Frage an römische Katholikinnen und Katholiken
Guten Morgen,
die Frage richtet sich an Christen, die mit einer römisch-katholischen Gemeinde verbunden sind.
Nutzt Ihr den Katechismus? Ist er für Euch hilfreich oder eher nicht? Wie seht Ihr den Aufbau, könnte er anders strukturiert sein? Was fehlt Euch?
Veröffentlicht von: @kerygmaNutzt Ihr den Katechismus? Ist er für Euch hilfreich oder eher nicht? Wie seht Ihr den Aufbau, könnte er anders strukturiert sein? Was fehlt Euch?
Ich nutze ihn, um gezielt Sachen nachzuschauen oder nachzulesen, aber nicht als gewöhnliche Lektüre von vorne nach hinten.
Da ich wie gesagt gezielt suche, habe ich mit dem Aufbau kein Problem, habe mich damit aber auch nicht vertieft beschäftigt.
Für den Einstieg empfehle ich das Kompendium des Katechismus.
Wie ist es für dich?
Veröffentlicht von: @holger-f1 Es ist katholischerseits geklärt, wie Heilige Tradition und Heilige Schrift zueinander in Beziehung stehen: Beide entspringen derselben göttlichen Quelle und bilden gemeinsam die eine, unteilbare Hinterlegung des Wortes Gottes. Die Tradition ging der Bibel historisch voraus, da das Evangelium zuerst mündlich verkündet und im Leben der Urkirche verankert wurde, bevor Teile davon inspiriert aufgeschrieben wurden (vgl. KKK).
Darin stimme ich zu, deswegen halte ich so manche Sola Scriptura Ansätze für große Missverständnisse. Denn an der historischen Faktenlage, dass die Bibel verschriftlichte Tradition ist und damit zuvor mündliches wie schriftliches enthält, kommt niemand vorbei.
Deswegen muss Sola Scriptura auch im Kontext seiner Zeit gesehen werden: Sola Scriptura ist kein Prinzip, das vor der Verschriftlichung der Tradition in Form der Bibel gefordert wurde, sondern ein Punkt des Rückzuges auf die in der Bibel verschriftliche apostolische mündliche und schriftliche Tradition, von der die mittelalterliche Kirche abgewichen ist.
Veröffentlicht von: @holger-fDie Behauptung, die Kirchenväter hätten ausschließlich mit der Heiligen Schrift argumentiert, ist historisch falsch, da sie - wie oben gezeigt - Schrift und Tradition als eine untrennbare Einheit betrachteten. In der Auseinandersetzung mit Häresien betonten sie stets, dass die Bibel nur innerhalb der apostolischen Überlieferung richtig ausgelegt werden kann.
Veröffentlicht von: @holger-fNoch deutlicher argumentiert Basilius der Große in seinem Werk Über den Heiligen Geist (De Spiritu Sancto, 27, 66). Er erklärt, dass die Dogmen teils aus der schriftlichen Lehre, teils aus der ungeschriebenen Überlieferung der Apostel stammen und beide „dieselbe Kraft für die Frömmigkeit“ besitzen. Wer die ungeschriebenen Bräuche (wie das Kreuzzeichen oder die liturgischen Gebete) abtue, schädige laut Basilius das Evangelium in seinen wichtigsten Teilen.
Kannten die Apostel ein Kreuzzeichen? Welche Hinweise gibt es auf Marienikonen? Die Bibel warnt recht deutlich davor, ein anderes Evangelium zu predigen.
Veröffentlicht von: @holger-f3 Es ist für mich immer wieder überraschend, dass bis heute der Eindruck vorhanden ist, die Katholische Kirche würde der Tradition den Vorzug vor der Schrift geben. Dieser Eindruck wurzelt wohl in Martin Luthers reformatorischem Kampfruf Sola Scriptura („Allein die Schrift“). Durch diese Zuspitzung entstand das Zerrbild einer rein traditionsgesteuerten katholischen Kirche, in der die Bibel keine Rolle spiele.
Offensichtlich waren die Missbräuche der katholischen Kirche zur Zeit Luthers doch etwas mehr als ein Zerrbild.
Deswegen muss Sola Scriptura auch im Kontext seiner Zeit gesehen werden: Sola Scriptura ist kein Prinzip, das vor der Verschriftlichung der Tradition in Form der Bibel gefordert wurde, sondern ein Punkt des Rückzuges auf die in der Bibel verschriftliche apostolische mündliche und schriftliche Tradition, von der die mittelalterliche Kirche abgewichen ist.
Und deswegen sollte die protestantische oder sagen wir konkreter die evangelikale, und noch konkreter die evangelikal-volkstümliche Denkweise, man könne Sola scriptura anhand der Schrift begründen, ad acta gelegt werden. Solche Diskussionen enden erfahrungsgemäß immer nur im Streit und sind der Tiefe der Frage nicht angemessen. Es gibt eben - wie du richtig andeutest - solche Bibelverse nicht, kann sie gar nicht geben, ohne dass man den Textsinn völlig entstellt…
Die apostolische Überlieferung, die damals vorlag, kann aber nicht auf Glaubenswahrheiten angewendet werden, die später niedergeschrieben wurden. Das ist der Knackpunkt.
