Benachrichtigungen
Alles löschen

Sind wir als Christen das größte Hindernis für das Evangelium?

Seite 2 / 2

Mr.K
 Mr.K
Themenstarter
Beiträge : 290

Liebe Geschwister,

ich habe eine unbequeme Frage:

Sind wir als Christen manchmal eigentlich das größte Hindernis für das Evangelium?

Nicht die Atheisten. Nicht die „Welt“. Nicht die bösen Medien. Nicht die Politik.

Sondern wir.

Denn wir haben eine erstaunliche Fähigkeit entwickelt: Wir können aus einer Botschaft der Gnade ein Leistungssystem machen.

Jesus sagt: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid.“

Und wir antworten: „Sehr gerne. Aber vorher müsste ich noch meine geistliche Bewerbung fertig machen. Gibt es auch ein Formular für die Aufnahme in die Gnade?“

Manchmal wirkt es, als würden wir Gott einen Lebenslauf schicken.

„Herr, ich bete regelmäßig.“
„Herr, ich kenne die richtige Lehre.“
„Herr, ich habe die richtigen Feindbilder.“
„Herr, ich weiß sogar, welche Bibelübersetzung die einzig akzeptable ist.“

Und Gott sitzt vermutlich da und denkt: „Interessant. Ihr erklärt mir gerade, warum ich euch retten sollte. Dabei war genau das der Punkt, den ihr nicht verstanden habt.“

Vielleicht ist das größte Missverständnis der Christenheit nicht, dass Menschen zu wenig über Gott wissen. Vielleicht ist es, dass Menschen glauben, Gott sei beeindruckt von unserer religiösen Betriebsamkeit.

Wir bauen Gemeinden.
Wir schreiben Bücher.
Wir führen Diskussionen.
Wir verteidigen die Wahrheit.

Und manchmal frage ich mich: Wenn Jesus heute käme – würden wir ihn erkennen? Oder würden wir ihn erst durch unser theologisches Prüfverfahren schicken?

„Interessanter Ansatz, Jesus. Aber könnten Sie bitte noch erklären, welcher Denomination Sie angehören?“

„Wie stehen Sie zur aktuellen Debatte über Thema X?“

„Und könnten Sie bitte bestätigen, dass Sie alle unsere 27 Glaubensvoraussetzungen unterschreiben?“

Die Pharisäer hatten damals ein Problem: Sie kannten die Schrift.

Aber sie erkannten das Wort nicht, als es vor ihnen stand.

Und vielleicht ist das eine Warnung, die nicht nur für die anderen gilt.

Vielleicht können wir so sehr damit beschäftigt sein, Gott zu verteidigen, dass wir vergessen, ihm zu begegnen.

Vielleicht kann man sogar recht haben – und trotzdem am Herzen Gottes vorbeileben.

Das ist eine unbequeme Möglichkeit.

Denn Irrlehre erkennen wir gerne.

Stolz bei anderen erkennen wir auch.

Aber den eigenen religiösen Stolz?

Der trägt oft eine Bibel unter dem Arm und spricht sehr höflich.

Vielleicht ist die wichtigste Frage deshalb nicht: „Habe ich die richtige Meinung über Gott?“

Sondern: „Erlaube ich Gott noch, mich zu verändern?“

Denn eines ist sicher: Gott braucht keine Verteidiger.

Er sucht Nachfolger.

Und Nachfolger laufen hinter Jesus her.

Sie laufen nicht vor ihm her und erklären ihm den Weg.

Amen.

(P.S.: Dieser Beitrag wurde geschrieben von jemandem, der selbstverständlich nicht zu den angesprochenen Menschen gehört. Die anderen sollten darüber nachdenken.)

Antwort
27 Antworten
Chey
 Chey
Beiträge : 1200

@mr-k 

Die Pharisäer waren besser als ihr christlicher Ruf.

Ansonsten interessante Gedanken. 

VG

Chey

chey antworten
4 Antworten
Mr.K
 Mr.K
(@mr-k)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 290

@chey Das mag zwar sein, dass die Pharisäer besser waren als ihr christlicher Ruf. Dennoch haben Sie das fleischgewordene Wort Gottes, Jesus Christus, nicht erkannt, als er vor Ihnen stand.

mr-k antworten
Chey
 Chey
(@chey)
Beigetreten : Vor 3 Monaten

Beiträge : 1200

@mr-k 

Ja, wie die meisten Juden. Bis heute.

