Der Schulweg und die Gesellschaft, in der wir leben...
Hallo zusammen,
wie an anderer Stelle bereits geschrieben habe ich 2 Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Dazu muss ich sagen: Mein Sohn ist defacto mein Stiefsohn, aber einen Unterschied zwischen dem leiblichen Kind und dem angeheirateten Kind ist ein Luxus, den ich mir nicht leisten kann. Und in diesem Beitrag geht es jetzt um meinen Stiefsohn.
Der leibliche Vater meines Stiefsohns hat einen Migrationshintergrund- Südamerika. Daher ist die Hautfarbe meines Sohnes etwas dunkler als europäisch.
Leider ist die Gesellschaft dieser Zeit eher ablehnend gegenüber Menschen eingestellt, die vom aussehen her anders aussehen als das mitteleuropäisch übliche Aussehen. In letzter Zeit kam es immer wieder zu Kommentaren an meinen Stiefsohn, die von "Guck mal, ein Schwarzbrot" hingehen zu "Geh dorthin, wo Du hergekommen bist". Auch im Bus auf dem Weg zur Schule oder von der Schule nach Hause sind solche Kommentare zu hören - und zwar nicht nur von Teenagern oder jungen Menschen, sondern auch von Erwachsenen.
Der Gipfel war gestern Mittag erreicht, als mein Junge weinend vom Bus nach Hause kam. Es gab im Bus den "unschönen" Zwischenfall, dass ein Erwachsener meinem Jungen Schläge androhte, wenn er nicht aufhören würde, zu lachen - unter anderem wäre der Begriff "Nigger" in seine Richtung ausgesprochen worden. Und alles, was der Bub getan hat, war, mit Klassenkameraden im Bus Witze zu reißen - wie das 12-13jährige eben so machen.
Ich fühle mich hilflos, da ich weiß, dass ich den Jungen eben nicht immer vor so etwas schützen kann. Ich kann nur hoffen, dass er stark genug ist, den Hass unserer Gesellschaft zu ertragen.
Meine Frage an Euch, liebe Forengemeinschaft, ist: Wie würdet Ihr mit einer solchen Situation umgehen?
@mr-k Meine Frage an Euch, liebe Forengemeinschaft, ist: Wie würdet Ihr mit einer solchen Situation umgehen?
Schwer zu sagen, aber mir fällt zu dem, was Du da berichtest, der Begriff der street smartness ein. Hat Dein Sohn davon genug? Wo hält er sich sonst auf, wenn er nicht gerade mit dem Bus zur oder von der Schule heim fährt?
Street smartness, also Straßen-Schläue hat jemand, der sich auskennt auf der Straße. Der weiß, wann er eine große Lippe riskieren kann und wann nicht. Der aufmerksam seine Umgebung sondiert und mitbekommt, wie andere auf ihn und sein Verhalten reagieren.
Ich fasse die Situation, die der Auslöser für Deinen Entschluss, diesen Thread zu starten, war, mal so zusammen, wie sie sie abgespielt haben könnte: Dein Sohn, mit 12 oder 13 kein kleines Kind mehr, sondern ein großer Junge mitten in der Pubertät, fährt in einem Bus gemeinsam mit zwei Mädels aus seiner Klasse und reißt Witze. Dabei wird laut gelacht. Wie laut? Wie sehr versucht er, die beiden Mädels womöglich zu beeindrucken, indem er eins auf dicke Hose macht? Wir wissen es nicht, aber ich weiß, dass Kids in dem Alter, wenn sie aus der Schule kommen, echt scheiss laut sein können und mit ihrer großen Schnauze und ihrer tollen Lustigkeit andere Leute im Bus oder im S-Bahn-Abteil echt nerven können. Ich hab's persönlich von beiden Seiten erlebt. Also Teenager hatte ich auch oft eine echt große Klappe und brüllte und johlte gern - nach einer Woche Schullandheim-Aufenthalt kamen ich und meine Kumpels z.B. mit derart heiserer Stimme nach Hause, dass ich einmal sogar deswegen zum Arzt mußte, weil meine Eltern dachten, meine Stimmbänder wären kaputt (ich konnte drei Tage lang nur noch flüstern). Als Erwachsener ohne Führerschein fuhr ich oft in Bussen zur Arbeit, in denen Horden von Schulkindern einen Lärm machten, dass ich am liebsten mir mal die Oberschreihälse genommen und ihnen ein's auf die Schnauze gegeben hätte. Soweit - so normal also.
Weiter: wer viel mit Bussen und Bahnen unterwegs ist, der weiß, dass die Sorte von Fahrgästen je nach Gegend (und Uhrzeig) wechseln kann. Es gibt Gegenden und Zeiten, in denen steigen in Busse - abgesehen von den Schulkindern - vorwiegend ältere Leute auf dem Weg zum Einkaufen oder normale kleinbürgerliche Pendler auf dem Weg zur Arbeit ein. Dann gibt es Zeiten und Gegenden, in denen steigen Asis ein oder Leute die vom oder zum Feiern fahren, möglicherweise angetrunken oder in Partylaune und entsprechend laut. Dann gibt's wieder Gegenden, in denen vor allem Ausländer (politisch korrekt: Leute mit Migrationshintergrund) einsteigen, üblicherweise gleich immer in größeren Gruppen und in solchen Fällen dann je nach Kultur gern auch mal sehr laut in ihrer Muttersprache kommunizierend. Je nachdem, wer da also mit einem im Bus oder S-Bahn-Abteil sitzt, verhält man sich, wenn man street smart ist, unterschiedlich. Das fängt z.B. damit an, dass manche Leute laut per Handy telefonieren. Was andere Leute nerven kann. Mich hat es damals als Pendler manchmal bis fast zur Weißglut getrieben, wenn ich in der S-Bahn auf dem Weg zur Arbeit gern nochmal für ein Viertelstündchen die Augen zumachen und dösen wollte und dann irgend ein Fatzke oder irgendeine Trulla hinter oder vor mir laute und lange und inhaltlich derart unwichtig-banale Gespräche führen mussten, dass allein dies mich schon ärgerte: wegen so einem Blödsinn kriegte ich hier kein Auge zu? Ich erinnere mich an ein paar wenige Situationen, wo es mir so dumm wurde, dass ich aufstand, mich vor einer Trulle aufbaute und sie aufforderte, ihre Privatgespräche bittesehr im nächsten Abteil oder am besten gar nicht zu führen. Das war sicherlich nicht die feine Art von mir, denn ich arbeitete da mit der Angst, die eine junge Frau (erwachsenere Frauen hab ich nie so nervig telefonieren erlebt) vor einem Mann hat, der sich vor ihr aufbaut.
