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Bibelstellen, die mich beeindrucken (Teil 1)

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Lucan-7
Themenstarter
Beiträge : 16983

Nachdem mir in letzter Zeit immer wieder (nicht ganz zu unrecht) vorgehalten wurde, ich würde den christlichen Glauben doch immer nur negativ sehen, an allem herumnörgeln und kein gutes Haar daran lassen möchte ich an dieser Stelle einfach mal das Gegenteil tun. Mir sind nämlich durchaus spontan ein Dutzend Bibelstellen oder so eingefallen, die mir sehr gefallen haben und an denen ich mich teilweise sogar auch als bekennender Atheist im Leben orientiere.

Ich nenne das jetzt mal ganz großspurig "Teil 1", weil da sicher noch mehr kommt... ich werde jetzt aber nicht jede Woche neue Threads eröffnen sondern möchte lediglich darauf hinweisen, dass es da noch mehr gibt. 😉

Außerdem habe ich als Atheist natürlich eine recht eigenwillige Sicht auf die Dinge, denen viele Christen in dieser Form vermutlich nicht immer zustimmen werden... aber genau deshalb stelle ich das ja auch hier zur Diskussion.

Fangen wir also mit einer meiner Lieblingsstellen an:

Jesus aber sprach zu ihm: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt« Dies ist das höchste und erste Gebot. Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten. (Matthäus 22, 37-40)

Warum beeindruckt mich das?

Weil Jesus hier mal eben so nebenbei das halbe AT niederbügelt - ohne ihm dabei zu widersprechen. Denn wenn das Gebot lautet: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" - dann ergeben sich die anderen Gebote daraus wie von selbst. Denn dann liebe und respektiere ich natürlich auch meine Eltern, ich würde keinem irgendwas stehlen, sicher niemanden ermorden und auch keinem durch Lügen schaden wollen, wenn ich das wirklich beherzige.

Auch viele andere Gesetze des AT finden sich ihrem Sinn nach in diesem Gebot (Wenn man von den drastischen Strafen mal absieht, aber das hat historische Gründe). Es geht darum, zu einer guten Gemeinschaft zu finden, und wenn ich dabei auch die Bedürfnisse des Anderen berücksichtige - dann werde ich auch eher zu einer einvernehmlichen Lösung finden.

Wichtig auch die Aussage, "sich selbst" zu lieben. Nicht in Form von reinem Egoismus (Das schließt die Nächstenliebe aus), sondern in der Form, dass es natürlich berechtigte eigene Bedürfnisse und Interessen gibt. Und: Wer sich selbst hasst wird kaum zur Nächstenliebe in der Lage sein...

Bleibt natürlich noch die Sache mit "Gott". Tja, was macht man als geneigter Atheist daraus? Den Satz einfach streichen?

Nun, ich denke nicht... denn die Eigen- und Nächstenliebe braucht Orientierung. Es braucht einen gewissen Fixpunkt, auf den alle schauen, damit die Sache funktionieren kann. Es braucht gemeinsame Werte - und damit gemeinsamen Glauben.

Denn ohne dem käme man schnell auf den Trichter, dass man andere Leute auch ausbeuten kann, wenn man sich selbst nicht liebt... denn dann bräuchte man auch keine Rücksicht zu nehmen. Der Glaube an gemeinsame Werte ist demnach zentral - und das ist für mich an dieser Stelle "Gott".

 

Der Unterschied zu gläubigen Christen an dieser Stelle ist, dass Gott für mich abstrakt bleibt. Man könnte an dieser Stelle auch die allgemeinen Menschenrechte als "Gott" einsetzen. Gott steht für "gute Werte". Und das genügt mir an dieser Stelle, da brauche ich keine Religion.

Und natürlich findet sich das auch außerhalb der Bibel in der Philosophie... Kant wäre hier wohl an erster Stelle zu nennen. Aber die Bibel war halt ein paar Jahrhunderte früher dran (Und vermutlich auch nicht die erste).

Das Prinzip aber bleibt... und ich versuche mich daran zu orientieren, so weit es mir als Mensch halt möglich ist...

 

 

 

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36 Antworten
Queequeg
Beiträge : 3589

Das ist ja soweit sicher richtig. Religiöser Glaube hat eine bedeutsame soziologische Funktion.

Aber Du räumst ja selbst ein, dass das nicht das Anliegen religiös Gläubiger ist.

Und da haben wir dann gleich auch das daraus folgende Problem: Gemeinschaftsstiftend ist der Glaube nur für die, die gleiches glauben. Geschichtlich und bis heute führt schon der Glaube des nächsten Stammes nicht zu verstärkter Gemeinsamkeit, sondern gerad im Gegenteil zu Streit und Krieg.

queequeg antworten
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Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 16983

@queequeg 

Und da haben wir dann gleich auch das daraus folgende Problem: Gemeinschaftsstiftend ist der Glaube nur für die, die gleiches glauben. Geschichtlich und bis heute führt schon der Glaube des nächsten Stammes nicht zu verstärkter Gemeinsamkeit, sondern gerad im Gegenteil zu Streit und Krieg.

