Wenn Gott den Sündenfall verhindert hätte...
Simple Frage: Welche Auswirkungen hätte es gehabt, wenn Gott den Sündenfall verhindert hätte? Also, nichts Spektakuläres... Gott hätte Nebel gesendet, Adam und Eva hätten den Baum der Erkenntnis nicht gefunden, die Schlange verkrümelt sich frustriert, und nichts wäre geschehen.
Hätten Adam und Eva dann trotzdem einen freien Willen... und alles wäre in bester Ordnung?
Oder hatte der Sündenfall einen Sinn?
Was denkt ihr?
Oder hatte der Sündenfall einen Sinn?
Ich ergänze meine Beiträge nochmals um diesen Gedanken:
Ich finde, der Sündenfall selbst war nicht sinnvoll. Das einzig Sinnvolle darin ist Jesus Christus, in dem Sinne, dass er und alle die zu ihm gehören und gehören werden (am Schluss alle!) den Sündenfall wieder rückwärts spulen - was wie eine Entwicklung nach vorne aussieht.
Hätte der Sündenfall nicht stattgefunden, hätte es Jesus hier nicht gebraucht.
@stern Hätte der Sündenfall nicht stattgefunden, hätte es Jesus hier nicht gebraucht.
Sehr richtig. Diese Logik ist der feste Fels, auf dem der Kreationismus steht.
@stern Der Kreationismus nimmt die Genesis-Erzählung wörtlich statt metaphorisch: Ein konkreter Mensch namens Adam beging die Ursünde, bewirkte, das aus der einst perfekt guten Welt eine gefallene Welt wurde. Jesus ist derjenige, der von dieser Sünde erlöst. Ohne Adam bräuchte es keinen Jesus. Wenn Adam nur eine Metapher wäre, bräuchte es auch nur eine Metapher (und nicht den historischen, konkreten Jesus), um die Menschheit zu erlösen.
Es kommt darauf an, was man unter "Erlösung" versteht - die Erlösung von einer Schuld oder die Erlösung von existenzieller Angst. Ich votiere für die Erlösung von Angst.
Wenn Adam nur eine Metapher wäre, bräuchte es auch nur eine Metapher (und nicht den historischen, konkreten Jesus), um die Menschheit zu erlösen.
Heißt das jetzt, ich bin ein Kreationist, wenn ich Adam nicht als Metapher sehe?
Und ist das schlimm?
Jesus sagt von sich selbst, dass der Vater ihn gesandt hat, die Botschaft vom Reich Gottes zu verkünden.
Wären die Menschen aus diesem nicht „rausgefallen“ hätte Gott ihn nicht schicken müssen.
Wo ist das Problem?
@stern Heißt das jetzt, ich bin ein Kreationist, wenn ich Adam nicht als Metapher sehe?
Nein. Aber Du stimmst halt dem heilstheologischen Kernargument der Kreationisten zu. ^^
Und ist das schlimm?
Keine Ahnung. Fühlt es sich für Dich schlimm an? 😀
(...) Wären die Menschen aus diesem nicht „rausgefallen“ hätte Gott ihn nicht schicken müssen.
Wo ist das Problem?
Binnenlogisch gibt's da kein Problem, ganz im Gegenteil. Daher schrieb ich ja, dass dieser Gedanke der Fels des Kreationismus sei.
Probleme treten erst auf, wenn man diese Binnenlogik mit empirischen Belegen konfrontiert, die nun allerdings sämtlich darauf hinweisen, dass der Kreationismus falsch liegt.
Binnenlogisch
😂
nettes Wort, noch nie gehört…
Ok, also scheinbar hätte ich ein Problem wenn ich ein Kreationist wäre…weil es Beweise gibt, die das widerlegen.
Gut, dass ich nicht weiss, ob ich einer bin 🙂!
Ich nehme die Geschichten zwar wörtlich - aber anders wörtlich.
Ich stelle mir gar nicht so sehr die Frage, wie das genau war sondern was da genau steht und was uns das sagen soll- wir, die wir Gott suchen.
@stern nettes Wort, noch nie gehört…
Es bedeutet: logisch innerhalb eines bestimmten Systems (Kalküls, Konzepts, Arguments).
Beispiel:
Prämisse 1: Alle Menschen haben drei Augen.
Prämisse 2: Stern ist ein Mensch.
Conclusion: Stern hat drei Augen.
Binnenlogisch wäre es also wahr, dass Du, der User (die Userin?) Stern, drei Augen hast. Aber vermutlich gibt es empirische Belege, die dem widersprechen, oder? 😉
Ok, also scheinbar hätte ich ein Problem wenn ich ein Kreationist wäre…weil es Beweise gibt, die das widerlegen.
Ob das für Dich persönlich ein Problem wäre, lässt sich schlecht sagen. Viele Leute kommen in ihrem Leben recht gut mit kognitiver Dissonanz klar. Die empirischen Belege (nicht: Beweise!) widerlegen* allerdings, dass der Kreationismus die Tatsachen (das, was der Fall ist) zutreffend darstellt. Kurz: sie zeigen, dass er falsch ist.
Ich nehme die Geschichten zwar wörtlich - aber anders wörtlich.
Das ist eine Null-Aussage, mit der ich nichts anfangen kann, bzw. bei der ich vermute, dass Du den Begriff "wörtlich" hier nicht sinnvoll zu definieren vermagst.
*logisch zwingend. Zwar wiederum nur binnenlogisch zwingend, aber das Bezugssystem ist hier die empirische Wissenschaft - das stärkste (mächtigste, d.h. am verlässlichsten zutreffende Prognosen produzierende) mir bekannte System.
Ich hab verstanden, dass ich trotz falscher Prämisse trotzdem daraus in sich logische Schlussfolgerungen ziehen kann.
Ich glaube nicht, dass das in meiner Denkweise eine Rolle spielt - nicht weil ich so unglaublich gut und fehlerlos logisch denken kann - sondern weil es mir nicht darum geht, wie wahrscheinlich es ist, dass die Geschichte real ist. Die Geschichten haben für mich den Rahmen, dass ich darin etwas über Gott erfahre. Und in dem Sinn nehme ich sie wörtlich- also wenn da steht, dass er Adam und Eva geschaffen hat, dann entnehme ich daraus, dass Gott unser Schöpfer ist. Egal ob es Adam gegeben hat oder ob er nur als Metapher existiert.
