Geld auf Zinsen geben?
Im Psalm 15, Bibeltext für den vorigen Sonntag (23.2.25), finde ich u.a. folgendes:
"HERR, wer darf weilen in deinem Zelt?
(...)
wer sein Geld nicht auf Zinsen gibt
(...)
Wer das tut, wird nimmermehr wanken."
Diese Bedingung erfülle ich nicht. Natürlich habe ich etwas Geld gespart, und natürlich habe ich es so angelegt, dass ich eine Verzinsung dafür bekomme. Wäre ich ein besserer Christ, wenn ich das Geld auf dem Girokonto behielte und von der Inflation fressen ließe.
Klar wäre ich ein besserer Christ, wenn ich es den Armen schenkten, aber darum geht es mir hier nicht.
Es geht dort darum, dass man sein Geld nicht für Zinsen verleihen soll; wo du dein Geld anlegst ist da nicht betroffen. Der Text gibt kein konkreten Kontext. Ich bezweifle, dass es damals ein Bankensystem wie heute gab, wo Zinsen klar geregelt sind. Ich denke da eher an so unseriöse Geldgeber, bei denen du lieber keine Schulden haben willst. Ansonsten fände ich es auch im privaten Bereich sehr komisch Zinsen zu verlangen.
Danke für deinen Erklärungsversuch. So ganz überzeugt er mich nicht. Der Psalm sagt nichts darüber aus, wem ich das Geld gegen Zinsen gebe. Ob man es verleihen oder anlegen nennt, spielt keine Rolle. In beiden Fällen gebe ich mein Geld hin und bekomme es später mit Zinsen zurück. Kritisieren könnte man überhöhte Zinsen (Wucherzinsen), übermäßigen Druck bei Fälligkeit der Forderung oder Begründung grundsätzlicher anderweitiger Abhängkeitsverhältnisse, wenn der Schuldner keine Chance hat oder vielleicht nie hatte, das Geld zurückzuzahlen. Aber hier wird das Nehmen von Zinsen ganz allgemein kritisiert, ohne Kontext und nähere Beschreibung, im gleichen Zuge wir das Brechen von Eiden, Bestechlichkeit und Verleumdung.
Ich stelle mir gerade vor, dass ich eines Tages vor Gottes Richterstuhl stehe, zugeben muss, dass ich (trotz Kenntnis von Psalm 15,5) Zinsen genommen habe. Und dann berufe ich mich darauf, dass Lhoovpee mir das auf Jesus.de aber als harmlos erklärt hat. Reicht das aus? Bist du entsprechend akkreditiert oder bevollmächtigt?
Der Psalm sagt nichts darüber aus, wem ich das Geld gegen Zinsen gebe.
Der Psalm ist eben sehr oberflächlich. Er gibt keine konkreten Informationen, was der Autor meint. Warum willst du also mehr hineinlesen als du weißt? Aus Angst?
Ob man es verleihen oder anlegen nennt, spielt keine Rolle
Doch, natürlich. Das sind Grundverschiedene Dinge.
Wenn du ein Kredit vergibst, dann ist der Kreditnehmer von dir abhängig. Es entsteht ein Machtgefälle.
Wenn du Geld gibst, um dafür Zinsen zurück bekommst, ist das für beide Seiten ein Gewinn.
Aber hier wird das Nehmen von Zinsen ganz allgemein kritisiert, ohne Kontext
Aber zum Glück ist die Bibel ja noch etwas dicker und beschäftigt sich mit dem Thema noch an anderen Stellen.
Zins / Zinsverbot - www.die-bibel.de
"zinsen" | Lutherbibel 2017 :: ERF Bibleserver
Und dann berufe ich mich darauf, dass Lhoovpee mir das auf Jesus.de aber als harmlos erklärt hat. Reicht das aus? Bist du entsprechend akkreditiert oder bevollmächtigt?
Ich habe dir meine Meinung geschrieben. Du kannst dir jetzt deine eigenen Bilden. Nennt sich Eigenverantwortung.
@lhoovpee Doch, natürlich. Das sind Grundverschiedene Dinge.
