Entweder oder - es gibt nur die zwei Möglichkeiten, oder?
Einen wunderschönen guten Morgen an alle am vermutlich letzten heissen Tag in diesem Sommer,
eigentlich ist das doch mit Gott ganz einfach, oder?
Es gibt Gott und sein Reich und es gibt den „Widersacher, Ankläger, Feind“/Satan kurz gesagt (danke an Arcangel an dieser Stelle für die Erinnerung an die Wortherkunft)…und man positioniert sich entweder in Gottes Reich (Jesus hat allen dazu die Möglichkeit eröffnet) oder man bleibt ausserhalb, weil man
-nicht an Gott glaubt
-zwar an ihn glaubt, aber ihn hasst (ist mir auch schon passiert)
-eben zur Fraktion der Ankläger gehört, die in Opposition zu Gott stehen (ich sehe Anklage hier in Bezug auf Gott nicht in Bezug auf uns Menschen vor Gott)
-?
Was könnte hier noch stehen?
Und sehr ihr das auch so?
@stern Eigentlich ist es ganz einfach. Aber da wir niemandem ins Herz sehen können und Jesus die Messlatte, ab wann jemand gegen ein Gesetz verstößt, ziemlich hoch hängt, ist es am Ende doch nicht mehr so einfach.
Aus meiner Sicht gibt es ansonsten 2 Fragen:
Glauben wir an Jesus Christus? Ja, dann kommen wir nicht ins Gericht.
Glauben wir nicht an Jesus Christus? Kommen wir vor das Gericht und unsere guten und schlechten Taten werden beurteilt.
Jesus die Messlatte, ab wann jemand gegen ein Gesetz verstößt, ziemlich hoch hängt, ist es am Ende doch nicht mehr so einfach.
Ich glaube, ab dem Zeitpunkt, wo du dich Gott zu wendest, bekommst du auch alle Hilfe, die Messlatte zu erreichen.
Und davor vermutlich auch schon..
@stern Gott der Herr hat durch seine Gesetze und Gebote ein Werk geschaffen, dessen Existenz er durch seinen menschgewordenen, am Kreuz gestorbenen, auferstandenen Sohn Jesus Christus hat uns verkünden lassen. Das Himmelreich.
Gott erwartet von uns ein bußfertiges, christliches und bibeltreues Leben … kurzum: ein Leben ›in Christo‹ … dessen für uns vorgegebener Pfad (unser Lebensweg) uns ins Licht führt. @Kerygma hat hier viel bessere Worte gefunden als ich, ich stimme ihm vollumfänglich zu.
Wie ein Wanderpfad durch die Anden, den Hindukusch oder den Himalaya … mit steil aufsteigenden Bergwänden und tiefen Abgründen … führt der dem Christenmenschen von Jesus aufgezeigte Weg gen Himmel, wer ihn fahrlässig oder gar vorsätzlich verlässt, wer seinem ›Bergführer‹ nicht vertraut, nicht gehorcht, seinen Anweisungen und Handreichungen nicht folgt … wird abstürzen und in die tiefsten Tiefen fallen.
Ich vermag mir nicht vorzustellen was den Gefallenen am Ende des Sturzes, nach dem tiefen Fall erwartet, aber Dantes Werk ›Inferno‹ zeichnet ein grausames Bild der Hölle.
Keine Beichte bringt Absolution, kein falscher Prediger kann von der Kanzel oder in einer scheinheiligen ›Seelsorge‹ den Sünder vor dem Sturz bewahren … sondern durch falsches Zeugnis und fehlleitende Predigt nur noch im Irrglauben bestätigen und dessen Schritte auf dem Irrweg beschleunigen.
Erlösung gibt es nur durch unseren Herrn Jesus Christus, die Schrift und den Glauben an Gott.
Keine Beichte bringt Absolution
Ich würde sagen, im Glauben an Jesus Christus bringt dir auch die Beichte Absolution. Nicht durch die Vollmacht des Priesters, sondern durch den Glauben an den, der Versöhnung zwischen Gott und den Menschen und Frieden mit Gott verkündet hat.
@stern Wenn Du Katholik(in) bist, glaubst Du an das Sakrament der Beichte. Ich als Calvinist erkenne nur die Taufe und das Abendmahl als Sakramente an. Jeder Mensch ist sein eigener Priester, ich brauche keine von Staat oder institutionalisierter ›Kirche‹ errichtete Bauwerke oder bezahlte ›Gottesmänner‹ (zunehmend auch ›Gottesfrauen‹) um auf ›den Pfaden des Herren‹ zu wandeln. Man sieht den Herren immer und überall.
Wer in den Traditionen der römischen katholischen Kirche aufgewachsen ist und sie als heilsbringend ansieht, muss selbstverständlich an deren Lehren und Sakramente glauben und sie befolgen bzw. empfangen.
Ein Bekennen der eigenen Verfehlung vor Gott kann, muss aber nicht, in einer Beichte erfolgen. Auch ein Bekennen vor Gott allein ist völlig ausreichend.
Allerdings setzt beides eine Schuldeinsicht und aufrichtiges Bereuen voraus (und eigentlich auch den Willen zur Wiedergutmachung).
Ich glaube nicht an den Teufel als göttlichen Widersacher. Wenn Gott allmächtig ist, ist ein Widersacher unlogisch.
Ansonsten denke ich, dass es sehr viele unterschiedliche Wege zu Gott gibt.
Letztlich müssen wir aber nur unseren Weg finden und können Gott den Rest überlassen.
