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Reich Gottes hier in dieser Welt

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Stern
 Stern
Themenstarter
Beiträge : 2905

Hallo….🌞

Ich bin immer noch etwas verwundert über meinen Rüpel-Status…aber „Läbbe geht waider“ wie irgend ein italienischer Fussballtrainer gesagt hätte 🙂 ..und damit auch andere Themen und Threads.

Also: Woran würdet ihr merken, dass das Reich Gottes für euch angebrochen ist?

Ich will das nicht christlich-dogmatisch beleuchten und auch keine Diskussion lostreten, sondern einfach nur in die Runde frage, wie sich das für euch ankündigt…das Reich Gottes. Das, wonach wir als erstes trachten sollen.

Da es nämlich in uns ist (also so versteh ich es), müssen wir es ja nicht im Aussen suchen, sondern es quillt ja quasi aus uns hervor ins Aussen (also beim Bild der „Ströme lebendigen Wassers werden aus ihnen fließen“ sehe ich das so).

Und was seht ihr dann da? Also  wie sieht die Welt dann aus, wenn für euch das Reich Gottes angebrochen ist?

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76 Antworten
luxlucetintenebris
Beiträge : 743

@stern  Danke vorerst, denn ich finde, dass Jesus Evangelium vom Reich Gottes vielerorts gar nicht mehr erwähnt wird. Paulus beschäftigte sehr stark mit Jesus Evangelium vom Reich Gottes, Er zeigte auf, mit was für Gesinnung man anteilig wird, was hierfür losgelassen werden sollte.

Röm 14,17 Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist.

Vor 24 Jahren mittlerweile schrieb ich dieses Gedicht, was mir zeigen würde, dass die seit 2000 Jahren bekannten Vorgaben Jesus und seiner Jünger undn  Apostel für das Reich Gottes sich zumindest unter all den Christen weltweit entsprechende Frucht gebracht hätte

Mein Traum vom Reich Gottes

Ich träumte....

... dass bald schon wir kommen Gottes Reich  und  der  harten Menschen Herz wir  weich

... dass regiert nur  Friede  und Gerechtigkeit denn  dafür  wird es nun doch höchste Zeit

... dass  aufhört  Missbrauch  auf  dieser Welt von Körper und Seele von Macht und Geld

... dass die Reichen haben endlich Erbarmen und genug Geld teilen mit den ganz Armen

... dass man nun aufhört  mit sinnlosen Kriegen und gegenseitige Wertschätzung wird siegen

... dass kein Mensch mehr sich quält mit Sorgen und alle erwarten voller Freude den Morgen

...dass alle Seelen nur noch voll Freude sind die der Erwachsenen und von jedem Kind

Ich erwachte...

...  und  es   fiel  mir  dann  ganz  plötzlich   ein,  dies  könnte   ein Wink   des Himmels  sein

... Da  begann  ich   Jesus Worte zu verstehen  und  den  MIR  bestimmten   Weg  zu gehen

... Ich  setzte  meine Talente zum  Helfen  ein was ja  doch sollte  selbstverständlich  sein

... Vom  Einsatz für  anderer  Menschen Glück  kam   wirklich  viel   Freude  zu   mir  zurück

... Nun  lade   ich  alle Menschen  herzlich  ein Mitarbeiter  im Reich  Gottes Reiches zu  sein

... Es  wär' doch  schön, wenn auf Gottes Erde Mein Traum von oben bald Wahrheit  werde

lg lulute

luxlucetintenebris antworten
6 Antworten
Stern
 Stern
(@stern)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 2905

@luxlucetintenebris 

🌹👍❤️ 

Schön…wie passend!

Ja, so ungefähr sieht sie dann für mich auch aus…

dass Jesus Evangelium vom Reich Gottes vielerorts gar nicht mehr erwähnt wird

Das ist zwar so, aber das hindert einen ja nicht daran, selbst den Fokus darauf zu haben…und ausserdem: ich glaube tatsächlich, dass wir das erst in uns haben müssen. Man muss ganz schön viel loslassen, bevor man annähernd in die Richtung kommt und es überhaupt etwas in uns gibt, das rausfließen kann….oder siehst du das anders?

