Theodizee
Wenn von irgendwoher die Frage nach der Theodizee gestellt wird, ist so gut wie immer damit gemeint, wie ein gütiger Gott die Menschen so in ihrem Elend belassen kann , dem sie durch Krieg, Krankheit und Böswilligkeit anderer verharren müssen.
Am Wochenende ist mir eine interessant Variante begegnet, bei der es darum ging, warum dann die irdische Wirklichkeit so gestaltet wurde, dass auch bei den Tieren das eine des anderen Wolf ist und sie auf schlimme Weise als Nahrung für andere dienen.
Das hat mich dann wieder zu der Frage geführt, die sich mir immer wieder mal stellt: Wieso geht man davon aus, dass es bei Pflanzen keine Schmerzen und auch Empfindungen wie Gefühle gibt?
@queequeg Weil Pflanzen entwicklungsgeschichtlich so weit von uns weg sind, und auch so langsam im Vergleich zu uns, daß wir ihre Äußerungen garnicht verstehen.
Man hat inzwischen festgestellt, daß Bäume soziale Wesen sind und Nahrung miteinander teilen und miteinander kommunizieren. Aber dazu mussten erst aufwändige Messungen elektrischer Signale gemacht werden.
Ja. Nur gehe ich bei solchen Überlegungen davon aus, was die Grundlagen christlichen Verständnisses der Welt dazu sagen und da sehe ich nicht viel. Da steht der Mensch - und seine Bedürfnisse - derart im Vordergrund, dass alles andere in seine Bedeutung verblasst. Je weiter entwicklungsgeschichtlich entfernt, desto blasser.
Steile These: Weil der Mensch sich nicht wirklich mit dem niederen Leben des Irdischen verbunden weiß, muss er sich mit dem höheren himmlischen verbinden.
@queequeg In der Tat geht das Thema Umgang mit der Schöpfung in der Bibel irgendwie unter.
Und falls Jesus etwas explizit dazu gesagt hat, haben es die Evangelisten für nicht so wichtig gehalten. (Schreibmaterial war teuer!)
Am ehesten sind Handlungsanweisungen gegenüber der Schöpfung aus der Genesis zu lesen. Hier eine Interpretation der EKD: https://www.ekd.de/tier_1991_tier2.html
Die Menschen damals steckten zu sehr im eigenen Überlebenskampf, um sich groß für die Schöpfung zu interessieren. Zumal Israel damals ein besetztes Land war.
Und es war keine Jäger-und-Sammler-, sondern eine Bauern-und-Viehzüchter-Gesellschaft, also eine die gelernt hatte, die Natur zu beherrschen und sich nicht mehr so als Teil der Natur verstand wie Jäger und Sammler.
Der Koran, im 7. Jahrhundert nach Christus entstanden, sagt schon mehr über Tierschutz aus:
https://www.religion.ch/blog/mensch-und-tier-eine-muslimische-perspektive/
"Dieser Vers im Koran unterstreicht das Konzept der Lobpreisung Gottes durch alle Geschöpfe sowie die Unfähigkeit des Menschen, die Lobpreisungen der Tiere zu verstehen. Es erinnert uns daran, dass jedes Lebewesen eine wichtige Rolle in Gottes Schöpfung spielt. Entsprechend sollten wir uns bemühen, sie zu respektieren und zu schützen."
Wäre schön, wenn solche Zeilen auch in der Bibel stünden. Stattdessen tut man Tiere als Wesen ab, denen Gott keine Seele eingehaucht hat.
Veröffentlicht von: @lucan-7Und wenn diese Gerechtigkeit der Liebe im Wege steht, dann wäre die Aussage, Gott würde alle Menschen lieben auch entsprechend eingeschränkt und unzutreffend.
Dieses Argument ist im Kontext Gottes / der Offenbarung völlig irrelevant. Bei Gott ist sind Gerechtigkeit und Liebe untrennbar miteinander verbunden. Die höchste Form der Gerechtigkeit ist die Barmherzigkeit, die ihrerseits das höchste Maß an Liebe verlangt.
Und wenn Gottes Heiligkeit ihn an der Liebe hindert, dann liebt er eben nicht.
Wie soll das gehen? Ist das jetzt mehr als ein Wortspiel?
Ja, weshalb es keinen lebendigen Toten gibt, oder ledigen Ehemann. Gibts nicht und auch ein allmächtiger Gott wird dies nicht erschaffen.