Kannten die Apostel ein Kreuzzeichen? Welche Hinweise gibt es auf Marienikonen? Die Bibel warnt recht deutlich davor, ein anderes Evangelium zu predigen.
Das ist gar nicht notwendig, wenn die Kirche als die von Christus gestiftete Institution der „Heilsvermittlung“ (blödes Wort) geglaubt wird (was offensichtlich so war, wie mündliche und schriftliche Überlieferung nicht ganz abwegig erscheinen lassen). Dann ist diese Kirche auch legitimiert, Lehre weiter zu entfalten.
Frömmigkeitsformen (Kreuzzeichen, Ikonen) sind für mich keine ernsthafte Baustelle für kontroverse Diskussionen über das Evangelium. Das Kreuzzeichen ist einfach viel zu offensichtlich eine ziemlich gute Art ganz viel Evangelium in ganz wenig Gesten zu packen…
Offensichtlich waren die Missbräuche der katholischen Kirche zur Zeit Luthers doch etwas mehr als ein Zerrbild.
Missbräuche sind historisch gut belegt und nicht zu bestreiten. Die Frage ist, ob diese außerordentlich schlechte Verfassung der Kirche zur Zeit Luther es rechtfertigt, das sog. Kind mit dem Bade auszuschütten, also 1500 Jahre Kirche in allen Facetten über den Haufen zu schmeißen…
LG
P.S. Ich habe vor ca. 30 Jahren eine christliche Freikirche verlassen, stand Jahrzehnte dem protestantischen Denken sehr nahe, bin vor wenigen Jahren aber dem Katholizismus beigetreten und verstehe mich als ökumenisch gesinnter Mensch, wobei meines Erachtens Ökumene nur funktioniert, wenn die konfessionellen Unterschiede klar konturiert sind und damit diskutierbar werden. Dasselbe gilt auch für den interreligiösen Diskurs mit Muslimen. Ein Wischiwaschi-Christentum wird schlicht nicht ernst genommen…
Veröffentlicht von: @holger-fIch habe vor ca. 30 Jahren eine christliche Freikirche verlassen, stand Jahrzehnte dem protestantischen Denken sehr nahe, bin vor wenigen Jahren aber dem Katholizismus beigetreten
Darf man fragen, wie es dazu kam?
Ja, darf man. Die „Freikirche“ war die Neuapostolische Kirche, die zu der Zeit noch erheblich sektierisch unterwegs war. Das hat sich glücklicherweise geändert. Seit Kurzem ist sie - zurecht - Vollmitglied des ACK Deutschland.
In der Auseinandersetzung mit den dortigen Lehrmeinungen ist mein theologisches Interesse gewachsen und da fielen mir hauptsächlich protestantische Bücher in die Hände. Aufgrund meiner konfessionellen Herkunft wollte ich aber nicht den Fehler machen, einfach der evangelischen Landeskirche beizutreten. Das schien mir dann doch so zu sein wie jemand der sich von seiner Freundin trennt und sich dann schnell „die nächstbeste“ schnappt. Was in einem solchen Fall richtig ist (nämlich zunächst einmal alleine zurecht zukommen und die Dinge in Ruhe zu überdenken), erschien mir in geistlicher Hinsicht mindestens genauso richtig.
Theologisch habe ich dann das ganze protestantische Spektrum abgeklappert einschließlich des Adventismus‘ und die Denkrichtung immer quer zu den Konfessionen gelegt. Dabei kam der Katholizismus zwar theoretisch vor, aber eben nicht praktisch, warum, kann ich nicht sagen.
Vor ca. fünf Jahren ist mir dann ein grundlegendes Licht aufgegangen, dass nämlich der Katholizismus die besten Antworten zu allen Glaubensfragen zur Verfügung stellt, den Intellekt in höchster Weise herausfordert und befriedigt und dies auf allen nur erdenklichen Niveaustufen und mit ein schier unüberschaubaren Fülle an Frömmigkeitsformen, dass es mir noch heute manchmal den Atem verschlägt. So kann im Grunde jeder „gut katholisch“ sein und werden.
Nach all den Jahren bzw. Jahrzehnten ist dann aber auch eine innere Klarheit entstanden, dass es ohne Ökumene nicht geht und natürlich den Dialog der Religionen. Dazu sind aber klar erkennbare Konturen nötig. Ich kann nicht mit einem Freikirchler diskutieren, der seine eigenen konfessionellen Grundlagen nicht kennt bzw. bereit ist, die zu durchdenken. Ebenso erwartet ein überzeugter Muslim - zurecht - von mir, dass ich weiß, worüber ich rede und mich mit seiner Religion zumindest in Grundzügen auskenne und bereit bin ihm zuzuhören.
Apropos Zuhören. Ich mal nen Punkt. 🙂
Ich sehe die Nachricht erst jetzt, antworte dir aber gerne. Ja, die Gründe für den Austritt waren AUCH Auseinandersetzungen mit den dortigen Lehrmeinungen.
