Toxische Positivität (im modernen Lobpreis)
Mir liegt das Thema "toxische Posititivität" in christlichen Kontexten aktuell - bzw. eigentlich schon länger - auf dem Herzen bzw. schwer auf dem Gemüt..
Ich meine damit, dass vonseiten bestimmter Christen (Prediger, Influencerinnen, Lobpreismusiker) so getan wird, als sei im christlichen Leben alles "happy clappy" und man gehe nach der Bekehrung nur von einem Hoch zum anderen. Man solle zudem nur "positiv" reden und darf nichts kritisieren. Häufig steckt ein Wohlstandsevangelium dahinter, auch wenn dies nicht unbedingt explizit so gesagt wird.
Irgendwie ist diese Kritik an solchen Phänomen in Deutschland bzw. im deutschsprachigen Raum noch nichts ganz angekommen und wenn, dann wird sie von progressiven Christen oder Nicht-Christen geäußert. Ich äußere diese Kritik aber ausdrücklich aus theologisch konservativer Perspektive.
Insbesondere Kritik an lautem ultra-modernem triumphalistischen Lobpreis liest man im englischsprachigen Raum vermehrt von theologisch Konservativer Seite, in Deutschland nehme ich davon aber nur wenig wahr.
(Womöglich hängt dies damit zusammen, dass in der DACH-Region im frommen Lager neocharismatische Kirchen wie ICF noch sehr dominant sind, währenddessen solche Kirchen in den USA den Hype schon hinter sich haben und dort ein verstärktes Interesse an historisch-traditionellen Glaubensformen vorzufinden ist.)
Mir geht es übrigens überhaupt nicht darum, dass der moderne Lobpreis zu emotional ist. Mir geht es darum, dass dieser sehr einseitig aufpeitschend aufs "High"-sein fokussiert ist und andere Emotionen wie Seufzen, Klagen etc. überhaupt nicht vorkommen. Ganz anders sind da die Psalmen, die zu einem Drittel aus Klagepsalmen bestehen oder beispielsweise Litaneien oder alte Kirchenlieder/Glaubenslieder...
Obwohl sich solcher Lobpreis "authentisch" schimpft, ist er es eben gerade nicht, wenn er alles "negative" einfach ausklammert...
Hm, solche Kritik kenne ich in Deutschland aus meiner Ansicht nach, von sehr sehr engen Kreisen, stark pietistisch geprägt.
Geleiteter Lobpreis beginnt nach meinen Erfahrungen immer mit dem „Ist-Zustand“ und geht dann von Dank zum Lob/zur Anbetung Gottes.
Ich kenne es, dass auch bei modernem Lobpreis auch mal Choräle in einer „fetzigeren“ Version gespielt werden.
Und ja, meine Seele besinnt sich beim Lobpreis auf Gottes Größe, Seine Güte und Sein Wesen.
Auch in den Psalmen heißt es
Was bist du so aufgelöst[1], meine Seele, und was stöhnst[2] du in mir? Harre auf Gott! – denn ich werde ihn noch preisen, die Heilstaten meines Angesichts[3] und meinen Gott.“ (ERF Bibleserver, Elberfelder Bibel, Psalm 42,12)
Und wenn mir die Lieder nicht passen oder ich nicht mag, sing ich eben nicht mit. Die Freiheit habe ich.
Ganz früher dachte ich bei ein zwei Liedtexten, dass ich das ja gar nicht so sehe oder es nicht für mich passt und habe mich verweigert.
Inzwischen weiß ich, dass ich nicht! „unwürdig“ oder „schlecht“ bin, wenn ich etwas gerade nicht so fühle. Meine Gefühle ändern nichts an Gottes Heiligkeit oder Seinem Anrecht auf mein Lob und meine Anbetung.
Seine Wirklichkeit (geistige Welt) ist bislang erst in Teilen sichtbar, aber Jesus sitzt jetzt bereits schon auf dem Thron, was ich in der evangelischen Kirche ja auch im Glaubensbekenntnis so finde, wenn dort bekannt wird, dass Er zur Rechten Gottes sitzt.
Natürlich besteht bei Lobpreis im allgemeinen (mMn) die Möglichkeit, dass man sich in eine Art „Wohlfühlzustand“ singt.
Allerdings habe ich selten in intensiven Lobpreiszeiten eher Heilung erfahren, manchmal hat der Heilige Geist aufgedeckt und mich in die Buße geführt, bzw. die erfahrene Liebe Gottes hat es bewirkt. Mal sind Wunden der Selbstablehnung geheilt oder mir wurde ein neues wichtiges Thema für mich gezeigt.
