Alle Fluechtlinge s...
 
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Alle Fluechtlinge sind gleich, manche sind gleicher

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tristesse
Themenstarter
Beiträge : 17057

Hallo Community,

ich verlinke Euch mal einen Artikel der TAZ, der kürzlich im Zusammenhang mit der ukrainischen Flüchtlingspolitik veröfflicht wurde.

https://taz.de/Europas-Fluechtlingspolitik/!5835227/

Aus dem Artikel:
"Über 2.700 Migranten starben laut der Internationalen Organisation für Migration der UN im vergangenen Jahr auf den Fluchtrouten in und nach Europa. Es brauchte dazu keine russische Artillerie und keinen Angriffskrieg. Es war einfach der ganz normale Alltag europäischer Politik. Wie gut, dass dieser Alltag für die Menschen aus der Ukraine jetzt nicht mehr gilt. Wie niederschmetternd für alle anderen."

Ich möchte in diesem Thread das Augenmerk nicht auf die Ukraine richten, sondern auf die Flüchtlinge, die aus Irak, Afghanistan und Afrika versuchen zu uns zu gelangen und weniger herzlich aufgenommen werden als die Ukrainer. Ich konnte meinen Augen kaum trauen, dass Deutsche, die vermutlich noch 2015 gegen ausländische Flüchtlinge gehetzt, bzw. sie komplett ignoriert hatten, auf einmal mit Schildern am Bahnhof standen und wildfremde, andersprachige Ukrainer einpackten und nach Hause mitnahmen.
Vielleicht sind es auch andere, ich will keinem Unrecht tun, aber ohne Frage ist die Solidarität des deutschen Volkes den Ukrainern gegenüber beispiellos.

Und genau in dieser Zeit leiden Flüchtlinge in Lesbos, ertrinken im Mittelmeer und werden völlig ignoriert.

Woran liegt es?
Schiebt es bitte jetzt nicht auf die Entfernung, denn Odessa liegt gerade mal 200 km näher an Berlin als Lesbos.

Ich denke, dass wir unterscheiden zwischen Flüchtling hier und Flüchtling dort. Vielleicht sind es die männlichen Moslems, die wir hier nicht haben wollen, während die ukrainischen Frauen und Kinder mehr unser Herz berühren. Vielleicht ist es der Wunsch, Putin in seine Schranken zu weisen, vielleicht ist es nur eine Art sozial-solidarische-pro-Ukraine-Euphorie, die uns momentan erfasst... aber was wird aus den Tausenden von Flüchtingen, die bleiben, wenn der Krieg nicht endet?

Haben sich all die Menschen, die in einer eventuellen Kurzschlusshandlung zum Bahnhof geeilt sind, überhaupt darüber Gedanken gemacht, wie es ist, langfristig Flüchtlinge aufzunehmen? Was ist, wenn die nicht gehen? Was wenn die zunehmend Kosten verursachen? Die sprachlichen Differenzen Missverständnisse verursachen? Was wenn die vielen Kinder aus dem Ruder laufen und auffällig werden? Wenn wir merken, wie traumatisiert diese Flüchtlinge sind? Wo landen sie, wenn sie zu unbequem werden?

Wer soll das alles bezahlen... die Bildung, Sozialleistungen, Kleidung, Essen, etc. ?

Versteht mich nicht falsch, ich bin sehr dafür zu helfen, wenn Not am Mann ist und man helfen kann. Aber was bedeutet es, wenn wir hier Ukrainern unsere Türen weit aufmachen und die Flüchtlinge auf Lesbos in ihren Zelten sitzen und auf Deutschland sehen und merken, dass man sie ungesehen verrecken lässt? Mir bricht das Herz.

Kann es sein, dass wir in der Flüchtlingspolitik nicht konsequent und gerecht sind?

Fragen, Fragen, Fragen... ohne Antwort.

Wie seht Ihr das?
Trissi

Antwort
80 Antworten
1-ichthys
Beiträge : 643
Veröffentlicht von: @tristesse

Vielleicht sind es die männlichen Moslems, die wir hier nicht haben wollen, während die ukrainischen Frauen und Kinder mehr unser Herz berühren.

Ich hatte 2015 den Eindruck, dass es eben vor allem auch um die flüchtenden Kinder und Frauen ging. Ich bin auch der Meinung, wenn die damalige Flüchtlingswelle eben nur aus Familien bestanden hätte, dann wäre das ganze damals nicht so aufgeschaukelt. So waren fast 70% der damaligen Flüchtlinge allein reisende moslemische Männer, die hinterher in vielen Fällen hier in D unangenehm aufgefallen sind.

