Entstehung des Lebens (nicht Evolution!!!)
Ich bin gerade über einen Artikel gestolpert.
Ein Forscher des Imperial College London im britischen London hat eine der fundamentalsten Fragen der Wissenschaft mit den Mitteln der Informationstheorie neu beleuchtet. Sein Ergebnis: Die spontane Entstehung von Leben aus unbelebter Materie, die sogenannte Abiogenese, ist aus mathematischer Sicht so unwahrscheinlich, dass alternative Erklärungen in Betracht gezogen werden sollten.
Der Artikel ist nicht sehr ausführlich, aber das Paper (auf Englisch) findet ihr hier.
Einige Auszüge aus der Diskussion
So oder so, eine rein zufällige Suppe ist zu verlustreich – irgendeine Form von präbiotischer Informationsstruktur muss der darwinistischen Evolution vorausgehen. Natürlich hat dieses Rahmenwerk seine Grenzen. Unsere Schätzungen – von Entropie, Verzerrungszeit und Komplexität der Protozelle
– sind bestenfalls grob und basieren eher auf Analogien als auf direkten Messungen. [...] Über die Unsicherheit der Parameter hinaus ist die tiefere Herausforderung mechanistischer Natur: Selbst wenn die Informationsrate machbar ist, bleibt der Weg dorthin undurchsichtig. Woher kam die Direktionalität? Welche Strukturen oder Umweltbedingungen ermöglichten ein Langzeitgedächtnis oder die Unterdrückung von Fehlern ohne
entwickelte Korrekturlesung? [...] Dies bringt uns vorsichtig, aber unausweichlich zu der Frage zurück: Wurde die Erde terraformiert oder entstand Ordnung aus dem Chaos unter der stillen Herrschaft der Physik?Und obwohl wir nicht beweisen können, dass Abiogenese unvermeidlich ist, bleibt sie dennoch mit der Thermodynamik vereinbar.
Wenn Leben das ultimative emergente Phänomen ist, widersteht es vielleicht Vorhersagen nicht, weil die Physik falsch ist, sondern weil der Rahmen unvollständig ist. Wie Laughlin argumentiert hat, widersetzt sich Emergenz dem Reduktionismus nicht in Missachtung der Physik, sondern in Erfüllung derselben.KI könnte dabei eine entscheidende Rolle spielen. Über die Modellierung chemischer Systeme hinaus könnte sie dazu beitragen, mögliche Wege zurückzuverfolgen, Attraktorlandschaften zu identifizieren oder tiefgreifende statistische Regelmäßigkeiten aufzudecken, die sich der menschlichen Intuition entziehen. Wenn Leben eine Form physikalischer Berechnung ist, wie manche vermuten, dann könnte KI bald dazu beitragen, herauszufinden, wie natürliche Chemie rechnerisch leistungsfähig genug werden kann, um sich selbst zu organisieren. (Persönlich bin ich skeptisch, dass eine generative KI von der Vorhersage des nächsten Wortes zum Beweis des Ursprungs des Lebens übergehen und uns aus unserem existenziellen Dilemma befreien kann.)
Es besteht die reale Möglichkeit, dass wir bei dem Versuch, den Ursprung des Lebens zu verstehen, zu einer lebenden Parabel von Gödels Unvollständigkeit und Turings Unentscheidbarkeit werden – Systeme, die in ihrer eigenen Logik verstrickt sind und sich selbst nicht vollständig erklären können. Vielleicht kann das Leben seine eigene Existenz nicht beweisen; vielleicht wird die KI, die wir mit dieser Aufgabe betrauen, für immer laufen oder mit einer Antwort wie „42“ aufhören.
Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)
Selten ist biologische Publikation so philosophisch. "Is it bug or a feature?"
@arcangel Selten ist biologische Publikation so philosophisch.
