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Toxische Positivität (im modernen Lobpreis)

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Tiefschuerfer
Themenstarter
Beiträge : 16

Mir liegt das Thema "toxische Posititivität" in christlichen Kontexten aktuell - bzw. eigentlich schon länger - auf dem Herzen bzw. schwer auf dem Gemüt..

Ich meine damit, dass vonseiten bestimmter Christen (Prediger, Influencerinnen, Lobpreismusiker) so getan wird, als sei im christlichen Leben alles "happy clappy" und man gehe nach der Bekehrung nur von einem Hoch zum anderen. Man solle zudem nur "positiv" reden und darf nichts kritisieren. Häufig steckt ein Wohlstandsevangelium dahinter, auch wenn dies nicht unbedingt explizit so gesagt wird.

Irgendwie ist diese Kritik an solchen Phänomen in Deutschland bzw. im deutschsprachigen Raum noch nichts ganz angekommen und wenn, dann wird sie von progressiven Christen oder Nicht-Christen geäußert. Ich äußere diese Kritik aber ausdrücklich aus theologisch konservativer Perspektive.

Insbesondere Kritik an lautem ultra-modernem triumphalistischen Lobpreis liest man im englischsprachigen Raum vermehrt von theologisch Konservativer Seite, in Deutschland nehme ich davon aber nur wenig wahr.

(Womöglich hängt dies damit zusammen, dass in der DACH-Region im frommen Lager neocharismatische Kirchen wie ICF noch sehr dominant sind, währenddessen solche Kirchen in den USA den Hype schon hinter sich haben und dort ein verstärktes Interesse an historisch-traditionellen Glaubensformen vorzufinden ist.)

Mir geht es übrigens überhaupt nicht darum, dass der moderne Lobpreis zu emotional ist. Mir geht es darum, dass dieser sehr einseitig aufpeitschend aufs "High"-sein fokussiert ist und andere Emotionen wie Seufzen, Klagen etc. überhaupt nicht vorkommen. Ganz anders sind da die Psalmen, die zu einem Drittel aus Klagepsalmen bestehen oder beispielsweise Litaneien oder alte Kirchenlieder/Glaubenslieder...

Obwohl sich solcher Lobpreis "authentisch" schimpft, ist er es eben gerade nicht, wenn er alles "negative" einfach ausklammert...

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117 Antworten
Tiefschuerfer
Themenstarter
Beiträge : 16
Veröffentlicht von: @bepe0905

Und moderner Lobpreis scheint meiner Ansicht nach in vielen Fällen eine Ausdrucksweise solcher Gläubigen zu sein, die Stille und Kontemplation nur schwer aushalten, weil sie permanent Leben und Aktivität um sich herum brauchen. Also eigentlich für Menschen unserer Zeit...

Sehr gut zusammengefasst. Ich finde es spannend, wie bestimmte sich selbst als (Theologisch) Konservative gegen den "Zeitgeist" positionieren, um diesem "Zeitgeist" dann an anderer Stelle zu huldigen. Man wird ja schon sowieso überall beschallt - in der Bahn, beim Supermarkt, auf Arbeit, in  der Werbung etc. Und dann kommt man in eine Gemeinde und nimmt auch dort nur Lärm wahr...

tiefschuerfer antworten


Tiefschuerfer
Themenstarter
Beiträge : 16
Veröffentlicht von: @kerygma

Eine große negative Seite der ganzen Zersplitterung des Christenstum ist, dass Leute sich ihren Temperamenten und Ausrichtungen nach separieren. Stellt Euch mal vor, die Katholiken, Evangelen, Baptisten, Pfingstler, Charismatiker, alle in einer Gemeinde. Stellt Euch mal das Potential vor, wenn diese verschiedenen Talente alle gebündelt wären.

Ich seh deinen Punkt. Aber es wird eben zumindest bei uns in D-A-CH so getan, als ob nur das eine Richtig wäre, laut/modern/poppig/extrovertiert etc. und das andere wird verdrängt. Schlecht für Introvertierte. Ein Grund, warum angeblich viele junge Männer in den US zum traditionellen Katholizismus oder Orthodoxie konvertieren.

