Bibelstellen zum Thema Abtreibung?
Hallo in die Runde!
Ich habe zwei Fragen insbesondere an diejenigen, die aus christlichen Motiven eine kritische bis ablehnende Haltung zu Schwangerschaftsabbrüchen haben:
- Hast du deine Position aus allgemeinen ethischen Überlegungen heraus, oder spielen konkrete Bibeltexte für dich eine entscheidende Rolle?
- Falls Letzteres zutrifft: Welche Bibeltexte sind das, und wie verstehst du sie, wenn du sie auf das Thema Abtreibung beziehst?
Zum Hintergrund der Fragen: Ich habe vor Kurzem einen Social-Media-Kanal eröffnet, in dem ich mich auf biblischer Basis mit christlichen Pro-AfD-Positionen kritisch auseinandersetze. Weil dabei das Thema Abtreibung oft eine große Rolle spielt, habe ich darin eine Playlist zum Thema "Abtreibung und die Bibel" erstellt, die ich in den nächsten Monaten nach und nach erweitern werde. Ich möchte die Positionen, mit denen ich mich dort auseinandersetze, besser verstehen und zugleich darüber ins Gespräch kommen. (Damit unterstelle ich nicht, dass alle, die gegen Abtreibung sind, auch die AfD gut finden; oft gibt es dabei aber Schnittmengen.)
Zur Transparenz meiner eigenen Position: Ich bezeichne mich nicht als Abtreibungsbefürworter. Ich denke, dass es in einer idealen Welt keine Abtreibungen geben müsste. Zugleich denke ich aber, dass aus der Bibel keine klare Position zu dem Thema zu gewinnen ist und viele Bezugnahmen auf Bibelstellen bei genauerer Betrachtung ihre Schwächen haben. Ich halte das Thema Schwangerschaftsabbruch für ein schwieriges ethisches Konfliktthema, bei dem es sich keine Seite leicht machen kann und sollte.
Mir geht es hier aber nicht um die große ethische Diskussion, sondern konkret um den Bezug zur Bibel. Darum auch das Unterforum "Bibel und Bibelstellen". (Mir ist bewusst, dass es im Forum "Ethik" hier eine längere Diskussion gegeben hat.)
Danke schon mal für euer Interesse an der Diskussion und viele Grüße
suivant
@adjutante Verweist du damit auf die emotionale Verbindung zwischen Mutter und Kind oder spielst du (auch) auf Jesaja 49,15 an?
("Kann auch eine Frau ihr Kindlein vergessen, dass sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie seiner vergäße, so will ich doch deiner nicht vergessen.")
Beides. Auch wenn der Zusammenhang in Jesaja ein wenig anders ist.
Ich habe Frauen kennengelernt, die ihr Kind abgetrieben haben. Jahre später hat sie das belastet. Und die Vorstellungen davon, wie sie nun wären ...
Völlig Offtopic!
Hej Suivant,
"Über mich
Hallo!
Ich bin schon seit 2008 in diesem Forum aktiv. In den letzten Jahren war ich nicht mehr so aktiv, aber jetzt möchte ich mich mal wieder stärker einbringen."
Eine vorzügliche Idee!
Liebe Grüße
Werner
@frosch80-mod Danke, lieber Werner! Es freut mich, dass hier noch einige mir bekannte Personen aktiv sind. 🙂
Da wird es sicher einige Bibelstellen geben, die dazu passen, je nach Lesart…
Für mich die wichtigste: „du sollst nicht töten“… das ist für mich eine klare Position der Bibel dazu. Dabei ist es für mich keine Verurteilung der Frauen, die es trotzdem so für sich entscheiden.
Danke. Da kann man natürlich drüber diskutieren, wen das Töten bzw. Morden einschließt und wen nicht. Ich würde argumentieren, dass ungeborenes Leben hier zumindest nicht im Blick ist. Aber prinzipiell verstehe ich, dass man das auch auf ungeborenes Leben ausweiten kann.
Veröffentlicht von: @suivantDanke. Da kann man natürlich drüber diskutieren, wen das Töten bzw. Morden einschließt und wen nicht. Ich würde argumentieren, dass ungeborenes Leben hier zumindest nicht im Blick ist. Aber prinzipiell verstehe ich, dass man das auch auf ungeborenes Leben ausweiten kann.
