Laut Beten
Hallo zusammen,
Kennt ihr die Situation?
Man sitzt in einem Gebetskreis mit anderen Christen, und es wird laut gebetet ohne festgelegte Reihenfolge. Die ganze Zeit sitzt Du da und überlegst, was Du laut aussprechen kannst. Doch ehe Du die Worte im Kopf zusammenhast spricht die Schlussperson das letzte Gebet in der Runde und Du sitzt da und hast wieder mal im Gebet die Zähne nicht auseinander gekriegt...
Wie geht ihr mit so etwas um?
Veröffentlicht von: @deborah71In der einen Variante hat die Gemeinde keine Möglichkeit, den Vater direkt buchstäblich anzusprechen.
Pastor: Vater.........und dann fällt die Gemeinde mit ein: Unser im Himmel.......
Pastor: Unser.........und dann fällt die Gemeinde mit ein: Vater im Himmel.....
Mmhh ??? ... also irgendwie geht es wohl um die Kunst der Synchronizität in der Intonation *lach* ... Ich habe immer mit Ankündigung "Gemeinsam sprechen wir das Gebet, das Christus uns gelehrt hat: ..." begonnen und dann erlebt, dass es schon mit dem ersten Wort gemeinsam funktioniert im Ansatz --- nicht hektisch, nicht gejagt 😉 ... So ODER so.
Wer wo wie auch schon mal das Sekündchen zu spät mit dem ersten Wort nachhinkt ... oder erst mit "... im Himmel" drin ist, keine Ahnung - wörtlich, stimmlich, gedanklich, intentional spricht doch IN und AUS allen ein "Unser Vater" oder "Vater unser" ...
L'Chaim
Sprache hat eine Wirkung. Und hier ist eine kleine Unstimmigkeit, die die Anrede beeinflusst. Das, was du sprichst und von dir selbst hörst, hat eine prägende Wirkung. Da es in der Gruppe so unauffällig ist, bemerkt es kaum einer oder mißt ihm keine Bedeutung bei.
Ausserhalb der Gruppe so zu beginnen: Unser im Himmel..... macht es deutlich. So würdest du nie im stillen Kämmerlein beginnen.
Mehr will ich das aber nicht vertiefen, nur eine kleine Aufmerksamkeit anstoßen.
Allerdings hat auch das "Unser" eine wichtige Botschaft. "Unser Vater" "Vater unser" Es geht hier um meinen und unseren gemeinsamen Vater und nicht irgendeine beliebige Person, Weseheit, die eben diese Anrede erfordert. Das possessive ist ein entscheidendet Teil des ganzen.
Der Pastor/Pfarrer/Leiter/Bildungsreferent spricht diese Einbindung "unser", bei mir bevorzugt. Da schätze ich das Hören und die Botschaft der Zusammengehörigkeit an erster Stelle sehr hoch ein.
Heutzutage ist da sehr viel Individualismus und auch Einsamkeiten, die das vergessen lassen.
Das "Vater" selbst zu sprechen betont für mich, dass da ER da ist und ich ihn ansprechen kann. Es gibt so viele Alleinerziehende und gebrochene Vater-Kindbeziehungen, da macht diese Anrede etwas mit einem. Im besten Falle einen weiteren Impuls zur Heilung.
Genau dieses selbst sprechen des "unser" ist für mich aber das Wichtige. Ob Vater oder Gott ist dabei nicht das wichtige. Es geht um die persönliche Beziehung, die in dem selbstgesprochenen "unser" zum Ausdruck kommt, das dadurch, dass es gemeinsam gesprochen wird noch viel deutlicher wird.
Es gibt hier kein richtig oder falsch - nur eine persönliche Präfernz, was einem selbst wichtig ist.
Es geht mir um die spezifische Wirkung von Worten. Ob sich daraus eine persönliche Präferenz entwickelt ist nochmal ein weiteres Thema.
Mir geht es auch um die Wirkung von Worten. Nur welches Wort wir da wichtiger finden und warum ist doch eine sehr persönliche Präfernez.
Wonach richtet sich die Wahl des Pastors? Gibt es da eine traditionelle Festlegung in der Liturgie von der Ausbildung oder Denomination her?
