Sündenstrafe, Gnade...
 
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Sündenstrafe, Gnadenschatz und Ablass


Holger F.
Themenstarter
Beiträge : 3

Liebe Forums-Mitglieder,

ich bin neu hier und gespannt, ob interessante Diskussionen zustande kommen. Aktuell interessiert mich der Zusammenhang zwischen Sündenstrafe, Gnadenschatz der Heiligen und Ablass in der Katholischen Kirche. Ich sehe das so:


Aus kirchlicher Sicht lässt sich das Zusammenspiel von Sündenstrafe, dem Gnadenschatz der Heiligen und dem Ablass an einer Analogie verdeutlichen, denn zugegebenermaßen ergibt sich diese in 2000 Jahren entfaltete Gnadenlehre nicht direkt aus dem Bibeltext; sie entfaltet ihn jedoch folgerichtig, wozu die Kirche nach katholischer und orthodoxer Sicht durch den Heiligen Geist autorisiert ist.

 

Wenn ein Junge das Fenster einer Nachbarin zertrümmert, vergibt sie ihm zwar sofort, doch das Fenster bleibt kaputt. Dies spiegelt die zeitliche Sündenstrafe wider: Gottes Vergebung tilgt die Schuld, löscht aber nicht die Schadensfolgen in der Seele. 

 

So verkündet der Prophet Nathan König David zwar Gottes Vergebung („Der HERR hat deine Sünde weggenommen“), kündigt aber dennoch zeitliche Konsequenzen zur Bereinigung des Schadens an (2. Samuel 12,13-14).

 

Weil der Junge mit der Reparatur überfordert ist, helfen ihm seine älteren Brüder. Dies entspricht den Verdiensten der Heiligen: Sie sind keine Erlöser, sondern vollendete Geschwister. Da alle Christen einen einzigen Leib bilden, gilt nämlich das Solidaritätsprinzip: „Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit“ (1. Korinther 12,26). Die Früchte ihrer Liebe kommen dem gesamten Organismus zugute.

 

Der Ablass ist der Akt, in dem die Kirche dem umkehrenden Sünder diese „Gnadenschätze“ im Gebet zuwendet, damit die Seele schneller heilt. Sie nutzt dabei die von Christus übertragene Vollmacht: „Was ihr auf Erden lösen werdet, das soll auch im Himmel gelöst sein“ (Matthäus 18,18). 

 

Ein Ablass ist somit kein „billiger“ Freikauf, sondern die biblisch begründete Zusage göttlicher Hilfe durch den Dienst der Kirche.

 

LG Holger F.

Antwort
1 Antwort
kerygma
Beiträge : 191
Veröffentlicht von: @holger-f

sie entfaltet ihn jedoch folgerichtig, wozu die Kirche nach katholischer und orthodoxer Sicht durch den Heiligen Geist autorisiert ist.

Die Orthodoxen sehen die römisch-katholische Idee der Lehrentfaltung ziemlich kritisch. Die römisch-katholische Kirche nahm z.B. mit der Veränderung des Glaubensbekenntnisses aus ihrer Sicht eine Entfaltung vor, die orthodoxe Kirche sieht darin (korrekterweise) einen Verstoß gegen ein ökumenisches Konzil. Biblisch scheint es eher darum zu gehen, einen Glauben zu bewahren. Wenn die Bibel von Kirche - Gemeinde - spricht, meint sie damit die Gemeinschaft der gläubigen Getauften, die Herausgerufenen, und nicht nur einen in einer bestimmten Konfession organisierten. Die frühe Kirche entschied über die Konzile, angefangen mit dem Apostelkonzil. Nach und nach gab es Trennungen in dieser gesamten Gemeinschaft, erst die Altorientalen, später die Trennung zwischen Orthodoxie und Katholizismus, es folgten einige Jahrhunderte die Trennung zwischen Protestantismus und Katholizismus, später trennten sich die Altkatholiken von den Römern. Alles in allem dürfte es heute schwer sein, das gesamtkirchliche Wirken des Heiligen Geistes zu identifizieren, weil jeder den Heiligen Geist für sich beansprucht.

kerygma antworten


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