Ich denke, aus der Sicht Gottes beginnt Leben bereits bei der Vereinigung von Ei- und Samenzelle. Zumindest würde ich Psalm 139,15-16 so interpretieren.
Aus Ps 139 kann man schon ableiten, dass vorgeburtliches menschliches Leben schützenswert ist. Allerdings sagt der Text ja nichts über einen bestimmten Zeitpunkt, und es ist ein Vertrauensbekenntnis eines frommen Beters, der auf sein Leben zurückschaut und im Rückblick sein Leben von Anfang an als von Gott begleitet sieht. Daraus folgt in meinen Augen nicht zwingend ein ethisches Verbot der Abtreibung. Aber ich räume ein, dass es der biblische Text ist, der m.E. am ehesten zur Begründung einer Anti-Abtreibungs-Haltung in Frage kommt.
Ja, ich denke auch, dass dieser Text den besten Hinweis darüber gibt, wie sorgfältig und ehrenvoll wir mit vorgeburtlichem Leben umgehen sollen.
Es wird erst recht schwierig, wenn das Leben der Mutter durch die Schwangerschaft bedroht ist. Ist diese Bedrohung physisch/körperlich bzw. kann oder wird zum Tod der Mutter führen, dann fällt die Entscheidung wohl meistens zugunsten des ausgewachsenen Menschen bzw. der Mutter aus.
Geht es darum, ob das Leben der Mutter in psychischer oder auch organisatorischer Hinsicht stark gestört werden wird, ist die Entscheidung ganz und gar nicht klar.
Als Mutter einer Tochter, die bereits in prenataler Phase Auffälligkeiten aufwies, die sich nach der Geburt bestätigten, weiss ich Bescheid. Die Tochter wird bald 20, verursacht sowohl Freud als Leid, wie jedes Kind, und möchte leben. Aber meine berufliche Karriere war abrupt beendet und meiner Ehe hat es bestimmt nicht gut getan. Als Mutter alleine habe ich den Entscheid getroffen, sie zu behalten (Ehemann war für Abtreibung), und als Mutter so gut wie alleine, bin ich diejenige, die die Konsequenzen trägt. Darunter leide ich wirklich.
Ich bin dennoch froh, dass sie da ist. Aber verstehe auch, wenn Menschen anders entscheiden.
Hauptsache, man spricht mit Gott und erklärt ihm ehrlich und von Herzen, warum man entscheidet, wie man entscheidet. Und bittet um Seine Unterstützung … Er wird da sein.
Also, ich bin für Jakobus 1, 5-6
5 Wenn es jemandem von euch an Weisheit mangelt zu entscheiden, was in einer bestimmten Angelegenheit zu tun ist, soll er Gott darum bitten, und Gott wird sie ihm geben. Ihr wisst doch, dass er niemandem sein Unvermögen vorwirft und dass er jeden reich beschenkt. 6 Betet aber im festen Vertrauen und zweifelt nicht; denn wer zweifelt, gleicht den Wellen im Meer, die vom Sturm hin- und hergetrieben werden.
Veröffentlicht von: @suivantAus Ps 139 kann man schon ableiten, dass vorgeburtliches menschliches Leben schützenswert ist. Allerdings sagt der Text ja nichts über einen bestimmten Zeitpunkt, und es ist ein Vertrauensbekenntnis eines frommen Beters, der auf sein Leben zurückschaut und im Rückblick sein Leben von Anfang an als von Gott begleitet sieht. Daraus folgt in meinen Augen nicht zwingend ein ethisches Verbot der Abtreibung. Aber ich räume ein, dass es der biblische Text ist, der m.E. am ehesten zur Begründung einer Anti-Abtreibungs-Haltung in Frage kommt.
