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Bonhoeffer - Zitat

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AWHler
 AWHler
Themenstarter
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Ein neuer Thread ... eingeleitet mit einer kleinen Tagebuch-Notiz:

"Hast Du die auch alle gelesen?" fragt unsere Enkelin Anna (gerade in die 2. Grundschul-Klasse gekommen), wenn sie sich in meinem Zimmer umschaut und vor den Regalen mit den vielen Büchern steht. "Nun ja, sage ich, Viele davon ... Andere nur zum Teil ... je nachdem"!" Tatsächlich habe ich in den Monaten vor unserem Aus- und Umzug kistenweise Bücher weggegeben. Aber immer noch sind die Regale voll bis zur Decke. --- In diesen Augusttagen kommt mir ein Buch in die Hand, dass ich vor fast 40 Jahren gekauft habe - und nie richtig und ganz gelesen habe: Die Dietrich-Bonhoeffer-Biografie von Eberhard Bethge (1044 Seiten), ein Standard-Werk über ihn bis heute ... Ich fange an, es zu lesen, und bin gebannt. In ein paar Wochen möchte ich Anna das Buch zeigen und sagen: "Guck mal, DAS hat der Opi nun tatsächlich auch gelesen!"

....

Heute las ich von ihm: „Die Sünde zu vermeiden kann die größte Schuld sein.“

Es ging ihm - in der ihn quälenden Frage, ob er sich als Christ (in Übertretung des 5. Gebots nach Luther) am Attentat auf Hitler beteiligen soll - um das Dilemma, dass man in bestimmten Situationen nicht mehr einfach zwischen Schuld und Unschuld entscheiden kann, sondern eine Entscheidung treffen muss, was - in Abwägung - das geringere Schuldigwerden bedeutet - im Vertrauen auf die Vergebung und Gnade Gottes!

Was meint Ihr dazu? - Ich denke und empfinde, dass er Recht hat.

L'Chaim

 

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Maria
 Maria
Beiträge : 1277

@awhler

Heute las ich von ihm: „Die Sünde zu vermeiden kann die größte Schuld sein.“

Es ging ihm - in der ihn quälenden Frage, ob er sich als Christ (in Übertretung des 5. Gebots nach Luther) am Attentat auf Hitler beteiligen soll - um das Dilemma, dass man in bestimmten Situationen nicht mehr einfach zwischen Schuld und Unschuld entscheiden kann, sondern eine Entscheidung treffen muss, was - in Abwägung - das geringere Schuldigwerden bedeutet - im Vertrauen auf die Vergebung und Gnade Gottes!

Was meint Ihr dazu? - Ich denke und empfinde, dass er Recht hat.

Eine solche Entscheidung treffen zu müssen, wünscht man wirklich niemandem, und es wird sicherlich auch kein einfaches Richtig oder Falsch geben.

Vor kurzem habe ich die Autobiografie von Corrie ten Boom gelesen. Sie musste sich auch in der Nazizeit mit solchen Fragen auseinandersetzen. Z.B. erzählt sie, wie sie das erste Mal in ihrem Leben log, um die Juden zu retten, die sie versteckt hatte, in der Befürchtung, dass ihr Mund und ihre Zunge verbrannt würden. Oder sie wurde gebeten, jemanden zu besorgen, der einen Spitzel bei der Polizei töten sollte. Die Antwort, die sie dort gab, entspricht auch meiner Einstellung: "Ich setze mich für das Leben ein, nicht für das Töten." Mir ist der Gedanke wichtig, dass auch ein Tyrann ein Mensch ist, der umkehren kann und geheilt werden kann. Wer bin ich, dass ich die Wege Gottes mit diesem Menschen abbrechen dürfte? Aber wer weiß, wie ich mich in einer Extremsituation entscheide....

"Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein." 

maria antworten


AWHler
 AWHler
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Sonntagmorgen .... Gottesdienste: Ein Ort und ein Raum, um sich immer wieder auf's Neue - zwischen den Wochen -  "zu verorten" mit dem eigenen Ich und dem eigenen Leben VOR GOTT- was immer wir mitbringen an persönlichen Befindlichkeiten in den Gottesdienstraum und ins "Wir" der Gemeinde.

Wie schon angedeutet, beschäftigt und bewegt mich Bonhoeffer zur Zeit sehr - und ich möchte ff. gerne weitere Zitate oder Passagen hier "zur Resonanz" stellen.

Heute folgende Zeilen, die mir beim Lesen vor ein paar Tagen, das Herz berührt und meine Augen feucht gemacht haben.

Ich poste nicht den ganzen Text (den findet Ihr im Netz leicht unter > Bonhoeffer "Wer bin ich" < ) mit den Zeilen, wo er sich 1944 in seiner Gefängniszelle erlebt, sondern nur die Sätze DIE MICH zutiefst berührt haben.

Sie haben wohl etwas Grundsätzliches, das über Bonhoeffers dramatische Situation zum Ende hin hinausgeht ... und vielleicht berühren die Sätze auch hier den ein oder anderen.

