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Absicherung und deren Thematisierung in Gemeinden (vorzugsweise konservativen)

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Themenstarter
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Ich stolpere immer wieder über sehr konservative Familienmodelle und Frauen, die sich ausschließlich um Familie, Kinder, Haushalt und eventuell noch Gemeinde kümmern.

Und nachdem ich mit einem solchen Familienmodell ziemlich grandios gescheitert bin, frage ich mich immer wieder: Wie konnte es dazu kommen?

Was tun Gemeinden dazu, um Frauen zu schützen?

Ich komme aus einer Gemeinde, in der gute Bildung für Mädchen und junge Frauen als nicht so wichtig begriffen wird, da sie sich ja ohnehin eben Hausfrauen werden würden. Nicht alle, nicht von der Kanzel gelehrt, aber durchaus mit subtilen Druck.

Aber ich stelle mir das Zuende gedacht vor und frage: wie geht das?

Da kommen viele Frauen, die auf sicheres eigenes Auskommen verzichten, zu 100 % wirtschaftlich abhändig sind, keine Rentenpunkte sammeln, beruflich keine Perspektive haben, und die Gemeinden, die ich kennen gelernt haben, schauten zu und fanden das toll.

Also man kann das toll finden, wenn die Betroffenen damit zufrieden sind. Aber was, wenn es schief geht?

Nur, weil man Christ ist, heißt das ja nicht, dass man niemals scheitert, dass es nicht zu Scheidungen kommt, dass nicht wirklich blöde Situationen eintreten können, die sich zu großen wirtschaftlichen Problemen für die Betroffenen erwachsen können.

Was tun eure Gemeinden dafür, um der Verantwortung gegenüber den weiblichen Mitgliedern gerecht zu werden?

Wie wirkt ihr darauf hin, dass Mädchen (und auch Jungs) eine gute Ausbildung bekommen?

Helft ihr Paaren, ihre wirtschaftliche Situation gerecht und sicher zu gestalten, sodass Frauen im Worste Case abgesichtert sind?

Wie wichtig ist wirtschaftliche Selbstständigkeit von Frauen und finanzielle Gerechtigkeit bei euch?

 

Meine Jugend ist länger her und ich habe ziemlich viel falsch gemacht.

ich möchte gerne wissen, wie es heute aussieht, ob es da mehr und besseres Bewusstsein für die Unwegbarkeiten des Lebens gibt.

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Jack-Black
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Zuerst einmal ein wenig Korinthenkackerei:

@streptococcus Unwegbarkeiten des Lebens

Es sind die Unwägbarkeiten, die das Leben kompliziert machen.

Zum Thema:

Aber ich stelle mir das Zuende gedacht vor und frage: wie geht das?

So, wie es schon seit ein paar Jahrhunderten geht. Die von Dir skizzierte streng konservative und patriarchale Rollenverteilung innerhalb von Familien hat auf der einen Seite die von Dir erkannten Probleme, bietet aber auf der anderen Seite für diejenigen, die sich in diesem System zu arrangieren vermögen, Sicherheit.

Zwei interessante Tatsachen dazu:

1. In Deutschland konvertieren deutlich mehr Frauen als Männer zum Islam, was zuerst einmal verwunderlich erscheint, weil doch die Frauenrechte im Islam deutlich schwächer sind als im Allgemeinen (Deutschland). Warum also konvertieren vor allem Frauen? In einem anderen Forum hatte es mal jemand, der gegenüber einer Moschee wohnt, die von vielen Konvertiten besucht wird, sehr despektierlich formuliert: "Das sind die ganzen fetten Ischen, die sonst keinen (Mann) abkriegen." Wenn man das mal auf vernünftig übersetzt, ist es allerdings eher eine Beobachtung, die sich kritisch auf die sonst üblichen Zustände interpretieren läßt oder zumindest die Sicht der Konvertitinnen auf diese: Im deutschen Normalfall ist jeder und jede ziemlich individualistisch für das eigene Lebens- und also auch Partnerschaftsglück verantwortlich und befindet sich dabei in einem ständigen Konkurrenzkampf. Wenn also eine Frau ständig damit rechnen muss, dass ihr Partner sich eine andere sucht, steht sie ständig unter dem Druck, attraktiv für ihn zu bleiben. Nimmt sie zehn Kilo zu, steigt das Risiko, dass er sich eine Schlankere sucht. Und was beim Körpergewicht noch relativ im eigenen Beeinflussungsbereich liegt, endet spätestens beim Alter: dass er sich eine Jüngere sucht, war und ist auch heute immer noch (vielleicht nicht mehr in demselben Grad) eine stets bestehende Gefahr.

