Wie Menschen gut si...
 
Benachrichtigungen
Alles löschen

Wie Menschen gut sind

Seite 1 / 3

Anonymous
 Anonymous
Beiträge : 0

In einem anderen Thread regte ich mich kürzlich darüber auf, wie der Humanismus als vom Teufel inspiriert oder Menschen als Maden bezeichnet werden.
Das war mir Anlaß, darüber nachzusinnen, warum ich die Menschen nicht als böse, schlecht oder wertlos verstehen kann und warum mit die humanistischen Ideale etwas bedeuten. Ich fragte mich, in welchen Momenten sich mir "offenbarte", dass Menschen wundervolle, liebenswerte Wesen seien. Ein paar dieser Momente möchte ich hier auflisten. Vielleicht habt Ihr ja ähnliche Momente erlebt, von denen Ihr berichten möchtet?

Der Minibaggerfahrer
Ich wachte an einem Sonntagmorgen halb sieben Uhr in der Frühe davon auf, dass es draußen laut krachte. Meine Wohnung lag im dritten Stock eines Hauses direkt an einer Straßenkreuzung, die wochentags stark befahren war (gerade morgens in der Rush-Hour), sonntags eigentlich nicht. Ich stieg aus dem Bett und sah, dass da ein Auto in ein anderes reingedonnert war, sodaß dieses von der Fahrbahn geriet und dabei einen Verteilerkasten halb von seinem Sockel rasierte. Ich suchte noch mit halb schlafblinden Augen nach dem nächtens irgendwo abgelegten Telefon, um den Notdienst anzurufen als schon Blaulicht durch's Fenster blinkte. Da war wohl jemand noch schneller gewesen. Nun hatte ich als Gaffer einen schönen Ausblick von dem Eckzimmer auf die gesamte Szenerie. Innerhalb kürzester Zeit - es können nicht mehr als fünf Minuten gewesen sein - spuckten zwei Streifenwagen vier oder fünf Polizisten aus, die daran gingen, den Unfallort mit Warnleuchten und Absperrungsbändern zu sichern. Eine junge Frau, vermutlich die Fahrerin eines der Wagen, wurde von Notfallhelfern neben einem Feuerwehrauto versorgt. Einige der Polizisten redeten mit Leuten, die um den Unfallort herum standen. Wohl, da es sich um Zeugen handeln konnte. Ich war nicht der einzige Gaffer, aber es war scheinbar niemand wirklich stark verletzt worden und nach einer Dreiviertelstunde hatten sich die kleine Menschenmenge wieder aufgelöst, die Unfallautos waren abgeschleppt, die Streifen- und der Krankenwagen waren abgefahren. Die Kreuzung war wieder leer, wie es sonntagmorgens sein sollte - nur der Verteilerkasten stand schief wie ein umgewehter Flamingo - unten ragten Kabel hervor.
Ich machte mir einen Kaffee, da hörte ich wieder Lärm von unten: ein Reparaturwagen von den Stadtwerken war angekommen, der Verteilerkasten wurde geöffnet, jemand werkelte darin herum. Bei mir im Badezimmer ging das Licht aus - der Strom war für's erste abgestellt. hernach wurde der Verteilerkasten mit einer Art Plastik-Überwurf gesichert. Die Leute von den Stadtwerken fuhren wieder weg, ich schüttete mir tüchtig Milch in den Kaffee, schloss aber den Kühlschrank schnell wieder. Wer konnte wissen, wie lange der Stromausfall andauern würde...
Eine Viertelstunde verging, in der ich mich ärgerte, den Kaffee getrunken zu haben - nun würde ich mich nicht mehr wieder hinlegen und noch zwei Stündchen Sonntagsschlaf halten können. Dann, so gegen acht Uhr, drangen wieder Geräusche empor von der Straße. Ein Baufahrzeug parkte fünfzig Meter weiter die Straße runter, wo noch eine Parklücke klaffte. Hinten drauf auf dem Anhänger war ein Minibagger, wie ich ihn vorher noch nie gesehen hatte. Ein unglaublich dicker Mann stieg aus dem Fahrzeug, klappte hinten etwas herunter, dass sich als Rampe benutzen ließ, setzte sich in den Steuersitz des Minibaggers, über den seine dicken Beine seitlich hinausquollen. Dann fuhr der den Minibagger die Rampe hinab, steuerte den Minibagger zu der Kreuzung und begann, unglaublich geschickt mit dem Baggerarm hantierend, die Gehwegplatten rund um den ramponierten Verteilerkasten herauszuhebeln. Dann stieg er aus dem Bagger und sammelte die gelockerten Platten auf, um sie säuberlich an der Wand des angrenzenden Hauses aufzustapeln. Die Platten waren nicht riesig aber sicherlich knappe zwanzig Kilo schwer pro Stück. Der dicke Mann richtete sich zwei, drei mal auf, um ein Hohlkreuz zu machen. Vermutlich strengte ihn die Arbeit sehr an, aber bis auf das kurze Aufrichten gönnte er sich keine Pause.
Nachdem die Gehwegplatten ausreichend beseitigt waren, grub der Mann mit seinem Minibagger ein Loch seitlich von dem Verteilerkasten. Wahrscheinlich, so meine Vermutung, waren durch den Unfall die Kabel, die zu dem Verteilerkasten führten unten in der Erde beschädigt worden... Der Mann arbeitete ohne Unterlaß. Selbst auf die Entfernung konnte ich auf seiner Halbglatze den Schweiß glänzen sehen. Er arbeitete allein, niemand beaufsichtigte ihn. Er arbeitete sonntag morgens, er arbeitete schnell, umsichtig, gründlich, äußerst professionell. Nach knappen zwei Stunden war er fertig. Er bugsierte den Minibagger wieder auf die Ladefläche des Baufahrzeugs. Dann zog er ein großes Stoff-Taschentuch aus der Hosentasche und trocknete sich damit nicht nur die Stirn sondern den ganzen Kopf, die vom Schweiß klatschnassen Haare. Er zog ein Handy und führte ein kurzes Gespräch.
Das Licht in meinem Badezimmer ging wieder an. In dem Moment liebte ich diesen dicken Mann. Er hatte hier an einem Sonntagmorgen malocht wie ein Kutschpferd, damit die Anwohner noch rechtzeitig zum Stonntagsfrühstück wieder Strom haben konnten. Das machte mich glücklich, dieser mir fremde Arbeiter machte mich glücklich - und ein klein wenig traurig, denn ich war die fremde Leute diagnostizierenden Kommentare eines befreundeten Arztes inzwischen schon so gewöhnt, dass sie schon zu einer eigenen Angewohnheit geworden waren. Vermutlich würde dieser tüchtige Arbeiter in fünfzehn bis zwanzig Jahren an einem Herzinfarkt, einem Schlaganfall, an Diabetes oder einer anderen Stoffwechselkrankheit versterben und nicht mehr viel von seiner Rente, die er sich auf so ehrliche Weise verdiente, genießen können. Er machte mich glücklich und traurig, der dicke Minnibaggerfahrer. Ein liebenswerter Mensch.

