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Bibeltexte vs. Lebensrealität

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Queequeg
Themenstarter
Beiträge : 3025

In dem von mir eröffneten Thread »Leben, du umarmendes, reiches, warmes gesegnetes Wort« habe ich ja schon geschrieben, dass mir Texte außerhalb der Bibel mitunter sehr viel mehr sagen als diese. Nachdem ich dieses Lied, gesungen von Hannes Wader heute Abend noch einmal gehört habe, iszt mir auch klar geworden, warum.

Die Texte der Bibel haben in weitem Ausmaß mit meinem Leben nichts zu tun, wohl aber solche wie die von Hammarskjöld oder Wader oder einer Fülle von anderen Denkern, Poeten und Sängern, die sich auf etwas beziehen, was unmittelbar erlebbar ist.

Leider kann der Text aus Urheberrechtlichen Gründen hier nicht hineinkopiert werden. Aber es kann sich ihn ja jeder - dann auch als Gesang - bei YouTube ansehen.

Nachtrag vom 30.09.2019 0404
Dabei handelte es sich um "Heute hier, morgen dort" von Hannes Wader.

Ich könnte aber hier auch mit gleicher Intention "Forever young" von Alphaville oder "Lokomotive breath" von Jethro Tull und viele andere einfügen.

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175 Antworten
Adjutante
Beiträge : 1980

Hallo Queequeg,

Veröffentlicht von: @queequeg

Die Texte der Bibel haben in weitem Ausmaß mit meinem Leben nichts zu tun

Also, ich glaube, es ist gerade umgekehrt. Nämlich, dass die Bibel ganz sehr viel mit deinem und meinem Leben zu tun hat. Denn sie zeigt auf, wie die Menschen wirklich sind.

adjutante antworten


Anonymous
 Anonymous
Beiträge : 0

Hannes Wader, kennt den noch jemand? Die LP mit dem besagten Lied habe ich hier noch stehen. 😊

Das klingt bestimmt ironischer als ich es beabsichtige, aber ich persönlich kann, je älter ich werde, umso weniger mit solchen Liedern und Aussagen anfangen. Mit 16 fand ich sowas auch toll, habe Wader, Wecker, Donovan uva. rauf und runter gehört. Mittlerweile finde ich das nur noch platt, liegt vielleicht auch daran, dass ich auf Phrasen oder leere Floskeln ziemlich allergisch reagiere und diese oft genug hören und lesen muss, gerade auch in Hinblick auf theologische Fragen.

Ich kann daher überhaupt nicht nachvollziehen, wie man dies den tiefen Aussagen und Überlegungen über das Leben der Bibel vorziehen kann, aber das ist, wie gesagt, meine persönliche Meinung dazu.

Anonymous antworten
11 Antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 3025
Veröffentlicht von: @enajelpram

tiefen Aussagen und Überlegungen über das Leben der Bibel

Das will ich ja gar nicht bestreiten. Nur liegen die Turmhoch über dem erlebten Leben. Was ich in manchen dieser Lieder höre, ist aber das, was hier auf dem Erdboden stattfindet.

Und - natürlich muss man das, was man im Song hören kann in sein eigenes Leben hinein übersetzen. Es ist eben Poesie und keine sachliche Beschreibung von Zusammenhängen.

Letzteres sollen aber die Texte der Bibel sein.

queequeg antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 2 Sekunden

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Du konstruierst hier wirklich ein bisschen zu stark einen Fortsetzungsthread. Du kannst Songs mit Songs vergleichen. Psalmen, Klagelieder usw. mit den Beatles. Aber Du kannst doch keine Geschichten mit Songs vergleichen. Auch keine Handlungsanweisungen mit Songs.

Anonymous antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 2 Sekunden

Beiträge : 0

Das empfinde ich nicht so. Auch die Bibel ist voll von poetischen Texten.

Und was soll daran sachlich sein, wenn jemand sein Kind oder seinen Bruder verloren hat und Jesus verzweifelt um Hilfe bittet (nur ein Beispiel)?

Ich denke aber nach dem, was ich so gelesen habe, die meisten biblischen Texte berühren Dich nicht so wie mich.
Von daher kann man darüber natürlich auch nicht einfach sachlich diskutieren oder sagen, Deine oder meine Sichtweise ist falsch oder richtig.

Anonymous antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 3025
Veröffentlicht von: @enajelpram

Von daher kann man darüber natürlich auch nicht einfach sachlich diskutieren oder sagen, Deine oder meine Sichtweise ist falsch oder richtig.

Nee, das sage ich ja auch nicht. Es geht ja nicht um falsch oder richtig.

Viele Beispiele aus dem Leben von Menschen, die in der Bibel erwähnt werden, haben einen sachlich nachvollziehbaren Hintergrund. Aber sie werden erst erlebbar, wenn man sie mühevoll ins Alltagsleben übersetzt. Das liegt natürlich zumindest teilweise daran, dass die Texte von vorneherein eine bestimmte Absicht haben, für die der Text dann nur das Vehikel ist. Selbst z.B. in dem Buch Hiob sind Zustände und Lebensabläufe so überlegend(d) intellektualisiert dargestellt, dass ich darin nur schwerlich erkennen kann, wie ein Mensch sich fühlt, dem alles zerschlagen ist.

Das kommt aber in dem Lied "Lokomotive Breath" von Jethro Tull sehr gut zum Ausdruck.

queequeg antworten
Suzanne62
(@suzanne62)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 7535
Veröffentlicht von: @queequeg

Selbst z.B. in dem Buch Hiob sind Zustände und Lebensabläufe so überlegend(d) intellektualisiert dargestellt, dass ich darin nur schwerlich erkennen kann, wie ein Mensch sich fühlt, dem alles zerschlagen ist.

