Paulus? Fast übersehen!
Paulus bleibt für viele ein übersehener Protagonist des Neuen Testaments; - nicht, weil er im Schatten stünde, sondern weil der Blick aufmerksamer Objektivität oft vom Licht eigener Prioritäten geblendet ist.
Manche Leser einer Bibelübersetzung scheinen fest davon überzeugt zu sein, daß ausschließlich Jesus als erwarteter Messias (Christus) der Protagonist des sogenannten Neuen Testaments ist, aber Paulus (als Gesandter) jedoch auffallend oft von „seiner“ und nicht von „Seiner“ Botschaft spricht, wird dabei knapp trampelhaft übersehen. Diese sprachliche Eigenständigkeit macht Paulus (seine Botschaft) zu einem Protagonisten eigener Prägung und innerhalb der vermeintlich nahtlos zusammenhängenden Bibelbücher bleibt seine Andersartigkeit nur am Rande sichtbar, so dezent, daß sie dem flüchtigen Leser leicht entgeht.
Wer allerdings genauer hinsieht wird nachdenklich gestimmt und zu Fragen angeregt, wie:
• Paulus war ein Gesandter, doch wer hat ihn eigentlich gesandt?
• Warum spricht Paulus von seiner und nicht von Seiner Botschaft?
• Was sind Inhalt, Schwerpunkt und Ziel der Christus zentrierten Verkündigung von Paulus?
• Wie verhält sich diese Botschaft zur Botschaft des von Israel erwarteten Messias?
• usw., etc., etc., …
Solche Fragen öffnen den Blick für ein differenzierteres Verständnis der Bibel, für die Vielstimmigkeit seiner Protagonisten und für die eigentümliche Andersartigkeit seiner Substanz in den unterschiedlichen Botschaften zueinander.
@schubertholger Jesus hat Paulus gesandt. Er ist ihm erschienen und hat ihn zu seinem Dienst gesandt. Paulus ist der Typus dafür, dass man auch nach und außerhalb der direkten Augenzeugen und Größen berufen werden kann. Ein wichtiges Korrektiv, welches Paulus dann ja auch lebt, bspw als er Petrus' Heuchelei kritisiert. Ein "aber wir sind die Jerusalemer Urgemeinde, wir haben Prestige!" gilt hier nicht.
Zudem wurde Paulus zu den Heiden gesandt, um das, was das Evangelium wollte, zu wirken: die Aufnahme aller Völker in den Bund Gottes. Das wurde von der Urgemeinde bestätigt.
Seine Botschaft ist Christi Botschaft. Es ist die Frage, Was wann dran ist. Deshalb funktioniert der reine Vergleich der Reden Jesu mit denen des Paulus nicht. Man muss die fortlaufende Geschichte und Vorsehung mit-beachten.
Paulus ergänzt, widerspricht aber zugleich Jesu eigenen Worten an keiner Stelle. Wie auch Jesus dem Tanach nicht widersprochen hat, sondern ihn erfüllte mit wahrem Sinn.
Paulus bleibt für viele ein übersehener Protagonist des Neuen Testaments; - nicht, weil er im Schatten stünde, sondern weil der Blick aufmerksamer Objektivität oft vom Licht eigener Prioritäten geblendet ist.
Wer sagt das?
jedoch auffallend oft von „seiner“ und nicht von „Seiner“ Botschaft spricht, wird dabei knapp trampelhaft übersehen.
Was bedingt deine Wortwahl 'trampelhaft'?
• Paulus war ein Gesandter, doch wer hat ihn eigentlich gesandt?
1) Christus, ab dem Damaskuserlebnis 2) die Gemeindeleitung
• Warum spricht Paulus von seiner und nicht von Seiner Botschaft?
Belege für diese Behauptung?
• Was sind Inhalt, Schwerpunkt und Ziel der Christus zentrierten Verkündigung von Paulus?
Widersprichst du dir hier nicht?
@deborah71 danke für deine Bemerkungen.