Das ist ein theologischer Streit, inwieweit Jesus der jüdische Messias sein kann, den ich hier jetzt nicht diskutieren möchte.

Aber die Verunglimpfung der Pharisäer durch das Christentum gilt heute auch in weiten Teilen des Christentums als falsch und antisemitisch. 

Siehe:

https://www.ekd.de/antijuedischen-klischees-in-der-kirche-begegnen-30986.htm

https://www.eaberlin.de/seminars/data/2024/11/die-pharisaeer/

https://www.deutscher-koordinierungsrat.de/dkr-home-Gespraechsbereit-Die-Pharisaeer-2025

https://judentum.hagalil.com/pharisaeer/

VG

Chey

chey antworten
Mr.K
 Mr.K
(@mr-k)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 290

@chey Ich würde das differenzieren. Dass die Pharisäer in der christlichen Tradition oft einseitig als Inbegriff von Heuchelei und Gesetzlichkeit dargestellt wurden, ist historisch gut belegt. Viele Kirchen und Bibelwissenschaftler sehen heute diese stereotype Darstellung kritisch, weil sie zur Förderung antijüdischer bzw. antisemitischer Vorurteile beigetragen hat. Daraus folgt aber nicht, dass jede neutestamentliche Kritik an den Pharisäern falsch oder antisemitisch ist.

mr-k antworten
Chey
 Chey
(@chey)
Beigetreten : Vor 3 Monaten

Beiträge : 1200

@mr-k 

Diese Differenzierung lese ich nur so gut wie nie, wenn ich entsprechende christliche Beiträge über die Pharisäer lese.

Zumal das NT in Teilen durchaus gegen das bestehende Judentum als Konkurrenzreligion geschrieben wurde. Ich würde also das 'differenziert' auch etwas kritisch sehen.

Und nicht ohne Grund ist heute umgangssprachlich der Begriff Pharisäer synonym für Heuchler und Lügner. Das kommt allein aus dem christlichen.

Und das wurde ( oder wird?) zusätzlich noch gern auf alle Juden übertragen. 

Insofern sollte man als Christ, wenn man das weiß, diese Bezeichnung zurückhaltend benutzen.

VG

Chey

chey antworten


Jascha
 Jascha
Beiträge : 23

Eine Studie besagt, dass es mehr als 47.000 verschiedene christliche Denominationen weltweit gibt – mit stark steigender Tendenz.

https://lausanne.org/report/polycentric-christianity/christian-denominations

 

Und ich bin mir sicher: Mein eigenes Glaubensverständnis findet sich in keiner einzigen dieser vielen Gruppen zu 100% wieder. Es ist etwas zwischen ...

 

In keiner anderen Weltreligion gibt es auch nur ansatzweise eine vergleichbare Zersplitterung.

 

"Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr verschließt den Menschen das Himmelreich. Ihr selbst geht nicht hinein; aber ihr lasst auch die nicht hinein, die hineingehen wollen.“  Math. 23,13

 

Sind wir als Christen manchmal eigentlich das größte Hindernis für das Evangelium?

Könnte was dran sein.

 

jascha antworten
9 Antworten
Martha
 Martha
(@martha)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1518
Veröffentlicht von: @jascha

"Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr verschließt den Menschen das Himmelreich. Ihr selbst geht nicht hinein; aber ihr lasst auch die nicht hinein, die hineingehen wollen.“  Math. 23,13

 Sind wir als Christen manchmal eigentlich das größte Hindernis für das Evangelium?

Könnte was dran sein.

Interessant, dass du dich auf Math. 23,13  beziehst. Oftmals verhält es sich für mich so, dass sich eben nicht jeder zum Lehrer, Propheten oder Seelsorger "aufschwingen" sollte. 

martha antworten
Salvatore23
(@salvatore23)
Beigetreten : Vor 9 Jahren

Beiträge : 60

@martha Okay, aber man darf doch gewiss Zeugnis ablegen, beispielsweise was für Bibelstellen wem geholfen haben, Jesus immer ähnlicher zu werden.  Ansonsten stimme ich Dir hiermit zu:

Matth23:8 Aber ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder.
9 Und ihr sollt niemand euren Vater nennen auf Erden; denn einer ist euer Vater: der im Himmel.

