Zuletzt gesehener Film 2021
Hallo Filmfans.
Der letzte Thread ist wegen Veralterung geschlossen worden, aber nichtsdestotrotz gibt es ja immer noch schöne Filme zum Austauschen 😊
Ausgetauscht wird hier über gesehene Filme, egal ob Kino (wird es ja irgendwann in diesem Leben mal wieder geben und ich freu mich sehr darauf), DVD, BlueRay, Streamingdienste oder Fernsehen.
Bitte schreibt in die Betreffzeile den Titel des gesehenen Films und wer mag, kann eine Kritik, eine Einschätzung oder einen Trailer posten.
Bitte beachtet bei Beschreibungen zu Filmen:
Inhalte des Filmes, die über die offiziellen Beschreibungen der Filmhandlung hinausgehen, bitte mit einer "Spoiler" Warnung im Betreff versehen, damit diejenigen, die überrascht werden wollen, weiterklicken können.
Mein Motto: lieber einmal zu viel spoilern als einmal zu viel verraten
https://de.wikipedia.org/wiki/Spoiler_(Medien)
Für Tatort-und Polizeiruf Fans gibt es inzwischen einen eigenen Thread:
https://community.jesus.de/forum/ansicht/thread/thema/tatort-polizeiruf-110-saison-202021.html
Ebenso sollen hier keine Serien gepostet werden, weil das einfach den Rahmen des Threads sprengen würde, dafür gibt es den Serienthread:
https://community.jesus.de/forum/ansicht/thread/thema/serienthread-2020-ii.html
Ob ein mehrteiliger Film eine Serie ist oder nicht kann jeder für sich selbst definieren.
Ich wünsche uns viel Spaß,
Trissi
The Equalizer 2
Mit Denzel Washington in der Hauptrolle. Lief gestern im ZDF, ich zappte praktischerweise ganz zu Beginn da rein, ARTE und das ZDF sollte sich häufiger mal so abstimmen, dass in einem Sender der Spielfilm endet und im anderen dafür ein Neuer startet. 😊
Hatte schon fast überlegt, mir den mal kostenpflichtig downzuloaden, weil mir der erste "Equalizer" damals gut gefiel.
Nun bin ich froh, das nicht getan zu haben, denn hier ist das Sequel mal deutlich schlechter als der erste Teil. Beziehungsweise war der doch wohl eigentlich nicht als erster Teil gemeint, trotz der Schlußszene, die darauf hindeutete, dass sich die Macher zumindest vorbehielten, bei Erfolg an den Kinokassen womöglich, unter Umständen...
Den Erfolg gab es und da wäre es ja wohl schön dumm gewesen, die Kuh nicht weiter zu melken. Möchte man meinen.
Aber Denzel Washington zumindest hat sich in meinen Augen damit keinen Gefallen getan. Hätte er mal, um der Versuchung zu widerstehen, sich im ersten Teil seinen schön tränenrührenden Tod am Ende in's Drehbuch reinschreiben lassen wie bei "Man under Fire" oder "The Book of Eli"!
So muß er jetzt die selbe Geschichte noch einmal darstellen. Nein, nicht ganz dieselbe Geschichte. Eine schlechtere Geschichte. Dieselbe Geschichte auch - die wird im "Prolog" gezeigt, wo statt in einem Russenmafia-Unterschluop in einem (türkischen?) Zugabteil ein paar böse Jungs sterben müssen, weil sie einem Mädchen was böses angetan haben. Das ist kein SPOILER, weil's für den Rest des Films keinerlei Relevanz hat, sondern nur nochmal den Leuten mit Alzheimer kurz verklickern will, was für ein beinhart zur Sache gehender, ein bißchen in Richtung analer Zwangscharakter tendierender Kerl hier die Hauptrolle spielt: bevor er mordet, drückt er auf die Stoppuhr, um zu sehen, wie sekundengenau sein perfekter Action-Plan am Ende aufgegangen ist.
Das hatte im ersten Teil etwas.
Im Zweiten Teil ist es nur noch Pose.
Und so ist der ganze Film: Eine einzige Pose. Der Held ist gut, alle anderen sind - bis auf die leider zum Triggern einer simplen Rachegeschichte nötigen Opfer - im Zweifelsfall böse. Spannung kommt kaum auf, die "Thrill- and Suspense"-Zutaten stammen aus dem letzten Jahrhundert, es ist echt traurig, wie leicht da alles zu durchschauen ist Am traurigsten: ein recht früh im Film gezeigtes Verbrechen, bei dem man sich fragt, worum es da gehen könnte, wird zwar aufgeklärt. Aber worum es da ging, wird nicht aufgeklärt.
Und hey: mit diesem SPOILER hab ich Euch gerade den Film spannender gemacht, denn nun könnt Ihr Euch überlegen, was ich damit gemeint haben könnte und ob das so, wie ich's sage, überhaupt stimmt... Das ist allemal spannender als die Frage, wer nur das wunderschöne fotorealistische Wandgemälde, das man in einer Szene zu sehen bekommt, denn nun eigentlich gemalt haben könnte. Und dabei ist diese Frage die spannendste im ganzen Film. 😊
Da ohnehin niemand hier mitliest, kürze ich hier etwas ab:
Action: 4/5 Ich mochte sie im ersten Teil und an ihr hat sich wenig geändert.
Tricktechnik, Ausstattung, Kamera usw: 4,5/5
Ordentliche Breitwand-Produktion, auf dem üblich hohen Hollywood-Profiniveau. Das Setting für's Finale hat mich durch die sehr gut gemachten Wettereffekte besonders überzeugt.
