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Toxische Positivität (im modernen Lobpreis)

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Tiefschuerfer
Themenstarter
Beiträge : 16

Mir liegt das Thema "toxische Posititivität" in christlichen Kontexten aktuell - bzw. eigentlich schon länger - auf dem Herzen bzw. schwer auf dem Gemüt..

Ich meine damit, dass vonseiten bestimmter Christen (Prediger, Influencerinnen, Lobpreismusiker) so getan wird, als sei im christlichen Leben alles "happy clappy" und man gehe nach der Bekehrung nur von einem Hoch zum anderen. Man solle zudem nur "positiv" reden und darf nichts kritisieren. Häufig steckt ein Wohlstandsevangelium dahinter, auch wenn dies nicht unbedingt explizit so gesagt wird.

Irgendwie ist diese Kritik an solchen Phänomen in Deutschland bzw. im deutschsprachigen Raum noch nichts ganz angekommen und wenn, dann wird sie von progressiven Christen oder Nicht-Christen geäußert. Ich äußere diese Kritik aber ausdrücklich aus theologisch konservativer Perspektive.

Insbesondere Kritik an lautem ultra-modernem triumphalistischen Lobpreis liest man im englischsprachigen Raum vermehrt von theologisch Konservativer Seite, in Deutschland nehme ich davon aber nur wenig wahr.

(Womöglich hängt dies damit zusammen, dass in der DACH-Region im frommen Lager neocharismatische Kirchen wie ICF noch sehr dominant sind, währenddessen solche Kirchen in den USA den Hype schon hinter sich haben und dort ein verstärktes Interesse an historisch-traditionellen Glaubensformen vorzufinden ist.)

Mir geht es übrigens überhaupt nicht darum, dass der moderne Lobpreis zu emotional ist. Mir geht es darum, dass dieser sehr einseitig aufpeitschend aufs "High"-sein fokussiert ist und andere Emotionen wie Seufzen, Klagen etc. überhaupt nicht vorkommen. Ganz anders sind da die Psalmen, die zu einem Drittel aus Klagepsalmen bestehen oder beispielsweise Litaneien oder alte Kirchenlieder/Glaubenslieder...

Obwohl sich solcher Lobpreis "authentisch" schimpft, ist er es eben gerade nicht, wenn er alles "negative" einfach ausklammert...

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113 Antworten
Meriadoc
Beiträge : 1059

@tiefschuerfer 

 

Das Thema gefällt mir. Das Wort "HappyClappy* wird oft von mir verwendet. 🙂

 

Wer des erst mal von mir verfolgt. Mal sehen was andere so schreiben.

meriadoc antworten


kerygma
Beiträge : 670

@tiefschuerfer Persönlich tue ich mich immer etwas schwer damit, andere Frömmigkeitsformen zu beurteilen. Manchmal finde ich dieses "gefühlsbeduselte" nicht nachvollziehbar oder sehe die Gefahr, dass hier in der Emotionalität Leute gebunden werden. Gleichzeitig, wer bin ich, um anderen diese ehrliche Freude abzusprechen? In Deutschland sind wir manchmal etwas unterkühlt und das Feuer scheint raus zu sein. Das ist das andere extrem. Ich würde versuchen das positive darin zu sehen, auch wenn ich mich dadurch manchmal überrannt fühle.

Eine große negative Seite der ganzen Zersplitterung des Christenstum ist, dass Leute sich ihren Temperamenten und Ausrichtungen nach separieren. Stellt Euch mal vor, die Katholiken, Evangelen, Baptisten, Pfingstler, Charismatiker, alle in einer Gemeinde. Stellt Euch mal das Potential vor, wenn diese verschiedenen Talente alle gebündelt wären.

kerygma antworten
1 Antwort
Tiefschuerfer
(@tiefschuerfer)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 16

@kerygma Ja, wobei ich ja eben auch nicht will, das mir jemand meinen Frömmigkeitsstil abspricht, nur weil ich nicht ständig "high" bin und in die Hände klatsche, oder wenn mir der Lobpreis einfach zu laut ist und mich somit stresst etc.

Und wie ich schrieb, ist Emotion an sich nicht das Problem sondern nur dieses Aufputschende. Aber sicher gibts auch kulturelle und konfessionelle Unterschiede....Wenn wir Deutschen nicht so happy sind, dann höre dir mal etwas tief melancholisches osteuropäisch-orthodoxes an. Das ist dann nochmal ein stärkerer Kontrast zu dem von mir eingangs beschriebenen modernen Lobpreis.