Das Buch Hiob wird der Weisheitsliteratur zugerechnet. Du schreibst ja selbst, dass es eine bestimmte Absicht verfolgt.
Mich hat eigentlich immer gewundert, dass dieses Buch es geschafft hat in den Kanon der Bibel aufgenommen zu werden, denn Gott kommt darin nicht sonderlich gut weg - was soll man denn halten von einem Gott, der sich mit dem Teufel auf eine Wette einlässt und diesem gestattet, das Leben eines anständigen gläubigen Menschen in Schutt und Asche zu legen?
Der Autor wollte hier, denke ich klarstellen, dass es keinen Zusammenhang zwischen Wohlverhalten und Wohlergehen bzw. zwischen Fehlverhalten und Schicksalsschlägen - dass unfassbares Unglück eben auch rechtschaffenen gläubige Menschen treffen kann.
Das Buch Hiob mahnt einen barmherzigen Umgang mit leidenden Mitmenschen an - neben Gott selbst sind es ja auch Hiobs selbstgerechte Freunde, die nicht gut wegkommen.
Ob man mit einem Text etwas anfangen kann oder nicht, hängt u.a. sicher auch mit der eigenen Lebenserfahrung und der erlebten Lebenswirklichkeit zusammen.
Und wenn man in bezug auf einen biblischen Text sagt "damit kann ich nichts anfangen" ist das doch völlig in Ordnung.

suzanne62 antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 3025
Veröffentlicht von: @suzanne62

Du schreibst ja selbst, dass es eine bestimmte Absicht verfolgt.

Ja, da hab ich ja auch nix gegen. Die Bibel hat eine ganze Reihe Texte, über die zu reflektieren sich lohnen würde. Aber das liegt eben alles auf einer Ebene von Denken und Entscheiden. Richard Rohr - amerikanischer Franziskaner, kennst Du vielleicht - hat ein gutes Buch zu Hiob geschrieben. Aber was mich gerade bei Hiob stört ist, dass sich ein realer Mensch nie und nimmer derartig abgeklärt wie Hiob verhielte, wenn er in dessen Situation wäre. Das ist es, was ich meine, wenn ich schreibe, dass verschiedene Songtexte die Lebenswirklichkeit besser beschreiben als die Bibel.

queequeg antworten
Suzanne62
(@suzanne62)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 7535
Veröffentlicht von: @queequeg

Aber was mich gerade bei Hiob stört ist, dass sich ein realer Mensch nie und nimmer derartig abgeklärt wie Hiob verhielte, wenn er in dessen Situation wäre.

Wohl nicht. Aber es ist ja auch kein Tatsachenbericht jedenfalls lese ich es nicht so) und auch kein Roman (wäre es einer, hätte Reich-Ranicki ihn wohl genüsslich mit Schaum vor dem Mund verrissen - mit Recht). Es gehört zur Weisheitsliteratur. Wenn man es mit Songtexten vergleicht, ist das etwa so sinnvoll wie ein Vergleich zwischen einem Roman von Margaret Atwood mit einer philosophischen Abhandlung von Ernst Bloch.....also nicht mal Äpfel mit Birnen, sondern Müsli mit Schweinebraten.
Welchen Anspruch ich an einen Text stelle, mache ich von der Textsorte abhängig.
Und wenn ich die von dir genannten Songtexte mit einigen Psalmen vergleiche, dann fällt dieser Vergleich durchaus nicht peinlich für die Psalmendichter aus.

suzanne62 antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 3025
Veröffentlicht von: @suzanne62

dann fällt dieser Vergleich durchaus nicht peinlich für die Psalmendichter aus

Nee, durchaus nicht. Aber da erzählt ja auch jemand wie er sich fühlt und das Leben erlebt.

queequeg antworten
Suzanne62
(@suzanne62)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 7535
Veröffentlicht von: @queequeg

Aber da erzählt ja auch jemand wie er sich fühlt und das Leben erlebt.

Genau. Und diesen Anspruch stelle ich an eine philosophische Abhandlung nicht - und auch nicht an das Buch Hiob.
Es handelt sich ja bei der Bibel nicht nur um ein Buch, sondern eine ganze Bibliothek, und dem Anspruch "lebensnah" zu sein muss ja nicht jede Textgattung genügen.

suzanne62 antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 3025
Veröffentlicht von: @suzanne62

Und diesen Anspruch stelle ich an eine philosophische Abhandlung nicht - und auch nicht an das Buch Hiob.

Nee, tue ich ja auch nicht. Aber deshalb sage ich ja auch, dass mir die Texte der Bibel überwiegend nicht viel sagen, weil sie bis auf Ausnahmen gerade diesen persönlichen Aspekt nicht zeigen.

queequeg antworten
lhoovpee
(@lhoovpee)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 2212

Die meisten Lieder, die als Tiefsinnig empfunden werden, sind relativ allgemein und phrasenhaft gehalten. So kann jeder Hörer seine Situation in diese Worte hinein interpretieren und denkt: Wow ist das Tiefsinning 😀

lhoovpee antworten
Anonymous
 Anonymous
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Warum verstößt du, HERR, meine Seele und verbirgst dein Antlitz vor mir?
Ich bin elend und dem Tode nahe von Jugend auf; ich erleide deine Schrecken, dass ich fast verzage.
Dein Grimm geht über mich, deine Schrecken vernichten mich.
Sie umgeben mich täglich wie Fluten und umringen mich allzumal.
Meine Freunde und Nächsten hast du mir entfremdet, und mein Vertrauter ist die Finsternis.

- Jethro Tull feat. Sons of Korah

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Groffin
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Veröffentlicht von: @queequeg

Die Texte der Bibel haben in weitem Ausmaß mit meinem Leben nichts zu tun, wohl aber solche wie die von Hammarskjöld oder Wader oder einer Fülle von anderen Denkern, Poeten und Sängern, die sich auf etwas beziehen, was unmittelbar erlebbar ist.

Ich sehe da keinen Widerspruch oder Grund Bibeltexte und "weltliche Weisheiten" gegeneinander auszuspielen.
Es gibt Bibeltexte, die sprechen mich an und andere, bei denen ich mir schwer tue. Trotzdem ist auch das Nachdenken über letztere eine Prozess, der mich weiter bringt.
Wenn man aufmerksam liest und reflektiert, findet man überall Texte die einen auf verschiedene Weise ansprechen.
Das spannende ist ja über das reine Lesen eines Textes hinauszugehen und sich damit zu beschäftigen.

Wenn ich nun Texte des Hagakure lese gibt es auch da Aussagen, die mir etwas sagen und andere, die ich auf die heutige Zeit übertragen weniger gut finde.

Als Christ ist hat für mich die Bibel natürlich noch einen besonderen Stellenwert. Während ich sonst Texte mit denen ich sonst nichts anfangen kann schnell beiseite lege - habe ich bei der Bibel eine hohe Motivation mich tiefer einzuarbeiten. Das führt dann zwangsläufig auch zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit der Geschichte und mir selbst. Dabei lerne ich viel über die damalige Zeit, über Gott, die Menschen und auch über mich selbst.

