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Was ist Aufgabe der Theologie?

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Lucan-7
Themenstarter
Beiträge : 16986

Zwei Fragen fielen mir heute spontan im Zusammenhang mit "Theologie" ein, die ja gelegentlich den Anspruch erhebt, eine Art Wissenschaft zu sein (Sich aber auch in Konkurrenz zu dieser sieht):

 

1. Was ist Aufgabe der Theologie?

2. Wird sie dieser Aufgabe gerecht?

 

Die Antworten würden mich an dieser Stelle sehr interessieren.

Antwort
62 Antworten
lhoovpee
Beiträge : 2335

@lucan-7 

Theologie ist ein weiter Begriff. Erst einmal bedeutet er ja schlicht "Lehre über Gott". Sprich jede Aussage über Gott ist Theologie. Und in diesem Sinne hat Theologie keinerlei Aufgabe, die zu erfüllen wäre. Sie gibt lediglich das wieder, was ein Mensch oder eine Gruppe von Menschen über Gott lehrt. 

Daneben gibt es die Theologiewissenschaften. Diese hat für mich vor allem die Aufgabe der neutralen Betrachtung der Religion, und die Beobachtung, welche Lehrmeinungen es gibt; praktisch eine historisch kritische Betrachtung der Religion. Und daher finde ich es auch gut, dass an deutschen Universitäten Religionswissenschaften gibt. Denn innerhalb der Religionsgemeinschaft selbst wird es kaum ein wirklich kritische Auseinandersetzung geben. Und an dieser Stelle muss man die Fakultäten für Theologie natürlich auch kritisieren. Warum gibt es z.B. separate evangelische und katholische Fakultäten? Für eine wissenschaftliche Betrachtung sollte das irrelevant sein. 

Ich kenne jedoch auch einige nicht-staatliche Bibelschulen. Und wenn ich diese Betrachte bin ich froh, dass es ein Gegengewicht gibt. Ich denke aber auch, dass die Kirchen früher oder später kein Studium mehr als Voraussetzung für den Pastor fordern können, weil sie dann schlicht und ergreifend keine Pastoren mehr haben werden. 

Ob die Theologie ihre Aufgabe erfüllt ist nicht pauschal zu beantworten. Mal ja, mal nein, hier ja, dort nein.

lhoovpee antworten


mmieks
 mmieks
Beiträge : 1106

@lucan-7 Da hast du ein weites Feld aufgemacht.

Ich bin ausgebildet in katholischer Erwachsenenbildung. Das beinhaltete einen theologischen Grundkurs in 11 Fächern: Altes/Neues Testament, Fundamentaltheologie, Moraltheologie, Dogmatik, Kirchengeschichte, Spiritualität etc. Dieser Grundkurs ermöglichte mir die "Missio" (ein Papier, was bestätigt: Von der Kirche geprüft und gesendet).;.

Ich habe dann weiter gemacht mit theologischer Erwachsenenbildung. Auch hier war es ein weites Feld, wo ich dann Schwerpunkte setzte: Altes Testament, hier hauptsächlich die Psalmen, Das Buch Hiob; Kirchengeschichte: das 2. Vatikanische Konzil; Der "Laie" in der Kirche; etc.

Meine Angebote standen in Jahresprogrammen des kath. Bildungswerkes der Diözese. Ich habe meine Aufgabe nicht so sehr als Wissensvermittlung gesehen, sondern als ein gemeinsames Arbeiten mit dem Thema. Das war in den 89iger bis 2 000- Jahren.

Mir ist bewusst, dass der aktueller Grundkurs den aktuellen Gegebenheiten angepasst wurde. Manchmal denke ich mir: Ich möchte ihn noch einmal machen.

Soweit mal aus dem Nähkästchen geplaudert.

die Aufgabe der Theologie heißt zwar: Das Wissen über Gott zur Sprache bringen, Darin eingebunden auch mein persönlicher Weg mit Gott ...  und das Wissen, dass es nur "Stückwerk" ist, dass unser Wissen auch Nichtwissen ist. Gott ist in keinen Rahmen zu zwängen, in kein Bild zu malen. Ich erfahre ihn mitunter als den "Nahfremden".