Gerade also für Frauen, die nicht sonderlich attraktiv sind, kann es daher ein vernünftiges Motiv sein, sich in eine Gesellschaft zu begeben, in welcher es keinen so hohen Druck, sich für Männer attraktiv zu zeigen, gibt. Für die, deren Gesicht nach herrschendem (sic!) Geschmack häßlich ist, kann die Verschleierung eine Wohltat sein, insbesondere, wenn ihr ein moralischer Wert zugemessen wird.

Ebenso kann es auch verlockend sein, von der Pflicht, im Broterwerbs-Arbeitsleben "performen" zu müssen, entbunden zu sein: Nicht jeden Morgen darüber nachdenken zu müssen, ob man den Rock von gestern heute nochmal im Büro anziehen kann, nicht zwischen irgendwelchen Meetings ständig in der Damentoilette das makeup und die Haare nachtunen müssen, nicht mit ArbeitskollegInnen um die Wette zu schuften, um bei der nächsten Beförderungsrunde nicht in's Hintertreffen zu geraten... Wenn die Weltsicht der Gruppe, zu der man gehört, eine Frau, die daheim bleibt und sich um die Kinder und um's Essen und Putzen kümmert, dafür mehr ehrt als für Berufserfolge, dann hat dies für manche Frauen ganz sicher etwas Verlockendes: sie werden sozusagen dafür mit höherem Ansehen belohnt, das, worauf sie eh keinen Bock haben, nicht zu tun.

2. Jüngst hab ich einen Vortrag darüber, wie Religionen entstanden und warum sie bis heute "durchhalten", gesehen. In dem wurde ein interessanter Zusammenhang hinsichtlich des Zusammenhalts von Gemeinden erwähnt: Diejenigen Gemeinden, in denen die meisten Ge- und Verbote herrschen, also besonders konservative und streng fromme Gemeinden, halten am besten zusammen, sind also am stabilsten und zerfallen am langsamsten.

Das hat für die Mehrheit solcher Gemeinden Vorteile: die schwächeren, wenig leistungsstarken Mitglieder haben dadurch wirtschaftliche Sicherheit*. Und die starken und daher herrschenden Mitglieder (Autoritäten) müssen weniger Revolte und Gegenwind fürchten.

In Einzelfällen, wenn also ein Individuum aus den kollektiven Zwängen ausbricht oder auszubrechen versucht, kann das natürlich tragische Konsequenzen haben. Aber das sind eben Einzelfälle, die umso seltener vorkommen, je einerseits rigoroser die Weltanschauung der Gemeinde ist und je hermetischer andererseits die Gemeinde sich gegen den "Rest der Welt" abschottet.

In den USA mit ihren deutlich weniger stark ausgeprägten Sozialsystemen ist eine Frau, die z.B. ihren Mann verliert, in manchen Gegenden quasi aufgeschmissen ohne eine Gemeinde, die ihr unter die Arme greift: Was, wenn der Kühlschrank den Geist aufgibt? Was, wenn Ratten den Strom im Haus lahm legen? Was, wenn die Eltern 100 km entfernt wohnen und sich nicht um die Kinder kümmern? Was, wenn es keine Halbtagsjobs gibt in der Kleinstadt, mit denen sie ihr täglich Brot bestreiten könnte? Die Gemeinden sind da häufig die einzige realitische Anlaufstation - und je strikter deren Regeln, desto verläßlicher sind sie in der Regel auch als "soziales Netz".