Gruß,
Groffin

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Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

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Ja, dem will ich von der Sache her soweit nichts entgegen setzen. Fragt sich nur, warum ausgehend von der Bibel so wenig auf das Lebensgefühl der Menschen hin reflektiert wird. Was, meinst Du, sagt denn die Bibel zu der Frage des Sängers, dass er immer wieder von da weg muss, wo er ist und morgen schon nicht mehr gilt, was heute ist? Und wo ist dieses Thema in der Bibel nachfühlbar thematisiert?

queequeg antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 2 Sekunden

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Veröffentlicht von: @queequeg

Was, meinst Du, sagt denn die Bibel zu der Frage des Sängers, dass er immer wieder von da weg muss, wo er ist und morgen schon nicht mehr gilt, was heute ist? Und wo ist dieses Thema in der Bibel nachfühlbar thematisiert?

Wieso glaubst Du eigentlich, dass dieser Wader mit seinem Song für andere Menschen nachfühlbar oder irgendwie anders relevant ist?

Wenn Du Dir die Geschichte des Volkes Israels anschaust, so sind die ständig unterwegs. Angenommenheit und Verworfenheit, spielen eine große Rolle. Die Psalmen sind voll von Menschen, die in ungewisse Zukunften blicken, die sich mit der Vergänglichkeit, Rastlosigkeit und seelischen Schmerzen auseinandersetzen.

Warum sollte das weniger nachfühlbar sein für Menschen? Weil das wohl temperierte Klavier oder die Fender Stratocaster fehlt? 😀

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Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 3025
Veröffentlicht von: @lavoisine

Wieso glaubst Du eigentlich, dass dieser Wader mit seinem Song für andere Menschen nachfühlbar oder irgendwie anders relevant ist?

Das zeigt die Wirklichkeit seines Erfolges.

Veröffentlicht von: @lavoisine

Wenn Du Dir die Geschichte des Volkes Israels anschaust

Ich rede nicht von sachlicher Berichterstattung, sondern vom Mitschwingen auf der Ebene, auf der gefühlsmäßig Leben abläuft.

queequeg antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 2 Sekunden

Beiträge : 0
Veröffentlicht von: @queequeg

Das zeigt die Wirklichkeit seines Erfolges.

Die Bibel ist das meistverkaufte Buch der Welt. Dicht gefolgt von den Worten des Vorsitzenden Mao Tse-tung und dem Koran.

Veröffentlicht von: @queequeg

Ich rede nicht von sachlicher Berichterstattung, sondern vom Mitschwingen auf der Ebene, auf der gefühlsmäßig Leben abläuft.

Dann unterhalte Dich mal mit Juden darüber, wie sie die Diaspora erlebt haben und die Feindschaft ihnen gegenüber empfinden und welche Rolle heute noch die Amalekiter für sie spielen.

Geschichten sind nicht nur reine Berichterstattung. Sie transportieren auch Gefühle und beinhalten eine Dramatik. Das muss ja nichts mit deiner Lebenswirklichkeit zu tun haben. Aber deine generalisierten Aussagen passen eben nicht auf alle Menschen, sondern zunächst mal nur auf Dich selbst. Und dann kannst Du ja Gleichgesinnte suchen.

Ich kann mit Wader nichts anfangen. Mich schreckt schon das belanglose Klimpern auf der Gitarre ab.

Anonymous antworten
Groffin
(@groffin)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 1872
Veröffentlicht von: @queequeg

Fragt sich nur, warum ausgehend von der Bibel so wenig auf das Lebensgefühl der Menschen hin reflektiert wird.

Na das ist nun Deine subjektive Wahrnehmung. Ich finde, Menschen sind in der Bibel recht klar dargestellt - mit allen Ecken und Kanten.

Veröffentlicht von: @queequeg

Was, meinst Du, sagt denn die Bibel zu der Frage des Sängers, dass er immer wieder von da weg muss, wo er ist und morgen schon nicht mehr gilt, was heute ist?

Walser formuliert doch keine Frage, sondern hat sein Lebensgefühl niedergeschrieben - die innere Unruhe neues erleben zu wollen, es aber auch nie lange an einem Ort auszuhalten.
Unruhige rastlose Menschen gibt es auch in der Bibel - das ganze Volk Israel zieht 40 Jahre lang durch die Wüste. Paulus, der loszieht um den Missionsauftrag zu erfüllen.
Entgegen Walser liegt hier allerdings scheinbar eine andere Motivation zugrunde. Und die ist es wohl, mit der du nichts anzufangen weißt.

Nachtrag vom 30.09.2019 1026
Wader natürlich, nicht Walser 😉

groffin antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 3025
Veröffentlicht von: @groffin

Ich finde, Menschen sind in der Bibel recht klar dargestellt - mit allen Ecken und Kanten.

Hab ich nicht bestritten, war aber auch nicht mein Thema. Um da mehr zu erfahren würde ich aber weder Wader noch die Bibel heranziehen, sondern ein neueres Lehrbuch der Psychologie oder Neurobiologie.

Wader formuliert keine Frage, aber ich verstehe seinen Song durchaus als solche.

Veröffentlicht von: @groffin

Unruhige rastlose Menschen gibt es auch in der Bibel

Ja sicher. Aber dann vergleiche doch mal die Texte. Hast Du da den Eindruck, dass die sich gleichen?

queequeg antworten
Groffin
(@groffin)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 1872
Veröffentlicht von: @queequeg

Hab ich nicht bestritten, war aber auch nicht mein Thema

Dann präzisiere einmal Dein Thema genauer. Für mich liest es sich so, dass Du sehr subjektive Empfindungen deinerseits auf ein allgemeines Level erhebst.

Veröffentlicht von: @queequeg

Um da mehr zu erfahren würde ich aber weder Wader noch die Bibel heranziehen, sondern ein neueres Lehrbuch der Psychologie oder Neurobiologie.

Kannst Du ja machen. Weder Wader noch die Bibel haben den Anspruch ein Lehrbuch darüber zu sein, wie der Mensch tickt.

Veröffentlicht von: @queequeg

Wader formuliert keine Frage, aber ich verstehe seinen Song durchaus als solche.

