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Wer will "woke" Filme...?

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Lucan-7
Themenstarter
Beiträge : 20972

Mal wieder ein Thema für den Zeitgeist... mit ein paar kleinen Spoilern, das lässt sich nicht ganz vermeiden.

Man findet in vielen Kommentaren und Filmbesprechungen seit kurzem immer wieder Kritik an der Tendenz, Filme und Serien "divers" und "woke" zu machen, also mit verschiedenen Ethnien und diversen sexuellen Orientierungen vorzustellen. Manche dieser Kritiken zielen auf ein eher rechtsnationales Publikum und kritisieren unverblümt, dass eben auch schwarze oder homosexuelle Figuren in Filmen vorkommen, in denen traditionell eher weiße Menschen besetzt werden.

Viele dieser Kritiken stoßen sich aber gar nicht so sehr an der Diversität, sondern schlicht an den grottenschlechten Geschichten... und das ist etwas, das mir auch ins Auge springt. Würde ich zum Verschwörungsglauben neigen könnte man hier glatt eine Absicht dahinter vermuten, nämlich Filme mit einer diversen Besetzung ganz bewusst so schlecht zu machen, dass sie vom Publikum abgelehnt werden. Um dann wieder zu den "klassischen" Besetzungen zurückkehren zu können. Wem das nutzen soll... keine Ahnung, aber so kommt es mir beinahe vor.

Beispiele die mir hier spontan einfallen (Vorsicht, kleinere Spoiler sind möglich!):

Disneys "Strange World" hat zwar ein paar gute Ansätze und phantastische Bilder zu liefern... die Geschichte ist jedoch ausgesprochen öde, vorhersehbar und die "diversen" Figuren sind weitgehend überflüssig.

"Peter Pan und Wendy" präsentiert eine superstarke Wendy, die es mal eben so mit einigen Piraten aufnehmen kann... warum auch nicht. Nichts gegen starke Frauen, da gibt es etliche wirklich gute Figuren wie Sarah Connor oder Ellen Ripley, um mal zwei glaubwürdige Action Heldinnen zu nennen. Aber die wurden nicht als überlegene Muskelweiber geboren, sondern mussten dafür hart trainieren und Dinge lernen. Die heutigen Heldinnen wie Wendy oder Mulan werden schon als Heldinnen geboren und sind "einfach so" stark.. weil sie halt Frauen sind. Hmja... nö. Das hat nichts mit dem Geschlecht zu tun, das ist einfach nur langweilig.

In "Arielle" (ja, schon wieder Disney) wurde eine schwarze Meerjungfrau präsentiert. Nichts dagegen zu sagen... aber es wurde einfach dieselbe Geschichte nochmal erzählt, die man halt so kennt. Keine Variante, keine neue Perspektive, kein neues Szenario... nichts. Arielle ist jetzt schwarz. Das ist schon die ganze Geschichte. Verschenkte Möglichkeiten.

Über die Herr der Ringe Serie "Die Ringe der Macht" wurde hier ja auch schon viel geschrieben. Manchen Leuten scheint's zu gefallen, für mich gehört die Reihe aber auch klar in das Schema: "Hauptsache divers, Geschichte und Charaktere sind egal!". Es wurde kein Wert auf eine glaubwürdige Entwicklung gelegt, Hauptsache man präsentiert Schauspieler möglichst vieler verschiedener Ethnien bunt durcheinander gemischt.

Jüngstes Beispiel ist "The Witcher". Eine Serie mit einem wirklich großen Potential, auf einer Höhe mit "Game of Thrones". Es fing stark an... und liess dann immer mehr nach. Eine Geschichte sucht man da jetzt vergebens, der Plot ist weitgehend unverständlich, beliebig und austauschbar, trotz fantastischer Welten und passabler Schauspieler. Auch hier: Diversität an allen Orten, und starke Frauen drängen den eigentlichen Helden in den Hintergrund... ohne dass dabei eine gute Geschichte erzählt würde. Von Dramaturgie keine Spur... und das ist nicht die einzige Schwäche an der Erzählweise. Dass der Hauptdarsteller die Serie verließ war daher nur konsequent.

Es ist nicht so, dass ich das jetzt alles in Grund und Boden verdammen will, viele dieser Filme und Serien haben ihre Momente. Nur bilde ich mir ein, hier eine Tendenz zu sehen: Je "diverser" ein Film oder eine Serie konstruiert wird, desto mehr gerät die Story in den Hintergrund und desto platter wird der Spannungsbogen, falls überhaupt noch einer vorhanden ist.

Statt "vielfältiger" zu werden, werden die Figuren nur noch schablonenhafter dargestellt. Und das ist ärgerlich, weil ich die Diversität im Kino ausdrücklich begrüße... da gibt es so viele Möglichkeiten, auch historische Filme zu gestalten, etwa in den Genres Western oder Piratenfilmen. Fantasy sowieso - aber auch dann müssen verschiedene Ethnien irgendwie glaubhaft in die Welt integriert werden. Man muss das auch gar nicht in den Mittelpunkt stellen, eine grobe Einordnung reicht da.

 

Wie seht ihr das? Habe ich da einfach nur Vorbehalte oder ist da etwas dran...?

 

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Arcangel
Beiträge : 4320

@lucan-7 

Ich teile deine Meinung im Grossen und Ganzen.

Meiner Meinung nach haben die Schreiber und Produzenten, sich einfach auf das Thema divers stützen, ohne Energie in die Story zu investieren.

Wobei es natürlich auch schlechte Storys ganz ohne Woke gibt.

 

Es ist bei manchen Firmen offensichtlich, dass sie einfach eine Woke Ideologie puschen.

 

Ich wünsche mir es gäbe einfach wieder gute Geschichten, in denen die Figuren Sinn machen, egal welches Geschlecht oder Ethnie oder imaginärem geschlechtlichem Zugehörigkeitsgefühl.

arcangel antworten
6 Antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 13 Jahren

Beiträge : 20972

@arcangel 

Es ist bei manchen Firmen offensichtlich, dass sie einfach eine Woke Ideologie puschen.

