist es auch hilfreich, Psalmen, Liedverse, etc. zu beten, aber in erster Linie ist das Gebet eine innere Herzenshaltung - Beziehung eben.
Den ersten Satz kann ich unterstreichen. Und wir wären uns sicher schnell einig, wie das gehen kann. Für viele Katholiken wird das in schöner Weise durch den Rosenkranz bereichert.
Veröffentlicht von: @turmfalke1Aber ich finde nirgends in der Bibel einen Hinweis, dass dieser "Teil" des Leibes Christi uns dient.
Da die Bibel kein „Lehrbuch für alle Fälle“ ist, wird man zu keiner Frage nur Kaptel X aufschlagen müssen, um dann all das zu erfahren, was man wissen will. Hier aber einige Hinweise auf Stellen, denen man eine Grundhaltungen und Sichtweise entnehmen kann, die zu deiner Behauptung einen deutlichen Gegenakzent setzt:
Sowohl das Alte als auch das Neue Testament verdeutlichen, dass Verstorbene als lebendiger Teil des Leibes Christi geistlich mit uns verbunden sind und Fürbitte leisten (2. Makkabäer 15,14, Römer 8,38-39, Hebräer 12,1, Offenbarung 5,8).
So betet der verstorbene Prophet Jeremia für das Volk (2. Makkabäer 15,14), während Paulus betont, dass selbst der Tod uns nicht von der Liebe Gottes trennt (Römer 8,38-39). Wir sind von einer großen Wolke von Zeugen umgeben (Hebräer 12,1), und die himmlischen Ältesten tragen die Gebete der Heiligen vor Gott (Offenbarung 5,8).