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Frage an römische Katholikinnen und Katholiken

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kerygma
Themenstarter
Beiträge : 336

Guten Morgen,

die Frage richtet sich an Christen, die mit einer römisch-katholischen Gemeinde verbunden sind.

Nutzt Ihr den Katechismus? Ist er für Euch hilfreich oder eher nicht? Wie seht Ihr den Aufbau, könnte er anders strukturiert sein? Was fehlt Euch?

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131 Antworten
1 Antwort
Pankratius
(@pankratius)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 1380
Veröffentlicht von: @kerygma

Nutzt Ihr den Katechismus? Ist er für Euch hilfreich oder eher nicht? Wie seht Ihr den Aufbau, könnte er anders strukturiert sein? Was fehlt Euch?

Ich nutze ihn, um gezielt Sachen nachzuschauen oder nachzulesen, aber nicht als gewöhnliche Lektüre von vorne nach hinten. 

Da ich wie gesagt gezielt suche, habe ich mit dem Aufbau kein Problem, habe mich damit aber auch nicht vertieft beschäftigt. 

Für den Einstieg empfehle ich das Kompendium des Katechismus. 

Wie ist es für dich? 

pankratius antworten
BePe0905
Beiträge : 651

Du darfst die Frage gern auch an Protestanten richten. 
Martin Luthers "kleiner Katechismus" steht bei mir im Bücherschrank. Und manchmal schaue ich auch rein, z.B. wenn ich zu einem bestimmten biblischen Thema recherchiere und mehrere Ansichten suche. 

Ansonsten gehört er zu den weniger häufig genutzten Büchern...

bepe0905 antworten
5 Antworten
kerygma
(@kerygma)
Beigetreten : Vor 1 Monat

Beiträge : 336

@bepe0905 Meine Frage zielt ja auf den römisch-katholischen Katechismus ab 🙂

kerygma antworten
BePe0905
(@bepe0905)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 651

@kerygma 

Das hatte ich auch gleich vermutet, wollte aber trotzdem etwas dazu schreiben. 
Denn ich erlebe oft, dass Menschen bestimmte christlichen Gegenstände, Gepflogenheiten, Bezeichnungen und Regeln sozusagen automatisch der röm.-kath. Kirche zuschreiben, obwohl sie in allen Denominationen bekannt sind und verwendet werden. 

Aber ich vermute mal, dass es dem römisch-katholischen Katechismus nicht viel anders ergeht als meinem kleinen Katechismus des Herrn Luther in meinem Bücherschrank  😴 

bepe0905 antworten
kerygma
(@kerygma)
Beigetreten : Vor 1 Monat

Beiträge : 336

@bepe0905 Der Katechismus der römisch-katholische Kirche umfasst über 800 Seiten, der von Luther lag irgendwie im mittleren zweistelligen Bereich oder?

Es gibt schon einige Unterschiede. Die Herangehensweisen dürften schon komplett verschieden sein. Deswegen hatte ich diesbezüglich einige Fragen an römisch-katholische Christen.

kerygma antworten
BePe0905
(@bepe0905)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 651

@kerygma 
Hallo kerygma, du kannst deine Fragen gern hier stellen. Eine Freundin ist Katholikin und in ihrer Gemeinde engagiert, liest wohl häufiger in ihrem Katechismus als ich in meinem und wir unterhalten uns gern über Glaubensfragen. 
Ich würde ihr (falls es dir recht ist) dann mal deine Fragen weiterreichen und wäre auf ihre Antworten gespannt.

bepe0905 antworten
kerygma
(@kerygma)
Beigetreten : Vor 1 Monat

Beiträge : 336

@bepe0905 mach das gerne - oder besorg ihr einen Account 🙂

kerygma antworten


Kappa
 Kappa
Beiträge : 1657

@kerygma guten Tag,

Ich habe ihn nicht als Buch. Aber wenn ich was erfahren möchte über den Glauben dann ist das ganze im normalen Falle verankert im Katechismus. Einzelne Stellen oder Passagen hab ich online schon gelesen.

kappa antworten
3 Antworten
kerygma
(@kerygma)
Beigetreten : Vor 1 Monat

Beiträge : 336

@kappa Ich kann mich erinnern, dass dort in den Fußnoten die entsprechenden Lehrentscheidungen, Texte aus der Tradition wie Kirchenväter und Bibelstellen angegeben werden. Arbeitest Du das dann durch? Für mich war es damals immer schwierig, weil ich auf der einen Seite die Bibel mit einer konkreten Stelle hatte, aber oft im Katechismus keine Entsprechung fand. Ich fand es damals zweischneidig: einerseits schauen, was die Bibel lehrt und auf der anderen Seite schauen, was die Kirche lehrt, und im nächsten Schritt das zusammen bringen. Heute versuche ich die Bibel mit der Bibel auszulegen, was ich oft als zielführender empfinde. Damals hätte ich viel darum gegeben, wenn der Katechismus alle Bibelstellen nacheinander erläutert. Den Aufbau finde ich schwierig, weil er thematisch gliedert und Bibelstellen aus ihren Kontexten reißt, um eigene Dogmen zu belegen.

kerygma antworten
Kappa
 Kappa
(@kappa)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 1657

@kerygma guten Abend,

ah gute Frage, das weiß ich jetzt gar nicht.  Wenn ich wissen wollte wie zum Beispiel ein gewisser Glaubenssaspekt sich entwickelt hat, habe ich das einfach Gegoogelt. Teilweise habe ich auch in andere Schriften der alten Kirche reingelesen (zb. Didache). Ich bin auch erst seit 2022 Katholisch, also ich habe nie Firmunterricht besucht. Seit einiger Zeit hilft KI beim Recherchieren.

Aber ja, der Katechismus ist eine zielgerichtet verfasste Lehre bzw. Auslegung und Orientiert sich daher an einer Thematischen Gliederung wie man solche Sachbücher eben schreibt.

Die Bibel im neuen Testament ist praktisch mehr eine Sammlung von Briefen und Augenzeugenberichten.

Die 5 Bücher Mose zum Beispiel haben wieder einen anderen Charakter. Eine klar strukturierte Anweisung. 