Das ist auch in Ordnung. Für mich ist es ein Text über einen Menschen, der umtriebig ist, das Jetzt genießt und ständig umherzieht. Mag eine Sehnsucht in vielen Menschen ansprechen bei anderen eher Stirnrunzeln. Negativ interpretiert sieht man hier einen Menschen, der keine feste Bindungen eingehen kann und ruhelos ist.
Da er nur von sich selbst redet, kann jeder entscheiden, wie viel von sich selbst er in den Zeilen erkennt.
Da Du psychologisch bewandert bist, kannst Du gerne analysieren, welche Aspekte an dem Text Dich in Deiner jetzigen Situation besonders ansprechen - ist es der Wunsch nach Freiheit, nach Ungebundenheit, keine Verantwortung übernehmen zu müssen, das Gefühl das Leben nicht ausgekostet zu haben, etc. pp?
Letztlich bedeutet Dir der Text ja etwas und ich vermute mal, dass es weniger mit einer allgemeinen Weisheit zu tun hat.

Veröffentlicht von: @queequeg

Ja sicher. Aber dann vergleiche doch mal die Texte. Hast Du da den Eindruck, dass die sich gleichen?

Sie sind anders und das ist auch okay so. Du erwartest jetzt aber nicht wirklich, dass wir hier Bibelstellen suchen, die Du dann danach bewertest, ob sie ähnliche Sehnsüchte bei Dir ansprechen, wie es der Text von Wader oder Alphaville tut?
Denke es wäre dann sinnvoller, dass Du Deine Themen präzisierst anstatt hier allgemein über subjektive Empfindungen zu diskutieren und daraus abzuleiten, dass die Bibel für Menschen heute wenig zu sagen hat (so kommt es nämlich bei mir an).

groffin antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 2 Sekunden

Beiträge : 0
Veröffentlicht von: @queequeg

Was, meinst Du, sagt denn die Bibel zu der Frage des Sängers, dass er immer wieder von da weg muss, wo er ist und morgen schon nicht mehr gilt, was heute ist? Und wo ist dieses Thema in der Bibel nachfühlbar thematisiert?

erinnert mich spontan ja an den h'v'l aus Prediger.

Ob man in der Lage ist, teils sperrige Übersetzungen von ein paar Tausend Jahre alten Texten nachzufühlen ist sicher Typsache, aber ich finde die Bibel ist voll von Menschen, die auf unterschiedliche Art ihre Lebensrealität ausdrücken und da teils mit durchaus weiterhin aktuellen Problemen ringen.

Anonymous antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15336
Veröffentlicht von: @queequeg

Was, meinst Du, sagt denn die Bibel zu der Frage des Sängers, dass er immer wieder von da weg muss, wo er ist und morgen schon nicht mehr gilt, was heute ist? Und wo ist dieses Thema in der Bibel nachfühlbar thematisiert?

Da frage ich mich, als Laie der ich bin, doch eher, wo das in der Bibel KEIN Thema ist...?

Das fängt doch schon bei Adam und Eva an, dass die aus ihrer Welt gerissen werden und am nächsten Tag alles anders ist... und das geht so weiter, direkt im Anschluss bei Kain, über Moses und Abraham, diversen Königen und Propheten wie Jonas bis hin zu Jesus und schließlich Paulus, für den sich die Welt um 180° dreht...

Da sind viele Unzufriedene, Getriebene, mit den Schicksal hadernde Menschen dabei, die drohen die Orientierung zu verlieren und mit neuen Gegebenheiten nicht fertig werden können oder wollen.
Und die tun sich allesamt schwer, den roten Faden (wieder-) zu finden, der ihnen den Weg weist. Aber sie finden ihn durch alle Zweifel und alles Hadern hindurch dadurch, dass sie ihr Schicksal annehmen und auf Gott vertrauen. Was wohl eine der wichtigsten biblischen Aussagen überhaupt ist.

lucan-7 antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 3025

Horizontal Limit
Ja. Das ist richtig. Ich habe inzwischen meinen Irrtum erkannt. Ich bin davon ausgegangen, dass die Bibel sozusagen horizontal etwas zum Menschen in seinem realen Lebensgefühl in dieser Welt sagen will. Ich habe nicht bedacht, dass es ihr aber letztlich nur darum geht, wie man auf die vertikale Schiene kommt. Dazu reicht dann, wie Du ja auch angesprochen hast, die rein faktische Bestandsaufnahme.

queequeg antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 15901

Die Bibel hat auf beiden Ebenen etwas zu sagen.... L..wie Liebe...

Gott
|
|
|
|
|
|
Ich _____________Nächster

oder so mit Christus in der Mitte, der die Beziehungsfähigkeit wieder herstellt

..........................Gott..............................
............................|.................................
.........................../|.................................
Gemeinde____Christus_______Beziehungen
...........................|/.................................
............................|................................
............................|................................
............................|................................
...........................Ich..............................

deborah71 antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 3025

Hast Du ja schön zum Ausdruck gebracht, aber leider auf genau der sachlichen Erklärungsebene, die mich überhaupt nicht interessiert.

Mich interessiert, wie Menschen sich fühlen und warum und da finde ich - vielleicht mit Ausnahme der Psalmen - nicht sehr viel.

queequeg antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 15901

Was verbindest du mit Liebe?

Leider ist hier das Malen begrenzt.... da muss ich Worte zu Hilfe nehmen und vllt ein Lied:

Ich will von deiner Liebe singen - Feierabend-Band
https://www.youtube.com/watch?v=0-llPkOkPe4

https://www.songtexte.com/songtext/feiert-jesus/ich-will-von-deiner-liebe-singen-2bfef47e.html

Was so schnöde | Zeichen sind, das ist für mich ein warmer Strom, der mich einhüllt und auch von mir weitergehen kann.... als Antwort wieder nach oben und seitlich zum Nächsten...

deborah71 antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 3025

In einem anderen Thread hat vorhin jemand geschrieben, dass die biblischen Geschichten nur das Wesentliche schreiben und alles andere weglassen. Das scheint mir ein großer Teil des Problems zu sein.

In dem Beispiel, das da gebracht wurde, interessiert mich, was mit dem Zöllner Zachäus los ist, nur vor dem Hintergrund, wie es dazu gekommen ist. Mit der reinen Bestandsaufnahme oder Feststellung eines Status kann ich nichts anfangen.

queequeg antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 15901

Ich weiß nicht, wieviel du da gelesen hast. Seine Situation hatte ich etwas erweitert beschrieben und 21thdigitalmen hat auch nochmal das soziale Umfeld und die Ausgrenzung beschrieben.

Wie fühlt sich ein Ausgegrenzter... und dann hört er, dass da jemand kommt, der sich dieser Menschen annimmt... den Prostituierten, den blinden Bettlern, den Kranken und Lahmen...den Menschen, die im sogenannten Randbereich der Gesellschaft leben.

