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LOTR the Rings of Power - SPOILERWARNUNG!

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Arcangel
Themenstarter
Beiträge : 3506

Wer hat die ersten Folgen schon gesehen?

Was haltet ihr davon?

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160 Antworten
Jack-Black
Beiträge : 2272

@arcangel 

Eben Folge 4 angesehen. Es wird immer schlimmer. Wenn ich sie unter eine Überschrift bringen sollte, würde ich die so nennen: "Was für ein Zufall!"

Aber ich hab keine Lust (mehr), mich da lang und breit auszulassen. Wen diese Art des Storytellings nicht stört, dürften meine Einwände nicht interessieren und wer meine Kriterien teilt, muß von mir nicht überzeugt werden.

Etwas hat mir aber hinsichtlich der Metaebene (Stichworte Diversität, Wokeness, Feminismus) zu denken gegeben: dass meine Kritik an dieser Serie offenbar vor allem von Leuten geteilt wird, denen ich politisch ansonsten ziemlich fern stehe. Auf YT hab ich nun schon diverse (schätzungsweise 15 oder sogar 20) Beiträge angeschaut, die sich kritisch mit der Serie beschäftigten und deren Kritik ich in den meisten "Sachfragen" vollständig teile.

Aber seither werden mir von YT's Vorschlags-Algorithmus erstaunlich viele Videos von offenbar rechten, trump-nahen Leuten unterbreitet, von Leuten, die sich freuen, dass Liz Cheney bei den Reps unten durch ist, von Leuten, die es für Zensur und Meinungsunterdrückung halten, wenn einzelne alt-right-Protagonisten von YT oder Twitter aufgrund deren Richtlinien gebannt werden usw. Kurz: seit ich mit manchen Kritikern dieser Serie konform gehe, scheine ich in eine Kategorie gefallen zu sein: diejenige, die etwas gegen Linke, gegen Democrats, gegen Feminismus usw. hat. Diejenige, die wenig Probleme mit Rassismus haben, diejenige der "Wutbürger" (da ich die meisten YT-Videos auf Englisch schaue, könnte man wohl statt dessen "angry red necks" sagen 😉 ).

Das finde ich interessant und bedunruhigend gleichermaßen. Denn die Bubble, sobald man mal in ihr drin steckt, bietet viele Anknüpfungspunkte, viele Bestätigungen, dass man sich am rechten (sic! 😉 ) Platz befinde usw. Ich weiß, das hat nicht mehr viel mit dem eigentlichen Threadthema zu tun, aber ich wollte es mal angemerkt haben: Ich sehe mich nun besonders stark gefordert, bei meiner Kritik zu dieser Serie aufzupassen, was genau mich aus welchem Grund stört. Leider sind die meinungsstärksten, eloquentesten und m.A.n. fachlich besten Kritiker der Serie mehrheitlich weiß und männlich - so wie ich.

Daher meine Frage an Euch: Kennt Ihr YT-Channels von Frauen/Farbigen, die sich ausführlich und kenntnisreich zu dieser Serie äußern? Falls ja: ich wäre dankbar für Hinweise, um "die andere Seite" und deren Argumente für (oder auch gern: gegen) "The Rings of Power" kennenzulernen.

jack-black antworten
23 Antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3506

@jack-black 

Da legst du genau den Finger auf das Problem, aus derselben Ecke aus der berechtige Kritik kommt, kommen auch Verschwörungsfantasien, Relativierungen zu 6. Januar, Verleugnungen des politischen Gegners, Gewaltaufrufe, Rassismus und ja auch Homophobien. Die Diskussion ist undifferenziert, ideologisch aufgeladen, und auf beiden Seiten von Propaganda geprägt. Man spricht nur noch über, aber nicht mehr miteinander.

Von all den Youtube Kritikern schaue ich eigentlich nur noch Critikal Drinker, weil er sich meist auf das Handwerk beschränkt. Um einen ausgewogenes YT zu haben, schaue ich auch Leute wie Bill Maher, Trever Noah, Genetically Modified Skeptic, VisualPolitik, James Tabor (um einen historisch kritischen Blickwinkeln auf die Bibel zu erhalten), Mike Winger (für den Bibeltreuen Blickwinkel) usw,

Das gibt dann spannende Vorschläge, da finden sich dann neben Videos von Joe Rogan und Ben Shapiro auch solche von LGBTQ Aktivisten, Veganern und Abtreibungsgegnern. 

Das, was mich nervt, wenn man 2-3 Videos aus der einen Ecke geschaut hat, werden die Vorschläge schnell einseitig, egal in welche Richtung, hier wünschte ich mir das der Algorithmus etwas träger wäre, respektive ein längeres Gedächtnis hätte.

arcangel antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3506

@jack-black 

 

Zum Thema representation: "Woman never get enough credit for the things they didn't do."

arcangel antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2272

@arcangel Woman never get enough credit for the things they didn't do.

Was das ein Zitat aus dem Film? Es gibt ja diese Szene zwischen Galadriel und der Numenor-Regentin (ich merk mir da keine Namen, da ich vermutlich ohnehin höchstens noch bis Ende der ersten Staffel gucken werden), bei der ich exakt das dachte, was irgend ein anderen Rezensent dann auch lachend zur Kenntnis nahm: Eine lupenreiner "Mee too"-Moment. Zwei Frauen, die sich selbst versichern, wie sie in der Vergangenheit schlimm verletzt wurden, es aber nicht wagten, davon zu berichten...

Ach egal, solche MESSAGES gehen denn doch unter in dem Hin und Her, was die Orcs und ihr Verhältnis zum Tageslicht angeht. Oder der Klamaukszene, wo strong Galadriel vier bewaffnete Numenorer Soldaten kunstfertig in die ihr zugedachte Zelle hineinkämpft. Oder diesen spannungsmäßigen coitus interruptus, als Durin durch den (etwa von einem Balrog verursachten? Aber nein, wir wollen ja nicht spannungsmäßig spoil-spekulieren...) den Staub hindurch seinen verschütteten Minenkumpels zur Hilfe eilt: was sollte da dann gezeigt werden? Na klar, die Anstrenungen, mit denen man den in Not geratenen zwergenmäßig-solidarisch und unter Eingehung von Risiken für einen selbst hilft. Oder?

