Christliche Meditationspraxis und allezeit beten- Erfahrungen?
Guten Morgen,
ich habe das mal zusammen in einen Topf geworfen- beten und meditieren.
Vielleicht sollte man das nicht, weil in der Bibel sowas wie Meditation nicht zu finden ist. Aber die Gebetsrituale und Gebetspraxis der christlichen Orden oder auch christliche Mystiker haben ja durchaus geistliche Übungen hervorgebracht und auch verbreitet, die der Meditation zT näher stehen als dem Gebet. Insofern denke ich, ist das ok.
Eine christliche Meditation: darunter verstehe ich ein bewusstes sich leer machen und warten auf Gott.
Allezeit beten: darunter verstehe ich eine bewusste gedankliche und emotionale Ausrichtung auf Gott so oft es mein Alltag zulässt bzw. während des Alltags.
Wie handhabt ihr das? Wann und wie richtet ihr euch aus oder ist das eher gar nicht notwendig, was meint ihr dazu?
👋🏻 Stern
Veröffentlicht von: @sternEine christliche Meditation: darunter verstehe ich ein bewusstes sich leer machen und warten auf Gott.
Ich scheitere schon am 'bewussten Leermachen'
Allezeit beten: darunter verstehe ich eine bewusste gedankliche und emotionale Ausrichtung auf Gott so oft es mein Alltag zulässt bzw. während des Alltags.
Wenn ich davon ausgehe, dass Gott immer da ist, kann ich auch jederzeit mit ihm reden.
Wenn ich davon ausgehe, dass Gott immer da ist, kann ich auch jederzeit mit ihm reden.
Ja.
Manchmal bin ich aber dermassen in einem Gedankenkarussel gefangen, dass von meiner Seite aus kein Reden möglich ist sondern nur ein herunterleiern der immer gleichen Gedanken. Das hat dann sehr wenig mit Gott zu tun.
Du kannst Gott doch genau diese Gedanken hinlegen
Ja, das tue ich dann meist auch irgendwann - und dann ist auch gut.
Aber oft dauert es
- bis ich erkenne, dass ich auf dem Gedankenkarussel sitze
- bis mir einfällt, dass ich mich damit an ihn wenden kann
Das sind noch keine Automatismen bei mir.
Hier der Text für alle, weil es mir so gut gefallen hat. Das trifft es wirklich gut.
Hinter meiner Mauer
Gehts mir heut nicht gut
Woher kommt die Trauer
Woher all die Wut?
Wie viel kann ich tragen?
Weiß ich wer ich bin?
Führen meine Fragen
Schließlich zu dir hin?Vater du siehst in mich hinein
Mir bleibt nichts als ehrlich zu sein
Ich hab heut keine Lust zu beten
Können wir nicht einfach reden?
Irgendwo...
Einfach so
Denn ich hab keine Lust zu beten
Doch ich brauch jemand zum Reden
Der versteht, zu mir stehtMach ich alles richtig?
Tu ich was ich kann?
Nehm ich mich zu wichtig?
Steh ich meinen Mann?
Es ist schwer zu lieben
Ausharr'n in Geduld
Soll ich kämpfen, siegen?
Ist es meine Schuld?Vater du siehst in mich hinein
Mir bleibt nichts als ehrlich zu sein
Ich hab heut keine Lust zu beten
Können wir nicht einfach reden?
Irgendwo...
Einfach so
Denn ich hab keine Lust zu beten
Doch ich brauch jemand zum Reden
Der versteht, zu mir steht
Ein Bild, das mir mal geholfen hat:
Wie steigt ein Hamster aus einem Hamsterrad aus? Er fixiert während des Rennens einen festen Punkt ausserhalb des Rades und springt beherzt hinaus.
Eine Hamsterbesitzerin hat mir das mal erklärt: der Hamster kann nicht langsamer im Rad laufen, da würde er über Kopf purzeln durch den Schwung des Rades. So ist es mit Sorgengedanken, die das Hamsterrad in Schwung gebracht haben. Sie können das Rad nicht verlangsamen. Raus springen auf einen ruhenden Pol zu.