Ohne Adam bräuchte es keinen Jesus. Wenn Adam nur eine Metapher wäre, bräuchte es auch nur eine Metapher (und nicht den historischen, konkreten Jesus), um die Menschheit zu erlösen.
Nicht alle Christen glauben an einen "historischen Adam" und eine wörtlich verstandene Genesiserzählung. Sie glauben aber dennoch, dass Menschen Sünder sind und Erlösung durch Jesus brauchen. Wo die Sünde konkret herkommt ist dann eher zweitrangig.
@lucan-7 Das ist mir bekannt. Die Heilstheologie der allermeisten Christen ist nun mal nicht konsistent.
Das ist mir bekannt. Die Heilstheologie der allermeisten Christen ist nun mal nicht konsistent.
Insgesamt nicht. Aber in diesem Fall ist Adam (oder Eva) halt nicht zwingend nötig, um Jesus zu begründen. Nur die Sünde vor Gott muss dafür tatsächlich existieren. Wo auch immer die hergekommen sein mag...
@lucan-7 Wo auch immer die hergekommen sein mag...
Da die Sünde nun mal der zentrale Faktor im christlichen Narrativ ist, ist das kaum ein befriedigendes Argument, oder?
Da die Sünde nun mal der zentrale Faktor im christlichen Narrativ ist, ist das kaum ein befriedigendes Argument, oder?
Weshalb der Ungehorsam von zwei Menschen auch noch deren ganze Nachkommenschaft bis in alle Ewigkeit bestraft wird ja auch nicht weiter ausgeführt. Ob diese Erklärung also wirklich besser ist halte ich auch für fraglich.
Weshalb der Ungehorsam von zwei Menschen auch noch deren ganze Nachkommenschaft bis in alle Ewigkeit bestraft wird ja auch nicht weiter ausgeführt. Ob diese Erklärung also wirklich besser ist halte ich auch für fraglich.
Ich denke, dass ist was biologisches-genetisches.
Ich formuliere es mal um, von „Ungehorsam“ in „Gott ignorieren“, aber im Grunde egal…(Ignorieren deshalb, weil es weniger schuldbeladen ist wie ungehorsam sein und ein wenig wegführt von dieser Schuldmentalität)
Damit hast du Eltern mit einer bestimmten Verhaltensweise, die einfach automatisch weitergegeben wird an die Nachkommen. Wenn die Eltern Gott ignoriert haben, tun es die Kinder auch.
Ich kann das selbst aus meiner Familie bestätigen. Mein Mann und ich sind beides Volleyballer und unsere Kinder können die Technik des Spiels (Bridschen, Baggern) ohne dass wir es mit ihnen geübt hätten oder ihnen beigebracht hätten. Mir selbst fiel es wesentlich schwerer, das zu erlernen, es hat viel länger gedauert bis da was Vernünftiges bei rumkam (und das nicht weil ich unsportlich gewesen wäre). Bei den Kindern war das nicht der Fall, das hat aus dem Stand funktioniert, inklusive zielgerichtetem Zuspiel. 🙂
Ich habe auch eine Studie gelesen darüber, und ich weiss leider nicht mehr wo, in der genau dieses Phänomen untersucht wurde. Da wurde eine Generation Regenwürmer mit einer bestimmten erlernten, im Lauf des Lebens erworbenen Verhaltensweise getrocknet und an andere Regenwürmer verfüttert, deren Kinder hatten dann die Verhaltensmerkmale der verfütterten Regenwürmer.
Leider kein Link dazu …
Was ich sagen will:
Wenn Adam und Eva die „Sünde“ in die Welt brachten und Jesus sie wieder rausbringt, ergibt das eigentlich auch auf der biologischen (und nicht nur auf der spirituellen Ebene) Sinn - wenn man sich Jesus „einverleibt“ und dadurch weitergibt 😁
Wenn Adam und Eva die „Sünde“ in die Welt brachten und Jesus sie wieder rausbringt, ergibt das eigentlich auch auf der biologischen (und nicht nur auf der spirituellen Ebene) Sinn - wenn man sich Jesus „einverleibt“ und dadurch weitergibt
Hmmm... nein... 😛
@lucan-7 Oder hatte der Sündenfall einen Sinn?
Na klar hat er einen Sinn: Denjenigen, das Theodizeeproblem zu lösen. ^^
Er tut es zwar nicht streng logisch, aber praktisch sehr wohl, denn es sollen ja nur die eh schon Gläubigen überzeugt, bzw. in ihrem Glauben bestärkt werden. Konkret geht es im Sündenfall-Narrativ darum, den Gläubigen darzulegen, dass sie, die sündigen Menschen, verantwortlich für das Übel in der Welt seien, und dass Gott dafür nicht zur Verantwortung gezogen werden könne. Sie sollen das Leid, dass ihnen widerfährt, als "gerecht" akzeptieren, dafür wird ihnen durch das Narrativ ein Schuldgefühl vermittelt.
Dein Verständnis des Sündenfalls, wie Du es weiter unten so erläuterst:
Jein... ich halte sie tatsächlich für "historisch wahr", weil ich denke, dass die Geschichte den Übergang vom "Tier" (kennt keine Moral und keine Scham) zum "Menschen" (schämt sich und unterscheidet zwischen "gut" und "böse") darstellt.
übersieht die Chronologie, nach welcher die Genesis-Geschichte entstand und ignoriert vermutlich auch die Intentionen der Verfasser, die hier eher nicht den Beginn (oder Prozeß) der Zivilisierung und Kultur darstellen, sondern ein ideologische Moral transportieren wollen.
Es ist also letztlich unsinnig zu fragen, was gewesen wäre, wenn Gott den Sündenfall verhindert hätte. Ungefähr so unsinnig, wie zu fragen, was gewesen wäre, wenn Romeo sich nicht in Julia verliebt hätte: Dann hätte es diese Geschichte eben nicht gegeben.