Für mich ist die Bibel nicht nur Menschenwort, sondern auch Gotteswort, das uns das "Herz Gottes" offenbart, und das ist tendenziell eher "für Leben" als "gegen Leben" - insbesondere wenn es um das Leben Schwacher, Hilfloser geht. Und wenn man die Bibel nicht in erster Linie als "Gesetzesbuch" versteht, sondern als "Beziehungsleitfaden", dann fragt man nicht "Was darf ich alles tun, um nicht gegen Verbote zu verstoßen?" (juristische Sichtweise), sondern eher "Wie kann ich so leben, dass es Gott ehrt?" (Beziehungs-Sichtweise). Aus dieser Perspektive würde ich im Hinblick auf die Abtreibungsfrage schon sagen, dass es Gott mehr ehren würde, wenn ein Kind ausgetragen wird, auch wenn es den Beteiligten erst mal Nachteile bringt. Man sollte aber auch die Ewigkeitsperspektive nicht außer acht lassen: Nachteile, die man für Gott in Kauf nimmt, bringen ewige Belohnungen mit sich.
Allerdings sagt der Text ja nichts über einen bestimmten Zeitpunkt
Dazu kann man sich Weltwissen anschauen: Mit der Befruchtung existiert ein (zunächst einzelliges) Lebewesen mit menschlichen Erbgut. Das differenziert sich innerhalb weniger Tage, so dass bei der Einnistung (Nidation) zwischen Schwangerschaftsgewebe (Ammonionhöhle, Dottersack, später Plazenta) und Embryo unterschieden werden kann. Das Wesen grenzt sich aktiv vom Körper der Mutter ab, ist also ein Individuum mit menschlichem Erbgut.
Ob man das nun als Mensch bezeichnet, hängt davon ab, woran man Menschsein ausmacht. Dazu könnte man sich anschauen, was für Organe erkennbar sind: Zuerst das Zentralnervensystem, und sobald das zu groß ist, um nur durch Diffusion ernährt werden zu können, kommt das Herz und erste Blutgefäße dazu, das ist ungefähr der Zeitpunkt, wo ein Schwangerschaftstest anschlägt.
Womit die Frage ist: Woran entscheidest du, ob bzw. ab wann man das Individuum als Mensch betrachten kann? Sind beispielsweise Kinder, die (wg. Erbschaden o.ä.) ohne Gehirn geboren werden, keine Menschen?
Da es keine scharfe Grenze gibt, weder aus wissenschaftlicher Sicht noch von der Bibel, sage ich: Mensch von Anfang an.
Veröffentlicht von: @hkmwkDa es keine scharfe Grenze gibt, weder aus wissenschaftlicher Sicht noch von der Bibel, sage ich:
Mensch von Anfang an.
Wobei ich da ein kleines bisschen differenziere - Verhütung, die ein befruchtetes Ei an der Einnistung hindert, empfinde ich nicht als 'Mord'.
Nicht jede Tötung ist ein Mord. Es gibt Mord, Totschlag, fahrlässige Tötung, Körperverletzung mit Todesfolge, … ein Jurist kann dir vermutlich noch mehr Spezialfälle nennen.
Abtreibung ist für meine Begriffe eine weitere Kategorie, eine Tötung, aber kein Mord. Aber das auch vor der Einnistung.
Da kann man natürlich drüber diskutieren
Ja. Das meinte ich mit „je nach Lesart“…
Was für den einen offensichtlich ist, ist es eben für den anderen weniger.
Ich habe mich lange gefragt, auf wen sich das töten bezieht, denn ich muss ja auch töten, um zu überleben (ausser ich esse nur Früchte und Getreide). Also selbst Salat entwurzeln und essen wäre ja schon „töten“ streng genommen. Dass es so nicht gemeint ist, ist sehr wahrscheinlich. 🙂
Bei einem Menschen ist es für mich der Herzschlag, der das Leben in Bewegung setzt. Aber das ist ja willkürlich und subjektiv von mir so festgelegt, kein objektives Kriterium.
Also selbst Salat entwurzeln und essen wäre ja schon „töten“ streng genommen
Nicht laut Bibel: Da ist Leben nur da, wo Blut vorhanden ist. Salat hat kein Blut und ist im biblischen Sinn nicht lebendig.
Die Biologie hat einen anderen Begriff von Leben, aber den sollte man nicht in die Bibel hineintragen.