VG
Chey
Ich glaube nicht an den Teufel als göttlichen Widersacher. Wenn Gott allmächtig ist, ist ein Widersacher unlogisch.
Da die Bibel von einem Widersacher spricht, denke ich, dass es Kräfte gibt, die dem Reich Gottes entgegengesetzt sind. Oder auch anders ausgedrückt: es gibt zwei Richtungen - zu Gott hin und von Gott weg. Das würde auch zum Ausspruch Jesu passen: Kehrt um und glaubt an das Evangelium. (Markus 1.15)
@kerygma Vielleicht sollte man ihn wie den kleinen, boshaften, hinterhältigen, missgönnenden ›Kollegen‹ sehen, der einem qualifizierteren und kompetenten Mann (oder selbstverständlich Frau) in die Suppe spucken, das Mahl versalzen oder ›das Projekt sabotieren‹ will um dessen erfolgreiches Wirken zu verhindern.
Dazu muss er nicht gleichberechtigt oder gar ebenbürtig sein … einfach nur ein ekelhafter ›Schmutzbuckel‹. 😉
Vielleicht erweckt der Begriff Widersacher den Eindruck, dass es ein zu Gott gleichberechtigtes Wesen ist.
Ja, gut möglich.
Ich hab mich noch nie mit dem
Teufel, Satan, Luzifer… beschäftigt, deshalb weiss ich da nicht viel. Ob er nun eine Person oder eine geistige Macht oder Kraft ist - ist ja letztlich für den einzelnen egal…die Wirkung dieses was -auch- immer ist ja das entscheidende - und wer ihn besiegt hat.
@chey Wenn Gott allmächtig ist, ist ein Widersacher unlogisch.
Yup.
56@chey Wenn Gott allmächtig ist, ist ein Widersacher unlogisch.
Yup.
Müsste dann nicht alles auf der Welt ganz wunderbar sein?
@stern Müsste dann nicht alles auf der Welt ganz wunderbar sein?
Korrekt.
Falls Gott es so haben wollte.
@stern Ja, und jetzt? Ist es das?
Was wünschst Du Dir? Dass ich Dir das logische Folgern abnehme? Na, grad bin ich wieder in Prokratinationslaune, also:
Cheys Aussage, der ich zustimmte, lautet - inhaltlich identisch - umformuliert:
Wenn Gott allmächtig ist, dann gibt es keinen (in irgendeiner Form relevanten) Widersacher. (Nichts geschieht gegen Gottes Willen/Wunsch/Plan - weil sich denen niemand zu widersetzen vermag)
Deine daran sich schließende Aussage lautete:
Falls es keinen Widersacher (Gottes) gäbe, müsste alles auf der Welt wunderbar sein.
Dieser Aussage müsste man, um sie auf ihre Stimmigkeit hin untersuchen zu können, ein wenig umformulieren: was unter "alles wunderbar" zu verstehen sei, wäre zu definieren.
Mein Vorschlag, der sich selbstverständlich auf die klassische Version des hier eigentlich vor uns liegenden Problems bezieht, lautet: "alles auf der Welt ist wunderbar" bedeutet: es gibt kein Leid auf der Welt.
Umformuliert lautet Deine Aussage (der wiederum ich zustimme) dann sinngemäß:
Falls 1) Gott allmächtig ist und 2) es keinen Widersacher auf der Welt gibt, dann 3) gibt es kein Leid auf der Welt*.
Nun gibt es allerdings Leid auf der Welt. Was folgt aus diesem empirischen Befund?
Logisch existieren zwei Schlußfolgerungen: Entweder A) gibt es keinen allmächtigen Gott, oder aber B) Gott, dessen Wille stets geschieht (Allmacht), will das Leid auf der Welt.
Soweit die Logik. Ob nun einer, der sich für B) entschieden hat, dann meint, dass ein Gott, der all das Leid in der Welt wolle, anbetungswürdig sei - das könnte man dann unter persönlichem Geschmack verbuchen, über den sich schlecht streiten lässt.
Eigentlich ist 2) in 1) schon enthalten, es ließe sich also die Aussage noch verkürzen: Falls es einen allmächtigen Gott gibt, gibt es kein leid auf der Welt.
B ist nicht zwingend.
Macht haben und Macht gebrauchen sind 2 verschiedene Dinge.
Es kann also auch sein, dass Gott Leid lediglich nicht verhindert. Insbesondere das von uns selbst verursachte.
Noch eine Möglichkeit wäre, dass es eine generelle Strafe ist (Sündenfall)
Oder das wir die Notwendigkeit dessen, was wir als Leid wahrnehmen, nicht erkennen
Deine Möglichkeit wäre auch möglich, aber das würde eher zu antiker Göttervorstellungen passen.
Wahrscheinlich gibt es noch mehr Variationen.
Vielleicht verhindert Gott ständig sehr viel Leid, was wir nicht merken eben weil er es verhindert hat.
Ich persönlich halte ja auch ein Gebot, was gern mal vergessen wird, für eines der wichtigsten: Das wir uns von Gott kein Bild machen sollen.
Dann das führt nur zu solchen Überlegungen, auf die wir keine Antwort finden können.
VG
Chey
@chey B ist nicht zwingend.
Richtig. Es gibt noch A) als die Alternative.
Es kann also auch sein, dass Gott Leid lediglich nicht verhindert.
Dann will er's nicht verhindern (ganz egal, was seine Gründe sein mögen). Und das läuft bei einem allmächtigen Gott auf dasselbe hinaus, wie wenn er's will. Denn in einer von einem allmächtigen Gott geschaffenen Welt geschieht halt stets ausschließlich das, was dieser Gott will.
