Alle Fluechtlinge s...
 
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Alle Fluechtlinge sind gleich, manche sind gleicher

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tristesse
Themenstarter
Beiträge : 16837

Hallo Community,

ich verlinke Euch mal einen Artikel der TAZ, der kürzlich im Zusammenhang mit der ukrainischen Flüchtlingspolitik veröfflicht wurde.

https://taz.de/Europas-Fluechtlingspolitik/!5835227/

Aus dem Artikel:
"Über 2.700 Migranten starben laut der Internationalen Organisation für Migration der UN im vergangenen Jahr auf den Fluchtrouten in und nach Europa. Es brauchte dazu keine russische Artillerie und keinen Angriffskrieg. Es war einfach der ganz normale Alltag europäischer Politik. Wie gut, dass dieser Alltag für die Menschen aus der Ukraine jetzt nicht mehr gilt. Wie niederschmetternd für alle anderen."

Ich möchte in diesem Thread das Augenmerk nicht auf die Ukraine richten, sondern auf die Flüchtlinge, die aus Irak, Afghanistan und Afrika versuchen zu uns zu gelangen und weniger herzlich aufgenommen werden als die Ukrainer. Ich konnte meinen Augen kaum trauen, dass Deutsche, die vermutlich noch 2015 gegen ausländische Flüchtlinge gehetzt, bzw. sie komplett ignoriert hatten, auf einmal mit Schildern am Bahnhof standen und wildfremde, andersprachige Ukrainer einpackten und nach Hause mitnahmen.
Vielleicht sind es auch andere, ich will keinem Unrecht tun, aber ohne Frage ist die Solidarität des deutschen Volkes den Ukrainern gegenüber beispiellos.

Und genau in dieser Zeit leiden Flüchtlinge in Lesbos, ertrinken im Mittelmeer und werden völlig ignoriert.

Woran liegt es?
Schiebt es bitte jetzt nicht auf die Entfernung, denn Odessa liegt gerade mal 200 km näher an Berlin als Lesbos.

Ich denke, dass wir unterscheiden zwischen Flüchtling hier und Flüchtling dort. Vielleicht sind es die männlichen Moslems, die wir hier nicht haben wollen, während die ukrainischen Frauen und Kinder mehr unser Herz berühren. Vielleicht ist es der Wunsch, Putin in seine Schranken zu weisen, vielleicht ist es nur eine Art sozial-solidarische-pro-Ukraine-Euphorie, die uns momentan erfasst... aber was wird aus den Tausenden von Flüchtingen, die bleiben, wenn der Krieg nicht endet?

Haben sich all die Menschen, die in einer eventuellen Kurzschlusshandlung zum Bahnhof geeilt sind, überhaupt darüber Gedanken gemacht, wie es ist, langfristig Flüchtlinge aufzunehmen? Was ist, wenn die nicht gehen? Was wenn die zunehmend Kosten verursachen? Die sprachlichen Differenzen Missverständnisse verursachen? Was wenn die vielen Kinder aus dem Ruder laufen und auffällig werden? Wenn wir merken, wie traumatisiert diese Flüchtlinge sind? Wo landen sie, wenn sie zu unbequem werden?

Wer soll das alles bezahlen... die Bildung, Sozialleistungen, Kleidung, Essen, etc. ?

Versteht mich nicht falsch, ich bin sehr dafür zu helfen, wenn Not am Mann ist und man helfen kann. Aber was bedeutet es, wenn wir hier Ukrainern unsere Türen weit aufmachen und die Flüchtlinge auf Lesbos in ihren Zelten sitzen und auf Deutschland sehen und merken, dass man sie ungesehen verrecken lässt? Mir bricht das Herz.

Kann es sein, dass wir in der Flüchtlingspolitik nicht konsequent und gerecht sind?

Fragen, Fragen, Fragen... ohne Antwort.