Wenn nervige Typen mich solcherart von meinem Arbeits-Weg-Nap abhielten, baute ich mich nie vor denen auf, sondern rief statt dessen über die Schulter sowas wie: "Hey Kollege, würde es dir was ausmachen, das Gespräch kurz zu machen oder in den nächsten Wagon zu wechseln?!"
Wenn ich dagegen von einer Gruppe laut miteinander redenden Leute in meinem Schlafen/Dösen oder auch nur meiner Fahrtlektüre gestört wurde, hielt ich stets fein die Schnauze, denn als normaler, vernünftiger Einzelner legt man sich nie mit einer Gruppe an.
Es gibt allerdings durchaus Einzelne, die das tun: sich mit Gruppen im Bus oder der Bahn anlegen. Zwei Kategorien gibt es da: die einen, die sind nicht street smart. Das sind dann so ältere Herren oder Damen, die meinen ernsthaft, sie könnten fremde Teenager erziehen... Wenn solche Herrschaften besonders dumb sind, dann herrschen sie Fünfzehn- oder Sechszehnjährige an, die sollten gefälligst ihre schmutzen Füße vom Sitz nehmen oder mal nicht so laut herumbrüllen. Wenn sie Glück haben (und sie haben meinen Beobachtungen nach überraschend häufig Glück), wird ihr Gemecker nicht beachtet; oder es gibt sogar in den gemaßregelten Jugendlichen-Gruppen ein, zwei (meisten Mädels), die daraufhin auf ihre Freunde einzuwirken versuchen, sich entsprechend etwas leiser/rücksichtsvoller zu verhalten. Wenn sie aber Pech haben, bekommen solche Herrschaften dann den Streß, den sie eigentlich gar nicht gewollt hatten: "Ey Opa, willste was auf die Fresse?!"
Die Vertreter der anderen Kategorie suchen Streit. Die legen es auf Eskalation an. Und denen gegenüber helfen dann all die tollen Ideen, die man so haben könnte und die hier im Thread schon anklangen, wenig, bzw. könnten sogar nach hinten losgehen.
Wenn nun, wie im Fall Deines Sohnes, rassistische Pöbeleien im Spiel sind, so steht noch nicht fest, zu welcher Kategorie diejenigen gehören, die da was von Nigger oder Schwarzbrot verlauten lassen: ist es der einzelne Opa, der einfach nur von dem lauten Krakeelen dieses Jugendlichen genervt ist, der letztlich eher zu den Loosern gehörende Wutbürger, der sich durch einen lauten und womöglich über ihn selbst Witze reißenden farbigen Teen in seinen deutschtümelnden Vorurteilen bestätigt sieht? Oder ist ist es eher einer von mehreren, gegebenenfalls gar nicht sonderlich alten Männern (seltener: Frauen), die nur auf eine Gelegenheit aus sind, einem Scheiss-Kaffern mal ordentlich was einzuschenken?
Dein Sohn ist kein kleines Kind mehr. Du kannst mit ihm vermutlich vernünftig reden und Du kannst ihm zumuten, über Realitäten zu reden statt über eine Wünsch-dir-was-Welt. Du kannst ihm erläutern, dass er sicherlich nicht derjenige sein wird, der durch sein Verhalten die Gesellschaft von Rassismus wird heilen können. Du kannst ihm beibringen, dass Heldentum in Filmen und Fiktionen zwar meist am Ende belohnt wird, dass er aber in der realen Welt ohne garantiertes happy end lebt, in der man street smart sein muss, um nicht in gefährlichen trouble zu geraten. Dass der Raum "öffentliches Verkehrsmittel" und der Raum "Schule" zweierlei sind, dass ein Verhalten, welches in der Schule unproblematisch ist oder sogar vorteilhaft (vor den Mädels witzig und laut sein...), im Bus womöglich Ärger einbringen kann.
Dass rassistische Pöbeleien Kacke sind, darüber dürfte hier wohl Einigkeit herrschen. Aber Pöbeleien sind eigentlich immer Kacke und dennoch wissen wir alle, dass es zwischen Menschen immer wieder zu Pöbeleien kommen wird und dass nicht jeder per Beschimpfungen ausgetragene Konflikt das ist, was man auf Englisch einen "hill worth dying for" (einen Hügel, den mit dem Leben zu verteidigen es wert ist - eine Kriegsführungs-Metapher) nennt. Dann nennt halt irgendein Idiot Deinen Sohn Nigger oder Schwarzbrot, so what? Von Idioten darf man Idiotisches erwarten. Seine Hautfarbe kann dein Sohn nicht verstecken und solange die rassistischen Idioten hierzulande nicht aussterben (und das ist leider kaum zu erwarten), wird er immer wieder solche Situation erleben müssen, zumindest "in the streets". Erkläre ihm das. Bereite ihn mental darauf vor. Erkläre ihm auch, warum selbst der tollste und größte und stärkste Papa seine Kinder nicht vor solchen unangehmen Lebensrealitäten schützen kann. Vermittle ihm street smartness (die kommt aber größtenteils, da darf man sich nix vormachen, nicht durch elterliche Lehre, sondern durch Erfahrungen...), so gut es geht. Nimm ihn in den Arm, wenn er weint und tröste ihn. Aber wenn dann die Tränen irgendwann getrocknet sind, überlege vielleicht mit ihm gemeinsam, wie sich solche unschönen Situationen in der Zukunft mit vertretbarem Aufwand verhindern ließen: z.B. mal abchecken, wer sonst so in der nächsten Umgebung sitzt/steht, während man laut Witze erzählt.
