Gemeindeleben in Co...
 
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Gemeindeleben in Coronazeiten

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Neubaugöre
Themenstarter
Beiträge : 11799

Hej,

wie geht es euch mit euren Gemeinden oder in euren Gemeinden? Geht alles so weiter wie vorher? Hat sich was verändert im Gemeindeleben, im Miteinander? Oder bekommt ihr sowas eher nicht mit?

In meiner Gemeinde hab ich die Beobachtung gemacht (ist natürlich subjektiv), dass erst gar nichts passierte (was ich aber erwartet hätte), dann - als hätte jemand einen Schalter umgelegt - geht "plötzlich" alles so weiter wie es vorher auch war. - In langen Gesprächen, wenn die Zeit da ist oder wenn es mir überhaupt möglich ist, erfahre ich von einzelnen, wie sie die Pandemie bisher erlebt haben, wie es ihnen geht und wie sich das auf die Gemeinde als "Körper" auswirkt. Mir ist das "komisch", denn eine Krise wie eben die Pandemie (es gibt ja noch viele andere Formen von Krisen) verändert immer Menschen und Situationen. (also ich rede hier nicht über: wir nutzen jetzt einen Desinfektionsmittelständer am Eingang oder sowas als "Veränderung").

Wie laufen die Hauskreise bei euch (oder je nachdem, wie die kleineren Kreise bei euch heißen)? Anders als vorher?
Wie laufen die Gottesdienste?

Wir können ja hin und wieder sog. Präsenzgottesdienste anbieten, doch die werden nicht wirklich "voll", d.h. viele Leute, die immer zur Gemeinde gekommen sind (und auch gehörig sind), bleiben weiterhin fern. Ich will es mal so sagen: ich möchte das eine denken, denke jedoch das andere ... Deswegen frage ich nach, ob es anderen auch so geht. Vielleicht entdecke ich Spuren, wie ich fragen kann, wie ich denken kann, neue Sichtweisen und so ...

die g☕️ere

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Herbstrose
Beiträge : 14193

Wir haben seit Anfang Juli wieder Präsenzgottesdienste. Mit Online-Übertragung. Kindergottesdienste finden noch nicht statt, weshalb wir alle paar Wochen einne Familiengottesdienst haben.
Der Livestream ist recht gut besucht.

herbstrose antworten
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Neubaugöre
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 11799

Wie war das zu Beginn (der Pandemie) 2020?
Habt ihr eine Weile gebraucht - mal so formuliert -, bis ihr euch (wieder) gefangen hattet in der Pandemie oder bis ihr wieder Orientierung hattet? Wie sind die Besucherzahlen im GoDi - sind sie durch Corona verändert? Also wenn du von "Mitgliedern" mal ausgehst? Gibt es in der Gemeinde noch ängstliche(re) Leute? Computertechnisch: wart ihr da immer schon mit Streamen gut aufgestellt oder habt ihr euch das "erarbeiten" müssen?

Kindergottesdienste haben wir im Moment auch noch online (jemand stellt mit Legos eine biblische Geschichte nach und erzählt sie).
Präsenz haben wir schon länger, aber nur, weil wir uns eine andere Kirche (also ein großes Kirchengebäude) anmieten dürfen, wo die Abstände gewahrt sind und wo ein großer Garten angeschlossen ist.

neubaugoere antworten
Herbstrose
(@herbstrose)
Beigetreten : Vor 7 Jahren

Beiträge : 14193

Wir heben das "Pech", keine eigenen Räume zu haben. Deshalb liefen während des Lockdowns und noch eine lange Zeit danach die Gottesdienste ausschließlich über Zoom. Wir vom Technikteam haben uns abgewechselt mit dem Präsentieren der Inhalte. Es war eine Herausforderung, aber wir haben sie gemeistert. Das Angebot wurde gut angenommen, zumal es im Anschluss noch "Breakouts" gab. Der Moderator hat uns in Zoom in kleine Gruppen aufgeteilt, so dass wir uns noch im kleinen Kreis austauschen konnten.

Aktuell sind wir wieder gut besucht ( die üblichen Verdächtigen kommen regelmäßig). Es bleiben aber auch Viele - insbesondere die Familien - lieber zu Hause, so dass wir über youtube streamen (nicht öffentlich, den Link gibt es vorab per Email).