 

kappa antworten
Hopsing
(@hopsing)
Beigetreten : Vor 2028 Jahren

Beiträge : 1047

@kerygma Ich verwende den Katechismus nur sporadisch, und zwar dann, wenn ich die offizielle Lehre der katholischen Kirche zu einem bestimmten Thema nachschlagen will (z.B. wenn jemand etwas als angebliche Irrlehre der r.-kath. Kirche darstellt, was überhaupt nicht der Lehre der r.-kath. Kirche entspricht - das kam früher hier im Forum leider sehr häufig vor), und dafür ist der thematische Aufbau hilfreich. Eine Gliederung nach Bibelstellen wäre da m.E. eher unbrauchbar.

weil ich auf der einen Seite die Bibel mit einer konkreten Stelle hatte, aber oft im Katechismus keine Entsprechung fand.

In meiner Ausgabe gibt es hinten ein Register der zitierten Bibelstellen in der biblischen Reihenfolge und dazu den Verweis auf die entsprechenden Nummern im Katechismus.

hopsing antworten
Maria
 Maria
Beiträge : 1297

@kerygma Den Katechismus benutze ich ganz selten, meistens, wenn hier im Forum Fragen aufkommen, wie die RKK das eigentlich sieht, solche Fragen wie Dreieinigkeit oder Fegefeuer 🤣  Dafür finde ich den Aufbau sehr gut geeignet, weil der Katechismus nach Themen geordnet ist und zu den Themen Querverweise gibt zur Bibel, zu Kirchenlehrern usw. Soweit ich weiß ist er vor allem als Hilfestellung für alle mit Lehrbefugnis gedacht, die ja gehalten sind, nicht von der Lehrmeinung der Kirche abzuweichen. 

Für "einfache" Gläubige gilt das ja nicht unbedingt in der RKK. Ich fühle mich jedenfalls frei, in meiner persönlichen Beziehung zu Gott in der Erkenntnis zu wachsen.

maria antworten
17 Antworten
kerygma
(@kerygma)
Beigetreten : Vor 1 Monat

Beiträge : 336

@maria Mein Stand war, dass es auch für alle Gläubige sein soll, die sich für den Glauben ihrer Kirche informieren wollen, aber das geht ja manchmal Hand in Hand.

Danke auf jeden Fall 🙂

kerygma antworten
Maria
 Maria
(@maria)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1297

@kerygma Für Gläubige ist er ja nun nicht verboten 🤣 Ich finde, der Katechismus wirkt ziemlich dogmatisch. Als einfache Gläubige empfinde ich die RKK aber gar nicht dogmatisch. Sie lässt uns viel Freiheit in unserem Glauben und erkennt auch an, dass der Mensch Himmlisches begrenzt erkennt und in der Erkenntnis wächst. Man muss nicht sofort alles verstehen "Geheimnis des Glaubens".

Dem stehen kirchenrechtliche und dogmatische Fragen gegenüber, mit denen ich ehrlich gesagt nicht viel anfangen kann. Z.B. frage ich mich, warum das Abendmahl nicht zusammen gefeiert werden kann. Die Begründungen kommen mir haarspalterisch vor, vor allem weil vermutlich niemand genau sagen kann, was bei der Kommunion aus geistlicher Sicht geschieht.

 

maria antworten
kerygma
(@kerygma)
Beigetreten : Vor 1 Monat

Beiträge : 336

@maria Klar, ich habe an meine Zeit der RKK auch keine schlechten Erinnerungen und man kann dort auch ein gutes geistliches Leben führen. Bei vielen Dingen konnte ich allerdings irgendwann nicht mehr mitgehen, weshalb der Austritt aus der RKK für mich irgendwann notwendig wurde. Viele Sachen sehe ich auch noch anders als etliche Protestanten und begründe das mit den Studien, die ich noch zur RKK Zeit durchgeführt habe, allerdings ist das weitaus weniger problematisch als bei der RKK. Als evangelischer Christ bin ich der Schrift und meinem Gewissen verpflichtet, als katholischer Christ bin ich allerdings mit vielem, was ich geglaubt habe, faktisch im Kirchenbann gewesen.

kerygma antworten
Maria
 Maria
(@maria)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1297

@kerygma Gibt es den Kirchenbann immer noch? Ich dachte immer, das war in vergangenen Zeiten ein machtpolitisches Mittel der Kirche, das sie überwunden hat.

An der RKK stören mich die Strukturen, die Machtmissbrauch begünstigen. Ich hoffe, dass das bald überwunden wird. Andererseits kann halt eigentlich jeder eine Nische finden für seine Art, seine Frömmigkeit zu leben und Gott nahe zu kommen. Ich mag vor allem die reiche spirituelle Tradition. Mystik wird von protestantischen Richtungen meist abgelehnt, soweit ich weiß. 

Als unsere Kinder getauft wurden, haben wir etwas damit gehadert, dass es nicht möglich war, sie einfach christlich taufen zu lassen. Die Spaltung der Christenheit zeigte sich ja schon darin, dass man sich bei der Taufe für einen "Verein" entscheiden musste. Heute werden zum Glück bei uns auch ökumenische Taufen angeboten. Ich finde, das ist ein Schritt in die richtige Richtung, Eins zu sein in der Liebe zu Gott.

maria antworten
kerygma
(@kerygma)
Beigetreten : Vor 1 Monat

Beiträge : 336

@maria Es geht weniger darum, ob er heute aktiv ausgesprochen wird, als vielmehr, wenn Du Dir mal den Denzinger anschaust und dort in die einzelnen Kanones und Lehrentscheidungen zu den Dogmen reingehst. Die sind ja nicht aufgehoben, sondern sind der juristische Rahmen des Glaubens, um das mal auszudrücken. Ich habe als Katholik z.b. immer geglaubt, dass sich die Werke aus dem Glauben ergeben und deshalb einer Symbiose zugestimmt.