Wie seht Ihr das?
Trissi

Antwort
80 Antworten
Orangsaya
Beiträge : 2875
Veröffentlicht von: @tristesse

Ich möchte in diesem Thread das Augenmerk nicht auf die Ukraine richten, sondern ...

So, das willst du nicht? Dann erkläre mir mal wer in deinem Beitrag die Gleichen sind und wer die Gleicheren ohne Ukrainer sind?

Veröffentlicht von: @tristesse

Ich konnte meinen Augen kaum trauen, dass Deutsche, die vermutlich noch 2015 gegen ausländische Flüchtlinge gehetzt, bzw. sie komplett ignoriert hatten, auf einmal mit Schildern am Bahnhof standen und wildfremde, andersprachige Ukrainer einpackten und nach Hause mitnahmen.

Vielleicht, weil du die damalige Kritik nicht verstehen wolltest, oder konntest. Zunächst einmal finde ich erstaunlich und angenehm, wenn Deutschland ein Volk wo ungefähr 25 Prozent der Bevölkerung durch deutsche Hand ermordet wurden in Deutschland Schutz suchen. Das ist ein großartiges Phänomen. Traurig ist, dass es sich um tatsächliche Flüchtlinge handelt, deren Flucht nicht das Ende der Tragödie ist, denn viele werden ihre Angehörigen verlieren. Das es sich nicht um muslimische Flüchtlinge handelt, ist ein Gerücht. Der 11 jährige Ukrainer der alleine 12.000 Kilometer durch die Ukraine in die Slowakei geflohen heißt z.B Hassan.

orangsaya antworten
13 Antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 16837

Hi,
ich schlage vor, Du versuchst es noch mal weniger angriffslustig, dann setz ich mich gern mit Dir auseinander. Aber in diesem persönlichen Tonfall nicht.
LG

tristesse antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15302

Vielleicht versuchst du es nochmal neu...

Veröffentlicht von: @orangsaya

Vielleicht, weil du die damalige Kritik nicht verstehen wolltest, oder konntest.

Wow, was für ein starkes Argument... ja, daran wird's wohl liegen und damit ist dann auch alles gesagt.

Ich kapier's aber auch nicht. Vielleicht erklärst du es einfach nochmal?

Veröffentlicht von: @orangsaya

Zunächst einmal finde ich erstaunlich und angenehm, wenn Deutschland ein Volk wo ungefähr 25 Prozent der Bevölkerung durch deutsche Hand ermordet wurden in Deutschland Schutz suchen.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass einige Ukrainer, die mit den damaligen Mördern zusammengearbeitet habe, heute noch als Helden verehrt werden?

Persönlich denke ich, dass diese Dinge heute kaum noch eine Rolle spielen, die wollen einfach nur in ein Land, wo sie sicher leben können.

Aber wenn du schon mit solchen Argumenten kommst, dann solltest du bitte die ganze Geschichte sehen... einschließlich der echten Nazis, die auch heute noch auf Seite der Ukraine kämpfen. Und wir müssen davon ausgehen, dass zumindest einige der Flüchtlinge, die wir hier aufnehmen, derartiges Gedankengut teilen.

Auch das ist für kein Argument gegen die Aufnahme von Flüchtlingen. Wenn man tausende von Menschen aufnimmt, dann kann man nicht erwarten, dass das alles fromme und gutherzige Leute sind, da gibt es immer solche und solche.

Veröffentlicht von: @orangsaya

Das es sich nicht um muslimische Flüchtlinge handelt, ist ein Gerücht. Der 11 jährige Ukrainer der alleine 12.000 Kilometer durch die Ukraine in die Slowakei geflohen heißt z.B Hassan.

Willst du uns jetzt veralbern? In der Ukraine haben gerade mal 1,2 % der Menschen einen muslimischen Glauben. In Deutschland sind es 5%.