Bei einem Menschen ist es für mich der Herzschlag, der das Leben in Bewegung setzt
Allein das würde praktisch jede Abtreibung zu der Tötung eines Menschen machen, denn es gibt sviw keinen Schwangerschaftstest, der eine Schwangerschaft so früh erkennt, dass die Abtreibung erfolgen kann, bevor das Herz anfängt zu schlagen. Selbst wenn 5 Minuten nach dem Test abgetrieben wird, ist mindestens unsicher, ob das Herz schon schlägt … bei einer in D legalen Abtreibung ist das sicher.
—Nicht laut Bibel: Da ist Leben nur da, wo Blut vorhanden ist. Salat hat kein Blut und ist im biblischen Sinn nicht lebendig.—
Ok, das ergibt auch Sinn…so hab ich das noch nicht betrachtet.
Herzschlag gibt es glaub ich so ab der 5. Woche und Schwangerschaftstest funktionieren im Prinzip mit Ausbleiben der Periode, also nach 14 Tagen.
Das ist kein grosses Zeitfenster, sicherlich auch nicht ausreichend um sich in dieser Zeit zu einer Entscheidung durchzuringen, also ist es nicht praktikabel, mit dieser Methode sicher sein zu wollen, niemanden getötet zu haben.
Ich meine, selbst über die Pille danach kann man auf einer subjektiven emotionalen Ebene streiten.
Wir hatten hier schon einmal eine Diskussion darüber, ob 4. Mose 5, 16 eine Abtreibung beschreibt. Es geht dabei darum, festzustellen ob eine Frau ihrem Mann untreu war. Dafür soll sie "verfluchtes Wasser" trinken. War sie treu, geschieht nichts, war sie hingegen untreu, soll ihr Bauch daraufhin "anschwellen" und "die Hüfte schwinden".
Ich erkläre mir das so, dass es dabei um die Frage geht, ob eine Frau ein Kind von einem anderen Mann empfangen hat, das auf diese Weise abgetrieben werden soll. Auch wenn es nicht eindeutig dort steht ergibt sich das meiner Ansicht nach aus dem Zusammenhang: Fremdgehen und anschließende körperiche Reaktion im Bereich Bauch und Hüfte, wenn die Frau schuldig ist.
Für mich ist es offensichtlich, dass es hier um ein fremdes Kind geht, dass dem Ehemann als seines untergejubelt werden sollte - und die Zeremonie dient dazu, ein solches Kind zu verhindern.
Wirklich klar beschrieben wird die Sache aber nicht, auch das muss man erwähnen. Mir erscheint es aber als logische Schlussfolgerung, eine andere Möglichkeit sehe ich hier nicht. Nach der Beschreibung wird ein fremdes Kind im Körper diese Prozedur wohl kaum überleben.
Ja, das halte ich für wahrscheinlich. Es handelt sich dann im Falle einer tatsächlichen Schwangerschaft durch Fremdgehen um eine magisch-rituell durchgeführte Abtreibung, die sogar göttlich geboten ist. Das ist natürlich insgesamt ein schwieriger Text, aber er steht einer Sichtweise entgegen, wonach jegliches Leben im Mutterleib unbedingt schützenswert ist.
Es handelt sich dann im Falle einer tatsächlichen Schwangerschaft durch Fremdgehen um eine magisch-rituell durchgeführte Abtreibung, die sogar göttlich geboten ist. Das ist natürlich insgesamt ein schwieriger Text, aber er steht einer Sichtweise entgegen, wonach jegliches Leben im Mutterleib unbedingt schützenswert ist.
So sehe ich das auch, und es wäre ein Hinweis darauf, dass ein ungeborenes Kind, zumindest im Anfangsstadium, tatsächlich noch nicht als vollwertiger Mensch betrachtet wurde.
Wobei es wieder eine Glaubensfrage ist, wie man mit dem Text umgeht. Zwar werden hier eindeutige Veränderungen am Bauch beschrieben, sollte die Frau tatsächlich fremd gegangen sein. Allerdings dürfte das beschriebene Mittel kaum für eine Abtreibung zu gebrauchen sein, falls man hier nicht von einem göttlichen oder anderweitigem Eingreifen ausgeht.
Man könnte also auch ganz simpel zu dem Schluss kommen, dass dieses Ritual in erster Linie der Wahrung des Friedens diente. Falls der Mann Zweifel hatte, dann wurde das Ritual durchgeführt, nichts passierte, die Sache war geklärt und alle waren zufrieden.