 

 

 

stern antworten
alive
 alive
(@alive)
Beigetreten : Vor 5 Tagen

Beiträge : 13

@stern Du hast ja hier eh schon das Gleiche geschrieben 😀 👍 👍 

alive antworten
AWHler
 AWHler
(@awhler)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 2026
Veröffentlicht von: @luxlucetintenebris
ich finde, dass Jesus Evangelium vom Reich Gottes vielerorts gar nicht mehr erwähnt wird.

Kommt drauf an, in welchem Radius und Kontext von Kirche, Gemeinden, Theologie & Ökumene wir uns bewegen!

Im evangelikalen-pietistischen Kontext (von Missionsverständnis, Verkündigung und Soteriologie) würde ich dem meine Erfahrung und Bezüge nach sofort zustimmen - allenfalls wird das "R.G." inwendig und eschatologisch verstanden  d.h. mit einer Bekehrung gehöre ich zum R.G., das aber als Vollendung erst mit der Gotteswende kommt.

Ich verstehe es anders bzw. weitgespannter und sehe das Reich Gottes schon jetzt und hier und an vielen Orten als Wirken Gottes, in der Nachfolge Jesu und Wirken des Geistes - innerhalb und außerhalb der Kirche. 

Dabei beziehe ich mich mit meinem Glauben, auf H. Gollwitzer: "Das Kernstück des Evangeliums und damit des christlichen Glaubens ist die Botschaft vom Reich Gottes. Der Ausdruck 'Reich Gottes' meint die Durchsetzung des gnädigen Willen Gottes gegen alle Widerstände. Gottes Wille geht auf das gute Leben der Menschen (ich ergänze: Tätige Liebe, Umkehr, Heilung, Frieden, Gerechtigkeit, Versöhnung, Schöpfungsbewahrung), und zwar schon jetzt in der Vorläufigkeit des gegenwärtigen Lebens, vorausblickend auf die künftige Vollendung." (H. Gollwitzer, Befreiung zur Solidarität, München 1878, S. 141 ff.) ... Es ist die Botschaft der Propheten, das "Dein Wille geschehe!" des Vater-Unsers, die Bergpredigt mit ihren Seligpreisungen & Weisungen, das ganze Heil-, Heilungs- und Verkündigungswirken Jesu, Mt 24 als Horizont des "Herr, was haben wir Dich jemals arm, hungrig etc. gesehen?

DA passiert für mich Reich Gottes schon jetzt.

Dies wird deutlicher, wenn man schaut, was in der Kirchengeschichte nicht alles für das Zentrum gehalten wurde: Augustinus "Gottesschau der Seligen", Augsburger Bekenntnis "Vergebung der Sünden" als Herzstück des Glaubens, "Rechtfertigung des Gottlosen" von Luther bis Käsemann, die "Bekehrung" im Pietismus, die "Unio Mysica" in der Mystik, das "Liebesgebot" usw.- Das alles hat mMn seinen Platz und seine Richtigkeit, aber es reduziert und vereinseitigt die GRUND-Botschaft Jesu vom RG

Ich beziehe mich da z.B. (klickt es bitte wirklich mal an und schaut Euch auf der Seite um) die "Vereinte-Evangelische-Mission" > https://www.vemission.org/ueber-uns/wer-wir-sind - mit ihr war und bin ich vielfach verbunden, sie gehörte verortet zu meiner Gemeinde, den Gottesdiensten und den persönlichen, vielfältigen Bezügen. - In diesem ganzheitlichen Missionsverständnis und dem, was die Kirchen  in Afrika, Asien und Deutschland da verbindet, finde ich mich - mit der Frage der KONKRETIONEN des REICHES GOTTES wieder 🙂

L'Chaim

 

awhler antworten
Stern
 Stern
(@stern)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 2905

@awhler 

Der Ausdruck 'Reich Gottes' meint die Durchsetzung des gnädigen Willen Gottes gegen alle Widerstände. Gottes Wille geht auf das gute Leben der Menschen (ich ergänze: Tätige Liebe, Umkehr, Heilung, Frieden, Gerechtigkeit, Versöhnung, Schöpfungsbewahrung), und zwar schon jetzt in der Vorläufigkeit des gegenwärtigen Lebens, vorausblickend auf die künftige Vollendung.

