Einander wahrnehmen - wie?
Ich poste es mal hier und bin gespannt auf Resonanzen ...
Jesus.de ist ein offenes Forum und ich erlebe es (in meinem begrenzten und noch nicht zu langen Hier-Sein) als belebend und bereichernd - Danke dafür!
Wie immer ich, jeder von uns, und wir hier miteinander unterwegs sind - konfessionell, individuell und in unsren jeweiligen Befindlichkeiten der Postings 😉 ... Alte Hasen, New Comer, Bleibende und Sich-Verabschiedende ... Auch manche Kommunikation hinter den Kulissen, in der sich Menschen finden - wie gut!!!
Gerade beschäftigt mich aber auch die launige Frage, wie schnell (oder auch nicht oder doch?) wir einander in Schubladen, Verwerflichkeiten oder Akzeptanzen des Mit-Einanders wahrnehmen ???
Zwischen manchen Stühlen ist die Jesus-Nachfolge in Welt & Kirche - denke ich manchmal - kein schlechter Platz 😉
Was meint Ihr?
L#Chaim
Gerade beschäftigt mich aber auch die launige Frage, wie schnell (oder auch nicht oder doch?) wir einander in Schubladen, Verwerflichkeiten oder Akzeptanzen des Mit-Einanders wahrnehmen ???
Eigentlich würde es reichen, wenn ein paar Kommunikationsregeln angewendet werden würden.
Ich- statt Du-Botschaften vermeiden gefühlte Angriffe und das Überstülpen eigener Bilder auf das Gegenüber.
Jedoch scheint das gar nicht so gewünscht zu sein. Vllt finden viele die Diskussion erst anregend, wenn sie strittig ist?
Und während sich die Eine erschöpft zurückzieht, fragt sich der Andere: Was denn. Kommt da noch 'was?
Zu Tillich:
Iwann im Leben findet man wieder zu dem Eigentlichen zurück, das seit Kindertagen im Inneren ruht.
Nicht mehr einfältig, sondern geläutert durch die vielen Erfahrungen, die nicht nur in der Mitte des geraden Weges, sondern auch am Wegesrand und auf Ab-, Irr- und Umwegen gemacht wurden.
Nie sollte man sich verbieten lassen - von wem auch immer - unbekannte Pfade zu beschreiten. Neugierig zu sein.
Das Andere zu schnell zu verurteilen oder abzulehnen, nur weil andere es sagen, ist nicht gut.
Gott bewahre uns davor, abgeklärt und gelangweilt von allem zu sein. Oder zynisch zu werden. Auch Eitelkeit und Überheblichkeit sind nicht gut.
Gerade beschäftigt mich aber auch die launige Frage, wie schnell (oder auch nicht oder doch?) wir einander in Schubladen, Verwerflichkeiten oder Akzeptanzen des Mit-Einanders wahrnehmen ???
Zuwilen reagiere iuch auf eine Text, ohne mir anzuschauen, wer den geschrieben hat.
Das geht in anderen Foren besser als bei Jesus.de, wo man erst auf →XYZ antworten drücken muss, um zu antworten, und der Username anschließend richtig fett und unübersehbar da steht.
Grundsätzlich sind Schubladen praktisch - sowohl wörtlich-reale wie die von dir gemeinten im übertragenen Sinn.
Nur sollte man bereit sein, seine Vorurteile zu überprüfen.
Ich reflektiere lediglich auf deine Überschrift: Wie? Zuhören. Interessiert sein am anderen. Zuhören, nicht, um zu antworten, sondern um kennenzulernen.
Es ist dieses "Aushalten können", dass andere anders sind, dass sie anders denken etc. Das können wir wohl alle mal mehr, mal weniger gut. Wie im richtigen Leben. 😀 Ach, das hier ist auch das richtige Leben. Nur begrenzt in seinen Möglichkeiten. Umso mehr Aufmerksamkeit dürfen wir dem geben, dass da noch was fehlt (Mimik, Gestik, Körpersprache). Wir alle sind Menschen mit Rucksäcken voll Erfahrungen, gute wie schlechte. Das dürfen wir nicht vergessen, während wir dem anderen zuhören, mit dem anderen reden. Wie viel kann ich selbst hier im Verschriftlichen beeinflussen, dass der andere mich versteht? Geht es mir ums Verstehen oder Verstandenwerden? Geht es das nicht immer?
Grad kommt mir ein Satz eines Bekannten in den Sinn: "Du kannst nicht geistig reif sind, während du emotional unreif bist." Muss ich noch ne Weile drüber nachdenken.
Einander wahrnehmen ... ja ... will ich das? 😉 (darf sich jeder selbst beantworten)
"Du kannst nicht geistig reif sind, während du emotional unreif bis"
"Wenn Du "Geistigkeit" "Emotionalität" gegenüber stellst, gibt es kaum eine andere Möglichkeit. Geistigkeit ist die Endstrecke eines langen Prozesses der Verarbeitung zugrunde liegender Informationen. Und wenn da etwas nicht stimmt, kann auch die geistige Verarbeitung nicht funktionieren.
Ist im Prinzip tatsächlich so.
