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Toxische Positivität (im modernen Lobpreis)

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Tiefschuerfer
Themenstarter
Beiträge : 3

Mir liegt das Thema "toxische Posititivität" in christlichen Kontexten aktuell - bzw. eigentlich schon länger - auf dem Herzen bzw. schwer auf dem Gemüt..

Ich meine damit, dass vonseiten bestimmter Christen (Prediger, Influencerinnen, Lobpreismusiker) so getan wird, als sei im christlichen Leben alles "happy clappy" und man gehe nach der Bekehrung nur von einem Hoch zum anderen. Man solle zudem nur "positiv" reden und darf nichts kritisieren. Häufig steckt ein Wohlstandsevangelium dahinter, auch wenn dies nicht unbedingt explizit so gesagt wird.

Irgendwie ist diese Kritik an solchen Phänomen in Deutschland bzw. im deutschsprachigen Raum noch nichts ganz angekommen und wenn, dann wird sie von progressiven Christen oder Nicht-Christen geäußert. Ich äußere diese Kritik aber ausdrücklich aus theologisch konservativer Perspektive.

Insbesondere Kritik an lautem ultra-modernem triumphalistischen Lobpreis liest man im englischsprachigen Raum vermehrt von theologisch Konservativer Seite, in Deutschland nehme ich davon aber nur wenig wahr.

(Womöglich hängt dies damit zusammen, dass in der DACH-Region im frommen Lager neocharismatische Kirchen wie ICF noch sehr dominant sind, währenddessen solche Kirchen in den USA den Hype schon hinter sich haben und dort ein verstärktes Interesse an historisch-traditionellen Glaubensformen vorzufinden ist.)

Mir geht es übrigens überhaupt nicht darum, dass der moderne Lobpreis zu emotional ist. Mir geht es darum, dass dieser sehr einseitig aufpeitschend aufs "High"-sein fokussiert ist und andere Emotionen wie Seufzen, Klagen etc. überhaupt nicht vorkommen. Ganz anders sind da die Psalmen, die zu einem Drittel aus Klagepsalmen bestehen oder beispielsweise Litaneien oder alte Kirchenlieder/Glaubenslieder...

Obwohl sich solcher Lobpreis "authentisch" schimpft, ist er es eben gerade nicht, wenn er alles "negative" einfach ausklammert...

Antwort
39 Antworten
Meriadoc
Beiträge : 1024

@tiefschuerfer 

 

Das Thema gefällt mir. Das Wort "HappyClappy* wird oft von mir verwendet. 🙂

 

Wer des erst mal von mir verfolgt. Mal sehen was andere so schreiben.

meriadoc antworten


kerygma
Beiträge : 249

@tiefschuerfer Persönlich tue ich mich immer etwas schwer damit, andere Frömmigkeitsformen zu beurteilen. Manchmal finde ich dieses "gefühlsbeduselte" nicht nachvollziehbar oder sehe die Gefahr, dass hier in der Emotionalität Leute gebunden werden. Gleichzeitig, wer bin ich, um anderen diese ehrliche Freude abzusprechen? In Deutschland sind wir manchmal etwas unterkühlt und das Feuer scheint raus zu sein. Das ist das andere extrem. Ich würde versuchen das positive darin zu sehen, auch wenn ich mich dadurch manchmal überrannt fühle.

Eine große negative Seite der ganzen Zersplitterung des Christenstum ist, dass Leute sich ihren Temperamenten und Ausrichtungen nach separieren. Stellt Euch mal vor, die Katholiken, Evangelen, Baptisten, Pfingstler, Charismatiker, alle in einer Gemeinde. Stellt Euch mal das Potential vor, wenn diese verschiedenen Talente alle gebündelt wären.

kerygma antworten
Mariposa22
Beiträge : 1339

@tiefschuerfer 

Generell habe ich natürlich nichts dagegen, mit Freude Gott zu loben. Allerdings finde ich in manchen Gemeinden diese Freude häufig zu aufgesetzt und sehe es fast als Gruppenzwang. In diesen Gemeinden fühle ich mich nicht wohl, und meide diese auch. Am wohlsten und natürlichsten fühle ich mich in unserer ganz stinknormalen evangelischen Landeskirche vor Ort. Da kann man kommen, wie man ist und braucht nicht irgendwelche Euphorie zu fühlen. Mal bin ich ergriffen, mal erstaunt, oft auch nur gelangweilt. Alles hat seine Zeit.

mariposa22 antworten


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