Ich würde sagen, du entsorgst deine bisherige Argumentation einfach und versuchst es nochmal neu. Dann könnte ich das vielleicht auch ernst nehmen.

lucan-7 antworten
paramaribo1954
(@paramaribo1954)
Beigetreten : Vor 7 Monaten

Beiträge : 504
Veröffentlicht von: @lucan-7

Aber wenn du schon mit solchen Argumenten kommst, dann solltest du bitte die ganze Geschichte sehen... einschließlich der echten Nazis, die auch heute noch auf Seite der Ukraine kämpfen. Und wir müssen davon ausgehen, dass zumindest einige der Flüchtlinge, die wir hier aufnehmen, derartiges Gedankengut teilen.

Hört man da so ein ganz kleines bischen Putin'sches Gedankengut heraus?
Es wäre schön, wenn du das mal klarstellen würdest. 😌😠🤨🤓

paramaribo1954 antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15302
Veröffentlicht von: @paramaribo1954

Hört man da so ein ganz kleines bischen Putin'sches Gedankengut heraus?
Es wäre schön, wenn du das mal klarstellen würdest.

Es gibt nicht immer nur schwarz und weiss, auch wenn die Welt dann schön einfach und verständlich bleibt.

Ich meinte beispielsweise das Asow Regiment in der Ukraine:

https://de.wikipedia.org/wiki/Regiment_Asow

Sowie zweifelhafte Menschen, die auch heute noch als Helden verehrt werden - wie etwa Stepan Bandera, der mit den Nazis zusammenarbeitete und nach dem auch heute noch etliche Straßen in der Ukraine benannt sind:

https://de.wikipedia.org/wiki/Stepan_Bandera

Was deinen Vorwurf von "Putinschem Gedankengut" betrifft: Eine gute Propaganda lügt nicht das Blaue vom Himmel, sondern verzerrt die Wahrheit, so dass sie glaubwürdiger erscheint.

Und weil es wirklich "Nazi-Militzen" in der Ukraine gibt bekommt dadurch auch die Behauptung, die Regierung bestünde aus "Nazis" eine größere Glaubwürdigkeit.

lucan-7 antworten
JohnnyD
(@johnnyd)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 1340
Veröffentlicht von: @lucan-7

Eine gute Propaganda lügt nicht das Blaue vom Himmel, sondern verzerrt die Wahrheit, so dass sie glaubwürdiger erscheint.

Sie tut zum Beispiel so, als sei etwas Extremes repräsentativ für den Rest. Sie wiederholt und wiederholt und wiederholt.

Veröffentlicht von: @lucan-7

Und weil es wirklich "Nazi-Militzen" in der Ukraine gibt bekommt dadurch auch die Behauptung, die Regierung bestünde aus "Nazis" eine größere Glaubwürdigkeit.

Im Gegenteil. Bestünde die Regierung aus "Nazis", bräuchte es kein "Regiment Asow". Dieses Regiment würde dann auch nicht in Donbas und Landverbindung Krim eingesetzt (sicherlich die heißesten Regionen, wenn es um ukrainische Verteidigung geht), sondern im Umfeld der Regierung, also in Kiew.

johnnyd antworten
paramaribo1954
(@paramaribo1954)
Beigetreten : Vor 7 Monaten

Beiträge : 504

Hallo Lucan,
ich habe dich um Klärung gebeten und du hast meinem Wunsch ent-sprochen. Dafür danke ich dir sehr!
Meine Reaktion mit dem Putinschen Gedankengutwar nicht besonders Intelligent.
Sie entstand dadurch, dass ich in deinem Beitrag was von Nazi's in der Ukraine gelesen habe.
Du hast das gut richtig gestellt und ich bitte dich, meine in diesem Punkt verbale Ungeschicklichkeit zu entschuldigen.
Ich hoffe sehr, dass du diesen Vauxpass nicht als "Anfeindung" gesehen hast.
LG
paramaribo1954

paramaribo1954 antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15302
Veröffentlicht von: @paramaribo1954

Ich hoffe sehr, dass du diesen Vauxpass nicht als "Anfeindung" gesehen hast.