Alles hat seine Berechtigung und seine Zeit: Klagepsalmen und Lobgesang. Lieder der Trauer und Buße und Jubelgesänge über den Sieg, den wir, trotz allem, in Jesus bereits haben.
Und bei allen Klagepsalmen (bis auf Psalm 88) landen die psalmisten am Ende wieder bei der Hoffnung auf Gottes Hilfe, beim Vertrauen auf Ihn und dem Lob bzw. der Zusage, Ihn zu loben.
Ehrlich gesagt weiß ich nicht, warum man bei Lobpreis seufzen sollte? Wir wissen doch alle um die Beschwernisse und Herausforderungen des Lebens, des Alltags.
Wenn ich in Lobpreiszeiten an Gottes „für mich sein“, Sein Versprechen, mir zur Seite zu stehen, Seine übergroße Liebe zu mir, erinnert werde, ich mich auf Seine Größe besinne und dass Er letztendlich alles in der Hand hält, auch wenn für mich alles ein großes Chaos zu sein scheint, kann ich doch ruhiger durch meinen Alltag gehen, der draußen wieder auf mich wartet. Vielleicht begleitet mich die nächste Zeit ein ganz bestimmtes Lied und hilft mir in meinem persönlichen Sturm den Blickwinkel zu ändern?
Casting Crowns - Praise You in this Storm
Vielleicht kenne ich auch einfach nur keine Gemeinden, in denen Nachfolge und Christsein nur ein Happening nach dem nächsten ist.
Lobpreis ist nur ein Teil, da kommt ja noch viel mehr dazu.
Und zum Schluss noch etwas zum Thema „positiv reden“… als Christ soll ich meine Hoffnung nicht in die Welt setzen, aber trotzdem die Hoffnung, die ich in Christus habe, weitertragen. Natürlich könnte ich den ganzen Tag kritisieren und mich an den gesellschaftlichen und/oder gemeindlichen Missständen oder der Schlechtigkeit der Welt abarbeiten. Nur verändert das überhaupt nichts und mir geht es dadurch dauerhaft nicht wirklich besser.
Und ich sehe das auch nicht als Gottes Weg für mich als Christ.
Ich kann auch meine Geschwister mit richtenden oder mit barmherzigen Augen anschauen. Das heißt nicht, dass ich alles gutheißen muss, aber ich kann auch versuchen ihre Fortschritte zu sehen und ihnen Hilfestellung anbieten oder auch einfach für sie beten, wenn ich Probleme wahrnehme. Was hilft ihnen weiter auf ihrem Weg mit Jesus?
Und ich darf ihnen auch Fehler zugestehen. Weil sie genau wie ich begnadigte Sünder sind.
Welche traurigen Lieder würdest du denn gerne im Lobpreis singen?
Du weißt doch, das Leben ist ein Jammertal, der Gerechte muss! viel! leiden und Froide äußert sich bei frommen Christen vor allem innerlich;). Nicht dass man noch übermütig wird. Denn der Weg ist schmal und beschwerlich…
Das war jetzt vielleicht ein wenig böse, aber das sind Ansichten die man teilweise immer noch findet.
Ich kann ja die Sorge verstehen, dass es vielleicht Generationen von jungen Christenmenschen gibt, denen Lobpreis wichtiger sein könnte als Jesus selbst. Andererseits glaube ich auch, dass Gott auch solche Mauern einreißen kann, wenn es diese gibt. Wir aber können nicht in die Herzen sehen.
Natürlich gibt es auch Christen die von einem Lobpreis Event zum nächsten reisen, genau so wie die, die immer die neuesten frommen Bücher brauchen oder von einem Seminar zum nächsten hetzen.
Andererseits gibt es auch genug Christen, deren Haupthemen abseits vom Gottesdienst, Unterhaltung durch Fernsehen, Streaming oder Games oder Tratsch sind, die ihre Nachbarn nicht leiden können und sich beständig über dieselben echauffieren, die nur ums Geld kreisen und gleichzeitig knauserig und prasserisch sind, die ihre Süchte nicht loswerden und sie lieber pflegen, die ihre Verbitterung nicht loslassen wollen und und und.
Da ist es mir mir persönlich lieber, die Leute gehen zu solchen Events, besuchen Konferenzen oder kaufen und lesen diese Bücher und kommen so mit Gottes Wort in Kontakt (weil die meisten christlichen Autoren immer noch ab und an die Bibel zitieren denke ich) als dass sie sich mit anderen Dingen beschäftigen und zu leicht mit sich zufrieden sind und letztlich Gott außen vor lassen. Aber auch da kann Gott einreißen und neu aufbauen.