Ihre "Moral" hätte man mittelst einer anderen Geschichte denjenigen Gläubigen einzuimpfen versucht, die mit der Moral der Hiob-Geschichte nicht so recht warm zu werden vermögen, welche sich ja auf die Aussage: "Gott hat (als der Stärkere... *hüstel*) ohnehin immer recht und man sollte ihm daher also besser gehorchen und nicht seine ethische Qualifikation infrage stellen!" eindampfen lässt. In der Sündenfallerzählung haben wir sozusagen die Soft-Version der Hiob-Message: Zwar geriert sich auch hier Gott als ein grausam-orientalischer Alleinherrscher, der für das Pflücken einer Frucht und damit das naive Übertreten eines Verbots, dessen Sinn nicht verstanden werden konnte, gleich die Maximalstrafe verhängt. Aber zumindest kann man hier Adam oder Eva die "Schuld" zuschieben für das "Verbrechen", dessentwegen sie (und der Rest der Welt) dann bestraft werden. Während ja Hiob mal so überhaupt nix falsch gemacht hatte und Gott ihn einzig und allein zur Demonstration seiner Macht leiden ließ.
Genau genommen ergänzen sich übrigens die beiden Geschichten: ohne Tod und Leid als Faktoren in der Welt hätte Gott Hiob ja gar nicht leiden lassen können zur höchsten Demonstration seiner divinen Herrlichkeit, und also musste es sozusagen vorher im biblischen Plot schon eine Stelle gegeben haben, an der Tod und Leid als wesentliche Figuren eingeführt wurden in eine Welt, die doch angeblich gut (d.h. makellos) war, da von einem absolut guten Gott erschaffen.
Die zentrale Message: "Hinterfrage nie das Tun und Handeln Gottes!", wie sie von den Autoren im Hiob- und im Abraham-opfert-Isaak-Narrativ wuchtig hingeschrieben wurden, braucht* für alle, deren per Geburt erworbenes Gerechtigkeitsempfinden nicht per Sozialisation hinreichend ausgeputzt wurde, eben noch die Zusatz-Message: "Wenn was falsch läuft, ist nicht Gott, sondern sind immer die Menschen dran schuld! Du bist schuldig!"
Daher denke ich, dass eben eine andere Geschichte mit derselben Message ausgedacht worden wäre.
*Und braucht sie vor allem vorher, sowohl, was die Gesamterzählung angeht, als auch, was die religiöse Sozialisation angeht: Lange, bevor ein Kind von Hiob erzählt bekommt oder von der Szene, in der Gott von Abraham verlangt, er möge seinen Sohn schlachten, bekommen sie von Adam und Eva und der Schlange erzählt. Pädagogisch steckt ein Kalkül dahinter...
Na klar hat er einen Sinn: Denjenigen, das Theodizeeproblem zu lösen. ^^
Er tut es zwar nicht streng logisch, aber praktisch sehr wohl, denn es sollen ja nur die eh schon Gläubigen überzeugt, bzw. in ihrem Glauben bestärkt werden.
Sicher. Ich vermute aber, dass die Geschichte ursprünglich eine andere Bedeutung hatte. Denn warum sollte "Erkenntnis" etwas Schlechtes und Verbotenes sein, als das es ja dargestellt wird?
Meiner Ansicht nach war die Geschichte ursprünglich eine Art Erklärung: Wer nach Erkenntnis strebt, der wird Leid erfahren. Es geht gar nicht um Moral. Der jüdische Gott rechtfertigt nichts, er ist, der er ist... ist halt so!
Ich halte das Ganze für ein Gleichnis des Erwachsenwerdens: Als unbekümmerte Kinder machen wir uns keine Sorgen. Aber sobald wir erwachsen werden, uns von den Eltern lösen (Was auch mit einem Aufbegehren einhergeht) fängt der Ernst des Lebens an.
übersieht die Chronologie, nach welcher die Genesis-Geschichte entstand und ignoriert vermutlich auch die Intentionen der Verfasser, die hier eher nicht den Beginn (oder Prozeß) der Zivilisierung und Kultur darstellen, sondern ein ideologische Moral transportieren wollen.
Wie gesagt, ich denke nicht, dass es um Moral geht, sondern um eine allgemeine Darstellung: Wer erwachsen und mündig wird, der wird erkennen, wieviel Leid es auf der Welt gibt.
Dass die Geschichte auch auf die Evolution des Menschen passt ist eher Zufall: Die Evolution vom "unschuldigen" Tier zum "mündigen" Menschen gleicht halt in mancher Hinsicht dem Erwachsenwerden, auf dem meiner Ansicht nach die Geschichte basiert.
Die Christen haben die Sache dann endgültig umgedeutet (Auch wenn sie wohl nicht die Ersten waren, die Juden haben da auch schon entsprechend argumentiert): Es geht nicht um Erwachsensein und die Entwicklung des Individuums, es geht um Schuld! Menschen sind böse, sie sind ungehorsam, sie sind schuld am Elend der Welt! Und natürlich nicht der allmächtige Gott, der das alles gar nicht so gewollt hat!
Damit lässt sich gut arbeiten, weil man mit so einer Lehre die Leute bei der Stange halten und Gehorsam fordern kann. Auf so etwas kann eine Kirche gut aufbauen und eine Machtstruktur etablieren... wie es dann ja auch geschah.
Ursprünglich, so denke ich, steckte da eine philosophische Weisheit dahinter, die dann aber verworfen und umgedeutet wurde, um eine praktischere Lehre zu installieren, mit der sich die Gläubigen besser unter Kontrolle halten und manipulieren lassen.
Ergibt zumindest für mich Sinn...
@lucan-7 Meiner Ansicht nach war die Geschichte ursprünglich eine Art Erklärung: Wer nach Erkenntnis strebt, der wird Leid erfahren.
Ich halte das Ganze für ein Gleichnis des Erwachsenwerdens: (...)