Schauspielkunst: 2/5
Ashton Sanders hat zwar eine zum Klischee verkommene Nebenrolle, aber die spielt er so gut, wie es das Drehbuch hergibt. Alle anderen tun Ihr Möglichstes, nicht allzulange im Kopf der Zuschauer mit diesem Film verbunden in Erinnerung zu bleiben, d.h. nicht aufzufallen, nicht mal negativ durch Overacting.
Story/Drehbuch: 1/5
Ein Punkt dafür, dass es überhaupt eine Story und ein Drehbuch gegeben haben muß, sonst könnte man die ja nicht so grottig finden...
Gesamt-Wertung: 2/5
Ein Aktionthriller, den man sich reintun kann, wenn man nicht viel denken möchte. Empfehlenswert für alle, die sich einen "zeitgemäßen" Charles Bronson-Rachestreifen wünschen.
Nicht, gar nicht, überhaupt nicht empfehlenswert für alle, die ernsthaft dazu tendieren, sich mit den Helden solcher Filme zu identifizieren, also die darin transportierte Moral als vorbildhaft mißzuverstehen.
Veröffentlicht von: @jack-blackein bißchen in Richtung analer Zwangscharakter tendierender Kerl
interessante Beschreibung. Völlig schleierhaft, was Du damit meinst, aber interessant. 😉
Hast Du eigentlich Boss Level auf Prime geschaut?
Veröffentlicht von: @groffinVöllig schleierhaft, was Du damit meinst, aber interessant. 😉
Ein analer Zwangcharakter ist jemand, bei dem in der analen Phase irgendwas schief lief und der ein besonders ausgeprägtes Bedürfnis nach Ordnung hat. Weiß nicht, ob das tatsächlich eine wissenschaftlich haltbare Bezeichnung ist.
War Room
Die auf den ersten Blick perfekte Ehe der Jordans ist zerrüttet. Tony (T.C. Stallings) konzentriert sich ausschließlich darauf, einen beruflichen Erfolg nach dem nächsten zu feiern, wobei es ihm ohnehin an Zeit und Lust fehlt, sich um seine Familie zu kümmern. Elizabeth (Ashley Bratcher) leidet sehr unter dieser Situation und reagiert daher zunehmend frustriert. Besonders schlimm trifft es allerdings ihre reizende Tochter Danielle (Alena Pitts), denn das kleine Mädchen gerät bei den Streitereien ihrer Eltern immer wieder zwischen die Fronten. Als Elizabeth jedoch Miss Clara (Karen Abercrombie) kennenlernt, schöpft sie neue Hoffnung. Die alte Dame hilft ihr dabei, in ihrem Haus eine Gebetskammer, einen sogenannten „War Room“, einzurichten. Und dort findet sie im Gespräch mit Gott die Kraft dazu, ihre negativen Gefühle zu bekämpfen, um für ihre Familie einzustehen.
Für Amazon Primekunden derzeit kostenlos anzuschauen. Ich mag nur wenige Filme, diesen jedoch werde ich mir definitiv kaufen.
Veröffentlicht von: @jannyberlinFür Amazon Primekunden derzeit kostenlos anzuschauen. Ich mag nur wenige Filme, diesen jedoch werde ich mir definitiv kaufen.
Echt?
Ich hab den mal auf einer Frauenfreizeit gesehen und fand ihn nicht besonders gut. Versteh mich nicht falsch, inhaltlich ist das mit Sicherheit eine wichtige und gute Sache, aber ich fühlte mich als würde jemand mit der Botschaft förmlich auf mich eindreschen. Ebenso fand ich die Schauspieler nicht gut und das ganze war irgendwie zu "seicht" und vorhersehbar.
Fand ich schade, weil wie gesagt das Thema enorm wichtig ist. Aber ich kenne auch wenig fromme Filme, die wirklich gut gemacht sind.
Florence Foster Jenkins
https://www.youtube.com/watch?v=sPdwB7S8sYw&ab_channel=KinoCheck
Nach einer wahren Geschichte, die man mit Sicherheit aus Sympathiegründen für die Hauptperson ein wenig "frisiert" hat.
Meryl Streep kann alles spielen. Hugh Grant spielt das, was er immer spielt und er macht es gut. Simon Helberg kann freudigerweise auch noch was anderes spielen als den Howard Wolowitz (TBBT). Sehr netter und unterhaltsamer Film, warmherzig und ein wenig traurig.
Bekommt vier von fünf rosa Federn, zwei Federboas und eine Harfe noch obendrauf.
Gut gegen Nordwind
https://www.youtube.com/watch?v=EmO1cn-feEA
Wer Spaß daran hat, zwei an sich in völlig akzeptablen Lebensumständen befindlichen jungen Leuten zwei Stunden dabei zuzusehen, wie sie durch ihr saublödes Verhalten sich und ihr Umfeld unglücklich machen, darf diesen Film auf keinen Fall verpassen.
Der Rest kann nach der Vorschau weiterschalten, mehr passiert nämlich in diesem unterirdischen Rührstück nicht.
Ich habe das Buch gelesen und kenne es als Theaterstück. Ich fand beide ganz amüsant. Aber ich schau gerne auch noch in deinen Link rein.
Spoiler
Also ich hab nichts gelesen bisher, nur den Film gesehen. An sich mag ich so sanfte Liebesgeschichten ja, kennst Du "Mondscheintarif"? Da war sowohl Buch als auch Film wirklich schön.
Aber ich schau halt nicht gern jemanden zu, die bewusst anfängt untreu zu werden. Was hat die denn gedacht, wenn sie die Nächte mit einem wildfremden Mann schreibt? Dass das dem Eheleben gut tut?
Veröffentlicht von: @tristesseAber ich schau halt nicht gern jemanden zu, die bewusst anfängt untreu zu werden. Was hat die denn gedacht, wenn sie die Nächte mit einem wildfremden Mann schreibt? Dass das dem Eheleben gut tut?
