Kann man die Erettung verlieren?
Ich verzweifel noch an der Interpretation folgender Bibelstelle:
Hebräer 6 | Schlachter2000
1 Darum wollen wir die Anfangsgründe des Wortes von Christus lassen und zur vollen Reife übergehen, wobei wir nicht nochmals den Grund legen mit der Buße von toten Werken und dem Glauben an Gott,
2 mit der Lehre von Waschungen, von der Handauflegung, der Totenauferstehung und dem ewigen Gericht.
3 Und das wollen wir tun, wenn Gott es zulässt.
4 Denn es ist unmöglich, die, welche einmal erleuchtet worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind
5 und das gute Wort Gottes geschmeckt haben, dazu die Kräfte der zukünftigen Weltzeit,
6 und die dann abgefallen sind, wieder zur Buße zu erneuern, da sie für sich selbst den Sohn Gottes wiederum kreuzigen und zum Gespött machen!
Frage an diejenigen, die an die Heilsgewissheit glauben:
Wie ist das mit der Heilsgewissheit vereinbar? Wie interpretiert ihr diese Bibelstelle?
Frage an alle Gläubigen: Kann man vom Glauben abfallen und was ist damit gemeint? Kann man die Erettung verlieren?
Falls ja: Wie soll das gehen und kann man etwas tun, um das zu verhindern?
Oder ist es dann nicht mehr Gnade und Gerechtigkeit aus Glauben, sondern Gerechtigkeit aus Werken?
Ist das nicht ein Widerspruch zu anderen Bibelstellen? Wie löst man den?
@pumuckl97 Genannte Lehre ist - soweit mir bekannt weder orthodox noch wird sie katholisch vertreten. Mir persönlich bleibt sie ob expliziter Gegenaussagen des synoptischen Jesus bisher auch unverständlich.
Veröffentlicht von: @su0811Wenn also der Eine sich fürchtet, Er könne abfallen, umso mehr sich sicher an Jesus klammern.
Wenn der Andere sich sicher fühlt und weiß um seine Gewißheit, umso dankbarer an Jesus klammern.
Was gibt es ansonsten für andere Möglichkeiten?
Mir ist bislang keine bekannt.
Sachlogisch gibt es vier Möglichkeiten, die neutestamentlich ALLE zur Sprache kommen. Einfachheitshalber gebe ich jeweils nur einen Bibelvers an, weitere ließen sich ergänzen:
==> Philipper 2,12: „[...] schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern.“
==> 1. Johannes 4,19: „Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.“
==> Matthäus 25,24-25 (Gleichnis von den anvertrauten Zentnern): „Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist [...] und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde.“
==> Galater 5,13: „Ihr aber, Brüder, seid zur Freiheit berufen. Allein seht zu, dass ihr die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch nehmt [...]
Die Katholische Kirche lehnt eine absolute Heilsgewissheit ab, um Leichtsinn vorzubeugen (vgl. (4)). Sie vertritt ein meines Erachtens realistisches Menschenbild, das besagt: Der erlöste Mensch bleibt schwach und sündhaft verwundbar, weshalb er das Heil durch schwere Sünde verlieren kann.
Dennoch warnt die Kirche vor lähmender Angst (vgl. (3)) und lehrt eine vertrauensvolle HeilsHOFFNUNG (eben nicht HeilsSICHERHEIT). Der Gläubige gründet sich dankbar auf Gottes Treue (vgl. (2)), bleibt aber wegen seiner vorhandenen Schwäche wachsam (vgl. (1)).
Für mich ist die katholische Sichtweise auf die Frage, ob Heilsverlust möglich ist oder nicht, die überzeugendste, weil sie diese geistliche Fragestellung am gründlichsten durchdacht, ALLE biblischen Befunde berücksichtigt und gleichzeitig mit einer realistischen Sicht auf den Menschen verknüpft hat…
Veröffentlicht von: @hkmwkAber wenn so anders aussieht, muss man auch daraus Konsequenzen ziehen. »Priester« oder »Bischof« wäre nach dem NT jedes Mitglied eines Pfarrgemeinderats.
Die Urkirche lebt von Vielfalt. Paulus betont, dass jede und jeder eine eigene, wertvolle Berufung hat, aber eben nicht alle dieselbe Aufgabe erfüllen (1 Kor 12,28–30). Diese Sichtweise würde außerdem darauf hinweisen, dass das sakramentale Leitungsamt im NT durch die Handauflegung übertragen wird (1 Tim 4,14), um die Gemeinde in der Tradition der Apostel zu sammeln…
Ganz wichtig ist es zu verstehen, dass die letztgenannte Konfessionsgruppe das Priestertum aller Gläubigen UND das Weihepriestertum hat, die reformatorische ALLEIN das Priestertum aller Gläubigen.
Gelegentlich entsteht der Eindruck, es ginge um die ALTERNATIVE von Weihepriestertum ODER Priestertum aller Gläubigen, was falsch ist.
Quäker gehen sogar noch weiter und würden auch die Legitimierung deines „Pfarrgemeinderats“ in Frage stellen…
Bist du sicher, oder verwechselst du Quäker mit Darbisten?
Eine andere Sicht vertreten seit 2000 Jahren …
Seit 1800 bis 1900 Jahren.
Du kannst doch nicht aus der Benutzung der Worte für ein Vorstandsmitglied einer Synagoge bzw. eines säkularen (hellenistischen) Vereins auf das heutige katholische Amtsverständnis schließen! Zumal im NT die beiden Worte austauschbar gebraucht werden.