@lucan-7 Ich würde es, wie gesagt, in die Kategorie "Magie" einordnen, die nach Art eines Ordals/Gottesurteils wirken soll. Kann aber natürlich sein, dass die reale Wirkung dann so war, wie du es beschreibst.
Veröffentlicht von: @lucan-7Wir hatten hier schon einmal eine Diskussion darüber, ob 4. Mose 5, 16 eine Abtreibung beschreibt. [...]
Irgendwie war mir diese Stelle bisher völlig entgangen. Ich finde sie schwierig zu verstehen. Ist die Frau überhaupt schwanger oder nicht? Aus "weltlicher" Sicht klingt das alles eher nach einem "Nocebo-Effekt", und die Verunreinigungen im Wasser tun sicher ihren Teil dazu, dass manche der Frauen unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Behauptung ihres lieben Gatten einen Magen-Darm-Infekt erleidet, der sie dann "schuldig" spricht. Insgesamt irritiert dieses Ritual doch etwas. Und als Beschreibung einer Abtreibung finde ich die Stelle nicht klar genug.
Insgesamt irritiert dieses Ritual doch etwas. Und als Beschreibung einer Abtreibung finde ich die Stelle nicht klar genug.
Wirklich eindeutig ist der Text tatsächlich nicht.
Aber wenn man sich fragt, was denn die geschilderten Konsequenzen wären, sollte die Frau tatsächlich fremd gegangen sein und ein Kind von einem anderen Mann erwarten, erscheint mir die Sache doch recht eindeutig... dass hier ein Kind eines fremden Mannes ausgetragen wird erscheint mir aufgrund der Beschreibung doch recht unwahrscheinlich.
Ganz im Gegenteil scheint genau das doch verhindert zu werden.
Oder eben verhindert werden zu sollen... rein materiell wird durch das Ritual wohl keine Abtreibung stattfinden, aber die Intention scheint darauf hinaus zu laufen...
Ich sehe das nicht nur als Abtreibung nach Fremdgehen, sondern auch als Vaterschaftstest.
Man konnte also (nur?) während der Schwangerschaft Bedenken an der Vaterschaft anmelden, hatte dafür ein konkretes offizielles Verfahren und anschließend war der Rechtsfrieden hergestellt und der Ehemann daran gebunden und unterhaltspflichtig für Frau und Kind.
Veröffentlicht von: @johnnydIch sehe das nicht nur als Abtreibung nach Fremdgehen, sondern auch als Vaterschaftstest.
Man konnte also (nur?) während der Schwangerschaft Bedenken an der Vaterschaft anmelden, hatte dafür ein konkretes offizielles Verfahren und anschließend war der Rechtsfrieden hergestellt und der Ehemann daran gebunden und unterhaltspflichtig für Frau und Kind.
Das zum Einen und zum Anderen kann man das nicht sehen, ohne göttliches Eingreifen.
D.h. man war ja fest davon überzeugt, dass Gott die Frau schützt, wenn sie sich nichts hat zuschulden kommen lassen.
@lucan-7 (zum Beitrag: https://forum.jesus.de/community/bibel-bibelstellen/bibelstellen-zum-thema-abtreibung/#post-466951 )
Merkwürdig: Immer, wen ich versuche, auf dich zu antworten, funktioniert die Zitat-Funktion nicht, …
»Wir hatten hier schon einmal eine Diskussion darüber, ob 4. Mose 5, 16 eine Abtreibung beschreibt.«
Ich sehe Nichts, was darauf hindeutet. Es geht nicht um eine Schwangere, sondern um eine Frau, deren Mann den Verdacht hat, dass sie ihm untreu war. Vom Tod des ungeborenen Kinds ist ja auch keine Rede …
»Ich erkläre mir das so«
Etwas dünn. Gibt es sonst noch jemand, der das so »erklärt«?
»Nach der Beschreibung wird ein fremdes Kind im Körper diese Prozedur wohl kaum überleben.«
Ach, etwas Wasser, in dem auch von einem Stück Pergament abgewaschene Tinte steckt, soll einen Abort hervorrufen? Ich würde höchstens (!) Erbrechen oder Durchfall erwarten - das überlebt ein ungeborenes Kind in der Regel.