Allerdings will ich zunächst festhalten, dass in der NAK (Neuapostolische Kirche) schon immer ein gutes christliches Miteinander vorhanden war und vielfältige musikalische Aktivitäten den kirchlichen Alltag bereicherten. Auch ist hervorzuheben, dass dort alle anstehenden Aufgaben von Sonntagsschule bis Religionsunterricht, von Jugendarbeit bis Gemeindeleitung ehrenamtlich erledigt werden und alle finanziellen Notwendigkeiten von den Kirchenmitgliedern selbst getragen werden. Kirchensteuern werden nicht erhoben, obwohl der kirchliche Status als Körperschaft des öffentlichen Rechts dies ermöglichen würde. Rückblickend kann ich also feststellen, dass ich dort christliche Grundhaltungen nicht nur „gelernt“, sondern vorgelebt bekommen habe.
Die NAK kommt aus der Tradition der sog. Albury-Bewegung (19. Jhdt.) und hat eine ziemlich komplizierte Geschichte hinter sich. Anfänglich gab es eine ökumenische Weite der sog. katholisch-apostolischen Gemeinden, die ihr Ziel darin sah, die Christenheit aufzurütteln und auf die als nahe bevorstehend geglaubte Wiederkunft aufmerksam zu machen. Die zu diesem Zwecke eingesetzten 12 Albury-Apostel starben nach und nach, die ursprüngliche Bewegung gibt es noch sporadisch, aber ohne weiter Amtsträger eingesetzt zu haben, man wähnt sich in einer „Zeit der Stille“.
In Deutschland wurden dann ab 1863 eigenmächtig neue deutsche Apostel eingesetzt, die durchweg über wenig theologisches Wissen und Bildung verfügten. Dadurch fand eine geistig-geistliche Verengung statt, die in sektenhaftes Gehabe mündete, dass in den 50er und 60er Jahren ihren Tiefpunkt erreichte und dessen Nachwirkungen auch mich noch „erreicht“ haben. Da theologische Bildung als unwichtig empfunden wurde, wurden nicht haltbare Vorstellungen über die Sakramente entwickelt und vor allem die eigene Kirche als DAS „Erlösungswerk Gottes“ angesehen, ohne dass man die naheliegende Frage, was denn mit den anderen Christen sei, überhaupt angedacht hat…
Kurioserweise hat man den Blick so sehr auf die eigene Gemeinschaft gerichtet, dass man sich nicht einmal mit anderen Kirchen beschäftigte, ich kann mich an kaum ein negatives Wort über andere Kirchen erinnern, im Gegenteil…
Ich vermute, dass das auch der Grund war, weshalb die ab ca. 1995 zaghaft begonnene Öffnung Richtung Ökumene so verhältnismäßig reibungslos funktioniert hat, weil es in der NAK weder antikatholische noch antiprotestantische Ressentiments gab.
Ich freue mich jedenfalls darüber, dass die NAK seit Kurzem Vollmitglied der ACK Deutschlands ist!
In meinem jungen Erwachsensein sind mir natürlich die lehrmäßigen Ungereimtheiten (Apostelamt, Versiegelung, Entschlafenenwesen etc.) nach und nach aufgefallen, ebenso die unaufgearbeitete Spaltungsgeschichte und die doch sehr starke intellektuelle Enge.
Mit Aufkommen des Internets wurde es dann möglich, dass wir sog. „Kritiker“ uns ziemliches Gehör verschaffen konnten, breite Aufklärungsarbeit leisteten, Dokumente „ausgruben“ und verbreiteten. Damit haben wir letztlich zum Veränderungsprozess der NAK beigetragen…
Die meisten der damaligen Mitstreiter sind konvertiert, ich bin lediglich ausgetreten und habe mir die Sache lange von außen angeschaut, bis ich dann vor drei Jahren entschied, mich firmen zu lassen und in die Katholische Kirche aufgenommen wurde.
Das sollte wohl erstmal reichen… 🙃
Interessante Frage. Der KKK ist IMO etwas für sehr interessierte Menschen, die Zeit, das intellektuelle Vermögen und den Willen haben, sich da durchzukämpfen. Er ist leider nur dogmatisch interessant, was ich schade finde. Der EEK (Ausgabe der 90er Jahre) liest sich da viel flüssiger. Ich nehme ihn noch heute gerne zur Hand…
Der KKK überschüttet selbst den interessierten Leser mit Informationen, die er einerseits nicht braucht, andererseits vermutlich auch gar nicht wünscht. Spontan fällt mir wirklich keine gesellschaftliche Gruppe ein (außer Theologen), die das mit Genuss lesen werden.
Wer an dogmatischen Grundlagen der Katholischen Kirche interessiert ist, dem würde ich eher das Kompendium des KKK empfehlen, das zwar auch „trocken“ ist, mit dem man sich aber in überschaubarer Zeit einen guten Überblick verschaffen kann.
Jugendlichen und jungen Erwachsenen würde ich deutlich abraten und den YOUCAT empfehlen…
Veröffentlicht von: @holger-fDer Knackpunkt scheint mir ein anderer zu sein, nämlich, inwiefern die Kirche erstens die legitime Autorität ist, Lehre weiter zu entwickeln oder - wie es gerne heißt - zu entfalten. Und zweitens mit welchen Methoden sie das macht.