10 Und ihr sollt euch nicht Lehrer nennen lassen; denn einer ist euer Lehrer: Christus.

Was Jesus  wohl zum 1700 jährigen Papsttum der RKK sagen würde, wo der "Heilige Vater" sich sogar als irdischen Stellvertreter Jesu Christi bezeichnet. OT

salvatore23 antworten
Martha
 Martha
(@martha)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1518

@salvatore23 

man darf doch gewiss Zeugnis ablegen,

Ja klar. Man darf auch lehren oder prophezeien, wenn man dazu berufen ist. 

(Wollte mit meinem Beitrag  gar nicht so absolut 'rüberkommen...) 

martha antworten
Jascha
 Jascha
(@jascha)
Beigetreten : Vor 4 Monaten

Beiträge : 23
 
Danke für deinen Einwand, ich versuche es mal nachvollziehbar zu machen.
 
Der Fokus ist jetzt doch auf die Bibelstelle gegangen und nicht auf die Statistik.
Es ist gar nicht so leicht mit wenig Text seine Gedanken rüberzubringen.
 
 
"ihr Schriftgelehrten und Pharisäer" übersetze ich für mich als "DoppelmoralischeMoralapostel, Scheinheilige, Dogmatiker (im negativem Sinn), Heuchler", somit nicht nur Menschen die in offiziellen Rollen in einer Kirche/Gemeinschaften aktiv sind.
Ein psychologisches und soziales Verhalten so zusagen.
 
 
Der Bibeltext ist mir in Erinnerung gekommen, als ich darüber nachdachte, warum es so viele unterschiedliche Gruppen (schreibt sich einfacher als Denomi...) gibt.
 
 
In der Vergangenheit habe ich Gruppierungen kennengelernt, die extrem auf ihr Verständnis gesetzt haben und alle anderen "Wege" als falsch erklärten. Leider sind es nicht wenige Gruppen, die so oder ähnlich denken.
Auch Teilungen (in Unfrieden) von Gemeinden habe ich erlebt, weil ein Teil der Gruppe einen Glaubenspunkt anders verstanden hat als der Andere.
 
 
Wenn man zu einer Kirche oder Gemeinschaft zugehören will, musst man sich zu der Gemeinschaft hin "bekehren" und sich ihrem Rahmen "unterordnen".
 
Das ist für viele "Dazukommende" ein Hinderungsgrund mit dem Glauben in Berührung zu kommen oder Teil einer Glaubensgemeinschaft zu werden.
Den der Fokus liegt nicht auf "Jesu Nachfolge", sondern auf der, ich nenne es, "Gemeindekultur/-Tradition".
 
 
Ich hoffe, ich konnte meine Gedanken etwas klarer darstellen.
jascha antworten
Martha
 Martha
(@martha)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1518

@jascha 

Danke für deinen Einwand, ich versuche es mal nachvollziehbar zu machen.

Hallo, das sollte meinerseits kein Einwand sein. Vielmehr verstehe ich sehr gut, was du mir hier erläuterst.

🙂

 

martha antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 29331

@jascha 

Zum Beitrag

"Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr verschließt den Menschen das Himmelreich. Ihr selbst geht nicht hinein; aber ihr lasst auch die nicht hinein, die hineingehen wollen.“  Math. 23,13

Verstehst du 'Himmelreich' für jetzt oder für später oder beides? 

Welche jüdische Gewohnheit steckt hinter dem Ausdruck Himmelreich? Hast du eine Idee?

deborah71 antworten
Jascha
 Jascha
(@jascha)
Beigetreten : Vor 4 Monaten

Beiträge : 23
 
danke für deine Fragen.
 
Wie ich schon Martha geschrieben hab, hat der Bibeltext unabsichtlich die Aufmerksamkeit weg von der Statistik genommen.
 
 
Aber ich gehe auf deine Fragen ein:
 
 
"Welche jüdische Gewohnheit steckt hinter dem Ausdruck Himmelreich? Hast du eine Idee?"
 
