Dem Mann dienen mit Sex?
Hallo liebe Community,
mein Mann und ich hatten gestern ein Gespräch, das mich seitdem nicht mehr in Ruhe lässt. Ich würde mich sehr über eure biblische Einschätzung freuen.
Ich hatte gerade mit einer Freundin telefoniert, als mein Mann mir schrieb, dass ich jetzt ins Bett kommen soll. Später stellte sich heraus, dass er wollte das ich das Telefonat beende, um mit ihm intim zu werden. Ich habe ihm daraufhin gesagt, dass ich nicht „springen“ möchte und Sex habe, nur weil er es in diesem Moment möchte.
Grundsätzlich haben wir ein sehr erfülltes und auch häufiges Sexleben. Dennoch gibt es Situationen, in denen ich als Frau einfach nicht möchte und genau dann spüre ich immer wieder eine klare Erwartungshaltung von ihm. Mein Mann sagt, es sei die Aufgabe einer Ehefrau, dem Mann zu dienen, auch wenn sie selbst gerade nicht möchte, und begründet das vor allem mit dem bekannten Vers aus 1. Korinther 7. Ja Sex gehört zu der Ehe dazu und wir Frauen sollen den Männern dienen, aber ist damit auch Sex gemeint?
Vielen Dank fürs Lesen und für eure Gedanken. 🌱
Hallo Du
Ich kopiere mal die Stelle im Korintherbrief rein, in seinem Kontext:
1 Nun zu dem, wovon ihr geschrieben habt: Es ist gut für den Mann, keine Frau zu berühren. 2 Aber um Unzucht zu vermeiden, soll jeder seine eigene Frau haben und jede Frau ihren eigenen Mann. 3 Der Mann gebe der Frau, was er ihr schuldig ist, desgleichen die Frau dem Mann. 4 Die Frau verfügt nicht über ihren Leib, sondern der Mann. Ebenso verfügt der Mann nicht über seinen Leib, sondern die Frau. 5 Entziehe sich nicht eins dem andern, es sei denn eine Zeit lang, wenn beide es wollen, dass ihr zum Beten Ruhe habt; und dann kommt wieder zusammen, damit euch der Satan nicht versuche, weil ihr euch nicht enthalten könnt. 6 Das sage ich aber als Erlaubnis und nicht als Gebot.
Worum geht es hier?
Paulus rechnete - wie viele damaligen Christen - dass Jesus noch zu ihren Lebzeiten oder kurz danach wiederkommt. Paulus ist infolgedessen der Meinung, dass man besser erst gar nicht heiraten sollte. Das wird ja auch später in dem Kapitel nochmal deutlich.
Nun weiß er aber auch, dass nicht jeder die Gabe der Ehelosigkeit hat - und auch um sexuelles Verlangen. Bemerkenswert ist hier übrigens, dass die Erfüllung der "ehelichen Pflichten" keine Einbahnstraße ist. "Der Mann gebe der Frau, was er ihr schuldig ist, desgleichen die Frau dem Mann. Die Frau verfügt nicht über ihren Leib, sondern der Mann. Ebenso verfügt der Mann nicht über seinen Leib, sondern die Frau" Da bin ich fast versucht zu sagen: Dreh' den Spieß mal um und zitiere Deinen Mann mit Berufung auf diesen Vers dann ins Bett, wenn er mal was anderes zu tun hat. Vielleicht dämmert ihm dann was.
Aber auch ohne dieses Experiment sollte eigentlich klar sein, dass dieser Absatz mitnichten hergibt, dass ein Ehepartner dem andern jederzeit zur Verfügung zu stehen hat. Ihr habt, wie Du sagst, ein erfülltes und häufiges Sexualleben, damit habt Ihr Eure "Pflicht" getan. Und selbst wenn dem nicht so wäre müsste man gucken, wo die Ursachen liegen und Lösungen finden. Ein "Mach die Beine breit, wenn ich das sage" lässt sich mit diesen Versen nicht rechtfertigen.
Und auch sonst, wenn ich lese, dass Frauen den Männern zu dienen hätten. Vermutlich kommt das aus der Aufforderung, dass die Frau dem Manne untertan zu sein habe.
Männer berufen sich da gerne auf Epheser 5, 22-24:
22 Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn. 23 Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Gemeinde ist – er hat sie als seinen Leib gerettet. 24 Aber wie nun die Gemeinde sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen ihren Männern unterordnen in allen Dingen.
Der Text geht allerdings weiter:
25 Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie dahingegeben, 26 um sie zu heiligen. Er hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, 27 damit er für sich die Gemeinde herrlich bereite, die keinen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern die heilig und untadelig sei. 28 So sollen auch die Männer ihre Frauen lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, der liebt sich selbst. 29 Denn niemand hat je sein eigenes Fleisch gehasst; sondern er nährt und pflegt es wie auch Christus die Gemeinde.
