Was kann Marx gegen...
 
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Was kann Marx gegen die Austritte tun?

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MikeFromMUC
Themenstarter
Beiträge : 265

Heute gibt es mehrere Berichte über Kardinal Marx, der sich erschüttert über die hohe Zahl der Kirchenaustritte zeigt. Zum Beispiel im Spiegel. Er fragt: Was kann ich tun?

Die Austritte betreffen ja nicht nur die katholische Kirche und den Kardinal Marx persönlich. Auch die evangelische Kirche leidet unter den Austritten. 

Was denkt Ihr: Was kann die Kirche tun, um wieder attraktiver zu werden? Speziell würde mich interessieren: Wie müßten Gottesdienste aussehen, damit wieder mehr Menschen am Sonntag gemeinsam Gottesdienst feiern?

 

 

In dem Artikel greift Kardinal Marx den Vorwurf auf, Gottesdienste würden als kraftlos und langweilig empfunden. Zufällig war ich gestern in einem katholischen Gottesdienst zu Besuch. Die Liturgie wurde in Rekordgeschwindigkeit von 35 Minuten durchgezogen. Anwesend waren hauptsächlich alte Leute. Die anwesenden drei Jugendlichen waren die Ministranten. Kinder waren keine da. Als wollte der Gottesdienst den Vorwurf bestätigen ...

Aber auch in meiner evangelischen Kirche springt der Funke selten über. Jugendliche sind nur da, wenn sie im Konfirmandenunterricht hin müssen. Für Kinder mußten wir erst den Kindergottesdienst selbst in die Hand nehmen, sonst gäbe es keinen mehr - aber der findet nur alle vier Wochen statt, und es kommen vor allem die Kinder der Kigodi-Mitarbeiter. Wenn es mehr als ein modernes Lied gibt, beschweren sich die Senioren über das neumodische Zeug. 

Ich habe einmal erlebt, wie es anders gehen könnte. Da war ich auf einer Sommerfreizeit bei den APIS in Schwäbisch-Gmünd. Die Mitarbeiter konnten die Bibel richtig gut erklären. Die Band spielte tolle Songs, die zum Mitsingen animierten. Ich frage mich oft, weshalb das dort klappt, aber nicht in den Gemeinden?

Der Umgang mit den Mißbrauchsfällen ist sicher ein Punkt für viele, auszutreten. Ich denke aber, daß es eher der Tropfen ist, der das Faß zum Überlaufen bringt, und daß es tiefergehende, persönlichere Gründe gibt.

Was würdet Ihr also dem Kardinal, bzw. den beiden großen, pardon: nicht mehr ganz so großen Kirchen raten? 

Antwort
49 Antworten
Lucan-7
Beiträge : 20227

@mikefrommuc 

Was würdet Ihr also dem Kardinal, bzw. den beiden großen, pardon: nicht mehr ganz so großen Kirchen raten?

Es gab auch früher schon die Idee, die "langweiligen" Gottesdienste etwas aufzupeppen, mit Rockbands oder dergleichen... aber ich denke nicht, dass das wirklich das Problem ist. Ein Gottesdienst ist ja kein Kinobesuch zu Unterhaltungszwecken.

Mein Eindruck ist, dass die Kirchen ein massives Glaubwürdigkeitsproblem haben. Sie schaffen es nicht mehr, die Menschen im Alltag abzuholen - und die Missbrauchsfälle haben diese fehlende Glaubwürdigkeit endgültig sichtbar gemacht.

So lange die Kirchen sich als eingeschworene Männervereine geben, deren Strukturen Missbrauch nicht nur möglich machen, sondern regelrecht fördern, so lange wird sich am Glaubwürdigkeitsproblem auch nichts ändern.

Die Kirche selbst kann da auch nichts mehr tun. Niemand glaubt an eine Aufklärung, an der ausschliesslich die Kirche selbst beteiligt ist. Die Kirche muss ihre Türen und Archive öffnen für staatliche Ermittler, die ohne Einschränkung allen Verdachtsfällen nachgehen kann. Die Kirche muss jedem Gläubigen gegenüber jederzeit Rechenschaft abgeben können, was genau hinter welchen Mauern geschieht, das heisst es gibt unabhängige Vertrauensleute, die regelmäßig berichten.

Die Kirche muss sich aber auch den Gläubigen selbst zuwenden, ihrem Alltag und ihrer Lebenssituation. Und zwar nicht nur von den Leuten vor Ort, die sich da in vielen Fällen sicher redlich Mühe geben - sondern auch in den oberen Etagen.

Persönlich sehe ich allerdings nicht, dass die Kirche das leisten wird. Dafür ist sie dann doch zu sehr wie eine politische Machtinstitution aufgebaut, die diese Privilegien kaum in Frage stellen wird.

 

lucan-7 antworten
4 Antworten
MikeFromMUC
(@mikefrommuc)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 265

Hallo @lucan-7 

 

Du hast recht mit dem Glaubwürdigkeitsproblem, was die katholische Kirche betrifft.

Warum ist die evangelische genauso betroffen? Das ist kein Männerverein. Ich kenne etliche Pfarrer und Pfarrerinnen mit Familie. Die kämpfen mit den gleichen Alltagsherausforderungen wie der "normale" Mensch. Auch die Amtskirche als hierarchische Institution ist schon wegen der vielen Landeskirchen weniger ausgeprägt. Mißbrauch gab es auch in der evangelischen Kirche, aber da kannst Du den Mißbrauch schlecht dem Zölibat und dem Männerverein anlasten.

Daß sich die Kirche stärker dem Alltag der Gläubigen zuwenden sollte, sehe ich auch so. 

Vielleicht ist die Frage falsch gestellt, was die Kirche tun muß. Gibt es etwas, was die Gemeinde selbst machen kann? Was würde wieder mehr Menschen ansprechen?

Während der Lockdowns fand ich zum Beispiel die Online-Angebote für Kindergottesdienst prima. Wir fanden uns plötzlich in einem Kigodi einer schwäbischen Gemeinde wieder. Schade, daß sie das nicht fortgeführt haben.

mikefrommuc antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 13 Jahren

Beiträge : 20227

@mikefrommuc 

Du hast recht mit dem Glaubwürdigkeitsproblem, was die katholische Kirche betrifft.