(Kleine pedantische Ergänzung: Und "Evangelen" an sich gibts nicht, sondern "Evangelische" bzw. nur in Deutschland, ansonsten unterscheidet man Lutheraner, Reformierte/Presbyterianer)

 

tiefschuerfer antworten
Dorisa
 Dorisa
Beiträge : 87

@tiefschuerfer Ich denke, dass die Leute, die die Lobpreislieder schreiben von Gott sehr gesegnet wurden und auch keine falschen Entscheidungen trafen. Denen geht es gut und das tragen sie in den Lobpreis, in dem sie Gott Lob dafür geben, dass es ihnen so gut geht. Genauso ist es bei den Influencern. Ihnen geht es gut also denken sie bei anderen wird es genauso sein und sie tragen das Wohlstandsevangelium in die Welt.

Ich finde auch, dass manchmal irgendwie der Trost fehlt für Zeiten, in denen es nicht gut läuft. Irgendwie fühle ich mich im Glauben häufig so als würde von mir erwartet, dass es mir immer gut geht. Aber was passiert wenn man eine falsche Entscheidung trifft und seinem Leben schadet (obwohl Gott es sogar gut mit einem meinte)?  Was passiert wenn man krank wird? Was passiert wenn einen ein Schicksalsschlag trifft?

elfentanz antworten
1 Antwort
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 7900

@elfentanz 

"Was passiert wenn man krank wird? Was passiert wenn einen ein Schicksalsschlag trifft?"

Was könnte oder sollte denn passieren.

queequeg antworten


MrOrleander
Beiträge : 2459

Mir liegt das Thema "toxische Posititivität" in christlichen Kontexten aktuell - bzw. eigentlich schon länger - auf dem Herzen bzw. schwer auf dem Gemüt..

Muß es denn wirklich gleich 'toxisch' sein? Wäre 'übertrieben' nicht besser gewählt, im Sinne einer von Dir so wahrgenommenen, einseitigen Fokusierung auf Positives in Anbetungsliedern? 😀 Ich schreibe das nur, weil ich normaler Weise schon gleich abschalte, wenn ich dieses Triggerwort lese, das mittlerweile alles adressiert, was negativ ist.

Persönlich finde ich die Idee gut und auch zum Gottesdienst passend, wenn der Lobpreis positiv gehalten ist. Für mich wird es nur dann zum Problem, wenn sich eine Gemeinde dafür entscheidet, nur noch Lobpreis im Gottesdienst zu singen, und damit andere Lebenserfahrungen 'musikalisch' ausblendet. Und die Tendenz sehe ich durchaus, wenn ich andere freikirchliche Gemeinden besuche: Im Grunde dreht sich viel um das technisch hochgerüstete Musikteam, das - durchaus verständlicher Weise - wenig Bock darauf hat, 'Befiel Du Deine Wege' auf E-Gitarre, Bass und Schlagzeug runterzubrechen. 

mrorleander antworten
1 Antwort
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 5311
Veröffentlicht von: @mrorleander 

Im Grunde dreht sich viel um das technisch hochgerüstete Musikteam, das - durchaus verständlicher Weise - wenig Bock darauf hat, 'Befiel Du Deine Wege' auf E-Gitarre, Bass und Schlagzeug runterzubrechen. 

Gerade 'Befiehl Du Deine Wege' verliert nichts von seiner Tiefe, wenn's etwas modernisiert daherkommt. 
In diesem Zusammenhang mag ich die Outbreakband ganz gern - die können auch altes Liedgut modern interpretieren. 
(Da gibt's sicher auch noch andere, aber ich bin nicht so sehr in der Materie drin)

Und ja - 'übertrieben' wär mir auch lieber, 'toxisch' ist halt so ein Modewort für alles, was nicht passt. 

chai antworten
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