„Wer sagt das?“
Das ist meine eigene Beobachtung: Paulus’ Eigenart wird in der Rezeption oft übersehen, weil der Fokus so stark auf Herrn Jesus Christus (t.B. in den 4 bekannten Evangelien) liegt. Ich greife hier also keine Autorität auf, sondern beschreibe eine Wahrnehmung.
„Trampelhaft“
Das Wort ist pointiert gewählt. Gemeint ist kein absichtlicher Respektmangel, sondern eine unbeabsichtigte Grobheit: feine Unterschiede bei Paulus werden leicht im Vorübergehen übersehen.
„Wer hat Paulus gesandt?“
Paulus versteht sich selbst als direkt von Christus gesandt (Gal 1,1). Gleichzeitig bestätigen Gemeinden wie Antiochia und Jerusalem seinen Auftrag (Apg 13, Gal 2). Es bleibt aber besonders die Spannung zwischen göttlicher Berufung und Legitimation gegenüber Gläubigen aus Israel (siehe Apostelgeschichte)
„Seine“ oder „seine“ Botschaft – Belege?
Paulus spricht mehrfach von „mein Evangelium“ (meiner Botschaft) (to euangelion mou, z. B. Röm 2,16; 16,25; 2Tim 2,8). Das meint nicht eine Christus-unabhängige Botschaft, sondern die spezifische Gestalt seiner Verkündigung.
„Widerspruch?“
Kein Widerspruch: Paulus Botschaft ist Christus-zentriert!! Christus ist Ursprung und Zentrum, Paulus ist der Gesandte mit eigener Sprache und theologischer Akzentuierung. Darin liegt eine produktive Spannung kein Gegensatz.
„Trampelhaft“
Das Wort ist pointiert gewählt. Gemeint ist kein absichtlicher Respektmangel, sondern eine unbeabsichtigte Grobheit: feine Unterschiede bei Paulus werden leicht im Vorübergehen übersehen.
clickbite? das Wort ist für mich zu abwertend belegt, um ein einfaches Überlesen zu kennzeichnen.
@deborah71 In der sogenannten Substitutionstheologie kann man das aber sehr gut nachvollziehen.
@deborah71 hmmm, gerade weil die Substitutionstheologie so tief in die kirchliche Tradition eingedrungen ist, ist sie nicht speziell, sondern grundlegend prägend und genau deswegen problematisch im Licht von Paulus Aussagen.
Den Prägungen entgegen dieser „trampelhaften“ Flusses:
- Röm 9,4–5: Paulus zählt die Privilegien Israels auf („die Kindschaft, die Herrlichkeit, die Bündnisse, die Gesetzgebung, der Gottesdienst, die Verheißungen“). Israel bleibt Träger dieser Gaben.
- Röm 9,6: „Nicht alle, die von Israel abstammen, sind Israel.“ Unterscheidung zwischen äußerlicher Abstammung und dem „wahren Israel“; aber nicht: Israel wird abgeschafft.
- Röm 11,1: „Hat Gott etwa sein Volk verstoßen? Das sei ferne!“ klare Absage an eine vollständige Verwerfung Israels.
- Röm 11,11–12: Israels „Fall“ ist nicht endgültig, sondern hat sogar Heilsbedeutung für die Völker.
- Röm 11,17–24 (Bild vom Ölbaum): Die Nationen sind als „wilder Ölzweig“ eingepfropft – nicht an die Stelle Israels, sondern in den bestehenden Baum. Israel bleibt Wurzelträger.
- Röm 11,25–29: „Ganz Israel wird gerettet werden … Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen.“ bleibende Erwählung.
- Gal 3,8: Paulus verweist auf die Verheißung an Abraham, dass in ihm „alle Völker gesegnet werden“. Die Heiden werden hineingenommen, nicht Israel ersetzt.
- Gal 6,16: „Israel Gottes“ – oft missverstanden. Paulus meint nicht die Kirche anstelle Israels, sondern die Gemeinschaft der Glaubenden (Juden und Heiden), die in Christus stehen.
- Eph. 2,14–16: Christus „hat aus beiden eins gemacht“ Juden und Heiden. Bild von Versöhnung und Zusammenführung, nicht von Ablösung.