Ich finde, das Buch zeigt ganz gut auf, wie leicht man, auch wenn man verheiratet ist, in eine Verlockung hineinrutschen kann. Und das ist ja eigentlich was völlig alltägliches, kommt in den besten Ehen vor.
Meistens denkt man sich dabei erstmal rein gar nichts, es tut einfach gut, wenn man Aufmerksamkeit von einem Menschen, der einem sympathisch ist,erhält (die man vom eigenen Partner vielleicht nach vielen Ehejahren nicht mehr erhält). Das passiert einfach und eh man sich versieht, hängt man gefühlsmäßig schon viel zu tief drin.
Gerade die E-Mail-Situation zeigt, wie harmlos es beginnen kann und wie schnell man neugierig auf das unbekannte Gegenüber werden kann. Und auch wie sehr man sich in Worte verlieben kann.
Veröffentlicht von: @mambaMeistens denkt man sich dabei erstmal rein gar nichts, es tut einfach gut, wenn man Aufmerksamkeit von einem Menschen, der einem sympathisch ist,erhält (die man vom eigenen Partner vielleicht nach vielen Ehejahren nicht mehr erhält). Das passiert einfach und eh man sich versieht, hängt man gefühlsmäßig schon viel zu tief drin.
Nein, das passiert nicht "einfach so". Und wenn man sich "erstmal" gar nichts dabei denkt, dann stimmt meiner bescheidenen Ansicht nach schon etwas nicht.
Wenn ich eine Frau kennenlerne, etwa eine neue Kollegin, und mit ihr ins Gespräch komme, dann erwähne ich bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit, dass ich verheiratet bin. Einfach, um da keine Missverständnisse aufkommen zu lassen.
Sicher, was hier geschildert wird (ich habe den Film selbst nicht gesehen) passiert ständig. Aber das muss ich mir nicht anschauen... das ist für mich weder unterhaltsam noch lehrreich, das bringt mir einfach nichts (Aus demselben Grund finde ich die Handlung von "Doktor Schiwago" ausgesprochen langweilig... nur die Bilder sind beeindruckend).
Der einzige Film in dieser Hinsicht, der mich tatsächlich beeindruckte, ist "Die Brücken am Fluss" mit Clint Eastwood und Meryl Streep (wenn ich mich nicht täusche).
Da ist das Thema aber leicht anders... da geht es um die Frage: "Was wäre, wenn ein ganz anderer Partner für dich der Richtige gewesen wäre, und nicht der, mit dem du gerade zusammen bist?"
Man mag meinen, dass das doch im Prinzip dasselbe ist... ich sehe aber einen Unterschied darin, ob man aus Langeweile und reiner Abenteuerlust fremdgeht - oder ob man im nachhinein erkennt, dass man sich in Wahrheit selbst verleugnet und aufgegeben hat, als man sich auf den jetzigen Partner einließ.
Veröffentlicht von: @lucan-7ich habe den Film selbst nicht gesehen
Schau ihn Dir vielleicht doch erstmal an. 😉
Denn beispielsweise das:
Veröffentlicht von: @lucan-7dann erwähne ich bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit, dass ich verheiratet bin.
geschieht in dem durchaus.
Veröffentlicht von: @jack-blackgeschieht in dem durchaus.
umso schlimmer...
Ich will ja gar nicht sagen, dass der Film grundsätzlich schlecht ist (kann ich eh nicht, wenn ich ihn mir nicht anschaue...) - aber es gibt nach den Beschreibungen hier einfach nichts, was mich da persönlich ansprechen würde.
Leute, die ohne Not fremdgehen interessieren mich einfach nicht... auch dann nicht, wenn da eine komplexe Geschichte drum gestrickt wird.
Ausnahmen gibt es da durchaus, aber bisher spricht nichts dafür, dass das hier eine solche sein könnte.
Ist ja nur meine persönliche Meinung.
Veröffentlicht von: @lucan-7Leute, die ohne Not fremdgehen interessieren mich einfach nicht... auch dann nicht, wenn da eine komplexe Geschichte drum gestrickt wird.
Veröffentlicht von: @lucan-7Ist ja nur meine persönliche Meinung.
Klar. Keiner von uns hätte eine andere. 😊
Meine ist: Je länger ich über den Film nachdenke, desto besser gefällt er mir.
Aber mir gefällt ja auch Wuthering Heights... 😀
Veröffentlicht von: @jack-blackAber mir gefällt ja auch Wuthering Heights...
DAS ist wieder was Anderes 😉
Veröffentlicht von: @lucan-7DAS ist wieder was Anderes 😉
Gar nicht mal so. Die damalige Kritik bestand ja insbesondere darin, dass man (übertragen gesprochen) zu keiner der Figuren eine Idendifikationsbeziehung aufbauen könne, weil keine wirklich sympathisch sei (insbesondere der byronsche Hauptheld nicht).
Und auch dort war erstens die Liebe eine fragwürdige Angelegenheit und das Spannende/Fesselnde bestand im Unglück der Hauptfiguren. Wie Glück und "das richtige Leben" ja ohnehin dramaturgisch ziemlich langweilige Angelegenheiten sind... Das Moderne im hier in Rede stehenden Film besteht im Fehlen des pathetisch-überhöhten Moments: die Geschichte verzichtet darauf, schlimme äußere Ursachen zu konstruieren und holt damit den tragischen Impuls in uns allen, das "ruhige Glück", die "kleine Zufriedenheit" nicht auf Dauer zu ertragen in einen realistischeren Kontext. Weil die Sehnsucht nach dem größeren Glück, des intensiveren Gefühls, nach dem emotionalen Überwältigtwerden ständig ihre Unterhöhlungsnagerei am Damm der alltäglichen Zufriedenheit fortsetzt, braucht sie eigentlich zur Entfaltung ihres ganzen tragischen Potentials gar nicht äußere unausweichliche Anstöße. Das, was tristesse an dem Film ärgert, ist ja eigentlich, dass da Leute sich nicht mit ihrem wohlarrangierten Glück, ihrer relativen Privilegiertheit zufriedengeben und nicht nur dieses, sondern auch das der anderen um sie herum riskieren.