Ich denke schon, dass Gemeinde und (Lobpreis)Leiter eine große Verantwortung vor Gott tragen. Gebet für diese ist sicherlich nicht verkehrt. Im Gegenteil.
Puh, lang geworden, irgendwie scheint mich das Thema zu berühren.
Vielleicht, weil ich den Eindruck bekommen hatte, dass da jemand etwas schlecht macht, was so gar nicht schlecht ist aus meiner Sicht.
Ich bin ja nun schon ein wenig länger unterwegs..... und habe die "armer Wurm" -Zeit noch erlebt und "mit Ach und Krach dem Lamme nach". Es gibt da so ein paar Schlagsätze, die geeignet sind, einen Christen depressiv zu machen. Und dann kommen die Schlaubis... wenn ich Christ werden sollte, müssten sie mir fröhlicher sein.
Man kann es wohl niemand recht machen.
Der Kummer eines Menschen ist ernst zu nehmen, aber man soll seinen Kummer nicht jemandem aufdrücken und ihn für sich verarbeiten lassen. Es ist ein Seelsorgebereich und den sehe ich auch in einem Gottesdienst als persönlich zu bleibend an. Als ich in eine charismatische Gemeinde kam, um über die Praxis der Geistesgaben zu lernen, habe ich ca zwei Jahre in jedem Lobpreis geheult, weil Gottes Gegenwart im Lobpreis den Schmerz herausholte. Die anderen haben gesungen und bei mir passierte tiefgehende Heilung bis ich irgendwann mitsingen konnte. So kann es also auch gehen.
Wenn der Lobpreis Schmerz und Bitterkeit berührt, sind nicht unbedingt traurige Lieder das Heilmittel. Eine Ausnahme ist eine aktive Depression. Dort helfen eher ruhige Anbetungslieder oder ruhige Instrumentalstücke. Da ist dann die Teilnahme an spritzigem Lobpreis nicht angesagt, der erschöpfen kann, wenn man sich dazu zwingt.
Der TE hat eine Not.... die Lösung ist nicht unbedingt, die Freude anderer zu dämpfen.
Mich im Lobpreis „freiweinen“ und loslassen dürfen, heilen lassen, kenne ich auch sehr gut.
Danke liebe Goldapfel,
ja als Musiker in der Gemeinde hast du eine große Verantwortung. Aber die darf ich auch Christus
Jesus geben. Und doch, wir Menschen sind nun mal in unseren Meinungen unterschiedlich.
Was dem einen Menschen musikalisch gefällt, findet ein anderer unmöglich.
Und schon machen wir uns gegenseitig Schuldgefühle.
Was mit hilft, mit Gott darüber zu reden, aber auch mit den Menschen in meiner Gemeinde
zu reden. Versuchen zu verstehen, akzeptieren, eigene Wünsche und Meinungen auch mal
stehen lassen.......................
liebe Grüße,
@deborah71 Da gibt es viele, die teils bei mir in der Gemeinde (brüdergemeindlicher Ursprung) auch schon gesungen werden. Das, was ich kritisiere, finde ich auch weniger in meiner eigenen Gemeinde vor, sondern beispielsweise, wenn ich einmal eine anderen Gemeinden meiner Stadt besuche oder bei Videos modernen Worshipsongs (oder auch Predigten), die mir auf youtube vorgeschlagen werden.
Gute neuere Lieder , die sind nicht alle tieftraurig, aber haben dennoch eine gewisse Tiefe sind z.B.
- "In Christ alone",
-"CHristus hält mich fest", (hier: https://www.youtube.com/watch?v=2UxK1zJBuUE&list=RD2UxK1zJBuUE )
"zwischen Himmel und Erde" (Albert Frey)
Richtig gut ist zum Beispiel Miroslav Chrobak, auch wenn ich noch nie in einer Gemeinde eines seiner Lieder gehört habe, aber seine Clickzahlen sind schon beeindruckend, hier der Link zum Video "Herr, wenn nicht du" https://www.youtube.com/watch?v=GlHMEvr-Y1s&list=RDGlHMEvr-Y1s
D
Danke für die Beispiele. 🙂
Das geht also eher in Richtung ruhige Anbetung. Miroslav hört sich gut an und die Beziehung wird deutlich.
Und 'in Christ alone' ist mir bekannt, auch im Bereich Ruhe und dazu verstehbare Texte.