Wie steigt ein Hamster aus einem Hamsterrad aus? Er fixiert während des Rennens einen festen Punkt ausserhalb des Rades und springt beherzt hinaus.
Genau!
Alles andere hilft nicht.
Ich übe das beherzte rausspringen…🤝🙂
@stern Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es schwer fällt, aus dem Gedankenkarussell auszusteigen, wenn man sich tief im Inneren etwas davon erhofft, z.B. eine tolle Idee. Oder wenn man umgekehrt befürchtet, dass man etwas verdrängen würde, wenn man seine Probleme nicht bis ins kleinste Detail analysiert.
Es ist hilfreich, sich ab und zu grundsätzlich mit dem Thema Grübelfalle und was einen hindert, auszusteigen, auseinander zu setzen. Wenn sich die Erkenntnis, dass Gottvertrauen mehr bringt als die vage Idee, man könnte seine Probleme durch Nachdenken lösen, erst einmal in einem durchgesetzt hat, fällt das Loslassen gar nicht mehr so schwer.
Es ist hilfreich, sich ab und zu grundsätzlich mit dem Thema Grübelfalle und was einen hindert, auszusteigen, auseinander zu setzen. Wenn sich die Erkenntnis, dass Gottvertrauen mehr bringt als die vage Idee, man könnte seine Probleme durch Nachdenken lösen, erst einmal in einem durchgesetzt hat, fällt das Loslassen gar nicht mehr so schwer.
Na, da hast du eine große Wahrheit gelassen ausgesprochen…ich falle nämlich immer wieder darauf rein, dass ich so denke.
Veröffentlicht von: @mariposa22@stern Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es schwer fällt, aus dem Gedankenkarussell auszusteigen, wenn man sich tief im Inneren etwas davon erhofft, z.B. eine tolle Idee. Oder wenn man umgekehrt befürchtet, dass man etwas verdrängen würde, wenn man seine Probleme nicht bis ins kleinste Detail analysiert.
Es ist hilfreich, sich ab und zu grundsätzlich mit dem Thema Grübelfalle und was einen hindert, auszusteigen, auseinander zu setzen. Wenn sich die Erkenntnis, dass Gottvertrauen mehr bringt als die vage Idee, man könnte seine Probleme durch Nachdenken lösen, erst einmal in einem durchgesetzt hat, fällt das Loslassen gar nicht mehr so schwer.
Das merk ich schon bei ganz kleinen Kleinigkeiten.
Wenn mir z.B. jemand begegnet und mich grüßt und ich grüße zurück und hinterher überlege ich, woher ich diese Person kenne. Da bastle ich mir dann einen Hintergrund zurecht, der zur Person passen könnte und komme oft genug nicht weiter. Und wenn es dann anfängt, mir egal zu werden (oder mich etwas anderes beschäftigt), fällt's mir oft genug plötzlich wieder ein.
Oder irgendwelche Text- oder Liedfrequenzen, die mir so in den Sinn kommen und die ich nicht zum ganzen Text zusammenbekomme - auch die sind auf einmal wieder da.
Wenn ich davon ausgehe, dass Gott immer da ist, kann ich auch jederzeit mit ihm reden.
Dass ich mit ihm rede, ist eigentlich nie ein Problem, dass er mit mir redet manchmal schon. Und da hilft die Meditation dann doch einiges.
Ich nehme mir keine sogenannte "stille Zeit" ... Das ist nicht meins (so strukturiert zu sein). Eine Freundin von mir kann das und braucht das so. Und das ist in Ordnung. So lerne ich auch, das stehenzulassen. Ich selbst bin aber nicht so (strukturiert).