Ach ja, einen konkreten Vorschlag, der hier gemacht wurde, möchte ich noch kurz ansprechen: Um einem Jungen wie dem Deinen "Selbstbewußtsein" zu verschaffen, wurde vorgeschlagen, ihn zu einem Box- oder Selbstverteidigungskurs zu schicken. Auch Frauen/Mädchen wird das häufig empfohlen, damit die "selbstsicherer" in der Öffentlichkeit werden und sich nicht wie "geborene Opfer" verhalten.
Ich sehe das sehr skeptisch. Habe in meinen aktiven Kampfsportzeiten selbst mal einen Kurs "Selbstverteidigung für Frauen" als Co-Trainier geleitet, wenn auch nur für ein halbes Jahr. Was da vermittelt wird, halte ich nicht für sehr tauglich aus kampfsportlicher Perspektive, denn eine durchschnittliche Frau wird sich realistischerweise erst nach zwei, drei Jahren echten Kampfsporttrainings effektiv gegen einen nicht trainierten Durchschnittsmann verteidigen können. Und wenn sie an einen Kerl gerät, der seinerseits Kampfsport betreibt, dann ist sie ihm so unterlegen, wie eine übliche untrainierte Frau einem üblichen untrainierten Mann unterlegen ist. Also besteht der eigentliche Nutzeffekt bei solchen Kursen eher im psychischen als physischen Bereich: selbstbewußte Leute werden in aller Regel seltener Opfer von gewaltsamen Aggressionen als sich wie "geborene Opfer" gebärdende Leute. Um aber selbstbewußt aufzutreten, reicht es sowohl bei Mädchen wie bei Jungen i.A.R. schon, wenn sie regelmäßig einen Mannschaftssport betreiben, in dem sie erfahren, zu was sie körperlich fähig sind, und der ihnen Fitness vermittelt: einen aufrechten, sicheren Gang beispielsweise, einen erhobenen, aufmerksam die Umgebung sondierenden Kopf...
Der Vorteil des Mannschaftssports liegt übrigens auch darin: das Arbeiten im Team zu lernen. Zu lernen, sich auf seine Mitspieler zu verlassen, zu lernen, wie sehr Zusammenspiel stärker macht, was Gruppenzusammenhalt bringt. @Weihnachten hatte oben interessanterweise das hier geschrieben:
Mein Sohn ist sich sicher, dass seine Kumpels sofort die Klappe aureißen würden, wenn ihn jemand so beleidigen würde.
Ihr Sohn hat es sofort erkannt, es ist ihm aus Erfahrung selbstverständlich: um vor solchen Übergriffigkeiten geschützt zu sein, sucht man sich Kumpels, sucht man die Gruppe. Wer einen Mannschaftssport betreibt, hat seine Mannschaft rein gefühlsmäßig auch dann "im Rücken", wenn er gerade allein unterwegs ist. Der weiß aber auch instinktiv, in welchen Fällen es sinnlos ist, gegenüber einer zahlenmäßigen Überlegenheit stur loszustürmen, d.h. unnütze Risiken auf sich zu nehmen. Wenn Dein Sohn allein unterwegs ist und da ist ein Erwachsener oder sogar eine Gruppe von Erwachsenen (oder Jugendlichen) - dann ist es klug, solche Übergewichte der Gegenseite zu antizipieren und Ärger halt auch mal aus dem Weg zu gehen, ohne sich dabei als Feigling oder Duckmäuser zu fühlen. Das lernt man eher bei Mannschaftssportarten (heute Abend, wo wir vermutlich rausfliegen gegen Spanien, wird man das studieren können, ich freu mich schon drauf... 😀 ) als in Einzelsportarten wie Leichtathletik oder Kampfsport.
Obwohl ich also selbst asiatische Kampfkunst liebe und weiß, dass praktisch kein anderer Sport* körperlich so fit macht wie das Boxen, würde ich dennoch, wäre ich an Deiner Stelle, meinem 12-jährigen Sohn nicht ausgerechnet dazu raten, mit Kampfsport oder Boxen anzufangen. Denn auch dies muß man bedenken: Jugendliche neigen dazu, sich zu überschätzen und wer sich für "gefährliche" hält als er eigentlich ist, legt sich womöglich auch mit Gegnern an, denen er besser aus dem Weg gegen sollte. Denke mal vier Jahre weiter: dann ist ein heute Zwölfjähriger Sechzehn und hat vielleicht den braunen Gürtel in Karate. Kann locker in den Spagat gehen. Hundert Liegestütz auf den Knöcheln. Ist einen halben Kopf größer als sein Vater. Und dann kommt ihm irgendso ein Vollspacko in der S-Bahn mit einem rassistischen Spruch. Da ist dann die Versuchung womöglich fast unendlich groß, diesem Scheiss-Nazi mit einem Roundhouse-Kick mal gepflegt die Beißleiste zu frisieren. Eine Versuchung, in die ein gleichaltriger Fußballer niemals geriete. Allein schon, weil der meist mit der halben Mannschaft unterwegs ist an den Wochenenden...
Obwohl selbst kampfsportbegeistert hätte ich lieber einen Fußballer als einen Karateka oder Boxer als Sohn, wenn ich überlege, wie dieser Sohn möglichst unverletzt durch's Leben** kommt.