Im Text steht auch was von einem angeschwollenem Bauch, offenbar chronisch. Bei einem Abort wäre eher zu erwarten, dass der Bauch weniger dick wird.
Abtreibung passt da von vorn und hinten nicht …
Ja, es gab schonmal so eine Diskussion. Kann mich erinnern.
"Gibt es sonst noch jemand, der das so »erklärt«?"
Nein, es gab keinen Konsens, das so zu erklären.
Ich habe dieselben Bedenken wie du diesbezüglich. Es ist nicht eindeutig genug.
lg Tatokala
"Ich sehe Nichts, was darauf hindeutet. Es geht nicht um eine Schwangere, sondern um eine Frau, deren Mann den Verdacht hat, dass sie ihm untreu war. Vom Tod des ungeborenen Kinds ist ja auch keine Rede …"
(ich kann hier auch kein Zitat einfügen... da ist wohl irgendwo im Forum der Wurm drin. Es scheint, html funktioniert nicht im Antwortkästchen)
Wir müssen das ja jetzt nicht alles nochmal durchkauen, und es steht da ja tatsächlich nicht explizit. Aber etwas mehr als "Nichts" ist es eben doch.
Was da beschrieben wird ist folgendes:
Eine verheiratete Frau wird verdächtigt, fremdgegangen zu sein. Das heisst, ein anderer Mann hat womöglich Sex mit ihr gehabt.
Es wird ein Ritual durchgeführt, und falls sie tatsächlich mit einem anderen Mann geschlafen hat, dann geschieht etwas Übles mit ihrem Bauch und ihren Lenden.
Nun ist die Bibel ja voller Symbole und verschiedendster Hinweise. Und ausgerechnet im Zusammenhang mit Fremdgehen, wo die Gefahr besteht, dass die Frau das Kind eines Fremden austragen könnte, soll hier "Bauch" und "Lende" der Frau plötzlich keine weitere Bedeutung haben...?
Ich kann ja verstehen, dass man der Argumentation nicht folgen will, weil man dafür schon einige Überzeugungen über Bord werfen müsste... aber dass "Nichts" darauf hindeutet, das würde ich dann doch nicht sagen...
»soll hier "Bauch" und "Lende" der Frau plötzlich keine weitere Bedeutung haben...?«
Weitere Bedeutungen sind ja nicht zufällig, es gibt kulturelle Regeln, die meist in Form von Grundbildern (z.B. »Leben als Reise«) formuliert werden können. Klar passiert was mit der Frau, sie wird unfruchtbar - aber wie gesagt. Von einer bestehenden Schwangerschaft wird da nix gesagt.
"Klar passiert was mit der Frau, sie wird unfruchtbar - aber wie gesagt. Von einer bestehenden Schwangerschaft wird da nix gesagt."
Es wird nicht erwähnt.
Aber wenn sie unfruchtbar wird, obwohl sie bereits das Kind eines fremden Mannes in sich trägt - und diese Möglichkeit ist ja eindeutig gegeben, wenn sie tatsächlich fremdging -, dann wird dieses Kind in der Folge nicht ausgetragen, ergo: Abgetrieben.
Dass das Kind nach dieser Prozedur doch noch geboren wird halte ich für ausgeschlossen - denn in diesem Fall hätte auf jeden Fall erwähnt werden müssen, was mit diesem Kind zu geschehen habe.
Das wird nicht gesagt, die Sache ist mit dem Ritual abgeschlossen. Und das kann nur bedeuten, dass ein eventuell vorhandenes Kind nicht geboren werden wird.
»Aber wenn sie unfruchtbar wird, obwohl sie bereits das Kind eines fremden Mannes in sich trägt«
Wenn … nur davon steht nichts. So wie das da steht ist die Frau nicht schwanger und der Ehemann eifersüchtig.
Die Sache ist mit dem Ritual abgeschlossen. Wenn sie unfruchtbar wird, hat die Frau ihre Strafe weg (Kinderlosigkeit), ansonsten ist sie unschuldig.
Ich habe nicht gesagt, dass es sofort klar ist, ob sie unfruchtbar ist. Aber wenn sie dann nie mehr Kinder bekommt …
"Wenn … nur davon steht nichts. So wie das da steht ist die Frau nicht schwanger und der Ehemann eifersüchtig."