Nee, die Gospelsängerin muß solange herumchanten, bis selbst der Berg das Zittern kriegt. Und dann kommt Durin und: "Alles in Butter, alle Minenarbeiter sind in Sicherheit!"

Wenn an allen Enden und Ecken so ein einfallsloses Zeugs hingeschrieben wird, könnte es glatt sein, dass der "Mee too"-Moment gar keiner war, sondern einfach nur das, was sich die Dialogschreiber halt so unter normalen privaten Powerfrauengesprächen vorstellen: "Ich fühlte mich immer so allein und keiner wollte mir glauben." - "Hey, da haben wir was gemeinsam, ich fühlte mich auch immer allein und keiner wollte mir glauben." "Okay, lass uns gemeinsam in den Krieg ziehen!" "Gute Idee, ich frag mal rum, wer Bock hat, mitzukommen, dann muß ich als Regentin nicht meinen regulären Truppen Befehle erteilen!" - "Ja, als Heerführerin des Nordens und Geißel der Orcs weiß ich, wie wenig reguläre Truppen taugen. Die Z2er  aus meinem Spezialteam waren jedenfalls keine große Hilfe, als ich sie gegen ausdrücklichen Oberbefehl in den sicheren Erfrierungstod führen wollte. Am besten fragen wir mal, ob ein paar Markthändlerinnen mitkommen, die nehmen es vermutlich eher mit Trollen, Drachen und Balrogs auf als ausgebildete Frontkämpfer." "Okay, freu mich schon auf die Reise mit dir, wir haben uns bestimmt noch viel zu erzählen! Aber hey - sei so freundlich, zwischendurch nicht einfach von Bord zu springen, meine Seeleute taugen nix."

jack-black antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3506

@jack-black 

Nein den Kommentar habe ich von aus einem anderen Kontext zweckentfremdet. Der stammt aus einer Kritik zu Aeronauts, der eine wahre Geschichte zweier Männer erzählt, wobei im Film einer der beiden von einer Frau gespielt wird.

Und zur letzten Episode, die war so flach, die passt unter einem Türspalt durch. Deinem Kommentar habe ich nichts hinzuzufügen.

arcangel antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 16310

@jack-black

Nachdem ich coronabedingt nicht in der Lage war, die Serie weiter zu schauen habe ich das heute nachgeholt.

Eben Folge 4 angesehen. Es wird immer schlimmer. Wenn ich sie unter eine Überschrift bringen sollte, würde ich die so nennen: "Was für ein Zufall!"

Ja, oder "Wie dämlich kann man sein?". Oder auch "Wann passiert denn mal was?"

Auch meine Frau, die da wirklich zu keiner Seite hin vorbelastet ist und sich einfach nur fest vorgenommen hat, die Serie einfach so zu nehmen, wie sie ist, findet das Ganze inzwischen höchst eintönig und widersprüchlich.

Wie entkommt man denn wohl am besten einer Horde Orks, vor der man sich gerade noch rechtzeitig verstecken konnte und denen es nicht gelingt, einen zu finden?

Nun, man klettert am besten nachts aus seinem Versteck (wenn die Orks am stärksten und aktivsten sind), rennt dann genau dorthin, wo die Meute gerade nach einem sucht und läuft dabei so oft wie möglich ganz offen im Feuerschein durchs Bild und bleibt ohne Deckung stehen... weil... das macht man halt so, ist eine alte Jägertaktik. Oder man ist ganz einfach derartig strunzdoof, dass sogar irgendein ferner Gott Mitleid bekommt und mal eben schnell ein rettendes Schwert vorbeischickt, natürlich auf die Zehntelsekunde genau getimt...

Hier folgt einfach ein stumpfes Filmklischee nach dem Anderen, lustlos aneinandergereiht, dafür eben mit viel starken Frauenfiguren und Diversity garniert...

Etwas hat mir aber hinsichtlich der Metaebene (Stichworte Diversität, Wokeness, Feminismus) zu denken gegeben: dass meine Kritik an dieser Serie offenbar vor allem von Leuten geteilt wird, denen ich politisch ansonsten ziemlich fern stehe.

Das ist in der Tat ärgerlich. Und ich habe den Eindruck, dass damit auch gerechnet wurde, in der Hoffnung, dass die Leute dann schon aus Furcht, auf der "falschen Seite" zu stehen, die Entscheidung gutheißen.

Dass es hier um ganz verschiedene Ebenen geht - nämlich nicht darum, dass man in Tolkiens Werk keine anderen Ethnien sehen will, sondern um einen glaubwürdigen Hintergrund - fällt dabei schnell unter den Tisch. Es gibt keinen einzigen Schauspieler und keine Schauspielerin, die ich aufgrund ihrer Ethnie nicht in diesem Film sehen will... die meisten spielen schon recht großartig und glaubwürdig. Aber eben nicht in dieser beliebigen Zusammenstellung, weil das so keinen Sinn ergibt.

Und ich habe auch nichts gegen Galadriel als starke Frauenfigur, ganz im Gegenteil... nur wird sie nicht als starke Frauenfigur gespielt, sondern als verzogene Göre, die überhaupt keine Ahnung von der Welt und ihren Bewohnern hat, die sie da retten will und sich noch nicht mal Ansatz zu benehmen weiß.

Ja, und irgendwann bleibt dann wirklich alles Wohlwollen auf der Strecke... ein paar hübsche Bilder hier und da reichen auf Dauer nicht aus, um die Serie zu rechtfertigen.