Veröffentlicht von: @tristesse

Kann es sein, dass wir in der Flüchtlingspolitik nicht konsequent und gerecht sind?

Europa kann nicht alle Flüchtlinge dieser Welt aufnehmen. Und da die Ukrainer kulturell uns näher stehen, ist es einfacher sie zu integrieren, als patriarchalische Moslems aus Afghanistan oder Syrien. Weiterhin wollen die meisten Ukrainer wieder alsbald in ihre Heimat zurück, bei den Flüchtlingen aus 2015 dagegen nicht. Das alles macht m. E. den Unterschied zwischen heute und 2015 aus.

1-ichthys antworten


JohnnyD
Beiträge : 1340

2015 wurde die Flüchtlinge in den ersten Wochen auf willkommen geheißen - weiter als diese ersten Wochen sind wir 2022 noch nicht. Diffamierungskampagnen und Neiddebatten gegen ukrainische Flüchtlinge werden schon noch kommen.

johnnyd antworten
5 Antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2112
Veröffentlicht von: @johnnyd

Diffamierungskampagnen und Neiddebatten gegen ukrainische Flüchtlinge werden schon noch kommen.

So sicher wie das Amen in der Kirche.

jack-black antworten
Tamaro
 Tamaro
(@tamaro)
Beigetreten : Vor 5 Jahren

Beiträge : 1128
Veröffentlicht von: @johnnyd

Diffamierungskampagnen und Neiddebatten gegen ukrainische Flüchtlinge werden schon noch kommen.

In der Schweiz gibt es jedenfalls schon solche, die zwischen "echten" (solche die "ethnische" Ukrainer sind" und "unechten" (solche die aus einem anderen Staat stammen und bloss über einen ukrainischen Pass verfügen) ukrainischen Flüchtlingen unterscheiden.

tamaro antworten
lubov
 lubov
(@lubov)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 2447

Wie ist denn das Verfahren gegenüber "echten" und "unechten" Ukrainern?

lubov antworten
Tamaro
 Tamaro
(@tamaro)
Beigetreten : Vor 5 Jahren

Beiträge : 1128
Veröffentlicht von: @lubov

Wie ist denn das Verfahren gegenüber "echten" und "unechten" Ukrainern?

Es gibt kein solches Verfahren. Es sind "lediglich" einige SVP-Exponenten, die in solche Kategorien denken.

Die SVP-Leute verlangen zudem, dass Leute ohne ukrainischen Pass, die aber in der Ukraine gelebt haben, in ihr Herkunftsland zurückgehen und nicht in die Schweiz einreisen sollen.

Derzeit ist es so, dass alle ukrainischen Flüchtlinge den Schutzstatus S erhalten. D.h., sie dürfen ab sofort in der Schweiz arbeiten, eine Wohnung suchen, erhalten Sozialhilfe und sind krankenversichert. Das ist natürlich "attraktiv".

Die SVP befürchtet nun, dass viele mit aus ihrer Sicht unangenehmen Herkunft dies ausnützen könnten (inklusive Kriminelle).

tamaro antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15625
Veröffentlicht von: @tamaro

Die SVP befürchtet nun, dass viele mit aus ihrer Sicht unangenehmen Herkunft dies ausnützen könnten (inklusive Kriminelle).

Natürlich wird so etwas auch von Kriminellen ausgenutzt.

Ist aber kein Grund, nicht zu helfen.

lucan-7 antworten
paramaribo1954
Beiträge : 510
Veröffentlicht von: @tristesse

Fragen, Fragen, Fragen... ohne Antwort.

Ich versuch es mal.

Veröffentlicht von: @tristesse

Haben sich all die Menschen, die in einer eventuellen Kurzschlusshandlung zum Bahnhof geeilt sind, überhaupt darüber Gedanken gemacht, wie es ist, langfristig Flüchtlinge aufzunehmen? Was ist, wenn die nicht gehen? Was wenn die zunehmend Kosten verursachen? Die sprachlichen Differenzen Missverständnisse verursachen? Was wenn die vielen Kinder aus dem Ruder laufen und auffällig werden? Wenn wir merken, wie traumatisiert diese Flüchtlinge sind? Wo landen sie, wenn sie zu
unbequem werden?