L'Chaim

........................................

Wer bin ich?

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?

Oder bin ich nur das, was ich selber von mir weiß?

Müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,

Wer bin ich? Der oder jener?

Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?
Bin ich beides zugleich?

Vor Menschen ein Heuchler
und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?

Wer bin ich?

Einsames Fragen treibt mit mir Spott.

Wer ich auch bin,

Du kennst mich,

Dein bin ich, o Gott!

Dietrich Bonhoeffer
(1944)

.........................

awhler antworten
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Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 4814
Veröffentlicht von: @awhler

........................................

Wer bin ich?

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?

Oder bin ich nur das, was ich selber von mir weiß?

Müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,

Wer bin ich? Der oder jener?

Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?
Bin ich beides zugleich?

Vor Menschen ein Heuchler
und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?

Wer bin ich?

Einsames Fragen treibt mit mir Spott.

Wer ich auch bin,

Du kennst mich,

Dein bin ich, o Gott!

Dietrich Bonhoeffer
(1944)

.........................

Dieser Text kam mit auch in den Sinn, aber ich hätte ihn erst suchen müssen. 😊 

chai antworten
Chai
 Chai
Beiträge : 4814
Veröffentlicht von: @awhler

Verbunden auch mit der grundsätzlichen frage, was Ihr - der ein oder die andere - mit Bonhoeffer auf Eurem eigenen Glaubensweg und in Eurem Glauben verbindet oder bis dato verbunden habt. 

Es gibt diesen Klassiker 'Von guten Mächten ...'
Da sortiere ich gerade gedanklich die vielen Situationen, in denen mir dieser Text und diese Melodie schon begegnet sind und in denen sie mich begleitet haben. 

chai antworten
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AWHler
 AWHler
(@awhler)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 2297
Veröffentlicht von: @chai

Es gibt diesen Klassiker 'Von guten Mächten ...'
Da sortiere ich gerade gedanklich die vielen Situationen, in denen mir dieser Text und diese Melodie schon begegnet sind und in denen sie mich begleitet haben. 

Ja, "Von guten Mächten"  - EG 652 (Fietz-Melodie) -  ist wirklich ein Lied, das auch über die "gemeindlichen Binnenwahrnehmungen" hinaus vielen Menschen bekannt ist. Immer mal wieder bei Trauerfeiern (auch im volkskirchlich Kontext) gewünscht und gesungen.

Es berührt etwas und bringt ein Bedürfnis zum Klingen, spricht eine Sehnsucht  nach Schutz, Bewahrung & metaphysischem Trost an - sogar bei Menschen, die ansonsten nicht besonders mit dem christlichen Glauben unterwegs sind ...

Immer wieder hab ich allerdings erst den Hintergrund des Liedes (Bonhoeffers Schicksal und Situation) erklären müssen ... und die Strophe 3 (mit dem "bitteren Kelch") wirkte dann doch schon wieder etwas abschreckend.

L'Chaim

awhler antworten
AWHler
 AWHler
(@awhler)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 2297

Weiter mit Bonhoeffer ... ich lese unermüdet und weiter motiviert die große Betghe-Biografie  ... und lasse mich mit hinein nehmen in den Lebens- und Glaubensweg dieses Mannes.

Dabei wird einem schon früh bewusst, wie aufnahmefähig und lernbereit Bonhoeffer von Anfang an als Christ gewesen ist ... und dementsprechend ist er auch durch verschiedene Lebensphasen gegangen, hat sich theologisch und mit seinem Christsein weiterentwickelt ...

Das macht ihn vielleicht für Viele auch ein bisschen ungreifbar, denn er lässt sich nicht einfach "in eine Schublade" stecken.

Jedenfalls geht es nicht an, den "frühen" gegen den "späten", den "frommen" gegen den "religionslosen", den "konservatiben" gegen den "revolutionären" Bonhoeffer auszuspielen oder umgekehrt, wie es Im Vorwort zu einem "Lesebuch" mit Texten von ihm heißt.

Wenn dieser Thread hier ein Anstoß ist, sich erstmalig oder erneut mit D.B. zu beschäftigen, wäre das prima und definitiv lohnenswert 🙂

L'Chaim

awhler antworten
Tojak
 Tojak
(@tojak)
Beigetreten : Vor 14 Jahren

Beiträge : 655
Veröffentlicht von: @awhler

Dabei wird einem schon früh bewusst, wie aufnahmefähig und lernbereit Bonhoeffer von Anfang an als Christ gewesen ist ... und dementsprechend ist er auch durch verschiedene Lebensphasen gegangen, hat sich theologisch und mit seinem Christsein weiterentwickelt ...

Das macht ihn vielleicht für Viele auch ein bisschen ungreifbar, denn er lässt sich nicht einfach "in eine Schublade" stecken.