tiefschuerfer antworten
Mariposa22
Beiträge : 1366

@tiefschuerfer 

Generell habe ich natürlich nichts dagegen, mit Freude Gott zu loben. Allerdings finde ich in manchen Gemeinden diese Freude häufig zu aufgesetzt und sehe es fast als Gruppenzwang. In diesen Gemeinden fühle ich mich nicht wohl, und meide diese auch. Am wohlsten und natürlichsten fühle ich mich in unserer ganz stinknormalen evangelischen Landeskirche vor Ort. Da kann man kommen, wie man ist und braucht nicht irgendwelche Euphorie zu fühlen. Mal bin ich ergriffen, mal erstaunt, oft auch nur gelangweilt. Alles hat seine Zeit.

mariposa22 antworten


Meriadoc
Beiträge : 1059

@tiefschuerfer 

 

Hi,

einige haben es ja schon geschrieben. Beim Lobpreis geht es ja um Danken, Loben und Preisen des HERRN. Da rückt manches erst mal nach hinten, ich besinne mich auf dem, dem alles möglich ist. Ihm gehört Lob und Dank dafür. 

Was in den Herzen anderer vorgeht, geht mich nichts an. Jeder hat seine Zeit für die passenden Gefühlslagen. Ob es wütend sein, traurig (Trauer) oder kämpfen ist. Da gehe ich ins Kämmerlein. 

 

Ich finde, Lobpreis, der in den Herzen geht, stärkt, ermutigt und baut auf. Da schaue ich nach oben und nicht den links und rechts, vor oder hinter mir.

 

Bin fest überzeugt, das Influencer und Co das auch so sehen und es weiter geben. Auch sie haben mal schlechte Tage, wie jeder andere auch.

meriadoc antworten
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Stern
 Stern
(@stern)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 3649

@meriadoc 

Dein Post gefällt mir von der Haltung her, mit der du es beschreibst.

Auch sie haben mal schlechte Tage, wie jeder andere auch.

Ja, und dann ist einem nicht nach Lobpreis. 

 

stern antworten
Stern
 Stern
Beiträge : 3649

@tiefschuerfer 

Mir geht es übrigens überhaupt nicht darum, dass der moderne Lobpreis zu emotional ist

Ich denke Lobpreis ist immer emotional, egal zu welcher Zeit, also ob früher oder heute spielt gar keine Rolle.

Was ich persönlich seltsamer finde, ist dass man Lobpreis „auf Knopfdruck“ machen soll, also zB im Gottesdienst. Da fehlt nämlich eigentlich die Emotion- aber der Lobpreis soll trotzdem da sein. 

Obwohl sich solcher Lobpreis "authentisch" schimpft, ist er es eben gerade nicht, wenn er alles "negative" einfach ausklammert.

Echter Lobpreis (also Emotion und Worte stimmen überein) hat keine Negativität in sich - auch wenn nicht alles toll ist. Lobpreis  ist auch dann Lobpreis, wenn die Welt untergeht.

 

stern antworten
1 Antwort
hundemann
(@hundemann)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 680

@stern 

......mir ist es auch nicht immer nach Dankbarkeit und Lobpreis. Sitze dann still da, und 

versuche die Musik, Gebete.....auf mich wirken zu lassen. Und wenn dann ein kleines Kind ein

Lied singt, berührt es mich. Wichtig für mich, dass es authentisch ist. Nicht so viel

Fassade drum herum. Und noch handgemachte natürliche Musik, ohne KI. 

Ja, ich habe hier auch schon Lieder mit KI reingestellt, und es nicht gleich gemerkt.......

Kinder sind sogar in der Lage herauszufinden, ob ihnen ein Instrument, ein Musik gut tut.

Aber finde einmal im Gottesdienst Lieder, die allen gut tun.

Den einen ist die Gitarre zu laut, das Schlagzeug spielt falsch.........

Aber Musik kann auch das soziale Miteinander fördern, das ich es auch stehen lassen kann,

wenn mir eine Musik nicht gefällt.

 

liebe Grüße,

hundemann antworten


Queequeg
Beiträge : 7850

@tiefschuerfer 

Ich kann Deine Kritik durchaus nachvollziehen, besonders den Aspekt des Triumpfalistischen. Mein alter Konfirmationspfarrer, der jahrelan Missxionar in Indonesien war, meinte, dass die Kirche das Kreuz nicht als Siegeszeichen vor sich her, sondern als die Last der Welt tragen auf dem Rücken tragen soll.

Mich selbst wundert, dass nur Lobpreislieder als "Lobpreis" verstanden werden. Also al Lieder, die sozusagen einen Kontakt mit Gott herstellen und er freut sich darüber. Ich sehe in einer Unmenge profaner Lieder eine mindestens ebenso große Nähe zu Gott, u.a., weil sie das besingen, was er erschaffen hat. Wobei aber die Wort gar nicht die Hauptrolle spielen, sondern die Musik an sich.

Ich hab immer wieder mal Beispiele dafür genannt, zuletzt die Toccata&Fuge. Da wird kein einziges Wort gesprochen, aber in Mimik und Gestik ist so viel an Gottesnähe ausgedrückt, wie es m.E. Worte gar nicht können.

queequeg antworten
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