Diese vielen Menschen hatten wohl offensichtlich wenig oder keine Zeit zu überlegen, ob sie diese umkämpften und von Bomben bedrohten Städte Hals über Kopf verlassen mußten um ihr nacktes Leben zu retten. Da von Kurzschlußhandlung zu sprechen halte ich für unzutreffend.
Es ist durchaus bemerkenswert, dass es da in der Tat Unterschiede in der allgemeinen Behandlung der Flüchtlingsströme von 2015 und den aktuellen aus der Ukraine. Da sind die größen kulturellen Ver-schiedenheiten und natürlich der Graben zwischen Christen und Muslimen. Für einen nicht geringen Teil der Deutschen war der Begriff "Wirtschafts-flüchtling" Grund für ihre Ablehnung.
Dagegen kommen aus der Ukraine, wenn auch in unvorstellbar großer Zahl, erst einmal "Menschen wie du und ich!" Dazu noch überwigend Frauen mit Kindern und ältere Menschen.
Weil die Wehrfähigen Männer das land nicht verlassen dürfen, weil sie zur verteidigung benötigt werden!
Währen es bei den Flüchtlingen 2015 überwiegend junge Männer waren. Vielfach ohne Ausbildung und dann noch Moslems.

Kanzler Scholz spricht zurecht von einer echten Zeitenwende.
Da kommt noch sehr , sehr vieles auf uns zu. Und nicht viel Gutes.

Veröffentlicht von: @tristesse

Kann es sein, dass wir in der Flüchtlingspolitik nicht konsequent und gerecht sind?

Das kann man erst später verläßlich beurteilen.
Aber wir zun unser Bestes.

paramaribo1954 antworten


Kantor
 Kantor
Beiträge : 18

Siehst Du keine Fernsehnachrichten?

Der Unterschied ist nicht die Entfernung, sondern:

a) die Ukraine wurde und wird angriffen, zivile Ziele wie Wohnhäuser, Schulen und Krankenhäuser werden bombardiert und mit Raketen beschossen. Ukrainer sind Kriegsflüchtlinge, ihr Leben ist akut bedroht durch Bomben und Raketen.
Es kommen nur Frauen und Kinder. Die Männer zwischen 18 und 60 Jahren dürfen das Land nicht erlassen. Sie werden zur Verteidigung benötigt.

b) Die von Dir genannten Gruppen kommen mit Ausnahme aus Syrien aus Ländern, in denen gar kein Krieg sondern demokratische Verhältnisse herrschen. Wer in dem von Dir genannten Lesbos ist, ist in Sicherheit, reiste aus der sicheren Türkei dort hin, will aber weiter durch einige Länder bis nach Deutschland ziehen, ohne bedroht zu sein, weil ihnen die Fluchthelfer gesagt haben, dass es in Deutschland die größten Sozialleistungen abzugreifen gibt und es kaum ein Risiko der Abschiebung gibt.

Es handelt sich mit Ausnahme der Syrer nicht um Flüchtlinge, [r]sondern um Wirtschaftsmigranten, junge Männer mit starken Ellenbogen,[/r] die das Geld für Fluchthelfer bezahlen konnten.

Die Ukrainer sind gut ausgebildete Personen. Wäre ja schön, wenn einige von denen in Deutschland blieben und hier arbeiten. Aber die von Dir genannten Gruppen sind oft halbe Analphabeten, sind[r] Glücksritter[/r], sind unserer Kultur fremd, viele werden ewig in der Sozialhilfe bleiben.

Vor diesen Leuten habe ich Angst, wenn ich nachts in Berlin mit der S-Bahn fahre, ich traue mich nicht, eine Gruppe von jungen Migranten-Männern zu bitten, dass sie in der Bahn ihre Maske aufsetzen möchten, ich möchte kein Messer in den Bauch bekommen.
Ich habe Angst, wenn ich im Görlitzer Park keine Drogen kaufen möchte, wenn ich über unsere Weihnachtsmärkte gehe, ohne dass jemand wie Anis Amri aus Tunesien mit dem gestohlenen Lkw über mich fährt, dass so etwas wieder von jungen Migranten passiert, die laut offizieller Lesart bei uns Schutz suchen:

https://www.sueddeutsche.de/politik/uebergriffe-in-koeln-1200-frauen-wurden-opfer-von-silvester-gewalt-1.3072064

Ich bin sicher, das wird uns von den temporär zu uns geflüchteten ukrainischen Frauen und Kinder nicht drohen. Die sind dankbar, hier Schutz gefunden zu haben, werden unsere Gastfreundschaft nicht missbrauchen und nach dem Kriegsende wieder in ihre Heimat zu Ihren Männern zurückkehren.

kantor antworten
3 Antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15625
Veröffentlicht von: @kantor

Wer in dem von Dir genannten Lesbos ist, ist in Sicherheit, reiste aus der sicheren Türkei dort hin, will aber weiter durch einige Länder bis nach Deutschland ziehen, ohne bedroht zu sein, weil ihnen die Fluchthelfer gesagt haben, dass es in Deutschland die größten Sozialleistungen abzugreifen gibt und es kaum ein Risiko der Abschiebung gibt.