Schaut man sich aber in die Lehrentscheidungen, wird dort klar festgehalten, dass derjenige im Bann ist, der glaubt, dass die Werke die Folge des Glaubens sind. So geht es glaube ich vielen Katholikinnen oder Katholiken. Dass ihnen zwar gesagt wird, "alles in Ordnung", aber wenn sie in die Lehrentscheidungen und Kanones schauen würden, stellten sie fest, dass sie eigentlich exkommuniziert sind - und natürlich nicht per Dekret, aber durch den Inhalt des Glaubens selbst, der sie ausschließt.

Für mich ist die Reformation daher keine Widerlegung der Kirche oder ihre Deligitimation, sondern vielmehr die Läuterung der Kirche durch den Heiligen Geist. Die Kirchenväter waren sehr Bibeltreu, es gab die sog. Vorreformatoren oder auch Franz von Assisi, die der Reformation vorangingen und die am Ende die Grundlage dessen waren, was in der Reformation geistgewirkt passierte. Selbst heute ist unter katholischen Theologen nicht abschließend geklärt, ob nicht doch die Schrift allein inhaltlich ausreichend ist. Das passt insofern auch, dass die strikte Trennung zwischen Tradition und Schrift erst mit 14. Jahrhunderte einsetzte und im Rahmen der Gegenreformation wirklich festgehalten wurde. Ursprünglich war dieses bestehen darauf, dass es Wahrheiten in einer mündlichen Tradition geben würde, auch nicht Teil des katholischen Glaubens.

Die protestantischen Gemeinschaften sind daher auch nicht mit der Reformation vom Himmel gefallen und ahistorisch, sondern sind eine Entwicklung innerhalb der Kirche, wenn wir sie als historische Kontinuität verstehen. 

Mit dem Machtmissbrauch ... das war für mich nie ein Anstoß, ich halte das eher für Begleiterscheinungen jeder in der Gesellschaft durch Menschen gestalteten Organisation, und wir finden ihn in jeder menschlichen Organisation, auch in jeder religiösen Struktur. Man muss sich auch immer Fragen, inwiefern die Gemeinden Teil des Problems waren und nicht nur der Klerus. Wie oft habe ich gehört "Eigentlich haben wir das alle gewusst". Da zeigt sich, wie sehr die normalen Gemeindemitglieder mit an diesen Problemen beteiligt sind, indem sie schweigen und es mittragen. Aber das ist für Teil jeder Gemeinschaft.

"Als unsere Kinder getauft wurden, haben wir etwas damit gehadert, dass es nicht möglich war, sie einfach christlich taufen zu lassen. Die Spaltung der Christenheit zeigte sich ja schon darin, dass man sich bei der Taufe für einen "Verein" entscheiden musste. Heute werden zum Glück bei uns auch ökumenische Taufen angeboten. Ich finde, das ist ein Schritt in die richtige Richtung, Eins zu sein in der Liebe zu Gott."

Naja, Taufe ist an sich christlich und ökumenisch, es gibt keine konfessionelle Taufe, oder wie siehst Du das? Die Taufe ist auf den dreifaltigen Gott, nicht auf eine Konfession oder Denomination.  Man entscheidet sich am Ende für eine Gemeinde, der man sichtbar durch die Taufe anschließt. Im Regelfall herrscht da ja einfach das Wohnortprinzip. Aber in den frühen Gemeinden wird das auch hin und her gegangen sein, wenn ich so an das Neue Testament und die Briefe denke. Da werden auch Leute gesagt haben "Boah die Gemeinde passt mir so gar nicht" Aber damals gab es eben nur eine Gemeinde vor Ort.

Für mich gibt es gar keine Konfessionen. Für mich gibt es eine katholische Kirche, das ist die Gemeinschaft aller Gemeinden mit Christen, die auf den dreifaltigen Gott getauft sind regelmäßig das Abendmahl praktizieren. Alles, was zusätzlich trennt, wie Konfessionen, Verbände, Orden, Gemeinschaften, ist für mich in einem ekklesiologischen Sinn gar nicht existent. Deswegen drückt sich die katholische (allumfassende) Kirche auch überall dort aus, wo diese Christen zusammenkommen, ich würde sogar sagen, es konstituiert sich dort.

kerygma antworten
Maria
 Maria
(@maria)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1297

@kerygma Vom Denzinger habe ich bisher noch nie gehört. Ich denke auch nicht, dass er für mich eine Bedeutung hat und habe auch noch nie erlebt, dass irgendjemand in der Kirche darauf Bezug genommen hat. Wie gesagt, Kirchenrecht und Dogmatik halte ich nicht für wesentlich für meine Beziehung zu Gott.

Die Reformation hatte durchaus ihre Berechtigung, das wird ja heute sogar von der RKK anerkannt. Anstatt die Reformatoren zu bekämpfen, hätten sie gut daran getan, ihre Anregungen zu integrieren. An Sola Scriptura glaube ich aber nicht. Es gibt auch Erkenntnisse über Gott, die (noch) nicht in den Schriften festgehalten sind und z.B. von Mystikern mitgeteilt wurden. Diese sind nach Prüfung teilweise in der RKK übernommen worden und machen einen Teil der Tradition aus. Man darf ja nicht vergessen, dass die Sprache nicht gut geeignet ist, die himmlischen Verhältnisse darzustellen, weswegen Jesus sich der Gleichnisse bedient hat. Da gibt es noch eine Menge zu entdecken, wofür die Jünger zur Zeit Jesu noch nicht reif waren. 

Ich glaube auch, dass Christen nicht auf eine Konfession sondern auf den dreieinigen Gott getauft werden sollten.

Für mich gibt es gar keine Konfessionen. Für mich gibt es eine katholische Kirche, das ist die Gemeinschaft aller Gemeinden mit Christen, die auf den dreifaltigen Gott getauft sind regelmäßig das Abendmahl praktizieren. Alles, was zusätzlich trennt, wie Konfessionen, Verbände, Orden, Gemeinschaften, ist für mich in einem ekklesiologischen Sinn gar nicht existent. Deswegen drückt sich die katholische (allumfassende) Kirche auch überall dort aus, wo diese Christen zusammenkommen, ich würde sogar sagen, es konstituiert sich dort.

D'accord! Genau das denke ich auch.