Wenn du ein Kredit vergibst, dann ist der Kreditnehmer von dir abhängig. Es entsteht ein Machtgefälle.
Wenn du Geld gibst, um dafür Zinsen zurück bekommst, ist das für beide Seiten ein Gewinn.
Verstehe ich nicht. Also, dass das zwei verschiedene und dann auch noch grundverschiedene, d.h. kategorisch unterschiedene Dinge seien. Meine (sehr begrenzten!) Kenntnisse in Sachen Finanzwirtschaft gehen dahin, dass Zinsen das sind, was sich ein Kreditgeber vom Kredit-Geben (also vom Verleihen) erhofft. Egal, ob es sich bei ihm un einen Banker handelt oder jemandem, der sein Geld dem Staat leiht, indem er beispielsweise Rentenpapiere in sein Privatportfolio aufnimmt.
Das "Machtgefälle" entsteht nicht, indem jemand einen Kredit vergibt. Wenn man hier überhaupt davon ausgeht, dass da ein Machtverhältnis vorliege, dann besteht es schon, bevor der Kredit gegeben wird: der eine hat Geld, der andere braucht's (in dem Fall, wo jemand sein Geld dem Staat leiht per Kauf einer Staatsanleihe, würde dann also entsprechend dieser Macht-Perspektive der Staat hier der "Schwächere" sein. Kommt einem vielleicht seltsam vor, wenn man als deutscher Kleinanleger deutsche Staatsanleihen kauft, solange man sich nicht klar macht, dass auch ein großer Investmentfond der letzte Ausweg für ein kleines, vor'm Staatsbankrott stehendes Land sein könnte...). Manche Leute nehmen übrigens unnötigerweise irgendwelche Verbraucherkredite auf, verschulden sich also aufgrund von Dusseligkeit und/oder Konsumgeilheit (für manche ist das Aufnehmen von Verbraucherkrediten freilich auch notwendig oder vernünftig) - das Machtgefälle liegt dann höchstens darin, dass sie in Finanzdingen nicht sonderlich gut gebildet sind und nicht z.B. wissen, wie das mit dem Überziehen der Kreditkarte eigentlich funktioniert... 😉
Verstehe ich nicht. Also, dass das zwei verschiedene
In einem Fall bist du Kreditgeber, der eine Rückzahlung verlangt. Im anderen Fall bist du Dienstleistungsnehmer, der sich Zinsen erhofft, die aber nicht garantiert sind. Eigentlich nicht alt so schwer.
Wenn man hier überhaupt davon ausgeht, dass da ein Machtverhältnis vorliege, dann besteht es schon, bevor der Kredit gegeben wird: der eine hat Geld, der andere braucht's
Und diese Abhängigkeit soll nicht ausgenutzt werden. Darum geht es.
@tojak Das ist zwar off topic zu deiner Ausgangsfrage. Vielleicht können wir das dennoch im Nebenstrang kurz mitnehmen.
Ich stelle mir gerade vor, dass ich eines Tages vor Gottes Richterstuhl stehe, zugeben muss, dass ich (trotz Kenntnis von Psalm 15,5) Zinsen genommen habe. Und dann berufe ich mich darauf, dass Lhoovpee mir das auf Jesus.de aber als harmlos erklärt hat. Reicht das aus? Bist du entsprechend akkreditiert oder bevollmächtigt?
[Hervorhebung von Seidenlaubenvogel]
Also, das was ich ansprechen möchte: Ja, wir werden gerichtet. Und ja, ich werde in meinem Leben auch „daneben gelebt“ haben. Das gebe ich zu; dazu stehe ich. Das will ich auch nicht wegreden. Nur entscheidend ist: In allem vertraue ich auf Gottes Gnade und Barmherzigkeit. ❤️ Da wo ich schuldig geworden bin, das hat Jesus im Kreuz auf sich genommen. Mir ist vergeben und mir wird vergeben. Das ist mir kein Freibrief und ich will mich nach Gott immer wieder neu ausrichten - nach bestem Wissen und Erkenntnis (miteingeschlossen dass ich leider dabei auch daneben liegen kann, scheitere, versage und gleichzeitig darin gesegnet, dass mein ehrliches „so-gut-ich-habe-können“ vor Gott ausreichend sein wird).