Wir haben in unserem Team einen jungen Mann, der IT-mäßig sehr versiert ist. Der hat uns in die Materie eingewiesen. Mittlerweile läuft es ganz gut. Und nein, es braucht nicht viel Aufwand. Wir haben lediglich eine Datenflat gekauft und eine USB-Kamera und ein Stativ.

herbstrose antworten
Herbstrose
(@herbstrose)
Beigetreten : Vor 7 Jahren

Beiträge : 14193

Ergänzung
Auch unsere anderen Angebote liefen weiter. Wir Frauen haben eine Whatsapp-Grupoe, ebenso die Männer. Unsere Gemeindeleitung hat uns über Emailverteiler immer auf dem Laufenden gehalten. Hauskreise, Gemeindeversammlung, Gemeindeabende ... lief alles über Zoom weiter, auch der 14tägige Gebetstreff.

herbstrose antworten


maggie.x
Beiträge : 1685

Bei uns in der Gemeinde kann man es noch nicht sehen/ sagen, was die Corona-Zeit mit der Gemeinde gemacht hat.

- Meines Erachtens ist noch offen, ob sich die,jenigen die sich früher am Gemeindeleben beteiligt haben, nochmals in die Vor-Ort-Gottesdienste zurückkehren werden. Oder ob die Pandemie für diejenigen, die schon älter sind, auch ein Abschied von der leibhaften Gemeinde bedeutet. Ich meine zu sehen, dass sich viele auf die neue Lebensform eingestellt haben, dass sie Gottesdienste im Internet hören oder den ERF, dass sie einzelne Kontakte zur Gemeinde pflegen, und dass das gut für sie ist.

Manche Dinge, die wir in der Pandemie begonnen haben - Audio-Mitschnitt der Predigt; manche Gottesdienste werden gestreamt; wir haben ein Predigt-Abo (Predigrt wird in Papierform verschickt) eingeführt - führen wir auch jetzt weiter.

Viele Formen der Geselligkeit in der Kirche sind jetzt noch nicht möglich, z.B. der Kirchenkaffee/ der Apéro nach dem Gottesdienst. Wir ermutigen unsere Mitglieder, dass sie wieder - so wie früher - nach dem Gottesdienst in die umliegenden Lokale gehen, und da miteinander reden. Das machen sie auch.

jeddie-x antworten
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Neubaugöre
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 11799

Vielen Dank dir für deine Einschätzung.

neubaugoere antworten
Tineli
Beiträge : 1367

Spannende Frage, liebe Göre!

wir waren (und meines Erachtens sind wir es immer noch) eine lebhafte Gemeinde mit vielen Aktivitäten - bis Corona kam und erstmal praktisch alles lahmlegte. Das Einzige, was wirklich durchgehend weiterlief, war der Gottesdienst. Binnen einer Woche fand sich ein Team und brachte einen Livestream auf die Beine - eine Umstellung, die ich heute noch bewundere.
Alle anderen Arbeitszweige brachen erst einmal zusammen: KiGo schrumpfte zu einem "Kinderpunkt" im Livestream, der Seniorennachmittag fand nicht mehr statt, Bibelstunde fiel aus. Nach und nach fanden sich in den einzelnen Bereichen Möglichkeiten, wie man dennoch etwas auf die Beine stellt. Die Bibelstunde, die eher von älteren Menschen besucht wird, traf sich per Telefonkonferenz - und es funktionierte. Die Jugendgruppen stellten um auf Diskord oder Zoom, auch viele Hauskreise haben diese Form des Treffens entdeckt. Unvergessen das Krippenspiel an Weihnachten, das coronakonform in den Familien als Video aufgenommen und zusammengeschnitten wurde. Jeden Sommer haben wir einen "Gottesdienst im Grünen", wo wir uns an einer Grillhütte treffen, Gottesdienst halten und dann gemeinsam zu Mittag essen. Letzten Sommer war natürlich das gemeinsame Mittagessen nicht möglich. Aber der schon gebuchte Grillplatz brachte uns auf die Idee, wie herrlich im Freien ein Gottesdienst mit Abstand und doch gemeinsam möglich ist. Bis Anfang Oktober waren wir Dauergast an der Grillhütte mit großer Wiese, dann wurde es leider zu kalt. Aber jetzt sind wir auch wieder 14tägig auf dieser Wiese und freuen uns, dass wir uns sehen können. Im Rahmen der gesetzlich erlaubten Möglichkeiten haben wir seit langem einen Hybrid-Gottesdienst mit begrenzter Teilnehmerzahl vor Ort und einem Livestream. (Die Gottesdienste draußen werden allerdings nur aufgezeichnet und bis zum Abend auf YouTube hochgeladen.) Da inzwischen viele geimpft sind, gibt es auch einen Bereich, wo man wieder enger sitzen kann.