*Auf Amateurebene. Auf Wettkampf- und Profiniveau macht so ziemlich jeder Sport ausser Angeln, Dart und Schach körperlich fit... 😉
**Der größte tatsächliche Nutzen, den ich durch's Kampfsporttraining im Leben hatte, lag darin, reflexhaft richtig fallen zu können. Dass hat vermutlich einmal mir das Leben gerettet, als ich bei Regen und ohne Licht per Rad nachts um vier eine Straße runterbretterte und vergessen hatte, dass sich auf der eine Fußgängerinsel befand: mein Rad war danach Schrott, aber bis auf meinen Pullover und meine Hose hatte ich selbst keine Schramme, weil ich "richtig" gefallen und abgerollt war (und es dank des Unfallzeitpunkts auch kein sonstiger Verkehr auf der Straße abspielte: denn besonders geschickt unter einen entgegenkommenden LkW abzurollen hilft nicht wirklich beim Weiterleben...). In einem anderen Fall rettete es ein kleines Kind, das in einer Schrebergartensiedlung, durch die ich auch mit viiiiel zu hohem Tempo geradelt war, auf seinem Dreirad hinter einer Hecke hervorkam: eine Vollbremsung ließ mich per Salto nicht-ganz-mortale über das Kind hinwegfliegen; wäre das gefilmt worden, hätte man es für einen raffinierten Stunt gehalten. Nachdem ich mich vielmals bei dem Kind und seinen Eltern für den Schreck entschuldigt hatte, trug ich dann mein Doppel-Acht-Rad the long way home. Allemal besser, als für den Rest meines Lebens mit dem Schuldgefühl oder zumindest für Jahre mit den Krankenhaus-Kosten-Schulden leben zu müssen.
Aber: auch Fußballer lernen ja, (heute ab 18. Uhr zu begutachten) geschickt zu fallen, insofern: no need für Kampfsportkurse auch in dieser Hinsicht.
"besteht der eigentliche Nutzeffekt bei solchen Kursen eher im psychischen als physischen Bereich: selbstbewußte Leute werden in aller Regel seltener Opfer von gewaltsamen Aggressionen als sich wie "geborene Opfer" gebärdende Leute."
Genau darum und um nichts anderes ging es ja.
Und Boxclub: Wie hatten vor Jahren hier einen Boxclub mit einer Jugendlichenabteilung, wo der Trainer sehr deutlich pädagogische Konzepte vertrat, Mut und Selbstbewusstsein, aber auch Fairness und Nicht-Überschätzung.
@queequeg Wie hatten vor Jahren hier einen Boxclub mit einer Jugendlichenabteilung, wo der Trainer sehr deutlich pädagogische Konzepte vertrat, Mut und Selbstbewusstsein, aber auch Fairness und Nicht-Überschätzung.
Solche Kurse sind mir bekannt. Sie dienen aber, gerade in "sozialen Problemvierteln", praktisch eher der pädagogischen Betreuung von Jugendlichen, die potentiell Gefahr laufen, selbst zu Tätern zu werden. Stichpunkt Fairness. In Milieus, in denen körperlich gewaltsame Auseinandersetzungen latent immer ein relevantes Risiko darstellen, ist es gut, wenn auch dazu Regeln erlernt werden. Als Präventionsmethode gegenüber der Gefahr, dass Jugendlich selbst zu Gewalttätern werden, halte ich solche Clubs/Kurse auch für sehr gut geeignet. Die "street credibility" eines womöglich sogar einstmals Titel errungen habenden Boxers ist da ein Pfund, mit dem gewuchert werden kann.
Weniger geeignet halte ich solche Clubs für Leute, die sozusagen mit ihrer Opferrolle zu kämpfen haben. Dass strukturell das eine und das andere zusammenhängen, ist mir bewußt, aber dennoch: auch im Mannschaftssport werden ja - gute Trainer vorausgesetzt - die von Dir aufgezählten Tugenden vermittelt, nicht jedoch das praktische Handwerkszeug des physischen Gewalttäters, also die Techniken, anderen weh zu tun. Und insbesondere nicht die Erfahrung, die man im Kampfsport, so sehr auch "offiziell" das Gegenteil betont wird, irgendwann praktisch mitbekommt: Dass Angriff häufig die "beste Verteidigung" ist.
Immerhin sind die Argumente:
Mein Kind kann kämpfen und ist daher sicherer vor Übergriffen.
und
Mein Kind hat eine Schusswaffe und ist daher sicherer vor Übergriffen.
von ihrer Logik her nicht sonderlich verschieden.
Wie stehst du zu Ignorieren, Poker face, Ruhig bleiben in kritischen Situationen?
@deborah71 Kommt auf die Situationen an. 🤠 Aber wenn ein Kind weinend nach hause kommt...
Da habe ich mich zu kurz ausgedrückt.... nicht die Eltern sollen ignorieren. Es wäre je nach Situation evtl ein Reaktionsziel für den Heranwachsenden, dass er so stark geworden ist, sich nicht provozieren zu lassen.
Wenn ein Kind weinend nach Hause kommt, dann kann es das definitiv noch nicht und wäre wohl auch überfordert.
@deborah71 Da habe ich mich zu kurz ausgedrückt.... nicht die Eltern sollen ignorieren.
So hatte ich's auch nicht verstanden.
Es wäre je nach Situation evtl ein Reaktionsziel für den Heranwachsenden, dass er so stark geworden ist, sich nicht provozieren zu lassen.
Ich weiß, was Du meinst, aber das ist für mich zu abstrakt und mir kommen da sofort all die Möglichkeiten in den Sinn, wie manche Väter ihre Söhne zu toughen Kerlen formen wollen und das dann komplett nach hinten los geht... Man kann nach meinem Menschenverständnis nicht ohne womöglich destruktive Nebeneffekte auf eine Art zu reagieren hin erzogen werden und alle schlau ausklambüsterten Wege dahin können womöglich vollkommen unwegsam sein. Klar wäre es jedem Vater und jeder Mutter lieb, wenn ihr Kind in solchen Situationen cool bleibt, sich nicht provozieren lässt und so fort. Aber Kinder sind halt auch unterschiedlich veranlagt... Naja - letztlich weiß ich's halt nicht. ^^
Danke für deine Sichtweise dazu. Ich wusste nämlich auch nicht.... und wollte deine Meinung dazu hören.
Ich habe da eine Situation im Gymnasium vor Augen, wo die Aktion der Angreiferin immer stärker wurde, bis ich schließlich reagierte.
"Weniger geeignet halte ich solche Clubs für Leute, die sozusagen mit ihrer Opferrolle zu kämpfen haben."