Genau das. Wobei hier die Betonung auf "offensichtlich" liegt. Denn das verkehrt die Absicht letztlich ins Gegenteil.

Ich schrieb ja schon, dass ich es für sehr begrüssenswert halte, verschieden Ethnien in Filmen zu zeigen. Da gibt es viele Möglichkeiten.

So fielen ja kürzlich asiatischstämmige Schauspieler in den Star Wars Reihen auf. Klar, da wusste man sofort, dass das halt unter anderem für den chinesischen Markt gedacht ist. Aber es ist trotzdem stimmig, weil Star Wars sich ja schon immer dadurch ausgezeichnet hat, dass verschiedene Ethnien - in diesem Fall vor allem Aliens - nebeneinander leben. Jeder kann aus welchen Gründen auch immer zu allen möglichen Planeten reisen... da spielt es keine Rolle, welche Hautfarbe die Leute haben. Passt also.

In einer "mittelalterlichen" Fantasywelt sieht das aber anders aus. In den meisten Darstellungen sind die Völker auf bestimmte Orte beschränkt und entfernen sich kaum von ihrer Heimat. Wenn man also eindeutig verschiedene Ethnien an einem Ort findet, dann sollte man zumindest eine kurze Erklärung dafür geben... dass etwa viele Völker zu kriegerischen Zeiten an diesen Ort geflohen sind und hier eine gemeinsame Zukunft fanden. Das kann man in einem Nebensatz erwähnen, und dann passt das schon.

Die Strategie der Produzenten ist aber eine andere: Die Ethnie soll gar keine Rolle spielen. Es wird so getan, als ob es das selbstverständlichste der Welt sei, dass eine weisse Mutter ein schwarzes Kind hat oder umgekehrt. So passiert bei "Herr der Ringe" und "Der Witcher".

Und damit wird dann die gute Absicht ins Gegenteil verkehrt: Wir wissen, dass die reale Welt NICHT so ist. Damit ist klar: DIESE Diversität, die dort gezeigt wird, ist eine Lüge... Fantasy hin oder her.

Damit wird aber die Botschaft ins Gegenteil verkehrt. Statt verschiedene Ethnien als selbstverständlich wahrzunehmen, werden die Unterschiede und die Unmöglichkeit dieses Szenarios um so mehr betont.

Und wenn dann noch die Geschichte schlecht ist... dann gibt man den Rechtspopulisten unnötig Futter, weil sie dann genussvoll auf die "woke" Ideologie einprügeln können und dafür - angesichts der schlechten Geschichten - auch noch reichlich Zustimmung bekommen.

Obwohl das eine mit dem anderen eigentlich gar nichts zu tun hat.

 

lucan-7 antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

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@lucan-7 

Da gebe ich dir recht, wobei wir auch in eine andere Falle Tapen können. Jack hat dies ja an getönt, wir können Woke sehen, wo kein Woke ist, nicht jede Frauenrolle, nicht jeder nicht weisse Schauspieler ist gleich ein Aktivist.

Ich frage mich einfach was sie damit bezwecken wollen, Geld machen sie jedenfalls keins damit. Bis auf Barbie waren alle Woken Ergüsse bis dato ein riesen Verlustgeschäft.

arcangel antworten
der_alte
(@der_alte)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

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@arcangel große Investoren wie BlackRock legen ein ESG-Rating ihren Investitionen zugrunde, Firmen die Investitionen wollen müssen hier dann schauen sich gut zu präsentieren:

https://www.handelsblatt.com/finanzen/anlagestrategie/fonds-etf/nachhaltigkeit-florida-missouri-und-louisiana-ziehen-milliarden-von-blackrock-wegen-esg-strategie-ab/28844504.html

der_alte antworten
der_alte
(@der_alte)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 1229

@lucan-7 bei den neuen Star Wars-Filmen gibt es in einer Hauptrolle einen dunkelhäutigen Strumtruppler, wobei die doch aber alle m.W. Duplikate des Kopfgeldjägers Fett sind. Habe aber das alles nicht ganz gesehen, ich mochte die neue Trilogie nicht, die erste gefiel mir, die zweite auch, die neue war nicht mein Ding.

Dass Kinder eine komplett andere Hautfarbe haben (wobei weiss und schwarz im eigentlichen Sinne keine Farben sind) kann, ist genetisch möglich:

https://www.welt.de/vermischtes/article132352653/Schwarze-Frau-bringt-weisses-Baby-zur-Welt.html

der_alte antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 13 Jahren

Beiträge : 20972

@der_alte 

bei den neuen Star Wars-Filmen gibt es in einer Hauptrolle einen dunkelhäutigen Strumtruppler, wobei die doch aber alle m.W. Duplikate des Kopfgeldjägers Fett sind.

Die Klonkrieger wurden im Laufe der Jahre durch reguläre Truppen ersetzt, das passt also schon...

 

Dass Kinder eine komplett andere Hautfarbe haben (wobei weiss und schwarz im eigentlichen Sinne keine Farben sind) kann, ist genetisch möglich:

Dass so etwas durch die Medien geht zeigt ja schon, wie ungewöhnlich es ist.

 

 

lucan-7 antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 4320

@der_alte 

@lucan-7 bei den neuen Star Wars-Filmen gibt es in einer Hauptrolle einen dunkelhäutigen Strumtruppler, wobei die doch aber alle m.W. Duplikate des Kopfgeldjägers Fett sind. Habe aber das alles nicht ganz gesehen, ich mochte die neue Trilogie nicht, die erste gefiel mir, die zweite auch, die neue war nicht mein Ding.