Warum ist die evangelische genauso betroffen? Das ist kein Männerverein.

Ich stecke da jetzt nicht so tief im Thema, ich vermute aber, dass die Gründe hier ein wenig verschieden liegen können.

Während die Katholiken durch die Missbrauchsfälle und die Undurchsichtigkeit an Glaubwürdigkeit verlieren, so machen sich die Protestanten durch das Anbiedern an den Zeitgeist unglaubwürdig. Ich denke, die versuchen einfach irgendwie offen für alles zu sein... und das verwässert letztlich deren Botschaft. In dem Punkt sind die Katholiken glaubwürdiger... nicht unbedingt theologisch betrachtet, aber zumindest bleiben die bei ihrer Lehre.

Vielleicht ist die Frage falsch gestellt, was die Kirche tun muß. Gibt es etwas, was die Gemeinde selbst machen kann? Was würde wieder mehr Menschen ansprechen?

Gute Frage. Vielleicht etwas mehr Einmischung ins aktuelle Geschehen? Nicht, dass ich mir das wünschen würde, im Gegenteil... ich bin Atheist, mir ist das recht so. Aber wenn es um die Frage der Glaubwürdigkeit geht, dann denke ich, dass damit auch eine klare Haltung einher gehen muss.

Auch dann, wenn man damit Gefahr läuft, vielen Menschen nicht zu gefallen - aber das ist ja genau die klare Linie, die auch die ersten Apostel gefahren sind: Hier ist die Lehre, wir haben einen klaren Standpunkt - ob der euch gefällt oder nicht, das liegt bei euch, wir werden ihn aber nicht euch zuliebe ändern, sondern einfach weiterziehen, denn das ist es, woran wir glauben.

Tja... und woran glaubt jetzt die protestantische Kirche? Wo steht sie gesellschaftlich?

Wenn man das wüsste, würde es vielleicht auch wieder mehr Menschen ansprechen...

 

lucan-7 antworten
Gorch-Fock
(@gorch-fock)
Beigetreten : Vor 8 Jahren

Beiträge : 1348

Hallo @lucan-7 

"Es gab auch früher schon die Idee, die "langweiligen" Gottesdienste etwas aufzupeppen, mit Rockbands oder dergleichen... aber ich denke nicht, dass das wirklich das Problem ist. Ein Gottesdienst ist ja kein Kinobesuch zu Unterhaltungszwecken." 

----------

Und wieso haben dann die neue moderne Freikirchen einen großen Zulauf von Jugendlichen? 

Dort gibt es neue Moderne Lobpreis Musik

 

gorch-fock antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 13 Jahren

Beiträge : 20227

@gorch-fock 

Und wieso haben dann die neue moderne Freikirchen einen großen Zulauf von Jugendlichen? 

Dort gibt es neue Moderne Lobpreis Musik

Ich kann mir nicht denken, dass es an der Musik liegt. ich denke, dass die Freikirchen oft einfach authentischer wirken, weil sich dort ja praktisch nur Leute finden, die wirklich überzeugt sind.

 

 

lucan-7 antworten


neubaugoere
Beiträge : 14719
Veröffentlicht von: @mikefrommuc

Gibt es etwas, was die Gemeinde selbst machen kann? Was würde wieder mehr Menschen ansprechen?

Es gibt etwas, was jeder Einzelne tun kann, denn eine Gemeinde ist auch nur die Summe der Einzelnen: Sich auf den Ursprung besinnen und sich wieder (kompromisslos) Gott zuwenden. 😌 Gott im Fokus haben, nicht sich selbst. (Ich rede nicht von psychisch Kranken oder oder.) Alles Große fängt mit jeder kleinen Entscheidung im eigenen Leben an ...

neubaugoere antworten
Gelöschtes Profil
Beiträge : 14155

@mikefrommuc 

hallo,

Jim Henderson, der Erfinder der Muppet Show soll gesagt haben.

"es gibt einen Gott, aber ich bin es nicht." Das ist eine von mehreren Antworten auf die Frage von Karl Marx.

Im Alltag lebe, rede, handle.....ich auch oft so, als ob ich Gott selbst wäre...

Wir machen uns Sorgen, ob wir die Kirche und die ganze Welt retten könnten, und halten uns

für unersetzlich................

Das ist ernüchternd, kann aber entlastend sein.....

So viele Diskussionen, aber vielleicht mehr mit Gott reden, mit anderen Menschen über ihn reden.

Wir sind nicht Gottes Chefberater..

 

liebe Grüße,

 

 

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Deborah71
Beiträge : 21165

@mikefrommuc 

Was würdet Ihr also dem Kardinal, bzw. den beiden großen, pardon: nicht mehr ganz so großen Kirchen raten?

Wenn der Wagen in einer Sackgasse steht, könnte Umkehren helfen. 😉

deborah71 antworten
13 Antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 3158

@deborah71 Der Vorteil solch vager Metaphern besteht ja darin, dass jeder reinlesen kann, was ihm/ihr behagt. Man bekommt obendrein bei wenig Aufwand viel Zustimmung, denn da so manche sie nach ihrer jeweiligen Facon interpretieren, halten so manche sie für durchaus tiefsinnig, weise oder gar geistreich.

Ob Herr Marx sie auch für so tiefsinnig hielte?

jack-black antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 21165

@jack-black 

Zum Beitrag

Ob Herr Marx sie auch für so tiefsinnig hielte?

Möchtest du mit ihm tiefsinnig darüber philosophieren? Ich hatte keine Anbsicht, Tiefsinniges zu formulieren, sondern einfach praktische Logik. Einfach wenden und eine andere Richtung einschlagen wird erst zielführend in der Praxis.

deborah71 antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 13 Jahren

Beiträge : 20227

@deborah71 

Möchtest du mit ihm tiefsinnig darüber philosophieren? Ich hatte keine Anbsicht, Tiefsinniges zu formulieren, sondern einfach praktische Logik.

Nun ja... im Grunde hast du nur gesagt, dass die Kirche halt irgendwas anders machen soll als bisher.