Die Clique
Ich saß in einem Überland-Bus, der vom Zentrum einer norddeutschen Großstadt aus die Leute in ihre Dörfer beförderte. Auf meine Reiselektüre konnte ich mich schlecht konzentrieren, denn schräg mir gegenüber hatten sich auf die vier Sitzplätze einer Zweierbank-Gruppe insgesamt sechs Jugendliche, drei Jungs und drei Mädels, gezwängt, die laut miteinander redeten und scherzten. Ich beobachtete sie aus dem Augenwinkel heraus, versuchte, ihre jeweiligen Verhältnisse zueinander zu bestimmen, wer war da offener, wer heimlicher Anführer, wer war der Clown, wer der stille Immer-dabei-Typ? Welches Mädchen war in welchen Jungen verschossen - oder andersrum? Am Fenster saß der am besten aussehende Junge, Typ Prinz Charming, er redete weniger als seine beiden Kumpels, aber wenn er was sagte, hingen die Mädchen an seinen Lippen. Alles klar... 😀
Zwei weitere Mädchen stiegen ein. Sie schienen zu der Clique zu gehören und wurden mit lautem Hallo begrüßt. Eine der beiden war eine ausgemachte Schönheit, Typ Influencerin mit zwei Millionen Followern auf YT. Die andere war ein ausgesprochen häßliches Mädchen. Dicklich mit fleischig-groben Gesichtszügen, strähnigen straßenköterbraunen Haaren und einer offenkundigen Tendenz, sich möglichst unvorteilhaft zu kleiden.
Die Begrüßung fiel ausführlichst aus: jedes der beiden Mädchen wurden von den Sechs schon vorher Anwesenden umarmt und tüchtig gedrückt. Diejenigen, die am Fenster gesessen hatten, mußten dazu erstmal aufstehen und auf den Gang heraustreten. Prince Charming huggte das häßliche Mädchen besonders doll und versicherte, wie sehr er sich freue, sie mal wieder zu sehen. Nach der Begrüßungszeremonie stellte sich die Frage, wer denn nun stehen müsse, denn auf den vier Sitzplätzen hatten vielleicht sechs, aber nicht acht Leute nebeneinander Platz. Die Lösung bestand darin, dass zwei der Jungs, Prinz Charming und der Cliquenclown, aussen am Gang zu sitzen kamen und jeweils eins der Mädels auf den Schoß nahmen. Und so saß das häßliche Mädchen auf dem Schoß von Prinz Charming und irgendwie... Wurde sie immer weniger häßlich. Sofort war sie, wie auch ihre schöne Begleiterin, voll mit einbezogen in das Labern, Lästern, Flirten und Giggeln, kurz: das Gruppenglück der Clique, und dieses Glück ließ sie, wie ihre Freunde, strahlen. Eben noch hatte ich sie halb verachtet, halb bemitleidet, wie sie so scheinbar bloß als Kontrast zur nochmaligen Hervorhebung der Attraktivität ihrer Freundin zu dienen schien. Nun aber ertappte ich mich dabei, wie ich sie zu beneiden begann, am liebsten mit ihr getauscht hätte. Diese acht Jugendlichen, die da, einem an einem Ast als Traube hängenden Bienenvolk nicht unähnlich, mir schräg gegenüber saßen: das waren liebenswerte, wertvolle Menschens, wie eine Duftwolke wehte etwas von ihrem Glück zu mir herüber.

