Erwarte ich zu viel?
Ich verschicke Karten zu diversen Anlässen und auch Pakete/Päckchen an Freundinnen, aber an mich denkt kaum jemand und auf ein Danke warte ich oftmals vergeblich. Mein Mann "warnt" mich schon immer, aber ich kann es nicht sein lassen, weil ich gerne gebe und anderen Menschen gerne eine Freude mache! Ich erwarte keine großen Worte und Gesten, aber ist es nicht schlichtweg unhöflich, gar nicht zu antworten? Ist Höflichkeit und Danke sagen unmodern geworden? Kennt ihr auch dieses Gefühl? Habt ihr ähnliches erlebt? Mache ICH etwas falsch???
@millie49 Ich verschicke Karten zu diversen Anlässen und auch Pakete/Päckchen an Freundinnen, aber an mich denkt kaum jemand und auf ein Danke warte ich oftmals vergeblich. Mein Mann "warnt" mich schon immer, aber ich kann es nicht sein lassen, weil ich gerne gebe und anderen Menschen gerne eine Freude mache! Ich erwarte keine großen Worte und Gesten, aber ist es nicht schlichtweg unhöflich, gar nicht zu antworten? Ist Höflichkeit und Danke sagen unmodern geworden? Kennt ihr auch dieses Gefühl? Habt ihr ähnliches erlebt? Mache ICH etwas falsch???
Ich bedanke mich eigentlich immer und bekomme auch einen Dank, wenn ich etwas verschicke. Allerdings mache ich das fast nur bei meinen Kindern. Ich freue mich über Karten und Päckchen weil sie etwas besonderes sind. Aber ehrlich gesagt sind für mich Nachrichten auf dem Handy unkomplizierter und ich antworte darauf spontaner.
Es gibt 3 Ausnahmen.
1. Ich bedanke mich nicht bei meiner Chefin, die uns immer billigen Dekokram z.B. vom Kik schenkt. Wenn sie es nur in den Aufenthaltsraum stellt und nicht persönlich überreicht, lasse ich es stehen. Ich habe auch schon gesagt, dass ich ja nicht so auf Deko stehe, aber weiter will ich nicht gehen. Also, bei mir kann dauerhaftes Nichtbedanken bedeuten, dass ich die Sachen nicht mag oder nicht angemessen finde.
2. Ich habe einige wenige Bekannte, die nur per Festnetz und Post zu erreichen sind. Wenn ich sie nicht gleich erreiche, vergesse ich es schon mal und schreibe auch keine Karte. Das sind aber Leute aus der Umgebung, die ich auch mal so treffe.
3. Ungefragtes Weitergeben von Sachen, die der Schenkende mir über andere aufdrängelt: gebrauchte Zeitschriften, Bücher, manchmal sogar Kleidung. Ich selbst mag es auch nicht, solche Überbringerdienste zu übernehmen. Ich habe dann das Gefühl, der Schenkende hat nur nicht die Geduld, mit Feingefühl nachzufragen oder notfalls darauf sitzenzubleiben.
Mir selbst geht es ziemlich oft so, dass ich auf Nachrichten/Anfragen keine Antwort bekomme. Wenn ich etwas organisiere und manche Leute antworten nicht, ist das schon anstrengend. Heute ist es normaler, dass Leute, die gerade noch begeistert von etwas waren, im nächsten Moment wegen einer Nebensächlichkeit absagen. Oder ich habe die Zusage, dass ein Raum frei ist, dann lassen sich die Vornutzer aber wie selbstverständlich noch eine Stunde länger Zeit, nur um zu plaudern.
Das ist wohl das Thema Verbindlichkeit/ Zuverlässigkeit und auch Mitdenken. Das sagt für mich viel über die Beziehung aus. Aber das geht nicht allen so. Die Menschen sind in solchen Dingen sehr unterschiedlich geworden und es ist eine Schwierigkeit für sich, herauszufinden, wie man mit jedem richtig umgeht.
Ich wünsche dir, dass sich ein Trüppchen herausbildet, dass deine Liebessprache teilt.