Naja - ich finde, es steckt schon im Wort "Lobpreis". Das setzt sich aus "loben" und "preisen" zusammen. Das ist nicht die Zeit für Trauer und Sorge. Wobei es ja Lieder gibt wie "Lege deine Sorgen nieder" und die manchmal auch in einer Lobpreiszeit ihren Platz haben. Oft aber eben nicht im Gottesdienst, sondern eher in Kleingruppen. Dort wo eben auch die eigenen Probleme ihren Platz haben gehört zu werden.
In der Lobpreiszeit im Gottesdienst geht es darum Gott zu loben und zu preisen und das spiegelt sich eben auch musikalisch und textlich wider.
@channuschka Wobei 'Lobpreis' oder 'Worship' ja schon eine recht neue Sache sind.
Gesungen wurde auch früher schon, aber damals wurde halt einfach gesungen.
(Wir hatten ja im anderen Thread die Rede von den 'Reichsliederbüchern')
Das war halt eine etwas ernstere Angelegenheit, die sich auch in den Liedern wiedergespiegelt hat.
Zum Ausgleich (und für die etwas jüngeren) gab's dann 'Sing and pray', wo auch die etwas neueren Lieder zum Einsatz kamen.
Im Rückblick denke ich, dass das der 'Worship' der damaligen Zeit war.
Veröffentlicht von: @tatokala@chai Ich dachte eben, du meintest den gleichnamigen Gospel-Song. 😆
Da musste ich jetzt erstmal ganz tief in meinem Gedächtnis kramen ...
Nee, das waren so 'Lobpreisabende' für Junge und Junggebliebene, wo halt hauptsächlich gesungen wurde.
Im Tempel waren damals ca 4000 Musiker angestellt, Sänger und Instrumentespieler.
1Chr 23,5 und 4000 Torhüter und 4000 Sänger des HERRN mit Saitenspielen, die ich zum Lobgesang habe machen lassen.«
Seit ich das Wort Hallelujah übersetzt kenne, habe ich die Vorstellung, dass ich z.B. alleine zu Hause singend...die Engel bitte mit einzustimmen. Hallelu - lasst uns singen/loben - Jah= JHWH(HERR)
Die evangelische Kirche ist wohl auch eine Sing-Bewegung gewesen (hatte damal so einen kurzen Abschnitt "Hymnologie" in Praktischer Theologie - Lehre vom Kirchenlied).
Der Ansatz warum man singt ist eben ein anderer. Das eine sind irgendwas von Lehre über gesungene Alltagsgebete hin zu dem Lob (thematisch gesehen) - also kurz gesagt ein Querschnitt durchs leben und der andere Ansatz ist, das jedes Lied ein Gesungenes Lob Gottes ist.
Unterschiedliche Ansätze, welchen Teil Musik einnimmt. Und bei dem einen Steckt es halt mal offensichtlich im Word. Im deutschen fast noch mehr als im Englischen. Wobei "(ver)ehren/anbeten" auch nicht gerade Raum für Trauer lässt.
@channuschka Wobei ich das nicht für das Thema dieses Threads halte.
Gesungen wurde früher auch. Aber das war halt das (relativ) ernsthafte Absingen von Liedern im Gottesdienst- bzw. Gemeinschaftsstundenablauf. Ein-zwei Lieder vor der Predigt und hinterher auch noch das eine oder andere.
'Lobpreis', wie er heute oftmals praktiziert wird, ist nochmal eine andere Nummer.
Ich halte es sehr wohl für das Thema des Thread, also zumindest den Teil meines Posting:
Unterschiedliche Ansätze, welchen Teil Musik einnimmt. Und bei dem einen Steckt es halt mal offensichtlich im Word. Im deutschen fast noch mehr als im Englischen. Wobei "(ver)ehren/anbeten" auch nicht gerade Raum für Trauer lässt.
@chai Wobei die Begriffe "Lobpreis" und "Worship" - das ist mir aufgefallen, da schon Bonhoeffer von "Lobpreis" schreibt - eben sehr viel älter sind als das, was sie heute bezeichnen. Sie haben also ihre Bedeutung gewandelt und bezeichnen heute eine spezielle "moderne" Form von für den Gottesdienst bestimmter christlicher Musik, könnte man sagehn.. Man kann sie auch nicht 1:1 gleichsetzen/übersetzen. In "Worship" steckt wohl ursprünglich "worth", also "Würde" drin, im Sinne von etwa "Würdigpreisen":
Naja - ich finde, es steckt schon im Wort "Lobpreis". Das setzt sich aus "loben" und "preisen" zusammen. Das ist nicht die Zeit für Trauer und Sorge.