Das ist eine mögliche Art der Interpretation, wenn man sich der Sache aus Perspektive der Motivforschung nähert. Das mag interessant sein. Ich betrachte die Geschichte hier eher "gesamtbiblisch", überlege also, wie sie im ideologischen Gesamtzusammenhang der Bibel funktioniert. Ideologien entstehen niemals aus dem Nichts, sondern enthalten stets Motive, die schon weit vor ihrer Entstehung im Schwange waren.
Dass die Geschichte auch auf die Evolution des Menschen passt ist eher Zufall: Die Evolution vom "unschuldigen" Tier zum "mündigen" Menschen gleicht halt in mancher Hinsicht dem Erwachsenwerden, auf dem meiner Ansicht nach die Geschichte basiert.
(...)
Ursprünglich, so denke ich, steckte da eine philosophische Weisheit dahinter, (...)
Das ist jetzt allerdings schon deutliche Spekulation und ad hoc Rationalisierung und Durcheinandermengung von Begrifflichkeiten. Davon will ich Dich nicht abhalten, aber es erscheint mir zu wischi-waschi, um dazu eine solide Meinung haben zu können.
Das ist eine mögliche Art der Interpretation, wenn man sich der Sache aus Perspektive der Motivforschung nähert. Das mag interessant sein. Ich betrachte die Geschichte hier eher "gesamtbiblisch", überlege also, wie sie im ideologischen Gesamtzusammenhang der Bibel funktioniert. Ideologien entstehen niemals aus dem Nichts, sondern enthalten stets Motive, die schon weit vor ihrer Entstehung im Schwange waren.
Ich bin auf dem Gebiet kein Experte, aber es ist ja wohl bekannt, dass die Bibel auch Geschichten aus anderen Kulturen aufgreift. Ich vermute, dass das auch hier der Fall war, eben aufgrund der Unstimmigkeiten darin. Denn wofür der Baum des Lebens gut war wird nicht erklärt, auch nicht, was an "Erkenntnis" nun schlecht sein soll... oder warum die Bäume überhaupt aufgestellt wurden. Im Zentrum steht am Ende nur die "Sünde" durch den Ungehorsam, mit dem Rest lässt sich kaum etwas anfangen.
Das ist jetzt allerdings schon deutliche Spekulation und ad hoc Rationalisierung und Durcheinandermengung von Begrifflichkeiten. Davon will ich Dich nicht abhalten, aber es erscheint mir zu wischi-waschi, um dazu eine solide Meinung haben zu können.
Nun, der Übergang vom unschuldig-naiven Wesen zu Menschen mit moralischen Vorstellungen ist ja klar beschrieben.
Und da bietet sich der Vergleich zum Erwachsenwerden sicher an, denn das ist ja eine Erfahrung, über die die Menschen jederzeit verfügten. Und dass "Erkenntnis" auch "Erkenntnis des Leides", inclusive der eigenen Sterblichkeit, mit sich bringt ist auch nichts wirklich Neues.
Das Ganze als Motiv der Evolution zu sehen wäre dann eine recht moderne Interpretation... die zudem voraussetzt, dass die Menschen damals mindestens eine Ahnung der Evoltion hatten, was ich doch für unwahrscheinlich halte.
@lucan-7 es ist ja wohl bekannt, dass die Bibel auch Geschichten aus anderen Kulturen aufgreift.
Klar, das bezweifle ich auch nicht.
Und da bietet sich der Vergleich zum Erwachsenwerden sicher an, denn das ist ja eine Erfahrung, über die die Menschen jederzeit verfügten. Und dass "Erkenntnis" auch "Erkenntnis des Leides", inclusive der eigenen Sterblichkeit, mit sich bringt ist auch nichts wirklich Neues.
Mag sein, wiewohl ich da schon wieder kritisch nachfragen würde, was unter "Erkenntnis" hier überhaupt verstanden werden soll, insbesondere, da meines Wissens nicht vom Erkenntnis des Leides, sondern von der Erkenntnis über das Gute/Böse die Rede ist.
Aber das will ich nicht weiter vertiefen, weil es vom Kern Deiner Eingangsfrage, wie ich ihn verstehe, wegführt. Du fragst da sinngemäß: "Was wäre geschehen, wenn XYZ anders verlaufen wäre, als es in der Genesis-Geschichte nachzulesen ist?"
Diese Frage bedeutet wiederum sinngemäß*: "Welche Funktion hat XYZ in dem Narrativ?" Man könnte auch fragen: Zu welchem Zweck haben die Autoren XYZ in ihr Narrativ integriert? Was soll XYZ?
Oder, um die übliche Deutschunterrichts-Klausurenfrage zu bemühen: "Was ist die Intention des Autors?"
*Denn so gestellt kann sie überhaupt nicht schlüssig beantwortet werden, ausser mit: "Dann wäre was anderes passiert."
Veröffentlicht von: @jack-black"Dann wäre was anderes passiert."
Genau das.
@chai Genau das.
Ja. Aber wenn man so antwortet, ohne sich zu fragen, was eigentlich gemeint war mit der Frage - dann kommt womöglich für einen selbst die Frage auf, warum man die eigentliche Frage nicht beantworten möchte... Die eigentliche Frage hat sich jedenfalls nicht erledigt, nur, weil sie womöglich ungeschickt formuliert wurde.
Aber das will ich nicht weiter vertiefen, weil es vom Kern Deiner Eingangsfrage, wie ich ihn verstehe, wegführt. Du fragst da sinngemäß: "Was wäre geschehen, wenn XYZ anders verlaufen wäre, als es in der Genesis-Geschichte nachzulesen ist?"
Diese Frage bedeutet wiederum sinngemäß*: "Welche Funktion hat XYZ in dem Narrativ?" Man könnte auch fragen: Zu welchem Zweck haben die Autoren XYZ in ihr Narrativ integriert? Was soll XYZ?
Ganz genau.
Und da macht es schon einen Unterschied, ob Gott den "Sündenfall" geplant hat, ob er also wollte, dass der Mensch rebelliert und die Erkenntnis von gut und böse erlangt - oder ob die übliche Auslegung, dass der Mensch gegen Gottes Willen handelte und damit die Schöpfung ruinierte, nicht eher zutreffend erscheint.