Daran kannst Du Deinen Mann vielleicht auch mal erinnern, wenn er wieder meint, dass Du ihm zu dienen habest, auch mit Sex. Wenn Dein Mann Dich liebt wie er es tun sollte, dann wird er auch Rücksicht auf Dich und Deine Bedürfnisse nehmen.
@alescha die Rabbiner sagen ja auch, sexuelle Befriedigung ist keine Einbahnstraße, der Mann habe die Pflicht die Frau auch zufrieden zu stellen.
Ich dachte ja die Meinung die Frau müsse alles tun was der Mann meint hätten wir überwunden.
@lex20 Hallo Lex,
dein Mann bezieht sich auf 1. Korinther 7,4. Es stimmt, dass dort steht, dass die Frau nicht über ihren eigenen Leib verfügt – aber der Vers geht entscheidend weiter: „Ebenso verfügt auch der Mann nicht über seinen eigenen Leib, sondern die Frau.“
Paulus beschreibt hier eine Gegenseitigkeit, keine Einbahnstraße. Es geht nicht darum, dass einer den anderen „benutzt“ oder einer dem anderen „dient“ wie ein Bediensteter seinem Herrn. Es geht um eine wechselseitige Übereignung aus Liebe. Wenn er diesen Vers nutzt, um Druck auszuüben, übersieht er den Auftrag an den Ehemann, seine Frau so zu lieben, wie Christus die Gemeinde geliebt hat (Epheser 5,25) – nämlich aufopfernd und rücksichtsvoll, nicht fordernd.
„Dienen“ in der Ehe meint im biblischen Verständnis niemals Zwang, Druck oder Erwartungshaltung. Jesus selbst definiert Dienen als liebevolles Sich-Zurücknehmen – nicht als Einfordern. Intimität verliert ihren Sinn, wenn sie nicht aus Freiwilligkeit entsteht.
Dass du sagst „Ich möchte gerade nicht springen“ ist kein Mangel an Liebe oder Hingabe, sondern ein Ausdruck deiner Würde und deiner Grenzen. Diese Grenzen verdienen Respekt – auch (und gerade) in der Ehe.
Ein erfülltes Sexualleben lebt von Vertrauen, Sicherheit und dem Wissen: Ich darf Nein sagen, ohne Schuldgefühle haben zu müssen. Wo dieses Nein nicht möglich ist, wird Nähe langfristig beschädigt.
Vielleicht ist das eigentliche Gesprächsthema zwischen euch weniger Sexualität als vielmehr Erwartung, Macht und gegenseitiges Verständnis.
Sex gehört zu der Ehe dazu und wir Frauen sollen den Männern dienen, aber ist damit auch Sex gemeint
Grundsätzlich betrachtet schon, denke ich…aber natürlich in beide Richtungen und unter Berücksichtigung aller Parameter…😀 Es gibt unzählige berechtigte Gründe und Gemütsverfassungen bei beiden Geschlechtern, die da gegenläufig sind und die man nicht aussen vor lassen kann bei der Beantwortung dieser Frage.
Liebe bedeutet unter anderem das Bedürfnis des anderen zu verstehen und zu akzeptieren…und die Biologie hat dich nunmal dafür als Gegenpart vorgesehen…dazu kannst ja weder du noch dein Mann was, dass dazu zweit Leute notwendig sind. Und diese zwei sind laut Bibel „ein Fleisch“…also ist das schon konsistent, wenn man davon ausgeht, dass man da füreinander da ist.
Insofern finde ich das Wort „springen“ auch etwas unglücklich gewählt, denn es ist eigentlich ein Akt der Liebe, in erster Linie. Der gegenseitigen.
Und diese beinhaltet aber eben auch Rücksichtnahme…es ist und bleibt also ein Austarieren und vor allem auch ein im Austausch bleiben.
Irgendwie klingt das wie eine (schlechte) Männer-Fantasie.
Die Frau ist beschäftigt, der Mann fühlt sich vernachlässigt - Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom. Und dann zitiert er seine Frau (schriftlich!) Ins Bett, um ihm zu 'dienen'.
Das muss ich erst mal wieder aus dem Kopf kriegen.
Und dann zitiert er seine Frau (schriftlich!) Ins Bett, um ihm zu 'dienen'.
Ich denke, es kommt darauf an, wie man (frau) das verstehen möchte.
Ein unverkrampfter Umgang mit Sexualität als Bedürfnis (beider!) Geschlechter lässt so etwas zu.