Keiner hätte den kleinen Zachäus nach vorne in die erste Reihe gelangen lassen... ihn eventuell unsanft weggestossen..Ellbogen in die Rippen und so......aber er war pfiffig und stieg auf einen Baum.. dort konnte er kaum gesehen und runtergeschüttelt werden..

Sah Jesus ihn optisch oder "sah" Jesus in wissend?

Wie verbindet sich der Maulbeerbaum mit Jesu Ansage:
Lk 17,6 Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, würdet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und verpflanze dich ins Meer!, und er würde euch gehorsam sein.

Verbirgt sich in den Hebräischen Konsonanten des Wortes (schin-qof -mem) für den Maulbeerfeigenbaum ein Wortspiel?
schiqmah - Maulbeerfeige
schaqam - krank

Ein Ausgegrenzter kann mit der Zeit seelisch krank werden.
Du kennst ja auch den Wert der bedeutsamen Berührung.

deborah71 antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 3025

Du hast es ab dem Punkt, an dem die Geschichte ansetzt, gut beschrieben. Mich interessiert jetzt, was vorher war. Was hatte Zachäus für ein Leben, das ihn zu Zachäus machte?

queequeg antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 15901

Was war zu der Zeit in Israel los...

Römische Besatzung... Spannung zwischen den Römern und Juden
Er wohnte bei oder in Jericho, einer Stadt am Jordan, die in einer sehr fruchtbaren Gegend lag und an einer Furt lag.
Sein Name bedeutet transparent, rein und wurde für physisch und moralisch rein verwendet und er war Israelit, also aus dem Gebiet des Nordreiches steht im Lexikon.
Er war ungewöhnlich klein, denn im griechischen steht mikros. Daraus könnte man vermuten, dass er nahe am Zwergwuchs war.
Er muss tüchtig gewesen sein, denn er war auf der Karriereleiter zum Oberzöllner aufgestiegen.

Ob Zacchäus sein ursprünglicher Name war , der Wunsch seiner Eltern für ein reines Leben... oder ob der Name für die Spannung zwischen vorher und nachher steht, ist möglich, da das als literarisches Stilmittel gerne verwendet wurde.

Da gibt es noch ein paar Namen, die so eine Spannung zwischen vorher und nachher erzeugen.

deborah71 antworten
Neubaugöre
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 11799

Wie fühlt sich ein Ausgegrenzter?

Veröffentlicht von: @deborah71

Wie fühlt sich ein Ausgegrenzter... und dann hört er, dass da jemand kommt, der sich dieser Menschen annimmt... den Prostituierten, den blinden Bettlern, den Kranken und Lahmen...den Menschen, die im sogenannten Randbereich der Gesellschaft leben.

Hier vielleicht mal meine "Geschichte":

Als ich am Boden war und "ins Universum schrie" (zu der Zeit noch ungläubig) war ich gerade wieder einmal verlassen worden, von meinem Freund, genau vor Weihnachten, genau nach einem Jahr Beziehung mit einem "ich kann das doch nicht", wie ich es vorher noch geglaubt hatte. Und das war nicht das erste Mal. Es war das Xte Mal. Ich suchte meine Bestätigung, meinen Halt und Liebe bei Männern. Fand sie aber nicht. Ich fand nur Ablehnung meinerseits. Ich dachte immer, wenn ich mich ihnen (körperlich) hingeben würde, würden sie mich eben auch automatisch lieben ... weit gefehlt, aber das wusste ich damals nicht. - Tja, wie fühlte ich mich, zum Xtausendsten Mal abgelehnt zu werden als Frau und Mensch? Wie Dreck. Wie ein Stück Scheiße. Ausgespien. Missbraucht. Ungeliebt. Nicht gesehen.

Und dann war da dieser eine ... den ich "traf", der mir von seinem Gott erzählte, von diesem Vater und dem Sohn, was ich nicht wirklich verstand, aber ich verstand eines: Er nahm mich einfach so, wie ich war. Er kritisierte nicht an mir herum. Er lief nicht weg. Er hörte zu. Er war da. (und wir hatten keine Beziehung) - Ich hatte erste übernatürliche Eindrücke, die ich zu der Zeit noch nicht wirklich einordnen konnte. Z.B. bei der allerersten Umarmung ließ er mich eine ganze Weile nicht los, er hielt mich einfach fest im Arm. Alles in mir wehrte sich. Nicht aus Angst, da wäre wieder einer, der mich vergewaltigen könnte. Nein, ich kämpfte gegen etwas anderes, das spürte ich. Mein Innerstes bäumte sich auf. Und ließ nach ein paar Minuten los. Dann lies auch er los. Ich ahnte damals schon, dass es Gott war, der mich in diesem Augenblick in seine Arme schloss und einfach nicht loslies und mir damit etwas sagte. ICH bin da. ICH liebe dich. ICH laufe nicht weg. ICH hab dich je und je geliebt. ICH bin für dich und für dich da.

Wir verbrachten einige Zeit miteinander. Wir hatten ein Haus gemietet für ein WE und er musste viel erzählen von seinem Gott. Ich erzählte ihm meine Geschichte(n). In einer Situation standen wir auf einem Balkon, schauten in die grünen Felder, er stand etwas hinter mir. Ich war voller Scham, aber "es" wollte aus mir heraus ... (ich wollte einfach nicht mehr "hart" sein) also erzählte ich. Irgendwann hörte ich ihn hinter mir schluchzen. Er weinte. Ich begriff nicht. Fragte. Er meinte: er würde darüber weinen, was mir alles angetan wurde. Ich verstand das nicht. Wie konnte er denn weinen? ICH hab das doch erlebt? Ich verstand damals "Mitgefühl" noch nicht. Ich kannte das nicht. - Es hat mich mächtig berührt, nachhaltig berührt.

Gott trat in mein Leben ...
Und in diesem Moment später, als ich Gott anrief und um Hilfe bat, wie der Typ mir damals riet, war ich von einem Moment auf den anderen ein anderer Mensch. Ich könnte das im Detail alles noch einmal beschreiben. Aber ich würde es gern zusammenfassen in: ich war geliebt. Mich erfüllte ein riesiger Frieden. Und all das von vorher: dieses ungeliebt, ungesehen, missbraucht, Stück Scheiße, ausgespien, Dreck ... das war alles von einem Moment auf den anderen nicht mehr existent. Ich fühlte es ... ich war geliebt, angenommen, gereinigt, eingeordnet in etwas Neues. Ich war neu. Ich war jemand anderer, auch wenn ich die gleichen Dinge sah und hörte und roch und so ...

neubaugoere antworten
Neubaugöre
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 11799

für Nachtrag zu lang
Ich las gerade Folgendes, was ich nur zitieren möchte, hilft aber zu verstehen, wie ich von Hause aus geprägt war:

Wenn Eltern dann auch noch demütigend sind („Mein Gott, kannst du nicht ein Mal etwas richtig machen?“, „Was machst du eigentlich immer?“, „Du bist dumm!“, ...), dann entsteht die sogenannte toxische Scham.