Jedenfalls geht es nicht an, den "frühen" gegen den "späten", den "frommen" gegen den "religionslosen", den "konservatiben" gegen den "revolutionären" Bonhoeffer auszuspielen oder umgekehrt, wie es Im Vorwort zu einem "Lesebuch" mit Texten von ihm heißt.

Da sagst du was! Ich bin auf Bonhoeffers "Widerstand und Ergebung" (WuE) gestoßen, als ich mit Kirche und Theologie gerade innerlich abgeschlossen hatte. Meine Eindruck war, das die Theologie ihre eigene Wirklichkeit definiert und die Ergebnisse moderner Naturwissenschaft ignoriert, weil es sonst an ihre eigenen Grundfesten geht. Das war nichts für mich. 

Bonhoeffer hat mich da im Spiel, in der Kirche gehalten, weil er es gewagt hat, den Elefanten im Raum zu benennen. Ich habe dann in einem Bonhoeffer-Arbeitskreis an der Uni mitgemacht, wo wir WuE gelesen und darüber diskutiert haben.

Später habe ich die "Nachfolge" von Bonhoeffer gelesen und war sehr irritiert, weil mir da ein ganz anderer Ton, ein ganz anderes Denken entgegenschlug. Mit wurde aber auch klar, dass der spätere Bonhoeffer (WuE) ohne den früheren (Nachfolge) nicht denkbar ist.

WuE habe ich immer noch, mit vielen markierten Stellen. Neulich habe ich die alte Ausgabe, die schon zerfiel, durch ein neue ersetzt, und lese immer einmal wieder darin.

Viele Grüße

Thomas

tojak antworten
AWHler
 AWHler
(@awhler)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 2297

@tojak 

Hey ... DANKE sehr für diese so konkrete und persönliche Rückmeldung! 🙂

L'Chaim

awhler antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 4814

@awhler Auch mit einem Hintergrundwissen kann (vermutlich) jedes diesen Text mit einer eigenen Geschichte füllen.

chai antworten
neubaugoere
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 19188

@chai 

Da hatte meine Oma (die einzig Gläubige in meiner Familie) diesen Vers in "Schönschrift" in einem Bilderrahmen an der Wand. Den hab ich geerbt (ich wollte den haben). Der begleitet mich quasi schon immer ... Zeit meines Lebens ...

neubaugoere antworten


neubaugoere
Beiträge : 19188

@awhler 

Ich hab einen Bonhoeffer-Kalender in meinem Flur ... ich verwende ihn einfach immer wieder seit ein paar Jahren ... und immer, wenn mich Menschen besuchen, lesen sie, was er dachte oder sagte ... 🙂 ... "umrahmt" von schönen Bildern.

*dran denken muss, den auf meine Wunschlisten zu setzen, der ist jedes Jahr immer wieder toll

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neubaugoere
Beiträge : 19188

@awhler

Ein Gedanke von ihm, der mir aus diesem Kalender sofort ins Herz gegangen ist, ist:

"Dankbarkeit sucht über der Gabe den Geber."

Der Kalender ist von 2020, habe ich gerade herausgefunden. 

Ebenso begleitet mich dieser Gedanke durch mein Leben und regt immer wieder zum Nachdenken und Prüfen wie auch zur Demut an:

"Widerstandskraft - Ich glaube, dass uns Gott in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt es nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein."

neubaugoere antworten
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AWHler
 AWHler
(@awhler)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 2297

@neubaugoere 

Der Text bzgl. "Widerstandskraft" ist wirklich tröstlich und deckt sich - Gott sei Dank - immer wieder auch mit der eigenen Erfahrung. Denn wie oft meint man: "Das schaffe ich nicht! Da bin ich nicht stark genug! Das wird mir den Stecker ziehen!" ... und dann hat man die Kraft.

Der gleiche Text beginnt übrigens (EG 813) mit: Ich glaube, dass Gott AUS ALLEM, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will." Ich selbst verstehe "das Böse" dabei nicht nur als Widerfahrnis von außen, sondern auch dahingehend, dass man selber Böses getan hat, schuldig geworden ist, bestimmte Weichenstellungen nicht mehr reparieren kann - aber dass Gott in seiner Barmherzigkeit, nach dem eigenen Schuldig-Werden, in seiner Vergebung und Gnade die weitere Zukunft nicht verbaut und verdunkelt sein lässt - sondern sie noch einmal segnet.

L'Chaim

 

awhler antworten
neubaugoere
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 19188

@awhler 

Interessant. Ich schaue bei dem Vers eher auf "damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern auf ihn verlassen". Das ist für mich Glaube. Gelebter Glaube. Und es ist schwer, gar keine Frage. Oft genug richtig schwer, selbst loszulassen und Gott zu vertrauen. Wie oft wollen wir immer selbst Probleme lösen ... wie oft re-agieren wir auf Not ... statt zuerst zu Ihm zu rennen ... (als Beispiel)

Ja, tröstlich und ermutigend sogar ... ein werbender Gott - fällt mir da ein ... Vertrau mir! Ich habe alles in der Hand.

neubaugoere antworten


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