In meinem Kopf ist's immer bunt, oft auch laut, chaotisch. Gedanken rollen hin und her, flitzen rundum und manchmal lassen sie sich nieder oder fliehen oder mehren sich ..... Ich brauche das Gespräch mit Gott, um zu ordnen. Er hilft mir, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen, mich zu konzentrieren/fokussieren und Unwichtiges eben auch sein zu lassen. Wann und wie? Immerzu ... Mir ist so präsent, dass Er immer bei mir ist, dass ich jederzeit eben auch mit Ihm rede ... ob laut mit Geschwistern oder in leise in Gedanken (wie im Alltag eben: ich will über die Straße, kommt ein Auto angeprescht, sieht mich offenbar nicht und überfährt mich fast, dass ich zurückschrecken muss. In Gedanken ein kurzes "Gespräch": Haste den gesehen? (Idiot! - Sorry) Was stimmt mit ihm nicht? Segne du ihn, ich kann grad nicht, vielleicht braucht er Deine Hilfe. <-- nur ein Beispiel)
In meiner ersten Gemeinde erhielt ich vom Pastor mal den Tipp, mich mitten in mein Zimmer zu setzen, alles Störende auszuschalten (Telefon, Klingel, Fernseher, Radio, Handy ...) und Gott zu bitten, mich zu segnen (ich geh hier nicht weg, es sei denn ...) und zu warten. - Es war spannend, was in meinem Kopf "passierte" ... Gedanken über Gedanken ... ein Dickicht an Gedanken, und ich schlug mich durch ... fokussiert auf "nich ablenken lassen, ich will das erleben" (ich war neugierig genug). Dann war ich durch und es war still. Still, richtig still in mir. Das war sensationell!!! Selten ist es so still. Nur in Seiner Gegenwart ist es so still und ich kann ausruhen und mich umärmeln und segnen lassen, aufatmen und sein ... 🙂 🥰
Was ich sagen oder aufzeigen will: ich (vielleicht auch andere) "muss" nicht extra den Alltag "wegräumen", um dann Gott zu suchen ... so will ich's mal sagen ... --> mit Gott gemeinsam erreiche ich die Stille ... Gott ist IN meinem Alltag. You know? Ich räume nicht Alltag weg, um zu Gott zu gehen/kommen, ich finde/habe Gott in meinem Alltag, weil Er mir in meinem Alltag hilft ...
Veröffentlicht von: @neubaugoereIch nehme mir keine sogenannte "stille Zeit" ... Das ist nicht meins (so strukturiert zu sein). Eine Freundin von mir kann das und braucht das so. Und das ist in Ordnung. So lerne ich auch, das stehenzulassen. Ich selbst bin aber nicht so (strukturiert).
So ähnlich kenn ich das auch.
Am Anfang hab ich's mit 'stiller Zeit' versucht - bin extra früh aufgestanden (noch früher als eh schon) und diese 'stille Zeit' wurde dann wirklich still. Ich bin nämlich eingeschlafen.
Meine derzeitige 'stille Zeit' sieht so aus, dass ich morgens, wenn mein Mann aus dem Haus ist, noch ein bissel liegenbleibe (was soll ich morgens um sechs schon aufstehen?) und mit dem lieben Gott plaudere und ihm erzähle, was mich grad so beschäftigt (als ob er das nicht eh schön wüsste). Und wenn mir zu viele Gedanken durch den Kopf schießen, bitte ich ihn manchmal, da ein bissel aufzuräumen (ist nicht meine Stärke). Und manchmal schlaf ich dabei ein und dann ist das auch ok.
Was ich sagen oder aufzeigen will: ich (vielleicht auch andere) "muss" nicht extra den Alltag "wegräumen", um dann Gott zu suchen ... so will ich's mal sagen ... --> mit Gott gemeinsam erreiche ich die Stille ... Gott ist IN meinem Alltag. You know? Ich räume nicht Alltag weg, um zu Gott zu gehen/kommen, ich finde/habe Gott in meinem Alltag, weil Er mir in meinem Alltag hilft ...
Genau. Der ist halt da.
Ich empfehle dir dazu mal ein Buch von Richard Forster: Nachfolge feiern.
Ich les gerade in der Leseprobe. Dabei fällt mir etwas ein und auf.