 

 

 

lucan-7 antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3506

@lucan-7 

Nun, man klettert am besten nachts aus seinem Versteck (wenn die Orks am stärksten und aktivsten sind), rennt dann genau dorthin, wo die Meute gerade nach einem sucht und läuft dabei so oft wie möglich ganz offen im Feuerschein durchs Bild und bleibt ohne Deckung stehen... weil... das macht man halt so, ist eine alte Jägertaktik. Oder man ist ganz einfach derartig strunzdoof, dass sogar irgendein ferner Gott Mitleid bekommt und mal eben schnell ein rettendes Schwert vorbeischickt, natürlich auf die Zehntelsekunde genau getimt...

Sowas nennt man Plotarmor. Den findet man zu gewissen Graden in allen Filmen. Das war ja einer der grossen Pluspunkte von GoT, dort gab es in den ersten 5 Staffeln keinen solchen Plotarmor.

Einen gewissen Grad an Plotarmor kann man doch tolerieren, aber wenn er wie in diesem Fall dermassen übertrieben und realitätsfern ist, dann wird es einfach nur noch langweilig. Wenn der Held nicht keine glaubhaften Gefahren überwinden muss, wird aus dem Helden etwas langweiliges und belangloses.

Und ich habe auch nichts gegen Galadriel als starke Frauenfigur, ganz im Gegenteil... nur wird sie nicht als starke Frauenfigur gespielt, sondern als verzogene Göre, die überhaupt keine Ahnung von der Welt und ihren Bewohnern hat, die sie da retten will und sich noch nicht mal Ansatz zu benehmen weiß.

Nicht nur keine Ahnung, sondern auch kein Mitgefühl für die Bewohner. Das hat mich schon ab der ersten Episode gestört, dass sie bereit wahr das Leben ihrer Mannen auf spiel zu setzen um ihre Rachegelüste zu befrieden.

Eine starke Führungsfigur stellt das Leben seiner Unterliege an erster Stelle. Ein Leben zu opfern, muss ein moralisches Dilemma darstellen, dessen Entscheidung einem Leader nicht einfach fällt.

 

Aber es erscheint, dass man einem Publikum in 2022 keine komplexen Emotionen und moralische Probleme mehr präsentieren kann. Aber genau das wäre spannend gewesen, der innere Konflikt zwischen Loyalität, Hingabe, Liebe und Rache.

Diese Dynamik wäre etwas gewesen, an dem auch Tolkien sein Interesse gezeigt hätte. Es wäre auch interessant gewesen, da wir als Zuschauer wüssten, dass Galadriel irgendwann ihre Rache aufgibt und sich ganz dem Wohlergehen ihres Volkes widmet. Wie Galadriel an diesen Punkt gelangt, wäre eine wirklich tolle Geschichte gewesen.

 

Aber eben, wenn das Wörtchen wenn nicht wäre,...

 

arcangel antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 16310

@arcangel 

Einen gewissen Grad an Plotarmor kann man doch tolerieren, aber wenn er wie in diesem Fall dermassen übertrieben und realitätsfern ist, dann wird es einfach nur noch langweilig.

Eben. Ein Held kann natürlich auch mal was Dummes machen. Aber ab einem gewissen Punkt ist es einfach nur noch Blödsinn. Ich und meine Frau haben uns bei der Szene die ganze Zeit gefragt, warum er denn den Orks in zwei Metern Abstand hinterherläuft, wenn er doch entkommen will? Was soll das? Und dann der Plottwist... hach, wer hätte denn so etwas erwartet...?

Nicht nur keine Ahnung, sondern auch kein Mitgefühl für die Bewohner. Das hat mich schon ab der ersten Episode gestört, dass sie bereit wahr das Leben ihrer Mannen auf spiel zu setzen um ihre Rachegelüste zu befrieden.

"Rachegelüste"? Sie hat klar erkannt, dass die Bedrohung weiterhin vorhanden ist. Und natürlich ist es sinnvoll, der Sache weiter auf den Grund zu gehen, auch wenn die großen Kämpfe vorbei sind. Schließlich weiß ja keiner was Genaues.

Und was machen die Elfen? Fangen an, herumzunörgeln... aber natürlich erst dann, wenn sie schon mitten im Berg sind. Wenn sie das alles für so sinnlos halten, wäre es dann nicht besser gewesen ihre Bedenken zu äußern BEVOR sie auf den Berg steigen? Denn wenn man so eine Expedition erst einmal durchführt, dann sollte der Zusammenhalt natürlich höchste Priorität haben!

Schließlich stellt sich heraus, dass Galadriel recht hatte - da ist eine große Festung des Bösen. Und was machen die elfischen Jammerlappen? Nörgeln weiter herum, dass sie doch bitte lieber nach Hause gehen wollen, statt dass sie die Antworten finden, für die sie hergekommen sind... echt?

Mit was für erbärmlichen Soldaten muss sich Galadriel denn da herumschlagen? Kein Wunder, dass sie am Ende alles alleine machen muss... das könnte vielleicht auch ihre Angepisstheit in den folgenden Episoden erklären...

 

 

lucan-7 antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2272

@lucan-7 ein stumpfes Filmklischee nach dem Anderen

Das ist inzwischen meine Hauptkritik und der Grund, weswegen man ein ständiges "Hä?" im Gesicht trägt beim Gucken. Man darf da gar nicht so genau (und schon erst recht nicht zweimal) hinschauen, mit jedem Blick wird's unsinniger. Nimm mal noch aus Folge 3 die Ankunft von Poc-Legolas im Gefangenenlager (darüber, wie er da überhaupt hingeriet, haben wir mal eben kurz den Teppich des gnädigen Schweigens gelegt): um die Etablierung dieses neuen Sets "episch" erscheinen zu lassen, sollen wir zuerst durch seine verschwiemelten Augen schauen, während ihn die Orcs da durchschleppen. Und was sehen wir aus diesen nicht ganz tiefenscharfen Augen? Unter anderem irgendwelche Käfige/Gitter, aus denen sich ihm die Arme verzweifelt um Hilfe Suchender strecken. Message: die bösen Orcs nehmen die Leute gefangen und stecken sie in Käfige.