Ja, ich denke, einige Mitglieder sind auf diese Weise "sang- und klanglos" verschwunden, kommen gar nicht mehr. Vor allem die vielen Familien mit kleinen Kindern (von denen wir ziemlich viele haben) vermisse ich. Sie kommen nicht, weil ein KiGo-Angebot bislang eben nicht möglich ist. Lediglich im Freien sind sie öfter dabei - gleich neben der Grillhütte ist ein Spielplatz und dort findet dann oft auch ein Angebot für die Kinder statt.

Das Spannendste ist: Mitten in der Pandemie ein "Begegnungszentrum" zu planen! Anfang 2020 musste die christliche Buchhandlung aufgeben. Die Räume gehören zur Gemeinde, so dass die Frage entstand, was man mit den nun leeren Räumen macht. Es sollen Räume werden für Begegnungen aller Art, etwas Bewirtung, konkrete Angebote oder offene Treffs. Mal sehen, wie es sich entwickelt!

Noch ist Corona ja nicht vorbei. Noch brauchen wir immer wieder Kreativität, wie man mit den sich verändernden Verhältnissen umgehen kann. Was davon wird bleiben? Vielleicht bleibt der Hybrid-Gottesdienst, der auch live auf YouTube zu verfolgen ist. Vor allem sind wir alle offener bezüglich digitaler Möglichkeiten geworden. Aber ich glaube, vielen ist auch bewusst geworden, wie wichtig die direkte Begegnung ist. Der erste "Gottesdienst im Grünen" letzten Sommer - ich war einen Augenblick zu Tränen gerührt, einfach alle diese Menschen wieder zu sehen. Beim Livestream bleibt ja irgendwie doch jeder für sich, auch wenn der YouTube-Chat oder Slido gewisse interaktive Elemente bieten.

Ups, das ist lang geworden!
Liebe Grüße
Tineli

tineli antworten
2 Antworten
Neubaugöre
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 11799
Veröffentlicht von: @tineli

Ups, das ist lang geworden!

😉 kein Ding, ist ja strukturiert und gut lesbar 😉

Veröffentlicht von: @tineli

Das Spannendste ist: Mitten in der Pandemie ein "Begegnungszentrum" zu planen! Anfang 2020 musste die christliche Buchhandlung aufgeben. Die Räume gehören zur Gemeinde, so dass die Frage entstand, was man mit den nun leeren Räumen macht. Es sollen Räume werden für Begegnungen aller Art, etwas Bewirtung, konkrete Angebote oder offene Treffs. Mal sehen, wie es sich entwickelt!

Da werd ich neugierig ... falls du magst, erzähl mal, wenn sich was tut oder wie sich das so entwickelt.

Ja, das alles erlebe ich in meiner Gemeinde auch ... und weil ich das Wort "Begegnungszentrum" grad so vor Augen habe UND auch noch gerade vorgestern in meiner Gemeinde Göttliches erlebt habe, glaube ich mehr denn je, dass ich (oder wir?) lernen darf (dürfen), anderen wirklich/wahrhaftig zu "begegnen". Gerade in der Pandemie. Weil die eben so "separiert" oder sagen wir "das Zeug dazu hat".

Wir bauen bei uns gerade in den Räumen, weshalb auch viel online läuft, das Streamen haben wir gerade erst vor ein paar Wochen entdeckt (wie das geht) und eingeführt. Mit der Technik läufts noch nicht rund, aber es ist eben was es ist. - Mittlerweile, auch wenn noch nichts wirklich fertig ist, haben wir dennoch schon mal Stühle in den "Bau" gestellt und machen direkt "im Bau" Gottesdienste (mit Anmeldung).

Begegnung ... ja, das Wort hat es in sich ... das geht mir noch eine Weile nach ... wir müssen uns begegnen ... oder wieder begegnen ... oder neu begegnen ... einander wahrnehmen ... - wie ich vorgestern lernen durfte, geht es nicht so sehr um "Lösungen (finden)", sondern darum, einander zu sehen, wirklich zu sehen, nicht nur die Oberfläche ... nicht nur das stete Lächeln, wenn man sich über den Weg läuft ...