Das ist ein moralischer Standpunkt - sie betont, das sei ihr Standpunkt als Frau und nicht unbedingt als Christin (wohl, um schon im Vorhinein das Argument zu entkräften, sie könne den Seitenspruch allein aus Gründen der christlichen Gesichtswahrung nicht gutheißen und ihre Ablehnung sei also Frömmlerei). Aber... Nein, kein aber. Es ist ein moralischer Standpunkt, der eben findet, dass Menschen sich in ihren privaten Angelegenheiten so und so verhalten sollten. Die Hintergrundfolie ist also eine sittliche Konvention, die gefälligst beachtet zu werden habe: man begeht nicht "ohne Not" (die Formulierung war, glaube ich, von Dir gewählt, richtig?) einen Seitensprung, man gefährdet insbesondere keine Ehe, in der auch noch Kinder vorhanden sind.
Aber genau darin besteht ja die Natur des byron'schen Charakters: dass der sich nicht um die sittlichen Konventionen, die gültige Moral schert, sondern den eigenen Idealen und Zielen gemäß handelt.
Während nun Heathcliff in Wuthering Heights rücksichtslos und brutal und nach üblichen Begriffen definitiv böse agiert (jedenfalls nachdem er der Rolle des Prügel-Opfers entwachsen ist), ist es bei den Protagonisten dieses Films nicht so einfach, sie (insbesondere die Frau) für ihr egoistisches Verhalten zu hassen. Als Zuschauer spürt man, dass es unangemessenwäre, die beiden glattweg moralisch zu verurteilen, und das finde ich dramaturgisch geschickt konstruiert. Vielleicht interpretiere ich in Deine und insbesondere Tristesses Postings hier zuviel hinein, aber Rücksichtnahme auf Befindlichkeiten anderer User ist ja eh nicht meine Stärke, daher psychologisiere ich mal frisch drauflos: Wenn Du sagst, "sowas" interessiere Dich nicht - könnte das nicht nur eine Art sein, zu sagen: Mit sowas will ich mich nicht beschäftigen, weil ich meine eigene kleine Glücks-Situation der treuen Partnerschaft nicht durch "dumme Gedanken" gefährden will? In der Geschichte gibt es ja einen wichtigen Dritten: den Ehemann der weiblichen Heldin. Der kommt auch mal direkt zu Wort, er wendet sich, als er heimlich den Chatverlauf auf dem Handy seiner Frau gelesen hat, an den Hauptprotagonisten mit der Bitte, jener möge endlich eine Nacht mit seiner Frau verbringen, weil er (der Ehemann) erst dann eine Chance habe, um seine Frau zu kämpfen, wenn sein Gegner zu einem Menschen aus Fleisch und Blut geworden sei. Gegen eine Sehnsuchtsphantasie könne er nicht ankommen.
Der Film hat eine Prämisse, die man selbstverständlich nicht teilen braucht: Es gibt kein sicheres Partnerschaftsglück. Jedenfalls, so möchte ich hinzufügen, nicht in einer auf monogame Beziehungen angelegten Gesellschaft. Dass die Frau mit der SMS-Affäre ihr Familienglück substantiell gefährdet, hat ja auch damit zu tun, dass die Möglichkeit einer gelingenden "offenen Beziehung" gar nicht diskutabel zu sein scheint.
Diese Prämisse jedenfalls, dass es kein sicheres Partnerschaftslück, keine Garantie auf ewige Treue gibt, kann man als falsch ablehnen und dann ist freilich der gesamte Film einfach nur Quatsch: Nur Dummköpfe würden eine funktionierende, ja harmonische Beziehung, ein Bilderbuch-Familienglück für eine SMS-Liebesromanze riskieren. Und was interessiert es uns, was Dummköpfe tun, wir sind schließlich keine, nicht wahr?!
Aber so könnte ich es nicht sehen, denn ich halte die Film-Prämisse für zutreffend: Es gibt keine Sicherheit in Liebes- und Beziehungsdingen. Wir können uns nicht aussuchen, wovon unsere Sehnsucht entfacht wird, das ist keine Frage der Vernunft (die Protagonisten werden nicht als dumm gezeichnet - und ob das Sich-Einlassen auf den Seitensprung tatsächlich ein Ausweis von Dummheit sei, möchte ich bezweifeln).
Übrigens ist das, was ich als Film-Prämisse bezeichne, wohl kaum die "Botschaft", die transportiert werden soll. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob der Film überhaupt eine Botschaft hat, oder in dem Sinne art pour l'art ist, dass einfach ohne feststellbare Moral von der G'schicht erzählt wird: "Guckt mal, was es so geben kann!"
Veröffentlicht von: @jack-blackVielleicht interpretiere ich in Deine und insbesondere Tristesses Postings hier zuviel hinein, aber Rücksichtnahme auf Befindlichkeiten anderer User ist ja eh nicht meine Stärke, daher psychologisiere ich mal frisch drauflos: Wenn Du sagst, "sowas" interessiere Dich nicht - könnte das nicht nur eine Art sein, zu sagen: Mit sowas will ich mich nicht beschäftigen, weil ich meine eigene kleine Glücks-Situation der treuen Partnerschaft nicht durch "dumme Gedanken" gefährden will?