- usw., etc., etc.,…
Ich habe mit der Ersatztheologie nichts am Hut.
The Israel Decree: Understanding God's Unbreakable Covenant With His People and Their Land
Amir Tsarfati lässt sich da sehr konkret drüber aus, das Gott den Bund mit Israel nicht gebrochen hat. Ob es eine Übersetzung auf Deutsch geben wird, weiß ich nicht. Ist aber wahrscheinlich.
@deborah71 clickbite? das Wort ist für mich zu abwertend belegt
Ich kannte das Wort bis eben gar nicht. Meintest Du vielleicht Clickbait? 😉
gut erkannt. Diese Fremdworte sind herausfordernd.
Veröffentlicht von: @schubertholger• Warum spricht Paulus von seiner und nicht von Seiner Botschaft?
Naja, vielleicht, weil er im Gegensatz zu Jesus ausschließlich Mensch war und somit nicht frei von Fehlern, und somit nicht ganz der Versuchung widerstehen konnte, bischen sehr von sich selbst eingenommen zu sein?
Bis auf Petrus verschwinden hinter ihm die Urapostel regelrecht.
Klar: Paulus hatte ja auch die ausgefeilte Rhetorik der Griechen gelernt, das beeindruckte. Jedenfalls bekam er schon ziemlich bald ein ziemliches Übergewicht gegenüber den Uraposteln, und nutzte es reichlich aus.
@schubertholger Man muss schon die Botschaft des NT verdrehen finde ich wenn man Paulus damit meint Paulus angreifen zu können!
Wer ihn gesandt hat hören wir im NT, und wir sehen auch bei anderen Jüngern das sie ihn kannten und um sein Wirken für das Evangelium dankbar waren, denn sie schätzten ihn hoch!
Die Mission des Paulus ist aber zweierlei, nämlich das Evangelium zu verkünden und dann das Leben eines Christen Menschen zur damaligen Zeit aufzuzeigen und einzufordern (=begleiten der Gemeinden fern Israels bzw. Judäa), an zweitem stoßen sich viele und deshalb geriet er in ihr Fadenkreuz!
Aber wie gesagt wenn man die Behauptung aufstellt dass Paulus sein eigenes Ding gemacht hätte sind halt seine klaren Worte das Problem in dem jedem Verständigen, denke ich, klar werden muss dass er ein Streiter für das Evangelium ist für die Frohe Botschaft dass Gott seinen einzigartigen Sohn gesandt hat, als den verheißenen Messias, allen zum Heil die an ihn glauben!
Ich weiß nicht wie alt diese Kritik ist, natürlich brauchte es wohl vorher die vielen Spaltungen. Jedenfalls nahm der Islam diese "Kritik" gegenüber Paulus dankend auf und Behauptet gemäß diesem Post dass er etwas anderes verkündet hätte wie Jesus der Gesalbte, aber wo ist die Frage, weil da muss man schon sehr Paulus feindliche Deutungen seiner Worte aufstellen dass man solches irgendwie zeigen könnte!
Und was ist der Unterschied den du meinst mit seine und Seine Botschaft? Dass er die Botschaft Jesu nicht weitergetragen hätte ist nicht haltbar, gerne fordere ich nochmal dazu auf diese Behauptung mit Fakten zu untermauern, seine überlieferten Briefe haben wir ja im NT.
• Paulus war ein Gesandter, doch wer hat ihn eigentlich gesandt?
Da war einmal Jesus, dann die Gemeinde in Antiochia und zuletzt sogar das Konzil in Jerusalem, welches seinen Auftrag bestätigt und erneuert hat. Paulus hat in diesem Sinne die gleiche Sendung, wie dies die Apostel taten.
• Warum spricht Paulus von seiner und nicht von Seiner Botschaft?
Die Differenzierung, die du hier machst, findet sich die Grammatisch auch im Griechisch wieder?
• Was sind Inhalt, Schwerpunkt und Ziel der Christus zentrierten Verkündigung von Paulus?
Willst du jetzt tatsächlich eine inhaltliche Zusammenfassung der meisten neutestamentlichen Briefe?