 

maria antworten
kerygma
(@kerygma)
Beigetreten : Vor 1 Monat

Beiträge : 336

@maria Bei Sola Scriptura geht es nur um die heilsnotwendigen Wahrheiten. Traditionen wird es immer geben, wo Menschen zusammenkommen, das ist ein normaler Weg des Menschseins. Wichtig ist, sie nicht für heilsnotwendig zu erklären und damit den Leuten Lasten aufzubürden, die sie nicht fürs Heil benötigen. Die heilsnotwendigen Wahrheiten, die durch die Apostel mündlich und schriftlich überliefert wurden, sind letztlich in der Bibel verschriftlicht worden. Da widerspricht auch die katholische Kirche nicht mehr.

kerygma antworten
Kappa
 Kappa
(@kappa)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 1657

@kerygma Bei Sola Scriptura geht es aber meines Wissens um Mehr als das.  Das die Schrift alleine die oberste Priorität bzw. Lehrautoritat hat?

Das ist der Unterschied und einer der Gründe gewesen, warum ich dann Katholisch wurde. Ich habe das neue Testament zuvor Zig Mal gelesen und in sehr zentralen Dingen schaffte ich es nicht,  einen klaren Glauben zu fassen.

Durch die traditionelle Katholische Sichtweise gibt's das Problem nicht mehr in der Art- Die Gemeinschaft selbst mit ihren Ämtern ist die Autorität.  Also habe ich mich an die Auslegung in der Tradition gehalten. 

kappa antworten
Maria
 Maria
(@maria)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1297

@kerygma Ist nicht heilsnotwendig nur der Glaube an den gnädigen Gott? Sola Fide?

Jesus selbst hat Seinen Jüngern verkündet, dass es noch viel zu lehren gibt, was sie aber noch nicht fassen können. Der heilige Geist wird sie weiterhin lehren und ihnen auch nach und nach das notwendige Verständnis dazu geben. Das ist zum größten Teil noch nicht in der Bibel festgehalten, weil die Bibel ja relativ früh abgeschlossen ist. In die Tradition der RKK wurden solche Belehrungen durch den heiligen Geist aufgenommen. Bei manchem war ich ja selbst früher skeptisch, bis mir Jesus die Einsicht darin geschenkt hat. Beispielsweise was die Stellung Marias betrifft.

maria antworten
kerygma
(@kerygma)
Beigetreten : Vor 1 Monat

Beiträge : 336

@maria Das ist eine recht wilde Theorie, die ich noch nicht einmal vom römischen Lehramt so gehört habe.

Daher ist die christliche Heilsordnung, nämlich der neue und endgültige Bund, unüberholbar, und es ist keine neue öffentliche Offenbarung mehr zu erwarten vor der Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus in Herrlichkeit (vgl. 1Tim6,14 undTit2,13).

https://www.vatican.va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/documents/vat-ii_const_19651118_dei-verbum_ge.html

kerygma antworten
Maria
 Maria
(@maria)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1297

@kerygma 

Das ist eine recht wilde Theorie, die ich noch nicht einmal vom römischen Lehramt so gehört habe.

Die Wahrheit, in die der heilige Geist führt, kann so manchem als "wilde Theorie" erscheinen. Den Juden erschien die Erkenntnis, dass es den Sohn Gottes gibt, auch als "wilde Theorie" 

maria antworten
kerygma
(@kerygma)
Beigetreten : Vor 1 Monat

Beiträge : 336

@maria Ich habe nochmal ergänzend ein weitere Quelle gesucht:

Die Vorstellung von Schrift und "Tradition" als zwei (womöglich inhaltlich unterschiedliche)
Offenbarungsquellen wurde in der katholischen Theologie des 20. Jhd.´s weithin überwunden.
Das 2. Vatikanische Konzil vermied im Dekret über die göttliche Offenbarung "Dei verbum"
bewusst eine Redeweise, die die "Überlieferung" als eine quantitative materiale Ergänzung
der Schrift missverstehen lassen könnte. Es gibt nur die eine "Offenbarung", die uns in der
Schrift und der Glaubensüberlieferung der Kirche vorliegt.

https://www.bistum-erfurt.de/fileadmin/Redakteure/Archiv/upload/2017/Wanke_Die_Bibel_als_Wort_Gottes_2016-04-27.pdf

kerygma antworten
Maria
 Maria
(@maria)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1297

@kerygma Gelesen habe ich das noch nicht, hätte jetzt auch keine Zeit dafür. Ich habe aber gefunden, dass alles bereits verborgen in der Schrift enthalten ist, was durch den heiligen Geist nach und nach entfaltet wird, und zwar oft auf eine überraschende Art.

maria antworten
Kappa
 Kappa
(@kappa)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 1657

@maria die Kommunion ist das Zentrum des Glaubenslebens.  Die Wandlung von Brot und Wein in der Liturgie ist schon theologisch beschrieben.   Aber insgesamt betrachtet sind mit natürlich lange nicht alle Facetten des Glaubens klar.

kappa antworten
Maria
 Maria
(@maria)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1297

@kappa Die theologische Beschreibung ist das eine, das wirkliche Geschehen ist das andere. Geschieht bei jedem Menschen dasselbe oder hängt es auch von der Empfangsbereitschaft des Menschen ab?

maria antworten
Kappa
 Kappa
(@kappa)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 1657

@maria 

Du meinst dann den Empfang des Laibes?  Hier kann es auf jeden Fall Unterschiede geben.  In der Bibel warnt ja Paulus davor den Laib des Herrn zum Beispiel unwürdig zu empfangen. Heute sagt man dazu nicht im Stande der Gnade. 

Allerdings weiß ich nicht was das konkret für die Hostie theologisch bedeutet. 

kappa antworten
Maria
 Maria
(@maria)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1297

@kappa Ich frage mich, ob bei jedem Menschen dasselbe geschieht, wenn er die Kommunion, das gewandelte Brot, empfängt. Ich glaube, es ist ein großer Unterschied, ob man die Kommunion gedankenlos zu sich nimmt (wie normales Brot) oder ob man sich auf den Empfang einstimmt und die Kommunion gläubig empfängt. Dann empfängt man tatsächlich Christus. Die katholische Liturgie ist ja auch darauf abgestimmt, den Menschen auf den Empfang vorzubereiten, wenn er das will.