Wann ist denn die Zeit? Abseits "Lobpreis" gibt es ja oft musikalisch garnichts anderes mehr.
Veröffentlicht von: @derelchNaja - ich finde, es steckt schon im Wort "Lobpreis". Das setzt sich aus "loben" und "preisen" zusammen.
Das ist nicht die Zeit für Trauer und Sorge.Wann ist denn die Zeit? Abseits "Lobpreis" gibt es ja oft musikalisch garnichts anderes mehr.
So hab ich auch das Eingangsposting verstanden.
Das, was früher 'zu schwer' war, ist jetzt zu 'happy'.
Hängt aber u.U. auch mit der Altersstruktur und Zielgruppe einer Gemeinde zusammen.
Die Zeit ist abseits des Gottesdienstes in den Kleingruppen. Die "Feiert Jesus"-Bücher und so haben ja schon auch andere Lieder. Nur passen diese halt nicht in eine Zeit der Anbetung. Es ist die Frage, welchen Zweck die Musik erfüllt. Und Lobpreis/Worship erfüllt eben schon dem Wort nach die Funktion "Lob, Preis, Anbetung".
@channuschka Nun ja, geht ja nicht jedes in Kleingruppen.
Und dann kommt's da ja auch auf die Zusammensetzung an - im Prinzip bestimmen dann halt die Personen dort das Liedgut.
Mir selber ist nach wie vor eine (mich) ansprechende Predigt das Wichtigste im Gottesdienst.
Muss ja auch alles in ein Zeitfenster von 60-90 Minuten passen.
Nun ja, geht ja nicht jedes in Kleingruppen.
Und dann kommt's da ja auch auf die Zusammensetzung an - im Prinzip bestimmen dann halt die Personen dort das Liedgut.
Nein, es geht nicht jeder in Kleingruppen. Allerdings sind Gemeinden wie ICF (oben angesprochen im EP), in der Theorie genau so angelegt, dass jeder eine Kleingruppe besuchen sollte. Das ist ein wichtiger Teil des Glaubenslebens in dieser Art des Gemeindeaufbaus/Gemeindelebens. (Hatte da mal eine Diskussion über den Ort und die Art des Abendmahls mit ICF München über Mail, wo es eben dann um Funktion von Gottesdienst und Kleingruppe ging. Und dass man es eben nicht von einander trennen soll, sondern zusammengehört.)
Das Problem, dass die TE hat, macht sich für sie auch nur am Lobpreis fest. Denn dort ist es vielleicht für einen persönlich am greifbarsten. Aber sowohl ICF als auch Hillsong (und die beiden sind große Teile der deutschen Lobpreisszene derzeit, wenn man es an Kirchen festmachen möchte) haben in ihrer Theologie dieses "calvinistische Element", dass mit Gott alles gut wird, bzw. eben auch dass Gott einen wirtschaftlich gut versorgt. Wenn auch nicht deutlich ausformuliert und wenn drauf angesprochen abgewehrt, kommt das in Predigten immer wieder durch.
Die Zeit ist abseits des Gottesdienstes in den Kleingruppen.
Das ist ein bisschen dünn.
Die "Feiert Jesus"-Bücher und so haben ja schon auch andere Lieder. Nur passen diese halt nicht in eine Zeit der Anbetung.
Sagt wer?
Es ist die Frage, welchen Zweck die Musik erfüllt.
Ist eher die Frage, welchen Zweck ein Gottesdienst erfüllt. Aber wie ich schon sagte, es ist jeder frei in seiner Wahl.
Um zu wissen, in wie weit wir vom selben reden oder aneinander vorbei
Sehe ich auch so. Und noch dazu gibt es dies hier im Hebräer 13,15:
"15 Durch Jesus wollen wir Gott jederzeit und in jeder Lebenslage Dankopfer darbringen; das heißt: Wir wollen uns mit unserem Beten und Singen zu ihm bekennen und ihn preisen."
Ja, die Schrift kann herausfordernd sein ...
Was ist ein Dankopfer? Wie kann Beten und Singen ein Dankopfer sein? Wie sieht das aus? ..... Fragen über Fragen .....
Das Wort Opfer hat im Hebr. verschiedene Bedeutungen, u.a. auch Geschenk, also ein Dankgeschenk bringen, eine freiwillige Gabe, jemanden zu ehren.
Im Deutschen ist ein Opfer meist etwas, das mit Verlust, Schwierigkeit, Verzicht usw. verstanden wird. Das ist anders.
ja, Fragen über Fragen, wer hat recht, wer nicht.....Aber erstmal Danke dass Du wieder hier bist.