 

Problematisch wird's in solchen Fällen, wie Du einen ja schon selbst benennst:

Nur, weil man Christ ist, heißt das ja nicht, dass man niemals scheitert, dass es nicht zu Scheidungen kommt

Tja klar: Scheidungen sind in so einem konservativen Mileu ein echtes "Verbrechen". Wer die strikten Regeln bricht, wird entsprechend strikt bestraft. Du willst dich scheiden lassen von Deinem Mann, obwohl Gott sowas nicht vorgesehen hat? Tja, dann sieh zu, wie du allein zurecht kommst!

Da droht beim Rauswurf aus der Gemeinde dann tatsächlich existentielle Gefahr.

Die Angst, bei einem Verstoß gegen die geltenden (Rollen-) Regeln nicht nur sozial, sondern auch wirtschaftlich vor dem Ruin zu stehen, ist ja gerade die Art von Kette, welche die Gemeindemitglieder an ihre Gruppe bindet.

Die Frage, die Dich umtreibt, ist im Grunde diese: wie kommen Menschen, die in konservativen und frommen Kleingruppen (Gemeinden) aufwachsen mit den Herausforderungen einer Moderne zurecht, in der es den gesamtgesellschaftlichen Imperativ gibt, sich individualistisch dem kapitalistischen Konkurrenzkampf zu stellen? Ein Mädchen, das keine "höhere Bildung" erlangt hat, kommt in einer Versorgerehe gut zurecht. Aber nicht in einem Umfeld, wo sie selbst ihre Rechnungen zu bezahlen hat.

Da treffen eben unterschiedliche Ideale aufeinander: Sicherheit in kollektiven Fesseln vs. Freiheit in Selbstbestimmung, aber auch in steter Konkurrenz und Anstrengung.

 

Aber was, wenn es schief geht?

Diese Frage läßt sich immer stellen. Auch hinsichtlich der modernen Auffassung von Gleichberechtigung und Selbstbestimmung per eigener Leistung.

jack-black antworten
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(@deleted_profile)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 17116

@jack-black Ich sehe, meine Frage war wohl naiv. Was du schreibst, kann ich nachvollziehen und denke, das stimmt wohl leider so.

Hätte ich eigentlich wissen müssen.... Aber bin zu lange da raus, um das so noch nachvollziehen zu können und stelle parallel fest, dass ich mich offensichtlich seit meinem letzten engeren Kontakt zu konservativen Gemeinden SEHR verändert habe (und die Erkenntnis fühlt sich gut an)

Zu den Unwägbarkeiten: Rechtschreibung und ich - wir haben uns angenähert, aber Freunde werden wir nie 😉

 

Ja, die Frage des "was, wenn es schief geht?" lässt sich auch zur Gleichberechtigung und Selbstbestimmung per eigener Leistung stellen. Dafür gibt es soziale Sicherungssysteme. Die bedeuten dann aber in der Regel eben auch Armut. Und irgendwie ist es ja ein Akt der Selbstbestimmung, diese an eine andere Person abzugeben.

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Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 3403

@streptococcus Ich sehe, meine Frage war wohl naiv.

Nö, das fand ich nicht. Nur etwas "allgemein" gestellt, obwohl - so zumindest meine ich es verstanden zu haben - der Anlaß für Deine Frage eher konkrete persönliche Erfahrungen waren, die Du gemacht hattest.

 

Hätte ich eigentlich wissen müssen.... Aber bin zu lange da raus, um das so noch nachvollziehen zu können

Nun: Ich bin Atheist und insofern seit meinem Kirchenaustritt mit 16 Jahren - nicht mehr Teil einer christlichen Gemeinde gewesen. Aber Deine Ausführungen habe ich vor dem Hintergrund jenes "Kulturkampfes" gelesen, den man ja weltweit, insbesondere aber in den USA, betrachten kann: wie die Moderne auf die religiöse Tradition trifft und wie sich das im gesellschaftspolitischen Raum und insbesondere auf die Geschlechterrollen auswirkt.