In meiner Gemeinde lief das erste Jahr so gut wie nichts. In meinem Hauskreis leider auch nicht. Und von der Arbeit aus war ich dazu "verdonnert", zuhause zu arbeiten. - Ich habe sehr gelitten. Und ich gehe mittlerweile mit - ich glaube, Jens Spahn? - mit: Wir werden uns nach der Pandemie einander viel zu vergeben haben. Ja, ich muss an vielen Stellen um Vergebung bitten und habe auch anderen so einiges zu vergeben.

So langsam kommen wir seit einem viertel oder halben Jahr wieder aus unseren Löchern. Ich glaube, wir müssen aufpassen, dass wir nicht wieder weiter machen wie vorher. Weil es nicht geht, weil wir nicht wie vorher sind, sondern verändert.

Danke für dein Berichten.

neubaugoere antworten
Tineli
(@tineli)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 1367
Veröffentlicht von: @neubaugoere

Da werd ich neugierig ... falls du magst, erzähl mal, wenn sich was tut oder wie sich das so entwickelt.

Was magst du wissen? Unsere Gemeinde ist "alt", sie hat schon über 125J. auf dem Buckel. Die Räume sind im 2. Weltkrieg zerbombt worden und danach aus den Trümmern neu gebaut worden. Also kein moderner Neubau im Industrieviertel... Direkt an der der Straße (die leider nicht im Zentrum liegt, sondern ein wenig daneben) waren die Räume der Buchhandlung, darüber sind Wohnungen, und durch den Hinterhof geht's ins Gemeindezentrum. Letzteres kennen manche gar nicht, auch wenn sie Stammkunde in der Buchhandlung waren. Man sieht es von der Straße aus gar nicht. Und so war der Gedanke, ein Angebot zu machen, das niederschwellig ist und von der Straße zu sehen ist, um es Außenstehenden leicht zu machen. Bewirtung gab es schon mal in den Räumen, also die Wasseranschlüsse und Toiletten sind da. Aber es muss natürlich etwas umgebaut werden.

Was es dann in den Räumen tatsächlich gibt, das hängt halt auch davon ab, was die Gemeinde an Aktionen anbietet. Evt. wird es auch an einzelnen Tagen vermietet, da gab's schon einen Interessenten. Aktuell gibt es einen 14-tägigen Spieleabend für Brett- und Gesellschaftsspiele aller Art. Und der Umbau steht ja noch bevor, so dass die Räume netter aussehen und besser zu den Aktivitäten passen. Es entwickelt sich erst, es waren auch nicht alle in der Gemeinde gleich begeistert, da brauchte es Überzeugungsarbeit und einfach etwas Zeit. Aber zuletzt war die Zustimmung bei der Gemeindeversammlung doch recht hoch. Ich bin einfach sehr gespannt, was Gott draus macht.

Gruß, Tineli

tineli antworten


Anonymous
 Anonymous
Beiträge : 0

Mir kommt es so vor, als ob sich Entwicklungen, die es vorher schon gab, beschleunigt haben, bzw. extremer geworden sind.

Die innere Bubble unserer Gemeinde (20 - 45jährige Akademiker aus christlichem Elternhaus) hat in kürzester Zeit alles professionell auf online umgestellt, teilweise mit angemeldeten Präsenz-Besuchern, so wie gerade erlaubt. Alles sehr gut organisiert. Übertragen wurde weiter aus den für persönlichen Kontakt ungeeigneten, aber imageträchtigen Räumen, die teuer gemietet werden, selbst in der Zeit, als gar keine Besucher zugelassen waren. Gut, das ist Sache der Leitung. Der Bühne-Zuschauer-Charakter hat sich so leider noch verstärkt. Für Leute, die das lieben, ein Paradies.

Aussergottesdienstliche Veranstaltungen werden auch auf Coronamassnahmen überprüft, letztens z. B. Der Nachsatz: Natürlich doppelt geimpft und getestet. Die letzten Wochen mit 0 bis 15 Inzidenz fielen in die Urlaubszeit. Ich empfinde das als etwas rigide, es scheint aber der Zielgruppe zu gefallen, keine Ahnung.