Dass das logisch, aber nicht sonderlich tiefsinnig ist ist tatsächlich kaum zu bestreiten...

 

 

lucan-7 antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 21165

@lucan-7 

Zum Beitrag

Die genialen Dinge sind immer einfach. Abgesehen davon steht es in der Schrift in der Apostelgeschichte: sinngemäß wiedergegeben> Kehrt um, dass von Gott Zeiten der Erquickung (Wiederbelebung) kommen.

Riesenprogramme bringen es doch nicht, oder verstärktes Entertainment. Inhalt ist gefragt.  Und da ist Etliches verschwunden im Laufe der historisch-kritischen Methode. Die Kraftebene ist unter die Räder geraten.

deborah71 antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 3158

@deborah71 Die Kraftebene ist unter die Räder geraten.

Und hinterm Horizont geht's tiefer durch dicke Bretter.

Diagnose: Metapheritis chronitis.

jack-black antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 21165

@jack-black 

Zum Beitrag

Was würdest du denn Marx raten? 

deborah71 antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 3158

@deborah71 Möchtest du mit ihm tiefsinnig darüber philosophieren?

Nö, aber der Threadersteller hatte gefragt, was man Marx raten könne.

Ich hatte keine Anbsicht, Tiefsinniges zu formulieren, sondern einfach praktische Logik.

Du wolltest praktische Logik formulieren? Im Unterschied zu - äh -  theoretischer Logik vielleicht?

Einfach wenden und eine andere Richtung einschlagen wird erst zielführend in der Praxis.

Zielführend? Ja klar, wenn man als Ziel "irgendwo anders" definiert, vielleicht.

Und dieses "einfach" ist auch nett formuliert. Klar, der Herr Marx hat's eigentlich total easy, man muss ihm das bloß klar machen: "Ey, machma wat andres, irgendwas, am besten (wenden) genau das Gegenteil von dem, watte bisher gemacht hast. Dann klappt das schon."

Solche hilfreichen Tipps werden ausserhalb der Saison in Schlaubergerhausen kostenlos verteilt. 😀

 

 

jack-black antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 21165

@jack-black 

Zum Beitrag

Du hast es messerscharf erfasst: Der Kopf ist rund, damit man umdenken kann. 😉 🤣 

deborah71 antworten
MikeFromMUC
(@mikefrommuc)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 265

@deborah71 Was bedeutet das? Den Weg der Kirche zurückgehen - bis zu welchem Punkt? Ich würde lieber weitergehen, aber eine neue Richtung einschlagen, bzw. überlegen, was ursprünglich das Ziel war.

mikefrommuc antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 21165

@mikefrommuc 

Das bedeutet, dass es so nicht weitergehen kann.

Den Weg der Kirche zurückgehen - bis zu welchem Punkt?

Bis zu dem Punkt, an dem die Oberleitung resp. Herr Marx das Warnschild übersehen hat und in die Sackgasse abgebogen ist. Der Heilige Geist berät ihn sicher gerne.

 

deborah71 antworten
MikeFromMUC
(@mikefrommuc)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 265

@deborah71 Hm, das ist mir zu kryptisch. Wann wäre das gewesen? Mit der Aufdeckung der Skandale? Nach dem Krieg? Luther? Noch früher?

Ich finde vor allem die Frage spannend, warum die evangelische Kirche genauso unter den Austritten leidet. Es kann also nicht (nur) das Trennende zwischen den Konfessionen sein, wie z.B. Papst, Zölibat, Männerverein. Es muß gemeinsame Probleme geben.

@GoodFruit schreibt etwas in die Richtung, nämlich daß sich die Kirche zu sehr von den einfachen Menschen abgewendet hat. Ich empfinde zum Beispiel die Sprache in Gottesdiensten auch oft als elitär, zu wenig "normal", wie man im Alltag spricht. Kann das ein Grund sein?

mikefrommuc antworten
Tamaro
 Tamaro
(@tamaro)
Beigetreten : Vor 7 Jahren

Beiträge : 1670

@mikefrommuc 

Ich finde vor allem die Frage spannend, warum die evangelische Kirche genauso unter den Austritten leidet.

Diese Entwicklung ist ja nun seit über 50 Jahren im Gange (Stichwort 68er-Kulturrevolution).

Das Hauptproblem der Landeskirchen ist sicher das, dass sie mit ihrer Lehre die Menschen nicht mehr erreichen. Die meisten Leute können mit der Kirche sowohl inhaltlich wie auch von der Form her kaum noch etwas anfangen. Das wird sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten wohl auch nicht gross verändern (ausser es würde ein Wunder geschehen). Im Gegenteil: durch die Altersstruktur in vielen Gemeinden wird sich das Problem noch mal krass akzentuieren.

Es kommen noch viele weitere Gründe hinzu: die Leute wollen ihre kostbare Freizeit an einem Wochenende nicht für einen Gottesdienstbesuch opfern. Viele sind von dort, wo sie aufgewachsen sind, entwurzelt und suchen sich an ihrem neuen Wohnort tendenziell eher keine Kirchgemeinde. Völlig überalterte Landeskirchen sind für junge Leute zudem alles andere als attraktiv. Ich finde und fand es seit jeher auch immer äusserst schwierig, in einer landeskirchlichen Gemeinde Kontakte zu knüpfen. Meine Ansicht war immer die, dass die Kirchen viel lebendiger und einladender sein könnten, wenn diesem letzten Punkt mehr Beachtung geschenkt worden wäre.

Die Landeskirchen haben mE auch die Entwicklung bzgl. Internet total verpasst. Mir ist kein einziges wirklich gutes und gut frequentiertes Angebot im deutschsprachigen Raum bekannt. Es gibt vielleicht ein paar wenige, da stecken jedoch Verlage oder Einzel-Initiativen dahinter, wie das hier bei jesus.de ja auch der Fall ist. Von den Kirchen selbst kommt da aber mE kaum etwas Brauchbares.