Beispielsweise ist es ja so, dass "früher" die Frau, die daheim Hof und Herd hütete, mit mehr als nur den heutigen statistischen 1,53 Kindern beschäftigt war. Um 1900 herum waren es noch über 4 Kinder und in den Jahrhunderten davor nochmal deutlich mehr (nur dass da eben viele Kinder schon früh verstarben). Wenn man da noch hinzudenkt, dass Haushalt und Kindererziehung früher deutlich aufwändiger waren (Waschmaschinen, Staubsauger, Küchengeräte, fließénd Wasser... you name it), kann man verstehen, warum es in den entsprechenden Gesellschaften rational war, zu sagen: wozu sollen da Mädchen großartig Zeit und sonstige Ressourcen (Schulgeld) in eine Bildung verplempern, die sie später eh nicht brauchen?

In der kapitalistischen Moderne ist's nun anders. Erstens braucht das Großkapital viele Arbeitskräfte und da heutige Arbeit i.d.R. nicht mehrheitlich körperliche Kraft erfordert, taugen dafür Frauen wie Männer gleichermaßen. Gleichzeitig sind die Leute dank den sozialen Sicherheitssystemen nicht mehr so wie früher davon abhängig, viele Kinder in die Welt gesetzt zu haben, die als Arbeitskraft dem Familieneinkommen und später insbesondere der Alterssicherung dienen. Dann gibt's inzwischen weltweit die Pille oder andere recht sichere Verhütungsmethoden. Kurz: die technologischen und wirtschaftspolitischen Entwicklungen haben seit Beginn der industriellen Revolution, insbesondere aber seit Mitte des letzten Jahrhunderts dazu geführt, dass die Konkurrenz zur traditionellen Rollenverteilung immer stärker wurde. Das kann man ganz platt wirtschaftlich betrachten: Ein Ehepaar, bei dem beide Teile Vollzeit arbeiten, kann mehr zahlen beispielsweise für die Miete oder Wohneigentum als ein Ehepaar, bei dem nur die Hälfte des Erwerbseinkommen-Potentials ausgeschöpft wird. Wenn also jemand eine Wohnung oder ein Haus anbietet, so wird das Doppelverdienerpaar sich diese Wohnung leisten können - und das Paar, das dem traditionellen Rollenverständnis entsprechend lebt und wirtschaftet, hat das Nachsehen: finde mal in einer Großstadt eine "bezahlbare" Wohnung, wenn Du vier Kinder hast und mit einem durchschnittlichen Fabrikarbeiter- oder Angestellten-Gehalt auskommen musst.

Wenn also heutzutage ein Elternteil daheim bleibt, dann ist das wirtschaftlich betrachtet unvernünftig. Das können sich nur Leute leisten, wo der andere Elternteil überdurchschnittlich verdient. Und es ist Luxus, denn, wie gesagt: die Haushaltsführung und die Kindererziehung sind in Relation zu früheren Zeiten heute deutlich weniger aufwändig, weil einfach weniger Kinder (1,5 statt 4) da sind und die Hausarbeit weniger anstrengend (und zeitaufwändig) ist als noch vor - sagen wir mal - 150 Jahren.

Klar gibt's heute das Phänomen der Helikopter-Eltern, die um ihren einen Sproß einen Riesenbohei machen und den kleinen Maxim oder die kleine Marie fünfmal pro Woche zum Fußball, Violinenunterricht, zum Voltegieren oder zum Freeclimbing-Club chauffieren, oder sich zumindest rund um die Uhr um sie kümmern. Aber das muss man sich eben leisten können. Was nicht die Regel ist, sondern eigentlich erst ab einem merklich überdurchschnittlichen Familieneinkommen machbar.

Wirtschaflich vernünftig ist es also heute, seine Kinder so zu erziehen, dass sie, unabhängig vom Geschlecht, zukünftig auf eigenen finanziellen Beinen stehen können. Was aber mit den "traditionellen" Rollenverteilungen kollidiert. Wenn wir nun die Funktion der Religion diesbezüglich betrachten, so ist es von ausserhalb betrachtet ziemlich simpel: die religiöse Moral entstand passend zu den damaligen Verhältnissen. Gott gefällig war stets das, was dem herrschenden macht- und wirtschaftspolitischen System entsprach: weswegen wir in den alten Religionen beispielsweise ein ziemlich entspanntes Verhältnis zur Sklavenhaltung haben, aber ein sehr rigides Verhältnis bezüglich der innerfamiliären Hierarchien: Der Mann hat das Sagen und den Erwerbsberuf, die Frau hat daheim zu bleiben, daheim zu schuften und Kinder zu gebären. Diese zu den herrschenden Verhältnissen passende "Moral" findet sich in der damaligen religiösen Doktrin verankert, nach dem Motto: "Gott will das so."