Noch eine Möglichkeit wäre, dass (...) Oder das (...)
Und noch eine Möglichkeit wäre, dass Du Deine ursprüngliche Einwendung, der ich zustimmte:
Wenn Gott allmächtig ist, ist ein Widersacher unlogisch.
gar nicht auf ihre logischen Implikationen hin zuende gedacht hattest. 🙂
Doch, habe ich. Ich glaube nicht an Allmacht sondern das Gott so extrem mächtig ist, dass wir uns das nicht mal vorstellen können. Er hat das Universum geschaffen und er gebietet über unsere Seelen. Das empfinden wir aber als Allmacht, weil es so extrem mächtig ist.
Und ich glaube, dass Gott Gründe und Motive hat, die wir nicht verstehen.
Aber das, was manche Christen unter Allmacht verstehen und ein teuflischen Gegenspieler ist unlogisch. Unlogisch ist er auch bei meiner Art des Glaubens. Nur habe ich nicht die Widersprüche, die Du aufzeigst.
VG
Chey
@chey Danke für die Erläuterung! Also glaubst Du nicht an einen allmächtigen Gott - das hatte ich anfangs falsch verstanden und Deine Aussage so interpretiert, dass Du lediglich nicht an den Teufel/Widersacher/Satan etc. pp. glaubest.
Nur habe ich nicht die Widersprüche, die Du aufzeigst.
Yup, ergibt Sinn!
Was wünschst Du Dir? Dass ich Dir das logische Folgern abnehme?
Die logische Folge war so offensichtlich, dass ich dachte, ich kann sie mir sparen und du erklärst mir dann, wie es trotz einem allmächtigen Gott Leid auf der Welt gibt.
Jesus spricht schon davon, dass wir „ihn“ besuchen, wenn er krank oder im Gefängnis sitzt, wir „ihm“ essen geben, wenn er hungrig ist usw…also offensichtlich hielt er es auch nicht für wahrscheinlich, dass das Leid oder elementare Bedürfnisse in absehbarer Zeit verschwinden würden und lenkt den Blick stattdessen auf das „Miteinander da durch gehen“.
Das ist wohl das, was mir in der Logik fehlt. Dass es Gott gibt, trotz dem Leid auf der Welt.
Die Erklärung —>wenn es Leid gibt, kann es keinen allmächtigen Gott geben, greift für mich zu kurz.
@stern Die logische Folge war so offensichtlich, dass ich dachte, ich kann sie mir sparen und du erklärst mir dann, wie es trotz einem allmächtigen Gott Leid auf der Welt gibt.
Das kann ich nicht. Das kann, soweit ich das überblicke, niemand.
Das kann ich nicht. Das kann, soweit ich das überblicke, niemand.
klar…🙂
Ich hatte mich nur über das „Korrekt“ gewundert und war auf eine Erklärung gespannt…aber sie stand ja schon 10cm weiter unten (das hab ich nur nicht gesehen)🙂
Link les ich morgen, wenn ich ausgeschlafen bin
Das kann ich nicht. Das kann, soweit ich das überblicke, niemand.
So, danke für den Link. Ich habe tatsächlich noch nie was von Leibnitz gelesen und es hat mir gefallen, weil er so schön „fromm“ ist/redet. Allerdings, obwohl gut verständlich, spielt er in einer Liga, in der ich nicht spiele…Soll heißen: ich habs nicht zu Ende gelesen, weil (zu) viel Stoff, (Zu) viel Input und (zu) viele logische Wahrheiten.
Mein einfaches Gemüt hat sich eine Weile daran erfreut und macht jetzt Feierabend. Ich hänge gefühlt seit heute morgen im Forum und ich werde das Theo-Problem heute auch nicht lösen.🙂😉
🙋♀️⭐️bis zur nächsten Runde Theodizee und Allmacht…🙂
@stern So, danke für den Link.
Gerne! 🙂
Ich habe tatsächlich noch nie was von Leibnitz gelesen (...)
Wie wohl die Mehrheit aller Leute. 😀
(...)es hat mir gefallen, weil er so schön „fromm“ ist/redet. Allerdings, obwohl gut verständlich (...)
Tatsächlich schreibt er da sehr klar und, seinem Anliegen gemäß, natürlich auch fromm. Die Verständlichkeit seines Schreibstils ist dabei nicht "selbstverständlich", wenngleich auch die anderen Philosophen seiner Zeit noch nicht ganz so unverständlich formulierten, wie es im 19. Jahrhundert dann "Mode" wurde. Dass er aber auf Deutsch so verständlich und unprätentiös schreibt, ist meiner Meinung nach ein Beleg dafür, wie souverän und um intellektuelle Ehrlichkeit bemüht er seine Theodicee schrieb. So schreiben Leute, die's (für ihr Ego) nicht nötig haben, andere mit ihrer Klugheit zu beeindrucken... Leibniz wusste vermutlich, dass er der Klügste in seinem Umfeld - also in Zentraleuropa 😉 - war.
Soll heißen: ich habs nicht zu Ende gelesen, weil (zu) viel Stoff, (Zu) viel Input und (zu) viele logische Wahrheiten.
Na, das zeigt, wie ehrlich Du bist. Wenn Du mir erzählt hättest, Du hättest Dir jetzt mal eben die Theodicee reingepfiffen, dann hätte ich Dir das nicht geglaubt. Weil ich selbst nämlich mehrere Wochen gebraucht hab, mir den Text zu Gemüte zu führen, immer schön häppchenweise, weil mich's sonst überfordert hätte. Ich hatte den allerdings nicht verlinkt, um damit anzugeben, ihn gelesen zu haben, sondern...