Falsch Sturmtrupper sind, regulär rekrutierte, meist Menschen. Klontrupper waren alles Duplikate von Boba Fett.

arcangel antworten


Arcangel
Beiträge : 4320

@lucan-7 

Hier ein Beitrag von Metatron, ich finde seinen Chanel äusserst interessant. Zu diesem Thema hat er ein Video gemacht, (auf Englisch, aber man kann ja deutsche Untertitel einschalten.) https://youtu.be/KWSjb4LQp6A

 

arcangel antworten
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Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 13 Jahren

Beiträge : 20972

@arcangel 

Hier ein Beitrag von Metatron, ich finde seinen Chanel äusserst interessant. Zu diesem Thema hat er ein Video gemacht, (auf Englisch, aber man kann ja deutsche Untertitel einschalten.) https://youtu.be/KWSjb4LQp6A

Ich bin bei seinen Videos immer etwas vorsichtig... er hat zwar oft gute Argumente, aber er bedient auch gleichzeitig das rechtskonservative Millieu. Mit seiner ach so vernünftigen und rationalen Analyse mag er zwar nicht grundsätzlich unrecht haben, unterschlägt aber wesentliche Argumente seiner Gegner.

Hier hat er im wesentlichen zwei Argumente: Zum einen die Verlogenheit der "woken" Aktivisten, die empört aufschreien, wenn ein Schwarzer oder Asiate in einer Geschichte gegen einen Weißen ausgetauscht wird, selber aber das Umgekehrte fordern, nämlich weiße Schauspieler durch andere Ethnien zu ersetzen.

Er tut dabei so, als ginge es darum, alle Menschen gleich zu behandeln... das ist zwar richtig, aber dafür fehlen die Voraussetzungen. Denn um so eine Gleichbehandlung zu erreichen müsste ja erst einmal die überwiegend weiße Besetzung deutlich reduziert werden. Und eben das ist der Punkt... Metatron plädiert, ganz im Sinne der Konservativen, dafür, doch bitte alles so zu lassen wie es ist. Bei der diversen Besetzung geht es aber darum, andere Ethnien deutlich sichtbarer zu machen - und das kann im amerikanischen Blockbusterkino nun einmal nur durch eine Reduzierung der weißen Schauspieler erreicht werden.

Zum anderen ist er der Ansicht, dass es ebenfalls verlogen sei, zu behaupten, ein Kind könne sich nur mit einer Figur der eigenen Hautfarbe identifizieren. Auch das ist nicht das eigentliche Argument, schließlich richtet sich "Arielle" auch ausdrücklich an ein weißes Publikum.

Es geht vielmehr darum, den Kindern zu zeigen, dass wir in einer vielfältigen Welt leben - und nicht in einer "weißen" Welt, in der andere Ethnien nicht wirklich relevant sind. Es geht um Gesellschaft, nicht allein um Identifikation.

lucan-7 antworten
Arcangel
(@arcangel)
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Beiträge : 4320

@lucan-7 

Hier hat er im wesentlichen zwei Argumente: Zum einen die Verlogenheit der "woken" Aktivisten, die empört aufschreien, wenn ein Schwarzer oder Asiate in einer Geschichte gegen einen Weißen ausgetauscht wird, selber aber das Umgekehrte fordern, nämlich weiße Schauspieler durch andere Ethnien zu ersetzen.

Er benutzt das Beispiel, um zu, dass Rassismus Argument zu widerlegen. So wie ich ihn verstehe, geht es im nicht darum, keine diversen Besetzungen zuzulassen, sondern darum, dass ein Fan einer Weissen Ariel als Rassist mundtot geschrien wird, weil er eben lieber eine weisse statt eine Schwarze Ariel hat.

Zum anderen ist er der Ansicht, dass es ebenfalls verlogen sei, zu behaupten, ein Kind könne sich nur mit einer Figur der eigenen Hautfarbe identifizieren. Auch das ist nicht das eigentliche Argument, schließlich richtet sich "Arielle" auch ausdrücklich an ein weißes Publikum.

Da ging wohl einiges in der Übersetzung verloren, er behauptet genau das Gegenteil. Denn dies ist ja das Argument der Woken.

Bei der diversen Besetzung geht es aber darum, andere Ethnien deutlich sichtbarer zu machen - und das kann im amerikanischen Blockbusterkino nun einmal nur durch eine Reduzierung der weißen Schauspieler erreicht werden.

Also um A zu fördern muss B reduziert werden. Warum macht A nicht einfach bessere Filme als B. Es ist die gleiche Geschichte mit starken Frauen Figuren die in Woken Filmen keine starken Männer, sondern nur dumme Hampelmänner dulden. Andere niederzumachen, um sich selbst aufzubauen, ist doch kein Zeichen von Stärke. Warum muss Schneewittchen verfilmt werden, gibt es keine afrikanischen Märchen, die mithalten können, das glaube ich kaum. Warum muss westliches Kulturgut geplündert werden, um Diversität zu fördern? Erstens kennt jeder die Geschichte, warum also nochmals auflegen, bringt doch lieber etwas Originales, noch nie dagewesen, aus dem Afrikanischen oder Native Amerikan Raum. Ich bin überzeugt, dass es da tonnenweise frisches Material gibt, das noch nicht zu Tode kommerzialisiert ist.

Aber das würde ja Arbeit und Kreativität voraussetzen.

arcangel antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 13 Jahren

Beiträge : 20972

@arcangel 

Er benutzt das Beispiel, um zu, dass Rassismus Argument zu widerlegen. So wie ich ihn verstehe, geht es im nicht darum, keine diversen Besetzungen zuzulassen, sondern darum, dass ein Fan einer Weissen Ariel als Rassist mundtot geschrien wird, weil er eben lieber eine weisse statt eine Schwarze Ariel hat.

Ja, und genau damit nähert er sich bereits der typischen rechtskonservativen Opferhaltung an, die sich nicht als "Rassisten" beschimpfen lassen möchten, nur weil sie rassistische Ansichten vertreten.

Denn so pauschal wie er tut sind die Vorwürfe ja nicht, in den Diskussionen, die ich so verfolgt habe, wird da schon genauer differenziert.

Deshalb ist es ja auch kein Zufall, dass er sich hier die extremsten Vorwürfe heraussucht, um damit die Legende der armen Weissen zu stricken, die sich gegen den bösen Wokeismus verteidigen müssen.