Es gäbe ja gerade für kleinere Kreise die Möglichkeit, sich draußen zu treffen, Zeiten und Orte flexibler zu gestalten und die Teilnehmer persönlich zu fragen, was sie bewegt, nicht nur durch corona. Man könnte auch am Telefon in ein persönliches Gespräch kommen. Stadt dessen gab es in einer speziellen intant-Messenger-Gruppe einen anonymen Fragebogen an Leute, die lange nicht da waren 😏 , also die nichttechnikaffinen oder sonstigen schüchternen. Soweit ich weiß, gibt es in unserer Gemeinde niemanden, der irgendwie rebellisch oder aggressiv ist, aber einige, die aus verschiedenen Gründen sowieso wenig Kontakte haben und aus Verunsicherung und Vorsicht lieber noch keine Impfung wollen.

Schon vor corona wurden alle Kreise eingestellt bzw. verändert, die zu viel Zeit mit persönlicher Gemeinschaft verbrachten. damals gab es einigen Widerstand, jetzt funktioniert es wohl. Jetzt gibt es für Hauskreise Fragenkataloge, die sich auf die Gottesdienste beziehen und den ganzen Abend strukturieren. Wer von denen, die vorher schon nicht zur Zielgruppe gehörten, nicht bereits gegangen war, ist mit ganz wenigen Ausnahmen jetzt noch unsichtbarer. Nicht geimpft, nicht intellektuell, nicht technikaffin. Geblieben ist eine sehr schöne, glatte Gemeinde. Sie ist tatsächlich auch anziehend für Studenten und junge Akademikerfamilien, wie ich höre. Wie die Zahlen sich tatsächlich entwickelt haben, ist mir nicht bekannt.

Ich neige dazu, mich erst richtig zugehörig zu fühlen, wenn ich auch etwas eigenes einbringen kann und gehöre auch nicht zur Zielgruppe. Ich habe es ein wenig aufgegeben, nochmal in einem größeren gemeindeverbund ein geistliches zu Hause zu finden und tue das, was ich eigentlich nie wollte: Ich suche echte christliche Gemeinschaft in den kleinen Gruppen, die ohne gemeindebindung entstehen, bisher mit Erfolg.

Anonymous antworten
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Neubaugöre
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 11799
Veröffentlicht von: @anonyma-b403d4148

Mir kommt es so vor, als ob sich Entwicklungen, die es vorher schon gab, beschleunigt haben, bzw. extremer geworden sind.

Ja, möglich. Ich dachte zu Beginn der Pandemie: Es wird sich herauskristallisieren, was genau wirklich vorhanden ist. Also da platzt Farbe an, die vielleicht zum Schönmachen draufgepinselt wurde, und es wird "das Eigentliche" sichtbar.

Veröffentlicht von: @anonyma-b403d4148

Der Bühne-Zuschauer-Charakter hat sich so leider noch verstärkt

Dieses "Phänomen" kenn ich auch. Leider.

Ich hoffe, du findest ein wahrhaftiges Zuhause, wo alle miteinander Gott begegnen und eben auch einander.

neubaugoere antworten
tristesse
Beiträge : 16865

Hallo Neubaugöre,
meine Gemeinde hat recht lange gebraucht, um sich auf die Lockdown Sitution einzustellen, was vor allem daran liegt, dass wir gerade umgebaut hatten und die Technik noch nicht so weit war, dass man hätte Streamen können.

Ostern im ersten Lockdown kam dann der erste Gottesdienst als Aufzeichnung und so nach und nach wurden die Gottesdienste über Youtube gestreamed. Das haben wir bis heute beibehalten und nach dem Umbau hätten wir sowieso damit angefangen, das wäre nur eine Frage der Zeit gewesen.

Ansonsten lag wie überall das Gemeindeleben relativ brach, die Kleingruppen haben sich dann über Zoom organisiert, manche erfolgreich, andere haben es nicht so gut hinbekommen.

Die Kindergruppen trafen sich über Zoom, zeitweise wurde das Bastelmaterial in der Gemeinde zur Abholung bereit gestellt oder sogar vor die Tür gebracht.

Wir haben einige Mitglieder verloren. Da kamen Austrittskommentare wie "Ich hab in der Pandemie gemerkt, dass ich die Gemeinde nicht brauche...", wo mir schon der Mund offen stand, denn darum geht es in der Gemeinde ja nicht, dass man sich bedienen lässt.