Interessanter und durchaus naheliegender Gedanke... aber trotzdem völlig falsch. Wäre meine Situation tatsächlich so, dann stünde meine Ehe wohl auf recht unsicherem Grund... und dann hätte ich ganz im Gegenteil auch einen guten Grund, mich einmal mit solchen Situationen auseinanderzusetzen, schon im eigenen Interesse.
Tatsächlich stelle ich mir wieder ganz bewusst die Frage, ob ich denn wirklich "von Herzen" treu bin... oder ob ich mir da nicht vielleicht etwas vormache. Und ich spreche auch mit meiner Frau darüber, gerade weil ich verhindern will, dass da irgendwas unterschwelliges gärt. Aber das nur nebenbei...
Nein, für mich ist tatsächlich die Geschichte selbst uninteressant. Ich weiss, dass so etwas häufig vorkommt, es mag auch Gründe dafür geben - aber so lange das für mich nicht irgendwie nachvollziehbar ist bleibt es langweilig.
Der Vergleich mag jetzt nicht ganz zutreffen, aber ein wenig ist das so wie in einem Horrorfilm, in dem dem Regisseur nichts besseres einfällt als die Protagonisten wie Volltrottel handeln zu lassen, nur um es "spannend" zu machen und sie wie blöde das offensichtlich Falsche tun.
Wenn diese Handlung für mich nicht irgendwie nachzuvollziehen ist, sondern einfach nur ein Konflikt an den Haaren herbeigezogen wird... dann ist ein Film für mich uninteressant.
Und so ähnlich erscheint es mir hier auch (jedenfalls aus den Schilderungen, was Anderes habe ich ja nicht) - es gibt keinen Konflikt, deshalb wird einer mit Gewalt herbeigezerrt.
Veröffentlicht von: @jack-blackDiese Prämisse jedenfalls, dass es kein sicheres Partnerschaftslück, keine Garantie auf ewige Treue gibt, kann man als falsch ablehnen und dann ist freilich der gesamte Film einfach nur Quatsch: Nur Dummköpfe würden eine funktionierende, ja harmonische Beziehung, ein Bilderbuch-Familienglück für eine SMS-Liebesromanze riskieren. Und was interessiert es uns, was Dummköpfe tun, wir sind schließlich keine, nicht wahr?!
Ganz offensichtlich gibt es solche Leute. Ich könnte mich dafür interessieren, was diese Leute dazu bewegt, so zu handeln wie sie es tun. Das ist für mich aber ungefär genau so spannend wie die Frage, warum manche alte Leute den ganzen Tag aus dem Fenster starren.
Ich weiss, dass manche das tun... aber bislang verspüre ich keine große Neugier darauf, die Gründe dafür zu erforschen.
Und das bedeutet nicht, dass ich deswegen irgendwen für "dumm" oder mich für klüger halten muss. Ich bin da halt einfach anders gestrickt... und mehr steckt nicht dahinter.
Veröffentlicht von: @jack-blackAber so könnte ich es nicht sehen, denn ich halte die Film-Prämisse für zutreffend: Es gibt keine Sicherheit in Liebes- und Beziehungsdingen. Wir können uns nicht aussuchen, wovon unsere Sehnsucht entfacht wird, das ist keine Frage der Vernunft
Da bin ich anderer Meinung. Allerdings stimme ich dir soweit zu, dass man diese "Sicherheit" nicht durch moralische Vorstellungen oder Regeln herbeizwingen kann - auch nicht durch christliche Ideale.
Man kann nur nüchtern festestellen, dass diese Sicherheit da ist... oder eben nicht.
Was die Sehnsucht betrifft... hmja. Ab einem gewissen Alter sollte man seine Sehnsüchte eigentlich kennen. Klar mag sich da was ändern, es gibt alles mögliche - und es gibt ja genug dramatische Geschichten, wo Leute sich sehr spät eingestehen, dass sie schwul oder transsexuell sind.
Aber eine Beziehung, in der sexuelle Vorlieben im Mittelpunkt stehen, würde ich generell nicht für sicher und stabil halten (Ich weiss, du glaubst eh nicht daran...). Es ist jedenfalls nicht das, was für mich eine "Beziehung" im Kern ausmacht (Und ich denke, das ist auch der Punkt in dem Tristesse ganz ähnlich denkt).
Veröffentlicht von: @lucan-7Wenn diese Handlung für mich nicht irgendwie nachzuvollziehen ist, sondern einfach nur ein Konflikt an den Haaren herbeigezogen wird... dann ist ein Film für mich uninteressant.
Na gut, ich wollte Dir den Film auch nicht "interessant" labern. 😊
Veröffentlicht von: @jack-blackgeschieht in dem durchaus.
Ja und? Das ändert ja nichts daran, dass Leo spätestens da den Kontakt hätte abbrechen können.
Veröffentlicht von: @mambaMeistens denkt man sich dabei erstmal rein gar nichts, es tut einfach gut, wenn man Aufmerksamkeit von einem Menschen, der einem sympathisch ist,erhält (die man vom eigenen Partner vielleicht nach vielen Ehejahren nicht mehr erhält). Das passiert einfach und eh man sich versieht, hängt man gefühlsmäßig schon viel zu tief drin.
Ich bin zwar nicht verheiratet, aber ich bin sicher, dass so was nicht "einfach passiert" und in den besten Ehen "völlig alltäglich" ist.
Wenn ich als Single jemand kennenlerne und der mir vermittelt, dass er verheiratet ist, dann hab ich automatisch ein Stopschild in mir. Dann fange ich nämlich gar nicht erst an, weil ich mich niemals in eine Ehe drängen werde. So einsam kann ich nicht sein. Und ja, ich finde manche verheirateten Männer durchaus attraktiv und begehrenswert, ich bin ja nicht blind. Aber ich finde den Gedanken unerträglich, einem Mann beim fremdgehen behilflich zu sein.