Wenn man dann noch "namhafte Theologen" nennt, dann kommen wir darauf, dass es auch hier ein weites Feld gibt. Von Drewermann  z.B. habe ich mich inzwischen innerlich verabschiedet - dafür gibt es neuere Namen.

Zum Schluss noch: Glaube lässt sich nicht in Dogmen pressen So wie sich Leben nicht in Paragraphen pressen lässt (obwohl beides auch auf Papier steht).

Meine grundsätzliche persönliche Erfahrung ist: Gott stellt meine Fsse auf weitem Raum.

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9 Antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 3589

@mmieks 

"Aufgabe der Theologie heißt zwar: Das Wissen über Gott zur Sprache bringen"

Ich denke, das funktioniert nicht. Im Sinne einer Wissenschaft kann man nichts über Gott wissen.

Wissenschaftlich erforscht werden können nur die Aussagen über Gott - wie sie entstanden und wie sie zu verstehen sind.

"Von Drewermann  z.B. habe ich mich inzwischen innerlich verabschiedet"

Woraufhin?

"dafür gibt es neuere Namen."

Nämlich?

 

queequeg antworten
mmieks
 mmieks
(@mmieks)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 1106

z.B. Tomas Halik oder Richard Rohr.

mmieks antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 3589

@mmieks 

Rohr finde ich auch gut und von Halik habe ich was gelesen, was nicht schlecht war. Aber beide gehen - wie fast alle Autoren theologischer Texte - sozusagen vom Himmel aus und fragt, was der will und überträgt das dann auf das Leben hier.

Das macht Drewermann ganz anders. Er fragt als erstes, was und wie die Situation des Menschen ist und dann, was der Himmel dazu sagt.

 

queequeg antworten
mmieks
 mmieks
(@mmieks)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 1106

@queequeg Im Vater unser heißt es: Wie im Himmel so auf Erden ...

 

 

mmieks antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 3589

@mmieks 

HÄ? Im Himmel ist es wie auf Erden und auf Erden wir im Himmel? Kann doch nicht Dein Ernst sein.

queequeg antworten
mmieks
 mmieks
(@mmieks)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 1106

@queequeg Ich habe vergessen, den Satz vorher auch zu nehmen: "Dein Reich komme, wie im Himmel so auf Erden. Es war mein Einwand auf deine Aussage, dass Rohr und Malik mehr vom Himmel her argumentieren.

Offensichtlich ist Himmel für dich nur etwas zukünftiges.

Gerade von einem gläubigen Psychologen habe ich den Satz gehört: Himmel auf Erden  ist z.B. ein Ort des Vertrauens. Manchmal nur Momentaufnahmen, wo alles stimmig ist.

Ich weiß jetzt nicht, ob wir nicht schon off topic sind.

mmieks antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 3589

@mmieks 

Gut, dadurch wird das schon verständlicher. Trotzdem bleibt meine Kritik bestehen.

Ich habe unzählige Male erlebt, dass bei irgendwelchen Schwierigkeiten oder Konflikten, die Menschen haben, als erstes gefragt wird, was sagt Gott, die Bibel, der Himmel dazu und da die konkrete Lebenssituation des Menschen überhaupt keine Rolle mehr spielt.

Ein klassisches Beispiel: Die Frau, die seit Jahren unter der Ehe mit einem Mann litt, der sich bei ihr nahm, was erbrauchte und sie gelegentlich immer wieder mal verprügelte. Sie fragte ihre Pfarrer (evangelische Landeskirche) um Rat und der sagte ihr, sie dürfe sich auf keinen Fall von ihm trennen, weil Gott zusammenhalten wollte, was er zusammengefügt habe. Auf ihren Einwand, dass sie seit Jahren nur zu leiden habe, war seine Antwort, dass das dann eben das Kreuz ist, das sie tragen muss.

"Offensichtlich ist Himmel für dich nur etwas zukünftiges."

Nein, ganz und gar nicht. Was Du da von dem Psychologen geschrieben hast, halte ich schon für sehr zutreffen. Aber das ist ja auch eben nicht vom Himmel her - als Welt außerhalb von unserer - verständlich.

queequeg antworten
mmieks
 mmieks
(@mmieks)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 1106

@queequeg Dein Beispiel ist genau das, was mich als Aussage eines befreundeten Priesters schon sehr lange begleitet: "Es ist ein Kreuz mit dem Kreuz, weil es sooft herhalten muss, um das Kreuz zu erklären, wo es nichts zu erklären gibt!".