Meines Wissens ist der Text in der Agenda festgeschrieben. Außerdem gibt es glaube ich auch eine ökumenische Einigung auf eine Textfassung - nach dem Motto wenigstens beim wichtigsten Gebet der Christenheit schaffen wir ne Einigung.
Die Variante "Unser Vater, der du bist im Himmel..." ist meiner Erinnerung nach (an eine Vorlesung zum VU vor ca 15 Jahren) die alte reformierte Form. Also reformiert im Unterschied zu lutherisch.
Und jetzt hab ich doch noch mal gegooglet (zum Aufstehen und in Büchern oder alten Vorlesungsmitschriften zu schauen ist zu heiß)
Der Text des Vaterunsers hat sich durch die Geschichte immer wieder leicht geändert. Daher kommt es auch, dass nicht alle das Vaterunser gleich sprechen. Der Satz am Ende, „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit“, steht zum Beispiel nur im Matthäusevangelium und da auch nicht in den ältesten Handschriften. Deswegen wurde er lange nicht mitgesprochen. Dass das Gebet in vielen Kirchen mit „Vater unser“ anfängt, geht auf Martin Luther zurück. In seinem Katechismus hat er den Anfang so niedergeschrieben. Auch der lateinische Text beginnt in dieser Reihenfolge: pater noster. Viele reformierte Gemeinden beginnen umgekehrt mit „Unser Vater“. Einige Christinnen und Christen beten noch die Variante, die im Evangelischen Kirchengesangbuch stand (EKG), dem Vorgänger des heutigen Evangelischen Gesangbuchs (EG). Dort heißt es „also auch auf Erden“ statt „so auch auf Erden“, „wie wir vergeben“ statt „wie auch wir vergeben“ und „erlöse uns von dem Übel“ statt „erlöse uns von dem Bösen“.
Danke fürs Nachschauen. Die Geschichte ist immer wieder interessant.
Hier ist es auch so heiß. Über 31° draussen.
Wie es der Zufall 😉 will, habe ich gestern in einem Hauskreis in den ich zufällig 😉 geraten bin die Gelegenheit bekommen, laut zu beten…Haha, ich bin seit Jahren Christ und hab das noch nie gemacht (weil ich noch nie in einem Hauskreis war) und jetzt , zwei Tage nach meinem „mach ich nicht, will ich nicht“ Post dann das…Gott hat Humor 🙂
Jedenfalls sollte nach einer Runde, in der jeder erstmal ein Gebetsanliegen äussern konnte reihum, man dann für den jeweils linken Nachbarn und dessen Gebetsanliegen laut beten.
Das war gar nicht so schlimm. Warum?
Weil es persönlich war. Ich konnte für einen Menschen etwas tun, etwas gutes tun.
(Hätte er jetzt Kleidung oder Essen gebraucht, wäre das angemessener gewesen. Aber das war ja nicht der Fall.)
Die ganze Zeit sitzt Du da und überlegst, was Du laut aussprechen kannst.
Davor habe ich mich auch gefürchtet, dass mir nichts einfällt. Aber es war nicht zufällig, sondern man sollte ja konkret für den linken Nachbarn und dessen Anliegen beten. Da musste man dann nicht überlegen für wen oder was - weil das ja alles klar war. Und dann konnte man einfach aussprechen, was einem in diesem Kontext an Gutem einfiel.
Vielleicht kannst du das mal so vorschlagen in deiner Gemeinde/Hauskreis, dass ihr da nicht überlegen müsst, sondern von vornherein die Reihenfolge festgelegt…und dann weiss auch jeder, dass er drankommt - und zwar auf jeden Fall.
Ich könnte mir vorstellen, dass das hilfreich wäre, in der Situation, wie du sie beschreibst.
Wie schön und nachvollziehbar 🙂
Mir fällt auch noch was ein, was zum "freien Beten" gehört.
In meinen regelmäßigen Gottesdiensten habe ich in der Eingangsliturgie (Sündenbekenntnis und sog Kollekten=Sammlungsgebet) immer von mir sorgsam vorformulierte Gebete gesprochen oder wir haben gemeinsam ein Gebet aus dem EG (Ev. Gesangbuch) gesprochen.