Über so etwas mache ich mir hier wenig Gedanken... jede "Anfeindung" fällt letztlich auf den zurück, der sie äussert. Aber das hast du ja jetzt klargestellt, danke dafür.

lucan-7 antworten
lubov
(@lubov)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 2434
Veröffentlicht von: @paramaribo1954

Hört man da so ein ganz kleines bischen Putin'sches Gedankengut heraus?

Häh? Muss diese Polemik denn sein? Wozu sind solche Anfeindungen gut?!

Unter den syrischen Flüchtlingen waren durchaus auch IS-Sympatisanten. Ich selbst habe u.a. einem älteren Ehepaar Deutschunterricht gegeben, die ganz offen ihre Unterstützung für den IS erklärten, und stolz waren, dass zwei ihrer Söhne dort kämpften. Aber auch IS-Anhänger wollen lieber in einer Gegend leben, in der sie eine Wohnung mit Elektrizität, Heizung, Warmwasser haben, gute ärztliche Versorgung, gerade im Älterwerden, und so weiter. Nur wenige Menschen wollen in Kriegszuständen leben, verständlicher Weise.

Einer meiner iranischen Schüler hat sehr deutlich die Unterlegenheit aller anderer Nationen gegenüber der seinen erklärt, und die Überlegenheit des Islam gegenüber allen anderen Religionen, und natürlich die der Männer über die Frauen. Auf sehr höfliche, aber völlig felsenfest überzeugte Weise. Einzig, dass er zum Militärdienst hätte gehen müssen, hat ihn aus dem Land getrieben. Darauf hatte er keine Lust.

Ja, sicher. Das sind einzelne. Sie sind keine Beispiele für eine Mehrheit. Die Mehrheit meiner Schülerinnen und Schüler war froh und dankbar, zu leben, in einer freien, demokratischen Umgebung. Sie wollten nicht nur die Sprache lernen und Arbeit finden, sie wollten lernen, was Demokratie, was Freiheit heißt. Aber es gab eben auch andere.

Warum also sollten wir davon ausgehen, dass nicht auch Ukrainer, die z.B. diese Partei wählen oder hier Mitglied sind oder ähnlich denken, hierher kommen? Das ist, wenn ich das richtig sehe, nur eine kleine Minderheit in der Ukraine, aber auch diese Ukrainer sind doch vom Krieg betroffen.

Das hat doch mit "Putin'schem Gedankengut" nichts zu tun?!

lubov antworten
paramaribo1954
(@paramaribo1954)
Beigetreten : Vor 7 Monaten

Beiträge : 504
Veröffentlicht von: @lubov
Veröffentlicht von: @lubov

Hört man da so ein ganz kleines bischen Putin'sches Gedankengut heraus?

Häh? Muss diese Polemik denn sein? Wozu sind solche Anfeindungen gut?!

Man kann auch schnell "überreagieren...

das haben wir beide bewiesen. Ich, mit der überzogenen Frage nach dem Putinschen Gedankengut(was ich mit Lucan geklärt habe) und
du mit deiner übertriebenen Feststellungen von Polemikund Anfeindung
Von Anfeindung konnte da nun wirklich nicht die Rede sein, da es meinerseits eine vorsichtige Anfrageund keine Untersellung oder gar Behauptung gab.

Ich wünsche oder erwarte dazu jetzt keine Antwort, da ich die Punkte mit Lucan geklärt habe.

PS
Danke für deine umfangreicher Erklärung über deine iranischen Schüler und dieses ältere Ehepaar in deinem Deutschunterricht.
Das ist alles sehr beeindruckend.
Nur, mir erschließt sich nicht unbedingt, was das mit dem Begriff
Putinsches Gedankengut zu tun haben soll.

paramaribo1954 antworten
lubov
(@lubov)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 2434
Veröffentlicht von: @paramaribo1954

Nur, mir erschließt sich nicht unbedingt, was das mit dem Begriff Putinsches Gedankengut zu tun haben soll.