Oder mit anderen Worten: die Hostie ist kein magisches Mittel. 

maria antworten


kerygma
Themenstarter
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Veröffentlicht von: @kappa

Bei Sola Scriptura geht es aber meines Wissens um Mehr als das.  Das die Schrift alleine die oberste Priorität bzw. Lehrautoritat hat?

Genau. Es geht um die Frage, ob die apostolische Tradition, die in der Bibel verschriftlicht wurde, einen höheren Grad an Verbindlichkeit hat als Lehrämter, Konzile oder Traditionen. Gerade die Geschichte zeigt uns doch, dass es gute Gründe dafür gibt, die Unfehlbarkeit von Kirchenleitungen infrage zu stellen. Was mache ich denn praktisch als Christ, wenn ich in einem Thema nicht mehr weiter weiß, schaue ich dann in die Bibel oder in ein kirchliches Lehrdokument? Wahrscheinlich in beides, aber welche Gewichtung nehme ich, wenn der Papst z.B. Kreuzzüge anordnet oder Ablasshandel? Die Dinge, die in der römisch-katholischen Kirche schief liefen, hat die römisch-katholische Kirche mittlerweile selbst als Irrtümer identifiziert, aber liegt sie in ihrer damaligen Position oder in ihrer heutigen richtig? Man wird nicht drum herum kommen, das biblisch zu prüfen - und damit sind wir beim Grundsatz der Reformation.

Veröffentlicht von: @kappa

Das ist der Unterschied und einer der Gründe gewesen, warum ich dann Katholisch wurde. Ich habe das neue Testament zuvor Zig Mal gelesen und in sehr zentralen Dingen schaffte ich es nicht,  einen klaren Glauben zu fassen.

Du hast Dich für eine Auslegung entschieden. Das Neue Testament lässt aber offensichtlich noch mehr Deutungen zu ?

Interessant ist aber, was Herbert Vorgrimler im Neuen Theologischen Wörterbuch (Herder-Verlag) schreibt:

"Trotz der Bemühungen des II. Vaticanums um das Verhältnis von Schrift und Tradition ist es ... für die katholische Theologie eine noch immer nicht entschiedene Frage, ob die Schrift im Hinblick auf die Offenbarung Gottes nicht doch inhaltlich allein genügt. ... Angesichts der beiderseits offenen Fragen stellt die S.-S.-Lehre keinen Grund zur Trennung der christlichen Kirchen dar." (S. 588)

Gerade in der frühen Kirche gab es diese Idee irgendwelcher Wahrheiten, die nur in mündlicher Überlieferung tradiert werden, nicht. Irenäus argumentiert genau gegen die Gnostiker, die das beanspruchen. 

Außerdem hättest Du auch orthodox werden können, die erstmal kirchenhistorisch näher dran sind, weil sie als Glaubensgrundlage das nehmen, was auf den ökumenischen Konzilen von der ganzen Kirche beschlossen wurde (ich klammere jetzt mal die Altorientalen aus).

Veröffentlicht von: @kappa

Durch die traditionelle Katholische Sichtweise gibt's das Problem nicht mehr in der Art- Die Gemeinschaft selbst mit ihren Ämtern ist die Autorität.  Also habe ich mich an die Auslegung in der Tradition gehalten. 

Die früheren Kirchenväter haben aber durchweg biblisch argumentiert, oder? Es spricht auch nichts dagegen, sich die Deutungen innerhalb der Kirchengeschichte anzuschauen, um zu einer Klarheit über Deutungen der Schrift zu kommen. Es ist aber die Frage, ob Du auch kirchliche Traditionen für unfehlbar hältst, die nicht in der Schrift zu finden sind.

Und mit "in der Schrift zu finden" meine ich nicht, ob es mal einen Vers gibt, sondern ob es wirklich ein Lehre ist, die sich durch die Schrift zieht. Deswegen sprechen wir ja von Bibelkanon. Es handelt sich dabei um eine Richtschnur. Also um das notwendige Maß dessen, wie wir zum Heil gelangen. Der eigentliche Kanon ist Christus, die Evangelien beschreiben diesen Christus, der Maßstab ist. Die frühen Briefe führen die Gemeinde immer wieder auf diesen Maßstab zurück. Somit ist Bibelkanon auch das, was auf Christus hinführt, das notwendige Maß. 

Wie sieht das z.b. mit der Beichte aus? Warum wurde sie von Jesus nicht eindeutig angeordnet? Ist sie wirklich heilsnotwendig? Welche Relevanz hat dann noch das Abendmahl? Und warum beichtet man bei einem Priester, wenn doch der Vers, mit dem man die Beichte begründet, an die Apostel gerichtet ist? Theoretisch wäre doch dann nur dem Bischof erlaubt, eine Beichte anzunehmen, aber wieviele Katholiken beichten beim Bischof?

 

kerygma antworten
4 Antworten
Kappa
 Kappa
(@kappa)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 1657

@kerygma 

Guten Morgen, ich Versuche mal besten Wissens auf die Punkte einzugehen.

Was die Autorität angeht, die von dir genannten Kritikpunkte stehen den Folgen von Sola Scriptura gegenüber.

Sogar unter den Aposteln gab es hin und wieder Unstimmigkeiten. Allerdings schafften es diese trotzdem Einigkeit zu bewahren. Man sieht schon das alles eine gewisse Entwicklung hat. Jesus hat uns auch kein Buch hinterlassen, sondern eine Gemeinschaft.

In dem neuen Testament speziell begegnet man permanent den Warnungen von Absplitterungen und Irrlehren, also die Einheit zu bewahren. Das bedeutet selbst wenn die Kirche zu einem spezifischen Zeitpunkt nicht die volle Offenbarung hatte - würde dies keine gefährlichen Folgen für die Seele eines Gläubigen haben.

Sola Scriptura hat exakt das Gegenteil bewirkt- jeder wurde unter dem Strich zu seinem persönlichen Ausleger. Das Christentum ist innerhalb von ein paar Hundert Jahren die meistzersplitterte Religion der Erde geworden - das Gegenteil von dem was Christus wollte.