Die Kirche als Ganzes hat die Legitimität und hatte von ihr im Rahmen der ökumenischen Konzile Gebrauch gemacht. Du müsstest erklären, warum das, was biblisch der ganzen Kirche zugesprochen wird und kirchenhistorisch durch die ökumenischen Konzile wirkte, nur noch für die Westkirche gelten soll. Gerade auch vor dem Hintergrund, dass die Ostkirchen von Rom als echte Teilkirchen bezeichnet werden und nicht als getrennte Gemeinschaften. Zumal die RKK ja vor allem deshalb von der Orthodoxie als abgefallen betrachtet wird, weil sie eben einfach eigenmächtig das Glaubensbekenntnis geändert hat ohne die Gesamtkirche mit einzubeziehen.
Veröffentlicht von: @holger-fFrömmigkeitsformen (Kreuzzeichen, Ikonen) sind für mich keine ernsthafte Baustelle für kontroverse Diskussionen über das Evangelium. Das Kreuzzeichen ist einfach viel zu offensichtlich eine ziemlich gute Art ganz viel Evangelium in ganz wenig Gesten zu packen…
Naja, wenn man meint, "wer die ungeschriebenen Bräuche (wie das Kreuzzeichen oder die liturgischen Gebete) abtue, schädige laut Basilius das Evangelium in seinen wichtigsten Teilen", wird das schon zu einer ernsthaften Debatte. Denn es heißt ganz klar, dass kein neues Evangelium eingeführt werden darf. Wenn Du nun also argumentierst, dass die ungeschriebenen Bräuche zum Evangelium gehörten, muss man das mit den Aposteln abgleichen, denn was diese nicht lehrten, gehört nicht zum Evangelium und ist nicht heilsnotwendig.
Veröffentlicht von: @holger-fMissbräuche sind historisch gut belegt und nicht zu bestreiten. Die Frage ist, ob diese außerordentlich schlechte Verfassung der Kirche zur Zeit Luther es rechtfertigt, das sog. Kind mit dem Bade auszuschütten, also 1500 Jahre Kirche in allen Facetten über den Haufen zu schmeißen…
Ich denke, das musst Du für Dich selbst klären, ob es redlich ist, Luther die Verantwortung für das zuzuschieben, was historisch Deine Kirche verbockt hat. Zumal Luther keine neue Kirche gründen wollte, also hier gar keine Intention hatte. Die Intention, Missbräuche weiterzuführen, hatte hingegen Rom und hat damit gegen den Heiligen Geist gewirkt.
Veröffentlicht von: @holger-fP.S. Ich habe vor ca. 30 Jahren eine christliche Freikirche verlassen, stand Jahrzehnte dem protestantischen Denken sehr nahe, bin vor wenigen Jahren aber dem Katholizismus beigetreten und verstehe mich als ökumenisch gesinnter Mensch, wobei meines Erachtens Ökumene nur funktioniert, wenn die konfessionellen Unterschiede klar konturiert sind und damit diskutierbar werden. Dasselbe gilt auch für den interreligiösen Diskurs mit Muslimen. Ein Wischiwaschi-Christentum wird schlicht nicht ernst genommen…
Das ist interessant. Es ist immer wieder zu beobachten, dass Menschen, die vorher in irgendwelchen Freikirchen unterwegs waren, zum Katholizismus konvertieren. Man wechselt von einer Richtung starker Beliebigkeit zu einer starken Autorität. Meines Erachtens hättest Du, wenn es um eine bibelorientierte, solide Struktur und Ordnung geht, auch in die evangelische Landeskirche gehen können.
Veröffentlicht von: @holger-fDer KKK überschüttet selbst den interessierten Leser mit Informationen, die er einerseits nicht braucht, andererseits vermutlich auch gar nicht wünscht. Spontan fällt mir wirklich keine gesellschaftliche Gruppe ein (außer Theologen), die das mit Genuss lesen werden.
Ich halte den Katechismus für Fluch und Segen zugleich. Aus ihm ist nicht die Hierarchie der Wahrheiten erkennbar, was am Ende dazu führt, dass der Gläubige die Priorität der Glaubensinhalte nicht einschätzen kann. Außerdem fehlt oft der historische Kontext. Es kann auch dazu führen, dass dem Gläubigen wichtige Zeit für das eigene Bibelstudium fehlt, weil er mehr damit beschäftigt ist, Lehrbriefe durchzuarbeiten. Das ist glaube ich ein Grund, warum am Ende etliche Katholiken ihre Thesen nicht biblisch begründen können. Der Katechismus hatte natürlich eine gute Intention, aber praktisch erhärtet er das Bild einer formalisierten Behörde und steht ein bisschen dem gelebten Glauben entgegen, den evangelische Gläubige u.a. durch den regen Austausch über das Wort Gottes erlangen können.
Guten Tag,
Die Kirche sieht sich grundsätzlich in der lückenlosen Kette seit den ersten Aposteln - es gab am Anfang kein Neues Testament, sondern nur die Gemeinschaft.
Das ganze aber nicht nur einfach weil man innerhalb einer Gruppe/Organisation war, sondern weil es lückenlose Handauflegungen/Weihen gewesen sind.
Deshalb ist nicht automatisch alles Teil dieser Gemeinschaft, nur weil es sich irgendwie auf die Bibel bezieht, die es in der Form damals gar nicht gab.
Paulus räumt selbst die Möglichkeit ein, das Menschen aus der Mitte aufstehen und ein anderes Evangelium predigen. Ein anderes Evangelium, also auf Jesus bezogen aber mit veränderten Kernelementen.