Realitätscheck: Warum sollten sich einem halb bewußtlosen Gefangenen diese um Hilfe wimmelnden Arme und Hände entgegenstrecken? Reagieren so Gefangene der Orcs? Ich meine: wir sind hier nicht in einem Knastfilm, wo dem "Frischfleisch" jetzt die anderen, auf Vergewaltigung sinnenden Mit-Knackis, um ihm schon mal richtig Schiss inne Bux zu machen, entgegenjubeln. Wir haben hier Arbeitslager-Gefangene, die entweder total kaputt von der Arbeit sind oder auf jeden Fall sich so weit wie möglich in ihren Gefängnisräumen weg von der Tür halten würden aus Angst, sonst von den fiesen Orcs auf die Kauleiste zu bekommen. Hat man ihnen das Gehirn amputiert, dass sie da jetzt die um Hilfe Kreischenden spielen, einem nicht mal richtig die Augen offen haltenden, nicht auf eigenen Füßen gehenden Mitgefangenen gegenüber? Es ergibt keinen Sinn! Man will chaotische Lautstärke und Streß signalisieren und so macht man's dann, indem man schaut, wie in anderen Fällen derartige Gefühle evoziert wurden.

Und dann danach die Szene um den Baum. Wie blödsinnig diese (Jahrtausende der Kampf-Erfahrung auf dem Buckel habenden!) Elben sich da verhalten, lasse ich auch mal gnädig beiseite, und möchte mal einen Aspekt erwähnen, den die meisten Zuschauer vermutlich nicht bemerken, der aber, gemeinsam mit anderen ähnlichen Beispielen die Immersion auf einer unterbewußten Ebene stört. Man sieht in den meisten Szenen nur den Stamm, den es zu fällen gilt. Dieser Stamm ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein "echtes" Set-Stück, den haben die da in's Studio gestellt vor die Green-Screen. Hat dieser Stamm auch eine Krone? Vermutlich nicht, denn die Sonne steht hoch und daher müßte die Krone um den Stamm herum Schatten spenden. Tut sie aber nicht. Okay, so sieht das Licht cooler aus und vor allem kann Poc-Legolas dann ja seinen Special-Move ausführen, um die Orcs allesamt dem Sonnenlicht auszusetzen.

Nur leider muß ja dann doch mal die Kamera in die computergenerierte Vogelperspektive hochziehen und da wird uns nicht nur gezeigt, wie doppeläugig blind die Elbenwachen auf ihrem Wachturm gewesen sein müssen (die Schneise läßt sich vermutlich noch aus dem All mit bloßem Auge ausmachen), sondern dass da mittendrin (!!!) noch dieser eine Baum voll belaubt herumsteht. Also hat er doch eine Krone! Die übrigens einen nicht sonderlich gut gemachten, blurrigen Schatten wirft...

Vermutlich fällt nur einem unter hundert Zuschauern diese visuelle Logik-Lücke bewußt auf. Aber wir sind alle Nachfahren von Wesen, die draußen in der Natur überleben mußten und unterbewußt werden solche Aspekte durchaus verarbeitet. Solche Logikfehler treten noch an anderen Stellen auf, beispielsweise gerade da, wo ich zuerst auch Ah! und Oh! hätte rufen müssen, nämlich der visuellen Erstbegegnung mit Numenor. Da sehen wir unser numenorisches Schiff mit vollen Segeln zwischen links und rechts hoch aufragenden Felsen fahren. Nun hat ja die See angeblich immer recht - aber wie sieht's mit den Winden aus? Ich hab mal von einem Auftraggeber ein's auf die Mütze bekommen, nachdem ich die (Fantasy-Welt) Illustration eines Hafens ablieferte, an der ich eigenmächtig, weil's so schick aussah, diverse Schiffe unter vollen Segeln mit reingebaut hatte (die vorher vom Auftraggeber abgesegnete Skizze hatte nur eine Andeutung dieser Schiffe enthalten, bei der ich zu faul gewesen war, die Segel mit einzuzeichnen, so dass er davon ausging, es handele sich um gereffte Segel). Zehn Stunden eifrigen "Ausrenderns", die er mir nicht nur nicht bezahlte: Ich mußte die Illu komplett neu erstellen. Er selbst war Segler und für ihn war es ein Ding der Unmöglichkeit, dass Schiffe (Zwei- und Dreimaster) mit vollen Segeln in einem Hafen "vor Anker" liegen. Die Segel haben eine Funktion, nämlich die Kraft des Windes umzusetzen. Und unter dem Aspekt schau Dir mal diese eine Establishing-Szene an: das tolle Möven-Design-Schiff kann da nicht mit solcherart gestellten Segeln fahren, egal, wie schön der Computer das Kielwasser animiert. Entweder ist da kein Wind - dann würden die gesetzen Segel die Fahrt hindern und es müßten weit mehr als die anscheinend nicht vorhandenen Ruderer diesen Luftwiderstand überwinden - oder er wechselt dort an jeder Ecke die Richtung, was natürlich Quatsch ist.

Man könnte sagen: na gut, das ist jetzt eine kleine Szene und die ist nicht so wichtig für die Gesamterzählung. Aber dann braucht man nicht Isildur ausgerechnet als dödeligen Leichtmatrosen einzuführen, darf also die Schiffahrt nicht extra zum Thema machen. Uns soll Numenor als eine Seemacht dargestellt werden (was es ja laut den Büchern auch ist) und Earendil und Isildur, als Nachfahren des berühmten Seefahrers Eärendil, als versierte Schiffsleute. Schiffahrt ist also ein Thema für Numenor und wenn die wichtigsten Figuren als versierte Seeleute geschildert werden (Earendil ist in meinen Augen die sympathischste Figur in der ganzen Serie bisher: er ist nicht mehr so nervig jung wie alle anderen Hauptfiguren, sieht gut aus und handelt... nun ja, im Rahmen des Scripts eben... halbwegs nachvollziehbar/vernünftig), dann sollte diese Schilderung nicht durch die Bilder widerlegt werden. Hätte man einen Segler zurate gezogen, dann wäre das numenorische Schiff die letzten paar Meilen mit größtenteils gerefften Segeln und dann schließlich per Ruderern angetrieben, gefahren - anders ließe es sich kaum durch die gezeigte Location navigieren.