Über Monate hat sich ein kleines Team von 15 Leuten zum Streamen getroffen, als Youtube Chatmoderatorin war ich auch vor Ort und ich muss sagen, dass dieses Hand in Hand arbeiten mit den zumeist sehr jungen Mitarbeitern für mich eine ganz kostbare Zeit war, die uns auch zusammengeschweißt hat.

Inzwischen dürfen wir in unserem Saal, der für ca. 600 Besucher ausgelegt ist, 150 Leute unter, davon eine Gruppe auf der Empore mit sehr verschärften Massnahmen, wo wirklich jeder 2 Meter um sich herum Platz hat. Im Saal sind es die vorgeschriebenen 1,50 Meter. Wir melden uns vorher an, man registiert seinen Sitzplatz wie im Konzert und das wird auch kontrolliert. Die Mitarbeiter, die wie ich z.b. einen eigenen Arbeitsplatz haben dürfen sich ohne Sitzplatz registrieren, damit wir niemanden den Stuhl wegnehmen. Zugeschaltet sind jeden Sonntag zwischen 50 und 85 Bildschirme, wenn man davon ausgeht, dass mindestens 2-3 Leute vor dem Bildschirm sitzen ergibt das eine Gruppe von 300 Leuten sonntags erreichen.

Heute war zum ersten Mal ausgebucht und ich hab gemerkt, dass im letzten Jahr viele Leute dazu gekommen sind, die ich noch nicht kenne und mich frage, wo die herkommen. Und wo sind die anderen hin?

Erst wenn wir wieder zum gewohnten Gottesdienst mit der vollen Bestuhlung zurückkehren können, werden wir feststellen, wie viel Mitglieder uns Corona gekostet hat und wie wir uns aufstellen müssen.

Die Kleingruppen treffen sich je nach Hygienekonzept schon wieder privat gerade im Sommer geht das gut und auch das Gemeindehaus wird wieder genutzt und die Räume bezogen.

Was mir aufgefallen ist, dass die Predigten "besser" geworden sind. Wir haben ja keinen Pastor, sondern mehrere Leute, die sich den Predigtdienst teilen und es ist auffällig, wie tief und persönlich die Predigten geworden sind. Die Leute sind authentisch und predigen seelsorgerlicher. Da fließen durchaus mal ein paar Tränen.

Ich glaub, Corona hat ans Tageslicht gebracht, wie die Christen aufgestellt sind, jeder für sich und da ist alles dabei. Leider auch die Querdenker, Kirche im Widerstand und ähnliche Auswüchse, aber ich sehe auch, dass viele geistlich enorm gewachsen sind. Was davon übrig bleibt wird sich zeigen.

tristesse antworten
2 Antworten
Suzanne62
(@suzanne62)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 7535
Veröffentlicht von: @tristesse

Da kamen Austrittskommentare wie "Ich hab in der Pandemie gemerkt, dass ich die Gemeinde nicht brauche...", wo mir schon der Mund offen stand, denn darum geht es in der Gemeinde ja nicht, dass man sich bedienen lässt.

Nein, darum geht es sicher nicht. Aber wenn ich gemerkt hätte, dass ich auch ohne Kirche/Gemeinde ganz gut leben kann, vielleicht hätte ich dann auch eine solche Konsequenz gezogen.
Engagieren kann man sich ja auch in anderen Gruppen.
Aber bei mir war das Gegenteil der Fall: als in der Zeit des 1. Lockdowns Präsenzgottesdienste verboten waren, hat mir wirklich etwas gefehlt....gestreamte oder im Fernsehen/Radio übertragene Gottesdienste sind einfach nicht dasselbe.
Ich war unendlich glücklich und dankbar, als wir endlich wieder in unserer Kirche die hl. Messe feiern durften, wenn auch (nach wie vor) mit einigen Einschränkungen.

Veröffentlicht von: @tristesse

Die Kleingruppen treffen sich je nach Hygienekonzept schon wieder privat gerade im Sommer geht das gut und auch das Gemeindehaus wird wieder genutzt und die Räume bezogen.

Das freut mich für euch, dass das wieder möglich ist.