Veröffentlicht von: @mambaGerade die E-Mail-Situation zeigt, wie harmlos es beginnen kann und wie schnell man neugierig auf das unbekannte Gegenüber werden kann. Und auch wie sehr man sich in Worte verlieben kann.
Genau.
Und darum wäre in meinen Augen das einzig Richtige und Anständige gewesen spätetens da den Mailkontakt abzubrechen und sich zu verabschieden. Ich sehe da keine Alternative, mit der ich persönlich leben könnte.
Ich habe damals das Hörbuch mit Andrea Sawatzki und ihrem Mann gehört, und fand die Stimmen und die "schauspielerische" Leistung toll (drum habe ich es bis zum Ende gehört), die Handlung aber mit ganz ähnlichen Gedanken wie du fast unerträglich. Emmi und Leo fand ich unendlich dämlich. Hin und her, raus und rein, ja und nein, ich will, nein doch nicht, aber eigentlich schon, vielleicht, ganz sicher, nö doch nicht... argh!
Und es gibt sogar eine Fortsetzung! Die hab ich mir ge- bzw. erspart.
Spoiler
Veröffentlicht von: @lubovEmmi und Leo fand ich unendlich dämlich. Hin und her, raus und rein, ja und nein, ich will, nein doch nicht, aber eigentlich schon, vielleicht, ganz sicher, nö doch nicht... argh!
Ich fand es nicht nur dämlich, ich finde das dem Ehemann gegenüber völlig unfair. Und die Kinder obendrauf. Da bin ich einfach zu moralisch glaub ich.
Seltsam - mir gefiel der Film. Wird's nicht in meine Top Ten Alltime-favourites bringen, aber in der Unterkategorie "Liebesfilme" kommt er problemlos in die Top Twenty. Nachdem ich ihn angeschaut hatte, hab ich natürlich dann auf amazon prime mich auch durch die Bewertungen geklickt und erfuhr dort, dass es sich um die Verfilmung eines Buchs handele, es noch eine Fortsetzung (?) gebe, die Hörbücher dazu von den Rezensenten gefeiert werden und auch die Bühnenstücke wohl sehr gut beim Publikum ankämen. Viele der Negativ-Rezensionen ärgerten sich anscheinend darüber, dass der Film nicht an die Bücher, Hörbücher und Bühnenstücke heramkäme, und ich dachte so bei mir: wie gut, dass ich die Bücher vorher nicht gelesen hab, jetzt kann ich mir die Hörbücher holen und muß keine Angst haben, enttäuscht zu werden. 😀
Gerade das, was Dich zu ärgern scheint: dass die zweit doch eigentlich in "völlig akzeptablen Lebensumständen" leben, bevor die Geschichte so richtig anfängt, hat mir als Idee gefallen. Da ist so überhaupt kein erzieherischer Zeigefinger, kein Hinweisen auf soziale Mißstände, da wird keine Ausgangslage mit dringend zu lösendem Problem konstruiert.
Fast würde ich auf der anderen Seite vom Pferd steigen und sagen: die beiden befinden sich schon zu sehr in einer Bilderbuch-Lebenssituation. Gebildet, wirtschaftlich saturiert, gut aussehend und auf dem Partnerschaftsmarkt nachgefragt... Sie haben keine First-World-Problems, sondern Yuppie-Problems. Wäre man mißgünstig, könnte man sie als dekadent bezeichnen...
Veröffentlicht von: @tristessein diesem unterirdischen Rührstück
... hat mich eigentlich nur der übertriebene Einsatz von Stimmungs-Musik gestört. Und die Schlußszene, die aber, wie ich den Rezensionen entnahm, wohl nicht der literarischen Vorlage entspricht.
Ansonsten war mein Eindruck, dass hier das Thema "Liebe" mal sehr unvoreingenommen und gleichzeitig - trotz oberflächlicher Modernität (die Smartphones ersetzen ja den Postkuscher) - durchaus altmodisch, in der Tradition von Briefromenen untersucht wurde, bzw. die Sehnsucht nach jener romantischen Liebe, die weder in einer treuen, jahrelangen perfekt geregelten Partnerschaft noch in hemmungslosem Sex mit unglaublich gut aussehenden Partnern zu bestehen scheint.
Ich mußte seltsamerweise an Jane-Austen-Romane denken. Und falls sich herausstellen sollte, dass die Buchvorlage, wie in den Filmrezensionen stets behauptet, wesentlich witziger-intelligentere Dialoge enthält, könnte das diese Assoziation womöglich noch verstärken. Na, mal schauen... Beziehungsweise hören... 😊
Wenn's dir gefallen hat solltest du das Hörbuch mit Frau Sawatzki und ihrem Mann unbedingt hören. Wie gesagt - ich fand die Geschichte bzw. die Charaktere grässlich, aber das Hörbuch ganz toll gemacht - da merkt man halt, dass da zwei gute Schauspieler, die sich sehr zugetan sind, Spaß haben, zu spielen, dass sie sich verlieben und mit sich selbst und miteinander um die Entwicklung dieser Liebe ringen.
Was ich grade nicht mehr weiß ist, wer den Bernhard Rothner spricht. Das übrigens fand ich tatsächlich eine berührende Stelle.
Spoiler
Veröffentlicht von: @jack-blackSeltsam - mir gefiel der Film.
Nein, das überrascht mich jetzt so gar nicht 😊 Du bist ein völlig anderer Typ Mensch als ich.