Also, wenn wir schon davon reden was da steht und was da nicht steht, dann muss man festhalten, dass da NICHT steht, dass die Frau "nicht schwanger" sei.
Es steht vielmehr der Vorwurf des Fremdgehens im Raum, und was das Ergebnis eines solchen Fremdgehens sein kann bedarf wohl kaum einer weiteren Erklärung.
Und sollte die Frau tatsächlich fremdgegangen sein und damit die Gefahr besteht, dass dem Ehemann ein Bastard untergejubelt werden soll, so wird der Bauch der Frau unbrauchbar gemacht - folglich kann dieser Bastard, der möglicherweise gezeugt wurde, nicht geboren werden.
Ob die Frau schwanger war oder nicht wird nicht geklärt, sondern lediglich ob sie fremdgegangen ist.
Die Schwangerschaft wird aber auch nicht ausgeschlossen, auch wenn du das gerne so lesen möchtest.
Das kommt mir doch spekulativ vor.
Wenn es darum ging, einen »Bastard« zu verhindern, wäre es nicht nötig, die Frau dauerhaft unfruchtbar zu machen - hier geht es um eine Bestrafung, die eben nur eintritt, wenn die Frau schuldig ist.
"Wenn es darum ging, einen »Bastard« zu verhindern, wäre es nicht nötig, die Frau dauerhaft unfruchtbar zu machen - hier geht es um eine Bestrafung, die eben nur eintritt, wenn die Frau schuldig ist."
Ob es nun das eigentliche Ziel war oder nur ein Nebeneffekt - es scheint mir doch eindeutig, dass die Geburt eines potentiellen "Bastards" durch dieses Ritual verhindert wird.
"Ich kann diese Eindeutigkeit nicht sehen …"
Nein, absolut eindeutig ist es nicht, weil es nicht genau formuliert wird.
Ich sage ja auch nur, dass es etwas mehr als "Nichts" ist. Das heißt, eine Interpretation, dass es hier um eine Abtreibung geht, ist zumindest nicht völlig abwegig und lässt sich tatsächlich begründen.
"Beweisen" lässt es sich allerdings nicht, dafür ist der Text nicht eindeutig genug und verschweigt die entscheidenden Prozesse.
Veröffentlicht von: @sternIch habe mich lange gefragt, auf wen sich das töten bezieht, denn ich muss ja auch töten, um zu überleben (ausser ich esse nur Früchte und Getreide). Also selbst Salat entwurzeln und essen wäre ja schon „töten“ streng genommen. Dass es so nicht gemeint ist, ist sehr wahrscheinlich.
Ja, immerhin sind Tieropfer und Fleischkonsum in anderen alttestamentlichen Texten selbstverständlich vorausgesetzt. Der Kontext gibt also Aufschluss darüber, was bei dem Verbot des Tötens bzw. Mordens gemeint ist. Und zum pränatalen menschlichen Leben gibt es zumindest ein paar wenige Hinweise darauf, dass es nicht denselben Stellenwert hatte wie geborenes Leben (Ex 21,22 oder Num 5, worauf lucan-7 schon hingewiesen hat).
Trotzdem kann man das natürlich weiterdenken und sagen: Auch tierisches Leben und pränatales menschliches Leben sollte vor dem Töten geschützt werden. Vor beidem habe ich Respekt (ich ernähre mich selbst weitgehend vegetarisch und kann Gründe für die Ausweitung des Tötungsverbots gut nachvollziehen); trotzdem würde ich sagen: In der ursprünglichen Bedeutung des Verbots steckt das wohl eher nicht drin.
Veröffentlicht von: @sternBei einem Menschen ist es für mich der Herzschlag, der das Leben in Bewegung setzt. Aber das ist ja willkürlich und subjektiv von mir so festgelegt, kein objektives Kriterium.
Ich denke, jede Grenze, die man irgendwo setzt, ist ein Stück weit willkürlich. Ob das die Verschmelzung von Ei- und Samenzelle, die Einnistung im Mutterleib, der Beginn des Herzschlags, die Überlebensfähigkeit außerhalb des Mutterleibs oder die Geburt ist. Das ist das, was das Thema auch so schwierig macht.