Also das ist so: Das Theodicee-Problem wird ja nun seit Jahrtausenden disktuiert - es existierte schon, bevor Jesus die Weltbühne betrat. Seinen heutigen Namen bekam es zwar gewissermaßen von Leibniz verpasst, der Grundgedanke dahinter existiert aber vermutlich schon, seit Menschen einander erzählen, da wären Götter, die dieses und jenes Leid verhindern könnten, wenn sie wollten: Wie lässt sich die unterlassene Hilfeleistung dieser Götter moralisch rechtfertigen?
Seit Büchner, in dessen Theaterstück "Dantons Tod" eine Figur diese Formulierung verwendete, ist folgende Phrase bekannt: "Das Leid ist der Fels des Atheismus." Büchner kam nach Leibniz, aber Leibniz kam ja auch lange nach Epikur... Die Frage danach, ob ein Gott existiert oder nicht, wurde ja selten so ganz allgemein diskutiert, sondern war ja in der Regel konkreter: "Existiert dieser Gott, von dem ihr da redet?!"
Ein Gott, meinetwegen auch ein Weltenschöpfergott, der kein Problem mit dem Leid in der Welt hat - gegen den lässt sich aus atheistischer Perspektive so wenig an logischen Argumenten in's Feld führen wie aus religiöser Perspektive für ihn. Aber sobald von diesem Gott behauptet wird, er sei allmächtig, allwissend und gut (allgütig) - und so werden in den abrahamitischen Religionen die Götter Jawhe, Allah oder Jesus(-Gott) von der Mehrheit der Gläubigen verstanden - dann wird das faktisch vorhandene Leid zu einem sehr starken Argument gegen diese Gottes-Konzepte. Für Atheisten: zu einem schlagenden Argument. In dem Sinne, dass man, wenn man es einmal als logisch erkannt und verstanden hat, sozusagen intellektuell nicht mehr zurück kann.
Wann immer ich mal an solchen Diskussionen zwischen Gläubigen und Atheisten beteiligte, in denen das Theodizee-Problem zur Sprache kam, gab es seitens der Gläubigen drei Kategorien von Reaktionen. Die einen sagten (sinngemäß): "Wie sich dieses Problem lösen lässt, weiß ich auch nicht. Aber ich vertraue darauf, dass es mir dereinst im Himmel verständlich wird."
Die zweite Grupppe saugte sich ad-hoc-Lösungen aus den Fingern: "Gott könnte, wenn er wollte, alles Leiden beenden aber er will nicht und seine Gründe dafür sind zu kompliziert, als dass wir sie verstehen könnten." Oder: "Das Leid ist notwendig für die Freiheit, damit die Menschen einen freien Willen haben könnten." Oder: "Leid hilft den Menschen beim Wachstum." Oder "Ohne Leid gäbe es auch kein Glück."
Und so weiter und so fort, es gibt Legionen dieser ad-hoc-Lösungen.
Die dritte Gruppe kam früher oder später mit der "Besten aller Welten" um die Ecke. Also der "Lösung" des Problems, die Leibniz in seiner berühmten "Théodicée" fand. Beziehungsweise zu finden meinte. Stark verkürzt, und damit nahe am unredlichen Zerrbild dran: Die Welt, in der wir leben, ist die beste mögliche Welt. Gott in seiner All-Güte hat diese beste aller möglichen Welten für uns geschaffen - es wäre keine bessere Welt denkbar. Damit ist Gott vor dem moralischen Vorwurf, Leid, das er verhindern könnte, nicht zu verhindern, gerechtfertigt, denn eine Welt, in welcher er leidmindernd eingriffe, wäre eine schlechtere Welt, als die, in der wir leben.
Diese Lösung von Leibniz hatte mich nie überzeugt und sie wurde im Übrigen ja auch in den Jahren nach ihrer Veröffentlichung von allen möglichen Seiten angegriffen. Die berühmteste "Widerlegung" stammte dabei von Voltaire, der sie in Form eines Spott-Romans goss:"Candide oder der Optimismus".
Ein Roman, der für das damalige Publikum vermutlich um einiges unterhaltsamer gewesen sein dürfte als für uns heute, die wir nur noch einen Bruchteil der darin enthaltenen Anspielungen verstehen. Aber nachdem ich mir den dann doch mal in ganzer Länge reingetan hatte (und ganz ehrlich: so ab der Hälfte begann er mich zu langweilen, weil ich mir sicher war, die Botschaft vollumfänglich kapiert zu haben... 😉 ), war mir immer noch nicht so richtig klar, warum die Theodizee von Leibniz von den Religiösen so bewundert und von seinen atheistischen Zeitgenossen so - nun ja: verachtet oder doch belächelt wurde.
Gegen die These von der "Besten aller möglichen Welten" fielen mir, dem Atheisten, aus dem Stehgreif ein Dutzend Einwände/Argumente ein. Allerdings ist das ja mit den Stehgreif-Lösungen so'ne Sache, siehe oben... 😉 Lange Zeit aber war ich dennoch zu faul und zu wenig motiviert, mir den Originaltext mal vorzunehmen und durchzuarbeiten - wozu der Aufwand, wenn am Ende doch nur das sich bestätigen würde, was ich eh schon wußte: dass Leibniz' Lösung Quatsch sei?