Nun, meine Erfahrung ist da anders, wobei ich nix gegen Mannschaftssport habe. Wobei ich ja auch betont habe, dass die Techniken der Aggressionsabwehr völlig im Hntergrund stehen. Es wäre ja auch total bedenklich, den Kindern - oder im anderen Fall Frauen - zu suggerieren, dass sie sich jetzt gegen jeden Angriff verteidigen könnten.
Bei diesem einen Jungen, der unerwartet in der Schule besser wurde, nachdem er ein paar Wochen im Boxverein war, handelte es sich um den Sohn von früheren Nachbarn. Der hatte weniger Probleme mit anderen Kindern oder Erwachsenen, sondern war , wie die Eltern sagten, von Anfang an einfach vor allem und jedem ängstlich. Was er da in diesem Club mit sich selbst erlebte, hatte offenbar eine Art interner Türe zu sich selbst geöffnet, jedenfalls lief er bald schon nicht mehr so niedergeschlagen rum wie sont. Das konnte ich dann auch selbst beobachten.
Ein Nebeneffekt, den damal noch niemand absehen konnte, dass er eine ziemlich bösartige Krankheit entwickelt hat, die ihn völlig hätte umwerfen können, es aber nicht getan hat. Er ist ja inzwischen erwachsen und meint, dass das jetzt der Ring ist, in dem er kämpfen muss - "ich geh nicht erst k.o, bevor ich nicht wirklich auf den Brettern liege".
@queequeg Es wäre ja auch total bedenklich, den Kindern - oder im anderen Fall Frauen - zu suggerieren, dass sie sich jetzt gegen jeden Angriff verteidigen könnten.
Korrekt. Wobei das ja auch nirgendwo getan wird. So blöd ist niemand, der entsprechende Kurse anbietet. Ich halte solche Kurse dennoch (sie werden ja nicht nur ganz vereinzelt angeboten, sondern gehören mittlerweile zu jedem größeren Dojo mit dazu - es ist ja ein Markt, der damit bedient wird) eher für eine clevere Geschäftsidee, denn für eine effiziente Methode, denen zu helfen, die Hilfe tatsächlich bräuchten.
Bei diesem einen Jungen, der unerwartet in der Schule besser wurde, nachdem er ein paar Wochen im Boxverein war, handelte es sich um den Sohn von früheren Nachbarn. Der hatte weniger Probleme mit anderen Kindern oder Erwachsenen, sondern war , wie die Eltern sagten, von Anfang an einfach vor allem und jedem ängstlich.
Okay. Gegen einzelne Beispiele läßt sich schlecht grundsätzlich argumentieren. Ich könnte dagegen eine ganze Reihe von Beispielen nennen, wo Jungs, die in Dojos gingen oder zum Boxen, das dort Erlernte danach gern mal samstag nachts draussen vor der Disco ausprobierten. Ich hab Karateschüler aus "meinem" Dojo (also der Kampfsportschule, bei der auch ich trainierte) Ärger provozierend in der Straßenbahn erlebt, was also nicht weit entfernt war vom Threadthema. Je nach Stadtviertel kannst Du heute (konnte man schon vor 20 Jahren, als ich noch am Wochenende feiern ging) davon ausgehen, dass in manchen Clubs die Hälfte der Typen, die um die Tanzfläche rumstehen und den Mädels auf die Ärsche glotzen, Kampfsport betreiben. Und wenn ein Mädel mit dem, was sie in diesen Selbstverteidigungskursen gelernt hat, versucht, sich eines aufdringlichen Kerls, der seinerseits regelmäßig boxt*, zu erwehren - dann kann das böse ausgehen.
Nochmal: ich liebe Kampfsport und alle positiven Dinge, die man mit ihm verbinden kann, inklusive Charakterbildung, finden sich im Kampfsportbereich. Aber diese Dinge dienen in der Kommunikation immer auch als Werbung und werden stärker betont, als sie sich in der Realität oftmals ausprägen. Ja, es gibt sehr gute Trainer/Senseis, die dabei helfen, Kindern und Jugendlichen Reife, Selbstbewußtsein und eben auch Verantwortungsbewußtsein zu vermitteln. Ja es gibt Kursleiter, die bei Frauen-Selbstverteidigung immer und stets betonen, dass es am sichersten ist, Konfrontationen aus dem Weg zu gehen und dass die beste Waffe bei der Selbstverteidigung flache Schuhe sind, mit denen man schneller weglaufen kann. Und dass man den Angreifer anbrüllen sollte oder mit irgendwelchen Handtaschenutensilien bewerfen und was nicht so alles in diesen tollen Szenarien sich ausgedacht wird.
Aber dann frag mal ein paar Jahre später nach, wieviele dieser tollen Tricks in der Praxis von den Kursteilnehmerinnen auch angewendet wurden und mit welchem Erfolg, und du wirst rausbekommen, dass diese Szenarien nicht sonderlich realistisch sind und z.B. Frauen sich vor allem gegenüber ihren brutalen Partnern müssten wehren können, bei denen die erste Regel - sich gar nicht erst auf solche Situationen einlassen - schon mal gründlich mißachtet wurde. Und wenn Du mit so einem Kerl auf dem Sofa chillst und er dir dann brutal an die Wäsche geht - was machste dann mit dem Schlüsselbund aus der Handtasche**, wo kannst Du dir da bei den unbeteiligten Dritten Hilfe herbeireden oder - schreien? Und wenn Du da dann in der Panik daran denkst, was dir der augenzwinkernde Trainer mal erzählt hat, dass man dann am besten mit einem beherzten Kniestoß in des Angreifers Kronjuwelen sich die nötige Zeit zum Wegkommen verschaffen sollte... Dann Gute Nacht, Marie! Das schafft dann vielleicht eine von fünfen effektiv. Eine von fünfen kommt dann aus so einer Situation raus. Die anderen vier haben die Situation eskaliert: "Du willst mir weh tun, Bitch?! Ich zeig dir mal, was weh tut!"