Ich verschicke gerne selbstgemachte Karten. Zu Weihnachten immer um die 60 Stück. Ich selbst bekomm von 10-15 die Nachricht über Messanger, dass sie angekommen ist (manchmal auch nur in ihrem WhatsApp-Status - meine Karte mit Herzchen) und von ca. 5-6 ne Karte. Von denen würde ich vermutlich auch eine Karte bekommen, wenn ich nicht schreibe. Vieles davon sind Rundbriefe an alle Freunde wie das Jahr war. Ich freu mich, von ihnen zu hören. Viele haben einfach auch nicht die Zeit für mehr.
Ich antworte auch nicht auf jede Karte, die ich bekomme. Meistens weil mir dazu einfach die Zeit fehlt. Ich will mich hinsetzten und es "richtig" machen und nicht zwischen Tür und Angel - und dann mache ich es nie.
Und bei Päckchen fühle ich mich einfach oft überfordert und auch etwas eingeengt. Zumindest wenn mir die Person nicht wirklich nahe steht und wir uns nicht oft sehen. Da weiß ich dann nicht wie drauf reagieren und dann kann sein, dass ich gar nicht reagiere.
Und auch wenn ich selbst Karten zu Geburtstagen oder so verschicke - eine Reaktion gibt es selten. Ich weiß aber, dass die Leute sich freuen. Viele sagen es nämlich auch einfach so, wenn man dann mal wieder Kontakt hat.
Also, wenn du die Menschen nicht mit Karten und Päckchen überhäufst und sie damit überforderst ist es einfach normal, dass sich keiner zurückmeldet.
Wenn ich auf eine Gratualtation oder so eine Antwort will, dann schick ich ne digitale Nachricht. Die Chance darauf etwas zu hören und sei es nur "Danke" ist einfach viel größer. Es geht halt auch schneller.
Ich finde es sehr schön, dass du dir die Mühe machst und Karten analog verschickst. Etwas sehr wertvollen heutzutage wie ich finde. Aber da du ja hier um einen neuen Blickwinkel bemüht bist, will ich dir meine Sicht dazu gerne sagen.
Aber vorab meine eigene Erfahrung: Ich habe auch viel Post verschickt und Geschenke gemacht. Und mich immer sooooo sehr gefreut darüber, weil ich mir schon vorgestellt habe, wie der Mensch sich freuen wird darüber. Und wenn dann mal ein Danke kam, dann oft sehr sachlich. Ohne besondere Freude darin zu erkennen. Das hat mich seeehr tief getroffen und dann haben aber meine Geschwister mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich diese Erwartung gar nicht haben darf. Darüber habe ich nachgedacht und etwas für mich erkannt. Und somit auch mein Verhalten verändert. Ganz bewußt. Ich habe darüber gebetet, Gott gedankt für den Blickwechsel und aktiv beschlossen, wie und was ich in Zukunft anders mache. Habe meine Motivation hinterfragt und aktiv mein Verhalten geändert: Wenn ich jetzt ein Geschenk/Post mache, dann sage ich mir sobald ich es verschicke: Jesus, ich schenke es in deinem Namen und bitte dich, die Freude der Person anzunehmen die an dich geht. Und was mich betrifft: ich gebe es ab an DICH. Meine Aufgabe ist hiermit erfüllt und ab jetzt geht es mich nichts mehr an, was damit passiert. Rechne DU es mir zu. 🙂 Ich erwarte also von Gott nicht von Menschen. Und tue es für ihn und in seinem Namen. Also was hab ich da zu erwarten von Menschen? Nichts.
Seitdem ich das so mache, vergesse ich auf etwas zu warten. Denn ich er-warte ja nichts mehr. Ich gebe ab und es ist tatsächlich abgegeben. Ich freu mich drüber immer noch seeehr. Aber warte auf NICHTS mehr. Wenn dann doch ein Danke kommt, ist es schön, aber nicht mehr wichtig für mich 🙂 🙂 Das hat mir echt enorm geholfen.
Ich denke, es kommt IMMER auf die Motivation an. Wenn du sagst, du machst es gerne, aber gleichzeitig etwas zurück ER-WARTEST, dann machst du es vllt nicht aus Liebe zu Gott und Mensch, sondern aus der Bedürftigkeit dir selber gegenüber. Weil DU etwas bekommen willst. Etwas zurückbekommen willst. Und weil du vllt gesehen werden willst in deiner guten Tat.
Das sind schon mal zwei Punkte, die vllt helfen könnten. 🙂 Ich wünsche dir viele gute Gedanken und Gottes Segen beim Geben 🙂
@millie49 Liebe Mille!