Nicht, dass ich falsch verstanden werde: Das Design des numenorischen Schiffs mit seinen Flügel-gleichen Segeln ist optisch lecker und ich mag auch das sonstige Design dieser Einführungsszene: das Wasser ist toll animiert, die Architektur wirkt beeindruckend und paßt dazu, dass Numenor zu dem Zeitpunkt ein imperiales Reich auf seinem Zenit war. Geile Bilder also. Nur sind die aus physikalischer Perspektive nicht stimmig; und während für die fliegenden Klischee-Felsen in Avatar wenigstens noch irgendeine (bullshittige) Gravitationsanomalie-Erklärung geliefert wurde, werden wir über die Spezial-Winde von Numenor nicht weiter in Kenntnis gesetzt.

Und so geht das Szene um Szene: irgendwas ist immer falsch/absurd/strange. Du hast zu Recht die Flucht-Szene herausgepickt, zu der ich gestern eine witzige Video-Review sah, mit eingeblendetem HUD inklusive Sichtfeldanzeigen der Gegner (orcs) und farblich codiertem warning-level, wie sie in Stealth-Games a la "Commandos", "Thief"  o.ä. Verwendung finden. Das fand ich deswegen so witzig (im Sinne von: klug-gewitzt), weil es nebenbei nicht nur die Nerdigkeit des Rezensenten zeigte, sondern auch den Umstand, dass diese Szenen von Leuten geschrieben werden, welche die Welt selbst wohl inzwischen eher nur noch aus Computer-Games kennen: da sprintet man dann, um einer Gefahr zu entkommen, von einem "sicheren" Schattenbereich in den nächsten - und dass nicht im ungeeigneten Zeitpunkt eine der Orcwachen zu einem rüberschaut, wie man sich da schön als Silhouette vor'm feuerbeschienenen Hintergrund abhebt, weiß man eben - dann der HUD-Infos. Entsprechend wird man dann von dem einen fiesen Obermöp-Orc auch überrascht, denn das ist ein Script-Event, einer dieser in Schleich-Spielen unmöglich (selbst, wenn man seine Schleich-Skills auf 150% hochgelevelt hat) zu vermeidenen Encounter: das steht so im Drehbuch, dass man da von hinten überrascht wird. Deal with it und schau Dir die Cut-Szene an!

Diese ganze Versteckspiel-Szene ist also nix anderes als ein Computerspiel-Level. Mit dem Unterschied, dass man sie nicht selbst spielen darf (schon als Anfänger würde man da vermutlich cleverer agieren), sondern dazu verdammt ist, einem unfähigen Noob beim Zocken über die Schulter zu schauen. Bei Twitch-TV würde mit so einer lausigen Performance kein einziger Viewer im Channel bleiben. 😉

 

jack-black antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 16310

@jack-black 

Realitätscheck: Warum sollten sich einem halb bewußtlosen Gefangenen diese um Hilfe wimmelnden Arme und Hände entgegenstrecken? Reagieren so Gefangene der Orcs? Ich meine: wir sind hier nicht in einem Knastfilm, wo dem "Frischfleisch" jetzt die anderen, auf Vergewaltigung sinnenden Mit-Knackis, um ihm schon mal richtig Schiss inne Bux zu machen, entgegenjubeln.

Ja, es gibt etliche dieser Beispiele. Und genau das hätte den Unterschied ausmachen können: Realität vor Filmklischee. Wobei "Realität" in einem Fantasy-Setting "Glaubwürdigkeit" und "innere Logik" bedeutet.

Und dabei geht es am Ende nur um Emotionen: Fühlt sich eine Szene richtig an oder nicht? Fühlt sich das "echt" an - oder als ob man einen Film sieht? Oder, wie in deinem Beispiel, ein Videospiel?

Und hier kommt man aus der Film/Videospiel Perspektive einfach nicht heraus. Viele Charaktere, mit denen man mitfiebern könnte gibt es auch nicht... und die Story selber scheint einem reichlich dünnen Faden zu folgen, bisher... kann natürlich sein, dass sich da manches zusammenfügt, aber wenn es schon bei den Details hapert, dann habe ich auch wenig Hoffnung für das Große Ganze.

 

 

lucan-7 antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2272

@lucan-7 Wobei "Realität" in einem Fantasy-Setting "Glaubwürdigkeit" und "innere Logik" bedeutet.

Genau. Was auch jeder halbwegs mit Verstand begabte Mensch so versteht. Es sei denn, es müßte die Einführung bartloser Zwerginnen und rasssische Diversität im letzten Hinterwäldlerdorf in Mittelerde mit dem Argument legitimiert werden, dass es doch auch Drachen in dieser Welt gäbe, die schließlich nicht in der Realität existierten... 😀

jack-black antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 16310

@jack-black 

Was auch jeder halbwegs mit Verstand begabte Mensch so versteht. Es sei denn, es müßte die Einführung bartloser Zwerginnen und rasssische Diversität im letzten Hinterwäldlerdorf in Mittelerde mit dem Argument legitimiert werden, dass es doch auch Drachen in dieser Welt gäbe, die schließlich nicht in der Realität existierten...

Genau dieser Verdacht macht es für den geneigten Fan ja so unangenehm... es beschleicht einen das Gefühl, selbst nicht für voll genommen zu werden, weil man gerne Fantasy schaut... denn da muss ja nichts "realistisch" sein.