Das liegt doch zumindest Recht nahe, das solche Gruppen dann, nach der Denkweise der Apostel, nicht mehr Teil der eigenen Ekklesia wären und damit nicht Teil der originalen Kirche? Sonst würde er nicht davor warnen, das passt sonst ja gar nicht zusammen.
Bezüglich der Orthodoxen Kirche ist das ganze etwas anders, die Streitfragen weniger bzw haben mit dem Papst zu tun. Aber ich glaube nicht daß hier im Forum nur ein einzelner Orthodoxer Gläubiger zu Gange ist, habe ich zumindest nicht mitbekommen. Das macht die Diskussion darüber nicht leichter.
Bezüglich dem Luther ja ein guter Punkt, eigentlich wollte er gar keine neue Kirche gründen.
Mir wurde von einem Studenten der Theologie einmal gesagt, das die Zustände in Mitteleuropa in der Kirche nicht überall so gewesen sind, sondern mehr ein Mitteleuropäisches Phänomen waren. Zumindest im dem Umfang und man in Rom die Lage nicht korrekt eingeschätzt hat.
Im Nachhinein hatte es durchaus Auswirkungen, es gab die Gegenreformation um Missstände aufzuarbeiten.
Luther ist oder war auch nicht der einzige der innerhalb der Kirche zu kämpfen hatte. Auch andere Mönche erging es ähnlich. Der Unterschied war dann aber, das jene sich nicht über die Kirche selbst erhoben haben sondern demütig Gottes handeln abwarteten.
Veröffentlicht von: @kappaGuten Tag,
Die Kirche sieht sich grundsätzlich in der lückenlosen Kette seit den ersten Aposteln - es gab am Anfang kein Neues Testament, sondern nur die Gemeinschaft.
Das ganze aber nicht nur einfach weil man innerhalb einer Gruppe/Organisation war, sondern weil es lückenlose Handauflegungen/Weihen gewesen sind.
Deshalb ist nicht automatisch alles Teil dieser Gemeinschaft, nur weil es sich irgendwie auf die Bibel bezieht, die es in der Form damals gar nicht gab.
Der Gedanke, sich im Detail zu fragen, wie es ursprünglich in der Welt des Christentums „abging“, erscheint mir gewinnbringend. Die noch nicht vorhandene Heilige Schrift und der erst viel später (durch die Kirche) verbindlich gemachte Kanon bedeuten auch, dass ca. 20 Generationen lang in den damaligen Gottesdiensten aus beliebten Schriften vorgelesen wurden, die später als nichtkanonisch eingestuft wurden, dass es Gemeinden gab, die nur über einzelne unvollständige Schriften verfügten, ja vermutlich gab es sogar viele (heidenchristlichen) Gemeinden, die über gar nichts verfügten (zumindest über einen langen Zeitraum), was irgendwie „biblisch“ war. Vielleicht hatten sie den einen oder anderen Brief des Gründers ihrer Gemeinde (also nicht etwa „dem Paulus seine Briefe“ 🙂).
Das Evangelium wurde also anders verbreitet wie wir es heute kennen, nämlich mündlich. Und damit nicht das geschieht was du oben erwähnt hast, dass nämlich Leute ihre eigenes „Evangelium“ an den Mann zu bringen versuchten, war „Autorität“ nötig. Auch wenn man vermutlich die apostolische Sukzession nicht im Detail der ersten Jahrhunderte rekonstruieren kann, so ist doch sehr naheliegend, dass sich ein Missionar ausweisen können musste, um zu belegen, dass er von jemanden vollmächtig auftrat und nicht „auf eigene Kappe“…
Soweit meine Gedanken zu deinem Impuls…
LG
Veröffentlicht von: @holger-fDer Knackpunkt scheint mir ein anderer zu sein, nämlich, inwiefern die Kirche erstens die legitime Autorität ist, Lehre weiter zu entwickeln oder - wie es gerne heißt - zu entfalten. Und zweitens mit welchen Methoden sie das macht.>>Die Kirche als Ganzes hat die Legitimität und hatte von ihr im Rahmen der ökumenischen Konzile Gebrauch gemacht. Du müsstest erklären, warum das, was biblisch der ganzen Kirche zugesprochen wird und kirchenhistorisch durch die ökumenischen Konzile wirkte, nur noch für die Westkirche gelten soll. Gerade auch vor dem Hintergrund, dass die Ostkirchen von Rom als echte Teilkirchen bezeichnet werden und nicht als getrennte Gemeinschaften. Zumal die RKK ja vor allem deshalb von der Orthodoxie als abgefallen betrachtet wird, weil sie eben einfach eigenmächtig das Glaubensbekenntnis geändert hat ohne die Gesamtkirche mit einzubeziehen.“
Die „Kirche als Ganzes“ müsste nach katholischer Lesart heißen „die Kirche mit dem Papst“. Es mag einem nicht passen und man kann natürlich alle möglichen Gegenargumente vorbringen, das ist mir bewusst, aber die argumentative Linie, dass dort wo der Papst ist, auch die Kirche ist, hat was… 😀
Dass dann die Orthodoxie den argumentativen Spieß umdreht, ändert aber nichts an der Aussage, dass nur dort Kirche ist, wo der Papst ist. Dasselbe gilt für die reformatorischen Kirchen. Sie sind - auch in ihrer Selbstdefinition - nicht Kirche im katholischen Sinn, denn es fehlt die apostolische Sukzession und - man ahnt es fast - die Verbindung zum Papst.