Der bärenartige Mann (ca. 40) ging in den Supermarkt eines europäischen Landes, kriegte dort die Panik seines Lebens und verlies fluchtartig des Laden. Er versicherte immer wieder, dass im Supermarkt nix zu fürchten gab, aber etwas war so stakt, dass ihm seiner Ganzer Verstand nicht nützte. Est stellte sich heraus, dass er in Kinderjahren einmal eine Situation hatte, in der er seinem Vater eine Flasche Bier in einem Kiosk holen sollte und da übel von einem der Männer angegangen wurde. Im Geschäft war kein Mann, der auch nur annähernd gefährlich wirkte - aber, er hatte rote Haare, wie der Typ seiner Kindheit.
Ich denke immer mehr, dass der gute alte Freud Recht hatte, wenn er davon sprach, dass wir auch nicht annähernd so autonom sind (geistig & emotional), wie wir es gerne hätten ... d.h. garnicht so sehr "Herr (FRau) im eigenen Haus", was Wille, Verstand, Vermögen und Bewusstsein angeht, WEIL wir viel mehr und stärker (und eben "unterbewusst") geprägt, gesteuert und gelenkt werden durch Impulse, frühe Erfahrungen, Prägungen, Erlebnisse, Triebe die - hier passt ja das Bild vom Eisberg - unter der Oberfläche vorhanden sind und lauern ...
D.h. unser Vermögen, Gefühle zu lenken, zu haben, zu beherrschen, unseren Willen und Verstand zu gebrauchen, ist in Vielem mehr als begrenzt, und unser Selbstbild von Autonomie & Selbstbestimmung in Vielem sehr brüchig und auch unrealistisch.
Deshalb - und wir sind ja hier bei jesus.de 😉 - ist mein Heils- und Gnadenverständnis auch sehr weit geworden ... Um's einfach auszudrücken: Gott ist, wenn schon, der beste Psychotherapeut, was "Annahme" & Verstehen unseres begrenzten Menschseins angeht.
L'Chaim
"D.h. unser Vermögen, Gefühle zu lenken, zu haben, zu beherrschen, unseren Willen und Verstand zu gebrauchen, ist in Vielem mehr als begrenzt, und unser Selbstbild von Autonomie & Selbstbestimmung in Vielem sehr brüchig und auch unrealistisch."
Es ist schon richtig, was Du schreibst. Wenn man meint, mit der üblichen Nabelschau zu sehen, was es mit der Wirklichkeit auf sich hat, reitet man ziemlich auf dem falschen Pferd.
Aber was ist die Alternative dazu? Du verweist auf Gott als den größten Psychotherapeuten. Schwierig, das ist ein klassisches Abhängigkeitsverhältnis und damit sicher keine vorbildhafte Psychotherapie. Es fragte sich dann auch was Nichtgläubige machen sollen. Erst einmal Christ werden, bevor man weitermachen kann? Das funktioniert nicht.
Nicht immer, aber sehr oft "funktioniert" es, einen Menschen, der Zweifel an sich selbst und alles hat, auf seinen Weg zu sich selbst zu begleiten, aber das dauert keine 3 Monate, sondern 3 Jahre oder länger.
Ich meinte mit dem Bild/Vergleich: Gott=der beste Psychotherapeut zunächst einmal, dass Er tausendmal mehr Einblick hat in unser Innerstes, unsere Seele, unsere Nöte und Dilemata, unser Vermögen und Unvernögen, unsere Sackgassen, Abwehrmechsanismen etc. 😉
Und dass sein Blick von tiefster Annahme und Liebe gefüllt ist.
Die Frage der Abhängigkeit vom Therapeuten bzw. die Frage nach dem Verhältnis Therapeut><Klient ist ja eines der spannenden Themen in allen Therapieverfahren & -Prozessen. ... Im Blick auf die Psychoanalyse (die klassische PA) ist hier ein schwieriges Terrain angesprochen (Rollenverständis, Übertragung und Gegenübertragung) ... In der Gestalttherapie sieht es schon recht anders aus, weil ein Gestalttherapeut Menschen eher behaftet bei ihrer Selbsständigkeit, Unabhängigkeit und Selbstverantwortung, und das "oben-unten" eher der Begegnung "auf Augenhöhe" entspricht ...
L'Chaim
Ich find's interessant, was allein deine Überschriftsfrage in mir so alles auslöst. 😀
Eben gerade las ich sie zum x. Male und dachte: Ja, wenn der Mensch nicht zu beschäftigt wäre mit sich selbst und der Verteidigung seines Platzes in der Welt (warum und wozu tut er das eigentlich?), könnte er von sich auch mal wegschauen und sich (wirklich) um andere kümmern und diese eben auch wahrnehmen.
Spannnnnnennnnnnd. 😉
Veröffentlicht von: @awhlerIch poste es mal hier und bin gespannt auf Resonanzen ...
Hi awhler, 🙂
also der Wunsch nach Resonanz ragt zumindest bis ins ´2026...
mein erster Gedanke beim Lesen Deiner Zeilen war:
Wie sehr brennst Du noch? (Das "Du" steht für die Allgemeinheit)
Denn wenn:
1. Thess. 5,19 zur Geltung kommt:
Den Geist dämpft nicht!
regiert mE mal wieder das "eigene Gedankengut"!
und genau dann und dort ist der Freiheit Ende - Gelände.
IHM die Ehre gebend .. Grüße von hier nach dort
🖐️