Haltet mich für naiv und klärt mich auf, wenn ich daneben liege.
Auf Gnade angewiesen sind wir alle, das ist wohl klar.
Aber hier ging ja zunächst um die Feststellung der Schuld, und die findet ja bekanntlich vorher statt.
Ich versstehe Deine Bedenken / Gedanken.
Klar - ich verleihe kein Geld zu Wucherzinsen. Aber wenn ich mein Geld 'anlege', verleihe ich es im Prinzip ja auch.
Und auch, wenn es heißt, dass das Geld arbeitet, ist es im Prinzip ja so, dass irgendjemand anderes damit / dafür arbeitet.
Und die versprochene Rendite kommt ja auch nicht aus dem Nichts.
Gerade, wenn man sein Geld in Fonds anlegt, ist es ja so, dass diese Fonds auch da investieren, wo was bei rüberkommt.
Da kann man dann auch nur bedingt kontrollieren, ob das mit dem eigenen Gewissen übereinstimmt.
Waren zumindest meine Gedanken beim letzten Gespräch mit dem Bankberater.
@tojak Geld nicht auf Zinsen geben bedeutet ja nicht "schenken". Das Geld soll schon zurück - aber eben ohne dieses Zins- und zinseszins-plus. In Nullzinszeiten könnte der damit verheißene Segen ja glatt auf die Banken kommen!
Und dann die Worte im Kontext: Ich lese da ausschließlich einen Segen und keinen Fluch beim Gegenteil. Und ich meine, dass man den da auch nicht reinlesen darf. Wenn Du Geld auf Zinsen gibst, dann nimmst Du halt diesen darauf verheißenen Segen nicht mit. Das bedeutet dann aber nicht, dass Du automatisch auch "wanken" wirst.
@tojak Hallo Tojak,
Noch ein Input von mir. Du zitierst ja aus einem Psalm - also aus dem Kontext des alten und nicht des neuen Bundes.
Ich kaufe gerne Bücher, wo Jesus draufsteht, und so ist mir neulich ein Buch mit dem Titel "Jesus, der Kapitalist" in die Hände gefallen. Geschrieben hat es Robert Grözinger und erschienen ist es im Finanzbuchverlag (FBV).
Darin findet sich zu den Zinsen das Gleichnis von den anvertrauten Pfunden - wo derjenige, der den meisten Gewinn erzielte und derjenige, der das Geld nicht investiert hat, alles verlor.
Meist wird dieses Gleichnis in christlichen Kreisen in Bezug auf Gaben, die Menschen haben, gelesen. Aber warum nicht die Dimension auch mit berücksichtigen, wie sie nun mal dasteht: auf die Finanzgeschäfte.
In diesem Sinne wünsche ich Dir, dass Du ein nettes Sümmchen bei Deinen Finanzgeschäften verdient hast!
Hallo GoodFruit,
danke für diesen Buchtipp!
Als Mitglied einer evangelischen Landeskirche dürfte ich dieses Buch vermutlich nur heimlich lesen, sonst würde ich wohl in einer Kombination von Exorzismus und Buße dazu angehalten, hinterher Karl Barths Konvolut "Sozialistische Reden" zu lesen. 😆
Nein, ernsthaft: bei so einem Titel schalte ich normalerweise auch selbst innerlich sofort weiter. Das kann nichts sein! Ich habe mir trotzdem mal einen Link dazu rausgesucht, weil ich mindestens mal wissen wollte, wer der Autor ist.
OK, Grözinger ist libertärer Ökonom. Er sucht sich anscheinend passende Bibelstellen heraus, und setzt steile Thesen darauf. Genannt wird das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, das er als Begründung für frei vereinbarte Löhne benutzen will. Als Karnevalsnummer kann man so etwas machen, aber ernst zu nehmen ist das nicht.
Gestern habe ich übrigens anhand des Bibelleseplans das Gleichnis vom reichen Kornbauern gelesen. Passte, wie ich fand, sehr gut zum Thema Zinsen und Geldanlagen. Zufall oder Fügung? 😀