Man kann natürlich die Notwendigkeit der Papstverbundenheit in Frage stellen, aber dann müssten wir anders herum die Vielfalt der lehrmäßig widersprüchlichen Kirchen/ Gemeinschaften als den Willen Jesu „feiern“ und in der Heiligen Schrift nachweisen. Und da wäre ich sehr gespannt…
LG
@holger-f „die Kirche mit dem Papst“ ok, das ist zb Kriterium vom letzten Konzil.
Kirche war aber immer territorial organisiert, das kann man nicht ausklammern in der Betrachtung der Kirche.
Dass Kirche nur dort ist, wo der Papst ist, ist allerdings nicht Lehrmeinung, sonst würde man die Orthodoxen nicht als „echte Teilkirchen“ bezeichnen.
Sicher sind die Orthodoxen auch schwierig, für die sind eigentlich alle in der Hölle.
Veröffentlicht von: @kappaDas ganze aber nicht nur einfach weil man innerhalb einer Gruppe/Organisation war, sondern weil es lückenlose Handauflegungen/Weihen gewesen sind.
Deshalb ist nicht automatisch alles Teil dieser Gemeinschaft, nur weil es sich irgendwie auf die Bibel bezieht, die es in der Form damals gar nicht gab.
Paulus räumt selbst die Möglichkeit ein, das Menschen aus der Mitte aufstehen und ein anderes Evangelium predigen. Ein anderes Evangelium, also auf Jesus bezogen aber mit veränderten Kernelementen.
Das liegt doch zumindest Recht nahe, das solche Gruppen dann, nach der Denkweise der Apostel, nicht mehr Teil der eigenen Ekklesia wären und damit nicht Teil der originalen Kirche? Sonst würde er nicht davor warnen, das passt sonst ja gar nicht zusammen.
Damit räumst Du selbst ein, dass das Auflegen der Hände kein ausreichendes Kriterium ist. Wie schon geschrieben, argumentiert Irenäus gegen die Gnostiker mit der apostolischen Sukzession, was angesichts vieler Gemeinden durchaus ein sinnvolles Werkzeug war. Du schreibst aber genauso, dass offensichtlich Menschen, denen die Hände aufgelegt wurden, aus der Gemeinde/Kirche abgewichen sind. Das scheint mir die Situation der Kirchen der apostolischen Sukzession zu sein.
Veröffentlicht von: @kappaBezüglich der Orthodoxen Kirche ist das ganze etwas anders, die Streitfragen weniger bzw haben mit dem Papst zu tun. Aber ich glaube nicht daß hier im Forum nur ein einzelner Orthodoxer Gläubiger zu Gange ist, habe ich zumindest nicht mitbekommen. Das macht die Diskussion darüber nicht leichter.
Es gibt im Grunde zwei Punkte zwischen Orthodoxie und Katholizismus:
Zum einen der römische Anspruch, dass der Papst ein Jurisdiktionsprimat über die ganze Kirche ausübt (siehe Schwendenwein, Die katholische Kirche, Aufbau und rechtliche Organisation, S. 199) und nicht nur über die lateinische und die mit Rom unierten Ostkirchen, obwohl es "nie ein die gesamte Christenheit umfassendes Jurisdiktionsoberhaupt" (Prof. Dr. Stefan Heid auf Domradio) gab.
Der andere Streitpunkt ist das Filioque. Auf dem ersten Konzil von Nicäa wurde von der ganzen Kirche, also alle damaligen Patriarchaten, das Glaubensbekenntnis festgelegt. Es heißt, man glaube "an den Heiligen Geist, ... der aus dem Vater hervorgeht." Es war auch ganz klar Konsens und sogar in einem Kanon des Konzils festgelegt, dass niemand ein Glaubensbekenntnis ändern darf. Trotzdem hat die Westkirche eigenmächtig und damit nicht auf einem ökumenischen Konzil das Glaubensbekenntnis geändert, dass der "Heilige Geist... aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht".
Paradoxerweise haben die Reformatoren das kritiklos übernommen, woran man erkennen kann, dass der Reformation keine tiefgehende theologische Reflektion zugrunde liegt, sondern sie wirklich nur eine kirchenpolitische Reaktion war. Deswegen verwendet man auch den Begriff "christliche Kirche" im Glaubensbekenntnis in vielen evangelischen Gemeinden, obwohl es gar keine andere Kirche als eine christliche gibt.
Wenn man bedenkt, dass der Heilige Geist durch die ökumenischen Konzile in der frühen Kirche gewirkt habe, frage ich mich, ob diese einseitige Veränderung nicht eine Sünde wider den Heiligen Geist ist?
Insofern ist das Argument verständlich, dass nicht die Orthodoxie abgefallen ist, sondern das Patriarchat von Rom.
Veröffentlicht von: @kappaMir wurde von einem Studenten der Theologie einmal gesagt, das die Zustände in Mitteleuropa in der Kirche nicht überall so gewesen sind, sondern mehr ein Mitteleuropäisches Phänomen waren. Zumindest im dem Umfang und man in Rom die Lage nicht korrekt eingeschätzt hat.