Die Verkäuferin

Es war einer von diesen Novembertagen... Es war kalt, es nieselte, der Himmel eine Mischung aus Grau und Grauer. Den Vormittag hatte ich in meinem Atelier damit verbracht, ein schon halbwegs fertiges Bild kaputtzumalen und eine zweite Leinwand mit einer grottenschlechten Schrott-Skizze zu verschandeln. Dann war mir, weil ich in meiner Wut dazu tendiere, grob mit meinen Materialien umzugehen, der Pinselwasch-Behälter mit dem schmutzigen Terpentinersatz umgekippt und hatte seinen Inhalt über die Mischfläche meines Palettenwagens, sowie über den Fußboden verteilt. Große Sauerei, der Gestank des Lösungsmittels, von dem sich eine gute Portion auch auf meine Klamotten begeben hatte, war umso ätzender, als ich aus Erfahrung wußte, dass der Kopfschmerz, den es verursachte, mich erst zeitverzögert am nächsten Tag so richtig beglücken würde.
Ich hatte also erstmal allen Kram hingeschmissen verfügte mich zu der Bäckerei, in der ich regelmäßig mir einen Latte Machiato und ein paar Rosinenbrötchen zur Kaffeepause hole.
Auf dem Weg dahin - ich hatte keinen Schirm dabei - wurde ich schön vom Novembernieselregen durchweicht. Vor mir waren drei andere Kunden dran. Als ich endlich an der Reihe war, merkte ich, dass ich vergessen hatte, meinen Kaffeebecher mitzubringen. Da ich den Coffe-to-Go-Pappbechermüll zu hassen gelernt habe, weil der hier auf dem Lande die Straßenränder verschandelt, würde es also mit dem LM diesmal nix werden. Die Verkäuferin - eine andere als die, die sonst hier bediente, meinte, sie könne mir ja hier, am Stehcafé-Tisch, einen Becher servieren. Ich blaffte sie an, dass ich dazu keine Zeit hätte, weil die Arbeit dränge und manche Leute sich halt nicht soviel Zeit beim Arbeiten nehmen könnten wie andere. (So, als hätte sie die Kunden vor mir extra langsam bedient, damit ich länger warten müsse.) Rosinenbrötchen waren aus, also ließ ich mir ein Käserötchen belegen. Weil ich keinen Bock auf die schon fertig belegten Brötchen hatte, verlangte ich, dass mir eins der Kürbiskernbrötchen belegt würde. Was der Verkäuferin zusätzliche Arbeit bereitete. Geschah ihr ganz recht, dieser Trulla! Dann griff ich mir eine Pfandflasche mit Apfelschorle aus dem Kühlschrank und ärgerte mich innerlich darüber, dass ich für die hier fast einen Euro mehr berappen müsse, als wenn ich sie im Supermarkt gekauft hätte. Ich legte einen Schein auf die Theke, trippelte ungeduldig, bis mir das Wechselgeld ausgehändigt wurde, stopfte mir die Tüte mit dem Brötchen unter die Jacke, damit es nicht bei dem Scheißwetter auch noch durchnäßt werde, klemmte mir die Flasche unter den Arm und verließ grußlos die Bäckerei. Der Regen hatte zugenommen, ausserdem blies ihn mir der Wind jetzt auf dem Weg zurück auch noch in's Gesicht. Ich hasste die Welt. Jemand hinter mir rief etwas, ich drehte mich nicht um. Nochmal ein Rufen. Dann Ruhe. Kurz, bevor ich bei meinem Atelier angelangt war, zupfte mich jemand am Ärmel. Ungehalten drehte ich mich um. Es war die Bäckereiverkäuferin. Sie war mir durch den Regen hinterhergerannt, weil ich, als ich das Wechselgeld einsteckte, das sie mir auf meinen Zwanzig-Euro-Schein hingelegt hatte, den Zehn-Euro-Schein auf den Fußboden gewischt hatte, wo ihn der Kunde hinter mir aufgelesen hatte. Da stand diese junge Frau vor mir, mit pitschnassen Haaren, in ihrer nicht allso warmen Arbeitskleidung mit der gestreiften Schürze, und hielt mir das Geld hin. Ich wußte nicht, was ich sagen sollte, eine Mischung aus Scham und Überraschung ließ mich nur ein "Vielen Dank!" herausnuscheln. Dann wollte ich zu einer ausführlicheren Entschuldigung ansetzen, aber sie meinte nur: "Schon gut, ich muß zurück in den Laden!" - und weg war sie. Während ich zurück in mein Atelier schlurfte, wurde aus dem Gefühl der Scham langsam ein Gefühl der Begeisterung darüber, dass es solche Menschen wie sie gibt. Die Sauerei im Atelier mußte weggewischt werden, aber das war nicht mehr so schlimm, denn irgendwie war ich gerade glücklich.
Am nächsten Tag fragte ich nach ihr und erfuhr, dass sie nur als Aushilfe für eine erkrankte Mitarbeiterin eingesprungen war. Ich hab sie seither nie wieder gesehen, diese gute, liebenswerte Frau.