Inwiefern ist da was "philosophisch"? Für mich ist Philosophie nicht das frei flottierende Herumassoziieren, wie man es am Rande irgendwelcher Coctailpartys betreibt oder wenn man gemeinsam am Baggersee in der Sonne liegt und einem, angeregt durch das Summen der Bienen nebenan, "interessant abgefahrene Ideen" einfallen, die man dann mit den Kumpels bekakeln kann. Sondern: Arbeit am Begriff.
An welchen Begriffen wird hier gearbeitet?
Ehrlich gesagt kann ich ausser der Mode-Zutat KI nichts interessant Neues an der Sache bemerken. Das Fantasy-Konzept der Panspermie hat ja nun einen Bart, der die besten Bartwickelmaschinen, die man so kennt, an ihre Leistungslimits bringt (weswegen von denen immer weniger geredet wird 😉 ). Das Argumentum ad ignorantiam, nach welchem alle "Protozellen" oder "Urzellen", die man sich so ausgedacht hat, dermaßen komplex seien, dass sie eigentlich nicht spontan in einer "rein zufälligen Ursuppe" entstanden sein könnten, ist vermutlich noch älter als die Panspermie-Fantasy. Ob man da nun noch ein paar fancy words mit reinschreibt, bleibt sich hinsichtlich der Grundstruktur des Arguments gleich. Wer keine Protozelle zu Anschauungszwecken vorliegen hat, wer den Prozess der Abiogenese nicht beobachten kann, der kann nur darüber phantasieren und spekulieren. Nicht aber mathematisch irgendwas belegen oder beweisen. Falls die Vorstellungen über Protozellen, die wir haben, mathematisch überprüft so komplex sind, dass sich keine "wahrscheinlichen" Szenarien ihrer Entstehung darstellen lassen, dann könnte es daran liegen:
1. Die Vorstellungen über die Mindestkomplexität solcher Protozellen, bzw. ihrer Vor-Produkte (aus denen sie sich zusammensetzt haben könnten) sind falsch.
3. Die Szenarien ihrer Entstehung sind solche, die man nicht kennt und über deren Wahrscheinlichkeit also auch nichts gesagt werden kann.
3. Die mathematische Überprüfung ist fehlerhaft.
4. Die Panspermie-Hypothese ist korrekt.
5. God did it.
6. Wir leben alle nur in einer Simulation, aus welcher herauszuschauen von der ihr übergeordneten Instanz, heiße sie nun Jehova, Britzlebrix oder Agent Smith verunmöglicht wurde durch bewußt gesetzte Barrieren/Grenzen für die in der Simulation befindlichen Entitäten.
Ganz ehrlich: Wenn schon auf Seite 1 des Papers Star Treck Erwähnung findet, dann ist damit ein "wissenschaftliches" Niveau etabliert, von dem ich mir ausser (womöglich, das sei gar nicht bestritten, sehr unterhaltsamer) Herumspekuliererei wenig erwarte.
Einige Auszüge aus der Diskussion
Welcher Diskussion? Wer diskutiert da mit wem und wo? (Bevor Du antwortest: siehe weiter unten... 🙂 )
(Persönlich bin ich skeptisch, dass eine generative KI von der Vorhersage des nächsten Wortes zum Beweis des Ursprungs des Lebens übergehen und uns aus unserem existenziellen Dilemma befreien kann.)
Zitierst Du da jemanden (wie angesichts der Zitatform anzunehmen wäre), oder ist das Deine Einschätzung? Falls letzteres: Ich bezweifle sehr, dass Berechnungen zellbiologischer Zusammenhänge mit LLMs a la ChatGPT (was nun mal keine AGI, geschweige denn Super-AI, sondern immer noch nur eine narrow AI ist) angestellt werden. Dieses Abwiegler*-Argument, nach welchem KI doch im Grunde nichts anderes tue, als immer das wahrscheinlich als nächstes kommende Wort zu erraten, ist nach nunmehr 3 Jahren Diskussion seit dem Chat-GPT-Release so abgegriffen, dass man es nicht mehr ernsthaft in die Hand nehmen sollte. Wer es verwendet, demonstriert damit entweder, dass er das Phänomen KI nicht versteht, oder dass er die Sorgen vor non-alignter KI - aus welchen Motiven auch immer - zerstreuen will.