Ich hoffe sehr, dass solche seelsorgerlichen Ratschläge heute nicht mehr gang und gäbe sind. Leider haben viele nicht den Mut, sich  Hilfe zu holen.

Vor zwei Wochen war bei uns das Thema Gewalt in seinen verschiedenen Ausformungen Themenschwerpunkt einer ganzen Woche in allen Medien.

mmieks antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 3589

@mmieks 

Ja, das ist wohl wahr, was der sagt.

Ich stehe ja deshalb Drewermann so nahe, weil ich die gleichen Erfahrungen gemacht habe wie er und ebenso wie er zuallererst den Menschen nach seinem Leben befrage, bevor ich mir religiöse oder auch therapeutische Gedanken gemacht habe. Erst lange danach kam dann auch anderes, aber das nicht einfach von meinem eigenen Denken, sondern von dem, was der Betreffende selbst für Einsichten hatte.

Noch ein Beispiel, wie es eben auch anders geht - inzwischen wohl tatsächlich nicht mehr so:

Der Pfarrer der Gemeinde lud mich zu einem Gespräch mit einem Ehebrecher seiner Gemeinde ein, um mir damit die Überlegenheit der Seelsorge zu beweisen. Natürlich war der Mann einverstanden, der gar nicht wusste, worum es ging. Der sagte zu mir vor dem Gespräch noch ohne den Mann, "die Frau muss weg, das ist ja klar".

Ja, für ihn war das klar ohne jede Frage nach dem Warum und woher des Lebens und der Partnerschaft dieses Mannes. Er Umsäuselte den regelrecht mit lieben und netten Worten, er habe gehört, dass er sich in Schwierigkeiten befinden und wollte sehen, ob man ihm nicht helfen kann. Am Schluss kam natürlich, "die Frau muss weg".

queequeg antworten
poimen.a
Beiträge : 792

@lucan-7 Die Antwort der Lehre über Gott kann nicht gleichzeitig wissenschaftlich sein...

hg poimen

poimen-a antworten


andreas
Beiträge : 1692

@lucan-7 

Tatsächlich ist die Frage, was Theologie sei und was ihre Aufgabe ist, selbst immer wieder Teil theologischen Nachdenkens. Ich hatte sogar eine Vorlesung, die explizit den Titel trug "Was ist Theologie?" Was schon mal heißt, es gibt offenbar unterschiedliche Antworten.

Das mag, wenn man seinen Wissenschaftsbegriff aus der Naturwissenschaft hat, mindestens irritieren oder gar wie ein Taschenspielertrick wirken. Aber derartige Selbstreflexion ist in den Geisteswissenschaften nicht ungewöhnlich. Geschichtswissenschaft oder Philosophie stellen sich diese Fragen auch und versuchen sie zu beantworten.

Und ohne mich auszukennen, vermute ich mal, die Frage "Was ist Aufgabe der Biologie?" wird in der Biologie selten gestellt, und selbst dort, wo sie es wird, lässt sie sich nicht mit naturwissenschaftlicher Methodik beantworten. Mir jedenfalls fallen eine Menge guter Gründe ein, wofür Biologie gut ist, aber sie alle haben mit einem Menschenbild zu tun, das ich nicht aus der Biologie habe. Ich wage mal die Arbeitshypothese: Jede Wissenschaft, ob Natur- oder Geisteswissenschaft, kann, wenn sie ihren eigenen Zweck begründen will, das nicht rein naturwissenschaftlich tun. Was nicht heißt, dass man dafür gleich einen Gott braucht.

Dies vorweggeschickt habend, würde ich sagen:

Theologie hat die Aufgabe*, über die eigene Religion in einer Weise sprachfähig zu machen, dass auch Menschen, die ihr nicht angehören, verstehen und nachvollziehen können, worum es da geht. Mit "auch" meine ich, dass es für die Glaubenden genauso sinnvoll sein kann, aber Glaube keine Voraussetzung fürs Verstehen ist.