Nun kann natürlich jeder die Geschichte auslegen wie er will, aber es lässt sich meiner Ansicht nach schon plausibel begründen, dass die gängige Auslegung (die Menschen haben Gottes Plan ruiniert) angesichts Allmacht und Allwissenheit eher unstimmig erscheint.
Die Frage stellt sich dann natürlich, was das denn am christlichen Glauben ändern würde, wenn Gott die Sünde gewollt hätte...
Für mich stellt sich auch ganz allgemein die Frage, ob "Freiheit" eigentlich grundsätzlich erstritten werden muss, oder auch "geschenkt" werden kann. Da hatte ich vor vielen Jahren mal interessante Diskussionen zum Thema, bin mir aber nicht mehr sicher wie genau die verlaufen sind...
@lucan-7 dieses "das hat man so gemacht, um die Menschen zu kontrollieren und zu unterjochen" ist totaler Stuss. Außerdem ist die Auslegung vom Erwachsenwerden des Menschen sehr wohl christlich: Irenäus, Unterweisung in die apostolische Überlieferung.
Allerdings recht verstanden, nicht als Emanzipation, sondern als Störung des natürlichen Verhältnisses von Gott und Mensch und Mensch und Mensch. Es geht um Freiheit, um eingebildete Freiheit und Verantwortung, um Angst und nach wie vor um Liebe (als Gott zB die beiden bekleidet wie seine Kinder, die hinaus ins Leben müssen; eine ganz zärtliche Szene eigentlich, die kaum beachtet wird).
Alles in der Bibel wurde benutzt und kann benutzt werden, um Menschen zu unterdrücken, das ist richtig. Aber dafür wurde es nicht geschrieben und das ist nicht die eigentliche Aussage und das eigentliche Anliegen dieser Texte.
dieses "das hat man so gemacht, um die Menschen zu kontrollieren und zu unterjochen" ist totaler Stuss.
Das hat die Kirche aber schon zu biblischen Zeiten getan. Wenn das Volk nicht spurte, etwa nicht den Zehnten gab, dann ging es dem Volk schlecht:
"Denn ich bin Jehova, ich ändere mich nicht. Und ihr seid Söhne Jakobs, mit euch ist es noch nicht zu Ende gegangen. Seit den Tagen eurer Vorfahren seid ihr von meinen Vorschriften abgewichen und habt sie nicht eingehalten. Kehrt zu mir um und ich werde zu euch umkehren“, sagt Jehova, der Herr der Heere. Doch ihr sagt: „Wie sollen wir umkehren?“ „Wird ein bloßer Mensch Gott berauben? Ihr aber beraubt mich.“ Und ihr sagt: „Wie haben wir dich beraubt?“ „Bei den Zehnten und den Beiträgen. Ihr seid auf jeden Fall verflucht, denn ihr beraubt mich – ja, das ganze Volk verhält sich so." (Maleachi 3, 6-9)
Natürlich ist das Kontrolle. Und die christliche Kirche verheilt sich später nicht anders. Da wurde die Bibel so ausgelegt, dass die Menschen schuldig sind und deshalb zu gehorchen haben... sonst drohen Höllenqualen und sonstwas.
Allerdings recht verstanden, nicht als Emanzipation, sondern als Störung des natürlichen Verhältnisses von Gott und Mensch und Mensch und Mensch. Es geht um Freiheit, um eingebildete Freiheit und Verantwortung, um Angst und nach wie vor um Liebe
Ja, die Lehre dass etwas mit dem Menschen nicht in Ordnung ist und man deshalb Christ werden und auf die Kirche hören muss ist ja zentraler Bestandteil des Christentums.
Der Kirche hätte es natürlich ganz und gar nicht gefallen, wenn Menschen frei und emanzipiert wären... und trotzdem von Gott geliebt, so wie sie sind!
(als Gott zB die beiden bekleidet wie seine Kinder, die hinaus ins Leben müssen; eine ganz zärtliche Szene eigentlich, die kaum beachtet wird).
Die Tiere, aus dessen Haut die Kleidung gemacht wurde, fanden die Geste vermutlich weniger liebevoll... hätte ja auch Baumwolle oder Bast nehmen können, aber nein...
Alles in der Bibel wurde benutzt und kann benutzt werden, um Menschen zu unterdrücken, das ist richtig. Aber dafür wurde es nicht geschrieben und das ist nicht die eigentliche Aussage und das eigentliche Anliegen dieser Texte.
Die Bibel ist vor allem im AT voller Drohungen, um Menschen dazu zu bringen das zu tun, was ihnen befohlen wird.
@lucan-7 dass Haut von Tieren benutzt wurde, steht nirgendwo. Es kann auch Schafswolle gewesen sein. Ist aber auch dort nicht das Thema, künstlich und absichtlich aus allem einen Vorwurf zu konstruieren.
In Maleachi 3 berauben die Israeliten Gott, indem sie Götzendienst treiben, Arme und Fremde übervorteilen, das Recht beugen und Gott nicht fürchten, sich nicht an seine Gebote halten usw.
Du musst das zusammen lesen. Das kritisiert Gott und sagt, dass sie dadurch den Fluch auf sich geladen haben.
"Fluch" bedeutet: Gott lässt sie alleine machen. "Ihr wollt mich nicht, also ziehe ich meine Hand von euch zurück."
Es geht nicht um Unterdrückung, sondern um die Frage: Wollt ihr mit mir leben oder nicht? Wie im Paradies auch.
Leben wir mit ihm und nach seinen Geboten, dann haben wir "Paradies, Reich Gottes, Himmelreich" (wie man es nennen will). Leben wir ohne ihn, dann kommt das dabei raus, was bei uns Menschen eben so rauskommt.
Der Sinn der Botschaft ist auch nicht, dass Leute auf dem Zettel Christen werden und der Kirche beitreten, sondern dass der Mensch zurückkehrt zu Gott und entsprechend lebt.
Das ist das Thema in der Bibel.
dass Haut von Tieren benutzt wurde, steht nirgendwo.