Das war jetzt zwar nicht unbedingt mein Punkt hier... aber ich denke, dass "Glaube" sowohl Verbindendes wie Trennendes hat, und es eben immer die Frage ist, worauf man den Schwerpunkt legt.

Also: Will man jetzt des Gemeinsame, Verbindende sehen... oder das Trennende?

 

 

lucan-7 antworten


Queequeg
Beiträge : 3589

@lucan-7 

Einer der für mein Empfinden beeindruckendsten Texte der Bibel ist

"Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen."

Nicht, weil ich denke, dass er eine Realität beschreibt, sondern die wirklich abgrundtiefe Sehnsucht des Menschen.

queequeg antworten
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Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 16983

@queequeg 

Nicht, weil ich denke, dass er eine Realität beschreibt, sondern die wirklich abgrundtiefe Sehnsucht des Menschen.

Ich würde nicht sagen "die" Sehnsucht des Menschen... sondern "eine" Sehnsucht des Menschen...

 

 

lucan-7 antworten
Seidenlaubenvogel
Beiträge : 1058

@lucan-7 … gute Idee. Danke!

Und es zeigt auch gleich deutlich, wie du zu Gott stehst. Genau das ist Gott eben nicht - rein abstrakt. So viel Beziehung drückt sich aus in Gott, der Vater oder der Herr, mein Hirte… Wie willst du „allein Werte“ lieben? Und wenn es dir gelingt, in der Liebe zu leben, schaffst du das allein aus dir heraus?

seidenlaubenvogel antworten
1 Antwort
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 16983

@seidenlaubenvogel 

Wie willst du „allein Werte“ lieben? Und wenn es dir gelingt, in der Liebe zu leben, schaffst du das allein aus dir heraus?

Die Werte sind die Orientierung. Die Liebe gilt den Menschen.

Und was heißt "aus mir alleine heraus"? Menschen können unabhängig von ihrer Religion lieben... natürlich steckt das in uns.

 

 

lucan-7 antworten


SteRo
 SteRo
Beiträge : 180

@lucan-7 

 

Diese Bibelstelle ist die entscheidende Stelle schlechthin, welche Aufschluss gibt über den Weg zum "ewigen Leben" jenseits des Lebens in der Zeit.

Ich zitiere aus der Elberfelder Bibel:

Matthäus:
22,37 Er aber sprach zu ihm: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand." 22,38 Dies ist das größte und erste Gebot. 22,39 Das zweite aber ist ihm gleich: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." 22,40 An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.

Markus:
12,29 Jesus antwortete ihm: Das erste ist: `Höre, Israel: Der Herr, unser Gott, ist allein Herr; 12,30 und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Kraft. 12,31 Das zweite ist dies: `Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Größer als diese ist kein anderes Gebot.

Lukas:
10,25 Und siehe, ein Gesetzesgelehrter stand auf und versuchte ihn und sprach: Lehrer, was muß ich getan haben, um ewiges Leben zu erben? 10,26 Er aber sprach zu ihm: Was steht in dem Gesetz geschrieben? Wie liest du? 10,27 Er aber antwortete und sprach: `Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Verstand und deinen Nächsten wie dich selbst. 10,28 Er sprach aber zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu dies, und du wirst leben.

 

Mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit ganzen Verstand ist Gott zu lieben. Das ist das erste Gebot.
Das zweite Gebot ist, den Nächsten zu lieben wie sich selbst.

Und nach Matthäus ist die Selbst- und Nächstenliebe der Gottesliebe gleichgestellt, obgleich Letztere an erster Stelle kommt. Man kann also nicht sich selbst gegenüber und also dem Nächsten gegenüber eine neutrale, weder liebende noch hassende, Haltung einnehmen, wenn man Gott liebt wie man ihn lieben muss.

Und nach Lukas ist das ewige Leben genau dadurch, dass man Gott liebt wie den Nächsten und sich selbst.

stero antworten
2 Antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 16983

@stero 

Diese Bibelstelle ist die entscheidende Stelle schlechthin, welche Aufschluss gibt über den Weg zum "ewigen Leben" jenseits des Lebens in der Zeit.

Hinzu kommt aber, das Opfer Jesu anzunehmen, also an seinen Tod zur Vergebung der Sünden und die Auferstehung zu glauben.

Wer das nicht glaubt, dem bleibt auch der Himmel versagt.

 

 

lucan-7 antworten
SteRo
 SteRo
(@stero)
Beigetreten : Vor 2 Monaten

Beiträge : 180

@lucan-7 

Ich sprach vom "ewigen Leben", jenseits des Lebens in der Zeit, welches bereits jetzt auf Erden erlangt werden kann.