Je religiöser heute die Leute sind, desto mehr hadern sie mit den Entwicklungen der Moderne: sie haben ihre Sexual- und Sozialmoral aus Doktrinen einer anderen Zeit. Diese Moral aufzugeben bedeutet aber letztlich auch, die tradierten religiösen Vorstellungen infrage zu stellen. Ganz zentral dabei ist beispielsweise die Monogamie und das traditionelle Treue-Verständnis. Vor ein paar Jahrhunderten betraf die Scheidung eines Paares sehr existentiell mindestens die Frau, aber auch die Kinder (denn in der Regel machte sich da der Vater vom Acker: ich hab in meiner eigenen Familienhistorie einen Vorfahren, der vor über 200 Jahren sich nach Australien absetzte, und über den und dessen Unehrenhaftigkeit sich noch meine Großmutter immer wieder echauffierte, obwohl sie ihn persönlich schon längst nicht mehr kennengelernt hatte: seine Kinder überlebten nur mit Ach und Krach), also 5 Menschen oder mehr. Wenn sich heute ein Paar scheidet, ist das ein übliches Geschäft, an dem ein paar Anwälte mitverdienen: weder muß das verlassene Elternteil noch das 1,5-Kind deswegen hungern, also um's Überleben fürchten. Entsprechend weniger unmoralisch ist so eine Trennung, mal ganz objektiv betrachtet: weniger Menschen leiden weniger stark deswegen. Für die Menschen ist also eine Verletzung der Monogamie-Regeln heute kein so großes Ding mehr (damit will ich nicht die psychischen Schmerzen, die jede Paartrennung mit sich bringen kann, klein reden, aber die sind eben nicht existentiell bedrohlich) - nur Gott, der ja unwandelbar seit ein paar Tausend Jahren immer dieselben moralischen Ansichten vertritt, ist, laut heiligen Texten oder der Kirchentradition, da weiter seinen inzwischen unmodernen und unzeitgemäßen Ansichten verpflichtet. Er findet, laut den heiligen Texten oder der Kirchentradition, heutige Erwachsene sollten sich partnerschaftstechnisch heute so verhalten wie in Zeiten, wo die Lebenserwartung nur halb so hoch, die durchschnittliche Kinderzahl aber viermal so groß war.

Wenn ich also oben schrieb, wie eine rigoros-traditionelle Rollenverteilung gut für den inneren Zusammenhalt von Gemeinden sein kann und auch das Gefühl, in sinnvollen Bezügen zu leben, bei Mitgliedern dieser Gemeinden verstärkt, so steht dem entgegen, dass diese Gemeinden sich gegen den "Rest" der modernen Welt abschotten müssen, was im Rahmen der Globalisierung immer schwieriger wird.

Das Beispiel der - gesellschaftspolitisch wesentlich altmodischeren - arabisch-muslimischen Welt zeigt, was die Kosten dafür sind: Eine Gesellschaft, die auf die Hälfte ihrer Produktivkraft verzichtet und in Zeiten geringer Kindersterblichkeit immer noch auf vier oder mehr Kinder pro Frau setzt, zieht gegenüber konkurrierenden moderneren Gesellschaften den Kürzeren. Die Ironie der Geschichte liegt darin, dass die Probleme, welche die überkommene religiöse Rollen-Moral in weiten Teilen der islamischen Welt produziert, durch noch mehr Religion - Motto: der Islam ist der Weg" - zu lösen versucht werden. Das Ergebnis läßt sich weltweit betrachten - ohne das Erdöl/Gas wäre die fromm-islamische Welt heute jene globale Unterschicht, die nur als Bettler und Almosenempfänger noch auf dem Radar auftauchen würde.