Ich finde dieses Ding mit der Nacktheit nicht so interessant.
Kulturanthropologisch betrachtet ist das Sichschämen wegen Nacktsein nämlich nicht naturgegeben, sondern ein kulturelles Phänomen. Es gibt mehrere Beispiele bei Naturvölkern dafür, daß Nacktheit überhaupt kein Problem ist, wenn das Klima es erlaubt (Z.B. am Amazonas, bei den Aborigines oder in der Südsee).
Anders hingegen die Frage nach der Unterscheidung von Gut und Böse - die Erkenntnis, daß Schwarzweißdenken eben nicht immer so einfach funktioniert... das würde ich schon als dem Menschen inhärent bezeichnen. Ebenso die Sehnsucht nach einer perfekten Welt.
lg Tatokala
@tatokala in dieser Kultur, aus der diese Texte stammen, bedeckte man sich. Zudem kommt es auf das Klima und die Tätigkeiten an. Menschen bekleiden sich mit Tierfellen seit Urzeiten, und es wäre wohl ziemlich dämlich, denen das auch noch vorzuwerfen, aber heutzutage wundert mich selbst das nicht mehr.
Du musst das zusammen lesen. Das kritisiert Gott und sagt, dass sie dadurch den Fluch auf sich geladen haben.
"Fluch" bedeutet: Gott lässt sie alleine machen. "Ihr wollt mich nicht, also ziehe ich meine Hand von euch zurück."
Es geht nicht um Unterdrückung, sondern um die Frage: Wollt ihr mit mir leben oder nicht? Wie im Paradies auch.
Gott zieht sich nicht einfach nur zurück. Er bestraft auch selbst aktiv:
"So spricht Gott der Herr: Das ist Jerusalem, das ich mitten unter die Völker gesetzt habe und unter die Länder ringsumher! Aber es widersprach meinen Ordnungen und trieb es schlimmer als die Völker und war gegen meine Gebote ungehorsamer als die Länder, die ringsumher liegen. Denn sie verwarfen meine Ordnungen und wollten nicht nach meinen Geboten leben. Darum, so spricht Gott der Herr: Weil ihr es schlimmer getrieben habt als die Völker, die um euch her sind, und nach meinen Geboten nicht gelebt und meine Ordnungen nicht gehalten habt und nicht einmal nach den Ordnungen der Völker gelebt habt, die um euch her sind, darum, so spricht Gott der Herr: Siehe, auch ich will an dich und Gericht über dich ergehen lassen vor den Augen der Völker, und will so mit dir umgehen, wie ich es nie getan habe und auch nicht mehr tun werde, um aller deiner Gräuel willen." (Hesekiel 5, 5-8)
Leben wir mit ihm und nach seinen Geboten, dann haben wir "Paradies, Reich Gottes, Himmelreich" (wie man es nennen will). Leben wir ohne ihn, dann kommt das dabei raus, was bei uns Menschen eben so rauskommt.
Oder Gott selbst wendet sich gegen die Menschen und bestraft sie.
Der Sinn der Botschaft ist auch nicht, dass Leute auf dem Zettel Christen werden und der Kirche beitreten, sondern dass der Mensch zurückkehrt zu Gott und entsprechend lebt.
Das ist das Thema in der Bibel.
Die Bibel enthält sicher etliche Botschaften. Aber eine davon lautet: Wendet euch nicht gegen Gott oder von Gott ab (oder von seinen Repräsentanten!), denn sonst wird es euch schlecht ergehen!
Das sind klare Drohungen und Einschüchterungen. Religionsfreiheit wird von Gott nicht geduldet.
@lucan-7 die Abwendung Gottes IST die Strafe. Das daraus ergehende Geschick ist die Strafe.
Es folgt auf Maleachi 400 Jahre Stille, kein Prophet kommt mehr und das Römische Reich unterjocht Israel. Das ist die Strafe für die Untreue Israels.
Dann sendet Gott seinen Sohn, den verheißenen Messias, und Gott ruft sie wieder zu sich.
Nein, Religionsfreiheit ist dort nicht das Thema. Das Thema ist: mit Gott oder ohne Gott.
die Abwendung Gottes IST die Strafe. Das daraus ergehende Geschick ist die Strafe.
Nein. Die Abwendung Gottes bedeutet immer etwas Schlechtes, nie etwas Gutes.
Während andere Völker auch ohne den israelischen Gott prima zurechtkommen und blühende Weltreiche aufbauen muss Israel ohne seinen Gott immer leiden, ohne Ausnahme. Und ich habe dir ja ein Beispiel genannt - eines von vielen - dass Gott auch höchstselbst für dieses Leiden verantwortlich ist.
Das ist nicht das Verhalten eines liebenden Herrschers, der den Menschen ihre Freiheit lässt - das ist das Verhalten eines narzistischen Tyrannen, der die Menschen bestraft, sobald sie aufhören, Loblieder auf ihn zu singen.
Natürlich muss man an dieser Stelle ergänzen, dass man auch die Umstände der historischen Entstehung beachten muss. Für damalige Herrscher war so ein Verhalten völlig normal und sogar Ausdruck ihres Anspruchs, daher hat man auch Gott dergleichen unterstellt.
Aber heute diese Stellen dann einfach ignorieren und zum aufrichtig liebenden Gott aller Menschen umzudeuten... das passt einfach nicht. Das ist nicht der Gott, der im AT beschrieben wird.
@lucan-7 ja, die Abwendung von Gott bedeutet schlechtes.
Was verstehst du unter "Gott ist höchstselbst dafür verantwortlich"? Die Menschen tragen die Konsequenzen, wenn sie sich von ihm abwenden. Man kann ja nicht Gottes Segen ausschlagen und ihn gleichzeitig haben wollen. Aber genau so verhalten Menschen sich bis heute. Und selbst dann segnet Gott sie noch...
Der Mensch ist heute frei, zumindest in unseren Breitengraden, das zu wählen. Gleichzeitig kann man fragen: sind wir wirklich so frei und aufgeklärt hier, wie wir immer behaupten? Oder von was sind wir alles gefangen?
Unter dieser Frage kannst du diese Texte mal lesen.