Da ging wohl einiges in der Übersetzung verloren, er behauptet genau das Gegenteil. Denn dies ist ja das Argument der Woken.

Das war in der Eile von mir falsch formuliert, sorry.

Er behauptet in der Tat, es sei ein Argument der Gegenseite, dass Kinder Helden der gleichen Ethnie brauchen, um sich mit ihnen identifizieren zu können. Dieses Argument "widerlegt" er dann... nur mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass das gar nicht das eigentliche Argument ist, weil es nicht nur um Identifikation, sondern auch um eine gesellschaftliche Darstellung geht.

Also um A zu fördern muss B reduziert werden. Warum macht A nicht einfach bessere Filme als B. Es ist die gleiche Geschichte mit starken Frauen Figuren die in Woken Filmen keine starken Männer, sondern nur dumme Hampelmänner dulden. Andere niederzumachen, um sich selbst aufzubauen, ist doch kein Zeichen von Stärke. Warum muss Schneewittchen verfilmt werden, gibt es keine afrikanischen Märchen, die mithalten können, das glaube ich kaum.

Genau das ist ja auch mein Kritikpunkt. Dass die Anzahl weißer Schauspieler reduziert werden muss ist eine rein mathematische Sache... die Leute werden sich ja nicht plötzlich doppelt so viele Filme ansehen wie vorher.

Aber die Umsetzung ist halt wirklich schlecht. Statt verschiedene Ethnien ihre eigenen Geschichten erzählen zu lassen, werden einfach weiße Rollen durch andere Ethnien ersetzt... bei gleicher Handlung wie bisher. Und zusätzlich werden auch die Geschichten schlechter... Frauen werden schon als Superheldinnen geboren und Männer sind nur noch aggressive oder gutmütige Trottel.

Was dann wiederum scheinbar den Kritikern recht gibt... aber nur scheinbar, weil das eine mit dem anderen gar nichts zu tun hat!

 

 

lucan-7 antworten
Lucan-7
Themenstarter
Beiträge : 20972

Mal noch ein Beispiel, das mir gerade über den Weg lief, und das mich doch massiv gestört hat, weil eine schwarze Schauspielerin eine weiße Rolle besetzt... und "weiß" heißt hier nicht "helle Hautfarbe", sondern "weiß"...

Es geht um die Serie "Sandman"... und sehr kleine Spoiler lassen sich an der Stelle nicht vermeiden.

Ich muss gestehen, dass ich die "Sandman" - Comics bisher nur wenig kenne, was ich vermutlich demnächst mal nachhole, aber den ein oder anderen Charakter kenne ich doch. Eine dieser Nebenfiguren aus dem Sandman-Universum (was übrigens zu DC gehört) ist, neben "Constantine" (da gibt es auch einen Film) unter anderem "Death", also der Tod höchstselbst.

Man kennt diesen Charakter meist als Skelett im Kapuzenmantel, mit einer großen Sense in der Hand... je nach Erzählung gerne furchterregend. "Death" im Sandman-Universum ist hingegen nett und freundlich und wird durch ein kalkweisses Mädchen im Gothic-Outfit repräsentiert. Diese erscheint sterbenden Personen, tröstet sie, findet ein paar freundliche Worte und bereitet sie darauf vor, was nach dem Leben kommt. Mir gefiel diese Idee und die Aufmachung dieser Figur sehr.

Nun, man kann sich denken, was den Produzenten der Serie dazu einfiel... wärend der "Sandman" haargenau so wie in der Vorlage aussieht, ist "Death" plötzlich kein Gothic-Mädchen mehr, sondern - eine schwarze Frau.

Hier der direkte Vergleich:

Vermutlich dachte man sich, dass die Figur so wenig bekannt ist, dass es nicht weiter auffällt, wenn man sie völlig anders gestaltet.

Für mich, der die Figur kennt, ist das aber genau so, als hätte man Superman oder Batman durch einen Schwarzen ersetzt. Das mag trotz allem immer noch eine gute Geschichte sein (Und die schwarze Schauspielerin, Kirby Howell-Baptiste, macht durchaus einen guten Job) - aber es ist dann eben nicht Clark Kent oder Bruce Wayne, sondern eben jemand Anderes. Auch dann, wenn die gleichen Namen verwendet werden.

Das ist um so ärgerlicher, weil in der Serie gezeigt wird, dass der "Sandman" keineswegs jedem Menschen als hochgewachsener, dünner weißer Mann erscheint... sondern dass er schwarzen Menschen auch als Schwarzer begegnet, also entsprechend den Vorstellungen des Gegenübers.

Das hätte auch für "Death" Sinn ergeben... aber hier erscheint sie immer als Schwarze, egal, wem sie begegnet.

Es ergibt also auch innerhalb des gezeigten Universums keinen Sinn. Und damit wird auch wieder das Gegenteil von dem erreicht, was eigentlich beabsichtigt ist: Statt verschiedene Ethnien als selbstverständlich zu zeigen, werden vielmehr die Unterschied betont, weil es einfach auffällt.

Zumal die Hauptcharaktere dann doch wieder alle weiß sind... ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

 

lucan-7 antworten
5 Antworten
Channuschka
(@channuschka)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 4179

@lucan-7 zum Beitrag

Ich kenne Sandman gar nicht - aber wenn es ihnen hier um Diversity ging, dann haben sie auf ganzer Linie versagt. Denn gerade beim Tod spielt doch eine Farbsymbolik richtig heftig mit rein. Und wenn alle anderen Hauptcharaktere weiß sind - und der Tod dunkel.... dann kann der Tod noch so freundlich sein, es bleibt der Tod.