Beim Suchen des Bibelabschnittes bin ich gerade über die Übersetzung in der NeÜ hingekommen: ein dahinschwebendes Schweigen. Beeindruckende Übersetzung! Es trifft mein Erleben und auch eine Beschreibung der Profs in einem Study-Artikel über das hebr Wort an der Stelle.
NeÜ 1. Kö 19, 11 Da sagte Jahwe: „Geh hinaus und stell dich auf den Berg vor mich hin! Pass auf! Jahwe wird an dir vorübergehen.“ Da kam ein heftiger Sturm herauf, der Felsen aus den Bergen riss und vor Jahwe zerschmetterte. Doch Jahwe war nicht im Sturm. Nach dem Sturm bebte die Erde, aber Jahwe war nicht im Beben.
12 Nach dem Erdbeben ein Feuer, doch Jahwe war nicht im Feuer. Nach dem Feuer der Ton eines dahinschwebenden Schweigens.
Früher erwartete ich ein leichtes Windgeräusch aus den Übersetzungen Elb: der Ton eines leisen Wehens. und dann Luther17: ein stilles, sanftes Sausen.
Dann fiel im Betrieb einmal die Belüftungsanlage aus und das Geräusch des Gebläses war total weg. Es war richtig! still. Das, was manchmal als ohrenbetäubende Stille beschrieben wird. Wie man hört, hört man nichts....evtl den Puls in den Ohren.
Dann erlebte ich einmal abends Gottes Gegenwart näher kommen und die Haus- und Stadtgeräusche reduzierten sich auf Null. Ich war in diesem schwebenden Schweigen eingehüllt. Auch die Wahrnehmung von Zeit veränderte sich. Das ist sowas von krass.... fast unbeschreiblich. Ich bin richtig glücklich über diese Formulierung "dahinschwebendes Schweigen".
@deborah71 Die Stelle aus 1.Könige 19 mag ich sehr.
Egal, ob 'sanftes Sausen' oder anders übersetzt.
Es zeigt mir einfach, dass Gott nicht immer im Lauten, Auffälligen zu finden ist.
Da sagst du etwas sehr Wichtiges ... und ein schönes Wort in dem Zusammenhang für mich: "nicht im (...) Auffälligen zu finden" ... Bildersprache ist nicht jedermann's Sache ... das ist wie "oberflächlich" und ..... (eben nicht oberflächlich) ...
Viele Menschen sehen Gott nicht handeln, weil sie nach dem Auffälligen, nach dem Lauten schauen ... Danke für das schöne Wort.
Forster beschreibt, zwei Arten von christlichen "Disziplinen".
Auf der einen Seite die aktiven wie; Lobpreis, Gastfreundschaft, Grosszügigkeit usw.
Auf der anderen Seite die entbehrenden wie; Fasten, Stille, allein Sein, Genügsamkeit.
Gerade die entbehrenden "Disziplinen" und wie er an diese herangeht, haben mich und mein Leben geprägt.
Ja, aktiv und passiv ist eine gute Beobachtung. In dem einen Fall ist man gebend und in dem anderen nehmend..
Auch auf die Realität lässt sich dieser Gedanke anwenden…in dem einen Fall kann man sie mit Gott aktiv gestalten und in dem anderen Fall lernt man sie passiv anzunehmen so wie sie ist…und in beidem lässt sich Gott finden.
Zu dem Thema möchte ich nur kurz schreiben, dass ich wegen Unruhe durch oft bellenden Hund im Haus oft nicht zu einem Gebet komme, wo man in Ruhe auf Gott wartet. Ich nenne meine Gebete am Tag, laut oder leise auch nur Gebet und nie Meditation, weil mir das Wirt unüblich ist.
LG
Ich nenne meine Gebete am Tag, laut oder leise auch nur Gebet und nie Meditation, weil mir das Wirt unüblich ist.
Ich meinte mit Meditation auch nicht Gebet. Das sind für mich zwei verschiedene Dinge.
Eine Gebet sind formulierte Gedanken oder Bitten von meiner Seite aus an Gott, eine Meditation wartet eher auf eine Eingebung/Gedanken/Offenbarung von Gott.