Nun, aus deinem Beitrag geht ja klar hervor, dass "Putin'sches Gedankengut" etwas negatives ist - so denkt "der Böse" - mal vereinfacht formuliert.

Lucan sagte:

einschließlich der echten Nazis, die auch heute noch auf Seite der Ukraine kämpfen. Und wir müssen davon ausgehen, dass zumindest einige der Flüchtlinge, die wir hier aufnehmen, derartiges Gedankengut teilen.

und du hast gefragt, ob "man" da Putin'sches Gedankengut heraushört.

Als "damals" die Flüchtlinge kamen, gab es auch Gedanken und Formulierungen, die "die Bösen" nutzten. Sie nutzten sie überspitzt und übertrieben. "Die Flüchtlinge sind alle Islamisten! Die Flüchtlinge sind alle potentielle Vergewaltiger, die kennen keinen Respekt vor Frauen etc. pp."

So, wie Putin grade "die Ukrainer" in großen Teilen zu Nazis macht.

Und natürlich habe ich mich damals wie heute heftig gewehrt gegen polemische Verallgemeinerungen - gegen "Putin'sches Gedankengut" eben.

Aber: Wer feststellt, dass damals u.a. auch IS-Sympatisanten nach Deutschland kamen, ist ebensowenig Fremdenfeind - und es sollte ihm auch nicht unterstellt werden - wie jemand, der heute (wie Lucan) drauf hinweist, dass nicht auszuschließen ist, dass Nazis unter den Ukraineflüchtlingen sind, sich anhören müssen sollte, dass er Putin-Freund ist bzw. Putin'sches Gedankengut vertritt.

lubov antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 16837

Übrigens...

Veröffentlicht von: @orangsaya

Der 11 jährige Ukrainer der alleine 12.000 Kilometer durch die Ukraine in die Slowakei geflohen heißt z.B Hassan.

Die Ukraine und die Slowakei liegen gerade mal so 1000 km auseinander, ich vermute Du wolltest 1200 schreiben?

tristesse antworten
JohnnyD
(@johnnyd)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 1340
Veröffentlicht von: @orangsaya

Zunächst einmal finde ich erstaunlich und angenehm, wenn Deutschland ein Volk wo ungefähr 25 Prozent der Bevölkerung durch deutsche Hand ermordet wurden in Deutschland Schutz suchen. Das ist ein großartiges Phänomen.

Oh ja.

Veröffentlicht von: @orangsaya

Das es sich nicht um muslimische Flüchtlinge

ok, muslimische Flüchtlinge sind hier wohl eher Einzelbeispiele. Ukraine hat auf der Krim nennenswert Muslime; ansonsten ist es in Galizien katholisch und der Rest überwiegend orthodox.

Die russische Invasion lässt sich interessanterweise auch als Fortsetzung der religiösen Auseinandersetzung zwischen ukrainisch-orthodoxer und russisch-orthodoxer Kirche erzählen. Da knirscht es in den letzten paar Jahren offenbar sehr ordentlich.

johnnyd antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2026
Veröffentlicht von: @johnnyd

Die russische Invasion lässt sich interessanterweise auch als Fortsetzung der religiösen Auseinandersetzung zwischen ukrainisch-orthodoxer und russisch-orthodoxer Kirche erzählen.

Darauf weise ich per Bezugnahme auf Huntington seit Wochen hin.

jack-black antworten


Lombard3
Beiträge : 4292

Junge Männer vs. Frauen und Kinder / unser Konflikt
Ich kann nur von mir reden.

Mir geht es so - und gerne korrigieren - dass es bei Flüchtlingen aufgrund des Konflikts in Syrien (IS) den Eindruck hatte, dass eher junge Männer kommen.

