Augenblick vs Jenseits für Christen
Hallo,
ich überlege mir schon länger, ob Christen ihr Leben vielleicht zu sehr auf das „Danach“ ausrichten als auf das „Jetzt“. Also ob Christen das Leben so leben, als wäre es nur wichtig, in den Himmel zu kommen und als müsse man das Jetzt eben solange in Kauf nehmen, bis man da ist.
Das ist mir nicht selbst aufgefallen, sondern war ein Vorwurf oder eine Feststellung meines Sohnes.
Seht ihr das auch so?
Die Behauptung an sich ist ja nicht weit hergeholt, es finden sich genügend Stellen dazu in der Bibel. Aber leben wir tatsächlich so? Und wenn ja, gehört das so? Oder ist das eine Falle, in die wir treten und wir verpassen das eigentliche Ziel, nämlich zu leben?
Nachdenkliche Grüsse, mit der Bitte um Mithilfe beim Denken…
Stern
@stern Ich kann schon sehr gut nachvollziehen, warum so gedacht wird (klar, der Himmel ist ja auch unser Ziel, unsere ersehnte endgültige Heimat), aber in meinem Umfeld, auch unter Christen, erlebe ich das persönlich sehr ausgeglichen; viele sind dennoch auch gut im "Hier & Jetzt" verwurzelt....
Vielen Dank für die Frage. Es ist eine Frage, die die meisten Menschen beschäftigt. Ob bewusst oder unbewusst. Was ich ermutigendes dazu sagen möchte, ist folgendes. Ich habe eine sehr eindrückliche Beerdigung erlebt. Die Anwesenden, ich denke die wenigsten hatten einen Bezug zu Gott, aber ich will ihnen nichts unterstellen, waren dermassen fasziniert vom Pfarrer. Sie haben ihm sehr konzentriert uns interessiert zugehört. Es war übrigens gar kein richtiger Pfarrer, es war ein junger gemütlicher Typ, der einen guten Bezug zu Gott hat. Nun, was hat er uns mitgegeben. Er sprach davon, dass Gott eine Einladung und ein Geschenk ist und nicht irgendwie Nötigung, und dass der Tod zum Leben dazugehört, beziehungsmässig das Leben ein Bestandteil der Ewigkeit ist. Er hat sich auf die Bibel bezogen, aber ich weiss die Bibelstelle nicht mehr. Ich müsste bei ihm nachfragen, wir treffen uns regelmässig.
@stern Das Jenseits ist doch mit dem Diesseits verbunden. Wenn ich mich auf das Jenseits ausrichte, geht es mir doch auch im Hier und Jetzt gut. Dann kann ich das Hier und Jetzt überhaupt erst wahrnehmen und bin nicht ständig mit meinem Kopf bei Zukunftsängsten oder beim Kultivieren von Groll und Ärger.
Dann kann ich das Hier und Jetzt überhaupt erst wahrnehmen und bin nicht ständig mit meinem Kopf bei Zukunftsängsten oder beim Kultivieren von Groll und Ärger.
Ich denke, das ist der beste Umgang damit.
@mariposa22 Wie meinst Du das denn? Egal, wie sehr ich mich auf das Jenseits freue/sämtliche positiven Erwartungen darauf projiziere, die Gefahr im Diesseits arbeitslos, obdachlos oder schwer krank zu werden bleibt doch. Die lässt sich doch (zumindest nicht dauerhaft) ausblenden/ignorieren.
Wie meinst Du das denn? Egal, wie sehr ich mich auf das Jenseits freue/sämtliche positiven Erwartungen darauf projiziere, die Gefahr im Diesseits arbeitslos, obdachlos oder schwer krank zu werden bleibt doch. Die lässt sich doch (zumindest nicht dauerhaft) ausblenden/ignorieren.
ich überlege mir schon länger, ob Christen ihr Leben vielleicht zu sehr auf das „Danach“ ausrichten als auf das „Jetzt“.