Das Problem wird sich zeitverzögert vermutlich je länger je mehr auch auf die Freikirchen ausweiten (resp. hat dies schon begonnen). Hatten diese bis zur ersten Hälfte der Nuller-Jahre noch von Quer-Zugewinnen der Landeskirchen profitiert, ist das seither wohl nicht mehr nennenswert der Fall. Ein Indiz für diese Entwicklung ist dasjenige, dass es kaum noch Gemeindeneugründungen gibt. Während es ab den 1970er Jahren als Auswirkung der Jesus-People-Bewegung noch viele Neugründungen gab (in Europa u.a. Vineyard, New Life, ICF, Hillsong usw.), hat es nun schon sehr lange keine neue Gemeinde-Bewegung mehr gegeben, welche die neue Generation von Jugendlichen besonders angesprochen hätte.

Wem ich eine gewisse Überlebenschance zutraue, ist dem rechtskonservativen Evangelikalismus angelsächsischer Prägung. Vielleicht wird diese christliche Strömung nebst der Ostkirche und der RKK im lateinsprachlich geprägten Raum (Spanisch, Portugiesisch, Französisch) und dem afrikanischen/ostasiatischen Raum die Zukunft des Christentums bilden.

 

tamaro antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 21165

@mikefrommuc 

Zum Beitrag

Es gibt sicher ein gemeinsames Problem und damit eine gemeinsame Aufgabe.

goodfruit hat schon auf etliches den Finger gelegt.

Was mich schon vor ca. 35 Jahren deutlich gestört hat, als ich bewusst die Bibel begann zu lesen: Wo ist die Kraft Gottes geblieben? Ich hatte ein Büchlein von Martin Luther über den Heilungsauftrag gelesen, das mir der lutherische Küster geliehen hatte. Ich sagte zu ihm: woran mag es liegen... die Leute gehen krank und die Kirche und kommen krank wieder heraus. Er meinte dazu: wenn der Pastor es nicht glaubt, wird es nicht umgesetzt.  Da ich im Gesundheitswesen arbeitete, war mir natürlich dieses Thema sehr nahe.

Da ist einfach ein Bruch zwischen Theorie und Praxis.

deborah71 antworten
GoodFruit
Beiträge : 2375

Die Kirchen verstehen sich als Fortführung der Urgemeinde in Jerusalem. Und wenn da eine neue Kirche entsteht, dann ist es ihr meist wichtig, auf ein Angeschlossen sein an die Sukzession von der ursprünglichen Kirche her verweisen zu können. Bei den großen Kirchen ist das auf jeden Fall gegeben.

Die Kirchen sind der Ort, wo Gottes Wort verkündet wird, von wo aus das Evangelium gepredigt wird und vielleicht auch nach draußen getragen wird und es sind die Gemeindeglieder, Menschen, die Gottes Wort lebendig machen, auf das Wort, auf Jesus schauen und es ihm dann nachmachen.

Das wäre für mich vom Grundgedanken her das Ideal.

Dieses Ideal ist allerdings gestört und wenn ich ein Problem der Kirchen heute sehe, dann ist es ein Problem, das Jesus seinerzeit bei den Pharisäern vorfand und das zur Voraussetzung werden kann, dass Kirchen von der gesellschaftlichen Elite zur Knechtung der Bevölkerung missbraucht wird.

Zur Zeit Jesu war es so, dass die römische Republik grade aus einer Krise entkommen war. Einer Zeit von Bürgerkriegen und gesellschaftlichem „drunter und drüber“ setzte Kaiser Augustus ein Ende, indem er das Parlament nicht auflöste, aber quasi entmachtete. Er etablierte ein Spitzelsystem und es gab Gesetze wie z.B. das Ehegesetz, das geeignet war, etwaige Emporkömmlinge zuverlässig auszumerzen, bevor sie der Elite zu nahekamen. Augustinus war ein totalitärer Herrscher, der mit großer Kälte und Härte regierte. Was die religiösen Gemeinschaften in den Provinzen anging, so wurden Leitungsposten (bei den Juden die Position des Hohepriesters) meistbietend versteigert und für den Besuch der Versammlungsstätten oder heiligen Orte wurde eine Abgabe erhoben – auch Jesus zahlte die Tempelsteuer, wenn auch widerwillig.

Die Pharisäer mit ihrem sehr gesetzlichen und zugleich richtenden Ansatz waren natürlich für so einen Ansatz der ideale Partner des totalitären Staats und so wird dann Jesus ja auch hingerichtet, weil man seinetwegen Ärger mit den Römern befürchtete (zumindest wurde das als Argument verwendet). So ein Ansatz aber führt von Gott weg und eine Intention von Jesus war auch, dies klarzustellen. So predigte er Gnade (7x70 mal), weigerte sich die Ehebrecherin zur Steinigung zu verurteilen, indem er deutlich machte, dass alle Sünder sind, alle die Gnade bedürfen und daher keiner das Recht hat, einen anderen zu verurteilen. Jesus buhlte nicht um Nähe mit den Stützen der Gesellschaft, sondern er wandte sich den Armen, den Kranken, den Sündern zu. Die Theologie der Pharisäer ist ein klassisches Beispiel für eine Kirche, die aus dem Willen Gottes herausgefallen ist und anderen Mächten dient. Auch wenn die Pharisäer vielleicht in erster Linie sich selber dienten, so war doch ihre Theologie bestens geeignet, sich von der römischen Gewaltherrschaft missbrauchen zu lassen und es war Jesus, der von diesem falschen Weg weg - hin zurück auf einen gottgefälligen Weg führte.

Wenn wir in die Kirchengeschichte schauen, so werden wir bemerken, dass diese Ausrichtung schon bald verloren ging. Spätestens mit Kaiser Konstantin, der konstantinischen Wende, war zwar die Christenverfolgung zu Ende – aber die Christen hatten sich in vom römischen Kaiser vorgegebenen Rahmen zu bewegen – mit einer Kaiserkrönung nachempfundenen Liturgie, mit Kirchen in der Form reichlich ausgestatteter Prunkbauten und einer Theologie, wie sie dem Kaiser gefiel. Der Talar der Pastoren erinnert übrigens noch an die Dienstbekleidung römischer Beamter. Auch wenn ich dem Kaiser Konstantin keine Böswilligkeit unterstellen will, so hat er doch das Christentum in einer Weise geprägt, dass die urchristliche Kultur verloren ging.