Aber dann... Dann hatte ich einen neuen Lieblings-Autoren namens Neal Stephenson. Ein Kumpel hatte mir mal seine zerlesene Paperbackausgabe von "Snowcrash" geschenkt, und damit war ich angefixt. "Diamond Age", diese Mischung zwischen Erziehungsroman und SciFi-Thriller war für mich eine Offenbarung, und das "Cryptonomicon" hatte viel zu wenige Seiten...
Und weil also jede Neuveröffentlichung von Stephenson sofort von mir in der Buchhandlung meines Vertrauens bestellt wurde, bekam ich dann irgendwann einen fetten Wälzer mit dem Titel "Quicksilver" ausgehändigt. Statt, wie erwartet, in der Zukunft spielte dessen Handlung im siebzehnten Jahrhundert. Und ein zentrales Thema darin war die Rivalität zwischen Newton und Leibniz: wer von denen hatte denn nun die Infinitesimalrechnung erfunden? Dem einen dicken Roman folgten noch zwei weitere, die zusammen als "Barock-Trilogie" bekannt sind. Und quer durch sie hindurch tauchen immer wieder Newton und Leibniz auf, gegen Ende treffen sie sogar (was wohl in der Realität nicht der Fall war), von einer der fiktiven Romanfiguren organisiert, zusammen und disputieren sozusagen von Angesicht zu Angesicht. Stephenson zeigt ungeheuren Respekt vor beiden, und obwohl die Geschichte aus britischer Perspektive erzählt wird, wird deutlich, dass Leibniz und Newton als gleich-groß und gleich-genial gezeichnet werden sollen: als die mit Abstand hellsten Köpfe ihrer Zeit auf der Erde.
Während ich Newton auch vorher schon als "Begründer" der modernen Naturwissenschaften gekannt hatte, den Vorzeige-Physiker und Entdecker der Gravitationsgesetze, hatte ich von seinem deutschen Gegen-Part Leibniz wenig gewußt. Irgendwas mit Monaden... Öhm - was noch gleich?!
Bekannt war mir halt nur, dass er die Theodizee verfasst hatte. Und also musste die ja wohl sein wichtigstes Werk sein. Und wenn sie das wichtigste Werk dieses coolen Typen aus "Quicksilver" war - dann konnte sie doch eigentlich gar nicht so dämlich sein, wie Voltaires Spott-Buch es scheinen ließ?
Deswegen also: weil ich aufgrund eines Romans zu der Überzeugung gelangte, dass man (also ich) die besten Argumente der Gegenseite mal bitteschön so ernst nehmen sollte, dass man sie von ihrem klügsten Vertreter sich anhört, bzw. liest... - deswegen hab ich mir dann diese Primärquelle mal durchgelesen. Nicht ohne Genuß und Gewinn.
Aber in der Sache überzeugt hat mich Leibniz eben auch nicht.
Tatsächlich schreibt er da sehr klar und, seinem Anliegen gemäß, natürlich auch fromm
Ja, das hat mich auch wirklich positiv überrascht…meistens verknotet es mir das Gehirn bei solchen Texten, aber hier nicht.
Dass du dafür ein paar Wochen gebraucht hast und es abschnittsweise gelesen hast, wundert mich nicht. Die Zeit muss man sich nehmen…
Aber es freut mich doch, dass es für dich ein Genuss und Gewinn war, allein schon wegen dem christlichen Aspekt. 🙂
Nicht Gott ist für das Leid verantwortlich, sondern wir Menschen (nicht selten auch für unser eigenes selbst).
Und Gott schaut nicht tatenlos zu. Er schickt Menschen zur Unterstützung und Erkenntnisse, dass das was wir tun schlecht ist aber wir hören nicht drauf.
War bei mir lange Zeit so.
@samira-jessica Nicht Gott ist für das Leid verantwortlich, sondern wir Menschen (nicht selten auch für unser eigenes selbst).
Wie ist es bei einem Rehkitz, dass in eine Felsspalte gerutscht ist, aus der es sich nicht zu befreien vermag, sodass es darin elendiglich verdurstet - leidet das nicht, oder wurde es von Menschen in diese Situation gebracht?
Ja, und jetzt? Ist es das?
Ja. Was soll da noch kommen?
Wenn Gott allmächtig ist und eine wunderschöne Welt für uns alle will, in der alle Menschen gerettet sind - dann würden wir in einer wunderschönen Welt leben und alle wären gerettet.
Wer sollte das auch verhindern?
Wenn der allmächtige Gott sagt: "Die Menschen verhindern eine wunderschöne Welt und dass sie alle gerettet werden!" - dann will er auch genau das: Dass die Menschen selbst verhindern, dass sie in einer wunderschönen Welt leben und alle gerettet werden.
Oder aber Gott ist eben nicht "allmächtig".
Was anderes bleibt nicht.
@lucan-7 [Annahme] Gott will weder eine wunderbare Welt für alle, noch ist das exakte Gegenteil der Fall. Warum immer in Extremen denken? ›Entweder, oder!‹
Es gäbe auch die Option ›Sowohl, als auch!‹ Gott pauschalisiert nicht, er trifft Einzelfallentscheidungen. Wahrscheinlich sieht er eine Gesamtsituation, trifft individuelle Entscheidungen, weil er für individuelle Menschen einen individuelle Plan hat.
Wenn bei einem Schiffsuntergang einige Menschen ertrinken, andere nicht, dann vielleicht darum, weil Gott für die geretteten noch einen Plan und eine Verwendung hat.