Natürlich gibt es aus der Sicht Gottes lebendige Tote. Nämlich die, die nur noch äußerlich leben, also ohne Geist und vor allem in der Liebe zu sich selbst und der materiellen Welt
Demnach stünde die Logik über Gott. Logik ist nach meinem Dafürhalten ein schwacher und vollständiger Abglanz der strukturellen Ordnung, die der Mensch rekonstruiert, um sich anstelle des Glaubens Erkenntnissicherheit zu verschaffen. Was nicht heißt, dass Glaubensaussagen unlogisch sind. Aber sie erschöpfen sich keineswegs darin. Logik ist ein untere Grenze der Richtigkeit transzendentaler Erkenntnisse bezüglich Gott und Gottes Ordnung.
Veröffentlicht von: @lucan-7Dann wäre Gottes Wesen für mich nicht zu beurteilen. Ich hätte keine Möglichkeit zu entscheiden, ob Gott in meinem Sinne gut oder böse ist, und hätte demnach auch keinen Grund, ihm zu folgen oder zu vertrauen
Genau, dass der Theodizee Kern. Gottes Wesen ist nur in dem Maße vom Menschen zu ´beurteilen`, wie es selbst aufgrund seine geistigen und spirituellen Entwicklung ähnlicher wird. Jemand der selbst Musik macht, hört und beurteil Musik anderes, als derjenigen der Musik nur konsumiert oder für andere Zwecke gebraucht, aber eben nicht um der Musik selbst willen. Je mehr man mit der Ordnung / dem Willen Gottes vertraut ist, desto mehr kann man auch gut und böse unterscheiden, wobei hier Mittel und Zweck zusammenfallen können. Indem man nämlich selbst gutes oder böses erlebt, lernt man es auch kennen. D.h. vor allem auch, dass du beginnst, nicht in ´deinem Sinne` die Gut und Böse zu verstehen, sondern im Sinne der Offenbarung. Solange du denkst, ich kann mich nur allein auf mein eigenes Urteil verlassen, kommts mit Erkenntnis bezüglich Gott nicht weiter.
Das ist nunmal eine Tatsache, Gott denkt ziemlich anders als wir Menschen.
Jemand der selbst Musik macht, hört und beurteil Musik anderes, als derjenigen der Musik nur konsumiert oder für andere Zwecke gebraucht, aber eben nicht um der Musik selbst willen. Je mehr man mit der Ordnung / dem Willen Gottes vertraut ist, desto mehr kann man auch gut und böse unterscheiden, wobei hier Mittel und Zweck zusammenfallen können. Indem man nämlich selbst gutes oder böses erlebt, lernt man es auch kennen. D.h. vor allem auch, dass du beginnst, nicht in ´deinem Sinne` die Gut und Böse zu verstehen, sondern im Sinne der Offenbarung.
Auch ein Mensch, der sebst kein Musiker ist, kann einen Bezug zur Musik haben und beispielsweise erkennen, ob Töne harmonisch zueinander sind oder lediglich eine zufällige Abfolge.
Was du hier beschreibst ist ein Mensch, der sich von der Moral seiner Mitmenschen entfernt und anderen Kategorien folgt. Und damit hatte die Menschheit schon einige sehr schlechte Erfahrungen, denn genau so dachten auch Inquisitoren, Conquistadoren und Kreuzritter. Es scherte sie nicht, wenn andere Menschen ihre Taten für grausam hielten, denn sie folgten ja einer "höheren Moral".
Und die Bibel gab ihnen recht, schliesslich hat Gott selbst auch Massenmord und die Tötung ganzer Völker befohlen.
Vor allem kann dich ja keiner bremsen, weil jeder, der es versuchen würde, in deinen Augen Gott nicht so nahe steht wie du selbst es tust.
Verstehe mich nicht falsch, ich will dir hier nichts unterstellen... ich will nur aufzeigen, wohin solche Gedanken führen können und auf welche Abwege man dabei geraten kann.
Veröffentlicht von: @jack-blackPrämisse 1: Peter handelt stets egoistisch. (im zugeordnetes Attribut: absoluter Egoismus) Alternative Formulierung: Alle Handlungen Peters sind egoistisch.
Prämisse 2: Peter fischt ein Kind aus dem Wasser.
Conclusion: --> Also lag Peters Motivation für das Herausfischen des Kindes in seinem Eigennutz.
Dass ist so nicht korrekt. Es fehlt die Prämisse: Kinder aus dem Wasser herausfischen ist eingennützig
Mit dieser elenden Logikdiskussion kommt man nicht weiter, weil es sich immer nur um inhaltsleere Aussageformen handel, egal ob ich sage aus a folgt b oder wenn ich anstelle a egoistisch und für b herausfischen setze. Entscheidend ist die Bedeutung. Die kann man nur gewinnen wenn man fragt: Was geschieht, wenn man darauf verzichtet, Kinder aus dem Wasser zu fischen? Was bedeutet es egoistisch zu handeln. Handelt Peter etwa, weil er denkt, wenn er das Kind herausholt, dann kann er sich das Kind / die Eltern auf sich verpflichten, weil sie ihm etwas schulding geblieben sind?