 

Zu den Unwägbarkeiten: Rechtschreibung und ich - wir haben uns angenähert, aber Freunde werden wir nie 😉

Ich hätte da nicht gemeckert, wenn's nicht so gewesen wäre, wie in den vergangenen Jahren öfter mal: Ich war mir selbst unsicher, ob da inzwischen der Duden auch "Unwegbarkeit" akzeptieren würde und musste mich da per Recherche versichern... 😉

jack-black antworten


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Veröffentlicht von: @streptococcus

Ich komme aus einer Gemeinde, in der gute Bildung für Mädchen und junge Frauen als nicht so wichtig begriffen wird, da sie sich ja ohnehin eben Hausfrauen werden würden. Nicht alle, nicht von der Kanzel gelehrt, aber durchaus mit subtilen Druck.

Ich überlege gerade, ob ich es (als Mann) in einer solchen Gemeinschaft längere Zeit ausgehalten hätte. Denn eine solche Haltung ist nicht konservativ, sondern rückständig, realitätsfremd - und der Gedanke, von Menschen umgeben zu sein, die ein solches Weltbild pflegen, lässt mir einen Gruselschauer über den Rücken laufen. 

Ich bin der Meinung, es sollte jedem Paar freigestellt sein, seinen Beziehungs- und Lebensstil selbst zu wählen. Was aber nicht dagegen spricht, dass lebens- und beziehungserfahrene Freunde (z.B. auch Gemeindeglieder) gelegentlich nachfragen, wie man sich (auch unter finanziellen Aspekten) die Zukunft vorstellt. Schließlich kann man heutzutage fast wöchentlich Artikel zu den Themen "Rente und Altersarmut" in den Zeitungen lesen.  

Bei meiner Heirat war es übrigens so, dass meine Frau gerade in der Abschlussphase ihres Studiums steckte und sehr bald der erste Nachwuchs das Licht der Welt erblickte. Da ich damals recht gut verdiente, stieg meine Frau anschließend nicht ins Berufsleben ein, sondern entschied sich für ein Leben als "Hausfrau und Mutter" (grins) und überließ die Karriereleiter (ganz konservativ) mir. 

Später aber, als die Kinder größer waren und ich aus einer festen Anstellung in die Selbständigkeit wechselte, nahm auch meine Frau eine Stelle an, die zu ihrer Ausbildung passte und ihr Freude machte. Heute ist ihre staatliche Rente genauso hoch wie meine - und das ist gut so!  

Was tun eure Gemeinden dafür, um der Verantwortung gegenüber den weiblichen Mitgliedern gerecht zu werden? 
Wie wirkt ihr darauf hin, dass Mädchen (und auch Jungs) eine gute Ausbildung bekommen?
Helft ihr Paaren, ihre wirtschaftliche Situation gerecht und sicher zu gestalten, sodass Frauen im Worste Case abgesichtert sind?
Wie wichtig ist wirtschaftliche Selbstständigkeit von Frauen und finanzielle Gerechtigkeit bei euch? 

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(@deleted_profile)
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Beiträge : 17116

Nachtrag:
Ich denke, es wäre eine Überforderung für eine normale Gemeinde, diese Aufgaben in ihr Programm zu übernehmen. 
Diese Themen vielleicht mal unter Freunden ansprechen, OK - aber mehr Engagement wird nur in Ausnahmefällen möglich sein.  
Und schließlich sollten sich auch gute Christen darüber klar sein, dass da Leben nun mal eine Menge "Unwägbarkeiten" zu bieten hat.  

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DerElch
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@streptococcus 

ich möchte gerne wissen, wie es heute aussieht, ob es da mehr und besseres Bewusstsein für die Unwegbarkeiten des Lebens gibt.

Das Diesseits gehört nach wie vor zur Kernbusiness von christlichen Gemeinden. 

derelch antworten
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@derelch Ich glaube, das verstehe ich nicht.

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DerElch
(@derelch)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 603

@streptococcus 

Das Diesseits gehört nach wie vor zur Kernbusiness von christlichen Gemeinden.