Ja, es gibt Augenblicke, die empfinde ich auch als Vorausblick bzw. als kurze Zustände im Reich selbst. Sie haben immer etwas mit Gemeinschaft zu tun und Gemeinsinn und auch der einzelnen Verantwortung in dieser Gemeinschaft.

stern antworten
AWHler
 AWHler
(@awhler)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 2026

Ich ergänze mich nochmal 😉 

Zentral für das "Reich Gottes", das Jesu Zentralbotschaft von Anbeginn war (Mk 1,14f.), ist die Erfahrung der TISCHGEMEINSCHAFT(en), die in der Vollendung noch aussteht (Lk 13,29) ...

Was umfassend (futuristisch) zu erleben sein wird (Verheißung), hat sich zu Jesu Lebzeiten schon verwirklicht und abgebildet seinen in Tischgemeinschaften (=das "Reich Gottes" schon "mitten unter Euch!") - die KEINE Grenzen hatten und wo er mit "Zöllnern und Sündern" das Evangelium der bedingungslos Liebe Gottes erfahrbar gemacht hat.

"Reich Gottes" sehe ich deshalb tatsächlich schon jetzt überall dort, wo über alle Grenzen, Gräben, Kulturen, Religionen und Konfessionen hinaus "Tischgemeinschaften" (wie Gott sie möchte) geschehen - iim Fieden, in Versöhnung, in Heilung und Vergebung.

L'Chaim 

awhler antworten
Stern
 Stern
(@stern)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 2905

@awhler 

hat.

"Reich Gottes" sehe ich deshalb tatsächlich schon jetzt überall dort, wo über alle Grenzen, Gräben, Kulturen, Religionen und Konfessionen hinaus "Tischgemeinschaften" (wie Gott sie möchte) geschehen - iim Fieden, in Versöhnung, in Heilung und Vergebung.

Genau. 

Nur finde ich, kannst du das nicht künstlich herbeiführen, also „selber machen“.

Es ist auch das Reich Gottes, nach dem du dich innerlich ausstreckst, das in dir ist, dass dann im Aussen so wirkt - ganz „von selbst“…also ist das mMn nichts, was man „macht“.

stern antworten


Chey
 Chey
Beiträge : 864

@stern 

Frieden auf der ganzen Welt. 

Etwas, an dem jeder mitarbeiten kann.

VG

Chey

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7 Antworten
Stern
 Stern
(@stern)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 2905

@chey 

Frieden auf der ganzen Welt. 

Etwas, an dem jeder mitarbeiten kann.

Im Prinzip ja. Der Wunsch danach muss aber stärker sein, als der Wunsch zu siegen, zu triumphieren, zu besitzen, zu herrschen,…

Und auch hier vermutlich muss es in en drin schon friedlich sein, bevor wir es im Aussen sehen können.

stern antworten
Chey
 Chey
(@chey)
Beigetreten : Vor 2 Monaten

Beiträge : 864

@stern 

Du fragtest, wann das Reich Gottes angebrochen ist. 

Das ist einer der wesentlichen Punkte nach christlichen und jüdischen Glaube. 

Und es gibt viele Gläubige, die darauf nicht einfach warten sondern selbst daran arbeiten wollen.

Natürlich auch immer in einem selbst. Aber man muss hier keine Perfektion erreicht haben, bevor man sich auch anderswo engagiert.