Es gibt einen französischen Film - weiß leider nicht mehr, wie er heißt, in dem ein Mann nicht damit klar kam, einem Menschen das Leben gerettet zu haben. Um das "Gleichgewicht" wieder herzustellen, hat er dann einen anderen getötet.
@queequeg Um das "Gleichgewicht" wieder herzustellen, hat er dann einen anderen getötet.
Eine schöne Pointe! 😀
@herbert Mit dieser elenden Logikdiskussion kommt man nicht weiter, weil es sich immer nur um inhaltsleere Aussageformen handel
Mit irrationalen Argumenten kommt man viel weniger weiter als mit rationalen. Inhaltsleer war mein Argument nicht: Sein Inhalt war ein Attribut (stets egoistisch), und wie aus diesem eine Motivation abgeleitet werden kann. Inhaltlich hatte ich das Argument, um das es hier in der Diskussion eigentlich geht, oben schon dargelegt: Wenn wir sagen, dass Gott allliebend/allgütig sei, dann lässt sich daraus ableiten, dass er stets liebend handelt. Dies: dass sich aus dem Attribut der Allgüte Gottes eine Motivation seines Handelns ableiten lasse, erklärte Arcangel für irrig. Warum, bzw. inwiefern ich irrte, erklärte er nicht. Also brachte ich ein anderes Beispiel dafür, wie sich aus einem Attribut eine Motivation ableiten lässt.
Damit wollte ich nicht Peters Fall disktuieren, sondern die Behauptung Arcangels per Beispiel widerlegen, bzw. aufzeigen, dass sie nicht allgemein gültig sei.
Als elend empfinde ich, dass man hier ständig auf den Diskussionszusammenhang verweisen muss und in einem Themen-Zusammenhang, bei welchem die Logik zentral ist - und wie sollte sie dies in der Theodicee-Problematik nicht sein?! - dann mit solchen Formulierungen wie Deiner getan wird, als sei sie mehr oder minder irrelevant. Ich meine: wir sind hier im Theologie-Unterforum, nicht in "Mit Gott erlebt" oder "Jesus nachfolgen"; und es wird sich auf Leibniz mit seiner "besten aller möglichen Welten" bezogen. Da wird man ja wohl mal Argumente in einer übersichtlichen Form als logisch präsentieren dürfen... ^^
Veröffentlicht von: @jack-black@herbert Mit dieser elenden Logikdiskussion kommt man nicht weiter, weil es sich immer nur um inhaltsleere Aussageformen handel
Ich meine: wir sind hier im Theologie-Unterforum, nicht in "Mit Gott erlebt" oder "Jesus nachfolgen"; ...
Nun ja - wir reden nicht nur über Theologie, sondern eben auch über Theologie.
Und da kommt dann halt noch eine Dimension dazu, die mit menschlicher Logik nicht (immer) zu greifen ist.
Aber auch ohne diese (für Dich) nicht so ganz greifbare Aussage denke ich die ganze Zeit an diese Logologie-Wortspiele aus meiner Jugend von vor vielen Jahren, wo (vermeintlich) lauter logische Aussagen aneinandergereiht wurden und am Ende vollkommener Käse bei rauskam.
Beispiel:
Peter hat ein Aquarium => Peter mag Tiere => Peter mag Kinder => Peter mag kleine Jungs => Peter ist pädophil ...
Abgesehen davon, dass nicht jeder Aquarienliebhaber insgesamt ein Tierfreund sein muss, ist längst nicht jeder Tierfreund auch ein Kinderfreund ...
Aber es nutzt halt nicht viel, wenn auf solche Annahmen eine ganze Logik-Kette aufgebaut ist.
Und ja - ich hab die Diskussions-Zusammenhänge verfolgt.
@chai Nun ja - wir reden nicht nur über Theologie, sondern eben auch über Theologie.
Und da kommt dann halt noch eine Dimension dazu, die mit menschlicher Logik nicht (immer) zu greifen ist.
Das ist kein starkes Argument und Leibniz z.B. redet sich in seiner gesamten Theodicee denn auch nirgends darauf hinaus, dass irgend ein diskutierter Aspekt mit "menschlicher Logik" (was soll das überhaupt sein und wie wollte man sie von "tierischer Logik", "pflanzlicher Logik" oder "göttlicher Logik" sinnvoll unterscheiden?) nicht zu greifen sei.