Falls - was ich nicht unbedingt erwarte, aber selbstverständlich auch nicht ausschließen kann - in nächster Zukunft per KI Modelle der Entstehung des Lebens hier auf der Erde (oder in einer Nachbargalaxie, von wo aus dann die Erde mit Leben geschwängert wurde...) konzipiert werden sollten, mathematisch überprüft funktionierende Modelle, so prophezeihe ich, dass diejenigen, die heute daran glauben, Jehova oder Britzlebrix hätten das Leben erschaffen, sich von solchen Modellen nicht von ihrem Glauben abbringen lassen würden. Gemäß dem (logisch stimmigen) Argument:
Nur, weil nach einem Modell ein Ereignis mathematisch und physikalisch möglich ist, wurde damit noch nicht bewiesen, dass es auch gemäß dieser Modellvorstellung tatsächlich eingetreten muss.
Immerhin schreiben die Autoren des Papers im Abschnitt "Discussion" Folgendes:
Looking ahead, we advocate for more empirical, exploratory work in the spirit of Miller and Urey...
Sie plädieren also für mehr empirische Forschungsarbeit im Geiste Millers und Urey (die mit dem Ursuppen-Experiment). Na, warum nicht, empirische Forschung kann nie schaden. 😀
Dann:
AI may itself play a decisive role.
Künstliche Intelligenz könne da eine entscheidende Rolle spielen. Könnte. Oho! Aha! Ist das nun ein educated guess oder doch schon eher eine dem Zeitgeist geschuldete Nullaussagen-Phrase? Man möchte fragen: "Wo könnte denn wohl KI keine entscheidende Rolle spielen in der Forschung?" 😀
Oh, gerade bemerke ich, dass die Bemerkung in Klammern oben tatsächlich nicht von Dir stammte (entschuldige bitte, dass ich Dir das zu unterstellen tendierte!), sondern von den Autoren des Papers selbst. Nun bin ich völlig perplex. Wissen nicht mal die, dass dieses "nur das nächste Wort vorhersagen"-Klischee über KIs nichts anderes als eben ein Klischee, ein Abwiegler-Argument ist?
Whether or not AI ultimately solves the
origin-of-life problem, it may well turn out to be the next Cohen’s microscope (or telescope), just better.
Übersetzung durch mich, ohne künstliche Schlauheit:
Ob Künstliche Intelligenz letztlich das Problem der Entstehung des Lebens löst oder nicht - sie könnte sehr wohl sich als das nächste Cohen's Mikrospkop (oder Teleskop) erweisen. Nur besser.
Namedropping nennt man sowas wohl. Bezieht sich wahrscheinlich auf ein Labor, das neue Technologien entwickelt hat, um Proteine zu untersuchen. Ist natürlich nur aufgeblasene Wichtigtuerei gemäß der alten Bauerregel:
"Kräht am Abend der Hahn auf dem Haufen von Mist - ändert sich's Wetter, oder bleibt, wie es ist."
*Ich sammele gerade die üblichsten Argumente, die im Zusammenhang mit dem Alignment-Problem kursieren und welche die Leute darüber beruhigen sollen, welche Risiken von der disruptiven KI-Technologie ausgehen. Die stecke ich dann in die "Abwiegler-Argument"-Schublade, falls ich meine, sie als nicht valide durchschaut zu haben. Man könnte sie auch "Verharmlosungs-Argumente" nennen, oder noch richtiger: "Abwiegeln-durch-Verharmlosungs-Argumente" 😀
Eins dieser Argumente lautet sinngemäß: KI kann nur eins: sehr gut raten, was für ein Wort in einem Text als nächstes auftreten wird.