Im Katholischen unterscheidet man zwischen der eigentlichen Lehre und den Strukturen, Charakterlichen Schwächen von Personen oder irgendwelche Entscheidungen die nicht mit der Lehre zu tun haben. Die Ekklesia verbindet Göttliches und Menschliches (Fehlerbehaftetes). Jesus hat aber versprochen das die Pforten der Hölle die Ekklesia nicht überwinden werden. Das geht für uns damit einher das die klare Struktur und Identität/Lehre/Evangelium erhalten bleiben muss.

 

Bezüglich meiner Entscheidung - ich habe mich nicht direkt für eine Auslegung des Ganzen entschieden.

Ich habe mich gefühlt mehr für die Sichtweise entschieden, das wir heute das neue Testament nur schwerlich Auslegen können im Sinne der damaligen Apostel. Zumal es das neue Testament in dem Sinn noch gar nicht gab. Das wurde im Nachgang durch die Kirche Kanonisiert.  Ich fand es vernünftiger das es eine Autorität außerhalb der Schrift geben muss, was wiederum gewisse Bibelstellen auch bezeugen. 

Das neue Testament ist nicht wie eine "Bedienungsanleitung" geschrieben- warum? Beispielsweise hätte es doch auch ohne Probleme wie die ersten Bücher Mose verfasst werden können. Scheinbar wurde kein Wert darauf gelegt.

Ein Beispiel; Wenn es 2000 Jahre keine Juden mehr gegeben hätte, wäre es rein theoretisch möglich aufgrund der sehr detaillierten und sachlichen Beschreibung der Bücher Mose, diese Religion wieder zu praktizieren. Umgekehrt, beim Christentum, wie sähe das wohl aus wenn man nur die Schriften zur Hand nimmt?  Das zeigt mir das nur die Schrift in dem Fall nicht sein kann und Gott einen anderen Plan gehabt haben muss. Der neue Bund ist schließlich besser wie der Alte. Damals war es völlig klar, wenn man Jude sein wollte, wohin man sich zu wenden hat. 

Als Katholischer Gläubiger kann ich das Grundgerüst einmal akzeptieren und muss mir nicht zwingend über jede Auslegung, auch Heilsrelevante, selbst Gedanken machen. Im Protestantismus fehlt diese Autorität und wenn ich jemanden Vertraue weiß ich im Prinzip nie woran ich bin.

Bezüglich der Orthodoxen Kirche und den anderen Punkten schreibe ich später was dazu. 

 

Viele Grüße 

 

 

 

kappa antworten
Holger F.
(@holger-f)
Beigetreten : Vor 2 Wochen

Beiträge : 126

@kerygma 

 

Drei Bemerkungen:

1 Es ist katholischerseits geklärt, wie Heilige Tradition und Heilige Schrift zueinander in Beziehung stehen: Beide entspringen derselben göttlichen Quelle und bilden gemeinsam die eine, unteilbare Hinterlegung des Wortes Gottes. Die Tradition ging der Bibel historisch voraus, da das Evangelium zuerst mündlich verkündet und im Leben der Urkirche verankert wurde, bevor Teile davon inspiriert aufgeschrieben wurden (vgl. KKK).

Daher lässt sich die Schrift nicht isoliert verstehen; erst die lebendige Tradition der Kirche garantiert die fehlerfreie Überlieferung und Auslegung des geschriebenen Wortes. Beide Übertragungswege ergänzen sich vollkommen und machen der gläubigen Gemeinschaft dieselbe göttliche Wahrheit gegenwärtig.

2 Die Behauptung, die Kirchenväter hätten ausschließlich mit der Heiligen Schrift argumentiert, ist historisch falsch, da sie - wie oben gezeigt - Schrift und Tradition als eine untrennbare Einheit betrachteten. In der Auseinandersetzung mit Häresien betonten sie stets, dass die Bibel nur innerhalb der apostolischen Überlieferung richtig ausgelegt werden kann.
 
Ein prägnantes Beispiel liefert Irenäus von Lyon in seiner Schrift Gegen die Häresien (Contra Haereses, Buch III, 2, 1). Er wirft den Irrlehrern vor, sich sowohl gegen die Schriften als auch gegen die Tradition aufzulehnen, welche direkt von den Aposteln stammt und durch die ununterbrochene Nachfolge der Bischöfe in der Kirche bewahrt wird.
 
Noch deutlicher argumentiert Basilius der Große in seinem Werk Über den Heiligen Geist (De Spiritu Sancto, 27, 66). Er erklärt, dass die Dogmen teils aus der schriftlichen Lehre, teils aus der ungeschriebenen Überlieferung der Apostel stammen und beide „dieselbe Kraft für die Frömmigkeit“ besitzen. Wer die ungeschriebenen Bräuche (wie das Kreuzzeichen oder die liturgischen Gebete) abtue, schädige laut Basilius das Evangelium in seinen wichtigsten Teilen.
 
Die Kirchenväter kannten somit kein Sola Scriptura, sondern sahen in der Tradition den notwendigen Schutzraum für die Wahrheit der Schrift.
holger-f antworten
Kappa
 Kappa
(@kappa)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 1657

@kerygma 

Hi ich habe auf den Rest geantwortet und irgendwie wurds nicht gespeichert ... Ich schreibe es nochmals sobald ich kann. Bin immer nur mit dem Handy online. Geht nicht so fix hier ...

kappa antworten
kerygma
(@kerygma)
Beigetreten : Vor 1 Monat

Beiträge : 336
Veröffentlicht von: @kappa

@kerygma 

Hi ich habe auf den Rest geantwortet und irgendwie wurds nicht gespeichert ... Ich schreibe es nochmals sobald ich kann. Bin immer nur mit dem Handy online. Geht nicht so fix hier ...

Ach herrje, diesen Horror habe ich auch immer, dass ich mal einen langen Text schreibe und der flöten geht. Lass Dir Zeit. Ganz entspannt 🙂

kerygma antworten
kerygma
Themenstarter
Beiträge : 336
Veröffentlicht von: @kappa

Sogar unter den Aposteln gab es hin und wieder Unstimmigkeiten. Allerdings schafften es diese trotzdem Einigkeit zu bewahren. Man sieht schon das alles eine gewisse Entwicklung hat. Jesus hat uns auch kein Buch hinterlassen, sondern eine Gemeinschaft.