Da empfehle ich dir mal deinen eigenen Ratschlag:

Veröffentlicht von: @kantor

Siehst Du keine Fernsehnachrichten?

Es ist auch irgendwie orginell, dass du offenbar meinst, man könnte die Flüchtlinge einfach irgendwo an der europäischen Grenze sammeln... statt sie gleichmäßig auf die EU zu verteilen.

Veröffentlicht von: @kantor

Vor diesen Leuten habe ich Angst, wenn ich nachts in Berlin mit der S-Bahn fahre, ich traue mich nicht, eine Gruppe von jungen Migranten-Männern zu bitten, dass sie in der Bahn ihre Maske aufsetzen möchten, ich möchte kein Messer in den Bauch bekommen.
Ich habe Angst, wenn ich im Görlitzer Park keine Drogen kaufen möchte, wenn ich über unsere Weihnachtsmärkte gehe, ohne dass jemand wie Anis Amri aus Tunesien mit dem gestohlenen Lkw über mich fährt, dass so etwas wieder von jungen Migranten passiert, die laut offizieller Lesart bei uns Schutz suchen:

Für deine Ängste können die Flüchtlinge nichts.

lucan-7 antworten
Kantor
 Kantor
(@kantor)
Beigetreten : Vor 6 Monaten

Beiträge : 18
Veröffentlicht von: @lucan-7

Es ist auch irgendwie orginell, dass du offenbar meinst, man könnte die Flüchtlinge einfach irgendwo an der europäischen Grenze sammeln... statt sie gleichmäßig auf die EU zu verteilen.

Originell wäre das nicht von mir, weil schon etliche EU-Politiker diese Idee haben. Andere Länder führen das so durch und haben kaum Probleme mit Migranten, siehe Australien, die sammeln die Migranten auf einer Insel. Dort ist klar, dass jeder, der illegal per Boot nach Australien einreisen will, dieses Ziel nicht erreichen wird.

Das klingt hart, aber wer soll entscheiden, wer in einem Land einreist und aufgenommen wird: Das entsprechende Land bzw. dessen Regierung selbst, oder die Fluchthelfermafia eines Migranten?

Gerade jetzt sieht man doch große menschliche Kraft und Hilfe: Ukrainische Frauen und Kinder werden herzlich aufgenommen, auch von den Ländern, die sich vorher Wirtschaftsmigranten verschlossen hatten, wie Polen und Ungarn.

Mein Punkt war, dass man nicht die Flüchtlinge aus der Ukraine mit den Wirtschaftsmigranten auf Lesbos vergleichen kann.

Man sieht jeden Tag mehrmals, wie die russische Armee Wohnhäuser und die zivile Infrastruktur in der Ukraine zerbombt.

Auf Lesbos besteht keine Todesgefahr, auch nicht in der Türkei, wo die Migranten waren, bevor sie nach Griechenland weiterreisten, und die meisten dieser Migranten stammen aus Ländern, in denen kein Krieg herrscht, sondern demokratische Verhältnisse mit Wahlen.

Es wäre ja tatsächlich eine gute Idee, die ukrainischen Flüchtlinge mit einem Schlüssel auf die EU zu verteilen. Die Verwaltung in Berlin, wo sehr viele Flüchtlinge ankommen, ist mit deren Registrierung überfordert. Das ist nicht neu, weil diese Verwaltung permanent überfordert ist, siehe Bürgerämter oder die Organisation der letzten Wahl.

Über einen Verteilungsschlüssel redet die EU schon seit 2015 darüber ohne Ergebnis. Da denke ich, der Krieg in der Ukraine wird schneller zu Ende sein, bevor die EU zu irgendwelchen Ergebnissen kommen wird.