Ich hab von dem Moment an, wo Emma erklärt, dass sie verheiratet ist gewusst, wo das hinführt und das hat mir nicht gefallen. Ich bin ein Mensch, der Filme durchaus persönlich nimmt und emotional begleitet und den beiden zuzusehen, dass sie in Kauf nehmen, dass sich Emma von ihrem Ehemann entfremdet fand ich unerträglich. Natürlich weiß ich, dass sowas vorkommen kann und ich bin die Letzte, die dann mit dem Nudelholz zuschlägt. Ich bin da eher strukturierter und halte mehr davon, etwas erst mal zu beenden, bevor ich was neues anfange. Gerade in Sachen Partnerschaft.
Da können die Dialoge noch so schön und die Musik noch so stimmungsvoll sein, mich stört das. Und zwar als Frau und nicht als Christin 😊
Sleepers
Schon über 20 Jahre alt, aber immer noch gut.
Hier spielen einige der ganz Großen auf: Robert de Niro als Father Bobby, Dustin Hoffmann als besoffener Anwalt, Kevin Bacon, Minnie Driver, Brad Pitt...
Musik von John Williams und Bilder von Michael Ballhaus...
Das Drama dreht sich um 4 Jungs aus dem Stadtteil Hell´s Kitchen, die eine schlimme Kindheit durchmachen und sich dann im Erwachsenenalter wiedersehen. Leider vor Gericht. Zwei sind Angeklagte und einer der Staatsanwalt. Kann eine Freundschaft so etwas aushalten?
Feiner und einfühlsamer Film über Gerechtigkeit, Freundschaft und viel mehr.
Ja den mochte ich auch 😊
Hustlers - Rache ist sexy (SPOILER)
Bin da gestern beim Zappen hängengeblieben, weil: JLo.
Okay, ich hab den Einstieg in den Film verpaßt, es wäre also möglich, dass die ersten zehn bis fünfzehn Minuten das wirklich Großartige an diesem Streifen sein könnten.
Aber so gehen Spannungsbögen ja üblicherweise nicht, oder? Also dachte ich, immer, wenn der Finger sich sehnsuchtsvoll der Fernbedienung näherte, um endlich wieder rauszuzappen: "Warte, Junge, warte nur ein kleines Weilchen noch, gleich kommt der Twist, der aus diesem Schrott eine spannede Geschichte macht!"
Er kam nicht.
Worum geht's? Bartänzerinnen sind frustriert und fühlen sich nicht respektvoll genug von den Männern (reichen Bankern und ähnlich verabscheuungswürdigen, per Beruf amoralischen Kerlen) die ihnen das Geld in die Tops stecken, behandelt.
Also verlegen sie sich darauf, solche Kerle erst zu verführen (zum Trinken) und dann mittels KO-Tropfen so lahmzulegen, dass die gerade noch ihre Geheimzahlen ausplaudern und Unterschriften unter Quittungen setzen können. Kurz: die Männer werden um soviel Geld gebracht, wie sich von deren Kreditkarten runterholen läßt.
In Berichten über den Film wird behauptet, da würde eine Bande weiblicher Robin Hoods gezeigt. Nun ja... Robin Hood stahl den Reichen und gab den Armen. Die Damen in diesem Film stehlen auch von "den Reichen" und geben... - sich selbst. Eine von ihnen hat eine Mutter, die bekommt dann, weil sie's so nötig und sich ja immer gewünscht hat, u.a. eine echte Perlenkette zu Weihnachten geschenkt. Ansonsten kann man dies schön aufgebrezelten Mädels sehen, wie sie um glasig stierende Männer herumtänzeln und mal problemlos, mal mit läppischen Verkomplizierungen an deren Kreditkarten und Unterschriften geraten. Ich hab keine Strichliste geführt, wie oft das Durchziehen einer Kreditkarte durch ein Lesegerät in diesem Film gezeigt wird, bezweifle aber, dass sich das Auftauchen dieses Motivs an meinen Fingern abzählen ließe.
Was machen nun diese weiblichen Robin Hoods mit dem ergaunerte Zaster? Sie saufen Champagner, sitzen in sündhaft teuren, geschmacklos eingerichteten Penthouses im Kreis, gackern oder tanzen und freuen sich über Gucci-Handtaschen, Stöckelschuhe mit roten Sohlen und Chinchilla-Pelsmäntel, die sie sich gegenseitig schenken, um ihre ach so vertraute Freundschaft zu demonstrieren. Eine von ihnen hat ein Töchterchen, die ist mittendrin und darf sich über ein extra großes Barbiepuppen-Haus freuen.
Man sitzt als Mann so vor dem Fernsehgerät und denkt sich: Aha, da wird jetzt aber sehr ausführlich das falsche Konsumismus-Leben geschildert, damit gleich, wenn der Story-Twist einsetzt, eine tüchtige Fallhöhe gegeben ist.
Man denkt an die spannenden Thriller, wo Verbrecher anfangs viel Spaß und Unbeschwertheit bei ihrem kriminellen Leben, in das sie eher zufällig hineinstolperten, haben, bevor dann, viel zu spät bemerkt, die düstere Kehrseite jeden Verbrechens zum Vorschein kommt und die eben noch Triumphierenden abstürzen.
Man denkt dran und wartet drauf. Sucht nach Vorzeichen. Es wird ja einen Grund haben, dass die Übertölpelungs-Szenen so ausführlich gezeigt werden, bis man die Gesichter der ausgeraubten Männer besser voneinander zu unterscheiden vermag als die Gesichter der "Heldinnen". Ob die Mädels sich wohl einmal an der Börse des Falschen bedienen? Eines Mafiabosses, den sie irrtümlich für einen Brooker halten und der dann nicht so einfach darauf verzichtet, sich sein Geld zurückzuholen? Könnte es der Typ sein? Oder der da?