Das ist jetzt sehr weit gefasst und würde z.B. bedeuten, dass auch das Heftchen "Die vier geistlichen Gesetze" Theologie ist, ja, sogar Dogmatik. Jeder, der sagt, wer Jesus für ihn ist, betreibt Theologie. Außerdem habe ich bewusst "Religion" geschrieben, weil ich meine, in dieser Hinsicht gibt es Theologie auch z.B. im Islam.

*Ich überlege, ob man nicht präziser sagen sollte "Theologie ist die Aufgabe", aber vielleicht ist das haarspalterisch.

Im Christentum ist nun historisch etwas geschehen, was die Sache komplizierter machte: Die Gruppe derer, die ihm nicht angehören, ist diverser geworden. Spätestens mit der Aufklärung wurde die Gotteshypothese zur Erklärung der Welt verzichtbar, und so stand Theologie in den Universitäten anderen Gesprächspartnern gegenüber als "auf der Straße". Über die eigene Religion sprachfähig sein, hieß also etwas Anderes gegenüber Physikern als gegenüber Soziologen als gegenüber Bäckereifachverkäufern etc. Eine theologische Sprache, die hilft, im Diskurs mit dem Biochemiker sprachfähig über das Christentum zu sein, ist für mich als studierten Theologen vermutlich völlig unverständlich.

Was uns zu der zweiten Frage führt: "Wird sie dieser Aufgabe gerecht?" Ich würde sagen, ja, immer wieder. Und oft auch nicht. Denn die Theologie ist ja keine Person, sondern Personen betreiben Theologie. Manchen gelingt es, manchen nicht. Manchen gelingt es im Blick auf bestimmte Gesprächspartner, die aber blöderweise gar nicht im Raum sind.

Aber wie gesagt, man kann auch ein ganzes Semester dazu eine Vorlesung halten.

andreas-wendt antworten
4 Antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 16986

@andreas-wendt 

Und ohne mich auszukennen, vermute ich mal, die Frage "Was ist Aufgabe der Biologie?" wird in der Biologie selten gestellt, und selbst dort, wo sie es wird, lässt sie sich nicht mit naturwissenschaftlicher Methodik beantworten.

Nun, typischerweise sind das so Fragen, die in Vorlesungen zu Beginn des ersten Semesters angesprochen werden. Und dann wird den Studenten gesagt, was die Aufgabe der Biologie, zumindest bezogen auf die Universität, denn nun ist.

"Naturwissenschaftlich" lässt sich das natürlich nicht klären. Es geht ja um die Frage, was die naturwissenschaftliche Methodik in Bezug auf die Biologie zu leisten vermag - und wo ihre Grenzen liegen.

Die genaue Aufgabenstellung ist natürlich variabel und hängt von den Erwartungen ab. Wenn man sagt: "Aufgabe der Biologie ist es, das Wissen über biologische Zusammenhänge beständig zu erweitern und Möglichkeiten zu zeigen, dieses Wissen sinnvoll anzuwenden", dann kann man wohl sagen, dass die Biologie diese Aufgabe erfüllt.

Schraubt man die Erwartungen zu hoch und erklärt die Aufgabe der Biologie darin, "das Leben in allen Zusammenhängen restlos auf molekularer Ebene darzustellen und alle vorhandenen Zusammenhänge aufzudecken" - dann wird die Biologie an dieser Aufgabe wohl scheitern. Erst recht, wenn Erwartungen ausserhalb der wissenschaftlichen Methodik aufgestellt werden... also etwa "Aufgabe der Biologie ist es, die Seelen aller Lebewesen nachzuweisen".

Bezogen auf die Theologie könnte man das Ganze jetzt auf die Frage zuspitzen: "Welche Erwartungen kann die Theologie erfüllen - und welche nicht?"

 

 

lucan-7 antworten
andreas
(@andreas-wendt)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 1692

@lucan-7 

Bezogen auf die Theologie könnte man das Ganze jetzt auf die Frage zuspitzen: "Welche Erwartungen kann die Theologie erfüllen - und welche nicht?"

Diese Formulierung gefällt mir sehr viel besser als die Frage nach der Aufgabe. Es geht empirischer ran. Sinnvollerweise kann man im Anschluss sagen: Die Erwartung, die etwas oder jemand erfüllen kann, ist dann auch die richtige Aufgabe für sie.