Damit wurde die Ausrichtung der Gemeinden eine andere und im Grunde genommen hat sich an diese Problematik seither nichts geändert. Mit einem Unterschied: heute ist die Kirchenmitgliedschaft nicht mehr gesellschaftlich verpflichtend.

Haben wir Kirchen, in denen das Evangelium in seinem befreienden Charakter deutlich wird? Ist die Botschaft wirklich eine frohe Botschaft – oder wird hier nicht einer Gesetzlichkeit gefrönt, von der eben uns Jesus doch grade befreien wollte und mit seinem Tod am Kreuz auch befreit hat?

Ich kann mir nicht helfen, aber ich habe den Eindruck, dass dieser satanische Kindesmissbrauch, den wir nicht nur in vielen Kirchen sondern z.B. auch bei der Kinderlandverschickung hatten, politisches Instrument war, um Menschen psychisch zu brechen, sodass sie für die Stützen der Gesellschaft keine Gefahr mehr darstellten. Wie gesagt: ein Eindruck, ein unguter Verdacht, den ich darauf gründe, dass es nicht nur Einzelfälle mit sexuell entgleistem Personal gab, sondern die Sache so verbreitet war, dass man ein System fast schon zwingend annehmen muss um das Ausmaß und die Deckung, die die Täter im System erhielten und immer noch erhalten, erklären zu können. Vergessen wir nicht, dass es in Deutschland schon ganz üble politische wie moralische Entgleisungen gab, die teilweise länger nachwirken, als wir es wahrhaben wollen, die uns grade auch als Christen aber verpflichten, da wachsam zu sein und dem den Weg Gottes entgegenzustellen.

Wenn die Kirche morgen noch sein will, dann tut sie gut daran, sich den Menschen, grade auch den eher einfachen Menschen, zu öffnen und ihnen wirklich nahe zu sein. Ich war einmal in einer Gemeinde, wo gesellschaftliche Eliten sehr willkommen waren und man mit den einfachen Menschen nichts anzufangen wusste. Vielleicht ist es auch hinderlich, dass die Pfarrer mit ihrem hohen Gehalt sich dann eher den Honoratioren zugehörig fühlen statt dem kleinen Kirchgänger, dem Arbeiter, dem Bauern, der Schneiderin, dem Friseur, dem Arbeitslosen oder dem Rentner. Ich will hier nicht aus der Position des Neides argumentieren, sondern mit Blick auf den Konsequenzen, die sich aus der finanziellen Position des Pfarrers ergibt. Und als man vor vielen Jahren hier das Gehalt entsprechend angehoben hat (in früheren Jahren war das Pfarrerdasein eher armselig), da tat man das ja grade mit der Begründung, dass man die Honoratioren erreichen wollte. Die Mission ist geglückt – was der Ausrichtung, die Jesus als Vorbild hat, allerdings zuwiderläuft.

Gott kann lebendig in Gemeinden hineinkommen – auch in Deutschland.

Ich erinnere mich an einen Jugendkreisleiter, der seine Geschichte auf YouTube publik gemacht hat (ich habe das vor vielen Jahren einmal auf Jesus.de verlinkt – ich finde den Beitrag allerdings heute nicht mehr). Der hatte einen widerwillig einen Jugendkreis angenommen, in dem an sich nichts los war. Und dann kam eine lokale Streetgang – so richtig die ganz harten – in diesen Jugendkreis. Diese jungen und in theologischer Sicht komplett unvorbelasteten jungen Menschen nahmen Gottes Wort so, wie sie es in der Bibel lasen. Kein Gedanke an „so etwas kann Gott nicht“ oder dergleichen. Man las es und ging davon aus, dass es so sei und man verließ sich voll darauf. So zog man dann auf eine Zeltlagerfreizeit, obwohl schlimmstes Unwetter angekündigt war. Das Unwetter kam – allerdings nicht auf die Wiese, wo diese Gruppe zeltete. Am Rande der Wiese war der Regen wie abgeschnitten. Und über ihnen war Sonne. Das war nur eins der Wunder, die diese Jugendgruppe erleben durfte – und die Kids waren immer noch dieselben, tranken Bier und hatten das Klappmesser in der Tasche …

Welche Perspektive leite ich daraus für die Kirche ab?

Ich meine, dass die Kirche nur überleben kann, indem sie ihre Ausrichtung klar auf die Menschen – und insbesondere die Menschen in Not, die eher einfachen Menschen und überhaupt alle Menschen, die Menschen lieben, können, weil sie Menschen, Kinder Gottes sind – und nicht, weil sie in der Gesellschaft etwas darstellen. Unter einer Dienstbarkeit der Kirche für gesellschaftliche Eliten muss ein Schlussstrich gezogen werden. Sie darf nicht länger zum Knechten der Bevölkerung dienen, sondern muss sich ausschließlich auf den Bau des Himmelreichs ausrichten. Das wäre dann eine gänzlich andere Kirche, bei der Jesus wirklich in der Mitte wäre. Und ich würde mich nicht wundern, wenn nicht diese Kirchen eine Dynamik erleben würden, wie dies in frühchristlichen Kirchen auch schon einmal der Fall war: Apg2:

40 Noch mit vielen andern Worten bezeugte er das und ermahnte sie und sprach: Lasst euch erretten aus diesem verkehrten Geschlecht! 41 Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen; und an diesem Tage wurden hinzugefügt etwa dreitausend Menschen. 42 Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. 43 Es kam aber Furcht über alle, und es geschahen viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. 44 Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. 45 Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. 46 Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen 47 und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.

goodfruit antworten
11 Antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 13 Jahren

Beiträge : 20227

@goodfruit 

Dieses Ideal ist allerdings gestört und wenn ich ein Problem der Kirchen heute sehe, dann ist es ein Problem, das Jesus seinerzeit bei den Pharisäern vorfand und das zur Voraussetzung werden kann, dass Kirchen von der gesellschaftlichen Elite zur Knechtung der Bevölkerung missbraucht wird.

Ich nehme an, du meinst mit diesen "gesellschaftlichen Eliten" die entsprechenden Leiter der Kirchen...?

Sonst ergibt es nämlich nicht viel Sinn.

lucan-7 antworten
GoodFruit
(@goodfruit)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 2375

@lucan-7 Nein, Lucan, natürlich meine ich generell die gesellschaftlichen Eliten - wobei mächtige Kirchenverbände bzw. deren Vertreter natürlich mit dazugehören können. Es waren immer die Machthaber, die Fürsten, die Kaiser und Könige und ihre lokalen Vertreter, die sich gerne theologischer Verbiegungen und geistliche Vertrauenspersonen im Volk (Pastoren) bedienten, um ein gefügiges Volk zu bekommen. Jede Region hat auch geistliche Prinzipalitäten, Persönlichkeiten, die die Geschicke in einer Region maßgeblich bestimmen. Die bedienen sich natürlich auch gerne der Kirchen, um freies Denken einzudämmen, den Heiligen Geist zu dämpfen, Angst zu verbreiten, indem man das Evangelium so verdreht, dass die daraus ableitbare Heilsgewissheit für die gläubigen Christen gar nicht erst aufkommt.

So eine Kirche ist natürlich nicht attraktiv und sie ist geistlich ja sogar fehlleitend. Die braucht niemand und in Zeiten, in denen Kirchenzugehörigkeit kein gesellschaftliches Muss mehr ist, ziehen dann viele Konsequenzen.

Überleben kann die Kirche nur, wenn sie sich ihres Fundaments besinnt und über Lernen von Jesus in eine Position hineinkommt, wo sie dann ihrerseits eine geistige Macht formieren kann, die lokal nicht mehr so leicht zu übergehen ist.

Nimm nur mal das Buch "Mit Gott die Welt verändern" von John Eldrege. Da lernst Du beten, sodass Dein Gebet vollmächtig wird, sodass es einen Unterschied macht und Du mit geistlich die Realität Deiner Region prägen kannst. In welcher Kirche bekommt man das vermittelt? Es ist schön, wenn das einzelne Christen verinnerlichen und praktizieren - es wäre Ziel der Kirche, dass ganze Gemeinden das tun. Was meinst Du, wie attraktiv solche Gemeinden wären und wie gut es den Menschen in den Regionen, wo so vollmächtig Salz und Licht hineinkommt, werden würden?

goodfruit antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 13 Jahren

Beiträge : 20227

@goodfruit 

Nein, Lucan, natürlich meine ich generell die gesellschaftlichen Eliten - wobei mächtige Kirchenverbände bzw. deren Vertreter natürlich mit dazugehören können. Es waren immer die Machthaber, die Fürsten, die Kaiser und Könige und ihre lokalen Vertreter, die sich gerne theologischer Verbiegungen und geistliche Vertrauenspersonen im Volk (Pastoren) bedienten, um ein gefügiges Volk zu bekommen.

Natürlich gibt es da Überschneidungen, etwa indem sich Politiker religiöser Floskeln bedienen, um Wählerstimmen zu bekommen.

Aber so wie du es hier schreibst klingt das schon eher nach Verschwörungserzählung, sorry. So lange du da nicht konkrete Namen und Ereignisse nennen kannst kann ich das kaum ernst nehmen.

 

 

 

lucan-7 antworten
GoodFruit
(@goodfruit)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 2375

@lucan-7 Lucan, ich spreche hier weniger von der Politik heute als wie vielmehr von den Jahrhunderten seit Christi Geburt. Schon in der Zeit Jesu gibt es ein gewisses Verhältnis zwischen religiöser Elite und Besatzermacht.

In Johannes 11 lesen wir: 48 Lassen wir ihn gewähren, dann werden sie alle an ihn glauben, und dann kommen die Römer und nehmen uns Tempel und Volk. 

Die religiöse Führung war offensichtlich für die Ruhe und Ordnung im Land verantwortlich - sonst würde dieser Satz keinen Sinn machen.

Kaiser Konstantin setzte eine gewisse Religionsfreiheit durch, was ein großer Fortschritt für die bis dahin oft hart verfolgten Christen darstellte. Aber er prägte die Kirche, brachte den Sonnengott (Sol invictus) mit ein und so wurde der Feiertag dann auch der dem Sonnengott geweihte Tag - der Sonntag. In einem Wikipedia Artikel zur Christenverfolgung im römischen Reich kann man lesen:

Überhaupt ist umstritten, wie stark das Christentum Konstantins Gesetzgebung beeinflusste. 324 wurde er unbeschränkter Alleinherrscher und versuchte nun, die gescheiterten Staatsreformen seiner Vorgänger durchzuführen – nicht mehr gegen die Kirche, sondern mit ihrer Hilfe.

Das Christentum sollte offenbar zunehmend die Funktionen der alten Kulte übernehmen und göttliche Unterstützung für das Imperium Romanum bewirken. Nur wenn die Kirche organisatorisch und theologisch geeint war, konnte sie die Staatseinheit stützen. Dazu griff der Kaiser – als Pontifex Maximus – nun auch aktiv in ihre inneren Angelegenheiten ein.

Der Einfluss Kirche - Macht ist aber auch ambivalent. Man denke nur an die Schrift "Der Gottesstaat" von Augustinus, wo die Grundzüge des mittelalterlichen Denkens angelegt sind - inklusive der Vorstellung davon, wie der Staat und staatliche Führung auszusehen habe.

Die Kirche wird darüber selbst zur weltlichen Macht, die Kriege führt - man denke nur an die Kreuzzüge und mehr und mehr in eine Dekadenz der Führungseliten gerät, was als Problem generell immer mal wieder auftreten kann.

Luthers Reformation war nicht allein eine theologische Neuorientierung, sondern mit politischen Änderungen verbunden. Die Menschen waren katholisch oder evangelisch, je nachdem auf welche Seite sich ihr Landesfürst geschlagen hatte.

Dass Religion als Machtinstrument missbraucht wird, ist übrigens kein rein christliches Problem:

https://www.pro-medienmagazin.de/spiegel-wie-glaube-als-machtinstrument-missbraucht-wird/

Jesus hat nie Rebellion gegen politische Führung gepredigt. Damit ist das Christentum ganz natürlich und ohne Verfälschung eine Religion, die nicht den Konflikt mit der Macht sucht. Christen beten für ihre Herrscher und sie segnen sie auch. Problematisch wird es aber, wenn theologische Inhalte ein Mindset vermitteln sollen, dass der politischen Führung in besonderer Weise entgegenkommt - z.B. um den braven, fleißigen, sparsamen und eifrigst um Gesetzestreue bemühten Bürger zu kreieren.

Hier hatte die Kirche eine gesellschaftliche Aufgabe, die sie auch für die politische Führung förderungswürdig machte. Heute ist diese Aufgabe ja nur noch sehr bedingt da (zumindest in Deutschland). Um diese Aufgabe zu erfüllen, mussten die Kirchen sich ein Stück weit vom Evangelium entfernen - denn eine Gottesbeziehung, die angstfreie Bürger zur Folge hatte, war den Herrschern unangenehm. Da nun aber die weltliche Aufgabe gefallen ist, ist der Weg frei in eine Rückbesinnung auf das Evangelium in der ganzen Breite und Tiefe seiner Botschaft. Hier liegt die Chance der Kirche.

goodfruit antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 13 Jahren

Beiträge : 20227

@goodfruit 

Lucan, ich spreche hier weniger von der Politik heute als wie vielmehr von den Jahrhunderten seit Christi Geburt. Schon in der Zeit Jesu gibt es ein gewisses Verhältnis zwischen religiöser Elite und Besatzermacht.

Historisch gesehen war die Kirche eine (fast) rein politische Machtorganisation. Das wirkt sich heute noch auf manche Strukturen aus, ist aber nicht so wirklich zu vergleichen.

Ich weiss also nicht, wie das hier weiterhelfen soll...

 

 

 

lucan-7 antworten
Gelöschtes Profil
(@deleted_profile)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 14155

@goodfruit 

lieber goodfruit,

als eher einfacher Mensch, gerade mal Hauptschule gepackt, war ich auch durch viele verschiedene Arbeitsstellen

in unterschiedlichen Gemeinden. Von charismatisch bis streng pietistisch....

Jetzt gehe ich in eine ganz normale Landeskirche. In Freikirchen tat ich mich eher schwer. Weil es

da laut meiner Erfahrung mehr um Wissen geht, wer kann was besser, mehr um Macht ging.......

Und weil da nicht ganz so viel diskutiert wird, was richtig ist und was falsch ist.

Ich mag klare einfache Lehre. So klar und verständlich, das auch der eher einfache Mensch sie begreifen,

behalten, umsetzen, weiter geben kann.

Brücken bauen zwischen Menschen. An das Leben der Menschen anknüpfen, Einfühlungsvermögen

zeigen. Den Weg zum Glauben, zu Christus so deutlich, klar und einfach wie nur möglich zu machen.

Offener, ehrlicher und wertschätzender Umgang miteinander. Klar zum Leben mit Gott aufrufen,

zur Versöhnung und Vergebung. Und ganzheitlich den Glauben leben. Mit Körper, Seele und

Geist. Fakten und Hintergründe des Glaubens aufzeigen.

Auch eine gewisse Gelassenheit leben. Ohne psychologischen psychologischen Tricks, ohne

Manipulation. Darauf vertrauen das Gottes Liebe und Kraft ausreichen......

Natürlichkeit finde ich ganz wichtig. Die neuen Medien sind gut, du kannst sogar über das

Internet mit Menschen in Amerika frühstücken. ........Aber, es gab noch nie so viele einsame

Menschen wir zu unserer Zeit.

Wir neigen auch in der Kirche zu Gesetzlichkeit. Wiederverheiratung, Rechsstreit.........

Wir stellen Regeln auf, und wollen klare Verhältnisse, damit Menschen wissen, wo es lang geht.

Du musst funktionieren......blind gehorchen.......

Kein Mensch ist perfekt, so viele Fragen, Antworten, wer hat Recht...........wer nicht....

Die guten Worte, Impulse von Gottes Worten, in unsere heutige Zeit und Beziehungen hinein.

Die Bibel im Mittelpunkt, der weltweit beste Beziehungsratgeber.

 

liebe Grüße,

 

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GoodFruit
(@goodfruit)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 2375

@hundemann Hallo Hundemann,

Du hast es erfasst und Dir kann ich nur sagen: Mach weiter so!

Mit Christus zu leben bedeutet nicht: frommer Stress, Verurteilen und verurteilt werden, Selbstgeißelung und dergleichen mehr.

Es bedeutet, mit dem Herrn zu leben und wach zu sein für Impulse des Heiligen Geistes. Und dann bereit zu sein, diese in die entsprechenden Taten umzusetzen.

Es bedeutet ganz naiv auf den Herrn zu vertrauen und sich keine Sorgen zu machen - dafür aber alles zu erhoffen, was überhaupt nur möglich ist und vielleicht sogar darüber hinaus.

Es bedeutet auch, Gemeinschaft zu haben und sich danach auszustrecken - das ein Punkt, der bei mir kaum unerfüllter sein könnte ...

goodfruit antworten
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(@deleted_profile)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 14155

@goodfruit 

lieber goodfruit,

Danke, ja ich finde es auch besser, sich nicht so sehr auf Methoden zu verlassen, sondern großes

Vertrauen in das Wirken Gottes,  des Heiligen Geistes zu setzen. Gemeinsam leben, wachsen, Probleme

lösen, Beziehungen. Und das in die Umgebung der Kirche ausstrahlen................................

Oft aber erfährt man mehr selbst Unsicherheiten, Versagen...........

Pläne, Methoden, Strategien.......Manchmal auch Gewalt, dann wieder sanftere manipulierende

Methoden....Die mögen kurzfristig Erfolg bringen........

Unsere Leistungsgesellschaft, wo es überwiegend um Leistung geht, macht auch vor den

Toren der Kirche nicht Halt..........Deshalb macht man oft sein eigenes Ding, ein wirkliches

Einswerden mit der seiner Kirche fällt nicht immer leicht.....

Doch trotz allen negativen Dingen darf man die guten Seiten nicht vergessen.

Den ganzen Bereich der Diakonie, Telefonseelsorge , Fairteiler usw, 

Natürlich waren bei den Urchristen andere Rahmenbedingungen. Leben teilen.........

Trotzdem, mutig sein und bleiben, durch den Glauben an Christus. Ohne diesen Glauben

helfen die besten Methoden nichts. Auch Vorbilder können helfen wie Paulus usw.......

 

liebe Grüße.

 

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Tamaro
 Tamaro
(@tamaro)
Beigetreten : Vor 7 Jahren

Beiträge : 1670

@goodfruit 

Wenn die Kirche morgen noch sein will

 

Das wird sie wohl schon noch so knapp, denn derzeit sind die Mitgliederzahlen der RKK weltweit ja steigend und stehen bei 1,36 Milliarden.

 

Mitgliederzahlen RKK per 31.12.2020 (Quelle: de.statista.com)

Mitgliederzahlen RKK 2020 (Quelle: vaticannews.va)

(Den zweiten Link poste ich um zu belegen, dass die Mitgliederzahlen steigend sind)

 

dann tut sie gut daran, sich den Menschen, grade auch den eher einfachen Menschen, zu öffnen und ihnen wirklich nahe zu sein

 

Meinst du damit vielleicht sowas in der Art?

Katholische Hilfswerke (Quelle: staatslexikon-online.de) Gelistet unter Punkt 2

 

 

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(@deleted_profile)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 14155

t@tamaro 

lieber tamaro,

alles im Leben hat was mit unseren Beziehungen zu tun. Auch die Kirche in der ich gehe.

Weil jeder Mensch im Leben nach guten Beziehungen sucht, sehnt..Gegenseitiges Verstehen, helfen,

Liebe, Annahme, Wertschätzung.................Warum schreibe ich hier im Forum.

Gott sagt, IHN lieben, mich selbst, und aus dieser Liebe andere Menschen.

Und da gehört auch die Diakonie dazu. Oder Seniorenkreise, Bibelkreise, gemeinsam

wandern , gemeinsam Musik machen..Und wenn das gelebt wird, dann hat die Kirche, oder andere christlichen Gemeinden eine Chance.

Und das keine Unterschiede gemacht werden zwischen Bildung, arm oder reich usw.

Sich wieder mehr auf den Ursprung besinnen. Christus hat ganz einfach gelebt, seine

Mitarbeiter waren Fischer..........

So einfach, und heute so schwer zu leben.....

Natürlich können wir die Zeit nicht zurück treten, aber Grundwerte können bleiben.

 

liebe Grüße,

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GoodFruit
(@goodfruit)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 2375

@tamaro Die RKK ist eine riesige Kirche. Irgendwer hat mir mal gesagt: die RKK hat einen großen Bauch - da passt viel rein. Gemeint war: Innerhalb der Kirche haben sehr, sehr viele geistige Strömungen, Frömmigkeitsstile, Formen an Gemeinschaften etc. ihren Platz. Es gibt Grenzen und Grenzüberschreitungen werden dann oft auch öffentlich diskutiert - insbesondere, wenn es zu Kirchenausschlüssen kommt.

Von der generellen Problematik christlicher Kirchen - und da sind die meisten Dinge passiert, bevor es überhaupt zu den Aufspaltungen in West-Ostkirche oder später der Abspaltung der Protestanten kam - hatte ich ja geschrieben:

- Vereinnahmung durch staatliche Einflüsse und Zwänge seit Kaiser Konstantin mit extremen Ausprägungen, wo Kirche selber die politische Macht stellte (das Papsttum im Mittelalter). Bei uns blieb der Einfluss der Politik auf die Kirchen zumindest bis zu der Zeit, wo lokale Fürsten die Konfession der Bürger bestimmten, wesentlich.

- Vereinnahmung von lokalen ursprünglich nicht-christlichen kulturellen Elementen, die dann verchristlicht wurden, aber oft auch den Geist der ursprünglich heidnischen Quelle bewahrten. Ich denke hier an bestimmte Marienvorstellungen (schwarze Madonna), das Weihnachtsfest als umgedeutetes Wintersonnenwendfest, den Sonntag, der als der Sonne (sol invictus für Konstantin neben Christus größter religiöser Fixpunkt) geweihter Tag den Sabbat ersetzte.

- theologische Vorstellungen, die sich mehr an philosophischen (insbesondere platonischen) Prinzipien orientierten als an die Worte Jesu (z.B. bei Augustinus).

All das sind Dinge, die dazu führen, dass die Kirche nicht mehr rein auf das Himmelreich und dem Bau des Himmelreiches fokussiert sind. Und die Kirchen selbst sind gewiss nicht das Himmelreich!

Ich habe bei meinem Posting ins Besondere an unsere Verhältnisse in Deutschland gedacht. Da ist die Kirchenzugehörigkeit rückläufig:

https://www.kirchenaustritt.de/statistik/religionszugehoerigkeit

Ich kenne die katholische Kirche zu wenig, um da abschätzen zu können, wie groß die Probleme wirklich sind. Wer in einer Gemeinschaft ist, in der er Bau von Himmelreich erlebt und daran beteiligt ist, der wird sich kaum von Problemen seiner Kirche andernorts beeinflussen lassen. Ich hatte mal Kontakt mit der Fokular Bewegung (gegründet von Chiara Lubich) und konnte dort wirklich aufrichtige und hingegebenen Geschwister im Glauben kennenlernen.

Es hängt immer von den lokalen Gegebenheiten ab und ob es dort Menschen gibt, die sich wirklich auf Jesus und dem, was seine Worte und Taten uns sagen, einlassen wollen, die wirkliche Nachfolger werden. Zu welcher Kirche oder Denomination die Gemeinschaft gehört, ist da mehr oder weniger egal, denn die Richtung kommt ja aus der Bibel.

Wo immer ich aber Kirchen habe, die meinen Menschen mit modernen Management-Konzepten gewinnen zu können, die sich dem Zeitgeist anpassen, um ja niemanden zu nahezutreten und damit abzustoßen (ich denke da an die ganzen woken Anpassungen), da kann man was bauen - aber man baut da am Ziel vorbei. Das nutzt nichts und Bestand haben wird es auch nicht.

goodfruit antworten


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