Bisher kannte ich es nicht, aber ich habe nachgelesen: Das Wort "Himmelreich" wurde gerne von Juden genomen, um nicht den Namen Gottes zu verwenden, um das erste Gebot zu wahren. 
Hast du das gemeint und worauf wolltest du hinaus?
 
 
"Verstehst du 'Himmelreich' für jetzt oder für später oder beides? "
 
Ich habe in einem anderen Beitrag bereits einen Aspekt zum Thema  genannt:
 
 
 
Kurz zusammrngefasst: Ich verstehe und erfahre es so, dass das Himmelreich (u.a. die Herrschaft Gottes/ wiederhergestellte Beziehung zu Gott, wie im Paradies) mit Jesus bereits angebrochen ist und bereits jetzt lebbar, wirksam, merkbar und erfahrbar ist.
Vollkommen aber erst im "Himmel" sein wird.
 
 
Gerne stelle ich diese Frage auch an dich, da ich an deiner Sicht und deinem Verständnis interessiert bin.
jascha antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 29331

@jascha 

Zum Beitrag

Ich stimme mit dir überein. 

Meine Fundquelle zu dieser Sichtweise ist aus einer Lehre von David Bivin zu dem Thema. Ich hatte von einem Co-Autor schon Erhellendes gelesen in dem Büchlein: Was hat Jesus wirklich gesagt. Seitdem bin ich an Bivins hebräischem und jüdischem Wissen interessiert. Ich  merke auch deutlich, wo es stimmig ist, erlebe ich JA, Frieden und Freude. Das Bild wird immer runder.

Ich arbeite mich gerade durch diese Seite und höre die Stücke teils mehrfach und gehe den Schriftstellen nach. 

Seit 2012 lerne ich Bibelhebräisch und das macht es mir leichter, dem zu folgen. 

deborah71 antworten
Salvatore23
(@salvatore23)
Beigetreten : Vor 9 Jahren

Beiträge : 60

@jascha  Ja, seit wie lange schon kennt man die Voraussetzungen für das Evangelium Jesus vom Reich Gottes? Die sollten ja alle angeblich christlichen Denominationen weltweit kennen.

Gottes Heilsplan, den er durch den Mund seines Sohnes Jesus verlautbarte war perfekt.  Seine Jünger haben diesen auch im Sinne Jesus weitergeleitet. Und auch Apostel Paulus hat als Dank für Gottes grosse Gnade enormes Engagement für das Reich Gottes erkennen lassen.

Am genialen Bauplan für das Reich Gottes liegt es nicht, dass wir die positive Auswirkung desselben nur im Kleinen erkennen können, was bei wieviel Milliarden Christen weltweit? eigentlich schon ein Armutszeugnis ist, finde ich. 

Aber schon das Wort "Evangelium" wurde ja irgendwann umgedeutet. Irgendwann fiel der Missionsauftrag Jesus weg, Menschen zu motivieren auch Christen im Sinne von Jünger Jesu und dadurch Mitwirkende am Reich Gottes zu werden. 

Doch von nichts kommt nichts. Es gibt nichts Gutes ausser man tut es. Learning by doeing heisst es doch oft, wenn etwas Gutes erreicht werden könnte.

An wen wohl Jesus heute jene klaren unmissverständlichen Worte richten würde? Math 23;13  Eventuell an jene Theologen, Bibellehrer, welche sich mehr denn antichristlichen Kirchendogmen widmen, statt der noch unverfälschten Lehre Jesus Christus im Bezug auf sein Evangelium Reich Gottes? 

 

 

salvatore23 antworten
kerygma
Beiträge : 62

@mr-k Ich habe Deinen Text gelesen und spontan kam mir eine Frage in den Sinn: Glaubst Du, dass es von uns abhängt?

kerygma antworten
1 Antwort
Mr.K
 Mr.K
(@mr-k)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 290

@kerygma Nein, Gottes Gnade hängt nicht von unserem Verhalten ab. Aber unser Verhalten entscheidet sehr wohl darüber, ob wir auf Christus hinweisen oder auf uns selbst.

mr-k antworten


Seite 2 / 2
Teilen:

Hey du!

Dieses Forum ist für dich kostenlos.
Das funktioniert nur, weil uns treue Menschen regelmäßig mit ihrer Spende unterstützen.
Bist du dabei?