Den Fehler hat ja schon Rian Johnson mit "Die letzten Jedi" (Star Wars 8) begangen. Der dachte sich, wer Geräusche im Weltall akzeptiert, der akzeptiert auch fallende Bomben und nimmt es mit Physik und Logik eh nicht so genau... aber da gibt es halt feine Grenzen, allerspätestens dann, wenn es die Kontinuität der Geschichte betrifft.

Und wenn Elfen (Ja, extra für dich: Elben) über ein plot-basiertes Powerlevel von -5 bis + 250 verfügen, das innerhalb von Sekunden von einem Extrem ins Andere fallen kann, je nachdem was storytechnisch gerade benötigt wird, dann wird es einfach nur ärgerlich. In der einen Sekunde fängt er Pfeile mit der Hand aus der Luft, in der Nächsten stolpert er hilflos durch den Wald, hauptsache immer "spannend"... nee, sorry...

 

 

lucan-7 antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2272

Hab da nicht ausreichend Korrektur gelesen. Beispiel für mehrere Schnitzer:

imperiales Reich

schwarzer Rappe... *augenverdreh*

jack-black antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3506

@jack-black 

Imperien können auch arm sein 🤣 

 

arcangel antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2272

@arcangel Imperien können auch arm sein 🤣 

Ja, das sind die Imperien, die verheult in der Ecke sitzen und denen man gern mal mit der Hand gütig über's verstrubbelte Haar fahren möchte. Es dann aber doch nicht tut, aus Angst, die Armut könne ansteckend sein...

jack-black antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 16310

@jack-black 

Nicht, dass ich falsch verstanden werde: Das Design des numenorischen Schiffs mit seinen Flügel-gleichen Segeln ist optisch lecker

Würde allerdings auch nicht funktionieren. Man käme mit dem Schiff zwar gegebenenfalls noch raus aufs Meer, aber nicht mehr zurück. Meine Segelkenntnisse liegen zwar eine Weile zurück, aber ich halte es bei der Konstruktion für ausgeschlossen, schräg gegen den Wind zu segeln (kreuzen) wie das Segelschiffe für gewöhnlich können...

Aber das zu kritisieren halte ich für übertrieben, weil es die Freiheit im Design doch arg beschneiden würde, wenn auch noch alles physikalisch genau funktionieren muss. Wenn man mit den Segeln gegen den Wind kreuzen kann, dann kann man auch mit vollen Segeln einlaufen, aufgrund... spezieller Eigenschaften der gewählten Form.

 

lucan-7 antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3506

@lucan-7 

Nicht ohne Grund ist das Rahsegel seit über 3000 Jahren die dominante Form des Segels. Besser geht nicht.

arcangel antworten
AntonioA
(@antonioa)
Beigetreten : Vor 4 Monaten

Beiträge : 142

@arcangel Im modernen Segelschiffbau, von der kleinen  Yacht bis zu einem Grossegler wie der SYA spielen Rahsegel keinerlei Rolle mehr.

Schratsegel ( Gaffel/Lateiner/Lugger/Stag/Bermuda) sind einfach vorteilhafter.

Hoch am Wind segeln, kreuzen sind so nicht oder nur schlechter mòglich.

Man braucht weniger Crew zur Segelbedienung.

Insofern würde ich nicht sagen, das Rahsegel heute die dominierende Segelform sind.

 

 

antonioa antworten
AntonioA
(@antonioa)
Beigetreten : Vor 4 Monaten

Beiträge : 142

Hoch am Wind segeln, kreuzen sind rahgetakelt so nicht oder nur schlechter mòglich.

Bei Schrattakelung braucht man zudemn weniger Crew zur Segelbedienung.

..da war die Bearbeitungsfrist vorbei

 

 

antonioa antworten
AntonioA
(@antonioa)
Beigetreten : Vor 4 Monaten

Beiträge : 142
Veröffentlicht von: @antonioa

Hoch am Wind segeln, kreuzen sind rahgetakelt so nicht oder nur schlechter möglich.

Bei Schrattakelung braucht man zudem weniger Crew zur Segelbedienung.

..da war die Bearbeitungsfrist vorbei

 

 

 

antonioa antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3506

@antonioa 

Ich bin zugegeben kein Segel(geschichts)experte, aber von dem, was ich mitbekommen (zweiter Hand von meinem segelnden Freund) habe, ist einer der Hauptgründe, warum das Rahsegel bei modernen Jachten aufgegeben wurde, der enorme Personelle aufwand und dass heute praktisch nur noch Sport und Freizeit gesegelt wird, und da macht das Hoch am Wind segeln halt mehr Spass auch ermöglichen moderne Materialien diese Extrembelastungen des Materials.

Der meiste Schub pro Fläche ergibt sich aber immer noch beim Rahsegel.

Die Segel, die bei RoP gezeigt wurden, scheinen aber weder das eine noch das andere zu sein.

?w=710&h=297&fit=max&auto=format%2Ccompress&q=50&dpr=2

 

Vor allem frage ich mich, wie sie da untern den Brücken durchkommen wollen. Ok Perspektive.

arcangel antworten
AntonioA
(@antonioa)
Beigetreten : Vor 4 Monaten

Beiträge : 142

@arcangel 

Ja... die LotR Schiffe sehen zwar Nice aus, halte ich aber auch für unpraktikabel/unrealistisch.

 

Da fand ich die Schiffe im 3. Teil von HdR mit denen Aragon ldas Heer der Toten anlandete noch  realistischer

 

 

Das mit dem Personalaufwand bei Rahsegeln stimmt natürlich auch....