Generell gilt doch: Entweder, ein Satz ist wahr oder er ist nicht wahr. Das gilt für alle Sätze, auch für Sätze über Gott. Entweder, es ist wahr, dass Gott allgütig ist - oder es ist nicht wahr. Die Gründe, die für das eine oder für das andere sprechen, können wir Menschen nur mit unserer "menschlichen Logik" gegeneinander abwiegen.
Bibelverse, die sinngemäß behaupten, Gottes Wege/Wille seien höher als alle menschliche Vernunft, sind nichts weiter als dies: Behauptungen. Noch dazu Behauptungen, die nicht belegt werden können und die, wenn man sie genauer analysiert, sich als praktisch inhaltsleer erweisen, oder, umgangssprachlich ist in diesem Fall klarer: Quatsch.
Peter hat ein Aquarium => Peter mag Tiere => Peter mag Kinder => Peter mag kleine Jungs => Peter ist pädophil ...
Abgesehen davon, dass nicht jeder Aquarienliebhaber insgesamt ein Tierfreund sein muss, ist längst nicht jeder Tierfreund auch ein Kinderfreund ...
Genau. 🙂 Die Kette von Aussagen ist denn auch lediglich eine Zusammenreihung und zwar nicht von sich auseinander logisch notwendig ergebenden Schlüssen, sondern aus Sätzen, die eher frei assoziiert erscheinen. Logisch notwenig folgt nur "Peter mag kleine Jungs" aus "Peter mag Kinder". "Peter ist pädophil" wiederum könnte vielleicht als ein synonymer Ausdruck für "Peter mag Kinder" verstanden werden, solange man die letzten hundert Jahre Diskurs über Pädophilie mal kurz ausblenden möchte.
@herbert Nachtrag. Du hattest etwas in das Zitat von mir hineingeschrieben, das ich eben nicht beachtet hatte - weil es in Zitatform da stand und ich i.d.R. nicht überprüfe, ob die Leute mich korrekt zitieren.
Dein Einwand, in das Zitat mit hineingeschrieben, lautet:
Dass ist so nicht korrekt. Es fehlt die Prämisse: Kinder aus dem Wasser herausfischen ist eingennützig
Formal: Mein Argument war vollständig. Man kann es jederzeit erweitern und zusätzliche Prämissen vorschlagen; allerdings frage ich mich, was das bringen sollte - es handelte sich hier um ein Analog-Beispiel. Mein Schluss war korrekt.
Inhaltlich: Nein, die Prämisse, Kinder aus dem Wasser herauszufischen sei eigennützig, fehlt nicht, ganz im Gegenteil. Das Herausfischen des Kindes aus dem Wasser ist eine konkrete Handlung, die speziell Peter ausführt. Ich hatte diese einzelne Handlung (nicht: allgemeine Handlungsweise!) extra ausgewählt, wohl wissend, dass wir üblicherweise ähnliche Rettungstaten als altruistisch betrachten (ohne die eigentliche Motivation des Retters zu kennen).
Wenn wir nun allerdings Peter als jemanden definiert haben, der stets egoistisch (das Gegenteil von altruistisch) handele, kann er in diesem Einzelfall keine altruistische Motivation gehabt haben, das Kind aus dem Wasser zu fischen. Vielmehr muss seine Motivation für diese spezielle Handlung Eigennutz gewesen sein, weil ja alle seine Handlungen stets eigennützig sind.
Nochmal: Ich bitte, den Diskussionszusammenhang zu beachten. Mein Argument war ein Analogbeispiel, bezogen auf dass Attribut "Allgüte/Allliebe" Gottes. Während sich allerdings das Attribut "egoistisch" immer auf das Subjekt bezieht (Peter), bezieht sich das Attribut "Allgüte" auf alle anderen* als das Subjekt. Jemand, der stets egoistisch handelt, hat stets nur das eigene Wohl als Ziel. Jemand, der allgütig handelt, hat stets nur das Wohl aller anderen als Ziel.
Darin besteht dann die Motivation all seiner Taten. Ausnahmslos, weil: all-gütig.
*Genaugenommen schließt es das Subjekt noch nicht mal aus: Gott mag also auch sein eigenes Wohl stets zum Ziel haben, was aber im hier diskutierten Zusammenhang irrelevant sein dürfte, es sei denn, man wollte behaupten, dass das Wohl Gottes notwendigerweise im Konflikt zum Wohl aller anderen stünde.