Selbst meine ich, jeder Mensch ist musikalisch. Bereits ab der 27. Schwangerschaftswoche reagieren
Embryos auf bestimmte Melodien, die die Mutter immer wieder singt.
Mit meiner Enkelin singe ich auch immer wieder, und bewusst auch christliche Lieder.
Oder hörend laufen, dem Gesang der Vögel lauschen, dem Rauschen des Waldes................
Selbst bin ich mehr der Gefühlsmensch, und da liegt mir Musik sehr nahe.
Gerade in unseren Gottesdiensten finde ich Kinderlieder auch sehr wichtig.
Wenn ich in unseren Gottesdiensten mitspiele, sage ich auch etwas über die Lieder.
Und das wir keine Ängste vor falschen Tönen haben müssen. Singen kann auch befreien, mit dem Körper
singen, auch wenn es nicht immer schön klingt.
Musik, für Körper, Seele und Geist. Und das ich auch einmal eine Musik im Gottesdienst
ertragen kann, die ich so gar nicht mag.
Selbst bin ich für eine große Bandbreite in der Musik.
Leider kannst du mit Worten und Musik auch manipulieren. Weiß genau, mit welcher
Musik ich meinen Hund zum Schlafen bringe.
So kannst du auch Menschen im Gottesdienst mit Musik manipulieren.
Oder wenn ich mich selbst zum Star mache, anstatt für Christus spiele.......
liebe Grüße,
Hi, find ich ein sehr guter Punkt.
Die Psalmen sind durchaus anders.
Viele Menschen haben ein hartes, bitteres Leben .
Dazu passen vielleicht auch mal andere Klänge damit es von Herzen kommt.
Mir geht es darum, dass dieser sehr einseitig aufpeitschend aufs "High"-sein fokussiert ist und andere Emotionen wie Seufzen, Klagen etc. überhaupt nicht vorkommen. Ganz anders sind da die Psalmen, die zu einem Drittel aus Klagepsalmen bestehen oder beispielsweise Litaneien oder alte Kirchenlieder/Glaubenslieder...
Es kann sich jeder die Gemeinde suchen, die ihm passt. Auch eine ohne Lobpreis.
Veröffentlicht von: @derelchEs kann sich jeder die Gemeinde suchen, die ihm passt. Auch eine ohne Lobpreis.
Kommt schon ein bissel drauf an, wo man beheimatet ist.
'Junge' Gemeinden ohne 'Worship' wirst Du selten finden.
Die Frage nach den Liedern, die wir singen (in unseren Gottesdiensten, Andachten, Feiern und Zusammenkünften) bleibt eine spannende Frage, nicht nur im freikirchlichen, charismatischen und jung-gemeindlichen Kontext.
Volkskirchlich schaue ich ja zurück auf gut 40 Jahre mit dem Ev. Gesangbuch, aber natürlich auch mit anderen Liederbüchern, Liedzetteln und Liedermappen ;-), die es gab und gibt. Da hat Vieles seinen Platz, ist Geschmacksache, passt oder passt nicht, ist gehaltvoll oder auch ein bisschen arg Trallala.
Ich bin da offen, empfinde aber bestimmte "Worship-Sessions" auch ambivalent ... da ist für mich z.T. mehr Psychologie als geistliche Substanz drin, wo immer es abhebt und entführt in eine emotionale Parallel-Welt, die aufputscht, funktioniert, gefangennimmt, mitnimmt - wie ein gutes Pop-Konzert es auch tun kann. Der Alltag wartet dann wieder draußen.
Gotteslob und Klage, Bitten und Danken, Bekenntnis und Zweifel ... ich habe im Laufe der Jahre den tiefen Wert und Gehalt der "alten Gesangbuchlieder" mehr und mehr schätzen gelernt. Weil in ihnen (z.B. die Paul-Gerhard-Lieder) soviel Leben, Erfahrung und Tiefgang steckt, dass es mich immer auch mal wieder demütig und hochachtungsvoll macht.
Alles hat halt seine Zeit, auch die Piet Janssen-Schlager der 60er ("Wenn das rote Meer grüne Welle hat ...") ... 😉 ... auch Larry Norman, die REZ-Band u.a. ... und manche Gesangbuchlieder (oft Passionslieder früherer Jahrhunderte) finde ich so auch nicht mehr recht singbar.
L'Chaim
Es ist gut, alte Lieder zu kennen und sie auch über youtube nach Hause zu holen, mitzusingen, das, was gerade dran ist.