Mit einem dunkelhäutigen Bruce Wayne hätte ich übrigens überhaupt kein Problem. Bei Clark Kent hätte ich mehr Problem. Liegt aber vermutlich daran, dass ich Clak Kent aus irgendeinem Grund eher in einer Zeit verorte, wo es für Schwarze in Amerika noch sehr viel schwerer war als heute, während Bruce Wayne eher so ab den 80ern bis heute oder in der Zukunft den Ursprung hat.

channuschka antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 13 Jahren

Beiträge : 20972

@channuschka 

Ich kenne Sandman gar nicht - aber wenn es ihnen hier um Diversity ging, dann haben sie auf ganzer Linie versagt. Denn gerade beim Tod spielt doch eine Farbsymbolik richtig heftig mit rein. Und wenn alle anderen Hauptcharaktere weiß sind - und der Tod dunkel.... dann kann der Tod noch so freundlich sein, es bleibt der Tod.

Ganz so ist es nicht... sie haben vielmehr darauf geachtet, dass die Hälfte der Darsteller schwarz ist. Und das ist eben wieder so offensichtlich, dass es des Guten zuviel ist... man erkennt die Absicht, und die Geschichte - die in diesem Fall wirklich gut ist - tritt dahinter zurück. Und bei "Death" war es mir halt am auffälligsten.

 

Mit einem dunkelhäutigen Bruce Wayne hätte ich übrigens überhaupt kein Problem. Bei Clark Kent hätte ich mehr Problem. Liegt aber vermutlich daran, dass ich Clak Kent aus irgendeinem Grund eher in einer Zeit verorte, wo es für Schwarze in Amerika noch sehr viel schwerer war als heute, während Bruce Wayne eher so ab den 80ern bis heute oder in der Zukunft den Ursprung hat.

Stimmt, mit Bruce Wayne könnte man die Geschichte noch am ehesten ändern... Clark Kent repräsentiert aber so sehr den weißen Amerikaner, mit seinen Adoptiveltern, die Farmer sind, dass man das kaum ändern kann.

Man kann die Geschichte natürlich in einer alternativen Version erzählen, und dagegen ist nichts einzuwenden... aber es ist dann eben eine Alternative, und nicht mehr das Original.

Wenn man aber versucht, uns die Alternative als das Original zu verkaufen... dann funktioniert es nicht mehr.

lucan-7 antworten
Channuschka
(@channuschka)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 4179

@lucan-7 

Das Figuren im Aussehen geändert wurden - meistens um Vorstellungen besser zu entsprechen - gab es ja immer schon. Spontan fällt mir da die Serie "Sissi" von 1997 ein (eine französisch-kanadische Produktion, deren Intro mich zurück in alte Zeiten versetzt, wobei ich selten mehr als das Intro gesehen habe, die Serie selbst war mir zu doof.) oder der amerikanische Heidi-Film von 1993 (meine Mutter fand den ganz schrecklich, weil er nicht am Buch dran ist).Trotzdem hat ja beides zumindest in der Zeit eine gewisse Bekanntheit gehabt.Mit dunkelhäutigen Charakteren würde beides nicht funktionieren, da man sie dazu aus ihrer Zeit rausholen müsste (was in der Kinderliteratur allerdings allzu gerne gemacht wird), dann würde auch ein schwarzer Clark Kent funtkionieren. Wäre dann aber tatsächlich eine abgeänderte Story und würde vermutlich, wenn dann auch wieder für Kinder gemacht.

 

channuschka antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2026 Jahren

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@lucan-7 

Stimmt, mit Bruce Wayne könnte man die Geschichte noch am ehesten ändern... Clark Kent repräsentiert aber so sehr den weißen Amerikaner, mit seinen Adoptiveltern, die Farmer sind, dass man das kaum ändern kann.

Wobei es ja nicht wenige farbige Farmer gibt. Wenn man Clark farbig und die Eltern dementsprechend auch besetzt hätte, wäre es für mich stimmig. 

tristesse antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 13 Jahren

Beiträge : 20972

@tristesse 

Wobei es ja nicht wenige farbige Farmer gibt. Wenn man Clark farbig und die Eltern dementsprechend auch besetzt hätte, wäre es für mich stimmig. 

Clark Kent steht allerdings wie kein anderer Held für den "american dream", also das Land der Möglichkeiten. In mehreren Fällen betont er, dass die USA für einen Ausserirdischen wie ihn eine Heimat sein können - und genau das macht den Unterschied aus, weil die Geschichte aus einer weißen Perspektive erzählt wird und er selber auch weiß ist.

Insofern hast du recht, dass es viel konsequenter wäre, wenn Clark Kent deutlich einer ethnischen Minderheit angehören würde... hätte er dann immer noch so leicht eine Stelle als Reporter gefunden? Würde der "american dream" immer noch für ihn gelten?

Man könnte in diesem Fall den Rassismus nicht mehr ausklammern - denn eins ist klar, der original Clark Kent hat nie darunter leiden müssen.

Deshalb wäre die Geschichte dann auch eine völlig Andere... nämlich die eines Superhelden, der als Superman bewundert und gefürchtet wird, als Clark Kent aber ständig Alltagsrassismus ausgesetzt wäre.

Das wäre eine Geschichte, die es sicher wert wäre erzählt zu werden... aber es hätte eben nichts mehr mit dem Superman zu tun, den man kennt.

Bei Bruce Wayne wäre das anders, weil der reich und mächtig ist. Da wäre der Unterschied nicht so groß.

lucan-7 antworten


Jigal
 Jigal
Beiträge : 3671

Woke  ist inzwischen  eher negativ behaftet.

Das deutsche Panzermuseum hat ein T-Shirt Woke und Wehrhaft herausgebracht, die Mehrheit sah das eher negativ.

Sammy  Davis jr., ehemal bekannter Star, Entertainer, erzählte gerne folgende Geschichte. Er sitzt in der U-Bahn und liest eine jüdische Zeitschrift, die hebräischen Buchstaben sind gut zu erkennen.  Meint jemand, schwarz zu sein, reicht ihnen nicht?

jigal antworten
2 Antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 13 Jahren

Beiträge : 20972

@jigal 

Woke  ist inzwischen  eher negativ behaftet.

Das deutsche Panzermuseum hat ein T-Shirt Woke und Wehrhaft herausgebracht, die Mehrheit sah das eher negativ.