Teilweise kann ich deine Enttäuschung gut verstehen.
Denn du schenkst mit Liebe und Herzblut.
Keine Reaktion tut schon weh..
2 Szenarien möchte ich dir vorstellen.
1. Wie wäre es denn für dich, wenn duerst einmal für mindestens 1 - 2 Jahre deine liebevollen Karten undPäckchen ganz einstellst.
Dich stattdessen bei den bisher Beschenktenüberhaupt nicht zuden gegebenen Anlässen meldest.
Stattdessen zum Beispiel der Kassiererin an der Kasse ein liebes Wort sagst oder sogar eine Kleinigkeit schenkst?
Aber es sollte schon von Herzen kommen.
2. Ich liebe Wolle.
Habevielzu viel davon.
Denn ich wollte gerne einmal in Wolle schwelgen.
Mitlerweile habe ich so viel davon, dass mir meine vernünftigen Anteile klar gemacht haben, dass ich diese Wolle in der mir verbleibenden Lebenszeit nie werde verarbeiten können.
Weswegen ich auf einer Verkaufsplattformimmer wieder welche zum Kauf anbiete.
Meine Angebote werden auch meist sehr gut angenommen.
Also muss auch ich Päckchen packen.
Neben der georderten Wolle kommt immer eine Karte mit einigen lieben Worte in das Päckchen.
Dazu ein kleiner Engel aus Perlen, den mir mein Mann macht (wir hatten lange Jahre das Angebot einer Schmuckwerkstatt am Wochenende in einer Klinik für Menschen mit psychischen Erkrankungen und haben davon noch ganz viele Materialien).
Ausserdem kommt noch eine im Handarbeitsbereich nützliche Kleinigkeit hinzu.
Bei nahezu allen verschicktePäckchen bekomme ich meist nicht nur die Rückmeldung, dass die Wolle gut angekommen ist, sondern auch noch ein Danke für die Beigaben.
Oft entwickeln sich sogar ganz feine PN Wechsel daraus.
In denen mir Menschen aus ihremLeben berichten.
Das geschieht ganz ohne Erwartungen meinerseits.
Einfach so.
Vielleicht ist es für dich an der Zeit, deinen " Beschenke Kreis" zu verändern?!
Oder deine "Schenke Haltung" unabhängig zu machen von Reaktionen.
@irrwisch Vielen Dank für Deine lieben Worte! Das werde ich wohl so machen. Vor Pfingsten habe ich einem "Bettler", der seit Jahren immer vor dem gleichen Geschäft sitzt, mein tragbares Radio (plus Batterien) geschenkt. Wir quatschen immer eine Runde und mir fiel auf, das sein Radio weg war. "Is' kaputt gegangen, jetzt sitz' ich halt ohne hier..." Ich hatte 2, also konnte ich 1 abgeben und E. hat sich dolle gefreut. Und ich gleich mit! 😀 😊
@millie49 Sehr feine Erfahrung-
Gestern Abend konnte ich lang nicht einschlafen. Vollmond naht!
Habe die Zeit genutzt, um noch ein wenig auf deinem Anliegen herum zu denken.
Finde dein Anliegen hier noch immer sehr interessant und wichtig.
Aber auch deine neue gute Erfahrung sehr schön.
Du siehst, du bist deiner Situation nicht hilflos ausgeliefert.
Ein weiterer Weg dort heraus wäre, das direkte Gespräch mit den nicht " Dankesagern" zu suchen.
Manchmal bringt das auf beiden Seiten mehr Vrständnis füreinander auf.
Kann aber auch schwierig sein oder werden.
Eine weitere Möglichkeit ist die " indirekte Gesprächssuche", so möchte ich es jetzt einmal nennen.
Szenario folgendes:
Du schreibst wem, der sonst liebevolle Päckchen von dir bekommen hat, einen Brief oder eine Karte.
Darin teilst du mit, dass du erst einmal keine Päckchen mehr schickst, weil du durch fehlende Rückmeldung verunsichert bist, was deine Päckchen und deren Inhalt betrifft.
Damit bietest du einen Gesprächseinstieg.
Ob er angenommen wird hast du nicht in der Hand. Diese Annahme liegt beim Gegenüber
Weiter teilst du mit, stattdessen möchtest du das Geld momentan dazu verwenden, um einem Patenkind z.B.in Afrika oder Indien oder wo auch immer zu unterstützen.
