Johannes 15,7 - warum ich neue Übersetzungen gefährlich finde
Hallo,
in der Bibel App wird heute im Gebet Johannes 15,7 genannt. In der Hoffnung für Alle steht:
"Wenn ihr aber fest mit mir verbunden bleibt und euch meine Worte zu Herzen nehmt, dürft ihr von Gott erbitten, was ihr wollt; ihr werdet es erhalten."
Das liest sich wie ein Wunschbrunnen. Ähnlich auch bei der Basisbibel und Neues Leben. Der 1. Teil liest sich als eine Bedingung für den 2. Teil ("dürfen"), der dann als Erlaubis für Wünsche gilt. Anders liest sich das bei Luther:
"So ihr in mir bleibet und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren."
Es ist keine Erlaubnis mehr. Es ist eine Schlussfolgerung. Und man versteht: Nein, du kannst nicht alles bitten, was du willst und dann auch bekommen! Jeder Christ weiß mit Lebensalter dass so eine Haltung in Krisen endet (warum hat Gott ihn nicht heilen lassen, warum kam es so, obwohl ich Gott und mein ganzer Hauskreis betete). Wir bitten im Einklang der Worte.
Oder versteht ihr es anders? Seht ihr in den Übersetzungen auch einen Unterschied? Wie geht ihr mit dem Vers um?
Veröffentlicht von: @seramis1Hallo,
in der Bibel App wird heute im Gebet Johannes 15,7 genannt. In der Hoffnung für Alle steht:"Wenn ihr aber fest mit mir verbunden bleibt und euch meine Worte zu Herzen nehmt, dürft ihr von Gott erbitten, was ihr wollt; ihr werdet es erhalten."
Das liest sich wie ein Wunschbrunnen. Ähnlich auch bei der Basisbibel und Neues Leben. Der 1. Teil liest sich als eine Bedingung für den 2. Teil ("dürfen"), der dann als Erlaubis für Wünsche gilt. Anders liest sich das bei Luther:
"So ihr in mir bleibet und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren."
Es ist keine Erlaubnis mehr. Es ist eine Schlussfolgerung. Und man versteht: Nein, du kannst nicht alles bitten, was du willst und dann auch bekommen! Jeder Christ weiß mit Lebensalter dass so eine Haltung in Krisen endet (warum hat Gott ihn nicht heilen lassen, warum kam es so, obwohl ich Gott und mein ganzer Hauskreis betete). Wir bitten im Einklang der Worte.
Oder versteht ihr es anders? Seht ihr in den Übersetzungen auch einen Unterschied? Wie geht ihr mit dem Vers um?
Die beiden Übersetzungen, die ich bevorzugt benutze, sind die folgenden:
"Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren." LUT 2017
"Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch geschehen." ELB
Die Lutherübersetzung aus meiner Tradition heraus und die Elberfelder Übersetzung, weil sie als besonders dicht am Urtext ist oder sein sollte.
Die Unterschiede der beiden im Bezug auf Joh 15,7 äußerst gering. Die Gebetserfüllung ist immer an die Bedingung "Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben" geknüpft. Wenn ein Gebet also nicht erfüllt oder erhört wurde, war also anscheinend diese Bedingung nicht oder nicht hinreichend gegeben. Kann ja sein. Wer ist schon perfekt?
Bei der oben zitierten HfA-Übersetzung ist das aber auch nicht anders.
@seramis1
Was ich noch viel gefährlicher finde als abweichende Übersetzungen, ist die Tendenz einfach einzelne Bibelverse zu betrachten und sich daraus eine Erkenntnis zu basteln. Der Abschnitt geht in keinster Weise darum, dass Gott zu einem Wünsch-dir-was Automat wird, wenn man es nur richtig anstellt.
Wer den Abschnitt liest und sich an der Frage aufhängt, was es nun genau bedeutet und wann Gott einem seine Wünsche erfüllt, der hat die Botschaft Jesu hier nicht wirklich verstanden.
Es beginnt mit dem Weinstock und der Rebe und dem in Jesus bleiben. Und kulminiert in Vers 8
Hierin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und meine Jünger werdet.
Es geht in Vers 7 weder um mich noch meine Wünsche, sondern um Gott uns seine Herrlichkeit.
Die beiden Fragen, die sich aus diesem Abschnitt ergeben, sind: wie bleibe ich in Jesus, und bewirkt mein Wunsch Früchte, welche Gott verherrlichen.
Der Abschnitt geht hier um Heiligung und Wiederherstellung zur Ehre Gottes. Und es geht nicht um mich und meine Befindlichkeiten.
Und wenn man den Abschnitt weiterliest, dann kommt man zu diesen Worten.
10 Wenn ihr meine Gebote haltet, so werdet ihr in meiner Liebe bleiben, wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.
12 Dies ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe.
Es geht hier um Glaube, um Liebe und um Treue. DAS ist der Kern dieses Abschnittes.