Dieses Argument basiert auf einer Verallgemeinerung der simplifizierenden Darstellung eines bestimmten Verfahrens, mittelst dessen Large-Language-Module (MMLs, Große Sprachmodule) trainiert wurden und werden. In der Art, dass KIs ausschließlich nach diesem Verfahren lernen und arbeiten. Eigentlich sollte schon, wenn man einer KI wie ChatGPT eine Aufgabe stellt und diese kurz darauf erfolgreich erledigt wurde, intuitiv klar werden, dass das Vorgehen einer KI soooo simpel ja nun nicht sein kann. Etwas mehr als nur gut das nächste Wort raten muss da schon passieren, denn ansonsten würden, wenn man dem Prompt hinzufügen würde: Beginne die Antwort mit dem Wort "Die" - stets identische Antworten herauskommen, wie oft man auch dieselben Prompts verwendet.
Beginne ich mal unten 🙂
Zum Verharmloser Argument, KI besteht ja nicht nur aus LLM's. Zur Analyse der Daten haben die Autoren keine LLM benutzt. LLM werden lediglich als Argument in der Diskussion benutzt, oder vielleicht auch beim Erstellen des Textes :-), was dann äusserst selbstkritisch wäre.
Aber zu den LLM's im aktuellen zustand machen LLM's eins von zwei Sachen, entweder sie kompilieren, bekanntes oder sie fantasieren über Unbekanntes und jede Mischform dazwischen (sehr vereinfacht, wobei der Prozess alles andere als einfach ist). Ob LLM's je über dieses Stadium hinwegkommen, werden wir sehen.
Zur Arbeit selbst.
Die Autoren gehen von einer minimal komplexen Zelle aus. Und definieren wie viele Informationen, was in der Biologie Peptidketten sind, so ein Gebilde haben muss.
Nun diese Peptide können sich spontan bilden, das wurde nachgewiesen, die können sich auch organisieren, auch das wurde nachgewiesen. Jetzt haben sie mit drei Faktoren modelliert, die Bildungsrate dieser Peptide, die Rate, mit der sie sich organisieren und mit der Haltbarkeit dieser organisierten Peptide (auch etwas, das wir wissen). Aus diesen dreien haben sie dann die Wahrscheinlichkeit errechnet, oder durch die KI errechnen lassen, wie gross die Wahrscheinlichkeit ist, dass eine Abiogenese stattgefunden hat. Und die tendiert gegen 0.
Klar sind hier ganz viele Fragezeichen, wie du bemerkt hast. Viele Faktoren sind "educated guesses" aber bleiben schlussendlich lediglich Mutmassungen. Solange wir die genauen Bedingungen der Urzeit nicht kennen oder zumindest Urzeitbedingungen welche Leben hervorbringen könnte, plausibel beschreiben können, solange bleibt die Frage nach der Entstehung des Lebens ein "giant gap".
Denn selbst wenn das Leben von aussen auf die Erde gebracht wurde, löst das die Frage der Abiogenese noch nicht. Es braucht also ein plausibles Modell, welches die Abiogenese beschreiben kann. Und da wird die KI vielleicht antworten liefern können oder auch nicht.
@arcangel Solange wir die genauen Bedingungen der Urzeit nicht kennen oder zumindest Urzeitbedingungen welche Leben hervorbringen könnte, plausibel beschreiben können, solange bleibt die Frage nach der Entstehung des Lebens ein "giant gap".
Richtig.
Denn selbst wenn das Leben von aussen auf die Erde gebracht wurde, löst das die Frage der Abiogenese noch nicht. Es braucht also ein plausibles Modell, welches die Abiogenese beschreiben kann. Und da wird die KI vielleicht antworten liefern können oder auch nicht.
Ebenfalls richtig.
Also nichts Neues. Die KI wird vielleicht Antworten liefern können. Oder auch nicht.
