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Homeschooling und Home Learning

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Vigil
 Vigil
Themenstarter
Beiträge : 386

Osterferien - nur gemerkt hat's niemand, oder?

Seit Wochen sitzen unsere Kinder zuhause und bearbeiten Aufgaben, aufgegeben von ihren Lehrkräften, per Post oder E-Mail ins Haus gekommen.
Feste Zeiten, variable Zeiten - bei den einen Familien ist es so, bei anderen anders.
Die gelösten Aufgaben abgeben - das funktioniert wieder über E-Mail, über die Briefpost oder per Einwurf z.B. in den Schulbriefkasten.

Ganz wenige direkte Kontakte zwischen Lehrkräften und Schulkindern bestanden und bestehen wohl. Mehrheitlich halten sich Lehrerinnen und Lehrer zurück, aus allem raus. Außer mit neuen Aufgabenstellungen und ein paar freundlichen Zeilen dazu.

Wenn wirklich mal ein direkter Kontakt besteht, z.B. durch einen Anruf, durch eine persönliche Mail, vielleicht über WhatsApp, hat das Seltenheitswert.

Sog. E-Learning, also der direkte Austausch von Lehrkräften zu Schülerinnen und Schülern online hat Seltenheitswert.

Aber: Es wird so wie vorausgesetzt, dass alle Haushalte völlig ausgestattet sind mit dem kompletten Equipment zum Datenaustausch bis hin zum Einscannen von Schülerarbeiten.

Habe ich das so richtig beschrieben?
Wie geht Ihr damit um, Ihr Eltern?
Wie gehen Eure Kinder damit um?

Vigil, ehemaliger Lehrer, Lerntherapeut und Familienstellenleiter für Pflegekinder, fragt.

Bitte habt Antworten und weitere Überlegungen!

Antwort
30 Antworten
Pinia
 Pinia
Beiträge : 1375

Bei uns war es diese Woche schon etwas ruhiger. Aufgaben kamen keine mehr, da wir seit Montag Ferien haben. Allerdings musste Sohnemann seine Matheaufgaben nochmals machen - diesmal ordentlich, und Tochter muss die ganzen Lernwörter und Schönschreiben üben. Außerdem habe ich die Lektüre-Aufgabe samt Lesetagebuch in die Ferien verschoben, damit es den Kindern nicht zu langweilig wird. Tochter hat sie schon erledigt, mit Sohn muss ich um jede Aufgabe kämpfen.

Wir haben jeden Abend einen Aufgabenplan für den nächsten Tag bekommen, inkl. Arbeits- und Lösungsblättern, anhand derer die Kinder selber kontrollieren sollten. - Das habe jedoch ich übernommen, damit die Fehler auch wirklich korrigiert werden. Ich vermute, dass die Kinder selber da viel großzügiger gewesen wären.

Morgens gabs in der Schulzeit um 7 Uhr Frühstück (und damit 30 min später als wenn sie zum Bus müssen), um 7.30, spätestens 8 Uhr wurde mit den Aufgaben begonnen. Unsere beiden saßen in der Regel bis 12 Uhr, manchmal auch bis kurz vor 1 - je nachdem wieviel vom Vortag zu korrigieren war. Sie wollten lieber eine große als mehrere kleine Pausen - also bekamen sie 30 min Pause (wie in der Schule auch).

Kontakt mit der Lehrerin gabs von unserer Seite kaum. Die Kinder haben die Aufgaben bekommen und mussten nur zweimal Aufgaben einschicken, einmal einen Bericht über eine Woche HomeOffice und als zweites einen Brief an einen Klassenkameraden, den die Lehrerin dann weitergeleitet hat. Die Lehrerin hat einmal eine Runde gedreht und jedem Kind die Lektüre und einen Schokohasen in den Briefkasten geworfen. - Gehört oder gesehen haben wir nichts von ihr.