Bei mir ist es so, dass ich persönlich (mit meiner Persönlichkeit und Geschichte, meinem Charakter u.s.w.) eine am Christsein orientierte Lebensweise für die bestmögliche halte. Ich mache dies nicht davon abhängig, ob und wie ich im Jenseits für meinen Glauben belohnt werde, sondern bin davon überzeugt, bereits für die Gegenwart die beste Wahl getroffen zu haben.
Oder welcher Lebensstil sollte denn ein besserer sein und warum? Woran würde sich dieser orientieren? Hat jemand einen Vorschlag? Welche Lebensbereiche könnten bei einem (zu) christlichen Lebensstil zu kurz kommen? Landen wir da am Schluss einmal mehr - einzig und alleine - beim Thema Sexualität?
Oder welcher Lebensstil sollte denn ein besserer sein und warum?
Das ist eine gute Frage… puh…ich weiss gar nicht mehr so recht wie das früher war…und vor allem: würde ich wirklich anders leben, wenn ich mich nicht vor einem Gott verantworten müsste? Würde mein Moralpegel sinken? Oder gar steigen?…weil ich ja plötzlich nur mir selbst Rechenschaft und meinem Nächsten schuldig wäre? Oder gar gleich bleiben 🤔…
Ehrlich gesagt, ich glaube, ich kann das gar nicht mehr ohne den Hinblick auf ein Leben danach sehen, ohne das zu verknüpfen…
Bei mir ist es so, dass ich persönlich (mit meiner Persönlichkeit und Geschichte, meinem Charakter u.s.w.) eine am Christsein orientierte Lebensweise für die bestmögliche halte. Ich mache dies nicht davon abhängig, ob und wie ich im Jenseits für meinen Glauben belohnt werde, sondern bin davon überzeugt, bereits für die Gegenwart die beste Wahl getroffen zu haben.
Da kann ich dir nur voll und ganz zustimmen. Und ich bin überzeugt, dass immer noch die meisten Menschen im Grunde ihres Wesens eine ganz ähnliche, zumindest vergleichbare innere Haltung haben und eine entsprechende Lebensweise anstreben.
Vielleicht, weil "Christsein" in unserem Lebensumfeld über Jahrhunderte die dominierende Lebensrichtung war, was bis heute wirkt und dem man sich nur schwer entziehen kann - auch, wenn einen ansonsten mit "Christsein" wenig verbindet.
Vielleicht auch deshalb, weil eine "am Christsein orientierte Lebensweise" nicht nur typisch ist für Christen, sondern weil "christliche Werte" bzw. ähnliche "ethische Werte", "kulturelle Werte" oder "humanistische Werte" von allen großen Religionen in vergleichbarer Form als Lebenshaltung verkündet bzw. als "menschliches Ideal" angestrebt werden.
ich überlege mir schon länger, ob Christen ihr Leben vielleicht zu sehr auf das „Danach“ ausrichten als auf das „Jetzt“. Also ob Christen das Leben so leben, als wäre es nur wichtig, in den Himmel zu kommen und als müsse man das Jetzt eben solange in Kauf nehmen, bis man da ist.
Ja, ich kenne Christen, die so leben. Das ist dann deren Entscheidung, deren Ziel.
Auf jeden Fall sehr ehrenwert und zu achten - aber meines Erachtens etwas (zu) einseitig.
Ich halte es eher mit dem Leitspruch:
Als Christ steuere ich auf ein Ziel zu (auf das "Danach"), muss mich aber im "Hier und Jetzt" (also heute) bewähren.
Und letzteres gelingt nur, wenn ich das "Hier und Jetzt" mit der gleichen Intensität lebe, wie ich das "Danach" anstrebe.
Und letzteres gelingt nur, wenn ich das "Hier und Jetzt" mit der gleichen Intensität lebe, wie ich das "Danach" anstrebe.
Ohne dieses Ziel ist das Leben halt …ziellos…. egal wie intensiv ich es lebe…
Und mit dem Ziel (und dem Wunsch es zu erreichen) ist es dann egal, wie intensiv ich das Leben lebe. Eigentlich spielt das keine Rolle mEn.