Von Elisabeth Währisch (Tochter von Pastor Wilhelm Busch) gibt es eine Erzählung in einem Buch von ihr:
Das Gesangbuchbarometer
Sie berichtet darin, dass sie beim Auflösen der Wohnung einer alten Dame der Gemeinde ein großes Plakat gefunden haben. Darauf war ein Barometer mit den (emotionalen) Wetterlagen gezeichnet und zu jedem Wetter passend der Liedtitel notiert, der der alten Dame zu Lebzeiten geholfen hat auch Nebel, Regen, Stürme, sowie Sonnenschein usw. zu bestehen.
Das hat mich sehr beeindruckt und angeregt, meine geistlich-emotionalen Wetterlieder zu kennen und zu verwenden.
Veröffentlicht von: @awhlerIch bin da offen, empfinde aber bestimmte "Worship-Sessions" auch ambivalent ... da ist für mich z.T. mehr Psychologie als geistliche Substanz drin, wo immer es abhebt und entführt in eine emotionale Parallel-Welt, die aufputscht, funktioniert, gefangennimmt, mitnimmt - wie ein gutes Pop-Konzert es auch tun kann. Der Alltag wartet dann wieder draußen.
Ich denke, dass genau das die Ausgangsbasis war.
Und ich denke an bestimmte Gottesdienste, wo ich ähnlich empfunden habe.
Alles hat halt seine Zeit, ...
... und bei manchen Dingen ist es auch gut, wenn sie dort bleiben.
Kommt schon ein bissel drauf an, wo man beheimatet ist.
'Junge' Gemeinden ohne 'Worship' wirst Du selten finden.
Was ist eine "Junge Gemeinde"? Eine Gemeinde für U25 oder eine kürzlich gegründete Gemeinde?
Veröffentlicht von: @derelchKommt schon ein bissel drauf an, wo man beheimatet ist.
'Junge' Gemeinden ohne 'Worship' wirst Du selten finden.Was ist eine "Junge Gemeinde"? Eine Gemeinde für U25 oder eine kürzlich gegründete Gemeinde?
'Junge Gemeinde' - Gemeinde mit nicht ganz alten Leuten (so ungefähr ab Jahrgang 1965 also 😆 ), die in den letzten 20 Jahren gegründet wurde.
Das ist so das Bild, das ich vor Augen hatte.
Wobei der Wandel vom ernsthaften Singen zum Worship natürlich auch vor schon länger bestehenden Gemeinden nicht Halt macht.
(Und ganz klar, das ist nur meine Beobachtung hier in der Ecke, wo in den letzten Jahren einige neue Gemeinden entstanden sind.)
'Junge Gemeinde' - Gemeinde mit nicht ganz alten Leuten (so ungefähr ab Jahrgang 1965 also
), die in den letzten 20 Jahren gegründet wurde.
Das ist so das Bild, das ich vor Augen hatte.
Mit 60 gehört man zu den Jungen... Find ich zwar gut, zeigt aber dass sich eine Rückfrage manchmal lohnt. 🤣
Veröffentlicht von: @derelchMit 60 gehört man zu den Jungen...
Nun ja, der Blickwinkel ändert sich mit den Jahren ... 😉
Vor über 20 Jahren, als ich Kontakt mit einer FeG hatte, war die Mehrzahl der Gottesdienstbesucher unter 40.
In meiner pietistischen Herkunftsgemeinde war der Altersdurchschnitt deutlich höher.
@tiefschuerfer Ich denke nicht, das es der Sinn eines Lobpreises ist negative Emotionen zu adressieren, sondern ein Mittel darstellt, Menschen im Glauben zu erbauen und aufzubauen. Sagt nicht schon Yeschua:
"Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. So seid nun nicht besorgt um den morgigen Tag! Denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat an seinem Übel genug"
[Eberfelder Übersetzung, Matthäus 6:33 folgend]
Der Weg des Lebens:
Das Negative, ja (geistige) Elend der Welt hat jeder Mensch folglich schon täglich vor Augen, wenn jemand aus dem Reich Gottes heraus durch jene lebt, jene mit durchlebt. Da die liebenswürdige Barmherzigkeit Gottes, die den mit 'Wasser und Geist' untergetauchten situativ 'umweht', so das man sprechen kann: Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht, dahingehend inspirierter Mensch also 'die linke Hand nicht wissen läßt, was die rechte tut' (übrigens wohl ein Aramäisches Idiom), dann bedarf die Psyche eines Ausgleichs, um wegen all des Mit(er)leidens im Gleichgewicht zu sein. Adressierung negativer Emotionen wäre hierfür nicht hilfreich und dementsprechend sollte Lobpreis ausfallen: Er entspricht einem psychischen Bedürfnis, das gottgegeben heilsam ist.