Wir fühlen uns sehr privilegiert, weil unsere Kinder jeder ein eigenes Notebook haben - unsere abgelegten. So können sie, beide 4. Klasse, ihre Aufgaben erledigen und v.a. die gepinnten Klassenaufgaben in der Anton-App machen. - Von einer Nachbarin wissen wir, dass sie kein Notebook hat(te) und ihre Tochter alles an Mamas Handy machen musste - die mussten sogar die Aufgaben fotografieren/scannen und der Lehrerin schicken. Inzwischen haben wir der Familie unser letztes abgelegtes Notebook zukommen lassen.

Ich mag mir gar nicht vorstellen welchen Kampf um den PC es bei Familien gibt, wo nur ein Notebook für mehrere Kinder zur Verfügung steht, und wie viel Organisationsaufwand das bedeutet, oder bei Eltern, die selbst nicht so PC-affin sind.

Oder auch die Eltern, die sich keine Zeit nehmen können oder schlicht damit überfordert sind, ihren Kindern bei den schulischen Aufgaben zu helfen. - Es ist ja für Eltern und Kinder eine neue, und teilweise belastende Situation. Ich habe manches Mal die Vermischung zwischen Eltern/Lehrer- und Schüler/Kind-Rolle als belastet und belastend empfunden, dabei bin ich nicht berufstätig und wir haben auch keine Sorge wegen Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit (was ja zusätzlich stark belastet). Wenn man korrigieren muss, auf Ordentlichkeit und Vollständigkeit bestehen, Fehler ansprechen, wiederholen lassen - nicht jedes Kind lässt sich gerne täglich von der Mutter korrigieren. Da gibt es leicht Konflikte ... - Aber vielleicht bin ich da auch zu anspruchsvoll, wobei ich halt den anstehenden Schulwechsel sehe und mir jetzt (in meinen Augen) Defizite der Kinder stark bewusst werden. Ehrlich gesagt hatte ich in den vergangenen Wochen mehr als einmal (eher 70% der Zeit) das Gefühl, eine ganz schlechte Mutter zu sein und gewesen zu sein. Ja, ich weiß theoretisch, dass das nicht so ist, aber ganz praktisch und emotional haben mich die Tage und Aufgaben verzweifeln lassen. Ich hätte mir gewünscht, dass die Kinder so ehrgeizig sind wie ich es war, dass sie ihre Hefte so ordentlich führen wie das zu meiner Zeit erwartet wurde, und dass sie in Rechtschreibung und Mathematik so sicher sind wie ich damals. Aber leider ...

Mir fehlt der vormittägliche Freiraum ohne Kinder, wo ich Dinge vorbereiten konnte, Zeit für mich hatte.

Unsere Kinder hatten jetzt schon 4 Wochen keinen Kontakt zu ihren Mitschülern. Von manchen wissen wir, dass sie telefoniert haben oder skypen oder whatsappen - auf diese Idee sind unsere noch gar nicht gekommen bzw. sie haben scheinbar auch nicht das Bedürfnis danach. - Ich merke, dass ihnen die realen Kontakte fehlen und v.a. auch die körperliche Ausarbeitung in der Hofpause, beim Fußball- oder Tischtennisspielen und im Verein. Jeden Tag mit den Eltern radeln oder spazieren gehen ist demgegenüber langweilig. Andererseits sind auch da unsere Kinder privilegiert gegenüber den Einzelkindern in unserem Bekanntenkreis, denn die haben seit 4 Wochen "nur" die Mama um sich. Unsere können wenigstens miteinander spielen, toben, streiten, lernen, usw. Und wir haben einen Garten und wohnen ländlich, sodass die Kinder bzw. wir nachmittags draußen sein können.

Ich hätte mir früher HomeSchooling vorstellen können. Aber unter diesen Bedingungen finde ich es echt schwierig, v.a. auch weil es einen straffen Aufgabenplan gibt, und die Kinder nicht interessengesteuert lernen können. Unsere sind es halt auch nicht gewohnt, wurden von 0 auf 100 in die Situation geworfen und müssen jetzt täglich einige Stunden ein Programm abspulen.
Von meiner Schwägerin in USA weiß ich, dass sie Homeschooling zwar mit Plan macht, aber den Kindern viel Freiraum lässt das zu lernen, was sie gerade interessiert. Dann gibt es halt mal mehr Geographie und man übt die Sprache anhand eines geographischen Sachbuchs oder verknüpft Mathematik mit einem anderen Fach. Außerdem hat sie natürlich mit ihren Kindern früh und stückweise angefangen, und nicht wie wir von jetzt auf gleich.