Soweit war man schon vor Jahren: Vielleicht finden wir's irgendwann raus. Jetzt finden wir's vielleicht irgendwann mithilfe der KI raus. Das erinnert mich an eine Diskussion, die vor Ewigkeiten (mindestens schon 10 Jahre her, eher 15 oder mehr) mal im atheistischen Freigeisterhaus ablief hinsichtlich der Frage, auf wie viele der ~ 300 Trilliarden (das war eine Schätzung/Hochrechnung, von der wir damals einfach mal ausgingen, ob da eine oder zwei Nullen mehr oder weniger dran hängen könnten, spielt für das Argument gar keine Rolle) Planeten im gesamten Universum sich wohl Leben entwickelt haben könne. Da kamen dann die ganzen Schlagwörter auf, Drake-Gleichung usw.
Mein Einwand damals wie heute lautet: Das ist solange alles reine Spekulation, bis wir wenigstens ein konkretes Beispiel für Abiogenese gefunden haben, das wir dann zur Grundlage entsprechender Hochrechnungen* nehmen können. Solange wir nicht einmal wissen, welche exakten Faktoren auf der frühen Erde nötig waren, dass Leben entstand, solange ist es doch müßig, ernsthaft zu rechnen, welche Wahrscheinlichkeit dafür besteht, dass exakt diese Faktoren auch in anderen Teilen des Universums zusammentreffen können.
Diese Argumentationen, die so tun, als könnte man hier ernsthaft (vernünftig begründet) Zahlen und Schätzungen nennen, sind aus demselben Sinn müßig, wie die Argumente (die häufig von religiös motivierten Diskutanten vorgebracht werden), dass die Existens des Universums mit seinen bestimmten Konstanten, die Leben ermöglichen, so unwahrscheinlich sei, dass es unmöglich per Zufall entstanden sein könne. Der gedankliche Fehler erscheint mir strukturell identisch zu sein: Solange man nicht weiß, aus welcher Menge von Kugeln die Lottozahlen gezogen werden, kann man unmöglich eine Wahrscheinlichkeitsaussage hinsichtlich der Gewinnchance (Sechser) machen.
Es gibt in beiden Fällen (Wie wahrscheinlich ist es eigentlich, dass unser Universum in Existenz kommen konnte? Wie wahrscheinlich ist es, dass Leben aus unbelebter Materie entstehen konnte?) nur eine Antwort: 1. Denn wir haben unser Universum und es gibt Leben.
Hinsichtlich der Entstehung unseres (! vielleicht können wir ja irgendwann die Entstehung anderer Universen beobachten...) Universums werden wir wohl per empirischer Forschung nie herausfinden können, wie dies geschah, d.h. welche Vorbedingungen des Ereignisses herrschen mussten (das versagt ja schon die Sprache, von wegen: Vor-Bedingungen...). Hinsichtlich der Entstehung des Lebens gilt halt: Vielleicht finden wir's irgendwann heraus (und können per Experiment nachweisen, dass sich prinzipiell unter den Modellbedingungen Leben aus unbelebter Materie entwickeln kann).
Was sich logisch unmöglich demonstrieren lässt, sind die Thesen:
1. Das Leben kann sich aufgrund seiner Komplexität nicht zufällig aus unbelebter Materie entwickelt haben
2. Unser Universum konnte aufgrund seiner Komplexität nicht zufällig entstehen.
Oder, um es kurz zu machen: Das Argument der irreduziblen Komplexität wird auch per KI-Einsatz nicht stichhaltiger.
*Aber auch da gälte immer noch: Zur Grundlage von Hochrechnungen, wie wahrscheinlich die Entstehung von Leben, wie sie hier stattfand, anderswo statt fand. Über alternative Möglichkeiten der Abiogenese und deren Wahrscheinlichkeit wäre damit Null ausgesagt.