Toxische Scham
hindert uns wirklich am Leben, weil wir ständig das Gefühl haben, wir sind falsch. Hier lohnt es sich auf einen großen Unterschied zwischen Schuld und Scham hinzuweisen. Bei Schuld habe ich etwas falsch gemacht und kann es meistens wieder gut machen. Bei Scham hingegen bin ich falsch und das bedeutet, das einzige, was ich eigentlich tun kann, ist von der Erdoberfläche zu verschwinden. Dieses Gefühl lebt in vielen Menschen, die nicht willkommen waren, deren Eltern nicht fähig waren, ihre Liebe auszudrücken, oder sie gedemütigt oder sogar misshandelt haben.

(Quelle: https://www.traumaheilung.de/trauma-und-scham/)

neubaugoere antworten
Groffin
(@groffin)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 1872

Danke
...für dein bewegendes Zeugnis liebe Neubaugöre. ❤

groffin antworten
Neubaugöre
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 11799

gerne
wir haben einen wirklich großen Gott, der sooo sehr liebt ...

neubaugoere antworten
Irrwisch
(@irrwisch)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3339

Danke, liebe Neubaugoere!

Scham durch Würde überwunden!

Welch ein Wunder an dir, ich bin sehr berührt!

irrwisch antworten
Neubaugöre
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 11799
Veröffentlicht von: @irrwisch

Welch ein Wunder an dir, ich bin sehr berührt!

so groß ist unser Gott ❤

neubaugoere antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15336

Die Bibel ist sehr emotional

Veröffentlicht von: @queequeg

Hast Du ja schön zum Ausdruck gebracht, aber leider auf genau der sachlichen Erklärungsebene, die mich überhaupt nicht interessiert.

Mich interessiert, wie Menschen sich fühlen und warum und da finde ich - vielleicht mit Ausnahme der Psalmen - nicht sehr viel.

Auch das sehe ich wiederum ganz anders.

Die Bibel ist voller drastischer Gefühlswelten, voll Sehnsucht, Liebe, Gier, Verlangen, Scham, Verzweiflung, Reue, Hass und was es da nicht alles gibt. Es ist nur nicht so explizit beschrieben, wie wir das vielleicht gewohnt sind. Und ich vermute, dass das auch daran liegen könnte, dass das damals gar nicht so erforderlich war.
Früher wusste man einfach, was es bedeutete, in der Wüste zu sein, in die Ferne zu gehen oder von Volk und Familie getrennt. Es war nicht nötig genau zu beschreiben, was in den Leuten vor sich ging. Diese Dinge bedeuten Lebensgefahr, Ungewissheit, Angst und Gefahr.

Aus unserer heutigen Perspektive, wo das Reisen, Fortziehen oder selbst die Durchquerung einer Wüste nur einen mehr oder weniger aufwendiger Spaziergang darstellt erscheinen diese Dinge recht banal.
Damals war es etwas zwischen persönlicher Herausforderung und totaler Katastrophe - und das war den Menschen auch durchaus bewusst.

Überhaupt kommt mir vieles in der Bibel emotional auch sehr überzogen vor... da werden vor Wut und Trauer Kleider zerrissen, Menschen aus Eifersucht und blindem Zorn wegen Banalitäten erschlagen, da herrschen Angst und Zweifel selbst bei offensichtlich real vorhandenen Wundern.

Auf einer "sachlichen Ebene" erscheint mir da wenig... die Bibel ist ein extrem emotionales Buch.

Natürlich nicht im Vergleich zum Ausdruck heutiger Geschichten, da hat sich natürlich vieles weiterentwickelt.
Aber das ändert am biblischen Inhalt ja nichts.

lucan-7 antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 3025

"Hallelujah"

Veröffentlicht von: @lucan-7

Die Bibel ist voller drastischer Gefühlswelten

Ja, die werden als Tatsachen thematisiert - gleich zu Anfang mit Kain und Abel. Aber auch da, obwohl es sehr dramatisch ist, muss man sich die emotionale Wirklichkeit der Menschen in diesem Konflikt selbst zusammenbasteln.

Nimm mal als Beispiel die biblische Geschichte von David und Bathseba und daneben das Lied von Leonhard Cohe "Hallelujah". Die Geschichte in der Bibel kann ich zur Kenntnis nehmen. Gut, es war so. Aber 333 war auch bei Issos eine Keilerei. Kann ich ebenso zur Kenntnis nehmen und mir das hundert- oder tausendfache Leid, was damit verbunden war, selbst ausdenken. Das passiert mir mit Cohens Lied nicht. Da kommt zwar sehr viel weniger historischer Bericht drin vor, aber sehr viel mehr menschliches Empfinden.

queequeg antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 16862
Veröffentlicht von: @queequeg

Ja, die werden als Tatsachen thematisiert - gleich zu Anfang mit Kain und Abel. Aber auch da, obwohl es sehr dramatisch ist, muss man sich die emotionale Wirklichkeit der Menschen in diesem Konflikt selbst zusammenbasteln.

Das ist doch überall da, wo man nur das geschriebene Wort hat. Es gibt wenig Bücher, die mich so mitreißen können wie ein schönes Lied. Weil Du in einem Lied mehrere Komponenten hast. Du stellst ja nicht einen Roman oder ein Gedicht der Bibel gegenüber, sondern durchweg Lieder. Da wird es nämlich schief.