Natürlich könnte man alle Migranten, die z.B. jetzt gerade auf Lesbos sind, nach Deutschland holen.
Aber das Ergebnis wird klar sein: Das ist ein Pull-Effekt, die jungen Männer, hier angekommen, teilen mit ihren Smartphones ihren Daheimgebliebenen mit, dass sie ihr Ziel Deutschland erreicht haben, das mit der Vollversorgung und Sozialhilfe hat geklappt, und in spätestens in drei Monaten werden auf Lesbos wahrscheinlich doppelt so viele neue Migranten sitzen wie es heute sind, und das Spiel geht von Neuem los..

Nikolas Sarkozy als ehemaliger französischer Präsident sagte zur Quotenregelung: "In einem Haus gibt es ein Wasserrohr, das explodiert, und das Wasser breitet sich in der Küche aus. Der Klempner trifft ein und sagt: Ich habe eine Lösung. Wir behalten die Hälfte in der Küche, tun ein Viertel ins Wohnzimmer, ein Viertel ins Schlafzimmer, und wenn das nicht reicht, bleibt noch das Kinderzimmer."

Ukraine ist für mich ein leuchtendes Beispiel für vorher nicht so bemerkte Menschlichkeit.
Ja, es gab Leute, die 2015 am Bahnhof München standen und dien ankommenden Migranten Teddybären zuwarfen. Mittlerweile trat aber Ernüchterung ein. Integration ist schwieriger als gedacht, viele haben andere Werte als wir und lehnen unsere Gesellschaftsform ab, die Kriminalitätsstatistiken der Behörden kann jeder selbst googeln.

Bei uns im Unternehmen, das ist ein privates Unternehmen und nicht die Caritas, kann jeder der möchte, drei Tage frei bekommen, um den ukrainischen Flüchtlingen zu helfen. Kollegen mit ukrainischen Wurzeln nehmen das Angebot an, laden ihr Auto mit Hilfsgütern voll, andere Kollegen spenden ihnen dafür, und fahren an die polnisch ukrainische Grenze, um den ankommenden Frauen und Kindern zu helfen.
Bis vor nur einem Monat hätten wir uns nicht vorstellen können, dass es solch einen barbarschen Angriffskrieg geben wird und die dadurch ausgelöste große Welle der Hilfsbereitschaft.

kantor antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 17057

Doch, ich informiere mich über die Medien.
Aber anscheinend über andere als du 😊

tristesse antworten
Kintsugi
Beiträge : 244
Veröffentlicht von: @tristesse

Kann es sein, dass wir in der Flüchtlingspolitik nicht konsequent und gerecht sind?

Ich denke ja.

Oder anders gefragt: Wie kann es sein, dass plötzlich 100 Milliarden freigegeben werden können zur Überholung des Militärs und für die Rüstung, aber ein Teil dessen für die Flüchtlinge, die Du erwähnt hast, konnte nicht freigegeben werden.

So würde ich rechnen bzw, vergleichen.

kintsugi antworten
3 Antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 17057

An das Geld hab ich noch gar nicht gedacht, danke für die Ergänzung.

tristesse antworten
frischebrise
(@frischebrise)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 266

Vielleicht Deutschland erkannt hat angesichts des Kriegs in der Ukraine , dass es für den Notfall eines Angriffs oder zur Verteidigung der anderen Natostaaten nicht ausreichend ausgerüstet ist.

Ich denke dieses Geld holen sie sich gerade wieder durch die hohen Spritpreise.

War dass nicht schon 2015 eine Frage die in den Medien gestellt wurde woher plötzlich dass Geld ist . Eben nur in umgekehrter Form eben für die Flüchtlinge.

frischebrise antworten
Kantor
 Kantor
(@kantor)
Beigetreten : Vor 6 Monaten

Beiträge : 18

Wer möchte kann man sich schnell selbst informieren:

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/665598/umfrage/kosten-des-bundes-in-deutschland-durch-die-fluechtlingskrise/

Nicht berücksichtigt sind dabei Kosten und Ausgaben, die allein von den Bundesländern getragen werden, die für die Unterbringung, Versorgung und Integration von Asylsuchenden zuständig sind.

Für Ausgaben des Bundes und der Bundesländer zusammen findet man oft einen Wert um die 55 Milliarden, kann aber nicht genau berechnet werden. Das sind jährliche Kosten!

Diese "100 Milliarden für die Bundeswehr" enthalten auch Kosten für die Versäumnisse der letzten 16 Regierungsjahre, als man die Bundeswehr finanziell stark vernachlässigt hat.
Es kann nicht so weitergehen, dass sich Soldaten warme Unterwäsche, Ausrüstung wie Nachtgläser und kugelsichere Westen selbst kaufen müssen.