Und das fand ich irgendwie nicht in Ordnung, da es mir so schien, dass Frauen, Kinder und Ältere zurückgelassen werden.

Und das bringe ich mit der dortigen Mentalität in Verbindung, in der bspw. Frauen aufgrund religiöser oder tradioneller Ansichten unterdrückt werden. (oder aus anderen Gründen).

Aber generell finde ich, sollte man keinen Unterschied machen.

Man kennt ja auch nicht die Situation vor Ort.

Ein anderer Grund bei der Ukraine ist, dass der Konflikt ist viel mehr geographisch betrifft und wir auch bspw. durch die Politker und Botschafter der Ukraine angesprochen wurden (Selynski).

Während bei Sysrien bspw. es recht anonym ist: "Wer flüchtet vor wem und warum?"

lombard3 antworten
3 Antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 15887
Veröffentlicht von: @lombard3

Mir geht es so - und gerne korrigieren - dass es bei Flüchtlingen aufgrund des Konflikts in Syrien (IS) den Eindruck hatte, dass eher junge Männer kommen.

Das hat sicher verschiedene Gründe.
Einer, der mir aufgrund des Identitätsverständnisses von Moslems präsent ist, ist die Erhaltung des Volkes samt Islam, denn wenn ein Moslem eine Frau einer anderen Identität heiratet, müssen die Kinder seiner Überzeugung nach moslemisch erzogen werden und sie gehören ihm, nicht der Frau.
Heiratet ein Mann einer anderen Identität eine moslemische Frau, sieht das anders aus. Deswegen gibt es ja die Ungleichbehandlung, dass zwar moslemische Männer andere Frauen heiraten dürfen, moslemische Frauen aber möglichst niemals einen anderen Mann heiraten sollen. Das ist ein -1- Hintergrund der Ehrenmorde.

Im westlichen Identitätsdenken ist die Nationalität nicht mit der Religion verknüpft. Das gibt ganz andere Verhaltensweisen.
Frauen mit Kindern sichern die nächste Generation über Mädchen und Jungen. Zudem durften die wehrfähigen Männer nicht ausreisen, um zu Hause das Land zu verteidigen.
Ausserdem wollen die Frauen wieder zurück in ihre Heimat. Sie sind ganz anders heimatverbunden.

deborah71 antworten
Tineli
(@tineli)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 1367

Beim Syrienkonflikt kamen die Männer, weil die Flucht schwierig war. Es gab lange Fußmärsche oder es ging in kleinen Schlauchbooten übers Meer. Alles war ungewiss. Da sind oft die Männer gegangen, um von Deutschland aus die Frauen und Kinder auf sichereren Routen nachzuholen. Das hat vermutlich nichts oder nur wenig damit zu tun, dass die Frauen im Islam weniger wert sind. Das hätten wir Christen vielleicht auch getan. Und es war vielleicht auch so, dass die Männer davor geflohen sind, in den Krieg ziehen zu müssen, während diese Gefahr für Frauen und Kinder nicht bestand.

Im Ukrainekonflikt dürfen die Männer das Land bekanntlich nicht verlassen, und so bringen sich eben nur Frauen und Kinder in Sicherheit.

Gruß, Tineli

tineli antworten
Lombard3
(@lombard3)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 4292
Veröffentlicht von: @tineli

Beim Syrienkonflikt kamen die Männer, weil die Flucht schwierig war. Es gab lange Fußmärsche oder es ging in kleinen Schlauchbooten übers Meer.

Ja, das hatte ich auch noch im Hinterkopf.

Ich denke auch, dass man dies nicht vergessen darf.

Ohne diese Informationen und Reflektionen ist es bei mir (jedenfalls) so, dass ich das nicht in Ordnung fand.

Aber man muss sich immer genau informieren.

Ich glaube, in der Ukraine viel es auch leichter, sich ein Bild vor Ort zu machen.