Bei mir war es eher umgekehrt... ich sah ihn von Anfang an negativ, weil hier einige Leute vorgaben "wach" zu sein und Dinge zu sehen, während andere Leute ignorant seien.

Es ging also gar nicht um Diversität und Gleichberechtigung, sondern darum, sich selbst als besser, eben als "woke" darzustellen.

Mit der Zeit habe ich mich aber an den Begriff gewöhnt und sehe ihn inzwischen positiver. Aber aufgrund meines ersten Eindruckes halte ich den Ausdruck tatsächlich nicht für optimal.

lucan-7 antworten
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 3671

@lucan-7 ja,  die Kommentare waren  für viele, das würde ich nie kaufen bis dahin, wann steht der rosa Panzer da. Andere fanden ja das T-Shirt  Panzer:innen noch witzig.  Das neueste ist jetzt das Thema  FDGO .. Also freiheitlich demokratische Grundordnung.

Da können viele mitgehen und es wurde ein Wettbewerb und das Museum hat sich jetzt praktisch für FDGO  in einer Art takischem Zeichen entschieden. Taktische Zeichen sagen eigentlich auf dem Fahrzeug oder auf Landkarten mit wem habe ich es zu tun, mit einer Panzerkompanie oder eine Sanitätskompanie z.B.  ich glaube FDGO Ultra zu sein zur Demokratie zu stehen passt für viele Leute die zur Bundeswehr stehen und die in ein Panzermuseum gehen. Leute die hundertausendfach gelobt haben das Recht und die Freiheit zu verteidigen.

jigal antworten
Lucan-7
Themenstarter
Beiträge : 20972

Mal noch ein anderes, diesmal jedoch positives Beispiel, dass es sehr wohl funktionieren kann, wenn eine weiße Rolle durch eine Schwarze besetzt wird:

Die Situation ist die gleiche wie beim erwähnten "Sandman", aus der ähnlich gelagerten Serie "Preacher". Die Figur in den Comics ist eine der drei Hauptdarsteller der Serie und eine weiße, blonde Frau. Dargestellt wird sie in der Serie aber von Ruth Negga, die schwarz ist:

Und in diesem Fall funktioniert das sehr gut. Warum? Weil sie den gleichen Typ der "toughen Frau aus schwierigen Verhältnissen" darstellt wie in den Comics... ich würde sogar sagen, dass Ruth Negga die Figur weitaus glaubwürdiger und lebendiger darstellt, während sie in den Comics doch etwas... nun ja, blass bleibt.

Die Herkunft der Figur wurde etwas angepasst, im Comic stammt sie aus einem typisch weißen Millieu, aber sie erfüllt in jeder Hinsicht die Vorgaben des Comics, vom Standpunkt des Typus ihrer Figur aus. Und deshalb spielt Aussehen und Hautfarbe hier auch keine Rolle.

Warum aber funktioniert das bei oben genannter "Death" aus "Sandman" nicht? Weil eben nicht nur die Hautfarbe geändert wurde, sondern gleich die ganze Figur. Im Comic wurde sie als bleiche Punkerin angelegt, und obwohl ihr Aussehen nicht extrem ist zeigt sie sich dadurch aus Aussenseiterin... sie steht allein neben der Gesellschaft, was für den Tod wohl passend ist.

In der Serie wurde "Death" nicht nur schwarz, sondern auch von einer Schauspielerin verkörpert, die eher dem Typ "erfolgreiche, sportliche Buisiness-Frau, die sich gesund ernährt" entspricht. Das heißt man hat sich meilenweit von der Ursprungsfigur entfernt und sie letztlich beliebig und austauschbar gemacht.

Ich hätte mir für "Death" sehr gut eine etwas ausgeflippte Asiatin vorstellen können. Auch eine Schwarze wäre durchaus möglich gewesen, wenn die Produzenten denn darauf bestehen... aber dann hätte sie ganz anders auftreten müssen, um der Figur halbwegs gerecht zu werden.

 

Es ist also immer wieder das erwähnte Problem... das Problem sind nicht verschiedene Ethnien, sondern dass nicht mehr auf die Qualität der Geschichten und deren Figuren geachtet wird...

 

lucan-7 antworten
9 Antworten
Channuschka
(@channuschka)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 4179

@lucan-7 

Es ist also immer wieder das erwähnte Problem... das Problem sind nicht verschiedene Ethnien, sondern dass nicht mehr auf die Qualität der Geschichten und deren Figuren geachtet wird...

Und das hat dann nur am Rande was mit Wokeness zu tun, sondern m.M.n. eben mit dem Wettbewerb und den Finanzen - und weil es genug dumme gibt, die sich das ganze trotzdem anschauen. Wenn man die Vorlage nicht kennt, stört es vielleicht auch weniger.

 

Und weil ich es als Moderatorin bei anderen immer anmerke - Quelle zum Bild? Auch auf Bildern ist ein Urheberrecht.

 

channuschka antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 13 Jahren

Beiträge : 20972

@channuschka 

Und das hat dann nur am Rande was mit Wokeness zu tun, sondern m.M.n. eben mit dem Wettbewerb und den Finanzen - und weil es genug dumme gibt, die sich das ganze trotzdem anschauen. Wenn man die Vorlage nicht kennt, stört es vielleicht auch weniger.

Ja, aber hier ist es etwas mehr als das... die Produzenten spielen den Rechtspopulisten in die Hand, indem sie "woke" Filme als totalen Mist produzieren.

Das heißt, es geht hier um mehr als nur um ein paar schlechte Filme... es geht letztlich um Politik. Und das nicht zu knapp.

 

Und weil ich es als Moderatorin bei anderen immer anmerke - Quelle zum Bild? Auch auf Bildern ist ein Urheberrecht.

Bei den Bildern handelt es sich um links, ich habe die nicht selbst eingestellt. Wer darauf klickt gelangt automatisch zum Ursprung bzw zum link, in dem sie ursprünglich eingebettet waren.

lucan-7 antworten
Channuschka
(@channuschka)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 4179

@lucan-7 

Bei den Bildern handelt es sich um links, ich habe die nicht selbst eingestellt. Wer darauf klickt gelangt automatisch zum Ursprung bzw zum link, in dem sie ursprünglich eingebettet waren.