Meine Tochter und ihr Mann haben ein solches Patenkind und bekommen davon immer wieder Nachrichten.
Verschiedene Aussagen zu deinem Thema sind mir dazu noch eingefallen:
Jesus empfiehlt seinen Jüngern, daß sie den Staub von den Schuhen schütteln sollen, wenn sie irgendwo nicht angenommen werden.
Oder sagt auch, daß Mensch nicht Perlen vor die Säue werfen soll.
Das ist für mich von Jesus eine sehr drastische Aussage darüber, wenn etwas Gutes nicht angenommen wird.
( Wobei ich deine Beschenkten nicht als " Säue" wissen mag. Aber das Sinnbild gefällt mir sehr gut)
Eine umgangsprachliche Redewendung gefällt mir zu deinem Thema
auch noch sehr gut:
" Wenn dein Pferd tot ist, steig davon ab!"
Ich wünsche dir ein sehr lebendiges und dich sehr gut tragendes neues ( Stecken) Pferd!
Inge
Veröffentlicht von: @irrwischVielleicht ist es für dich an der Zeit, deinen " Beschenke Kreis" zu verändern?!
DAS finde ich eeecht gut. Denn das Geben ist ja wie ein Energiestrahl. Er will weitergegeben werden. Weiterfließen. Und nicht steckenbleiben.
Coole Idee. Und das dein Mann und du das gemeinsam macht, ist noch cooler 🙂
Ich finde übrigens, dass sich viele Menschen freuen über Gaben, es aber nicht ausdrücken (können, wollen, keine Zeit, etc).
Hallo Millie49,
vieles ist ja schon dazu gesagt worden ... ich reihe mich nur als kleines Schlusslicht hier ein, weil ich das auch selbst kenne.
Für mich ist inzwischen die Frage zum Schlüssel geworden, wie es meinem Herzen dabei geht?
Denn es sind ja auch meinerseits nicht zwei verschickte Karten einfach nur "zweimal dasselbe".
Wie wähle ich aus? Fühle ich mich bei der Motiv- oder Geschenkauswahl dem Geschenkten schon verbunden?
(Hier fallen schon 1 oder 2 weg, ... wenn ich ehrlich bin.)
Spreche ich das, was ich zu sagen habe, aus meinem Herzen heraus?
Wenn nicht - ist das auch okay; aber dann gehe ich eher der Frage nach, was sich da bei MEINEM "Geber-Impuls" eigentlich in MIR rührt. Kann sein, dass ich selbst etwas brauche. Da habe ich inzwischen gelernt, mich auch mal bei mir selbst zu bedanken :o)
ZB. dafür, dass ich mich ernst nehme, statt den Umweg über ein aufs-Dankeschön-Warten zu nehmen.
Und natürlich kann es auch sein, dass ich wirklich etwas zu geben, nur noch nicht den passenden Adressaten gefunden habe. Oder das passende Geschenk.
*
Und so weiter ... bis hin zu der Frage: Ist mir der mögliche Schmerz, ignoriert zu werden, das Geschenk oder die Geste noch wert - oder schmälert er selbiges?
Manchmal ist dem nämlich NICHT so. Dann kann ich aufrichtig FREI geben.
Natürlich frage ich zwischendurch auch nach oben: Ist das jetzt DEINE Idee, dass X, Y durch mich diesen Gruß hier erhält?
Oft kommt dann ein Wort, wie "Liebe". Oder eine Stille, die ich frei interpretieren darf. Oder eine klar als solche gefühlte Grenze.
~
Insgesamt denke ich nicht, dass es hier um reine "Gefühlsmathematik" geht oder gehen sollte. Nach dem Motto: Mach einfach weniger, dann tut's auch weniger weh.
Denn der Weg will ja auch verstanden, integriert werden.
DU hast den starken Drang zu geben, ... das hat also erst mal was mit DIR zu tun.
In MEINEM Fall wurde ich dadurch freier ... habe überraschenderweise tatsächlich gelernt, wie gut es sich anfühlen kann, ergebnisoffen zu geben.
~
Ich bin sehr froh darüber, wie vielfältig die Antworten hier ausfallen. Das ermutigt mich dazu, auch weiterhin andere GeberInnen zu ermutigen.
PS: Großbuchstaben sind bei mir lediglich Stilmittel zur Betonung; fühlt euch also bitte NICHT angeschrien :o)