Klar ist "Halleluja" von Leonard Cohen emotionaler als David und Beerseba. Da muss man halt etwas Phantasie mitbringen. Ich finde übrigens die Musik von "Halleluja" total schön, aber der Text ist zum Abgewöhnen, ich versteh nicht, wieso manche das in der Kirche bei der Hochzeit singen lassen. Das ist ja kein Hochzeitslied 😊 Da geht es um Ehebruch und das muss ich nicht in einer Kirche bei der Hochzeit haben.

tristesse antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 2 Sekunden

Beiträge : 0

Also ich finde es ist echt ein sehr schönes Hochzeitslied! 😊😊😊😊

https://www.moehrenzahn.de/predigt-hallelujah-pax/

Anonymous antworten
Groffin
(@groffin)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 1872

Das Original wird wohl eher weniger auf Hochzeiten gesungen - ist viel zu langsam.
Den meisten ist wohl die Version von Rufus Wainwright aus dem Film Shrek bekannt. Ist deutlich schneller und hat auch mehr Strophen. Unter anderem auch einige, die eher kritisch sind.

groffin antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 2 Sekunden

Beiträge : 0

Also OK man kann auch so das hier nehmen wenn es passt! Für manche bestimmt!

https://www.youtube.com/watch?v=PrQQZuLru9s

Anonymous antworten
Suzanne62
(@suzanne62)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 7535
Veröffentlicht von: @groffin

Das Original wird wohl eher weniger auf Hochzeiten gesungen - ist viel zu langsam.

Mir war gar nicht bekannt, dass das auch bei Hochzeiten gesungen wird. Ich kenne es eher von Beerdigungen.

suzanne62 antworten
Groffin
(@groffin)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 1872
Veröffentlicht von: @suzanne62

Mir war gar nicht bekannt, dass das auch bei Hochzeiten gesungen wird. Ich kenne es eher von Beerdigungen.

Würde für mich schon eher Sinn machen.

Ist aber wohl ähnlich wie mit "Always love you" von Whitney Houston.
Auch das wird (wurde?) sowohl auf Hochzeiten als auch Beerdigungen gespielt - wobei letzteres wohl häufiger vorkam.

groffin antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 16862

Wobei textlich das Lied auch nicht auf eine Beerdigung gehört. Der einzige Anlass wozu das Lied irgendwie textlich passen würde wäre eine Scheidung 😊

Ist jetzt etwas sarkastisch, aber textlich gibt das Lied nicht viel mehr her. Auch wenn es wirklich wunderschön ist!

tristesse antworten
Suzanne62
(@suzanne62)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 7535
Veröffentlicht von: @tristesse

Wobei textlich das Lied auch nicht auf eine Beerdigung gehört.

Was auf eine Beerdigung "gehört" oder nicht, entscheidet der Verstorbene, wenn er noch zu seinen Lebzeiten diesbezüglich Wünsche geäußert hat oder seine engsten Angehörigen, wenn er das nicht getan hat.
Für meine eigene Beerdigung würde ich mir wünschen, dass es da gespielt wird. Ich finde es durchaus passend. Aber das muss nun wirklich jeder für sich selbst entscheiden.

suzanne62 antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 3025

Dank Dir
Ganz große Klasse, dass Du diesen Link hier herein gestellt hast. Ich habe selten eine bessere Predigt als diese erlebt und selten wurde Cohen besser verstanden.

queequeg antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15336
Veröffentlicht von: @queequeg

Aber auch da, obwohl es sehr dramatisch ist, muss man sich die emotionale Wirklichkeit der Menschen in diesem Konflikt selbst zusammenbasteln.

Was ja auch durchaus sinnvoll ist. Letztlich geht es ja um dich und deine Emotionen. Was würde dir denn eine präzise Schilderung nützen, mit der du persönlich gar nichts anfangen könntest?

lucan-7 antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 2 Sekunden

Beiträge : 0
Veröffentlicht von: @queequeg

Ich habe nicht bedacht, dass es ihr aber letztlich nur darum geht, wie man auf die vertikale Schiene kommt.

"nur" ?
Die Bibel stellt die Situation des Menschen dar, wie sie ist und bietet ihm eine Lösung an, indem sie auf das Wirken Gottes verweist. Auf sich alleine gestellt ist der Mensch gefangen in seinen immer gleichen Reaktionen. Mit Gott kann er über seinen Schatten springen und über sich hinauswachsen.

Anonymous antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 2 Sekunden

Beiträge : 0
Veröffentlicht von: @queequeg

Ja. Das ist richtig. Ich habe inzwischen meinen Irrtum erkannt. Ich bin davon ausgegangen, dass die Bibel sozusagen horizontal etwas zum Menschen in seinem realen Lebensgefühl in dieser Welt sagen will. Ich habe nicht bedacht, dass es ihr aber letztlich nur darum geht, wie man auf die vertikale Schiene kommt. Dazu reicht dann, wie Du ja auch angesprochen hast, die rein faktische Bestandsaufnahme.

das klingt jetzt irgendwie arg frustriert.

Ich nehme die Bibel nicht so wahr wie du es hier jetzt beschreibst. Ich finde aber auch nichts schlimmes daran, dass man bei einem "weltlichen*" Lied oder einem "weltlichen*" Buch (mal?) mehr mitschwingen kann als bei Bibeltexten.
Gott begegnet uns noch heute, nicht immer in der Bibel. (*diese Differenzierung erscheint mir eh relativ künstlich und mindestens die Grenze sehr fließend. Aber das führt hier jetzt zu weit)

Was ich in der Bibel finde, sind viele Fragen, viel Ringen und wenig Antworten, dafür Perspektivwechsel und Veränderung. Ich finde, wer in der Bibel einfache Antworten auftut, kratzt noch ein bisschen an der Oberfläche, aber vielleicht sind diese Menschen dann auch schon viel tiefer durchgedrungen als ich und ich hab nur keine Ahnung.

Ich wehre mich sehr dagegen, dass Bibel dazu dient, auf die vertikale Schiene zu kommen. Ich erlebe die Bibel von der ersten Seite an als ein Buch, das dazu dient, auf Augenhöhe zu kommen. Mit Gott, mit anderen Menschen, mit Seiner Schöpfung und letztlich auch mit mir selbst. Und mündig und verantwortungsbewusst und liebevoll werden ist ein langer Prozess. Wenn dir der Typ mit seinem morgen hier morgen dort (Walser? Wader?) dabei hilft: bitte. Was ist jetzt das Problem?

Liebe Grüße
kueken

Anonymous antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 2 Sekunden

Beiträge : 0

Hannes Wader...

https://m.youtube.com/watch?v=trzsD-Dyi80

Anonymous antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 3025
Veröffentlicht von: @provinzkueken

Was ich in der Bibel finde, sind viele Fragen, viel Ringen und wenig Antworten, dafür Perspektivwechsel und Veränderung.