Antwort
119 Antworten
tristesse
Beiträge : 17983

Absätze
Hallo Jack,
könntest du vielleicht in Zukunft bei so umfangreichen Texten diese in Ansätze einteilen? Für mich ist deine Eröffnung bei der Länge vor allem auf Handy oder Pad zu mühsam zu lesen.

Daher auch kein inhaltlicher Kommentar.

Gruß Triss

tristesse antworten
8 Antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0

Wie - Du druckst Dir meine Postings nicht aus, um sie an die Wand zu hängen? Mir ging es darum, Platz und also Papier zu sparen, so von wegen: Rettet die Bäume...

Just kidding! Kritik ist angekommen, aber nachträgliches Editieren geht hier im Forum ja nicht.
Darum mein übliches ceterum censeo: Eine Korrekturfunktion muß her!

Anonymous antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 17983

Danke 😊
Greta erlaubt mir nur Texte auszudrucken, die für die Ewigkeit bestimmt sind ^^

Muss ich dann mal später am PC lesen um zu entscheiden, ob dieser Text das ist.

Grüsse Trissi

tristesse antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0
Veröffentlicht von: @tristesse

Greta erlaubt mir nur Texte auszudrucken, die für die Ewigkeit bestimmt sind ^^

Dasnargument. 😀

Anonymous antworten
Suzanne62
(@suzanne62)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 7631
Veröffentlicht von: @blackjack

Eine Korrekturfunktion muß her!

Da hast du recht - das kenne ich auch aus anderen Foren und frage mich schon lange, warum es das hier nicht gibt...

suzanne62 antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0

Dann geh doch dort hin.

M.

Anonymous antworten
Suzanne62
(@suzanne62)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 7631

Ja, ich wünsche dir auch einen wuderschönen Sonntag!