Mal ne Fußnote dazu (ich habe den Artikel nicht gelesen, sondern nur die deutsche Meldung überflogen):
Wie jemand auf 10⁹ Bits für eine Protozelle kommen kann, ist mir schleierhaft. In einer Zelle gibt es diverse Proteine, für große Abschnitte eines typischen Proteins ist es nahezu irrelevant, welche Aminosäuren da eingebaut sind. Welche Aminosäure wo steht ist wichtig (a) für Bereiche, die sich nicht zur Primärstruktur-Schraubenform aufwickeln und (b) für die Stellen, an denen das Protein spezifische Reaktionen eingeht, die mit seiner Aufgabe in der Zelle zu tun haben.
10⁹ (eine Milliarde) Bits - das wären ca. 230 Millionen Aminosäuren (wenn jede Aminosäure gleich wahrscheinlich ist), das noch mit nem Faktor multipliziert, der die unwichtigen Abschnitte einbezieht - das ist mehr als in als vielen Bakterien.
Aber auch wenn man deutlich kleinere Werte nimmt - schon bei 100 Bits ergibt sich eine Wahrscheinlichkeit von unter 10⁻³⁰, das schließt eine rein zufällige Entstehung in einer »Ursuppe« praktisch aus. Weshalb es ja längst darum geht, wie ein Szenario aussehen könnte, bei dem die Entstehung von Leben nicht völlig unwahrscheinlich ist.
Nur da kommen wir bei dem, was Black geschrieben hat: So was kann nur geraten werden, momentan gibt es höchstens ein paar Spekulationen, aber kein wirklich belastbares Szenario.
Nun diese Peptide können sich spontan bilden, das wurde nachgewiesen, die können sich auch organisieren, auch das wurde nachgewiesen. Jetzt haben sie mit drei Faktoren modelliert, die Bildungsrate dieser Peptide, die Rate, mit der sie sich organisieren und mit der Haltbarkeit dieser organisierten Peptide (auch etwas, das wir wissen). Aus diesen dreien haben sie dann die Wahrscheinlichkeit errechnet, oder durch die KI errechnen lassen, wie gross die Wahrscheinlichkeit ist, dass eine Abiogenese stattgefunden hat. Und die tendiert gegen 0.
So lange man davon ausgeht, dass sich eine komplette Zelle, und sei sie noch so primitiv, per Abiogenese mal eben so "zufällig" entwickelt hat dürfte die Wahrscheinlichkeit dafür tatsächlich gegen 0 tendieren.
Nimmt man aber an, dass diese Entwicklung über weitere Zwischenschritte erfolgte, ergibt sich eine prinzipiell unendliche Fülle von Möglichkeiten. Für jede einzelne dieser Möglichkeiten ergeben sich wiederum Wahrscheinlichkeiten, die einzeln bestimmt werden müssten. Was bedeutet, dass wir hier eine gigantische Menge von Unbekannten in der Gleichung haben, weshalb sich, wie Jack ja auch schon ausführte, keine seriöse Aussage darüber treffen lässt.
Jedenfalls so lange nicht, bis wir eine dieser Möglichkeiten finden...
Na ja, wenn man Richard Dawkins, Replikatoren nimmt, dann müsste es ja ein sich spontan formierendes selbstreplizierend einfaches organisches Molekül geben. Das müsste sich ja simulieren lassen.
Na ja, wenn man Richard Dawkins, Replikatoren nimmt, dann müsste es ja ein sich spontan formierendes selbstreplizierend einfaches organisches Molekül geben. Das müsste sich ja simulieren lassen.
Das ist eine der zahlreichen Möglichkeiten. Aber Selbstreplikation war ja ein Ergebnis dieser Prozesse, nicht der Beginn. Demnach können die zugrundeliegenden Mechanismen zunächst auch ganz anders gewesen sein.
Da weiss auch Dawkins nicht mehr als andere.
Nein, das basiert auf der Evolution, die wir beobachten und nachweisen können.
Du hast sein Buch vom 'Das egoistischen Gen' gelesen, oder? Dort beginnt alles mit den Replikatoren, die spontan entstehen und sich selbst vervielfältigen. Es sind diese Replikatoren, um die es laut Dawkins im Kern geht. Und nichts von dieser These lässt sich beobachten oder nachweisen. Sie klingt plausibel, aber sie ist nicht nachweisbar.