Wenn ich richtig liege, und gute Theologie erfüllt die Erwartung, Glauben auch für Nichtglaubende nachvollziehbar sprachlich darzustellen, dann erfüllt sie im Regelfall nicht die Erwartung, aus ihnen Glaubende zu machen. Sie kann möglicherweise helfen, Glaubenshindernisse abzubauen, soweit diese intellektueller Natur sind. Sie kann helfen, einen Glauben fair darzustellen, dem man nicht angehört. All das ist viel wert. Aber das sind auch ihre Grenzen.

Manchmal innerchristlich geäußerte Kritik "Diese ganze Theologie bringt doch nichts, niemand wird durch sie Christ!" würde, selbst wenn sie stimmen sollte, also Theologie mit Erwartungen belasten, die sie weder erfüllen kann noch will. Auf einer Metaebene betreibt sie damit selbst Theologie.

Erfüllt Theologie die Erwartung, Glauben zu stärken? Da kann ich nur für mich selbst reden. Wenn ein Buch meinen Glauben stärkte, war es fast immer eins, das Theologie enthielt. Aber ich habe auch viele theologische Bücher gelesen, die das nicht taten, ohne von ihnen enttäuscht zu sein.

andreas-wendt antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 16986

@andreas-wendt 

Wenn ich richtig liege, und gute Theologie erfüllt die Erwartung, Glauben auch für Nichtglaubende nachvollziehbar sprachlich darzustellen, dann erfüllt sie im Regelfall nicht die Erwartung, aus ihnen Glaubende zu machen.

Aber Theologie richtet sich doch nicht in erster Linie an Nicht-Glaubende. Wenn du hier schreibst, dass es darum geht, allgemein verständlich zu formulieren (Also in gewisser Weise "neutral"), dann kann ich da ja noch mitgehen. Aber Theologie als solche führt eher weniger zum Glauben... das läuft ja meist über ganz persönliche Erfahrungen.

Sie kann möglicherweise helfen, Glaubenshindernisse abzubauen, soweit diese intellektueller Natur sind.

Ich habe damals ja auch verschiedene Schriften zu entsprechenden Fragestellungen gelesen... Antworten habe ich darin nicht gefunden.

Ich würde sogar sagen: Die Erwartung, Glaubenshindernisse "intellektueller Natur" auszuräumen kann die Theologie (meistens) nicht erfüllen.

Erfüllt Theologie die Erwartung, Glauben zu stärken? Da kann ich nur für mich selbst reden. Wenn ein Buch meinen Glauben stärkte, war es fast immer eins, das Theologie enthielt.

Das wiederum kann ich mir gut vorstellen.

 

 

lucan-7 antworten
andreas
(@andreas-wendt)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

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@lucan-7 

Aber Theologie richtet sich doch nicht in erster Linie an Nicht-Glaubende. Wenn du hier schreibst, dass es darum geht, allgemein verständlich zu formulieren (Also in gewisser Weise "neutral"), dann kann ich da ja noch mitgehen. Aber Theologie als solche führt eher weniger zum Glauben... das läuft ja meist über ganz persönliche Erfahrungen.

Das sehe ich auch so. Mit dem "auch für Nichtglaubende" versuchte ich ad hoc eine Formulierung zu finden, die vielleicht so noch geschickter wäre:

Theologie hat die Aufgabe der sprachlichen und denkenden Selbstreflexion des Glaubens in einer Weise, dass der Glaube selbst für ihr Verstehen keine notwendige Voraussetzung ist.

Theologie müsste also für Nichtglaubende ungefähr so wirken, wie auf mich ein gutes Kochrezept mit Bananen: Ich verstehe, wieso das Gericht Menschen schmecken kann, die Bananen mögen. Wieso Menschen überhaupt Bananen mögen, verstehe ich aber weiterhin nicht.

andreas-wendt antworten
andreas
Beiträge : 1692

Ergänzung: wie immer fundiert, pointiert und differenziert setzt sich Thorsten Dietz damit hier auseinander:

https://wort-und-fleisch.de/das-relevanzproblem-der-theologie/

andreas-wendt antworten


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