Für alle Getauften gilt das Wort hiereus (Opferpriester). Davon zu unterscheiden sind die Begriffe für den konkreten Leitungsdienst: presbyteros (Ältester/Priester) und episkopos (Aufseher/Bischof).
Tja, vor dem Jahr 80 (ich setze es möglichst früh an, um auf der sicheren Seite zu sein) wäre niemand auf die Idee gekommen, einen Ältesten als Priester zu bezeichnen. Und wie ich schon mehrfach sagte: Einen Bedeutungsunterschied zwischen Ältesten und Aufseher hǵab es vor dem Jahr 100 nicht - höchstens die Konnotation von Ältester und Judenchristen.
Ganz wichtig ist es zu verstehen, dass die letztgenannte Konfessionsgruppe das Priestertum aller Gläubigen UND das Weihepriestertum hat
Dem Namen nach sicher, aber inhaltlich? Priester sollen zwischen Gott und Mensch vermitteln, Gläubige, die zu Jesus gehören, können das, und sie brauchen keinen menschlichen Vermittler (sollen sich aber gegenseitig ermahnen und ermutigen).
Hirte (lat. pastor), Leiter (Aufseher bzw. Ältester, oder auch Vorsteher), Lehrer und Missionar (Apostel bzw. Evangelist) sind im NT deutlich unterschiedliche Aufgaben. Dass mehrere in einer Person vereinigt sind, ist offenbar die Ausnahme, leider haben viele Kirchen das zur Regel gemacht.
Inwiefern ist das »Opferpriestertum« aller Gläubigen (ich vermute, das gibt es als Reaktion auf die evangelische Kritik …) mehr als ein Lippenbekenntnis?
Veröffentlicht von: @hkmwkDu kannst doch nicht aus der Benutzung der Worte für ein Vorstandsmitglied einer Synagoge bzw. eines säkularen (hellenistischen) Vereins auf das heutige katholische Amtsverständnis schließen!
Schau dir noch einmal an, was ich geschrieben habe! Nicht ich schließe hier auf etwas, sondern mache deutlich, dass deine Sichtweise bezogen auf die existierenden Konfessionen die Minderheitenmeinung ist.
Veröffentlicht von: @hkmwkTja, vor dem Jahr 80 (ich setze es möglichst früh an, um auf der sicheren Seite zu sein) wäre niemand auf die Idee gekommen, einen Ältesten als Priester zu bezeichnen.
Das Neue Testament nennt die Gemeindeleiter Älteste (presbyteroi) – und genau aus diesem griechischen Wort hat sich sprachlich unser heutiges Wort „Priester“ entwickelt…
Veröffentlicht von: @hkmwkPriester sollen zwischen Gott und Mensch vermitteln, Gläubige, die zu Jesus gehören, können das, und sie brauchen keinen menschlichen Vermittler (sollen sich aber gegenseitig ermahnen und ermutigen).
- Die Vollmacht der Sakramentsverwaltung: Beim Letzten Abendmahl beauftragt Jesus die Apostel mit den Worten „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ (Lk 22,19), das eucharistische Opfer in seiner Person gegenwärtig zu setzen.
- Die Vollmacht der Sündenvergebung: Der Auferstandene bläst die Apostel an, schenkt ihnen den Heiligen Geist und überträgt ihnen exklusiv die priesterliche Gewalt, Sünden im Namen Gottes zu vergeben oder zu behalten (Joh 20,22–23).
- Die Vollmacht der Lehre und Leitung: Mit dem großen Missionsbefehl (Mt 28,19–20) überträgt er ihnen die Autorität, alle Völker zu taufen und zu lehren, untermauert durch die Zusage umfassender Leitungs- und Bindungsgewalt (Mt 18,18).
Veröffentlicht von: @kerygmaDer heutige "Wettlauf" zwischen Eucharistie und Beichte, ist weder historisch, noch vom Auftrag Jesu her erklärbar. Theoretisch bräuchtest Du gar nicht mehr zur Eucharistie, wenn doch in der regelmäßigen Beichte die lässlichen und schweren Sünden vergeben werden.
Das ist ein nachvollziehbarer Einwand. Richtig ist, dass, wenn keine schweren Sünden vorliegen, kirchenrechtlich tatsächlich keine Pflicht zur Beichte besteht, denn leichte Verfehlungen werden bereits durch persönliche Gebet, Werke der Nächstenliebe oder auch durch Zuspruch in der Eucharistiefeier vergeben. Das ist vermutlich auch ein Grund, warum so wenige die Beichte in Anspruch nehmen (ich habe nicht schwer gesündigt, warum dann zur Beichte?).
Veröffentlicht von: @holger-fWenn ich biblische Belege anführe, behaupte ich doch gar nicht, dass daraus zwangsläufig und eins zu eins das folgt, was die Kirche lehrt, sondern ich zeige damit nur, dass sich das, was die Kirche lehrt, auch in der Heiligen Schrift Schrift niedergeschlagen hat.
Hat es in diesem Fall aber nicht.
Man kann das erschließen aus der Bevollmächtigung zur Sündenvergebung sowie der Binde- und Lösegewalt in Johannes 20,22–23, Matthäus 16,19 und Matthäus 18,18. Und der der konkreten Praxis der Urkirche, die hier deutlich wird: 1. Korinther 5,3–5; 2. Korinther 2,6–10.
Dass die Apostel im Sündenfall eine umfassende Autorität besaßen, bezeugen zudem Berichte aus der Apostelgeschichte: So zeigt Apostelgeschichte 5,1–11 das harte Durchgreifen von Petrus im Fall von Ananias und Saphira und in Apostelgeschichte 8,20–23 greift er ebenfalls ein, als Simon den Magier versucht, die Gabe Gottes zu „kaufen“…