VG

Chey

chey antworten
Stern
 Stern
(@stern)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 2905

@chey 

Aber man muss hier keine Perfektion erreicht haben, bevor man sich auch anderswo engagiert.

Ja, das stimmt und ist beachtenswert. Denn viele Christen (ich auch) verwechseln manchmal Perfektion mit Christsein. 

stern antworten
AWHler
 AWHler
(@awhler)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 2026

@stern 

Und hier sind wir ja ganz bei Jesus - sowohl, was die Motivation & das Agieren, wie das Innere, aus dem Frieden erwächst, betrifft.

L'Chaim

awhler antworten
Stern
 Stern
(@stern)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 2905

@awhler 

Und hier sind wir ja ganz bei Jesus -

genau, das ist ja das Schöne…

stern antworten
AWHler
 AWHler
(@awhler)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 2026

@stern 

JA ... aber auch das ER-Weit(er)nde des Evangeliums und des Verständnisses vom Reich Gottes 🙂 

L'Chaim

awhler antworten
Stern
 Stern
(@stern)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 2905

@awhler 

Aber auch das ER-Weiternde des Evangeliums und des Verständnisses vom Reich Gottes 🙂

Ja, es ist beides…es fließt ineinander über und ist eins:

Ganz bei Jesus sein, heißt öfters diese Ausblicke (Einblicke 🤔?) zu haben und dadurch in der Welt zum Reich beizutragen. 

stern antworten
Jascha
 Jascha
Beiträge : 19

@stern 

 

"Woran würdet ihr merken, dass das Reich Gottes für euch angebrochen ist?"

 

 

Was mir spontan in dem Kontext einfällt:
 
 
Ich merke es an dem, dass...
 
... das Evangelium (die frohe Botschaft über einen Sieg - den Sieg über Tod und Sünde) weiterhin verkündet wird (Markus 16,15)
 
... Menschen weiterhin von ihrer Last der Sünde befreit und mit Gott versöhnt werden (Lukas 24,47, Matthäus 28,19)
 
... sich immer noch Nachfolger finden (Matthäus 28,19)
 
​... die Nachfolger mit dem Heiligen Geist und seiner Kraft erfüllt werden (Lukas 24,49, Apostelgeschichte 1,8)
 
... den Nachfolger gelehrt wird, um was es geht und wie man in der Nachfolge lebt (Matthäus 28,20)
 
... das Leben der Nachfolger und ihr Umfeld sich sichtbar und positiv verändert (Römer 14,17)
 
... den Nachfolgern Zeichen und Wunder folgen (Markus 16,17-18)
 
... die Nachfolger in Vollmacht agieren (Johannes 20,23)
 
 
... das oben Aufgeführte kein Selbstzweck ist, sondern zum positiven für den "Nächsten" ist, im Sinne Jesu (Matthäus 20,28)
jascha antworten
4 Antworten
Stern
 Stern
(@stern)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 2905

@jascha 

das oben Aufgeführte kein Selbstzweck ist, sondern zum positiven für den "Nächsten" ist, im Sinne Jesu (Matthäus 20,28)

Das ist ein guter Punkt. Es ist kein Selbstzweck - und doch erhebt es auch uns in eine andere Lebensqualität.

stern antworten
BePe0905
(@bepe0905)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 613

@stern 

das oben Aufgeführte kein Selbstzweck ist, sondern zum positiven für den "Nächsten" ist, im Sinne Jesu (Matthäus 20,28)

Das ist ein guter Punkt. Es ist kein Selbstzweck - und doch erhebt es auch uns in eine andere Lebensqualität.

Und das zeigt sich meines Erachtens in der Zusage Jesus:
"Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen."

Und wo zwei oder drei - es dürfen gern auch mehrere sein - unter dem Namen Jesus zusammenkommen und die Nähe ihres Herrn spüren, das ist auch das "Reich Gottes" angebrochen. 
Vielleicht nur unscheinbar, klein und wenig beachtet - aber doch an vielen Orten und unter vielen Menschen. 