Du hast sein Buch vom 'Das egoistischen Gen' gelesen, oder? Dort beginnt alles mit den Replikatoren, die spontan entstehen und sich selbst vervielfältigen. Es sind diese Replikatoren, um die es laut Dawkins im Kern geht.
Es geht ihm dabei trotzdem um die Mechanismen, die sich beobachten lassen. Wie genau der Beginn ausgesehen hat wissen wir nicht, aber aufgrund der vorhandenen Mechanismen können wir es als wahrscheinlich ansehen, dass es sich auch dabei um natürliche Prozesse handelte, die den bekannten Reaktionen gleichen.
Die Schlussfolgerung, die Gläubige hier gerne ziehen, lautet ja: "Wir wissen es nicht und wir können es uns auch nicht vorstellen - also muss es Gott gewesen sein!", was naturwissenschaftlich unsinnig ist.
Denn "Gott" erklärt nichts, es ist vielmehr die Weigerung, nach Erklärungen zu suchen.
"Wir wissen es nicht und wir können es uns auch nicht vorstellen - also muss es Gott gewesen sein!"
?? offensichtlich können wir es uns vorstellen und eine plausibel klingende Theorie entwickel. Tatsache ist, dass dies einfachste, sich selbst spontan bildende und replizierende chemischen Gebilde weder beobachtbar noch simulierbar sind, und eine statische Wahrscheinlichkeit von praktisch 0 haben.
Tatsache ist, dass dies einfachste, sich selbst spontan bildende und replizierende chemischen Gebilde weder beobachtbar noch simulierbar sind, und eine statische Wahrscheinlichkeit von praktisch 0 haben.
"Wir wissen es nicht" bedeutet eben das: Wir wissen es nicht genau. Deshalb können wir auch keine statistischen Wahrscheinlichkeiten angeben.
Denn diese Aussage: "Wir haben so was noch nie beobachtet, also hat es eine Wahrscheinlichkeit von 0!" ist ja genau das, was ich meinte. Denn an der Stelle versuchen Gläubigee ja, Gott ins Spiel zu bringen, weil das so ziemlich die einzige verbliebene Lücke ist, in die man Gott noch irgendwie hineinfummeln kann.
Nur: Wenn wir es nicht wissen, dann kann die Wahrscheinlichkeit unter den damaligen Voraussetzungen genau so gut 50% betragen haben. Oder 99%.
Wir. Wissen. Es. Nicht.
Wir wissen lediglich, dass es Leben auf der Welt gibt, und wir kennen grundlegende Mechanismen des Stoffwechssels, der Fortpflanzung und Entwicklung.
Und weil es Leben gibt, muss es auch irgendwie entstanden sein. Dazu haben wir immerhin Modelle, aber noch nichts, mit dem wir gesichert etwas herleiten könnten.
"Wir wissen es nicht" bedeutet eben das: Wir wissen es nicht genau. Deshalb können wir auch keine statistischen Wahrscheinlichkeiten angeben.
Wir wissen es nicht bedeutet nicht das wir es nicht genau wissen.
Wir wissen genug, um vereinfachte Modelle zu erstellen. Wir wissen, dass und wie sich spontan Aminosäuren bilden und wie schnell diese wieder zerfallen. Wir wissen, dass sich diese einfachen Aminosäuren zu Photoproteinen zusammenfügen können und wie schnell diese wieder zerfallen. Wir wissen genug über Reaktions- und Bindungsenthalpie, um zu wissen, bei welchen Bedingungen dies wie abläuft. Wir können deshalb sagen, dass in nasschemischen Prozessen solche sich selbst replizierenden Grundbausteine, statistisch gesehen, nicht entstehen können.