@arcangel Wie gesagt finde ich das Kontextlesen auch sehr wichtig. Dennoch fand ich in den Übersetzungen bereits im Vers Unterschiede in der Bedeutung. Aber ja, vielleicht ist meine Kritik am Ebde dass in der Bibel App Verse einfach losgelöst gezeigt werden. Das merke ich auch bei den Leseplänen dort. Es ist alles kurz, schnell konsumiert, aber ob dadurch die Schrift in einem gut wirken kann...
Betonen möchte ich noch dass es mir um Wunscherfüllung und nicht Eigennutz ging, was in der HfA mehr durchklingt. Wünsche können auch nur andere betreffen. Aber danke für deinen wichtigen Beitrag und den Kontext!
@seramis1
Grundsätzlich hast du schon nicht unrecht mit deiner Beobachtung, manche Übersetzungen sind dann doch schon irreführend und tatsächlich auch gefährlich. Da sie Aussagen tätigen, die so gar nicht im Text stehen. Und in manchen Fällen können gewisse Übersetzungen ganze Abschnitte in ihrer Kernaussage verändern. Deshalb lohnt es sich, diverse Übersetzungen zu vergleichen.
Im Deutschen benutze ich dazu die Einheitsübersetzung, die Zürcher Bibel, und die neue evangelische Übersetzung.
Veröffentlicht von: @arcangel@seramis1
Grundsätzlich hast du schon nicht unrecht mit deiner Beobachtung, manche Übersetzungen sind dann doch schon irreführend und tatsächlich auch gefährlich. Da sie Aussagen tätigen, die so gar nicht im Text stehen. Und in manchen Fällen können gewisse Übersetzungen ganze Abschnitte in ihrer Kernaussage verändern. Deshalb lohnt es sich, diverse Übersetzungen zu vergleichen.
Im Deutschen benutze ich dazu die Einheitsübersetzung, die Zürcher Bibel, und die neue evangelische Übersetzung.
Ich denke, dass Gott durch jede Übersetzung sprechen kann.
Nichtsdestotrotz ist manche Übersetzung irreführend.
Grundsätzlich gilt, die beste Bibel ist, die, die gelesen wird. Gott kann jede Bibel benutzen, um das Leben von Menschen zu sprechen.
Wer aber die Bibel studieren will, eine Andacht oder Predigt vorbereitet, sollte mehr Werkzeuge bemühen als einfach nur eine Volxbibel oder HfA zu lesen.
Wobei man durchaus eine Volxbibel oder so in einer Predigt verwenden kann, wenn es die Zielgruppe erfordert.
@seramis1
Hm, und was hat das jetzt mit "neuen Übersetzungen" zu tun. In "alten" Übersetzungen steht dort doch nichts anderes. Die Unterscheidung die du siehst, sehe ich nicht. Über alle ist es ein "Wenn, so" oder "Wenn, dann".
Schlachter 2000 "Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch zuteil werden."
Menge "Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, dann bittet, um was ihr wollt: es wird euch zuteil werden."
Züricher "Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt, und es wird euch zuteil werden."
In der HfA ist das "dann" nur nicht explizit geschrieben. [] Ergänzung von mir
HfA ""Wenn ihr aber fest mit mir verbunden bleibt und euch meine Worte zu Herzen nehmt, [dann] dürft ihr von Gott erbitten, was ihr wollt; ihr werdet es erhalten."
HfA würde ich aber nicht mehr als "neu" bezeichnen 😀
@seramis1
"Wenn ihr aber fest mit mir verbunden bleibt und euch meine Worte zu Herzen nehmt, dürft ihr von Gott erbitten, was ihr wollt; ihr werdet es erhalten."
Das liest sich wie ein Wunschbrunnen. Ähnlich auch bei der Basisbibel und Neues Leben. Der 1. Teil liest sich als eine Bedingung für den 2. Teil ("dürfen"), der dann als Erlaubis für Wünsche gilt. Anders liest sich das bei Luther:
"So ihr in mir bleibet und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren."
Inwiefern ist Luther anders?
In beiden Übersetzungen haben wir ein »Wenn … dann« (im Lutherdeutsch genannt durch ein heute veraltetes »so«). In beiden Aussagen steht was von bitte, was ihr wollt, und es wird geschehen (Lutherdeutsch »widerfahren«).
Wenn HfA ein Wunschbrunnen ist, ist es Lu genauso.
Es ist keine Erlaubnis mehr. Es ist eine Schlussfolgerung.
???
Und man versteht: Nein, du kannst nicht alles bitten, was du willst und dann auch bekommen! Jeder Christ weiß mit Lebensalter dass so eine Haltung in Krisen endet (warum hat Gott ihn nicht heilen lassen, warum kam es so, obwohl ich Gott und mein ganzer Hauskreis betete). Wir bitten im Einklang der Worte.
Wer Christi Worte in sich hat, wird so bitten, wie Gott es möchte, und dann kann er bitten was er will, und es wird geschehen.