Ja, man kann das bereits in der frühen Kirchengeschichte erkennen, dass die Hände aufgelegt wurden, um dadurch die Authentizität der Lehre zu bestätigen. Person A habe von Person B gelernt, die von Person C lernte. Soweit so gut. Das Prinzip ist auch nachvollziehbar. Die katholische Kirche war die Gesamtheit aller Gemeinden. Es gab keine Konfessionen oder Spaltungen in große Organisationen. Heute weißt Du, worin die Unterschiede liegen, wenn Du zu einer Baptistengemeinde gehst oder eben zu einer evangelisch-lutherischen oder römisch-katholischen Kirchengemeinde. Damals war das nicht so einfach, weil Du neben den christlichen Gemeinden, die in apostolischer Sukzession standen, verschiedene einzelne christliche Gruppen hattest. Deswegen argumentiert Irenäus auch gegen die Gnostiker unter Berufung auf die Sukzession.

Die Apostolische Sukzession diente als Garant für die richtige Lehre. Hat das funktioniert? Also ich denke am Anfang war das ein probates Mittel. Allerdings spalteten sich bald die Alt-Orientalen ab und später kam es zum Bruch zwischen Ostkirche und Westkirche und später innerhalb des Katholizismus noch einmal zwischen Katholizismus und Altkatholiken. Alle diese Kirchen haben eine Sukzession, ist also die Sukzession die Garantie für die wahre Lehre? Wohl kaum. Die apostolische Sukzession hat die Kirche nicht vor Spaltungen bewahrt.

Veröffentlicht von: @kappa

Sola Scriptura hat exakt das Gegenteil bewirkt- jeder wurde unter dem Strich zu seinem persönlichen Ausleger. Das Christentum ist innerhalb von ein paar Hundert Jahren die meistzersplitterte Religion der Erde geworden - das Gegenteil von dem was Christus wollte.

Die größten Spaltungen kamen vor dem Protestantismus. Außerdem: war Sola Scriptura die Ursache für den Protestantismus oder waren nicht vielmehr die Missbräuche innerhalb der katholischen Kirche, die dazu führten, dass der Drang nach einer Läuterung der Kirche immer notwendiger wurde? Es ist etwas zu einfach, Sola Scriptura dafür verantwortlich zu zeichnen, zumal, wie ich bereits den katholischen Theologen Vorgrimler zitierte, S.-S. heute auch von katholischer Seite aus nicht mehr als Kirchentrennend eingestuft wird.

S.-S. hatte das wesentliche Anliegen, kirchliche Traditionen durch die apostolische Tradition, die sie in der Bibel festgehalten wurde, zu läutern. Viele Missbräuche innerhalb der katholischen Kirche, die dem nicht standhalten konnten, wurden auch auf Trient revidiert. Die katholische Kirche hatte in wesentlichen Punkten der Reformation zugestimmt.

Die Reformatoren standen in kirchlicher Tradition, wie auch die Vorreformatoren. Wenn Du Kirche in Kontinuität siehst, wirst Du feststellen, dass auch die evangelischen Kirchen eben in dieser kirchlichen Tradition stehen, die bereits 1500 Jahre zuvor existierte. Die evangelischen Kirchen sind nicht aus dem Himmel gefallen. 

Der heutige Wildwuchs existiert ja außerhalb jeder Tradition und ist meistens im sog. evangelikalen Spektrum zu finden. Da reden wir aber nicht mehr von kirchlicher Tradition in einem Verständnis der Kontinuität, in der die Reformation steht.

Veröffentlicht von: @kappa

Im Katholischen unterscheidet man zwischen der eigentlichen Lehre und den Strukturen, Charakterlichen Schwächen von Personen oder irgendwelche Entscheidungen die nicht mit der Lehre zu tun haben. Die Ekklesia verbindet Göttliches und Menschliches (Fehlerbehaftetes). Jesus hat aber versprochen das die Pforten der Hölle die Ekklesia nicht überwinden werden. Das geht für uns damit einher das die klare Struktur und Identität/Lehre/Evangelium erhalten bleiben muss.

Jetzt rutschst Du aber in eine Falle, in dem Du Ecclesia mit einer spezifischen Konfession gleichsetzt. Die Kirche wurde durch den Heiligen Geist zu Pfingsten gegründet, durch Taufe wird der Christ Teil dieses Leibes Christi. Das ist die katholische, allumfassende Kirche, von der zum Beispiel die apostolischen Väter sprechen. Im Laufe der Geschichte gliederte sich diese allumfassende Kirche, die Gemeinschaft der gläubigen Getauften, in 5 Patriarchate, von denen das Patriarchat zu Rom die lateinische Kirche und später Westkirche wurde, während die restlichen Patriarchate die Ostkirchen sind. Diese Patriarchate haben gemeinschaftlich durch ökumenische Konzile Entscheidungen getroffen, denn wie Du sagst, werden die Pforten der Hölle diese Ecclesia nicht überwinden. Der heilige Geist wirkte in den gemeinsamen Beschlüssen durch die ökumenischen Konzile, wo auch nahezu alle christlichen dogmatischen Grundlagen entschieden wurden (Trinität, 2-Naturen-Lehre, Gottheit des Heiligen Geistes, Gottheit Jesu etc). Der Geist führt die Gesamtkirche und damit alle getauften Gläubigen, nicht nur eine Konfession, die nur ein Partriarchat bildete. Es ist übrigens ein klassischer Fehler der Kirchen der apostolischen Sukzession, dass sie meinen, der Geist hätte die anderen Kirchen der apostolischen Sukzession verlassen. Deswegen ist die katholische Verschiebung auch schwierig, die das Wirken des Heiligen Geistes in der Letztverbindlichkeit dem Papst zuspricht und nicht den Ökumenischen Konzilen. Die Orthodoxen sind insofern fairer, dass sie sagen: es gibt aktuell keine ökumenischen Konzile mehr, weil die Spaltung zwischen Ostkirche und Westkirche besteht, und ohne Lateiner eben kein ökumenisches Konzil.