Ja. Sehe ich auch so. Und ist ja auch in Ordnung. Und sie besteht nun mal nicht nur aus Psalmen.

queequeg antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 2 Sekunden

Beiträge : 0
Veröffentlicht von: @queequeg

Ja. Sehe ich auch so. Und ist ja auch in Ordnung. Und sie besteht nun mal nicht nur aus Psalmen.

nö, sie besteht nicht nur aus Psalmen, auch nicht nur aus Weisheitliteratur, aber der Text ist an vielen Stellen mit sich selbst im Gespräch und läd dazu ein, mitzudenken und mitzudiskutieren.

Und ich frag mich ja, wofür für dich "Psalmen" steht. Das ist irgendwie so eine heterogene Gruppe. Oder geht es dir da um das hier im Thread mehrfach angeklungene "da ist doch auch Poesie!"?

Anonymous antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 3025

Poesie
Ja sicher, Psalmen sind auch Poesie. Aber es geht mir nicht um Poesie um der Poesie Willen, sondern um den Ausdruck von Lebensgefühl. Und da ist das sachbezogene Denken nur sehr beschränkt hilfreich.

Und das, was ein Teilnehmer hier fast vorwurfsvoll zu dem Lied von Hannes Wader geäußert hat, dass es ja nur eine subjektive Darstellung dieses Menschen ist, ist ja gerade das, was ich wissen will. Und genau dafür sind z.B. Liedtexte besser geeignet als die zumeist prosaischen Bibeltexte.

queequeg antworten
Ungehorsam
(@ungehorsam)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 3336

Hallo Lucan!

Dein Beitrag ist der Beste von dem, was ich bis hier gelesen habe, und dann ausgerechnet von dir.
Ich bin wirklich stark beeindruckt. Ich hoffe, daß die User, die mit dir im Streit liegen, ihre Sicht auf dich korrigieren können.

Ich wünsche dir viele grüne Sterne. Von mir bekommst du auf jeden Fall einen.

ungehorsam antworten
Irrwisch
Beiträge : 3339

Hallo Queequeg

Nicht nur in dem vorhergehenden Thread, auch in diesem hier erlebe ich dich als einenMenschen, der die Bibel als ein sehr abstraktes Buch wahrnimmt und evtl. auch liest.

Hilfreich zu einem anderen und tieferen Zugang könnte sein, Bibliodrama zu erleben und sich selbst darin einzubringen.

Für mich bringt es überhaupt nichts, Bibel und Songs oder andere Worte von Menschen gegeneinaner auszuspielen.

Was ich aber gerade anhand deiner beiden Threads bei mir merke ist, wie zeitlos doch die Bibel für Menschen durch die Zeiten hindurch zu sein scheint.
Für mich jedenfalls ist es so, und der Verkauf von Bibels spricht hier Gleiches.

irrwisch antworten
6 Antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 3025
Veröffentlicht von: @irrwisch

Hilfreich zu einem anderen und tieferen Zugang könnte sein, Bibliodrama zu erleben und sich selbst darin einzubringen.

Das ist genau richtig, weil dabei eben nicht nur etwas reflektiert, sondern erlebt wird. Hab ich in zwei Wochen wieder.

Veröffentlicht von: @irrwisch

Für mich bringt es überhaupt nichts, Bibel und Songs oder andere Worte von Menschen gegeneinaner auszuspielen.

Nee, aber es wäre schön, wenn sich die ergänzen würden.

queequeg antworten
Irrwisch
(@irrwisch)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3339
Veröffentlicht von: @queequeg
Veröffentlicht von: @queequeg

Für mich bringt es überhaupt nichts, Bibel und Songs oder andere Worte von Menschen gegeneinaner auszuspielen.

Nee, aber es wäre schön, wenn sich die ergänzen würden.

Das tut es für mich immer wieder.

Die letzte CD von Reinhard Mey finde ich sehr stark.

Darin verarbeitet er ein Stück weit den Tod seines Sohnes Max.

Auch der Song von Eric Clapton " Tears in Heaven" hat großen Tiefgang.
Auch dort wird sein Sohn betrauert.

Die neuen Lieder von Arne Kopfermann sprechen eine ganz neue Sprache mit sehr viel Tiergang.

Auch hier starb seine Tochter mit 11 Jahren durch einen von ihm verschuldeten Unfall.

Aber ich finde mich ebenso wieder in Liedern, die von der Schöpfung erzählen

Zum Beispel in
" Geh aus mein Herz und suche Freud"

oder auch großartige Musikwerke von Bach

Gestern im Gottesdienst hat mich allerdings das Eingangslied fast vor lachen vom Stuhl gehauen.
Meinen Man erging es ebenso.

Gerne hätte ich es hier mit euch geteilt.
Leider fnde ich es nicht auf Youtube

Duo Camillo hat den Song " Männer" von Grönemeyer umgetextet.

Statt " Männer" werden " Christen" besungen.

Ich fand es einfach nur genial.
Gerade auch im Hinblick auf Foren und Schreiber hier.

Vielleicht findet jemand es und kann es uns verlinken.

irrwisch antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 3025

Bibelkomposition

Veröffentlicht von: @irrwisch

oder auch großartige Musikwerke von Bach

Prima, dass Du das in diesem Zusammenhang erwähnst. Ein großer Teil seiner Werke kommt ja völlig ohne Text aus und ist trotzdem ungemein "aussage"fähig.

Man kann natürlich die Musik beschreiben und nach allen möglichen Kriterien einordnen. Aber sie selbst beschreibt nichts im intellektualisierenden Sinn und sie ordnet nicht ein. Sie bringt etwas zum Ausdruck.

Wäre vielleicht mal eine reizvolle Idee, ein Kapitel der Bibel nicht zu schreiben oder zu rezitieren, sondern zu komponieren.

queequeg antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 3025

Bach

Veröffentlicht von: @irrwisch

oder auch großartige Musikwerke von Bach

Ich komme nochmal darauf zurück. Mit am liebsten sind mir die Orgelkonzerte mit Helmut Walcha.

Aber ungemein interessant, berührend, mitreissend und aussagend sind z.B. die jazzigen Interpretationen von Jaques Loussier, die ich sehr liebe.
z.B. https://youtu.be/4xng_QbhHGY oder
https://youtu.be/EqRwV7nNFW8

queequeg antworten
Suzanne62
(@suzanne62)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 7535
Veröffentlicht von: @irrwisch

oder auch großartige Musikwerke von Bach

Bach wird ja auch manchmal als "fünfter Evangelist" bezeichnet. Völlig zu Recht.

suzanne62 antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 3025

Ja, kann ich nachvollziehen. Jedenfalls sagt er mir ungemein viel.

queequeg antworten


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