Um die Entstehung solcher selbstreplizierenden Grundbausteine erklären zu können, müssten wir einen oder mehrere bis dato nicht entdeckten chemischen Prozess finden.
Wir wissen es nicht bedeutet nicht das wir es nicht genau wissen.
Wir wissen genug, um vereinfachte Modelle zu erstellen.
Jein. Wir können zwar vereinfachte Modell erstellen - so lange dabei aber kein eindeutiger Weg herauskommt, der die Entstehung von Leben nachvollziehbar herleiten kann, wissen wir nicht, ob dieses Modell tatsächlich irgendetwas mit der Entstehung des Lebens zu tun hat.
Wir wissen, dass und wie sich spontan Aminosäuren bilden und wie schnell diese wieder zerfallen. Wir wissen, dass sich diese einfachen Aminosäuren zu Photoproteinen zusammenfügen können und wie schnell diese wieder zerfallen. Wir wissen genug über Reaktions- und Bindungsenthalpie, um zu wissen, bei welchen Bedingungen dies wie abläuft.
Für all das kennen wir nur Beispiele, die meisten davon unter Bedingungen, wie sie heute vorherrschen. Wir wissen aber nicht, in welchem Millieu das Leben entstanden ist. Ebenso wenig kennen wir auch nur eine einzige Zwischenstufe auf dem Weg dorthin.
Ob also tatsächlich Proteine die ersten Bausteine waren, aus denen Leben entstand, oder ob es nicht zuvor andere Moleküle waren, die zu einem späteren Zeitpunkt die Entstehung von Proteinen ermöglichten... das wissen wir eben nicht.
Wir wissen, dass das Leben entstanden ist. Und wir kennen einige Prozesse, die auf die Entstehung von Leben hindeuten könnten.
Mehr nicht.
Das ist aber auch Spekulation "können wir es als wahrscheinlich ansehen, dass es sich auch dabei um natürliche Prozesse handelte, die den bekannten Reaktionen gleichen". Das Entstehen von Etwas ist etwas anderes, als die Entwicklung von etwas Bestehenden.
Um eine Auto zu Erfinden und zu Bauen braucht es ungleich mehr, als es zu Unterhalten.
Jetzt unabhängig der Gottesfrage, warum will man immer alles unbedingt auf die sichtbare Materie zusammen Schustern? Gefühlt scheint man die Möglichkeit anderer Ebenen der Schöpfung grundsätzlich nicht so wollen.
Warum sollte es nur dieses Materielle Universum geben? Warum nicht mehr? Warum überhaupt was? Hier Dinge ausklammern welche sich der Naturwissenschaften entziehen weil sie nicht innerhalb dieser Materie stattfinden würden, da wäre mehr Offenheit angebracht.
Es geht mir hier nicht um konkret die Christliche Vorstellung. Vielmehr das es keinerlei logische Begrenzung geben muss das es noch was anderes, als das natürlich greifbare was uns unmittelbar umgibt, gibt.
Jetzt unabhängig der Gottesfrage, warum will man immer alles unbedingt auf die sichtbare Materie zusammen Schustern? Gefühlt scheint man die Möglichkeit anderer Ebenen der Schöpfung grundsätzlich nicht so wollen.
Wir sind hier ja im Forum "Wissenschaft", und in der Wissenschaft geht es um plausible Herleitungen und Begründungen.
Gott als Ursache anzunehmen wirft dabei zwei Fragen auf, die beide diese Annahme ausschließen:
1. Was genau verstehen wir hier unter "Gott" im wissenschaftlichen Sinn?
und
2. Was genau ist die Ursache für die Existenz Gottes?
Denn wer hier mit der "Komplexität" der Entstehung des Lebens argumentiert, der müsste entweder die Herkunft von etwas noch viel Komplexerem (nämlich Gott) erklären - oder aber zumindest nachweisen, dass Gott tatsächlich existiert.
Andernfalls ergibt es keinen Sinn, einen komplexen Vorgang mit etwas noch Komplexerem erklären zu wollen.