Für die Ertrunkenen nicht? Doch, auch für die. Gott ist nicht nur allmächtig, er ist auch allwissend. Er weiß vermutlich zu was sich ein bestimmter Mensch entwickeln wird, was er bereit sein wird zu tun, was er anrichten wird.
Einer der geretteten wird eventuell ein zweiter Einstein, ein zweiter Pavarotti, ein zweiter Sauerbruch. Im Umkehrschluss würde aus einem der Ertrunkenen ein zweiter Dr Mengele, ein zweiter Bokassa … oder irgendwann Präsident einer Atommacht, der mit Knopfdruck alles Lebens auf der Erde auslöscht.
Gott lässt diejenigen im Bild, wenn sie eine Aufgabe zu erfüllen haben … und nimmt diejenigen aus dem Bild, die zerstörerisch oder schlecht sind oder zukünftig werden. Wen er erwählt und warum … weiß ich nicht … ich bin nicht ›er‹ … ich bin nicht Gott.
Warum hat er Menschen wüten lassen, die wir für das personifizierte Böse halten? Warum hat er sie gewähren lassen? Weil er einen Plan für sie hatte … und als der Plan ausgeführt und abgeschlossen war, hat er sie abtreten lassen. Der, dessen Name nicht genannt werden sollte, hat im Mai ˋ45 auf eine Giftkapsel gebissen und sich eine Kugel in den Schädel gejagt. Dessen größter Gegenspieler verendete ˋ53 auf dem Teppichboden seiner Datsche, bei Moskau, in einer Lache aus eigenem Urin und Erbrochenem.
Warum? Der Plan war erfüllt, die gewährte Zeit abgelaufen. Es war Gottes Wille und es ist nicht an uns ihn zu hinterfragen oder anzuzweifeln.
Einer der geretteten wird eventuell ein zweiter Einstein, ein zweiter Pavarotti, ein zweiter Sauerbruch. Im Umkehrschluss würde aus einem der Ertrunkenen ein zweiter Dr Mengele, ein zweiter Bokassa … oder irgendwann Präsident einer Atommacht, der mit Knopfdruck allen Lebens auf der Erde auslöscht.
Das ist eine etwas seltsame Aussage, nachdem du deine Antwort so eingeführt hast:
Warum immer in Extremen denken?
Bei einem Unglück kommen meist ganz normale Menschen ums Leben, und es gibt keine Statistik, dass besonders begabte Menschen häufiger überleben als andere. Zudem: Hätte Gott jemanden wie Hitler verhindern wollen, dann hätte er ihn auch verhindert. Wollte er aber ganz offensichtlich nicht.
Gott lässt diejenigen im Bild, wenn sie eine Aufgabe zu erfüllen haben … und nimmt diejenigen aus dem Bild, die zerstörerisch oder schlecht sind oder zukünftig werden. Wen er erwählt und warum … weiß ich nicht … ich bin nicht ›er‹ … ich bin nicht Gott.
Dir ist schon klar, dass so eine Aussage die Opfer beleidigt und verhöhnt...?
Oder war das jetzt sarkastisch gemeint?
Ich sage nur: Holocaust.
Vielleicht denkst du ja nochmal drüber nach.
Veröffentlicht von: @katechon@lucan-7 [Annahme] Gott will weder eine wunderbare Welt für alle, noch ist das exakte Gegenteil der Fall. Warum immer in Extremen denken? ›Entweder, oder!‹
Es gäbe auch die Option ›Sowohl, als auch!‹ Gott pauschalisiert nicht, er trifft Einzelfallentscheidungen. Wahrscheinlich sieht er eine Gesamtsituation, trifft individuelle Entscheidungen, weil er für individuelle Menschen einen individuelle Plan hat.
Ich gehe auch von 'sowohl als auch' und Einzelfallentscheidungen aus.
Und doch werden wir alle an den Punkt kommen, dass wir Gott und seine Gedanken nicht erklären können.
Und aufgrund diverser Vorkommnisse ist es mir auch deutlich lieber, ein kluger Mensch (Pastor oder Mitchrist und / oder guter Freund) sagt ganz ehrlich, dass er gewisse Dinge nicht erklären und / oder verstehen kann als wenn er Dir Geschichten erzählt, warum Gott dies und jenes getan / nicht getan und / oder zugelassen hat.
@katechon Es war Gottes Wille und es ist nicht an uns ihn zu hinterfragen oder anzuzweifeln.
Basta! 😎
@jack-black Bring mir ma‘ ne Flasche B … ooops … Milch … sonst streik ich hier. 👍🏻
Ja, und jetzt? Ist es das?
Ja. Was soll da noch kommen?
Mit „Ist es das?“ meinte ich eigentlich: ist das korrekt, dass es kein Leid gibt auf der Welt?
Es ist ja zu offensichtlich inkorrekt, als dass ich das ohne weitere Erklärung kommentieren wollte.
Wer sollte das auch verhindern?
Wenn der allmächtige Gott sagt: "Die Menschen verhindern eine wunderschöne Welt und dass sie alle gerettet werden!" - dann will er auch genau das: Dass die Menschen selbst verhindern, dass sie in einer wunderschönen Welt leben und alle gerettet werden.
Oder aber Gott ist eben nicht "allmächtig".
Vielleicht ist unter Gottes Allmacht auch etwas anderes zu verstehen, als die gängige Interpretation, dass dann ja alles was geschieht, Gottes Willen ist.
Vielleicht ist unter Gottes Allmacht auch etwas anderes zu verstehen, als die gängige Interpretation, dass dann ja alles was geschieht, Gottes Willen ist.