Nachtrag vom 12.01.2020 1428
Ich meinte natürlich: einen wunderschönen Sonntag....ach, was wäre jesus.de ohne seine überaus freundlichen User.
Ist genau der Grund, warum sooo gerne hier bin.
😀😀😀😀😀😀😀😀😀

suzanne62 antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 17983

Überaus freundlich ist deine Antwort hier aber auch nicht

tristesse antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0

Danke und Tschuldigung

M.

Anonymous antworten


billy-shears
Beiträge : 1612

Den Spieß mal umgedreht (Anthropodizee)

Das war mir Anlaß, darüber nachzusinnen, warum ich die Menschen nicht als böse, schlecht oder wertlos verstehen kann und warum mir die humanistischen Ideale etwas bedeuten. Ich fragte mich, in welchen Momenten sich mir "offenbarte", dass Menschen wundervolle, liebenswerte Wesen seien.

Da bietet sich mal die Gelegenheit den Spieß umzudrehen. Anstatt der Theodizee-Klassiker
'wenn Gott gut ist, wieso Sintflut, Hitler und hungernde Kinder in Afrika', mal so:

Wenn Menschen so wundervolle, liebenswerte Wesen wären, wieso dann Klimawandel, Hitler und hungernde Kinder in Afrika?

billy-shears antworten
14 Antworten
Irrwisch
(@irrwisch)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3403
Veröffentlicht von: @billy-shears

Wenn Menschen so wundervolle, liebenswerte Wesen wären, wieso dann Klimawandel, Hitler und hungernde Kinder in Afrika?

Antwort 1: Es gibt Solche und zum Glück auch andere Solche

Antwort 2: Kannst du dir vorzustellen versuchen, wo wir mit Klimawandel, Hungernden Kindern in Afrika und Hitler jetzt wären ohne die anderen "Solche"?

irrwisch antworten
Vollbracht
(@vollbracht)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 291
Veröffentlicht von: @irrwisch

Antwort 1: Es gibt Solche und zum Glück auch andere Solche

Wirklich? Ist der Dieb schlimmer, als der Ehebrecher?

vollbracht antworten
Tatokala
(@tatokala)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 2523

Je nach größe des Diebstahls schon.

tatokala antworten
Vollbracht
(@vollbracht)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 291

Wenn ich Fehler mache und gegen das Gesetz verstoße, bin ich nicht mehr gerecht. Da spielt es keine Rolle, ob ich einen Raubmord begangen habe, ein Handtuch des Hotels in meinen Koffer gepackt habe, oder ob ich eine Frau angesehen habe, sie zu begehren. Um wieder gerecht zu werden benötige ich die Vergebende Gnade Gottes (und ggf. die Vergebung meiner Mitmenschen). Und am Kreuz spielt es dann auch wieder keine Rolle mehr, gegen welches mosaische Gebot ich verstoßen habe.

vollbracht antworten
billy-shears
(@billy-shears)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 1612

Antwort 1: Es gibt Solche und zum Glück auch andere Solche

Entschuldigt der Anteil der Guten das Böse der Anderen? Oder wie soll ich das verstehen?

Kannst du dir vorzustellen versuchen, wo wir mit Klimawandel, Hungernden Kindern in Afrika und Hitler jetzt wären ohne die anderen "Solche"?

Ich kann mir vorstellen wie es wäre ohne Klimawandel, Hungernden Kindern in Afrika und Hitler. Aber das umzusetzen war und ist der Mensch wohl nicht fähig. Wie kann man ihn dann gut nennen?

billy-shears antworten
Ma-en
 Ma-en
(@ma-en)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 34
Veröffentlicht von: @billy-shears

Ich kann mir vorstellen wie es wäre ohne Klimawandel, Hungernden Kindern in Afrika und Hitler. Aber das umzusetzen war und ist der Mensch wohl nicht fähig. Wie kann man ihn dann gut nennen?

Es ist eben kein absoluter Wert. Es gibt Gutes bei den Menschen, ebenso wie Böses.
Und das Gute kann das Böse weder entschuldigen noch aufheben.

Oftmals ist es noch nicht einmal so klar zu unterscheiden. Wenn ich für meinen Opa den Schweinebraten mache, den er so gerne mag und der ihn an früher erinnert... dann habe ich meinem Opa Gutes getan, dem Schwein aber Böses.
Wenn ich auf die lange Autofahrt zu meinen Eltern verzichte, dann habe ich die Umwelt geschont, meine Eltern aber enttäuscht.