Obwohl mir dein Spruch gefällt. 🙂
@stern
Ja, ich hätte auch schreiben können:
Als Christ steuere ich auf ein Ziel zu (auf das "Danach"), darf mich aber im "Hier und Jetzt" (also heute) bewähren.
Aber ich sehe die Formulierung eher als nebensächlich an. Denn jeder Mensch muss sich im Alltag bewähren, jeder Mensch ist im "Hier und Jetzt" gefordert. Manche halt mehr - andere weniger.
Und die Art und Weise, wie wir unseren Alltag leben (oder soll ich schreiben: "meistern"?) ist auch ein Schaufenster für unsere Umwelt, also unsere Mitmenschen, die darin etwas aus unserem Glauben und der dadurch geprägten Lebensweise. als Christen sehen können.
Und deshalb dürfen (sollen?) wir gern etwas Energie in unseren Lebensalltag hineinpacken, so lange wir die Kraft und den inneren Antrieb dazu haben. Das verstehe ich unter "intensiv leben".
LiGrü
Dschordsch
Und die Art und Weise, wie wir unseren Alltag leben (oder soll ich schreiben: "meistern"?) ist auch ein Schaufenster für unsere Umwelt, also unsere Mitmenschen, die darin etwas aus unserem Glauben und der dadurch geprägten Lebensweise. als Christen sehen können.
Ja, das stimmt! Es muss/soll durchscheinen…🙂
Dass sich gläubige Christen überwiegend sozusagen himmelstauglich Verhalten, wage ich zu bezweifeln. Aber viele reden so.
Dass sich gläubige Christen überwiegend sozusagen himmelstauglich Verhalten, wage ich zu bezweifeln
Ich meinte auch eher ein Leben leben, dass sich bewusst ist, dass das alles hier „nur“ ein Ort der Durchreise ist, ohne weitere Bedeutung für die Ewigkeit…ich meinte weniger, dass es perfekt oder heilig sein muss.
Veröffentlicht von: @sternDass sich gläubige Christen überwiegend sozusagen himmelstauglich Verhalten, wage ich zu bezweifeln
Ich meinte auch eher ein Leben leben, dass sich bewusst ist, dass das alles hier „nur“ ein Ort der Durchreise ist, ohne weitere Bedeutung für die Ewigkeit…ich meinte weniger, dass es perfekt oder heilig sein muss.
Es geht nicht um 'perfekt oder heilig'.
Aber natürlich wär's schön, wenn irgendwas von der Verbindung nach oben auf irgendeine Weise 'durchscheinen' würde.
Wenn Christen im Familienkreis komplett zerstritten sind, hilft's nicht viel, von Frieden für die Welt oder Versöhnung in Christus zu erzählen.
Das selbe gilt für Gemeinden - wenn der örtliche Fußballverein einen besseren Umgang untereinander pflegt, ist es eben auch ein Zeugnis, wenn auch kein gutes.
Ich möchte übrigens nicht falsch verstanden werden - ich bin sehr gerne gläubig.
Aber ich hab's halt auch schon beobachtet und selber erlebt, dass im frommen Bereich sehr viel Porzellan zerdeppert wurde.
Das kann und darf man einfach nicht ignorieren und/oder verschweigen.
@chai Ich hab auch ein paar Fälle, wo das zutraf. Ich erinnere mich an eine Frau, die sich völlig unsicher war, ob sie sich scheiden lassen sollte. die Entscheidung wurde ihr abgenommen, weil er die Scheidung einreichte.
Er trat aus der Gemeinde aus und ward nicht mehr gesehen. Sie blieb, in der Hoffnung dort Hilfe zu bekommen. War aber auch nix. niemand aus der Gemeinde hatte gefragt, wie es dazu gekommen ist. Das einzige Thema der Leute war, dass sie ja wohl wüsste, was Gott von ihr erwarte.