Das hab ich zu erst ausprobiert. Klappt bei mir zumindest nicht.

Ja, aber hier ist es etwas mehr als das... die Produzenten spielen den Rechtspopulisten in die Hand, indem sie "woke" Filme als totalen Mist produzieren.

Das heißt, es geht hier um mehr als nur um ein paar schlechte Filme... es geht letztlich um Politik. Und das nicht zu knapp.

Klar ist Film auch immer irgendwie gesellschaftlich und damit politisch. Aber ich glaube nicht, dass du mit dieser Annahme recht hast. Die Populisten stören sich eher selten an der Qualität, sondern am Inhalt (gut du in diesem Fall auch). Aber auch gute Filme mit Diversität würden da nicht helfen.

Ich denke eher, dass es durch die Wiederholung der Diversität, auch wenn sie schlecht ist, zu einer Gewöhnung kommt. Allein dadurch, dass da mehr dunkelhäutige, asiatische etc. Schauspieler zu sehen sind, fallen sie dann irgendwann nicht mehr auf und sind einfach nichts mehr besonderes.

 

 

channuschka antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 13 Jahren

Beiträge : 20972

@channuschka 

Das hab ich zu erst ausprobiert. Klappt bei mir zumindest nicht.

Bei mir funktioniert es mit Rechtsklick und "link in neuem Fenster öffnen". Dann werden die Bilder in einem neuen Fenster angezeigt und im Browser ist der Ursprung erkennbar.

 

Ich denke eher, dass es durch die Wiederholung der Diversität, auch wenn sie schlecht ist, zu einer Gewöhnung kommt. Allein dadurch, dass da mehr dunkelhäutige, asiatische etc. Schauspieler zu sehen sind, fallen sie dann irgendwann nicht mehr auf und sind einfach nichts mehr besonderes.

Ich denke nicht, dass es zu so einer Gewöhnung kommen wird, wenn "Diversität" schlicht und einfach darin besteht, weiße Rollen mit schwarzen Schauspielern zu besetzen.

Denn es handelt sich ja gar nicht um Geschichten anderer Ethnien. Und wenn das ausdrücklich der Fall ist, werden die Filme auch so besetzt - so gibt es in "Mulan" keine diverse Besetzung, sondern ausschließlich asiatischstämmige Schauspieler. Genau so ist die Bevölkerung des fiktiven, afrikanischen Landes "Wakanda" aus dem Marvel-Universum selbstverständlich ausschließlich schwarz. Nur Geschichten, die ursprünglich aus einer "weißen" Kultur stammen werden divers besetzt.

Damit wird das genaue Gegenteil von dem erreicht, was (scheinbar?) beabsichtigt wird. Wie gesagt, ich spreche mich ausdrücklich dafür aus, dass mehr Ethnien in Filmen sichtbar werden. Aber wenn in einer Geschichte wie "Sandman" einfach die Hälfte der Figuren schwarz besetzt wird, und die Hälfte der Protagonisten auch noch homosexuell ist... dann wirkt das eher mit der Brechstange als mit sensibler Feder geschrieben, die eigentlich für so eine Umsetzung nötig wäre.

Es ist ja nicht so, dass es da kein Material aus anderen Kulturen gäbe. Oder der Umstand, dass etwa ein drittel der Cowboys in den USA (wenn ich das richtig in Erinnerung habe) schwarz war. Auch in der Fantasy kann man da einiges machen - aber eben nicht so, dass in jedem Dorf ein paar Quotenschwarze eingefügt werden, sondern dass eben eine entsprechende Geschichte erzählt wird.

So wie jetzt funktioniert es einfach nicht, und ich fürchte, dass es auch keine Gewöhnung geben wird - im Gegenteil.

 

lucan-7 antworten
Channuschka
(@channuschka)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 4179

@lucan-7 Vielleicht ist das wirklich Problem, dass es keine neuen Geschichten sind, die geschrieben werden, sondern immer was aufgewärmt wird, was in anderer Form schon da ist.

Dass es jetzt mehr diversität als nur den "Quotentürken"* in Filmen gibt, spiegelt ja tatsächlich eher die Gesellschaft wieder.

Das viel westlicher Stoff mit anderen Ethnien besetzt wird, liegt vermutlich daran, dass man fürchtet (ich glaube, das ist auch belegt), dass Geschichten aus anderen Kulturen nicht so gut bei "der weißen Mehrheit" ankommen - womit wir wieder beim racial empathy gap wären. Weiße brauchen mindestens einen positiven weißen mit dem sie sich identifizieren können - Ausnahmen gibt es da immer.

* Ich habe bewusst diesen Film gewählt, denn anders als es in der Szene scheint, kommt der "Quotentürke" bei "(K)ein Bund fürs Leben" gar nicht so schlecht weg. Hier (2007) wurde eher damit koketiert, dass es eben einen "Quotentürken" oder "Quotenschwarzen" in Filmen "brauchte". Heute ist halt  die Quote gestiegen, die es braucht.

channuschka antworten
Seidenlaubenvogel
(@seidenlaubenvogel)
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@lucan-7 

das Problem sind nicht verschiedene Ethnien, sondern dass nicht mehr auf die Qualität der Geschichten und deren Figuren geachtet wird

Und das erscheint mir ein weiteres grundsätzliches Problem unserer aktuellen Zeit aufzuzeigen. Im Bild gesprochen: Wir wollen ernten, ohne zu säen. Das ist schlichtweg ein Ausdruck einer beschleunigten Schnelllebigkeit. Und so reift eine gewonnene Erkenntnis nicht in neuen Werken heran, sondern wird einfach nur ausgespuckt. Das wird sich „auswachsen“, selbst zunichte machen - schade um die verschwendete Energie und Zeit (bei Produzenten* wie Konsumenten*). Immer nur schneller, höher, weiter wird - wie in anderen Bereichen - auf Dauer nicht funktionieren. Und das ist gut, auch wenn „die Welt“ noch immer meint, nach diesen Kriterien funktionieren zu wollen. Es entlarvt letztendlich nur die Gier und erinnert mich einmal mehr an „Des Kaisers neue Kleider“.