Daher ist das Reich Gottes für mich keine weltumspannende Einigkeit unter Gottes Wort und unter seiner Führung,
obwohl ich das als durchaus wünschenswert sehe. Aber es wird (falls es vor dem "jüngsten Tage" überhaupt anbricht) nur ein Fernziel sein, das wohl niemand von uns erleben wird. 

Aber kleine "Exklaven" in einer unheiligen Welt zu schaffen, also am Reich Gottes in unserer Umgebung nach unseren Möglichkeiten mitzuwirken, das halte ich für erstrebenswert, für möglich - und es wird durchaus von Zeit zu Zeit real. 

 

bepe0905 antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 4570

@bepe0905 Ich persönlich denke eher an ein 'punktuelles Aufleuchten' als an einen Dauerzustand. 
So nach dem Motto 'da berühren sich Himmel und Erde' - und möglicherweise lassen sie sich dann wieder los.

chai antworten
BePe0905
(@bepe0905)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 613

@chai
..."punktuelles Aufleuchten"...
auch ein sehr schönes Bild
Danke für den Impuls!

bepe0905 antworten


Marco1977
Beiträge : 64

@stern 

Interessantes Thema. Zufälligerweise habe ich mich erst kürzlich intensiv mit der Thematik des „Reiches Gottes“ auseinandergesetzt und dabei einige weitere Erkenntnisse gewonnen, die ich gerne mal teilen kann.

Die erste Frage, die sich für mich stellte, war, ob die Bibel von einem Reich oder von zwei Reichen spricht. Gemäß Offenbarung 20,4 wird das tausendjährige Friedensreich beschrieben, das sogenannte Millennium, welches eindeutig auf der gegenwärtigen Erde lokalisiert wird. Hebräer 12,28 sowie Offenbarung 21,2 beschreiben hingegen das Reich Gottes auf der neuen Erde, also in einer Zeit nach dem tausendjährigen Reich. Aus theologischer Sicht lässt sich daher klar zwischen zwei Reichen unterscheiden.

Die nächste Frage war, ob diese beiden Reiche voneinander getrennt zu verstehen sind und somit keine innere Beziehung zueinander besitzen, da das eine vergänglich und das andere unvergänglich sein soll. Oder dient das vergängliche tausendjährige Reich als Vorstufe und Vorbereitung für das neue Reich, sodass beide Reiche miteinander verbunden sind?

Ich bin letztlich zu dem Ergebnis gekommen, dass Letzteres der Fall ist. Das tausendjährige Reich verstehe ich als eine Vorbereitungsphase für das Reich Gottes auf der neuen Erde.

Die zweite große Frage war für mich, was sich grundsätzlich über das Reich Gottes aussagen lässt. Von zentraler Bedeutung erschien mir dabei die Frage: Kommt das Reich Gottes aus dem Jenseits in die Welt, ins Diesseits hinein, oder entwickelt es sich aus dem Diesseits heraus? Und ist es bereits vollständig abgeschlossen oder einem Entwicklungsprozess unterworfen?

Bereits an diesem Punkt unterscheiden sich die theologischen Positionen erheblich. Im Wesentlichen kann man zwischen einer konsequenten Eschatologie mit eher pessimistischer Anthropologie, einer präsentischen beziehungsweise realisierten Eschatologie mit einer eher unprätentiösen Anthropologie, einer immanenten Eschatologie mit optimistischer Anthropologie sowie der inaugurierten Eschatologie unterscheiden, die gewissermaßen einen ökumenischen Kompromiss zwischen verschiedenen Sichtweisen darstellt.

Persönlich vertrete ich eine immanente Eschatologie. Da ich in gewisser Weise dem Postmillennialismus nahestehe, dürfte meine optimistische Anthropologie nicht überraschen. Daher gehe ich davon aus, dass sich das tausendjährige Reich aus dem Diesseits heraus entwickelt und zwar in einem langen geschichtlichen Entwicklungsprozess über mehrere Erdzeitalter hinweg.