Ach ..es gibt doch nichts schöneres als ne Bark oder ein Vollschiff wie die Padua unter vollen Segeln... 😍😍😍

 

Also hinter ner 3.000er Bergkette im glühnen des Abendrot 

 

 

 

 

 

antonioa antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2272

@arcangel Deine kleine Randbemerkung hat mich heute nachts für mehrere Stunden auf Wikipedia abtauchen lassen zum Thema Segel, Rah- vs. Schratsegel, Schoner vs. Klipper vs. Windjammer vs. Dampfer, Frachtschifffahrt ganz allgemein, und, und und... Danke für den Stupser! 🙂

jack-black antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3506

@jack-black

😎 

arcangel antworten


AntonioA
Beiträge : 142

Heute hab ich es dann gerafft, warum der Schauspieler von Elrond mir so bekannt vorkommt.

Ich sag nur "Ser Arthur Dayne" das  "Schwert des Morgens"  

antonioa antworten
Lucan-7
Beiträge : 16310

@arcangel 

Wenig Kommentare letztlich... aber es ist ja auch nichts passiert. Also, wirklich nichts... die fünfte Folge endet genau da, wo auch die vierte Folge endete. Wir bekommen etwas Information über Mithril, und das war's.

Und mir gehen langsam die Ideen aus, wie ich diese Geschichte noch wohlwollend weiter schauen soll. Die Geschichte selbst ist ja gut, also die Thematik. Die Schauspieler sind auch gut. Die Bilder sind überwältigend. Also, warum nicht einfach Hirn ausschalten und genießen...?

Na ja... es ist halt alles so hölzern und klischeehaft zusammengestümpert, dass es gerade deshalb auffällt, weil es eben eine Produktion mit einem sehr großen Budget ist. Die Dialoge sind echt übel. Und da bemerkt man den Kontrast sehr viel mehr als es bei einer stumpfen Billigproduktion der Fall wäre.

Irgendwo weiter vorne im Thread habe ich selbst die Empfehlung gegeben, die Serie einfach nicht weiter zu schauen, wenn man doch so arg enttäuscht davon ist... und ich denke, daran werde ich mich dann auch halten. Jedenfalls dann, wenn die erste Staffel genau so weitergeht. Die restlichen Staffeln werde ich mir dann nicht mehr antun.

Die ersten Teile werde ich mir aber trotzdem weiter ansehen, einfach weil ich wissen will wohin die Sache führt... und ich für mich auch einen Abschluss für das Ganze haben will. Vielleicht kommt ja noch eine Wendung, die irgendwie Sinn ergibt.

Ansonsten lerne ich aus der ganzen Sache noch für mich selbst, wie man es nicht machen soll... immerhin entwerfe ich selber Geschichten, und für irgendwas ist alles am Ende gut...

 

 

lucan-7 antworten
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Jack-Black
(@jack-black)
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@lucan-7 Und da bemerkt man den Kontrast sehr viel mehr als es bei einer stumpfen Billigproduktion der Fall wäre.

Irgendwie ist das bei Billigproduktionen schon fast wieder sowas wie ein Pluspunkt, wenn die Dialoge so richtig dämlich sind, das rundet die Sache zu einer Ganzheit ab. Hab vorhin mal probeweise in "Barbarian Queen" reingeschaut (Achtung, falls jemand dem Hinweis folgen will: Nippelalarm a la 80's!), weil das irgendwie in meine "Vorschläge" bei Amazon Prime geraten war. Und ich sach ma so: Zumindest lustig und man kann sich so richtig fremdschämen und auch selbst-schämen beim Zugucken. Vor allem die "Kampfszenen" sind da zehnmal so lustig wie die, wo Dualwield-Super-Galadriel den Rekruten beim Training mitten auf der Marktstraße in den Hintern tritt. Na gut, länger als zehn, zwölf Minuten am Stück hält man den Schrott nicht aus, aber bei den RoP ja eigentlich auch nicht... 😉

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Lucan-7
(@lucan-7)
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@jack-black 

Vor allem die "Kampfszenen" sind da zehnmal so lustig wie die, wo Dualwield-Super-Galadriel den Rekruten beim Training mitten auf der Marktstraße in den Hintern tritt.

Ja, weil den jungen Leuten vor einer großen Schlacht zu zeigen, dass sie keine Chance haben und gar nix können ist ja auch echt eine kluge Methode der Ermutigung... wenn man das mit Aragorn vergleicht, der in der Schlacht von Helms Klamm einen Jungen ermutigen musste, der wirklich kaum eine Chance hatte... und dem Jungen einfach das Gefühl gab, ein Krieger zu sein, statt sich eitel selbst in Szene zu setzen...

Ach nee, ich fang' wieder an... das war alles wieder so schlecht, von Elfen, die zu blöd sind Karren zu benutzen bis hin zu Menschen, die zu blöd sind einfach wegzulaufen... hin zu Drehbuchautoren, die einfach zu blöd sind Dialoge zu schreiben. Oder es einfach nicht dürfen, weil man es ihnen verboten hat...

 

 

lucan-7 antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

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@lucan-7 Ja, weil den jungen Leuten vor einer großen Schlacht zu zeigen, dass sie keine Chance haben und gar nix können ist ja auch echt eine kluge Methode der Ermutigung...

Wobei, wenn man ehrlich sein will, womöglich ein kleiner emotionaler Dämpfer hier sogar pädagogisch angebracht gewesen wäre. Immerhin sind das ja alle "Freiwillige", die sich für ein großes Abenteuer gemeldet haben, nicht für eine große Verteidigungsschlacht gewissermaßen zwangsrekrutiert wurden wie bei der Schlacht um Helms Klamm.

Allerdings ändert das nix daran, dass die Szene keinerlei vernünftigen Sinn ergab, abgesehen davon, Supergirl eine Gelegenheit zu coolen Moves zu geben - und nebenbei noch irgendwelches Zeug, das schließlich Leuten gehört, die es womöglich noch gebrauchen wollten, kaputt zu hauen. Dein Vergleich zu Aragorn und der Szene mit dem Jungen (meines Wissens war das übrigens Viggo Mortensens eigener Sohn) zeigt das eigentliche Problem auf: In Jacksons Filmen hatten solche Szenen einen Sinn, bauten Spannung und gleichzeitig Sympathie zu den Handelnden auf.