Jeder einzelne Mensch muss mit dieser Dissonanz in sich leben.
Mit den Schwierigkeiten, mit den Widersprüchen, mit den Verwicklungen.
Mit den idealistischen ethischen Ansprüchen und dem Scheitern im Alltag.
Mit den Fragen nach richtig und falsch, bei denen gerade die einfachen Antworten meistens die gefährlichsten sind, denn mit den einfachen Antworten locken uns die Populisten und Fanatiker.

Gut und Böse: Für mich sind das abstrakte Ideen von Schwarz und Weiß in einer Welt, die aus Grautönen besteht.

Mein Weg ist der, dass ich meinem Herzen vertraue. Ich glaube daran, dass ich zumindest ansatzweise, tief im Inneren, Gut und Böse erkennen und unterscheiden kann. Das ist in meinen Augen eine gottgegebene Fähigkeit.
Und dann bleibt mir nichts anderes, als eben mein Bestes zu geben und in jeder Situation neu abzuwägen.
Und es bleibt mir, dass ich an der Hoffnung und dem Guten festhalte, damit ich nicht an dem Leid und der Bosheit verzweifle...

liebe Grüße

Ma'en

ma-en antworten
billy-shears
(@billy-shears)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 1612

Es ist eben kein absoluter Wert. Es gibt Gutes bei den Menschen, ebenso wie Böses.

Ja, richtig. Aber daraus können wir ja den Schluss ziehen, dass Mensch zu beidem fähig ist, zu gutem und zu bösem. Warum entscheidet er sich dann sooft zu letzterem? Was treibt ihn dazu an?

Oftmals ist es noch nicht einmal so klar zu unterscheiden. Wenn ich für meinen Opa den Schweinebraten mache, den er so gerne mag und der ihn an früher erinnert... dann habe ich meinem Opa Gutes getan, dem Schwein aber Böses.
Wenn ich auf die lange Autofahrt zu meinen Eltern verzichte, dann habe ich die Umwelt geschont, meine Eltern aber enttäuscht.

Richtig, gutes und böses ist relational. Ich staune, dass das in der Frage, ob der Mensch gut sei, erkannt wird, aber in der Frage ob Gott gut sei ausgeblendet wird.

billy-shears antworten
DerNeinsager
(@derneinsager)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1449

Der Mensch ist nicht gut, aber den Klimawandel mit Hitler gleichzusetzen, sind Äpfel und Autoreifen.....

EINEN Juden umzubringen ist eine Todsünde und völlig verwerflich, keine Frage, EINE Heizung im 50 Breitengrad zu haben um nicht zu erfrieren aber definitiv nicht

derneinsager antworten
billy-shears
(@billy-shears)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 1612

den Klimawandel mit Hitler gleichzusetzen, sind Äpfel und Autoreifen.

Meine Auflistung ist keine Gleichsetzung der drei Dinge, sondern soll drei völlig verschiedene Bereiche abdecken: Menschengemachte Naturkatastrophen, staatlich organisierter Massenmord und Massensterben durch Desinteresse.

billy-shears antworten
Irrwisch
(@irrwisch)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3403
Veröffentlicht von: @billy-shears

Entschuldigt der Anteil der Guten das Böse der Anderen? Oder wie soll ich das verstehen?

Wo habe ich davon geschrieben?

Veröffentlicht von: @billy-shears

Ich kann mir vorstellen wie es wäre ohne Klimawandel, Hungernden Kindern in Afrika und Hitler. Aber das umzusetzen war und ist der Mensch wohl nicht fähig. Wie kann man ihn dann gut nennen?

In jedem Menschen ist von Gott auch Gutes hinein gelegt.

Um ein Gegengewicht herzustellen zu deinen Beispielen:

Was hat einen Herny Dunant dazu gebracht, das Rote Kreuz zu gründen?

Was war der Antrien von Herrmann Gmeiner, die SOS Kinderdörfer zu gründen?

Welche Beweggründe gibt es immer wieder für Stiftungen und gute Hilfsprojekte, auch von Menschen,die sich nicht Christen nennen?

irrwisch antworten
billy-shears
(@billy-shears)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 1612

Wie kann man den Menschen gut nennen, angesichts des ganzen Leids dass er verurs

Wo habe ich davon geschrieben?

Hab ich behauptet, dass du das geschrieben hast? Meine Frage ist keine Unterstellung, sondern eine Frage: wie soll ich das verstehen? Wenn ich lese „Es gibt Solche und zum Glück auch andere Solche“ dann kann ich da nur den Schluss ziehen: dass es auch gutes im Menschen gibt wiegt das böse auf.
Aber vielleicht erklärst du mir, wie du es meinst?