Vor diesem Hintergrund würde ich sagen, dass das Reich Gottes bereits begonnen hat, nämlich mit der Geburt unseres Herrn Jesus Christus. Seine irdische Präsenz markiert für mich den Beginn dieses Reiches. Eine Bestätigung dafür sehe ich in Lukas 17,20–21. Meiner Auffassung nach deutet diese Aussage darauf hin, dass sich das Reich Gottes schrittweise und über einen sehr langen Zeitraum hinweg entfaltet, durch das Evangelium, durch unsere Umkehr und durch die guten Werke, die Gott gemäß Epheser 2,10 bereits im Voraus für uns bereitet hat.

Dass sich das Reich nicht einfach von außen in die Welt hinein senkt, sondern sich innerhalb der Menschheitsgeschichte entfaltet, erkenne ich sowohl in den übergeordneten biblischen Entwicklungs- und Vervollkommnungsprozessen als auch in den Gleichnissen über das Reich Gottes selbst. Besonders deutlich wird dies für mich in Lukas 13,18–21, wo das Wachstum des Reiches in den Bildern des Senfkorns und des Sauerteigs beschrieben wird.

Wenn ich auf die Welt blicke und mit früher vergleiche, sehe ich eine Entwicklung hin zu einem immer lebenswerteren Ort. Durch technischen Fortschritt und die Ansammlung menschlicher Erfahrung entstehen Möglichkeiten und Lebensbedingungen, von denen frühere Generationen nur träumen konnten. Nie zuvor waren Lebensqualität, Gesundheit, Bildung und Wohlstand in vielen Teilen der Welt so ausgeprägt wie heute. Gleichzeitig befindet sich die Zukunft erst in ihrer Entstehung und verspricht weiteres Entwicklungspotenzial. Die Welt wird besser und besser.

Auch wenn ich auf das Christentum als Ganzes schaue, erkenne ich fortlaufende Entwicklungen. Insbesondere dort, wo christliche Überzeugungen gesellschaftlich und politisch zunehmend Einfluss gewinnen, sehe ich Hinweise auf langfristige Veränderungsprozesse. Betrachtet man diese Entwicklungen aus einer postmillennialen Perspektive, kann vieles als Vorbereitung auf das tausendjährige Reich verstanden werden.

Wie aber wird das Reich Gottes konkret aussehen? Die Bibel gibt uns hierzu verschiedene Hinweise und interessante Informationen, aus denen sich zumindest ein grobes Bild zeichnen lässt.

Besonders erfreulich finde ich die Vorstellung, dass die Zeit der bis heute nicht vollständig überwundenen Substitutionstheologie enden wird und wir wieder stärker zur ursprünglichen und authentischen Lehre zurückkehren können, unbeeinflusst von späteren heidnisch-römischen Einflüssen. Gemeinsam mit Jesus werden wir dann den Sabbat am Samstag feiern können, wie Jesaja 66,23 beschreibt, und die ursprüngliche Liturgie in ihrer ursprünglichen Ordnung praktizieren. Ebenso wird der abrahamitische Bund der Beschneidung seinen Platz erhalten, wie es Hesekiel 44,9 erkennen lässt. Darüber hinaus werden die biblischen Feste wieder gefeiert werden, wie Sacharja 14,16 schildert. Es wird eine Gemeinschaft ohne die heutigen Spaltungen geben, ähnlich der Jerusalemer Urgemeinde und den Nazarenern. Israel und die Nationen werden in Christus zusammengeführt werden. All dies erfüllt mich, wenn ich die biblischen Verheißungen betrachte, mit großer Vorfreude.

Wenn ich einen persönlichen Wunsch äußern dürfte, dann wäre es die Existenz einer großen Bibliothek oder einer theologischen Universität, in der man sich auch im Reich Gottes fortlaufend weiterbilden, neue Erkenntnisse gewinnen und immer tiefer in die Wahrheit eindringen kann. Die Vorstellung, sich Schöpfungszyklus um Schöpfungszyklus weiterzuentwickeln und im Strom der Ewigkeit immer Neues zu entdecken, empfinde ich als äußerst faszinierend.