 

Veröffentlicht von: @kappa

Ich habe mich gefühlt mehr für die Sichtweise entschieden, das wir heute das neue Testament nur schwerlich Auslegen können im Sinne der damaligen Apostel. Zumal es das neue Testament in dem Sinn noch gar nicht gab. Das wurde im Nachgang durch die Kirche Kanonisiert.  Ich fand es vernünftiger das es eine Autorität außerhalb der Schrift geben muss, was wiederum gewisse Bibelstellen auch bezeugen. 

Das kann ich grundlegend nachvollziehen, wobei eben interessant ist, dass der Katechismus keine Deutungen der Bibelverse bietet, das würde ich total super finden, wenn nach und nach die Schrift durch die Tradition ausgelegt würde. Aber der Katechismus bietet eine thematische Gliederung und begründet seine Dogmen mit der Schrift. Am Ende begründet sich also selbst der Katechismus mit der Schrift und er begründet nicht die Schrift durch die Tradition oder kirchliche Deutung. Mir ging es damals übrigens immer so, dass ich im Katechismus geschaut habe und dann den Referenzen zur Bibel gefolgt bin. Damals als guter Katholik war ich also irgendwie schon "Sola Scriptura", was die Letztverbindlichkeit angeht.

Veröffentlicht von: @kappa

Das neue Testament ist nicht wie eine "Bedienungsanleitung" geschrieben- warum? Beispielsweise hätte es doch auch ohne Probleme wie die ersten Bücher Mose verfasst werden können. Scheinbar wurde kein Wert darauf gelegt.

Naja, es ist der Kanon. Das heißt, es ist der Maßstab fürs Heil. Da mag es viele Sachen in der christlichen und kirchlichen Tradition gegeben haben, die nicht falsch sind, aber sie sind nicht notwendig fürs Heil sind. Zum Beispiel wird die Ikonen oder Bildverehrung mit der Kupferschlange von Mose und der Gestaltung der Tempel und Bundeslande begründet. Daraus kann man eine entsprechende biblisch begründete Tradition ableiten, wir finden aber keine Dokumentation einer solchen Verehrung im neuen Testament, es ist eben für einen Kanon, für einen Maßstab, fürs Heil nicht notwendig.

Veröffentlicht von: @kappa

Als Katholischer Gläubiger kann ich das Grundgerüst einmal akzeptieren und muss mir nicht zwingend über jede Auslegung, auch Heilsrelevante, selbst Gedanken machen. Im Protestantismus fehlt diese Autorität und wenn ich jemanden Vertraue weiß ich im Prinzip nie woran ich bin.

Bezüglich der Orthodoxen Kirche und den anderen Punkten schreibe ich später was

Jesus Christus ist die Autorität und alles Heilsrelevante findest Du in der Schrift. Eine eigenständige mündliche Tradition mit heilsrelevanten Inhalten vertritt auch die katholische Kirche nicht. Dazu hatte ich bereits zwei Links in meinen kurzen Antworten an Maria gepostet.

 

kerygma antworten
1 Antwort
Kappa
 Kappa
(@kappa)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 1657

@kerygma 

Nun, es schreibt sich schnell "alles Heilsrelevante findet sich in der Schrift" - 

In der Realität haben wir nur als Beispiel einen anderen Thread, wo es darum geht ob und wie Christen verloren gehen können.

Diese Unklarheiten, die ich auch mit sehr sehr viel Bibellesen nicht wegbekommen konnte, waren mit der Grund warum ich Katholisch wurde.

Bezüglich Ekklesia und Konfession - die Katholische Kirche sieht sich ursprünglich nicht als eine von vielen Möglichen Konfessionen, sondern als DIE Gemeinschaft die damals gegründet wurde und bis heute Bestand hat. 

Was die Tradition der Evangelischen Kirche angeht, diese steht zum Teil gewiss in der Tradition von den 1500 Jahren vorher, zum Teil aber auch nicht. Es werden bewusst nicht alle Kirchenväter und Lehrer anerkannt. Aus unserer Sicht haben sich die Reformatoren einiges rausgepickt, anderes aber nicht. Luther hat auch kein Lehramt hinterlassen, was zur völligen Zersplitterung führte. Ein Großteil der Protestanten ist von der altkirchlichen Tradition dadurch stark abgekommen.

Das alte Grundgerüst des Glaubens, am Anfang "12 Apostel Lehre genannt" in der Sog. Didache, hast du das schonmal gelesen?

Bezüglich den Auswüchsen von Predigern zur Zeit Luthers in Mitteleuropa - heute weiß man das teilweise ganz bewusst Glaubenswahrheiten zurück gehalten wurden in Eigenregie. Das hat aber nichts mit der Lehre der Kirche zu tun. Damals gab es auch nicht die Kommunikationsmöglichkeiten von heute. 

Diese Abläße betrafen eigentlich nicht die Sünden an sich. Die Vergebung kann man nicht Ausgleichen oder kaufen, das steht nicht zur Debatte. 

Es ist allerdings ein Teil der Tradition an den Reinigungsort "Fegefeuer" zu glauben, die sozusagen seelischen Folgen der Sünde. Es ist nicht die Trennung von Gott für die Jesus gestorben ist, sondern eine Läuterung der Seele wenn diese pragmatisch noch Sünden oder Laster mit sich herum schleppte.  Daher hat das Fegefeuer nichts mit der Hölle zu tun.  Eine Möglichkeit damit umzugehen, so verstehe ich das, ist die Buße und sind gute Werke, Nächstenliebe. Also nichts für sich tun (das Ego ist ja der Hauptgrund für Sünden) sondern explizit für andere. Das kann grundsätzlich auch eine Geldspende sein, man opfert ein Teil von seiner Hände Arbeit. 

Leider haben findige Prediger diese Möglichkeit bis ins Absurde getrieben und Menschen Angst gemacht. Luther selbst hatte scheinbar vom Reinigungsort mehr Angst als vor der Hölle.  

 

 

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