Wenn es das Ziel ist, sich gegen einen Aggressor verteidigen zu können, brauchen wir außerdem Panzer, die fahren und Flugzeuge sowie Hubschrauber, die fliegen. Mit der "Gorch Fock" kann man Aggressoren nicht abschrecken.

https://www.sueddeutsche.de/politik/bundeswehr-wehrbericht-wehrbeauftragte-hoegl-1.5547852

https://www.news.de/politik/855742969/bundeswehr-gorch-fock-marode-ausruestung-personalmangel-von-der-leyen-bericht-des-wehrbeauftragten-bezeichnet-armee-als-buerokratiemonster/1/

kantor antworten


Jack-Black
Beiträge : 2112
Veröffentlicht von: @tristesse

Kann es sein, dass wir in der Flüchtlingspolitik nicht konsequent und gerecht sind?

Das ist so. Aber ich würde konsequent und gerecht nicht synonym verstehen, so wie es Deine Frage vermuten ließe.

Das Aufnehmen von Flüchtlingen hat m.M.n. mit "Gerechtigkeit" wenig zu tun. Gerechtigkeit bedeutet für mich, dass man bei Interessenskonflikten zwischen zwei Parteien abwägt - und dann nach dem Kompromiß sucht, in welchem die Interessen beider Parteien gemäß den Vorstellungen der Gerechtigkeit ausübenden Instanz berücksichtigt werden.
Das Aufnehmen von Hilfsbedürftigen ist insofern nicht so sehr eine Frage von "Gerechtigkeit", sondern von "Solidarität", oder, religiös gesprochen, von "Barmherzigkeit". Solidarität steht niemandem zu, sie wird gewährt.

Nun haben wir uns aber hier in Deutschland/der Eu darauf geeinigt, dass wir solche Solidarität nicht willkürlich gewähren wollen, sondern regelmäßig. Entsprechend gibt es Rechtsansprüche - wie z.B. den auf die Gewährung politischen Asyls. Wie es zu dieser Vergesetzlichung der staatlichen "Barmherzigkeit" kam, kann man ja bei Interesse der Geschichtsschreibung entnehmen. Die unrühmliche Nazideutschland-Causa dürfte da nicht ganz unmaßgeblich dazu beigetragen haben, dass die Einsicht dämmerte: Politischen Flüchtlingen sollte man helfen, denn das ist auch eine Maßnahme, die den Autokraten, Diktatoren und Gewaltherrschern ihr Business schwieriger macht.

Aber: Flüchtlinge waren immer auch ab einer gewissen Masse für die aufnehmenden Gesellschaften eine Belastung, wurden häufig als Konkurrenten, als "zusätzliche Fresser" betrachtet. Die staatliche, gesetzliche Regelung der Barmherzigkeit hat eben den Nachteil, dass "das Volk" nicht immer so barmherzig empfindet, wie es "die da oben" für angemessen halten. Mitgefühl und Mitleid lassen sich schwerlich verordnen.

Die "Wirtschaftsflüchtlinge", wie sie z.B. aus Schwarzafrika zu uns kommen, haben gemäß unseren Regeln eigentlich kein Anrecht auf Aufnahme. Es wäre also "gerecht", wenn sie hier keine Aufnahme bekämen, falls man allein politische Gründe als gültige Fluchtgründe betrachten wollte.

Nun haben wir noch diverse weitere gesetzliche Regelungen, nach welchen ja erstmal überprüft werden muß, ob einer nicht doch politisch Verfolgter sei. Und dann gibt's die Regelungen über den Umgang mit Schiffsbrüchigen (die müssen gerettet werden nach internationalem Recht) etc. pp. Aber: wenn man die hiesige Bevölkerung fragen würde, so vermute ich, dass die Mehrheit der Auffassung zustimmen würde, dass Wirtschafts- oder Armutsflüchtlinge keine "echten" Flüchtlinge seien. Weswegen sich das Mitgefühl mit solchen Flüchtlingsgruppen eben in Grenzen hält und das, was da an den Europäischen Aussengrenzen Skandalöses geschieht, gern ignoriert wird. Die Leute (bis auf die einschlägigen Gesohnheitszyniker) würden zwar nicht direkt sagen: "Lasst sie da ersaufen!" Aber sie schauen halt nicht hin: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.

Die Ukraine-Flüchtlinge sind etwas anderes. Dass es sich bei denen nicht um Wirtschaftsflüchtlinge handelt, ist offenkundig und darüber braucht nicht diskutiert zu werden: Sie fliehen vor dem Krieg.