In Syrien gab es glaube ich auch 3 Parteien:

- Assad Anhänger bzw. Assad
- gemäßigte Moslems (für deren Verhältnisse gemäßigt)
- der IS

Ich glaube - auch hier gerne korrigieren - dass viel von den gemäßigten Moslems geflüchtet sind.

Nachtrag vom 20.03.2022 0914
Während der IS kämpferisch war.

Wobei die (gemäßigten) Moslems auch dann wiederum diejenigen waren, die gegen Assad aufgestanden sind (aus sicherlich nachvollziehbaren Gründen).

lombard3 antworten
Lucan-7
Beiträge : 15302

Begründeter Rassismus...

Veröffentlicht von: @tristesse

aber ohne Frage ist die Solidarität des deutschen Volkes den Ukrainern gegenüber beispiellos.

Und genau in dieser Zeit leiden Flüchtlinge in Lesbos, ertrinken im Mittelmeer und werden völlig ignoriert.

Woran liegt es?

Ich sehe hier etwas, das ich "begründeten Rassismus" nennen würde (Das Wort Rassismus ist zwar Unsinn, weil es ja nicht um "Rassen" geht, aber es ist halt etabliert).

Denn natürlich werden hier Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Kultur und Religion in zwei verschiedene Klassen eingeteilt. Die einen sind uns willkommen, die anderen nicht. Und das ist Rassismus.

Man sollte aber auf der anderen Seite auch nicht völlig ignorieren, dass Menschen aus manchen Kulturen tatsächlich schwieriger zu integrieren sind als Andere. Und gerade solche, die durch den Islam geprägt sind, vertreten teilweise Werte, die mit unseren demokratischen, freiheitlichen Grundwerten nicht zu vereinbaren sind.

Hinzu kommen andere kulturelle Unterschiede, die hierzulande oft völlig ignoriert werden. So ist vielen Flüchtlingen das Wesen eines Staates, wie wir ihn hier in Europa kennen, völlig fremd. Der "Staat" ist für einen Syrer oder Afghanen in erster Linie eine bewaffnete Miliz, von der man sich besser fernhält. Mit etwas Glück sorgt der "Staat" für Strom und Wasser und eine funktionierende Infrastruktur, manchmal bietet er auch bezahlte Arbeit. Aber mit "Heimat" hat das nichts zu tun - "Heimat", das ist das eigene Volk und die Familie. Und diese Sichtweise behalten sie dann auch hierzulande bei.

Und dann kommen Leute daher, die was von "Integration" faseln und erwarten, dass diese Leute erst deutsch lernen und dann der Fussballnationalmannschaft zujubeln.
In der Realität beschränkt sich eine gelungene "Integration" darauf, dass die Leute sich auf deutsch verständlich machen können, eine reguläre Arbeit finden und sich ansonsten zurückhalten.

Die Ukrainer stehen uns in dieser Hinsicht kulturell tatsächlich (meistens) näher. Und natürlich wirkt sich das auf die "Willkommenskultur" aus.

Ich selber versuche immer wieder den einzelnen Menschen zu sehen. Und da gibt es auch unter Syrern und Afghanen solche und solche.
Es gibt Leute, mit denen man gerne zusammen arbeitet, die sich wirklich Mühe geben und sich ein Leben aufbauen wollen.
Und es gibt auch solche, die einfach nur alles zusammenraffen wollen, was ihnen angeboten wird, weil sie glauben , die westliche Kultur sei "verweichlicht" und sie selber seien zumindest moralisch überlegen. Eine Einstellung die zwangsläufig zu Konflikten führt.

Auch mit den Ukrainern wird das nicht viel anders sein. Dass hier im wesentlichen Frauen und Kinder kommen wird aber sicher einen Unterschied in der Wahrnehmung machen.