Wenn du es als „zu Diensten sein müssen“ oder „benutzen“ einordnest, ist das eine Zumutung…wer will dann schon ins Bett??😀
Ein Nein muss möglich sein, wie Zari schon gesagt hat. Aber es ist trotzdem ein Unterschied, ob du denkst, dein Mann zitiert dich ins Bett zum benutzen oder ob er das macht, weil er dich begehrt und gerne mit dir schlafen möchte…es gibt da eine Bandbreite…
Im Eingangspost fällt mir auf, dass da Ungeduld eine Rolle spielt und sie nicht die Freiheit hatte, das Telefongespräch nach eigenem Ermessen zu Ende zu führen. Wirkt ziemlich bestimmend. Und dann einen Bibelvers zu benutzen, um den eigenen Willen durchzusetzen, ist mMn auch neben der Spur, um nicht zu sagen, übergriffig.
Bleibe Du und ein Gegenüber auf Augenhöhe. Deine intuitive Reaktion hat dir den Beginn einer Schieflage aufgezeigt. Deine Bedürfnisse sind genauso wichtig wie seine.
@deborah71 Ja ich halte das auch nicht für in Ordnung. Eigentlich sind wir doch in unserer Kultur so weit, dass es keine "Pflicht" mehr gibt. Man hat Frauen damit unterdrückt. Vor grob 20 Jahren gab es ein Buch über koscheren Sex, Rabbiner sagen eindeutig Frauen haben in Bezug auf Sexualität auch Rechte. Ich sehe in diesem Fall einen Missbrauch der Bibel.
Veröffentlicht von: @sternUnd dann zitiert er seine Frau (schriftlich!) Ins Bett, um ihm zu 'dienen'.
Ich denke, es kommt darauf an, wie man (frau) das verstehen möchte.
Ein unverkrampfter Umgang mit Sexualität als Bedürfnis (beider!) Geschlechter lässt so etwas zu.
Wenn du es als „zu Diensten sein müssen“ oder „benutzen“ einordnest, ist das eine Zumutung…wer will dann schon ins Bett??😀
Ein Nein muss möglich sein, wie Zari schon gesagt hat. Aber es ist trotzdem ein Unterschied, ob du denkst, dein Mann zitiert dich ins Bett zum benutzen oder ob er das macht, weil er dich begehrt und gerne mit dir schlafen möchte…es gibt da eine Bandbreite…
Das waren ja nicht meine Worte.
Der Mann will, dass die Frau ihm (auch auf sexuellem Gebiet) 'dient'.
Wenn beide das wollen, kann das ein nettes Spiel sein.
Aber so klang mir das Eingangsposting nicht.
Aber so klang mir das Eingangsposting nicht.
Nein, für mich auch nicht, das war anders gemeint.
Ich bin da etwas zwiegespalten bei dem Thema. Einerseits genieße ich es als Frau, frei von diesen Bestimmungen zu sein, die Generationen vor uns durchleben mussten. Ich fühle mich dadurch wirklich frei und selbstbestimmt und möchte es auch gar nicht anders haben. Damit ist ein „zu Diensten“ in einer Beziehung auf Augenhöhe undenkbar.
Aber trotzdem gibt es auch einen Teil in mir, der versteht, dass mein Mann ja auf mich angewiesen ist, wenn es um Sex geht….und damit fühle ich mich involviert in seinen „Bereich“…genauso wie er in meinen „Bereich“ involviert ist, wenn ich nicht kann oder will.
Veröffentlicht von: @sternAber trotzdem gibt es auch einen Teil in mir, der versteht, dass mein Mann ja auf mich angewiesen ist, wenn es um Sex geht….
und damit fühle ich mich involviert in seinen „Bereich“…genauso wie er in meinen „Bereich“ involviert ist, wenn ich nicht kann oder will.
?
Es klingt ja nicht so, als ob der arme Mann unterversorgt wäre.
Die Frau hat halt nur nicht immer Zeit und / oder Lust.
Und damit muss der Mann zurechtkommen - und das Problem entweder aussitzen oder selber lösen.
(Nicht vergessen - der unverheiratete christliche Mann hat auch nicht immer eine Frau zur Hand)
Die Frau hat halt nur nicht immer Zeit und / oder Lust.
Und damit muss der Mann zurechtkommen
Absolut! Ich wollte überhaupt nicht sagen, dass sie ihm da „zu Diensten“ sein soll, obwohl sie das nicht möchte… kam vielleicht falsch rüber.
In ihrem Eingangspost ging es ja um diese Erwartungshaltung ihres Mannes und ob sie biblisch/christlich betrachtet dem nachkommen soll/muss. Und in der Bibel lese ich das so, dass wir als Mann und Frau eine Einheit bilden, auch eine körperliche - ein Fleisch - und diesen Gedanken wollte ich bejahen.
Allerdings bedeutet er ja auch (oder sogar vor allem), dass der Mann seine Frau wie ein Teil von sich behandeln soll. Und wenn ein Teil von ihm nicht will oder kann, dann muss er durch die gleiche Bibelstelle eben auch Rücksicht nehmen…sonst würde er sich selbst schlecht behandeln.