Der Weg des Todes:
Da ist nun jemand, welcher obiges nicht erlebt, jedoch als Christ durch die Schrift, insbesondere Johannes in seiner Glaubensvergewisserung anhand ausbleibender Taten des Glaubens herausgefordert ist. Für diesen Mensch kann entsprechender Lobpreis gleich einer Droge falsche, weil sinnlich determinierte Glaubensgewissheit vermeintlich erzwingen, weil das psychische Hochgefühl mit spirituellem Erleben leicht verwechselbar verbleibt. Für einen solchen Menschen ist erwähnter Lobpreis wie ein Gift, denn einerseits hält er ihn vom inneren Wachstum ab - was ein lassen des Egos erfordert, andererseits steht er oder sie nun in Abhängigkeit entsprechend emotionaler Erfahrung, welche der sich selbst vergewissernde Gläubige von einem Hoch zum nächsten treiben wird.
Der Unterschied zwischen beiden liegt im Herzen, aus dessen Früchten heraus sich die Grundmotivation des Handelns erweist. Dies hat also nichts mit Lobpreis an sich zu tun.
Trotzdem muss ich bemerken, das moderner Lobpreis meiner Überzeugung nach theologisch zutiefst denkwürdige, weil eindeutig monophysitistische Blüten entwickelt. Dies ist, denke ich evangelikaler und fundamentalistischer Theologie geschuldet, welche die ursprünglich gemeinte Bedeutung von Hypostase nie nachvollziehen konnte und statt dessen aus moderner Wortbedeutung individueller Person heraus ein völlig absurdes Gottesverständnis zum hoffnungslos degeneriertem Dogma indoktriniert. Der natürlich entsprechend geistig verwirrte Gläubige wird dann zur einzig verständlich verbleibenden Auflösung des Monophysitismus getrieben und so kommt es meiner Meinung nach, das sämtliche evangelikale Prediger, die ich bisher vernehmen konnte, faktisch ein monophysitistisches Gottesverständnis lehren, obwohl sie vordergründig die (selbst hier eventuell falsch verstandene) Zweinaturenlehre akzeptieren. Göttlichkeit Jesu verschmilzt in den Liedern dahingehend förmlich exemplarisch mit Gott zu einer einzigen, völlig undifferenzierten Identität - was wiederum sehr praktisch sein mag, da der Gläubige sich nun um nichts mehr Gedanken zu machen braucht (schließlich reicht das reine, 'richtige' Glaubensbekenntnis jenseits jedes Verstandes ja zur eigenen Erlösung völlig aus).
Es ist ein sich selbst bestärkendes System, das nur im geistesabwesenden, völlig unreflektiertem und letztlich aus den Bedürfnissen des Egos heraus Angst basiertem Fanatismus enden kann. Eine Art spiritueller Egoismus der zum Okkult wurde.
Das halte ich für ein viel größeres Problem.
@claudius Und jetzt nochmal in einfacher Sprache, bitte.
Es ist ein sich selbst bestärkendes System, das nur im geistesabwesenden, völlig unreflektiertem und letztlich aus den Bedürfnissen des Egos heraus Angst basiertem Fanatismus enden kann. Eine Art spiritueller Egoismus der zum Okkult wurde.
Das halte ich für ein viel größeres Problem.
lieber Claudius, ich gehe mal davon aus, dass du diesen Beitrag nicht selbst ausgedacht, sondern aus irgend einem hochtheologischen Essay (bzw. Streitschrift) übernommen hast. Oder - wenn ich an die Überschrift denke ("toxische Positivität im modernen Lobpreis"), du interpretierst da m.E. ziemlich viel rein, was mit der Ausgangsfrage nicht mehr allzu viel zu tun hat.
Mir persönlich liegt der moderne Lobpreis eigentlich auch nicht, weil er nach meinem Empfinden meistens zu oberflächlich ist, von den Texten her oft gnadenlos banal ("Kindergartenniveau") und oft dazu zu dienen scheint, die Lobpreisenden selbst in euphorische Stimmung zu versetzen (zugegeben: das klingt jetzt etwas hart und trifft auch nicht immer zu, aber viel zu oft).
Und moderner Lobpreis scheint meiner Ansicht nach in vielen Fällen eine Ausdrucksweise solcher Gläubigen zu sein, die Stille und Kontemplation nur schwer aushalten, weil sie permanent Leben und Aktivität um sich herum brauchen. Also eigentlich für Menschen unserer Zeit... 🙄 🙄 😢