Das Christentum insbesondere das Konservative ist jenseitsorientiert. Wichtig ist, dass du errettet bist und das Ziel ist das ewige Leben. Dass es dir im Diesseits gut geht, ist zweitrangig.

derelch antworten


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Veröffentlicht von: @derelch

Das Diesseits gehört nach wie vor zur Kernbusiness von christlichen Gemeinden. 

wird aber nicht selten überbewertet. 
Und so scheinen sich die Menschen mancher Gemeinden mehr auf die Gestaltung des "Diesseits" anderer Mitchristen zu konzentrieren als auf eine Zukunft im "Jenseits". 

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Kappa
 Kappa
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@streptococcus Diese Familienmodelle sind legitim, sie bilden vermutlich weltweit das Ideal wieder. Das man sich Stress gibt mit doppelter Berufstätigkeit ist eher aus der Not geboren.

Wir als Familie sind mit dem "modernen" Familienbild gescheitert. Typisch Deutsche Grundlagen - Alte Familiengründung, Ende 30 , zerstrittene Familien, Opa Oma zu alt um uns zu helfen im Alltag, also auf sich allein gestellt. Frau unzufrieden mit Mutterrolle, suchte ihr Glück in Selbstständigkeiten, gemäß Deutscher Staatsraison. Gleichzeitig ne Sanierung, das Haus hatte ein ungenügenden Zustand.

Ende vom Lied beide im Burnout, Kinder verhaltensauffällig, Familientherapie. Finanziell NULL Vorteile unterm Strich, im Gegenteil.

Hätten wir ein Konservativeres Ideal gehabt wären wir wahrscheinlich glücklicher.

Das mit der Rente ist leider ein Problem durch den Staat. Die wo überhaupt noch Kinder kriegen welche später das System am laufen halten werden hängen gelassen, die wo alles aufs Pferd Karriere setzen belohnt. 

 

 

 

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@kappa Du sagst, du wärst mit deiner Rolle unzufrieden gewesen. Das geht doch nicht weg, wenn man noch mehr von der Rolle bekommt, mit der man unzufrieden ist?

Ich wurde mit dem klassischen Modell des zuhause bleibens krank. Dafür bin ich einfach nicht geeignet (und hatte ebenso keine Unterstützung). Mein Hirn braucht Futter. Und das bekomme ich zuhause nicht, selbst, wenn ich mir ein Bein ausreiße. Die ersten vier Jahre (das fiel nun leider auch voll in Corona) war es schon oft schwer, aber unterm Strich geht es sowohl mir als auch den Kindern besser als vorher und die Besonderheiten, die sie haben, sind entweder angeboren oder aus der Zeit, in der ich krank war.

Es geht mir auch gar nicht so sehr um finanzielle Vorteile, sondern finanzielle Gerechtigkeit.

Erfahrungsgemäß ist es ein unschönes Gefühl, ohne eigenes Konto auf der Straße zu sitzen, während Mann sein sicheres Dach und Einkommen hat.

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Kappa
 Kappa
Beiträge : 156

By the way, Hab ein Freund in Frankreich, 3 Kinder und doppelt Karriere (obwohl beide durch die Branchen Hotelführung und Pflegeberufe keine einfachen Voraussetzungen haben) gar kein Problem ! Komisch das Deutschland es seit 50 Jahren es nicht ansatzweise schafft das Modell aus Frankreich auch nur zu kopieren. Was unser Staat an Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf bietet ist ein Witz. Steuermittel waren genug da seither.

kappa antworten
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(@deleted_profile)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 17116

@kappa Da bin ich ganz bei dir.

Ich habe viele Beratungsstellen durch. Wenn ich es nicht schaffe Privat die Betreuung außerhalb der Öffnungszeiten zu deckeln, kann ich wieder zuhause bleiben. Das geht weder als Familie noch als alleinerziehende, passende Unterstützung von staatlicher Stelle zu finden.

Und kürzlich haben sie wieder den Bildungsetat bundesweit gekürzt.

Ich hab einen gewissen sehr hartnäckigen Brechreiz, sobald ich darüber nachdenke.

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