Es gab immer auch politische und geschichtliche Fehlentwicklungen. Die russische Orthodoxie rechtfertigt gerade den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Allerdings wird in der Orthodoxie ein Patriarch nicht als unfehlbar eingestuft (auch nur nicht nur unter bestimmten Umständen), weshalb dieser persönliche Irrtum auch als solcher wahrgenommen werden kann.
Die Problematik, die sich für mich kirchengeschichtlich ergibt:
Während die Kirche früher ihre Unfehlbarkeit über die ökumenischen Konzile, also wirklich über den Konsens aller Patriarchen, ausübte und auch jetzt klar sagt, dass es ohne lateinische Kirche kein ökumenisches Konzil geben kann, nimmt die römisch-katholischen Kirche in Anspruch, eigene ökumenische Konzile durchzuführen und unfehlbare Glaubensinhalte durch den Papst feststellen lassen zu können, völlig ohne Zustimmung der Orthodoxie. Das ist eine problematische Verlagerung und gerade hier darf schon die Berechtigung angefragt werden.
Veröffentlicht von: @kappaIn der Realität haben wir nur als Beispiel einen anderen Thread, wo es darum geht ob und wie Christen verloren gehen können.
Wie relevant ist diese Frage wirklich? Man ist sich zumindest einig, dass es nach der Bekehrung irgendeine Wechselwirkung zwischen dem veränderten Menschen und seinem Verhalten geben muss.
Veröffentlicht von: @kappaDiese Unklarheiten, die ich auch mit sehr sehr viel Bibellesen nicht wegbekommen konnte, waren mit der Grund warum ich Katholisch wurde.
Auch als Katholik wirst Du aus Dankbarkeit für das, was Christus an Dir getan hat, handeln, wie diese Motivation auch ein Calvinist haben könnte. Welches Modell Du bevorzugst, dürfte am Ende keinen Unterschied machen, zumal Konsens darin besteht, dass die Rechtfertigung aus Gnade passiert. Ob der Katholizismus die Heiligung mit unter die Rechtfertigung fasst oder der Protestant beide Dinge trennt, aber doch in einen zeitlichen Bezug setzt, ändert doch am praktischen Vollzug nichts.
Ich würde eher noch einräumen, dass bei den Katholiken die Wahrscheinlichkeit, dass Taufbefehl und Abendmahl befolgt und gefeiert werden, größer ist als bei Strömungen, die alles neu erfinden müssen. Aber diese theologischen Spitzfindigkeiten, wie die Korrelation zwischen Gnade, Rechtfertigung, Werken usw aussieht, halte ich eher für eine akademische Relevanz.
Veröffentlicht von: @kappaBezüglich Ekklesia und Konfession - die Katholische Kirche sieht sich ursprünglich nicht als eine von vielen Möglichen Konfessionen, sondern als DIE Gemeinschaft die damals gegründet wurde und bis heute Bestand hat.
Ob sich die Römisch-Katholische Kirche als die einzige Subsistenz der Kirche Christi sieht, ist doch relativ irrelevant, gerade wenn sich das Argument mit der Kontinuität begründet, die ebenfalls auf Altorientale, Orthodoxe, Altkatholiken und Anglikaner zutrifft. Klassischen Lutheranern ist die Kontinutität/Sukzession ebenfalls wichtig, soweit ich weiß auch den protestantischen Gemeinschaften in Nordeuropa.
Veröffentlicht von: @kappaWas die Tradition der Evangelischen Kirche angeht, diese steht zum Teil gewiss in der Tradition von den 1500 Jahren vorher, zum Teil aber auch nicht. Es werden bewusst nicht alle Kirchenväter und Lehrer anerkannt.
Das trifft aber auch auf Katholiken zu. Origenes ist glaube ich "out of game".
Veröffentlicht von: @kappaDas alte Grundgerüst des Glaubens, am Anfang "12 Apostel Lehre genannt" in der Sog. Didache, hast du das schonmal gelesen?
Ja, ganz spannend. Besonders, dass ein Bischof von der Gemeinde gewählt werden soll, der als erprobter Familienvater gilt.
Veröffentlicht von: @kappaDiese Abläße betrafen eigentlich nicht die Sünden an sich. Die Vergebung kann man nicht Ausgleichen oder kaufen, das steht nicht zur Debatte.
Gut, die zeitlichen Sündenstrafen. Dass der Erlass der zeitlichen Sündenstrafen im Fegefeuer von der Organisation verkauft wurde, die sich der päpstlichen Unfehlbarkeit bedient, soll nun nicht mehr zur Debatte stehen, ist aber das entscheidende Argument gegen die Sicherheit, die mit einem solchen Lehramt einhergeht. Und auf den Bibelvers "Tut alles was die Pharisäer sagen, denn sie haben sich auf den Stuhl des Mose gesetzt, richtet Euch aber nicht nach dem, was sie selbst tun" (Gedächtniszitat) kannst Du nicht Bezug nehmen, das müsstest Du dann auch auf Luther und auf alle anderen Personen oder Ämter anwenden.
