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Nur christlich oder nicht zuallererst jüdisch?

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Goldapfel
Themenstarter
Beiträge : 1590

Hallo,

vor über 30 Jahren habe ich noch erlebt, dass ein Ältester in einer freien Gemeinde sinngemäß zu mir meinte, „wir Christen“ seien jetzt Gottes Volk. (Ich hoffe sehr, dass er das inzwischen anders sieht)

Die Begriffe altes und neues Testament sind für uns Christen normal.

Pharisäer steht als negativer Begriff für herzlose Gesetzlichkeit und Heuchelei.

Selbst stört mich das bereits länger und ich fühle mich da mit einigem unwohl. Bin ich doch als Heidenchristin bloß eingepfropft und darf an Jesu Opfer teilhaben. Gott sein Volk nie verstoßen oder ersetzt.

Gestern habe ich mal angefangen, mir auf Bibel TV die Reihe „Die Bibel aus jüdischer Sicht“ anzusehen und ich gestehe, dass auch für mich einiges was die inzwischen verstorbene Ruth Lapide, möge ihre Erinnerung ein Segen sein, so sagte, arg herausfordernd ist. Aber es fordert eben heraus und ich habe schon viele neue Denkanstöße erhalten und einiges gelernt. 

Was ich sagen möchte, nach meiner Wahrnehmung fehlt mir häufig in christlichen Kreisen die Anerkennung des jüdischen Erbes und das Bewusstsein, dass die Juden unsere älteren Geschwister sind. 

Ich würde das hier gerne mal zur Diskussion stellen. Auch was ihr von der oben erwähnten Sendereihe haltet.

Antwort
20 Antworten
Helmut-WK
Beiträge : 10218

@ga2 

Das Thema finde ich so wichtig, dass ich es jetzt abonniere, obwohl ich aktuell noch 70 unbearbeitete Meldungen in der »Glocke« habe.

Wir Christen sind durchaus auch Gottes Volk, in Apg 15,14 spricht Jakobus, dass Gott sich unter den Gojim ein Volk (neben dem Volk der Juden) sammelt, und in Of 21,3 steht wörtlich »… und sie werden Seine Völker sein«.

Aber eine Theologie, wonach wir die Juden gewissermaßen abgelöst haben, widerspricht dem Gesamtzeugnis der Bibel.

Der Alte Bund ist vergangen (vgl. Hbr 8,13): Im Tempel von Jerusalem werden keine Opfer mehr dargebracht, zu Pessach feiert man kein Passahfest, sondern das Fest der ungesäuerten Brote (und mit dem Seder-Abend einen Abglanz des alten Festes, aber ohne Passahlamm), und so weiter.

Aber Gott ist treu, er widerruft Seine Verheißungen nicht, und deshalb hat Gottes Volk der Juden eine Zukunft (vgl. Rö 11,25-29).

Sie Sendereihe mit Ruth Lapide hat mich nur mäßig interessiert, ich habe nur ein paarmal hereingeschaut. Zu dem was sie sagt gilt auf jeden Fall die Jahreslosung: Prüft alles … zuweilen erzählt sie auch »Märchen«.

hkmwk antworten


Helmut-WK
Beiträge : 10218

@ga2 

Noch was zu Pharisäern:

Die waren so was wie eine legale Opposition gegen die Herrschaft der Sadduzäer. Sie hatten deshalb, obwohl vermutlich größtenteils selbst Teil der Oberschicht, die Sympathien der einfachen Leute. Und waren mit Jesus und den Aposteln teilweise befreundet.

Aber Jesus hat sich mit ihnen auch gezofft (der Vorwurf des »Fressers und Weinsäufers« kam wohl von ihnen, Jesus hat ja auch scharfe Worte gefunden).

Die Sadduzäer, die zuweilen nicht klar von den Pharisäern unterschieden werden (insbesondere nicht in Mt 23), waren da anders. Die fürchteten um ihre Macht, und bei bei Josephus kann man lesen, dass die dazu bereit waren, über Leichen zu gehen. In diesem Fall Jesu Leiche. Pharisäer wie Nikodemus (oder später Gamliël) waren gegen dieses Vorgehen.

Ja, man kann durchaus gewisse Sympathien mit den Pharisäern haben - aber man sollte Jesu Warnung vor deren Sauerteig (der Heuchelei, die sich ausbreitet, wenn die ethischen Vorgaben zu groß sind und die Vergebung wenig erwähnt wird) nicht vergessen.

hkmwk antworten
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