Veröffentlicht von: @tristesse

Was mir aufgefallen ist, dass die Predigten "besser" geworden sind. Wir haben ja keinen Pastor, sondern mehrere Leute, die sich den Predigtdienst teilen und es ist auffällig, wie tief und persönlich die Predigten geworden sind. Die Leute sind authentisch und predigen seelsorgerlicher.

Ohne ehrenamtliche Mitarbeit würde es wohl in keiner Gemeinde gehen, aber bei euch trifft das ja noch viel mehr zu als in den Volkskirchen. Das verdient großen Respekt!

Veröffentlicht von: @tristesse

Ich glaub, Corona hat ans Tageslicht gebracht, wie die Christen aufgestellt sind, jeder für sich und da ist alles dabei. Leider auch die Querdenker, Kirche im Widerstand und ähnliche Auswüchse, aber ich sehe auch, dass viele geistlich enorm gewachsen sind.

Ja, "Querdenker" u.ä. gibt es vereinzelt auch bei uns.....inzwischen habe ich mitbekommen, wer dazu gehört und vermeide bei diesen Leuten das Thema Corona und alles, was damit zusammenhängt.
Ich habe mal versucht, ihnen nahe zu bringen, dass das Virus existiert, es gefährlich ist und es durchaus wichtig ist, sich und andere davor zu schützen - ich habe ja in meiner eigenen Familie erlebt, was es anrichten kann. Hat nichts genützt.
Aber andererseits habe ich in der Zeit als ich in Quarantäne war, Hilfsangebote bekommen von Leuten, mit denen ich bis dahin gar nichts zu tun hatte und von denen ich das nie erwartet hätte - das war nun wiederum sehr schön.

suzanne62 antworten
Neubaugöre
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 11799

Hej,

ich muss ein wenig schmunzeln, weil ich lese "hat recht lange gebraucht" und dann "Ostern" ... das nennst du "lange"? 😉

Veröffentlicht von: @tristesse

Ansonsten lag wie überall das Gemeindeleben relativ brach, die Kleingruppen haben sich dann über Zoom organisiert, manche erfolgreich, andere haben es nicht so gut hinbekommen.

wie bei uns

Veröffentlicht von: @tristesse

Die Kindergruppen trafen sich über Zoom, zeitweise wurde das Bastelmaterial in der Gemeinde zur Abholung bereit gestellt oder sogar vor die Tür gebracht.

Anfangs bekam ich davon nichts mit, weil ich mit Kindern und Kinderdienst (hej, und das, wo ich Single bin 😉 😀) nichts am Hut habe. - Irgendwie kamen aber doch mal Informationsfetzen zu mir und ich bemerkte, dass mehr läuft als ich wahrnehme, nur eben alles ohne mich sozusagen.

Veröffentlicht von: @tristesse

Wir haben einige Mitglieder verloren. Da kamen Austrittskommentare wie "Ich hab in der Pandemie gemerkt, dass ich die Gemeinde nicht brauche...", wo mir schon der Mund offen stand, denn darum geht es in der Gemeinde ja nicht, dass man sich bedienen lässt.

boah krass

Wir haben zu allem Überfluss auch noch eine vakante Pastorenstelle. - Falls das also hier jemand liest und interessiert ist an einer kleineren Gemeinde in Berlin, sprecht mich an 😉 - Und leider lag in des Pastors Händen immer irgendwie die "Aktivität/Initiative", sodass eben viel gleichzeitig wegbrach. Klar fanden sich auch bei uns Leute, die eben mal draußen in freier Natur einfach einen Gottesdienst aufnahmen oder sogar halbe Filmchen drehten mit verschiedenen Drehorten und kreativ wurden. Das war fantastisch. Aber die machten das irgendwie alle nur 1-2x und jetzt ist das alles wieder tot. Eine Schwester gab mir die Bemerkung: nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil sie nicht (mehr) können. Wir sind so gut wie ausnahmslos alle berufstätig und haben viele Pädagogen/Lehrer, die allesamt sehr herausgefordert sind und bis Oberkante-Unterlippe eben zu tun haben, nervlich fast überfordert sind. Wir haben viele Familien, deren Leben sich ja komplett umstellte. Ich glaube, ich hab noch immer nicht alles erfasst, wem es wie ging und geht in der Pandemie ...

Danke für dein Berichten.

Nachtrag vom 19.08.2021 1426
und fast wie "nebenher" wurden noch einige Kinder geboren und jemand von Krebs geheilt ...

neubaugoere antworten


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