Inhalt:
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Glaube an Jesus Christus: Paulus betont die zentrale Rolle von Jesus Christus als Gott, der Mensch geworden ist, gestorben, auferstanden und wiedergekommen ist, um Sünde und Tod zu überwinden. Dabei stellt er die Rettung durch Christus und nicht durch eigene (jüdische) Gesetzeserfüllung (Paulus lehnt Reaktionen auf das Judentum vollständig ab) in den Mittelpunkt (Römer 1-5, Gal 2,16-17).
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Rechtfertigung durch Glaube: Paulus betont, dass die Rechtfertigung – das heißt die Annahme vor Gott – allein durch den Glauben an Jesus Christus und sein Werk geschieht, nicht durch Werke des Gesetzes (Gal 2, 16-17, Röm 3, 28).
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Neues Leben in Christus: Paulus spricht oft von einem "neuen Leben in Christus" (z.B. Gal 2,20, 2 Kor 5,17). Dieses Leben ist durch die Gemeinschaft mit Christus und dem Heiligen Geist charakterisiert, der die Gläubigen von innen her zu einem neuen Leben in Freiheit und Liebe umwandelt.
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Versöhnung aller Menschen und Völker: Paulus betont die universale Dimension des Heils, dass durch Christus die Versöhnung zwischen Mensch und Gott und die Versöhnung zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft – Juden und Nichtjuden, Männer und Frauen – ermöglicht wurde (Eph 2, 14-18).
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Geistliches Leben der Christen: In seinen Briefen geht es auch um praktische Anweisungen für das christliche Leben, z.B. die Wichtigkeit der Liebe, der Nächstenliebe, der Einheit der Gemeinde und das Leben zur Ehre Gottes (1 Cor 13, 13).
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Endzeiterwartung: Das Kommen des Reiches Gottes und die Auferstehung der Toten
Schwerpunkt:
Der zentrale Schwerpunkt der paulinischen Verkündigung liegt auf der rechten persönlichen Beziehung zwischen dem Einzelnen und Gott, vermittelt durch Jesus Christus. Dabei stellt er die Rechtfertigung bzw. Vergebung der Sünden durch den Glauben an den gekreuzigten und auferstandenen Christus und den damit verbundenen Neuanfang und die innere Veränderung durch den Heiligen Geist in den Mittelpunkt.
Ziel:
Das Hauptziel der paulinischen Verkündigung war sowohl individuell als auch communitär:
Individuell: Sowohl Juden als auch Nicht-Juden darin zu verhelfen, durch den Glauben an Jesus Christus Sünde und Tod zu überwinden und ein neues Leben in Gemeinschaft mit Gott anzutreten.
Communitär (kirchlich und gesellschaftlich): Die Einheit der Kirche – die "Versammlung der Gläubigen", wie er die christliche Gemeinde bezeichnet – zu fördern (Eph 3, 14-15) und eine Gemeinschaft zu formen, die durch die Gabe des Heiligen Geistes mit Liebe, Nächsten- und gegenseitiger Unterstützung geprägt ist (1 Kor 13, 1-3; Gal 3, 28).
Missionsmissionarisch: Die "Evangelisierung" aller Völker, also die Verbreitung des Christentums jenseits ethnischer, sozialer und religiöser Grenzen zu fördern. Paulus war stark von dem Verständnis der "neutestamentlichen Mission" geprägt, die Christen dazu aufruft, das Evangelium zu verkündigen (z.B. Rom 15, 16, 1 Kor 9, 16-23).
Eschatologisch: Glauben an die Wiederkunft Christi und die Hoffnung auf die Auferstehung und das endgültige Reich Gottes zu stärken, ohne die Gläubigen davon abzuhalten, in der Gegenwart verantwortlich und christlich zu leben.
Insgesamt ist die Verkündigung des Paulus darauf ausgerichtet, ein christliches Leben und eine Gemeindebildung zu fördern, die auf der Person und dem Werk Jesu Christi, sowie auf der Kraft seines Geistes basieren und das Reich Gottes in dieser Welt vorwegnehmen.
• Wie verhält sich diese Botschaft zur Botschaft des von Israel erwarteten Messias?