Joh. 1,12 so viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben; 1,13 die nicht aus Geblüt, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.

Joh. 17,3 Dies aber ist das ewige Leben, daß sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.

 

Jesus als Opferlamm, Vergebung der Sünden und Auferstehung sind Themen, welche sehr kontrovers diskutiert werden können, je nachdem welcher christlichen Tradition man folgt, weil nicht alles, was davon landläufig die Rede ist auch in der Bibel gefunden werden kann, sondern einiges die Hervorbringung von Theologen ist.

stero antworten
Deborah71
Beiträge : 17867

@lucan-7 

Vielen Dank für deine Erklärung. 🙂 

Lucan-7 : Jesus aber sprach zu ihm: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt« Dies ist das höchste und erste Gebot. Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten. (Matthäus 22, 37-40)

Jesus hat hier ja kein neues Gebot herausgegeben.

Dieses Doppelgebot hat einen Ursprung, der den gemeinsamen Werten ihre Deckung gibt....so wie Goldreserven dem kursierenden Geld eine Deckung geben. Und dann ist da noch der Besitzer des Goldes.

Elb 5. Mose 6, 4 Höre, Israel: Der HERR ist unser Gott, der HERR allein[als Einziger der HErr]!
5 Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele[deiner ganzen Person] und mit deiner ganzen Kraft.

Elb 3. Mose 19, 18 Du sollst dich nicht rächen und den Kindern deines Volkes nichts nachtragen und sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Ich bin der HERR.

[die Fußnoten im Text sind von mir ausgeschrieben]

Natürlich kann man mit der Währung gut leben und den Besitzer ausblenden und sich glauben machen, dass es Ihn nicht gibt.

Sehr viele Menschen sagen, wenn man sie nach den 10 Geboten fragt, dass sie sie für gut befinden und dem Zusammenleben förderlich. Hakt man etwas nach, dann kommt heraus, dass sie nur nach 8 Geboten leben. Oder...wenn man dann die Matthäusstelle erwähnt, dann wird offenkundig, dass das Höchste und erste Gebot bzgl des Urhebers nicht angenommen worden ist.

Es wird also nur die Hälfte des Doppelgebotes angenommen. Kann man nun sagen "ich finde das Gebot in Matthäus gut", wenn man gleichzeitig die Hälfte streicht oder umdeutet. Logisch und eindeutig als Atheist wäre doch "ich finde den zweiten Teil des Doppelgebotes gut und bemühe mich, danach zu leben"

Du schreibst, du brauchst keine Religion....lebst aber zu einem großen Teil nach Vorgaben des jüdisch-christlichen Liebesgebotes, also religiös.
Du vertraust (glaubst) also den Regeln/der Währung und der Währungsstabilität, aber nicht dem Besitzer der Golddeckung und Autor der Währung. Wie verträgt sich das mit a) Logik und b) Konsequenz?

deborah71 antworten
3 Antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 16983

@deborah71 

Du schreibst, du brauchst keine Religion....lebst aber zu einem großen Teil nach Vorgaben des jüdisch-christlichen Liebesgebotes, also religiös.

Religionen erfüllen ja einen Zweck in der Gemeinschaft. Ein sehr großer Teil der Bibel handelt ja davon, das soziale Miteinander zu regeln, was nur funktioniert, wenn man sich auf gemeinsame Regeln einigt. Das wurde dann mit dem religiösen Glauben an einen oder mehrere Gottheiten begründet.

Diese Regeln sind auf der ganzen Welt trotz mancher Unterschiede relativ ähnlich, weil sie sich nach grundsätzlichen menschlichen Bedürfnissen ausrichten. Dass ich mich hier nach christlichen Werten orientiere hat natürlich mit der Kultur zu tun, in der ich aufgewachsen bin.

Im Gegensatz zu dir setze ich "Religiosität" aber mit dem Glauben an "übernatürliche Kräfte" gleich, insofern ist meine Handlung auch nicht "religiös" geprägt.

 

 

lucan-7 antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 17867

@lucan-7 

eehm...der Urheber des Liebesgebotes ist übernatürlich.... auch wenn es dann Menschen aufgeschrieben haben.

deborah71 antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 16983

@deborah71 

eehm...der Urheber des Liebesgebotes ist übernatürlich.... auch wenn es dann Menschen aufgeschrieben haben.

Man kommt auch mit Logik drauf, weil es ein sinnvolles Gebot ist. Wäre es das nicht und wäre es gegen jede Vernunft und Logik, dann wäre es sinnlos.

Ob Gott etwas damit zu tun hat ist eine Frage des persönlichen Glaubens. Mich interessiert an dieser Stelle das Ergebnis und die Konsequenzen, die daraus für das Zusammenleben der Menschen erwachsen.

 

lucan-7 antworten


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