Jetzt hab ich da schon wieder so viel geschrieben, auch, weil das ein Thema ist, über das ich mich schon seit Jahren immer mal wieder mit Leuten streite, die Selbstverteidigungskurse für Frauen oder den erzieherischen Segen des Kampfsports m.A.n. grob überschätzen. Ich bin da für Realismus und warne davor, sich von teilweise kulturell tief verankerten Narrativen a la "Karate Kid" in die Irre führen zu lassen.
Und nochmal: wenn ich einen Jungen zwischen 6 und 12 hätte, dann würde ich den zwecks Charakterbildung heute immer lieber im Sportverein zu einem Mannschaftssport anmelden. Und na gut, vielleicht dann doch, weil da das Fallen gelernt wird und das Festhalten: im Judoverein. (Nicht: Boxen, Karate, Tae-kwon-do usw.).
*Das lernt man gerade beim Boxen: sich nicht beim ersten Treffer zurückzuziehen. Einstecken lernt man da, mit Schlägen direkt auf die Nase umzugehen. Das ist im Prinzip gut, wenn man einen Kampf gewinnen will. Aber wenn Dein Gegner ein Boxer ist und Du bist eine Frau, dann wirst Du den Kampf in 99% aller Fälle verlieren und dann ist es also in allererster Linie wichtig, dass es überhaupt nicht erst zum Kampf kommt. Der Mut, den Du dann als Frau womöglich in solchen Kursen erlernt hast, der Mut "zurückzuschlagen" - der kann am Ende dazu führen, dass Du eine Situation eskalierst, aus der Du dann brutalst verletzt hervorgehst.
Es gibt schon einen Grund für unterschiedliche Gewichtsklassen in den Kampfsportarten. Und zwischen Frauen und Männern besteht in der Praxis sozusagen ein Verhältnis wie zwischen der Leichtgewichts- und der Schwergewichtsklasse. Ich erinnere mich eines Karatewettbewerbs (Semikontakt), das muss so 40 Jahre her gewesen sein. Bei den Frauen gab's nicht genügend Teilnehmerinnen, weswegen da nicht nur keine Gewichtsklassen galten, sondern sogar nur zwei Gruppen überhaupt: Weiß- bis Orangegurt und Grün- bis Schwarzgurt. Die Gesamt-Siegerin in der zweiten Gruppe war ein Grüngurt - die hatte zwar technisch nicht sonderlich viel drauf, und normalerweise (bei körperlich einigermaßen ausgeglichenen Verhältnissen) wischt ein Dan-Träger eh mit 'nem Grüngurt den Boden auf. Aber sie war halt einen guten Kopf größer als ihre Gegnerinnen und vielleicht zwanzig oder dreissig Kilo schwerer. Und was helfen Dir alle technischen Fähigkeiten, wenn die Physik auf der anderen Seite mitmacht? Klar: das waren Wettbewerbsbedingungen und da durften nicht gefährliche Techniken angewendet werden usw. usf. Aber seither ist für mich der Mythos, dass rasches und beherztes Handeln und gute Technik ausschlaggebend im Straßenkampf seien, gestorben. Im Straßenkampf hat übrigens auch eine Halmich gegen einen Stefan Raab (die Älteren unter uns erinnern sich? 😉 ) keine echte Chance. Der wirft sie einfach um und auf sie drauf und dann liegen da hundert Kilo Mann auf vielleicht 60 Kilo Frau und von oben nach unten prügelt sich's besser als umgekehrt...
**Mein Top-Favorit aus der Liste dämlicher Ratschläge aus der Kategorie "Alltagsanwendungssituationen" ist der hier: Wenn ein Angreifer Sie von hinten umklammert und Sie tragen High-Heels, so können Sie ihm mit dem spitzen Absatz von oben auf den Fuß treten, das schmerzt ungemein und er wird Sie vermutlich loslassen.
"besteht der eigentliche Nutzeffekt bei solchen Kursen eher im psychischen als physischen Bereich: selbstbewußte Leute werden in aller Regel seltener Opfer von gewaltsamen Aggressionen als sich wie "geborene Opfer" gebärdende Leute."
Ist das nicht Victim Blaming, so nach dem Motto "wer verprügelt wird, hat es durch seine Opferhaltung provoziert?" Dass "selbstbewusste" Menschen weniger oft angegriffen werden, halte ich übrigens für einen Mythos und man kann dem selbstsichersten Menschen seine Selbstsicherheit rauben, wenn man ihn mobbt.
Hi, das ist nicht schön, wo kommst du denn her?
Hier im Raum Stuttgart gibt es das in der Form oder besser diesem Ausmaß eher nicht. Im Ruhrgebiet sicher auch nicht. Ich glaube nicht daß mehrheitlich in Deutschland überall so ist. Aber das hilft euch da wo ihr wohnt, nicht weiter.
Der Mann im Bus, normal sollte man da gleich aus mehreren Gründen Anzeige erheben. Ist der vom sehen bekannt, öfters dort?
Wie dein Sohn am besten darauf reagiert, puh. Man könnte sich freche Sprüche oder Verhaltensweisen überlegen, aber ob es Klug ist als Kind größere zu Provozieren ist so eine Sache, wahrscheinlich eher nicht.
Irgendwann wird er aber auch Größer. Dann ab in die Muckibude, dann wirkt er plötzlich einschüchternd und die Leute halten ihre dumme Fresse.
Ich bin kinderlos und Single, also hab ich nicht wirklich das Knowhow, um viel beizutragen.
Das einzige, was mir spontan kam war, dass du Menschen nicht ändern kannst. Vielleicht gelingt es dir ab und an jemandem einen Spiegel vor zu halten und dadurch was zu bewirken. Aber grundsätzlich kannst du keinen überzeugen, wie scheiße Rassismus ist.