In der Schlussliturgie aber (nach der Predigt und vor dem Vater Unser & dem Segen) habe ich das Fürbitten- und Ausgangsgebet immer frei formuliert, im eigenen inneren Nachklang des Gottesdienstes ... das war für mich immer stimmiger, kam aus dem Herzen und wurde von mir als "Eingebung" empfunden ... es entsprach meinem Bedürfnis, an dieser Stelle intuitiv, in nach-klingend "gutem Kontakt" mit der Gemeinde vor mir, mit dem empfundenen Geist und mit mir selbst zu sein.
L'Chaim
In meinen regelmäßigen Gottesdiensten habe ich in der Eingangsliturgie (Sündenbekenntnis und sog Kollekten=Sammlungsgebet) immer von mir sorgsam vorformulierte Gebete gesprochen...
In der Schlussliturgie aber (nach der Predigt und vor dem Vater Unser & dem Segen) habe ich das Fürbitten- und Ausgangsgebet immer frei formuliert, im eigenen inneren Nachklang des Gottesdienstes ... das war für mich immer stimmiger, kam aus dem Herzen...
Interessant - mir geht es ganz genauso.
In meinen Gottesdiensten greife ich nur sehr, sehr selten auf vorformulierte Gebete zurück, eigentlich nur dann, wenn sie mir selbst auch etwas sagen oder wenn ich denke "besser hätte ich dies auch nicht formulieren können".
Ansonsten versuche ich nach Möglichkeit, meinen Dank, meine Zweifel und Hoffnungen, meine Bitten und Wünsche auch mit meinen eigenen Worten vorzubringen.
Wobei diese Art ja einen gewissen Zwang zum laut beten enthält.
Ich denke, dass dafür ein großes Maß an Vertrauen notwendig ist. Ein lange bestehender Hauskreis sollte den haben, aber ich hoffe, dass Du als erstmaliger Gast vorher ergebnisoffen gefragt wurdest, ob Du das auch möchtest. Das würde für mich in dieser Situation zwingend dazu gehören.
VG
Chey
Ein lange bestehender Hauskreis sollte den haben, aber ich hoffe, dass Du als erstmaliger Gast vorher ergebnisoffen gefragt wurdest, ob Du das auch möchtest. Das würde für mich in dieser Situation zwingend dazu gehören.
Ja, grünes Licht!
Das war so.
Chaos und Stress hat da keine Chance
Ja, und das ist ja die Voraussetzung für ein einfühlsames Zusammensein.
Veröffentlicht von: @sternVielleicht kannst du das mal so vorschlagen in deiner Gemeinde/Hauskreis, dass ihr da nicht überlegen müsst, sondern von vornherein die Reihenfolge festgelegt…und dann weiss auch jeder, dass er drankommt - und zwar auf jeden Fall.
Ich könnte mir vorstellen, dass das hilfreich wäre, in der Situation, wie du sie beschreibst.
Ich war früher in einem Hauskreis und da wurde das mit der Reihenfolge ähnlich gehandhabt.
Aber auch da hat dann nur gebetet, wer das auch wirklich wollte.
Bete doch einfach ein Ave Maria.
Sicher?
Ich persönlich, wie ich ihn einschätze, würde es zumindest nicht ausschliessen, dass Pankratius das ernsthaft meint. Aber nur er selbst könnte das natürlich beantworten.
Aber im Grunde genommen stimmt es ja: wenn du beim freien Beten immer ein "Repertoire" an festen Standardgebeten zur Verfügung hast, so entsteht diese Situation des nicht wissens, was gebetet werden soll, erst gar nicht.
Ich hab mich als Jugendliche irgendwann davon frei gemacht, dass ich irgendwas muss und beim Beten irgendwie unter Druck stehe. Und ich rede mir ein, dass das ganz genauso gilt, wenn ich ne Gottesdienstleitung habe, die einzige studierte Theologin im Raum bin (ja wir haben Gemeindemitarbeiter, die geben einem da ne Sonderrolle, warum auch immer. Ich bin nicht ordiniert und war nie im Pfarrdienst) oder sonst was ist. Wenn Gaube zu was performativem wird, dann ist was falsch.