Israel war Gottes Bundesvolk. Sie sollten seine Gemeinde in dieser Welt sein, das "Licht der Völker" und Reich Gottes auf Erden. Ebenso später auch wir, die Kirche, sollten und sollen Gottes Reich auf Erden sein, und wenn wir das verraten (was wir oft getan haben), zeitigt das irgendwann die "Ernte der Saat", wie es heißt. Das sieht man heute auch an den Kirchen.
So lese und verstehe ich diese Texte und sehe sie abgebildet in der Weltgeschichte.
Veröffentlicht von: @simba@lucan-7 die Abwendung Gottes IST die Strafe. Das daraus ergehende Geschick ist die Strafe.
Ein bedenkenswerter Gedanke.
Nein, Religionsfreiheit ist dort nicht das Thema. Das Thema ist: mit Gott oder ohne Gott.
Religionsfreiheit = frei von Religion?
Veröffentlicht von: @simbaReligionsfreiheit = Freie Wahl und Ausübung der Religion, oder auch die Freiheit, keine Religion haben zu wollen.
Schon klar - ich hab mich auf die Aussage von @Lucan-7 bezogen.
Und da wir hier ja alle irgendwie so interpretieren, wie wir wollen, hab ich seinen Begriff 'Religionsfreiheit' halt so wie oben interpretiert. 😉
In der Antike gab es sowas nicht. Man war religiös. Etwas anderes gab es nicht.
Das war wohl nicht nur in der Antike so.
Frag mal Deine Großeltern (so sie noch leben), wie 'religionsfrei' wie aufwuchsen.
@chai njoa, zur Zeit meiner Großeltern gab es auch schon Atheismus zumindest, der sich auch deutlich formuliert hat. Auf dem religiösen Markt selbst gab es hier natürlich kaum etwas außer dem Christentum. Je mehr Auswahl da ist, zumindest theoretisch, desto diffuser wird natürlich auch das gesellschaftliche Bild. Schaue in heutige Buchläden, wo esoterische Literatur die christliche deutlich überwiegt. Oder in jeden Baumarkt, Dekoladen oder Wellnessbereich, die wie buddhistische Tempel aussehen (bis hin zu zahlreichen Arztpraxen). Deshalb wählen die natürlich nicht wirklich diese Religion (das sind alles keine wirklichen Buddhisten oder Hinduisten), aber man dekoriert sich damit.
Die meisten Leute wissen gar nicht, was sie eigentlich sind. Zur Not sagt man dann "Humanist", das geht immer irgendwie... Gegenüber Gläubigen hört der Humanismus zwar zuweilen auf, aber gut, ein bisschen Schwund is immer.
@simba Und ich frag mich tatsächlich immer, wie jemand auf die Idee kommt, sich so eine buddhistische Statue ins Wohnzimmer oder in den Garten zu setzen. So schön sind die ja auch nicht.
Wobei es da vermutlich auch öfter so ist, dass man zwar nicht direkt dran glaubt, aber davon ausgeht, dass es ja auch nix schaden kann, wenn man so eine Figur irgendwo rumsitzen hat.
(Ich selber mag's nicht und ich würde vermutlich auch nicht in einem Betrieb mit entsprechender Dekoration arbeiten wollen)
Dann hätten wir nicht so hart arbeiten müssen.
Kein Bourn Out
kein Suizid wegen nicht Erfüllter Erwartungen
usw.
Aber nöööööh….
Muss ich dir nochmal genau erklären, daß es Stellen in der Bibel gibt, die kein exakter historischer Bericht sind, sondern eine symbolische Erklärung? Dazu gehört auch die Geschichte von Adam und Eva, denn mangels archäologischer Forschung konnten die Juden damals noch nichts über die menschliche Frühgeschichte wissen.
Erstaunlicherweise hat die moderne Wiossenschaft festgestellt, daß wir tatsächlich alle eine Urmutter
https://de.wikipedia.org/wiki/Mitochondriale_Eva
und einen Urvater
https://de.wikipedia.org/wiki/Adam_des_Y-Chromosoms
haben.
Nur haben die beiden sich nie gekannt!
Der Nahe Osten jedenfalls war die Wiege der neolithischen Revolution: Jäger und Sammler wurden sesshaft und machten aus Gras Getreide.
Heute wissen Archäologen, daß unsere Vorfahren dabei auch einen Preis zahlten. Da Landbesitz wertvoll wurde, kam es vermehrt zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Soziale Hierarchien entwickelten sich, und die Frau wurde dem Manne Untertan. Denn: War eine Frau in der Steinzeit noch alle 4-6 Jahre schwanger, konnte sich also zwischen den Schwangerschaften körperlich erholen, waren die Frauen mit Beginn der Bronzezeit jedes Jahr schwanger. Und zwar schon deswegen, weil die Kindersterblichkeit massiv stieg. Nur geht halt eine menschliche Geburt mit hohem Blutverlust einher. Und nein, die Frauen wurden nicht als Ausgleich besser ernährt: Es machte für die Gruppe mehr Sinn, die Männer besser zu ernähren, denn ihre konstant verfügbare Arbeitsleistung und Kampfkraft wurde überlebenswichtig.
Archäologen haben Skelette aus der Steinzeit nochmal untersucht und dabei Überraschungen erlebt: Der Unterschied in der Begränbniskultur war damals noch marginal! Frauen wurden auch mit Waffen, Männer auch mit Schmuck beerdigt. In der Bronzezeit jedoch hatte es sich geändert: Frauengräber wurden generell bescheidener, und oft wiesen Frauenknochen Zeichen von Unterernährung auf.
Den Preis dafür, das Jäger-und-Sammler-Dasein aufzugeben beschreibt die Bibel erstaunlich korrekt: Harte Arbeit für den Mann, Untertan sein und nichts mehr zu sagen haben für die Frau.
Was, wenn die neolithische Kultur ausgeblieben wäre?
Vereinzelte Jäger-und-Sammler-Kulturen existieren bis heute. Sind aber durch den menschengemachten Klimawandel massiv in Bedrängnis.