Daher kann ich dir nur raten, dein Kind so gut es geht zu stärken und ihm zu helfen, auf seine Identität stolz zu sein und nicht auf andere Stimmen zu hören. Wie man das angehen kann, haben ja schon andere hier gesagt
@mr-k Erst einmal finde ich es absolut traurig, dass unser Land wieder so primitiv geworden ist. Ich hatte an sich zu meiner Schulzeit (jetzt ca. 40 Jahre her) den Eindruck, dass dies jetzt überwunden sei. Aber gegen Dummheit muss man wohl permanent kämpfen, das ist nicht mit einer Generation ausgerottet.
Gibt es die Möglichkeit, dass er in eine Selbstverteidigungsschule geht - irgendeine japanische Kampftechnik, notfalls auch Kickboxen? Ich fände es wichtig, dass er sich einmal verteidigen kann - dann aber auch Selbstvertrauen bekommt und das kann solcher Sport auch mitliefern.
Ich fürchte, dass solche Auseinandersetzungen auf dieser Ebene ausgefochten werden müssen. Und wenn die Verhältnisse dann geregelt sind, dann ist da auch kein ewiger Kampf.
Zu meiner Schulzeit brachte ein Bauer einen afrikanischen Freund als Helfer mit aus dem Urlaub. Der wollte dann in einer Dorfkneipe ein Bier. Und es kamen blöde Bemerkungen vom Wirt. Da hat Jimmy ihn einfach mal an der Krawatte gepackt und ihm seine Bestellung noch einmal ganz deutlich vermittelt - ab da war Jimmy Teil der Community und bekam so viel Bier wie er wollte.
Er hier hatte als Kind auch Probleme mit seiner Andersartigkeit - und besser kann man wohl nicht integriert sein:
https://www.youtube.com/watch?v=xUVVYShFEWo
Ich meine mich zu erinnern, dass er über Bodybuilding zum Selbstbewusstsein kam.
Ich wünsche Euch jedenfalls alles Gute für die Zukunft. Dein Sohn ist die Persönlichkeit, die unser Land ganz dringend braucht. Aber nicht als Prügelknabe sondern als selbstbewusster Mensch der ganz praktisch zeigt: In der Vielfalt liegt Potential, das allen dient. Nicht das Äußere ist entscheidend, sondern die innere Haltung.
@goodfruit Hi,
Bei Kampfsport muss man aus Christlicher Ansicht vorsichtig sein.
Diese asiatische hat mehrheitlich leider mehr oder weniger stark Religiöse Einflüsse. Es ist eben nicht nur Kampf. Gewisse Kunststückchen zum Vorführen haben auch nur noch wenig mit menschlicher Kraft zu tun. Das schilderte mir einmal sehr anschaulich ein ehemaliger Missionar.
Natürlich gibt es auch genug wo davon Frei ist-
Krav Maga
Ringen
Boxen/Kick Boxen
Dann gibt es sogar einen Christen, ich glaube ein Herr Carsten Stahl? Solche Kurse werden an diversen Orten angeboten.
auf you tube kann man einen Einblick bekommen, wie Carsten Stahl arbeitet:
Stichwortsuche: Stahl: hart gegen Mobbing
Kenny hat zu lange geschwiegen! 😲😢 | Stahl:hart gegen Mobbing
Es wird der Eltern und Kind-Kontakt gezeigt und Sequenzen aus der Schule. Stahl versucht auch den Mobber ausfindig zu machen und ihm zu helfen, den Hintergrund aufzudecken und ihn aus der Wutfalle zu holen. Die Mitschüler werden in den Prozess mit hineingenommen und auf die Ebene der Solidarität mit den beiden! schwachen Hauptkontrahenten geholt.
Zum oft angesprochenen Thema Kampfsport:
Leider fehlt dem Jungen jegliches Interesse daran. Wir hatten ihn schon einmal in einem Kampfsportkurs. Viermal hingegangen, danach nie wieder. Wir können den Jungen da nicht zum Jagen tragen. Daher ist das keine gangbare Alternative.
Außerdem - ich weiß wohl, dass es gut gemeinte Ratschläge sind, aber wir reden hier von einem der Beschreibung nach fast 30jährigen, der auf einen 13jährigen losgehen will. Ich würde sagen, selbst bei den günstigsten Voraussetzungen wäre der Kampf ziemlich einseitig.
Ferner frage ich mich, was es denn aussagt, dass wir bei Gewalt (oder der Androhung dieser) tatsächlich mit Gegengewalt arbeiten wollen. Warum muss jemand kämpfen lernen, der eigentlich nicht kämpfen will? Und sollten wir im 21. Jahrhundert nicht weiterentwickelter sein als der Neandertaler mit seiner Keule?
Ferner frage ich mich, was es denn aussagt, dass wir bei Gewalt (oder der Androhung dieser) tatsächlich mit Gegengewalt arbeiten wollen. Warum muss jemand kämpfen lernen, der eigentlich nicht kämpfen will? Und sollten wir im 21. Jahrhundert nicht weiterentwickelter sein als der Neandertaler mit seiner Keule?
Es geht ja nicht darum, sich tatsächlich auf einen Kampf vorzubereiten, sondern um Selbstbewusstsein. Dazu gehört vor allem, sich innerlich nicht in eine Opferhaltung drängen zu lassen.
Mit Vernunft, Logik und schönen Worten kommt man hier nicht weiter. Dass die "Bösen" die Anderen sind ist offensichtlich. Das hilft einem in dem Alter aber nur wenig. Da kommen schnell Selbstzweifel auf, wenn man immer derjenige ist, der von irgendwelchen Fremden beschimpft wird, mit denen man eigentlich gar nichts zu tun hat.
Deshalb ist es so wichtig, etwas zu haben, das einem Halt gibt. Familie, Freunde... oder halt auch Kampfsport, wenn es einen denn interessiert. Wenn nicht, dann eben etwas Anderes.
Es geht ja nicht darum, sich tatsächlich auf einen Kampf vorzubereiten, sondern um Selbstbewusstsein. Dazu gehört vor allem, sich innerlich nicht in eine Opferhaltung drängen zu lassen.