Also für mich ist das die allerwichtigste Frage, was Heilsrelevant ist. Für mich und meine Familie. Deshalb bringt dieses Wischi-Waschi nicht weiter und zu Verunsicherung bei dem was man tut. Ohne das Heil am Ende auch zu erlangen wäre alles andere Quasi Sinnlos.
Das man in der Gemeinschaft ist die Christus tatsächlich gründete ist ebenfalls wichtig. Gottes Berufungen können ihm nicht gereuen und das ist der Platz, den ich haben möchte. Es mag für die Nicht-katholischen Gläubigen Irrelevant sein was die Kirche über sich denkt, aber es ist zweifelsohne wichtig, was der Herr darüber denkt.
Es gibt ja auch Orthodoxe oder Orientalische Kirchen die mit Rom Uniert sind. Die lokalen/ kulturellen Besonderheiten der Gläubigen werden dahingehend auch respektiert. Aber sie sind in Einheit mit Rom.
Anglikaner, Altkatholiken oder Lutheraner haben einen tieferen Bruch mit der Tradition und der Kirche. Gerade die Anglikanische Kirche wurde durch den Stolz und die Leidenschaft des englischen Königs doch überhaupt erst in das Leben gerufen. Im Nachgang wurden Katholiken massiv verfolgt, viele getötet.
Wenn du überzeugter Nicht-katholischer Gläubiger bist - dann Stelle ich mal die Gegenfrage, das Glaubst du, in welcher Gemeinschaft bist du und warum denkst du, das es das ist was Gott möchte?
Ein Beispiel bezüglich der Tradition;
Im Protestantismus wird ein Teil der Lehre des Augustinus gern angenommen "Erlösung durch Glaube, Gnade" , seine Lehre bezüglich den Sakramenten und der Kirche selbst dann aber wieder nicht. Das hat doch was von Rosinenpickerei.
Allerdings muss ich zugeben daß es innerhalb der Protestantismus natürlich unterschiedliche Meinungen gibt. Lutheraner haben bezüglich der Taufe oder Abendmahl ein anderes traditionelleres Verständnis als neuere Entwicklungen die es hier gibt.
@kappa solange der Papst zu diesen Punkten nicht Ex Cathedra gesprochen hat, dürfte auch der Katholik frei in seinen Interpretationen sein.
Ansonsten ja, traditionelle Protestanten wie Lutheraner denken aus der Kirche heraus und wenden die Schrift als Filter an, moderne Evangelikale versuchen aus der Schrift heraus die Dinge neu zu erschließen.
Leider komme ich mit den technischen und inhaltlichen Vorgehensweisen in diesem Forum noch nicht ganz zurecht. So ist der Aspektreichtum der Einzelbeiträge zum Teil so groß, dass man/ ich gar nicht weiß, wie man da den Überblick behalten kann, zumal mir auch noch nicht klar ist, wer dann ggf. alles mitdiskutieren darf. Aber egal…
An deinem Beitrag fand ich spannend, dass du die Uneindeutigkeit der biblischen Aussagen z.B. bei der Bischofswahl angesprochen hast.
Für mich ist es gerade die Tatsache, dass die Heilige Schrift sich nicht eindeutig zu - uns wichtigen - Lehrfragen ausspricht (nicht einmal zu Fragen bzgl. der Taufe, des Abendmahls, dem Leben nach dem Tod), der Hinweis darauf, dass sie nicht der einzige Bezugspunkt des christlichen Denkens sein kann.
Es ist also eine außerbiblische Autorität nötig, die sich mE ziemlich unzweifelhaft in den neutestamentlichen Schriften abzeichnet: eine Kirche, die vollmächtig das Evangelium verkündigt, in Fragen der Lehre verbindliche Entscheidungen treffen darf, unter dem verheißenen Beistand des Heiligen Geistes den Glauben entfaltet, das Gewissen schult und Sünden, die den Menschen plagen und ihn von Gott trennen, ebenfalls vollmächtig vergeben kann.
Die Heilige Schrift kann und will das nicht…
LG
P.S. Sollten diese Gedankengänge in diesem Thread unpassend sein, wäre ich für einen Hinweis dankbar…
@holger-f Das Problem am Verständnis von Sola Scriptura, das man häufig antrifft, ist, dass es nicht nur kirchliche Traditionen hinterfragt und neu einordnet, sondern auch die vorbiblischen Traditionen ignoriert. Ein Traditionsbruch in beide Richtungen. Deswegen tun sich viele Protestanten mit dem Verständnis von Eucharistie und Abendmahl schwer, sowohl bei den Katholiken als auch bei den Lutheranern, weil sie sich nie mit dem Heilsverständnis von Erinnerung, wie es im Judentum üblich ist, befasst haben. Denn wozu soll man sich mit der Kultur, in der Jesus wirkte, befassen, wenn doch die „Schrift allein“ alles umfasst.
So sehe ich das auch. In diesem Zusammenhang haben mir die Bücher von Brant Pitre sehr weitergeholfen, der zu vielen biblischen Themen bzw. neutestamentlichen Texten zeigt, wie sie mit der jüdischen/ judenchrislichen Brille der damaligen Zeit zu verstehen sind.
Insbesondere der typologische Ansatz und die Methode des mehrfachen/ vierfachen Schriftsinns ist Protestanten wohl weitgehend verloren gegangen, was häufig zu Missverständnissen in Diskussionen führt…