Ein Vorteil der ganzen Situation ist, dass unsere Kinder sich nach Schule sehnen. Außerdem lernen sie schon das Arbeiten mit dem Notebook, ein wenig Textverarbeitung und fangen an sich mit dem Tastaturschreiben zu beschäftigen.

Sohnemann hat aus Interesse angefangen beim Telekolleg den ersten Lateinfilm anzuschauen und lernt seine ersten Formen. - Würden wir echtes Homeschooling machen, wäre jetzt wohl Latein für ihn auf dem Plan.

Bin gespannt wie es nach den Ferien weitergeht.

pinia antworten
2 Antworten
Pinia
 Pinia
(@pinia)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 1375

persönlicher Ostergruß der Lehrerin 😊
Heute hatte beide Kinder einen Umschlag im Briefkasten mit einer Karte von ihrer Klassenlehrerin, einem Schoko-Osterhasen und einer Anleitung, dass sie sich Osterkresse ziehen können.

Das ist ein tolles Engagement, zumal wir in Bayern ja Ausgangsbeschränkung haben und die Lehrerin einige Kilometer mit dem Rad oder dem Auto fahren musste um auf den Dörfern hier jedes Kind zu erreichen.

pinia antworten
stundenglas
(@stundenglas)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 4769

Wenn euer Wetter auch so gut ist, dann hat sie vielleicht einfach das Angenehme mit dem Angenehmen verknüpft. 😉

stundenglas antworten


Anonymous
 Anonymous
Beiträge : 0
Veröffentlicht von: @vigil

Aber: Es wird so wie vorausgesetzt, dass alle Haushalte völlig ausgestattet sind mit dem kompletten Equipment zum Datenaustausch bis hin zum Einscannen von Schülerarbeiten.

Jeder hat inzwischen ein Handy. Da ist "Scannen" ganz einfach.

Veröffentlicht von: @vigil

Wie geht Ihr damit um, Ihr Eltern?
Wie gehen Eure Kinder damit um?

In dieser Phase trennt sich bei den Lehrern noch deutlicher als sonst die Spreu vom Weizen. Es gibt viele, die sind verdammt drum bemüht möglichst viel aus der Situation zu machen und möglichst viele Schüler aktiv zu unterstützen. Und dann gibt es Lehrer, die machen einfach nur nichts. Die machen Arbeitsverweigerung ohne das es dafür Konsequenzen gibt. Und das sogar in Abiturklassen.

Anonymous antworten
Errettet
Beiträge : 16

[gestrichen - iV Orleander]
[Jep]

errettet antworten


nili
 nili
Beiträge : 42

Ich melde mich mal als Lehrerin aus Bayern. Privat darf ich natürlich per WhatsApp kommunizieren, mit wem ich will, Klassengruppen mit Lehrern sind allerdings verboten.
Im Moment sind Osterferien und die sollten sowohl von Schülern als auch von Lehrern eingehalten werden. (Üben und wiederholen kann man immer!)
Wir sind eine Privatschule, haben aber keine anderen Vorgaben und -rechte als die staatlichen Schulen. Meine Telefonnummer steht im öffentlichen Telefonbuch, aber der Respekt vor Lehrern ist bei uns hier noch relativ groß, sodass die Eltern und Schüler nicht einfach anrufen.
Wie wir das Problem regeln, wenn die Schulschließungen noch länger andauern, weiß ich auch nciht. Aber macht Euch nciht verrückt! Keiner weiß irgendetwas Genaues und in vielen Bereichen macht man Dinge jetzt zum 1. Mal!
Bringt Euren Kindern doch praktisch etwas bei: Kochen, Putzen, Gartenarbeit, Zeitung lesen,...

nili antworten
1 Antwort
Vigil
 Vigil
(@vigil)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 386

Daumen hoch...

vigil antworten
stundenglas
Beiträge : 4769

Und noch mal...
...mindestens vier Wochen Verlängerung.

stundenglas antworten


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