Das denke ich auch... deswegen habe ich ja auch noch einen anderen Thread zum Thema eröffnet.
Aber da diskutiert man offensichtlich lieber über Persönliches und warum das Zeitverschwendung ist... egal, muss jeder selber wissen wie er seine Zeit verschwendet.
Vielleicht nicht gersde das Paradies aber wenn sich alle Menschen an seine Gebote halten würden, sich vernünftig und verantwortungsbewusst verhalten würden, dann wäre es doch fast so.
Gott hat uns alle Möglichkeiten gegeben plus die Freiheit, es auch anders zu machen, dann aber auch die Folgen zu tragen.
VG
Chey
Ohne Tod gäbe es keine neuen Menschen oder die Erde wäre übervoll.
Krankheit: Wie weit wären wir, wenn wir die Ressourcen, die wir jetzt in Krieg, wirtschaftliche Gier und Idiotie stecken, in Medizin stecken würden?
Schon heute wären durch weltweite Impfkampagnen viele Krankheiten ausrottbar. Das hat einmal geklappt. Jetzt fehlt es an Willen und Geld, nichts anderem.
Ja, es bleibt immer ein Rest an Leid. Aber auch der wäre sehr klein, wenn alle Menschen das Mitgefühl zeigen würden, was sie könnten.
Wie gesagt, es wäre kein Paradies, aber es wäre schon nah dran.
VG
Chey
Ohne Tod gäbe es keine neuen Menschen oder die Erde wäre übervoll.
Biologisch ist mir das klar. Unser Körper funktioniert ja genauso.
Biblisch oder geistig ist mir das nicht klar.
Erstens wird der Tod als Folge der Sünde genannt und zweitens in der Offenbarung angekündigt, dass er nicht mehr sein wird. Ergo ist er nur für eine Zeit da und dann nicht mehr bzw gehört er nicht natürlicher Weise zu unserem Sein dazu.
Ist der Tod biblisch Folge der Sünde?
Ich finde, dass das nicht so klar ist. Der Mensch wurde auf alle Fälle sterblich geschaffen, denn sonst hätte es im Paradies keines Baumes des Lebens gebraucht.
Schmerz und Mühen sind Folge der Sünde.
Ich beziehe mich hier auf die Genesis. Mit der Offenbarung habe ich es nicht so. Ich halte diese für ziemlich wirr.
VG
Chey
Ist der Tod biblisch Folge der Sünde?
Ja.
1.Mose 2,17
aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.
Römer 6,23
Denn der Lohn der Sünde ist der Tod; aber die Gnadengabe Gottes ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn
Danke, da lag ich im diesem Punkt wirklich falsch.
Ich habe das gerade mal im jüdischen Kommentar von Plaut nachgelesen.
Auch dort wird mit drm Essen vom Baum des Wissens der Mensch erst sterblichen.
Wobei das alles dort deutlich komplexer und auch in Zusammenhang mit dem Baum des Lebens erläutert wird. Es gibt wohl 3 Hauptrichtungen der jüdischen Deutung.
Aber dieser Punkt ist eindeutig, da hast Du Recht.
VG
Chey
@stern Ich glaube nicht, dass es Gottes Schuld ist, wenn Leute rauchen und Lungenkrebs kriegen. Man kann wirklich nicht redlich versuchen, Gott unser menschliches Versagen in die Schuhe zu schieben.
@stern Der beurteile ich doch gar nicht. Ich meine nur, der Verstoß gegen Gottes Gesetz hat schon im Garten Eden damit begonnen, dass die Protagonisten nicht die Verantwortung für ihr eigenes Tun übernehmen wollten und wir das auch heute immer wieder beobachten. Wir klagen häufig Gott an, wie er die Welt gemacht hätte, dabei sind wir es, die die Welt so aussehen lassen wie sie ist.
Wir klagen häufig Gott an, wie er die Welt gemacht hätte, dabei sind wir es, die die Welt so aussehen lassen wie sie ist.
Ich weiss nicht…natürlich sind wir für vieles verantwortlich. Die Erde ist uns gegeben, damit wir sie „bebauen und bewahren“, also in unsere Hände.
Aber vieles können wir nicht steuern…“du kannst kein einziges Haar schwarz oder weiss machen“
@kerygma Genau das ist es nämlich. Menschen gehen die zerstörerischen Wege selbst.
Manchmal versucht der Teufel unseren Blick von Gott abzulenken (passt zum Sündenfall, fällt mir gerade auf) aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass selbst dann unaufhörlich ein.... Das Bauchgefühl in uns ist, mit dem Gott uns nicht müde werdend warnt und zur Umkehr ruft.
@stern Den dritten Punkt versteh ich nicht.
Diesen da:
-eben zur Fraktion der Ankläger gehört, die in Opposition zu Gott stehen
(ich sehe Anklage hier in Bezug auf Gott nicht in Bezug auf uns Menschen vor Gott)
Den dritten Punkt versteh ich nicht.
Er ist auch subtiler, finde ich und nicht gleich offensichtlich.
Es ist die Haltung, die Gott etwas böses oder ungerechtes unterstellt, aus welchen Gründen auch immer.
Veröffentlicht von: @cheyIch glaube nicht an den Teufel als göttlichen Widersacher. Wenn Gott allmächtig ist, ist ein Widersacher unlogisch.