Von uns hier würde so exakt keiner leben, denn wir wären nie auf 7 Milliarden angewachsen. Es würde weit weniger Menschen geben, vielleicht 100 Millionen.
Es hätte keine Diktaturen gegeben, keine tödlichen Ideologien wie Faschismus, Kommunismus, Neoliberalismus, keine Genozide, keinen Kolonialismus und keinen Holocaust, der heute ausgerechnet im Heiligen Land in die Vernichtung der Palästinenser mündet.
Aber es hätte auch nicht die positiven Seiten einer Hochkultur gegeben. Keine Hochschulen, die einen in die faszinierende Welt von Physik, Chemie und Mathematik einführen. Kein geschriebenes Recht, keinen Minderheitenschutz, keine Demokratie. Kein garantiertes sauberes Trinkwasser, keine moderne medizinische Versorgung.
Die gelegentlichen Überschneidungen zwischen dem Buch Genesis und heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen sind schon faszinierend.
- "Und Gott schied das Licht von der Dunkelheit": Etwa 40.000 Jahre nach dem Urknall trennten sich Materie und Energie, und das All wurde erstmals durchsichtig.
- Die Arche Noah: Mittlerweile gibt es archäologische Beweise für eine katastrophale Überschwemmung im Gebiet des Schwarzen Meeres, nachdem nach einer extremen Regenperiode der Bosporus und dir Dardanellen durchbrachen.
Muss ich dir nochmal genau erklären, daß es Stellen in der Bibel gibt, die kein exakter historischer Bericht sind, sondern eine symbolische Erklärung?
Nee... war mir noch gar nicht bekannt... 😛
Ernsthaft: Mir ging es an dieser Stelle ja weniger um den wissenschaftlichen Hintergrund der Menschheitsgeschichte, sondern um die Erzählung der "Ursünde" und deren Konsequenzen. Denn egal wie man es sieht, die Schuld gegenüber Gott ist ja zentral im christlichen Glauben. Damit stellt sich die Frage, wie diese denn zustandekam... und ob Gott diese Schuld nicht auch hätte verhindern können. Oder ob "Freiheit" ab einem gewissen Punkt immer auch Schuld mit sich bringt.
Die gelegentlichen Überschneidungen zwischen dem Buch Genesis und heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen sind schon faszinierend.
Durchaus. Das muss aber nicht bedeuten, dass die Menschen damals wirklich Bescheid wussten...
Was das hier betrifft:
keinen Holocaust, der heute ausgerechnet im Heiligen Land in die Vernichtung der Palästinenser mündet.
Es gibt zehntausende Tote, was schlimm genug ist - aber keine "Vernichtung der Palästinenser". Da sollte man schon genau unterscheiden, vor allem wenn man im gleichen Satz auf den Holocaust hinweist.
Gehört jetzt aber nicht zum Thema...
Oder hatte der Sündenfall einen Sinn?
Ja, denn es gäbe dich nicht und mich nicht. Ohne Sündenfall kein Tod und ohne Tod keine Fortpflanzung.
denn: 17 doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn am Tag, da du davon isst, wirst du sterben.
Was er übrigens zu Adam sagte, nicht zu Eva. 😉
Ich schließe mich @lucan-7 an. Nacktheit und die Erkenntnis von Gut und Böse unterscheidet den Menschen vom Tier. Diese Geschichte erzählt etwas von der Menschwerdung in der Evolution, also wann wurde der Affe ein Mensch (ohne Haare).
Interessant auch: 21 Gott, der HERR, machte dem Menschen und seiner Frau Gewänder von Fell und bekleidete sie damit.
Die Steinzeitmenschen waren bekanntlich in Felle gekleidet.
Ich finde die Geschichte vom Sündenfall so wundervoll:
Was macht den Menschen aus:
Neugier. Klar doch, dass man Erkenntnis gewinnen will.
Lüge: Der Mensch fällt auf die erste Lüge gleich herein: 4 Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben. Auf wieviel Lügen fallen Menschen seit dem Sündenfall herein? Hitler, Krieg fürs Vaterland, Reichtum, AFD, Trump ...
Machtgier ist eine weitere menschliche Eigenschaft: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse. Ihr werdet wie Gott! Trump, Musk, Putin, das eigene Menschenuniversum Internet, Klimawandel, Atombombe, die alles zerstören kann. Wir sind wie Gott geworden ...
Und was macht den Menschen noch aus: sich vor der Verantwortung drücken. Adam schiebt die Schuld auf Eva (typisch Mann) und Eva auf die Schlange. Die Schlange hat mich verführt. So habe ich gegessen. Die Werbung ist schuld, das System, die Politik, die Wirtschaft, die Konzerne - nur ich nicht.
Aber warum aus dem Pardies vertrieben?
Es gab nämlich zwei wichtige Bäume im Garten Eden:
"in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse."
deswegen:
Dann sprach Gott, der HERR: Siehe, der Mensch ist wie einer von uns geworden, dass er Gut und Böse erkennt. Aber jetzt soll er nicht seine Hand ausstrecken, um auch noch vom Baum des Lebens zu nehmen, davon zu essen und ewig zu leben.
Also wenn sich diese Sorte Mensch schon fortpflanzen kann, dann soll sie nicht noch ewig leben.
Da schickte Gott, der HERR, ihn aus dem Garten Eden weg, damit er den Erdboden bearbeite, von dem er genommen war. 24 Er vertrieb den Menschen und ließ östlich vom Garten Eden die Kerubim wohnen und das lodernde Flammenschwert, damit sie den Weg zum Baum des Lebens bewachten.
Der Weg zum Lebensbaum ist also versperrt, bleibt nur noch die Hoffnung auf das ewige Leben nach dem Tode.
Und was passierte weiter: Kain und Abel- Brudermord. Was ist der Mensch?
12 Gott sah sich die Erde an und siehe, sie war verdorben; denn alle Wesen aus Fleisch auf der Erde lebten verdorben.
Gott drückt auf Reset, die Sintflut, und macht die Menschheit 2.0 😉
Soviel Wahrheit in einer so kurzen Geschichte. Ich mag sie sehr.