Ich fürchte, dass Rassismus nichts ist, was sich so einfach überwinden lässt. Gerade der Krieg in der Ukraine hat gezeigt, wie schnell manche Werte über den Haufen geschmissen werden. Männer an die Front, Frauen und Kinder auf der Flucht, unser "Nachbarvolk" besteht aus lauter "Brüdern und Schwestern", denen wir helfen müssen.
Ganz anders bei den "Fremden", die aus einer anderen Kultur stammen.

Ich fürchte da steckt auch manches an menschlichen Instinkten dahinter, die sich nicht so ohne weiteres ignorieren lassen...

lucan-7 antworten
1 Antwort
BeLu
(@belu)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 4119
Veröffentlicht von: @lucan-7

Denn natürlich werden hier Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Kultur und Religion in zwei verschiedene Klassen eingeteilt. Die einen sind uns willkommen, die anderen nicht. Und das ist Rassismus.

So ist es.

Ich denke, die größere kulturelle Nähe macht hier einen wesentlichen Teil des Unterschieds. Die Ukrainer werden als Europäer wahrgenommen, sie sind "uns" ähnlicher als Syrer, Afghanen oder Somalier. Daher hat man ihnen gegenüber weniger Vorbehalte. (Wären unter den ukrainischen Flüchtlingen viele Roma, wäre das wohl schon wieder anders. Aber Roma scheint es in der Ukraine nicht so viele zu geben.)

Ein weiterer Punkt ist, dass man vermutlich hofft, dass der Ukrainekrieg nicht so lange dauert und die Ukrainer danach wieder in ihre Heimat zurückkehren. Sie sind also nur vorübergehend da (ob das tatäschlich so ist, bleibt abzuwarten). Wenn jemand jetzt aber aus Afghanistan oder dem Irak oder Eritrea kommt, geht wohl kaum jemand davon aus, dass der in absehbarer Zeit zurückkehrt.

belu antworten


frischebrise
Beiträge : 266

Wie Du schreibst, Du weiß nicht ob die mit den Schildern jetzt am Bahnhof stehen und Flüchtlinge willkommen heißen 2015 gegen diese waren.

Ich denke es erschüttert momentan mehr, weil man durchaus nicht weiß ob dies bei dem einen Land bleibt oder vielleicht auch unser Land treffen könnte. Wer sagt denn dass es nicht noch andere Länder betrifft. Wir selbst mal als Flüchlinge uns woanders hin begeben müssen? Bloß wo sollten wir dann noch hin - wer würde uns aufnehmen?

frischebrise antworten
Tagesschimmer
Beiträge : 944
Veröffentlicht von: @tristesse

Kann es sein, dass wir in der Flüchtlingspolitik nicht konsequent und gerecht sind?

Wir sind nie konsequent und gerecht. Noch dazu ist diese Situation einfach zu komplex für uns. Es ist unmöglich, im einzelnen alle Komponenten zu finden und zu gewichten, die hier hineinspielen.

Es ist nicht das Dümmste, sich in so einer Situation auf die eigene Intuition zu verlassen. Ist diese nicht geschult, kommt aber oft noch mehr Ungerechtigkeit heraus. Also was hilft? Immer was anderes. Manchmal geschieht eine Katastrophe, wenn man nicht handelt und wenn man handelt, gibt es eine andere Katastrophe, vielleicht eine kleinere.

Veröffentlicht von: @tristesse

Wie seht Ihr das?
Trissi

Es gibt oft nicht den perfekten Weg. Wir müssen aufhören, einander jeden Fehler vorzuwerfen.

tagesschimmer antworten
2 Antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15302
Veröffentlicht von: @tagesschimmer

Es gibt oft nicht den perfekten Weg. Wir müssen aufhören, einander jeden Fehler vorzuwerfen.

Auch wenn wir auf "Vorwürfe" verzichten sollten wir Fehler dennoch als solche benennen. Das ist nicht unbedingt dasselbe.

lucan-7 antworten
Tagesschimmer
(@tagesschimmer)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 944

Stimmt

tagesschimmer antworten


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