Um es abschließend kurz zu sagen: Ich freue mich auf das Reich Gottes und stelle es mir als etwas Großartiges vor. Die Aussicht, gemeinsam mit Jesus zu leben, erfüllt mich mit Hoffnung, Vorfreude und Erwartung. Das wird richtig gut!

LG. 😊 

 

marco1977 antworten
3 Antworten
Stern
 Stern
(@stern)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 2905

@marco1977 

Ich habe bei meinen Überlegungen an eine ältere Bibelübersetzung von Lukas 17,20-21 gedacht, die entos mit „inwendig in euch“ übersetzt. Also auf jeden Fall nicht im Äusseren sichtbar, sondern nur im Inneren wahrnehmbar. Auch wenn man die Übersetzung „mitten unter euch“ nimmt, bezieht sich das auf die Qualität der Gemeinschaft und nicht auf ein äusseres Geschehen. In beiden Fällen ist das Reich jedenfalls gekommen und bereits in der Welt durch die Menschen, die es wahrnehmen.

Und da es das erste ist, wonach wir trachten sollen, ist diese Qualität auch gleichzeitig unser Kompass.

stern antworten
BePe0905
(@bepe0905)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 613

@stern 

 „inwendig in euch“ (...)  „mitten unter euch“   (...)  nicht im Äusseren sichtbar  (...) nur im Inneren wahrnehmbar. 

sehe und führe ich auch so. 
Morgen werde ich in unserer Gemeinde den Gottesdienst leiten und hoffe, dass ich den Besuchern (es werden vielleicht so 20 - 25 Leute sein) für eine Stunde das Reich Gottes näherbringen kann und dass sie nach dem Gottesdienst "im Inneren erfüllt" sein werden. 
Damit habe ich wohl schon mein Möglichstes getan....

 

bepe0905 antworten
Stern
 Stern
(@stern)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 2905

@bepe0905 

für eine Stunde das Reich Gottes näherbringen kann und dass sie nach dem Gottesdienst "im Inneren erfüllt" sein werden. 

Das hoffe ich auch. 

Ich denke, man hat keinen Einfluss darauf, wer von dem was du sagst, berührt wird und welches Wort in welchem Inneren etwas bewegt.

Du kannst nur etwas von der Erkenntnis weitergeben, die dir selbst zuteil wurde bezüglich Jesus Worten.

Gutes Gelingen!

stern antworten
Seidenlaubenvogel
Beiträge : 2318

@stern 

Also: Woran würdet ihr merken, dass das Reich Gottes für euch angebrochen ist?

Für mich trifft es ein Lied von Manfred Siebald recht gut. Gottes Reich entsteht unter uns (ist schon da!), wo wir einander zugewandt sind, mit Liebe begegnen - uns von Gottes Geist leiten lassen.

 

1. Ins Wasser fällt ein Stein,

ganz heimlich still und leise,
und ist er noch so klein,
er zieht doch weite Kreise.
Wo Gottes große Liebe
in einen Menschen fällt,
da wirkt sie fort
in Tat und Wort,
hinaus in unsre Welt.

2. Ein Funke, kaum zu sehn,
entfacht doch helle Flammen,
und die im Dunkeln stehn,
die ruft der Schein zusammen.
Wo Gottes große Liebe
in einem Menschen brennt,
da wird die Welt
vom Licht erhellt,
da bleibt nichts, was uns trennt.

3. Nimm Gottes Liebe an.
Du brauchst dich nicht allein zu mühn,
denn seine Liebe kann
in deinem Leben Kreise ziehn.
Und füllt sie erst dein Leben,
und setzt sie dich in Brand,
gehst du hinaus,
teilst Liebe aus,
denn Gott füllt dir die Hand.

Text: Manfred Siebald 1973
Melodie: Kurt Kaiser 1965

seidenlaubenvogel antworten


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