Dann sind sie mehrheitlich weiß und europäisch anzuschauen. Dass wir gesamtgesellschaftlich latent rassistisch seien, ist ja nun ein offenes Geheimnis. Natürlich haben wir eher Mitgefühl gegenüber Leuten, die "aussehen wie wir".

Darüber hinaus verbindet uns mit ihnen der gemeinsame Feind: Putin-Rußland.

Denn wir - als westlicher Block - sind Teil des Krieges, der da in der Ukraine geführt wird. Wir sind Partei, wir stehen auf Seiten der West-Ukraine. Das hat relgiös-kulturelle Gründe, nachzulesen in Huntingtons Buch "Clash of Civilisations", auf das ich hier seit Wochen ständig hinweise. Wir standen im Balkankrieg auf Seite Kroatiens gegen Serbien, und die kroatischen (katholischen) Flüchtlinge wurden auch eher akzeptiert als z.B. die bosnischen (muslimischen) Flüchtlinge. Wir kämpften auf ihrer Seite gegen Milosevic, damals sogar ganz offiziell im Rahmen der Nato. Heute stehen wir kurz davor, ebenfalls militärisch als Nato in den Ukraine-Krieg einzugreifen, weil wir da eben auch parteiisch sind. Und entsprechend sind das sozusagen "Freunde", die da als Flüchtlinge aus der Ukraine zu uns kommen. Verbündete. Welche "von uns".
Dagegen interessiert uns doch nicht wirklich, was z.B. gerade in Äthiopien geschieht: ein Krieg, in welchem die Zivilbevölkerung ebenso schrecklich leidet wie die in der Ukraine. Aber das ist halt nicht "unser Krieg", wir sind da nicht Partei, wir wollen damit nix zu tun haben und mögen auch nicht die Gelder, die da eigentlich für humanitäre Hilfe gebraucht würden, bereitstellen: Leute, die ganz anders aussehen als wir kloppen sich da wegen Streitigkeiten, über die und auch nur zu erkundigen uns echt gerade die Zeit fehlt. Um einen Ausspruch meiner Oma (wenn wir Enkel mal wieder uns kreischend in den Haaren lagen) zu verwenden: "Schlagt euch meinetwegen tot, aber macht's draussen!"
Der Äthiopien-Krieg ist draussen. Der Ukrainekrieg ist drinnen.

So ticken wir eben.

Ach ja, noch ein Punkt: wir haben das Gefühl, dass diese Flüchtlinge aus der Ukraine nur "vorrübergehend" bei uns bleiben. Ihre Zahl ist zwar hoch, aber doch auch abschätzbar. Die Ukraine hat nur knappe 42 Millionen Einwohner. Nicht wenig, aber eben abschätzbar. Die Ukrainer kommen zu uns, weil da Krieg ist. Aber ihr Land ist eigentlich schön und fruchtbar und sobald "demnächst" dort wieder Ruhe herrscht, haben sie gute Gründe, zurückzuziehen.
Anders sieht es bei den Armutsflüchtlingen aus: die kommen, um zu bleiben. Und sie werden zukünftig immer mehr werden. Immerhin gehen Schätzungen davon aus, dass sich z.B. die Gesamteinwohnerzahl Afrikas in den nächsten drei Jahrzehnten bis auf 2,5 Milliarden schier verdoppeln wird. Diese Tatsache im Zusammenhang mit dem Klimawandel, der Afrika besonders hart treffen und dort große Gebiete schlicht unbewohnbar machen wird, läßt auch den Begriffsstutzigsten erkennen: so schnell wird der Flüchtlingsstrom aus dieser Richtung nicht abreissen - im Gegenteil: das, was wir heute schon sehen ist ein kleines Bächlein im Vergleich zu dem Kommenden.

Was wäre, um auf Deinen Begriff zurückzukommen, gerecht? Ein Komplettumbau des globalen Wirtschaftssystems vielleicht, eine Transformation von Finanzkapitalismus in eine Nachhaltigkeitswirtschaft mit der Dominanz genossenschaftlicher Strukturen. Wenn sowas überhaupt machbar sein sollte (was ich nicht komplett bestreiten, aber auch nicht überzeugt behaupten will) und dann auch noch durchsetzbar gegen die Interessen der momentan Herrschenden.

Veröffentlicht von: @tristesse

Wer soll das alles bezahlen... die Bildung, Sozialleistungen, Kleidung, Essen, etc. ?