Ich sehe, wenn ich mir den Teufel vorstelle, ihn nicht als rote Gestalt mit Hörnern, Pferdefuß gepfeilten Schwanz und einen Dreizack haltend … ich stelle ihn mir so vor, wie Al Pacino ihn in dem Mystery-Thriller ›Im Auftrag des Teufels‹ verkörpert.
Das es ihn gibt, steht vor mich außer Frage. Er ist keine greifbare Figur, er manifestiert sich vielen Formen und Versuchungen … manchmal auch in falschen Predigern und Pharisäern, die falsche Wege vorgauklen.
Veröffentlicht von: @cheyEs gibt heute keine Pharisäer mehr und damals waren sie besser, als es 2000 Jahre christliche Diffamierung einen glauben lassen will.
Danke für den Hinweis, ich entschuldige mich hiermit bei allen Pharisäern, die ich, die christlichen Diffamierung nutzend, als ›Pharisäer‹ geframed habe. Ich denke man kann dennoch verstehen, welchen Personentypus ich beschreiben wollte.
@chai ich denke auch, dass es ein stehender Begriff ist … aber wenn er irgendwie jemandes Gefühle verletzt oder die Verwendung irgendwo ein ›Geschmäckle‹ hinterlässt, dann lassen wir ihn weg. Aber er kommt mir halt immer wieder in den Sinn … weil man in grauer Vorzeit einmal versucht hat einen Bildungsbürger aus mir zu machen … und wollte, dass ich bildungssprachliche Metapher benutze. So ein paar Relikte blitzen dann gelegentlich auf. Mea Culpa.
Es gibt einiger solcher stehenden Begriffe, die bestimmte Personengruppen stereotype verunglimpfen und lange alltäglich benutzt werden. Viele in Zusammenhang mit dem Judentum oder anderen verfolgten Gruppen.
Heute wird man langsam sensibler, obwohl derzeit weltweit gerade die Gegenbewegung läuft.
VG
Chey
@chey Ja, man wird schon sensibler. Und im Prinzip ist das ja auch gut.
Ob das in diesem Fall angebracht ist, weiß ich noch nicht.
Ich selber seh den Begriff relativ losgelöst von der (heutigen) jüdischen Religion.
Fragst du dich auch manchmal, warum der Antisemitismus offensichtlich alle Zeit überdauern kann und in nahezu allen Gruppen zu finden ist?
Weil er tief in der Gesellschaft verankert ist.
Pharisäer mit den hier genannten Synonymen ist ein Beispiel dafür.
Im Judentum sind die Pharisäer bis heute hoch angesehen.
Und schaut man sich hier die Synonyme, sind es die gleichen, mit denen man auch die Juden belegt (hat). Das ist kein Zufall.
Google mal zu Pharisäer und EKD. Die EKD hat dazu einige sehr gute Veröffentlichungen gemacht.
VG
Chey
https://www.ekd.de/antijuedischen-klischees-in-der-kirche-begegnen-30986.htm
Ein falsches Wort kann durchaus antisemitisch oder rassistisch sein. Das heißt nicht sofort, dass derjenige auch Antisemit oder Rassist ist.
Gerade weil ich das nicht glaube, versuche ich hier zu erklären und zu sensibilisieren.
Wer allerdings bewusst und in voller Kenntnis dann weiter diese Ausdrücke gebraucht, muss sich dann schon fragen lassen, warum er das tut.
VG
Chey
Als ich ein Kind war, hieß der ›Schaumkuss‹ (die schokoladenüberzogene Zuckerschaummasse auf einer Waffel) noch anders. Ich verwende das im alten Namen vorhandene ›N-Wort‹ nicht … weil es von bezogenen Menschen als unsensibel empfunden wird.
Ich denke aber, das Wort beschreibt eine offensichtliche Tatsache. Es leitet sich vom lateinischen ›niger‹ ab … es gibt einen Statt in Afrika, der so heißt, einer der längsten Flüsse der Welt heißt so … und der (in Europa) ›Erfinder‹ des ›Schwarzpulvers‹ - Berthold Schwarz - wurde in der gebildeten Konversation und Schrift seiner Zeit ›Bertholdus Niger‹ lateinisiert.
Ich nutze, wie gesagt, die Bezeichnung aus dem genannten Grund nicht … komme aber auch nicht ›wie Zieten aus dem Busch‹ auf jene hernieder, denen sie mal unbedacht herausrutscht.
Zwischen Hautfarbe und negativer pauschaler Charaktereigenschaft ist aber auch ein Unterschied.
Wobei Schwarze Menschen in unserer Gesellschaft ja vielen Diskriminierungen und Beleidigungen ausgesetzt ist. Bei der jetzigen Leichtathletik-EM klingt das bei Schwarzen Athlet*innen immer mal wieder an. Da ist eine Empfindlichkeit bei der alten Bezeichnung der Schaumküsse verständlich, aber nicht Kern des Problems.
Etwas ist 'getürkt' als Ausdruck von etwas ist betrügerisch verändert wäre da besser vergleichbar.
VG
Chey
@chey Einverstanden. Ich bin ›old school‹ … oder eben ein alter harter Knochen … was sich in oftmals altem Schreibstil / Schreibweise zeigt. Auch ›gendere‹ ich nicht, da in das generische Maskulinum beherrsche und ›die Vertretung‹ an meinem Platz oft (trotz weiblichem Artikel ›die‹) meist männlich war.
Und mein Nachbar Jorgo ist von ebenso weißer Hautfarbe wie ich … halt stopp stimmt nicht … ich bin deutlich grauer als er, in Haut-, Haar- , Bart- und Augenfarbe.