Hier wird keine Spannung aufgebaut und schon erst recht keine Sympathie. Das systematisch unsympathisch angelegte Supergirl wendet seine Superkräfte zu "lustiger" Musikuntermalung an, um junge Männer (da waren plötzlich wenige von den weiblichen Freiwilligen, die bei der "Ich mach auch mit!"-Szene noch rund die Hälfte der Idioten stellten, mit dabei,oder?) zu demütigen. Sie soll den Rekruten etwas beibringen? Nix bringt sie denen bei, ausser Unsinn. Sie sollen mit ihren Füßen kämpfen und sich nicht auf die Stärke ihrer Arme verlassen (sinngemäß, hab's auf Englisch geguckt). Super Information für den Nahkampf, in dem hat sich ja noch nie der körperlich Stärkere durchgesetzt, weswegen seit Anbeginn der Zeiten junge Frauen immer ganz vorn mit in der Schlacht standen. Die Moves, die sie macht, sind kampftechnischer, physikalischer Unsinn (wie schon in dem Eistroll-Fight), allein solche lang im Wind wehenden Haare sind für einen Gegner eine Einladung, mal kurz zuzugreifen und...

Ach, jetzt fang ich auch schon wieder an... Ich glaub, ich sollte das nicht weiter gucken, es ärgert mich zu sehr, was man aus meinem Tolkien macht. Allerdings hat mir meine Beschäftigung damit auf Youtube diese schöne Dokumentation über Tolkien und sein Leben in die Vorschlagsliste gespült und allein das war's schon wieder wert. Insbesondere die Liebesbeziehung (von Kindertagen an!) zu seiner Frau wurde mir durch dieses Video in's Bewußtsein gerückt, wodurch die Geschichte von Beren und Luthien Tinuviel für mich nochmal eine ganz neue Bedeutungsebene bekam.

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Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 16310

@jack-black 

Wobei, wenn man ehrlich sein will, womöglich ein kleiner emotionaler Dämpfer hier sogar pädagogisch angebracht gewesen wäre. Immerhin sind das ja alle "Freiwillige", die sich für ein großes Abenteuer gemeldet haben, nicht für eine große Verteidigungsschlacht gewissermaßen zwangsrekrutiert wurden wie bei der Schlacht um Helms Klamm.

Wenn man das denn so gezeigt hätte. Wenn die Jungs die ganze Zeit herumgelaufen wären und gerufen hätten: "Tolles Abenteuer!" und "Das wird ein Spaß!" - und der Offizier ihnen dann einen Dämpfer verpassen will nach dem Motto: "Krieg ist kein Spaß und ihr habt keine Ahnung!" - dann würde es Sinn ergeben (Und Spannung aufbauen!).

Aber darum ging es ja nicht, es ging mal wieder darum, Super-Woman vorzuführen... mit einer Szene, die mich doch sehr an den Klamauk beim "Roten Korsaren" erinnerte (Vorbild für die Fluch-der Karibik Serie).

Nix bringt sie denen bei, ausser Unsinn. Sie sollen mit ihren Füßen kämpfen und sich nicht auf die Stärke ihrer Arme verlassen (sinngemäß, hab's auf Englisch geguckt). Super Information für den Nahkampf, in dem hat sich ja noch nie der körperlich Stärkere durchgesetzt, weswegen seit Anbeginn der Zeiten junge Frauen immer ganz vorn mit in der Schlacht standen.

Nun, in dem Fall hatte sie allerdings recht... die Fußstellung ist das erste was man in der Kampfausbildung lernt (ich habe mal eine Zeitlang mittelalterlichen Schwertkampf gemacht, um eben solche Dinge beurteilen zu können...). Kraft ist natürlich ein Vorteil, nützt aber nichts, wenn einem die Technik fehlt, diese auch anzuwenden.

Ich habe kürzlich erst wieder einige Videos japanischer Schwertmeister gesehen. Das sieht man teilweise klapprige alte Männer mit grauen Bärten, die Schwerter schwingen... und ich würde im Leben nicht wagen gegen so einen in einem ernsthaften Kampf anzutreten, auch nicht, wenn ich 20 Jahre alt und wesentlich muskulöser wäre.

Ach, jetzt fang ich auch schon wieder an... Ich glaub, ich sollte das nicht weiter gucken, es ärgert mich zu sehr, was man aus meinem Tolkien macht.

Dann solltest du dir auch nicht die Interviews mit den schwarzen Darstellern der Serie anschauen wie sie die ganze Sache kommentieren... Rechtspopulisten dürften ihre helle Freude daran haben ("Verdammt! Der ganze Verschwörungsmist ist ja tatsächlich wahr! Ich hätt's ja selbst nicht mehr geglaubt!").

Ich ignoriere das ja, weil es halt auch nur Einzelmeinungen sind und jeder darf sich äußern wie er will... aber mit "Tolkien" hat das alles nun wirklich nichts zu tun, deshalb ist das auch schon lange kein Teil meiner Kritik mehr.

 

 

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Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3506

@lucan-7 

Ich hab die 5 Episode nicht geschaut, und ich werde sie auch nicht schauen. Und eure Beiträge haben jetzt nochmal darin bestätigt.

 

Für mich ist RoP abgehackt.

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Kintsugi
(@kintsugi)
Beigetreten : Vor 8 Monaten

Beiträge : 673

@arcangel 

Ich fand Folge 5 etwas langweilig. Aber zwischendurch gibt es so schöne Bilder, dass ich es trotzdem weiter ansehen werde. Ich darf nur einfach nicht an Tolkien dabei denken.

Übrigens las ich gestern im Abspann, dass Simon Tolkien bei der Serie als Berater mitgewirkt hat. Er ist einer der Enkel von J.R.R., der sich vielleicht gerade im Grab rumdreht… Das war mir bisher entgangen. 

kintsugi antworten


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