Schon gibt es ja Überlegungen, das die Ukraine-Flüchtlinge sowas wie ideale Flüchtlinge seien: überwiegend (häufig gut ausgebildete) Frauen und Kinder: Also junge, produktive Leute, sowas wie eine Verjüngungskur für die alternde deutsche Gesellschaft. Nun habe ich nicht wirklich einen Überblick, aber aus dem Bauch heraus würde ich sagen: solche Menschen hier aufzunehmen könnte sich tatsächlich als Gewinn für's Land unterm Strich rechnen. Solche Bürger wollen wir eigentlich, oder? Historisch könnte man die Hugenotten als Parallele betrachten. Die wurden aus Frankreich vertrieben - und stellten sich nach einer Weile als echte Bereicherung für die Aufnahmeländer heraus.

jack-black antworten
4 Antworten
MrOrleander
(@mrorleander)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 2133
Veröffentlicht von: @jack-black

Historisch könnte man die Hugenotten als Parallele betrachten. Die wurden aus Frankreich vertrieben - und stellten sich nach einer Weile als echte Bereicherung für die Aufnahmeländer heraus.

Aus Sicht der politischen Eliten durchaus: Gut ausgebildet, mit produktivem Arbeitsethos ausgestattet und wirtschaftlich erfolgreich haben die Hugenotten die gewollten Umbauprozesse innerhalb der noch primär agrarisch geprägten Gesellschaften beschleunigen können. Das 'einfache Volk' hat eher zähneknirschend zugeschaut. Aber die Preußen wußten noch, wie man effektiv unterdrückt.
Mal schauen, was passiert, wenn computer-affine ukrainische Mädels dem hiesigen Nachwuchs die begehrten IT-Arbeitsplätze streitig macht. Bald schon wird man sich daran erinnern, daß die Ukrainie doch auch nur so ein korrupter Mafia-Staat war, kein großer Unterschied zu Putins neu erreichteter Herrschaft: Da können die Flüchtlinge also schön wieder zurück.

Nachtrag vom 20.03.2022 2212
... neu errichteter Herrschaft ...
Ich muß mir noch angewöhnen, vorher Korrektur zu lesen. 😊

mrorleander antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2112
Veröffentlicht von: @mrorleander

Ich muß mir noch angewöhnen, vorher Korrektur zu lesen. 😊

Old bad habbits aus Moderatorenstatus-Zeit? 😉

Veröffentlicht von: @mrorleander

Mal schauen, was passiert, wenn computer-affine ukrainische Mädels dem hiesigen Nachwuchs die begehrten IT-Arbeitsplätze streitig macht. Bald schon wird man sich daran erinnern, daß die Ukrainie doch auch nur so ein korrupter Mafia-Staat war, kein großer Unterschied zu Putins neu erreichteter Herrschaft: Da können die Flüchtlinge also schön wieder zurück.

Glaub nicht so recht an eine derartige Entwicklung. Computer-affine ukrainische Mädels sind keine Konkurrenz für vollzeitbesoffene Hauptschulabbrecher oder feiste Wutbürger Ü60. 😉

jack-black antworten
MrOrleander
(@mrorleander)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 2133
Veröffentlicht von: @jack-black

Old bad habbits aus Moderatorenstatus-Zeit? 😉

Jep!

Veröffentlicht von: @jack-black

Computer-affine ukrainische Mädels sind keine Konkurrenz für vollzeitbesoffene Hauptschulabbrecher oder feiste Wutbürger Ü60. 😉

Das nicht. Doch was hilfts, wenn besagte Mädels den Maximilian Alexander Paul Leon, der im Schneeflöckchen-Basiskurs I + II nebst diversen Aufbauangeboten seine eigene Männlichkeit entwickelt, als nicht standesgemäß erachten? Dann verliert der hiesige Nachwuchs nicht nur den begehrten Arbeitsplatz, sondern auch noch seine sorgsam gehegten Illusionen.
Der Berater-Industrie stehen einkömmliche Zeiten bevor.

mrorleander antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2112
Veröffentlicht von: @mrorleander

Maximilian Alexander Paul Leon

Trägt man das heute statt Kevin?

Veröffentlicht von: @mrorleander

Der Berater-Industrie stehen einkömmliche Zeiten bevor.

Richtige Einstellung! Aus jedem Problämchen läßt sich eine Geschäftsidee entwickeln. 😊

jack-black antworten
Seite 2 / 3
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