Ich denke nicht, dass es sich um echtes Selbstbewusstsein handelt, wenn man es daraus bezieht, dass man kampfsportgeschult ist. So wie ich das sehe, hat der Junge schon ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Das leite ich daraus ab, dass er mit seinem Papa über das Erlebnis gesprochen hat. Echtes Selbstbewusstsein lässt zu, dass man sich auch schwach fühlt. Sich in einer trügerischen Stärke, ganz gleich ob mental oder physisch zu wähnen, hat meines Erachtens nichts damit zu tun.
Eine Opferhaltung ist für mich etwas anderes, nämlich die Tendenz andere immer nur als Täter zu sehen und seine eigenen Anteil an schwierigen Situationen zu verleugnen und dies als Ausrede zu nutzen, nicht aus der Konfortzone zu müssen. Der Junge zeigt keinerlei Opferhaltung.
Das hilft einem in dem Alter aber nur wenig. Da kommen schnell Selbstzweifel auf, wenn man immer derjenige ist, der von irgendwelchen Fremden beschimpft wird, mit denen man eigentlich gar nichts zu tun hat.
Nicht nur in dem Alter. Das trifft jeden, der kritisiert, beschimpft oder sogar attackiert wurde. Der Trick dabei ist, die Selbstzweifel als das zu erkennen, was sie sind: eben Zweifel, die durch ein unschönes Erlebnis ausgelöst worden sind und sie vorbeiziehen zu lassen.
Deshalb ist es so wichtig, etwas zu haben, das einem Halt gibt. Familie, Freunde... oder halt auch Kampfsport, wenn es einen denn interessiert. Wenn nicht, dann eben etwas Anderes.
Oder aber sich nirgendwo festzuhalten und sich einfach in Gottes Arme fallen lassen. Wenn man dann spürt, wie man aufgefangen wird, gibt das ein unvergleichliches Urvertrauen.
Zu kompensieren ist für mich keine Option.
Der Junge hat es versucht, gesehen, dass es nicht zu ihm passt und entschieden. Fertig.
Es gibt andere Wege, Selbstbewusstsein zu stärken. Wenn es ein hochsensitives Kind ist, dann braucht es einen anderen Ansatz, weil es sehr stark durch die Gewaltausstrahlung eines Aggro-Typen beeindruckt werden könnte, weil es diese stärker fühlt.
@mr-k Ich meinte auch nicht, das er, sorry für den Slang, jedem Gegner eins auf die Schnauze hauen soll, sondern das so ein Sport ihn selbstbewusster machen könnte! Ansonsten kann er das was ihn von anderen Kindern/Teenies unterscheidet zu seinem Markenzeichen machen. Nach dem Motto: Lieber 1 Schwarzbrot und 100 Weißbrote!
Ich sah auch immer anders aus und wurde deswegen übel gemobbt, bis ich mich entschied, gerade dies zu betonen. Damit hatte ich die Mobber (größtenteils) entmachtet. Doch ein Patentrezept gibt es leider nicht... Ich wünsche Deinem Sohn alles Gute und dem Rest der Familie!
@mr-k Es geht dabei ja nicht um das körperliche Beherrschen des Gegners, sondern um Aufbau von Selbstbewusstsein, was verhindert, dass überhaupt ein Gegner auf die Idee kommt, anzugreifen.
Der junge Mann in dem Video, das ich gepostet hatte, war auch durch eine Phase von Mobbing gegangen. Dann hat ihn ein Freund zum Bodybuilding mitgenommen und über die Kraft seines muskelbepackten Körpers wuchs auch das Selbstvertrauen und der Mut. Das war für ihn der Einstieg in ein anderes Leben - ein deutlich schöneres Leben. Er ist so zu einer wirklichen Persönlichkeit herangereift.
Gemobbt werden ja immer nur diejenigen, die beim Mobbing eine Reaktion zeigen, die sich in der Hackordnung auf die unterste Schiene stellen lassen und die durch den äußeren Druck ein angsterfülltes Leben leben.
Das gilt es zu durchbrechen. Und auch meine persönliche Erfahrung ist die, das mit körperlicher Fitness und ein gewisser Muskelaufbau (insbesondere auch im Bereich des Solarplexus). So ein Sixpack (hab ich nicht ...) kann helfen, geistige Angriffe im Bereich der Magengegend zu parieren oder unmöglich zu machen.
https://www.actitude.de/magazin/wie-wirkt-sport-auf-die-psyche
Wer läuft (und da reicht schon Spazierengehen) kommt nicht nur körperlich voran sondern dies hilft, sein Leben zu reflektieren und Gedanklich Fortschritte zu machen.
Ich meine, dass das mehr hilft, als gezielt auf psychische Resilienz irgendwelche Therapien zu machen.
Wer sportlich ein Schlaffi ist, der droht zu signalisieren, dass er auch eine schwache Persönlichkeit ist und irgendwelche Gockel könnten sich einbilden, ein leichtes Opfer für Hackordnungsspiele zu haben. Wenn sie damit Erfolg haben, droht ein Teufelskreis.
Traurig, das solche rassistischen Bemerkungen und Mobbing immer noch möglich sind! Dein Sohn wird zuhause geliebt, was schön ist und ihm Selbstbewusstsein geben sollte. Verbal kontern ist immer gut, aber vielleicht würde ihm auch Kampfsport helfen. Der Sohn einer Freundin hat Judo gemacht, nicht um sich zu prügeln, sondern weil er sich damit stärker fühlte. Bei Mobbing in der Schule umgehend mit dem Klassenlehrer/dem Rektor sprechen und Maßnahmen fordern. Der Busfahrer hätte eingreifen sollen, aber ein großes Problem unserer Gesellschaft ist Gleichgültigkeit, Ignoranz und Duckmäusertum. Jeder Sch... wird heutzutage gefilmt, warum hat diesen Vorfall keiner mit dem Handy aufgenommen und z. B. ins Netz gestellt? Oder gleich die 110 anrufen. Ich wünsche Deinem Sohn, Dir und Deiner Familie alles Gute und Kraft!
Der Adoptivsohn einer Patientin kam aus Nigeria und war als Kind schon so kess, das sich keiner an ihn rangetraut hat. 😉