Und so bleibt man noch länger als eigentlich zu verantworten vor diesem Film hängen. Und noch länger. Langsam wird's lächerlich. Man (n) fängt, die Langeweile beginnt, in den Gelenken zu schmerzen, an, darüber nachzudenken, was da eigentlich für ein Frauenheldinnen-Bild transportiert wird. Ob JLo nie was von MeToo gehört hat? Denn diese Bartänzerinnen brezeln sich nicht nur gezwungenermaßen für ihren Job in minikurzen Kleidern und das Dekolltee herausdrückenden enganliegenden Tops auf, klimpern mit den falschen Wimpern und schlenkern im aufreizenden Tanz mit den Hüften - sondern verhalten sich auch exakt so, wenn sie gemeinsam, in rein weiblicher Runde, ihre Siege über die dumpf-doofe Männschheit im Luxus-Loft feiern. Kein Mann weit und breit, für den oder vor dem sie sich zum Luxus-Sexobjekt degradieren bräuchten: das scheint ihr ganz normaler modus vivendi zu sein.
Was soll hier erzählt werden? Dass Bartänzerinnen genauso oberflächlich sind, wie sie sich in den Strip-Lokalen geben? Dass sie nichts im Kopf haben als luxuriöse Mode-Accessoires?
Aber moment mal: dieser Film ist doch sogar von einer Frau (nämlich JLo) produziert. Was will die wem wie sagen?
Nicht wegzappen, gleich, gleich muß der Story-Twist kommen, der muß viel krasser werden als in anderen Thrillern, weil ja nur noch so wenig Zeit bis zum Filmende ist...
Er kommt nicht. Er kommt einfach nicht. Natürlich fliegen die Damen schließlich auf. Aber das ist so gar nicht spannend: sie werden halt etwas zu gierig, mögen die Club-Angstellten nicht mehr am Gewinn beteiligen und einige von ihnen haben ein Drogenproblem und/oder stellen sich einfach zu doof an. Dann läßt sich auch noch eine der Damen vom Gejammer eines der ausgenommenen Männer erweichen... Und schließlich werden die Frauen eben festgenommen und bekommen (unspektakulär niedrige) Strafen aufgebrummt.
Weil diese Geschichte so unfaßbar langweilig und inhaltsfrei ist, hat man ihr noch so eine Art "Rahmenhandlung" gegeben: sie wird aus einer Pseudo-Erinneurngsperspektive erzählt. JLo und ihre beste Freundin erzählen einer Reporterin (oder Ermittlerin?) in Interviews von der ganzen Belanglosigkeit und verdrücken dabei die eine oder andere Träne, weil ihre ach so innige Freundschaft es nicht so recht über die Hürde des Geständnisses für einen Deal schaffte.
Im Ernst: Dieser Film ließ micht mit einem so großen, ratlosen Hä?! zurück, dass ich mir sogar noch den Abspann mit den schön geschwungenen, aber scheiße vom Bildrand abgeschnittenen Neon-Schriften anguckte, zu perplex, wie ich da eben Lebenszeit verschwendet hatte. Oder hatte ich den tieferen Sinn nur einfach nicht bemerkt? Hätte ich einer Frau bedurft, die mir diesen Film erklärt? Die mir darlegt, welches wichtige gesellschaftliche Problem oder Anliegen darin transportiert wird?
Ist jemand hier, der den Film auch gesehen hat und ihn mir erklären kann? Bin ich ein chauvinistischer Arsch, wenn alles, was ich da gelernt habe, in der Einsicht besteht, dass auch JLo langsam alt wird und ihre Sexyness inzwischen mehr angestrengte Behauptung als bezaubernde Leichtigkeit atmet?
In dem Bemühen, das zu verarbeiten, recherchierte ich, und stieß auf den Hinweis, dass der Film auf "wahren Begebenheiten" beruht.
Ja nun...
Wertung: 0 von 5 Punkten. Mit dem Irrtumsvorbehalt, dass mir das Wesentliche, was diese Produktion zum Kunstwerk erhebt, in den verpassten 10 - 15 ersten Minuten einfach nur entging.
Veröffentlicht von: @jack-blackIst jemand hier, der den Film auch gesehen hat und ihn mir erklären kann? Bin ich ein chauvinistischer Arsch, wenn alles, was ich da gelernt habe, in der Einsicht besteht, dass auch JLo langsam alt wird und ihre Sexyness inzwischen mehr angestrengte Behauptung als bezaubernde Leichtigkeit atmet?
Ich hab ihn gesehen.
Zunächst mal fand ich JLO in dem Film immer noch sexy, aber das schafft man bei mir auch, wenn man genug Filter drüber legt und das Licht dimmt 😀 Ich hab schon Respekt vor der Rolle in diesem Alter, wobei es hart an der Grenze zur Lächerlichkeit ist.
Erklären kann ich Dir nicht, was an dem Film jetzt sehenswert sein soll, ich sehe es ähnlich wie Du. Der Film sollte ne sexy Frauer-Power-Gauner-Dramödie sein und wollte da meiner Meinung nach zu viel. Man kann nicht die Ausbeutung der armen Frauen (von denen ja in der Regel die meisten arm dran sind) an den bösen und reichen Männern (ist Dir auch aufgefallen, dass sie alle scheisse aussahen?) abarbeiten und dann mit der Kamera frontal draufhalten, wie sie dann im Luxus schwelgen. Ich hab den Frauen das nicht eine Minute gegönnt 😀
Das MeToo Thema ist mit Sicherheit ein ernstzunehmendes Thema, aber man hat der Debatte mit diesem Film leider keinen Gefallen getan. Im Prinzip haben die Frauen es ja nicht besser gemacht als ihre Freier und so war die Problemtik verpufft.
Schade, an sich war die Idee nicht schlecht, aber wie man die hätte glaubhaft umsetzen können, ohne das Ende komplett umzuwerfen weiß ich auch nicht.
Bekommt von mir einen Trostpunkt für die Kameraführung. Die war nämlich nicht schlecht.