*Gender-Sternchen, angedeutet

seidenlaubenvogel antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
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Beiträge : 20972

@seidenlaubenvogel 

Und das erscheint mir ein weiteres grundsätzliches Problem unserer aktuellen Zeit aufzuzeigen.

Nein, ich denke nicht. Grottenschlechte Filme gab es schon immer... ich verweise da nur auf diverse Heimatfilme der 50er und 60er oder die billigen Softsex Filme der 70er. Schlechte Filme sind kein neues Phänomen.

Aber schlechte Filme in Kombination mit einer "wokeness-Ideologie"... das hat einen gewissen politischen Sprengstoff, wenn man die mangelhafte Qualität der Filme nicht auf schlechte Geschichten, sondern auf eben jene Ideologie zurückführt...

lucan-7 antworten
Seidenlaubenvogel
(@seidenlaubenvogel)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 1510

@lucan-7 Wenn man nicht gleich antwortet, ist das eine wahre Kunst, einen Beitrag wiederzufinden. … soll mich ermutigen, hier überschaubar viel/ wenig zu schreiben.

Grottenschlechte Filme gab es schon immer...

Ja. Ok. Filme ist nicht so sehr meine Welt - eher dann der Buchmarkt. Und ja, es hat sich gleich. Ich würd mir dennoch mehr Langsamkeit wünschen und will mir gerne einbilden, sie hätte einen positiven Effekt. 😌

politischen Sprengstoff

Habe ich das richtig verstanden? Du meinst, dass dies eine Form von unwillentlich erzeugter Manipulation ist, die genau das Gegenteil erreicht, von dem was sie propagiert? Glaubst du nicht, dass ein Filmkonsument, das was ihm auffällt, am Filmproduzenten kritisiert anstatt an der Besetzung? Das fände ich zumindest naheliegend - und ist wiederum beim Buch auch offensichtlich so der Fall; so nehme ich das zumindest wahr.

seidenlaubenvogel antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
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Beiträge : 20972

@seidenlaubenvogel 

Glaubst du nicht, dass ein Filmkonsument, das was ihm auffällt, am Filmproduzenten kritisiert anstatt an der Besetzung?

Ich fürchte nein. Ich hatte ja an anderer Stelle schon von meinen Erfahrungen geschrieben, dass viele Menschen nicht mehr wirklich nachdenken. Das kann auch mit der Reizüberflutung zusammenhängen, aber um das zu beurteilen fehlt mir der Überblick.

Auf jeden Fall werden viele Dinge, auch solche, die für politische Entscheidungen wichtig sind, nur nach Bauchgefühl entschieden, ohne weiter darüber nachzudenken.

Was hängenbleibt ist dann: "Ach, dieser Film mit den divers besetzten Leuten war ja wirklich schlecht!", was dann zur Assoziation "divers=schlecht" führt.

lucan-7 antworten


Mariposa22
Beiträge : 462

Bevor diese ganze Vermarktung von Diversität losging, gab es meiner Meinung nach mehr gesellschaftliche Toleranz. Uns wird eine grelle, bunte, unnatürliche Welt aufgezwängt, die in unseren Psychen zu Überreizung führt und den Blick für die Realität trübt und sich negativ auf unser gesundes Urteilsvermögen auswirkt. Sogar aus "queeren" Kreisen kommt inzwischen Kritik zu diesem Übermaß an dieser Zurschaustellung von Diversität.

mariposa22 antworten
1 Antwort
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 13 Jahren

Beiträge : 20972

@mariposa22 

Bevor diese ganze Vermarktung von Diversität losging, gab es meiner Meinung nach mehr gesellschaftliche Toleranz.

Nein, das ganz sicher nicht. "Diverse" Menschen waren nur unsichtbar. Schwule haben in der Öffentlichkeit kein Händchen gehalten, Transsexuelle haben still vor sich hin gelitten ohne ein coming out zu wagen. Das ganze war kein großes Thema.

Dann gab es viele erfolgreiche Bewegungen, die sich für die Rechte dieser Menschen eingesetzt haben, so dass sich vieles zum Positiven änderte.

Dann kam jedoch die Gegenbewegung, meist aus rechtskonservativen Kreisen. Die haben sich das ganze Thema angeeignet, obwohl sie selbst gar nichts damit zu tun haben, um damit ein politisches Feindbild aufzubauen. Was völlig absurd ist, aber für diese Leute funktioniert es anscheinend.

Das heißt, der Kampf ist leider noch nicht entschieden, weil viele Leute die Zeit wieder zurück drehen wollen. Deshalb ist die Sichtbarkeit auch weiter nötig.

Uns wird eine grelle, bunte, unnatürliche Welt aufgezwängt, die in unseren Psychen zu Überreizung führt und den Blick für die Realität trübt und sich negativ auf unser gesundes Urteilsvermögen auswirkt.

Dann solltest du aufhören, ständig irgendwelche Dragshows zu besuchen... ganz ehrlich, wo genau soll denn diese Welt sein?

Auf der Straße begegnet mir ab und zu mal ein homosexuelles Pärchen, manchmal liest man in den Medien was vom Christopher Street day oder einer transidentischen Person... und das war's im Groben auch schon, was man als Nichtbetroffener so davon mitbekommt. Wo da die "Überreizung" sein soll erschließt sich mir nicht, da würden mir ganz andere Bereiche einfallen (Stichwort: Ständig am Handy kleben).

Natürlich wird es gelegentlich auch übertrieben, eben dass versucht wird, in einen Film so viele Ethnien und sexuelle Orientierungen zu quetschen wie nur möglich... ja, das ist dann tatsächlich etwas irritierend, deshalb auch das Thema hier.

Aber auch das muss man sich ja nicht anschauen wenn man nicht will...

lucan-7 antworten
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