In jedem Menschen ist von Gott auch Gutes hinein gelegt.

Um ein Gegengewicht herzustellen zu deinen Beispielen

Das beantwortet nicht meine Frage: Wie kann man den Menschen gut nennen, angesichts des ganzen Leids dass er verursacht?

billy-shears antworten
Irrwisch
(@irrwisch)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3403
Veröffentlicht von: @billy-shears

Wo habe ich davon geschrieben?

Hab ich behauptet, dass du das geschrieben hast? Meine Frage ist keine Unterstellung, sondern eine Frage: wie soll ich das verstehen? Wenn ich lese „Es gibt Solche und zum Glück auch andere Solche“ dann kann ich da nur den Schluss ziehen: dass es auch gutes im Menschen gibt wiegt das böse auf.
Aber vielleicht erklärst du mir, wie du es meinst?

In jedem Menschen ist von Gott auch Gutes hinein gelegt.

Das wiederum habe ich nirgends geschrieben.

Aber wenn ich daran glaube, dass Gott mich in SEIN Bild hinein geschaffen hat und am Schluß befindet
" Und siehe, es war gut"

dann kann ich nach meinem Bibelverständnis nicht daran glauben, dass im Menschen nur das Böse hinein gelegt ist.

Sondern ich glaube daran, dass Gott uns einen freien Willen gegeben hat. Und ein " Grundgerüst" zu einem gelingenden Zusammenleben Aller mit den 10 Geboten.
Da Mensch aber lieber selbst sein möchte wie Gott, seine " Antreiber" nach Sex, Macht, Geld und weißer Weste soübermächtig sind, braucht das Böse in uns die Erlösung in und durch Jesus.
Denn selbst all das Gute in uns taugt nicht dazu,uns selbst zu rechtfertigen vorGott.
Das wäre Werkgerechtgkeit.

Jetzt besser verständlich?

irrwisch antworten
billy-shears
(@billy-shears)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 1612

Jetzt besser verständlich?

Nop. Ich habe nicht den Eindruck, dass Du mein Anliegen verstanden hast..

billy-shears antworten
Irrwisch
(@irrwisch)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3403
Veröffentlicht von: @billy-shears

Jetzt besser verständlich?

Nop. Ich habe nicht den Eindruck, dass Du mein Anliegen verstanden hast..

Na, dann haben wir wenigstes eine Gemeinsamkeit 😊

Mein Ansatz war/ ist, deinen Negativbeispielen Positives gegenüber zu stellen.

Weil ich nicht daran glaube, dass wir Menschen nur böse sind.

Von Gott erschaffen, den wir als gut betrachten und dann nur böse als Seine Geschöpe?

Nein, das ist nicht mein Glaube.
Als der Erlösung bedürftig sehe ich mich und meine Artgenössen.

irrwisch antworten
Queequeg
Beiträge : 3589

Ja, Du auch
Das hast Du in allen Beispielen wirklich schön geschrieben. Und für jemanden, der so etwas empfinden kann, gilt dann punktgenau auch der letzte Satz zum "Minibaggerfahrer".

Was Du beschrieben hast, ist das, was ich als durchscheinendes Himmelreich wahrnehme.

queequeg antworten


Deborah71
Beiträge : 17879

ausgesprochen liebenswert und liebevoll geschrieben und beschrieben 😊

Einen Moment stand ich mit an deinem Logenplatz, im Bus und im Regen 😀

deborah71 antworten
Suzanne62
Beiträge : 7631

Was für tolle Texte! Kann (und will) im Moment noch nichts weiter dazu sagen, weil ich noch ganz "hin und weg" bin. Vielen Dank!

Veröffentlicht von: @blackjack

In einem anderen Thread regte ich mich kürzlich darüber auf, wie der Humanismus als vom Teufel inspiriert oder Menschen als Maden bezeichnet werden.

Ja, ich habe das auch gelesen und auch darauf reagiert....zum Glück sind das extreme Einzelmeinungen.
Wäre eine solche Haltung "christlicher Mainstream" bzw. würde von mir verlangt, sie zu teilen, dann wüsste ich, welche Konsequenzen ich ziehen würde.

suzanne62 antworten


Seite 1 / 3
Teilen: