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Fatshaming oder berechtigite Kritk an ungesundem Lebenstil.

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Arcangel
Themenstarter
Beiträge : 3430

Ich habe vor 6 Jahren noch 167kg gewogen, aktuell bin ich bei 135kg (habe während Corona leider wieder etwas zugenommen) und (wieder) auf dem absteigenden Ast was mein Gewicht betrifft. In letzten 6 Jahren habe ich viel gelernt über Stoffwechsel, Hormone und Vegetativen Nervensystem und dass Übergewicht, mehr eine Krankheit als bloss ein falsches Verhalten ist (eine Krankheit die man Heilen kann). Deshalb habe ich viel Sympathien für Adipositas Kranke, die sich ihrer Krankheit hilflos ausgeliefert sehen (so deren Wahrnehmung) und denen die Medizin nicht wirklich helfen kann, ausser sie mit Medikamenten vollzustopfen, um die Folgeschäden mehr schlecht als Recht zu lindern.

Ich durfte in den letzten 6 Jahren lernen, wie man das richtige Fett verliert, was funktioniert, was nicht und wo die Stolperfallen sind und dass nicht alles was bei mir funktioniert auch bei jedem anderen funktioniert (dennoch werden die gleichen Mechanismen auch bei den allermeisten Menschen funktionieren)

Was ich aber immer häufiger begegne und damit sind wir beim Thema dieses Threads. Sind Artikel die gegen das Fatshaming schreiben, und Übergewichtig sein als etwas Positives darstellen, mit denen Menschen einfach genauso gut leben können und die Gesellschaft am besten die Fresse zu halten hat.

Ich kenne den Unterschied in Lebensqualität von 167kg und 123kg (mein tiefstes Gewicht), ich glaube schlicht niemanden der adipös 2. Grades ist das, dessen Lebensqualität grossartig ist. Gleichzeitig kann ich das Anliegen verstehen, ich habe einige Kontakte zu Freunden abgebrochen, weil ich ihre ständigen Kommentare darüber, was ich denn einfach alles tun respektive nicht soll, einfach nicht mehr hören kann. Ich weiss, dass es einigen meiner Leidensgenossen ähnlich geht, manche haben kapituliert, manche ignorieren das Problem und andere verzweifeln. Ich bin deshalb selbst etwas hin- und hergerissen, zwischen guten Rat"Schlägen" zu geben und die Fresse zu halten.

Wie geht es euch dabei so, was ist hilfreich und was nicht?

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Tagesschimmer
(@tagesschimmer)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 1009
Veröffentlicht von: @arcangel

Ich habe vor 6 Jahren noch 167kg gewogen, aktuell bin ich bei 135kg (habe während Corona leider wieder etwas zugenommen) und (wieder) auf dem absteigenden Ast was mein Gewicht betrifft.

Wow, da hat du wirklich was geleistet!

dennoch werden die gleichen Mechanismen auch bei den allermeisten Menschen funktionieren

Sicher? … oder machst du hier den gleichen Fehler wie Menschen, die Übergewichtige verurteilen, weil ihre Situation eine andere ist. Von Übergewichtigen hört man, das manche schon in der Kindheit dick waren, andere haben sich viel bewegt und später weiter gegessen wie früher, bei manchen haben hormonelle Veränderungen stattgefunden, die aufs Gewicht geschlagen haben, manchmal ist es Schlafmangel, für den es wieder viele Ursachen gibt, für manche ist Essen zu einem Bewältigungsmechanismus geworden, manche haben kein Hungergefühl… 

Was ich aber immer häufiger begegne und damit sind wir beim Thema dieses Threads. Sind Artikel die gegen das Fatshaming schreiben, und Übergewichtig sein als etwas Positives darstellen, mit denen Menschen einfach genauso gut leben können und die Gesellschaft am besten die Fresse zu halten hat.

Ich kenne den Unterschied in Lebensqualität von 167kg und 123kg (mein tiefstes Gewicht), ich glaube schlicht niemanden der adipös 2. Grades ist das, dessen Lebensqualität grossartig ist.

Eine 50jährige, 165 cm, mit 100 kg hat auch Adopositas 2. Davon kenne ich einige und würde sagen, dass sie zwar eingeschränkt sind, aber nur gering. (Statt Joggen lieber walken, schwimmen, moderate Mehrausgaben bei der Kleidung) Ich denke, je mehr man von der Norm abweicht, umso schwieriger wird es. Jeder Mensch hat da sein persönliches Maß, das er noch gut erträgt.

Ich habe pro Kind ca. 10 kg zugenommen, die nicht mehr weggegangen sind. Es war sehr schwer, die Familie durchzubringen, aber ich habe es ganz gut hinbekommen. Die Alternativen waren alle schlechter: Zusammenreißen - bis auf Äußerste ausgereizt, mehr Hilfe finden - dafür reichten meine sozialen Kompetenzen nicht, in eine Blase mit anderen „Verlierern“ gehen - hätte mehr wehgetan, als der gewählte Weg usw. 

Aber du hast Recht, es ist ein Unterschied, ob man selbstbewusst zu seinem Lebensweg stehen kann oder eine Schwäche zu einer Stärke erklärt. Letzteres mindert den Leidensdruck (vorübergehend), ist aber eine Art Selbstbetrug.

Es gibt aber auch die, die eher an der Gesellschaft kranken: Menschen, die gesund und glücklich sind, aber vom gängigen Schönheitsideal abweichen. Die sollten viel mehr akzeptiert werden und wenn das über den Umweg einer solchen Kommunity geschieht, ist mir das lieber, als manch anderer Weg. Mich schmerzt gerade der Fall eines Mädchens in meiner Umgebung, das ich schon als kleines Kind mit einer Malerin von vor 100 Jahren (Expressionismus/ Bauhaus) verglichen habe. Sie war still und philosophisch, aber auch eigenständig, geradlinig und mutig, oft leuchtete so eine richtig schöne, starke Frau hervor, auch wenn sie immer ein paar kg mehr als nötig wog, einfach ein kräftiges Mädchen, nicht männlich. Ihre Eltern waren sehr nachgiebig und so hat sie sich viel Süßkram erkämpft. In der Pubertät wurde der Gruppendruck zu groß. Aus der Wut gegen die inaktiven Eltern wurde Wut gegen alles und schließlich die gesellschaftlich akzeptierte Lösung, dass sie eigentlich ein Mann ist. Ich denke bei mir, dass es eigentlich nur darum ging, ein untypisches Mädchen als normal zu akzeptieren. Idealmaße sind eben ideal, nicht alles normale muss dem entsprechen.

Ich bin deshalb selbst etwas hin- und hergerissen, zwischen guten Rat"Schlägen" zu geben und die Fresse zu halten.

Wie geht es euch dabei so, was ist hilfreich und was nicht?

Ich bleibe bei letzterem was andere betrifft, bin aber manchmal ganz offen, was mich betrifft. Wer will, kann darauf eingehen und auch von sich erzählen. Unabhängig davon spreche ich ganz gern mal davon, was ich von Experten über medizinische Zusammenhänge und Ernährungs- und Lebensweisen erfahren habe, aber nicht, um hintenrum Ratschläge zu geben oder mich zu rechtfertigen. 

tagesschimmer antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15956

@tagesschimmer 

In der Pubertät wurde der Gruppendruck zu groß. Aus der Wut gegen die inaktiven Eltern wurde Wut gegen alles und schließlich die gesellschaftlich akzeptierte Lösung, dass sie eigentlich ein Mann ist. Ich denke bei mir, dass es eigentlich nur darum ging, ein untypisches Mädchen als normal zu akzeptieren.

Gehört jetzt nicht ganz zum Thema... aber als ich das so las stellte ich mir spontan die Frage, ob es hier in Wahrheit nicht auch für dich um eine "gesellschaftlich akzeptierte Lösung" geht - nämlich um eine Lösung, die DU akzeptieren kannst.

Ich kenne jetzt natürlich nicht die genauen Umstände, und möglicherweise hast du mit deiner Einschätzung ja recht.

Aber niemand wechselt mal so eben das Geschlecht, weil man als übergewichtiger Mensch sonst nicht akzeptiert wird...

 

lucan-7 antworten
Tagesschimmer
(@tagesschimmer)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 1009

@lucan-7 War ja klar, dass darauf sofort jemand anspringt. 😀 Stimmt, die genauen Umstände kennen wir beide nicht.

tagesschimmer antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3430

@tagesschimmer 

 

Sicher? … oder machst du hier den gleichen Fehler wie Menschen, die Übergewichtige verurteilen, weil ihre Situation eine andere ist. Von Übergewichtigen hört man, das manche schon in der Kindheit dick waren, andere haben sich viel bewegt und später weiter gegessen wie früher, bei manchen haben hormonelle Veränderungen stattgefunden, die aufs Gewicht geschlagen haben, manchmal ist es Schlafmangel, für den es wieder viele Ursachen gibt, für manche ist Essen zu einem Bewältigungsmechanismus geworden, manche haben kein Hungergefühl…

Ich war in meiner Kindheit ein Hungerhaken, habe viel Handball gespielt, ab der 8klasse dann immer weniger, und richtig zugenommen habe ich erst mit dem Studium und vor allem während meiner Masterarbeit. Aber das spielt eigentlich keine Rolle. 80-90% der Adipösen Menschen leiden unter dem Metabolischen Syndrom. Das ist im Prinzip eine Kombination zwischen Fruktosevergiftung, Insulinresistenz und Stress (es gibt durchaus noch mehr Faktoren, aber das sind die Wichtigsten) mittlerweile ist bekannt, dass man zuerst ein metabolisches Syndrom entwickelt und dann zunimmt und nicht umgekehrt. Dies bedeutet, dass es durchaus Übergewichtige Gesunde Menschen gibt, aber es bedeutet auch das (hier habe ich nur die zahlen aus den USA) 40% der normal gewichtigen eben dieses Metabolisches Syndrom haben.

Nun jeder der unter dem metabolischen Syndrom leidet, muss die Fruktosevergiftung in den Griff kriegen, das heist kein Haushaltszucker und keinen Alkohol, für die Leber macht es nämlich genau keinen Unterschied, ob man Alkohol oder Fruktose konsumiert, beides bewirkt eine Entzündung und Schädigung der Leber.  Die Insulinresistenz muss ebenfalls angegangen werden, hier gibt es mehrere Methoden, die hilfreich sind, und die durchaus je nach Person mehr oder weniger gut wirken. Und das letzte ist Stress, und hier hilft eine gute Schlafhygiene. Denn die hormonellen Veränderungen, die du angesprochen haben, beruhen (wenn sie nicht genetisch bedingt sind) genau auf diesen drei Faktoren. Die Gute Nachricht ist, dass diese Veränderungen umkehrbar sind. Die schlechte Nachricht ist, je länger und je weiter vorgeschritten diese Veränderungen sind, umso drastischer muss die Intervention sein, um das ein Gleichgewicht wieder herzustellen.

Die Lösung muss individuell angepasst werden, nicht alles funktioniert bei jedem und jeder hat andere Problemfelder. Aber das zugrundeliegende Problem (oder besser Probleme) sind bei 80% der betroffenen die gleichen.

 

Und ich kann es gar nicht klar genug sagen, Haushaltszucker besteht zu 50% aus Gift.

arcangel antworten
Tagesschimmer
(@tagesschimmer)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 1009

@arcangel Was alles so zum metabolischen Syndrom gesagt wird, finde ich etwas verwirrend. Für Ärzte mag das verständlich sein, insbesondere, wenn sie Tests machen können. Aber was nützt mir das. Das Thema Übergewicht findet sich in dem halben Satz „Nehmen sie mal ab, dann…“. 😀 

Ich habe noch nie eine Auskunft zu folgender Beobachtung bekommen: Ob man mich im Sommer oder im Winter kennenlernt, macht einen riesigen Unterschied. Obwohl ich Vitamin D einnehme (vielleicht zu wenig?), fühle ich mich erst richtig wohl, wenn ich die ersten Radtouren in der Sonnenhitze gemacht habe. Nichts extremes, aber wenigstens 90 min. am Tag bei 30 Grad. Plötzlich schlägt irgendwas um und ich schlafe wieder super, bin entspannter, leistungsfähiger, klarer im Kopf und nehme sogar etwas ab ohne daran zu arbeiten.

Auch der Blutdruck kommt in den Normalbereich. Also lasse ich die Medikamente bis zum Herbst weg, was mir Ärzte eigentlich verbieten. Aber ich habe ja ein Messgerät zu Hause. Der Blutdruck ist im Sommer von allein so, wie im Winter mit Medikamenten. Ich habe das Gefühl, dass auch das Weglassen von Medikamenten zum Wohlbefinden beiträgt. Corona-Winter sind besonders hart. Spazierengehen ist zwar nett, aber ich brauche es, mich täglich mal wenigstens 15 min. richtig auszupowern. Das kann ich eigentlich nur im Schwimmbad. 

Zucker und allgemein Kohlehydrate haben bei mir auch eine starke Wirkung. Speziell mit Fruktose habe ich mich nicht beschäftigt. Wieso 50 Prozent Gift im Haushaltszucker? Ich habe einmal recht leicht abgenommen, als ich extrem auf den Verzicht geachtet habe. Nach 4 Monaten bekam ich aber so eine Lust auf Obst und Kartoffeln/Brot usw., dass mir das komisch vorkam und wieder damit angefangen habe. Das Abnehmen hat auch gleich abgenommen. 😕 Aber ich habe ein Gefühl entwickelt, wenn ich zu viele Kohlehydrate intus habe. Dann brauche ich oft Tage bis sich alles wieder gut anfühlt. Am einfachsten ist es für mich einen Tag zu fasten, besser 3, was ich auch aus geistlichen Gründen gerne mache. 

tagesschimmer antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3430

@tagesschimmer 

Die Sonne bewirkt hat noch mehr als nur Vitamin D Produktion, da kommt dein Tag-Nacht-Rhythmus wieder ins lot. Qualitativ guter und genügender Schlaf hat, positive Auswirkungen auf den Blutdruck, Insulinsensibilität, und damit auf Abnehmen. Energieverbrauch im Sommer ist gleichbedeutend mit Wohlbefinden, welchen positiv auf dein Stresslevel wirkt, was wiederum positiv für Blutdruck, Blutzucker und Abnehmen bedeutet.

Wieso 50 Prozent Gift im Haushaltszucker?

Weil Haushaltszucker ein Disaccharid ist (Saccharose), das aus einer Glukose (gut) und einer Fruktose (Gift) besteht. Fruktose wird von der Leben genau gleich behandelt und löst genau die gleichen Reaktionen in ihr aus wie Alkohol, und dass Alkohol Gift für die Leber ist, brauche ich wohl nicht erklären.

Ausdauersport ist gut um Stress abzubauen (weshalb ich gerne und lange Schwimme) und weniger Stress ist gleichbedeutend, mit besser für alles. 😉 

Das Gefühl, das ich wieder gerne etwas länger faste, um mich besser zu fühlen, kenne ich auch, ich faste 2 Tage die Woche. Und diese zwei Tage fühlen sich richtig gut an, und wenn ich mal nicht fasten konnte merke ich das. Ich faste auch immer wieder 5-7 Tage und je öfter ich dies mache, um so besser fühlen sich diese Fasten-Tage an. Mein letztes Fasten im Mai, hatte ich nicht einen Tag, an dem ich Essen vermisst habe oder ein Hungergefühl hatte.

arcangel antworten
Tagesschimmer
(@tagesschimmer)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 1009

@arcangel Danke, ja Sonne und Ausdauersport bringen es bei mir. Zu Kraftsport wird ja noch geraten und den mag ich leider gar nicht. Ich nehme an, dass die Spitzenbelastungen, die mir so gut tun, ähnlich wie Kraftsport wirken. Aber das nur am Rande. 

Ich habe im realen Leben übrigens noch nie jemanden getroffen, der froh über ernsthaftes Übergewicht war. Wahrscheinlich ist das eine kleine Gruppe, die es irgendwie in die Medien geschafft hat. Du schreibst, dass du Artikel darüber findest - vielleicht sind das ja noch nicht mal Leute, die selbst betroffen sind, nur eine Möglichkeit Geld zu verdienen. 

tagesschimmer antworten
Jack-Black
Beiträge : 2176

Wenn Scham ein probates Mittel wäre, die Leute zu einer gesunden Lebensweise zu bewegen, könnte man sagen: Fatshaming ist doch eigentlich eine gute Sache.

Aber: funktioniert das? Nö. Deswegen halte ich Fatshaming für nichts anderes als eine sich hinter Rationalismen versteckende Menschenfeindlichkeit: genaugenommen schlichter Sadismus.

Artikel die gegen das Fatshaming schreiben, und Übergewichtig sein als etwas Positives darstellen, mit denen Menschen einfach genauso gut leben können und die Gesellschaft am besten die Fresse zu halten hat.

Kann es sein, dass Du da zwei Sachen vermischst? Übergewichtig sein ist per nichts Positives und wer das behauptet, begeht ja schon rein sprachlich einen logischen Fehler. Es geht vermutlich eher darum, darzulegen, dass auch übergewichtige Menschen ein gutes Leben führen können und zwar umso eher, je weniger sie sich für ihr Übergewicht, d.h. ihren Körper, schämen. Fettleibigkeit ist ungesund. Aber Fettleibigkeit + Depressionen und/oder Selbsthass sind eben noch ungesünder.

Die Gesellschaft soll nicht die Fresse halten - sondern man soll sich halt nur der perfiden Witze, des Hohns, des Audrückens von Verachtung - kurz: des Fatshamings enthalten. Ansonsten sollte "die Gesellschaft" am besten darauf hin wirken, dass Kinder gesunde Ernährungegewohnheiten vermittelt bekommen und adipösen Menschen praktische Hilfe auf dem sehr schwierigen Weg zu gesünderen Lebensweisen angeboten wird.

Davon nochmal trennen muß man freilich die schamlose kommerzielle Ausnutzung jedes sozialen Trends. Modehersteller wollen erstmal einfach nur ihre Klamotten verticken und in dem Zusammenhang (unter Berücksichtigung des Umstands, dass nun mal immer mehr Fettleibige Geld zum Klamottenkauf auszugeben haben) wird dann halt die woke Werbeschiene gefahren mit "curvy models" und so fort. In dieser Werbewelt ist natürlich kein Platz für kritische Differenzierung und den anvisierten Kunden wird halt das gesagt, was sich für sie gut anfühlt und ihre Bereitschaft zu kaufen erhöht: "Hey, mit unserer Übergrößenmode seht ihr sexy aus und werdet glücklich und müßt euch nicht mehr anstrengen: kauft unser Zeug, statt euch mit Sport und Diäten zu quälen!"

Im Kapitalismus wird jeder soziale Fortschritt (und es ist ein Fortschritt, wenn dieser verächtliche Sadismus, mit dem fette Menschen getriezt werden, als asozial erkannt und benannt wird) sofort von kommerzieller Seite gekapert.

jack-black antworten


Tineli
 Tineli
Beiträge : 1374

Je fremder mir eine Person ist, desto eher sollte ich die Fresse halten. Den Unbekannten im Bus - da geht es mich schlicht nichts an, warum er/sie so dick ist. Ich habe ihn als Person mit eigener Würde zu behandeln, und basta. Es geht auch nicht drum, sein Übergewicht schönzureden. Wenn jemand an Krüken geht, dann gebe ich ihm auch keine Tipps, welche Krankengymnastik hilft. Je vertrauter mir die Person ist, desto eher bin ich in der Position, auch mal etwas zum Thema Übergewicht zu sagen. Aber auch da sollte man eher fragend daher kommen. Statt "Mach doch einfach FdH!" könnte man eher fragen: "Hast du es schon mal mit FdH versucht? Was sind deine Erfahrungen?" Das kann den Raum öffnen, über die Sache zu sprechen, mehr über die Probleme zu erfahren und vielleicht zu sehen, dass es eben nicht so einfach ist. Und so kommt man sich letztlich näher und sieht, dass man irgendwie im selben Boot sitzt. Während der andere einfach nicht das Essen lassen kann, schaffe ich es vielleicht nicht, meinen Schreibtisch aufzuräumen oder raste gegenüber meinen Kindern viel zu schnell aus.

Alles, was die Würde des anderen verletzt, geht gar nicht. 

Gruß, Tineli

tineli antworten
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Arcangel
(@arcangel)
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Beiträge : 3430

@tineli 

Da sprichst du grundsätzliches an, dass ich eigentlich als Selbstverständlich betrachte.

Veröffentlicht von: @tineli

Während der andere einfach nicht das Essen lassen kann, schaffe ich es vielleicht nicht, meinen Schreibtisch aufzuräumen oder raste gegenüber meinen Kindern viel zu schnell aus.

Aber nur mal ne Bemerkung, Adipositas ist keine Krankheit, die durch Disziplin und Kalorienreduktion geheilt werden kann. Der Vergleich zwischen: "ich kann auch nicht aufräumen oder ich verliere auch mal die Geduld" ist genau diese "reiss dich am Riemen" Kerbe, die verletzend und erniedrigend ist, selbst wenn sie wie in deinem Fall mit viel Verständnis daherkommt.

arcangel antworten
Tagesschimmer
(@tagesschimmer)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 1009
Veröffentlicht von: @arcangel

Der Vergleich zwischen: "ich kann auch nicht aufräumen oder ich verliere auch mal die Geduld" ist genau diese "reiss dich am Riemen" Kerbe, die verletzend und erniedrigend ist, selbst wenn sie wie in deinem Fall mit viel Verständnis daherkommt.

Das sehe ich anders. All diese Phänomene können verschiedene Ursachen haben. Sie können aber auch alle auf eine Störung zurückzuführen sein, die mittlerweile ein Eigenleben führt, meistens im seelischen Bereich verankert, manchmal auch im körperlichen. Die Hormone und auch andere Stoffwechsel sind oft ein Bindeglied zwischen diesen Bereichen.

Ein stark gestresster Mensch, wird ein Ventil suchen. Sind positive Bewältigungsmechanismen wie Sport, schöne Beziehungen, Entspannung oder Kreativität nicht ausreichend möglich, bricht bei jedem irgendeine Veranlagung zum negativen durch. Leistungs- und Machtmenschen werden oft noch bejubelt. Wer zum Messie, Dauermeckerer, Übegewichtigen, Depressiven oder Phobiker wird, der wird abgewertet, meistens zuerst von sich selbst. Es gibt sogar Menschen, die von einer Verhaltensauffälligkeit zur anderen wechseln, so wie manche Süchtige die Droge wechseln können, sich permanent als Sieger erleben, aber nicht an die Ursache gehen. 

tagesschimmer antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3430

@tagesschimmer 

Hast du Kinder?

Aber auch wenn du keine Kinder hast, kannst du diese Frage wohl beantworten, wie reagiert ein Kind, wenn du ihm einen Keks und ein Glas Cola gibst?

 

 

Es wird die Wände hoch und runterrennen und dich in den Wahnsinn treiben. Das ist eine normale physiologische Reaktion auf einen Zuckerflash.

 

Jetzt gib aber einem übergewichtigen Kind einen Keks und ein Glas Cola?

Was passiert da? Es hat keinerlei Motivation zur physischen Aktivität, ganz im Gegenteil es will noch mehr essen.

 

Der Wunsch aktiv zu sein und sich zu bewegen wird von unserem (hormonellen) Umgang mit Energie bestimmt und nicht umgekehrt.

arcangel antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15956

@tineli 

Während der andere einfach nicht das Essen lassen kann, schaffe ich es vielleicht nicht, meinen Schreibtisch aufzuräumen oder raste gegenüber meinen Kindern viel zu schnell aus.

Der Zusammenhang zum Essen ist zwar grundsätzlich unbestritten... bei einer Krankheitssituation ist der Vergleich mit Schreibtisch aufräumen oder sich zu beherrschen aber völlig unangebracht. Dass sich jemand gehen lässt ist nur eine Möglichkeit - andere wissen noch nicht einmal genau, was denn nun für die Fettleibigkeit überhaupt verantwortlich ist. Da geht es dann darum, bestimmte Lebensmittel zu vermeiden - und überhaupt erst mal herauszufinden, was das überhaupt für Lebensmittel sind. Das kann sehr langwierig und frustrierend sein. Vor allem dann, wenn man diszipliniert ist - und es trotzdem nichts bringt...

 

lucan-7 antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

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@lucan-7 

Also mittlerweile weis man doch schon recht viel, so leiden 90% der Übergewichtigen an metabolischen Syndrom (was im Prinzip eine chronische Fruktosevergiftung ist), die restlichen 10% sind zwar Übergewichtig, leiden aber nicht am metabolischen Syndrom und haben dementsprechend auch keine gesundheitlichen Nachteile (abgesehen von Gelenkproblemen). Die Krux ist, dass auch rund 20-30% der Normalgewichtigen am metabolischen Syndrom leiden.

 

Die Hauptursachen für dieses metabolische Syndrom ist der Überkonsum von Fruktose (50% der Saccharose besteht aus Fruktose) gekoppelt mit einem Mangel an Ballaststoffen in unserer Nahrung.

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Metabolisches_Syndrom

arcangel antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15956

@arcangel 

Also mittlerweile weis man doch schon recht viel, so leiden 90% der Übergewichtigen an metabolischen Syndrom

Ich bin da jetzt kein Fachmann auf dem Gebiet, aber diese Aussage erscheint mir wenig überzeugend... im wikipedia Artikel habe ich dazu nichts gefunden, zudem ist der Ausdruck "Syndrom" ja für Phänomene reserviert, die sich nicht wirklich präzise beschreiben lassen. Ich bezweifle also irgendwie, dass es tatsächlich so einfach ist...

 

 

lucan-7 antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3430

@lucan-7 

 

Sorry ich hab den deutschen Artikel verlinkt, obwohl ich ihn nicht gelesen habe, im Englischen wird es besser beschrieben:

The key sign of metabolic syndrome is central obesity, also known as visceral, male-pattern or apple-shaped adiposity. It is characterized by adipose tissue accumulation predominantly around the waist and trunk.[4] Other signs of metabolic syndrome include high blood pressure, decreased fasting serum HDL cholesterol, elevated fasting serum triglyceride level, impaired fasting glucose, insulin resistance, or prediabetes. Associated conditions include hyperuricemia; fatty liver (especially in concurrent obesity) progressing to nonalcoholic fatty liver disease; polycystic ovarian syndrome in women and erectile dysfunction in men; and acanthosis nigricans.[citation needed]

Complication

Metabolic syndrome can lead to several serious and chronic complications, including type-2 diabetes, cardiovascular diseases, stroke, kidney disease and nonalcoholic fatty liver disease.[5][6]

Das metabolische Syndrom ist eine Sammlung diverser Krankheiten, die alle auf drei wesentlichen Faktoren zurückzuführen sind. Fruktrosevergiftung, Insulinresistenz, und Stress, diese drei Faktoren beeinflussen einander negativ. Das offensichtliche Merkmal ist Übergewicht, aber man muss nicht Übergewichtig sein um einen Herzinfarkt, Diabetes, Hirnschlag, oder Leberzirrhose zu bekommen.

arcangel antworten
Lucan-7
Beiträge : 15956

@arcangel 

Ich denke, hier geht es um zwei ganz verschiedene Dinge: Zum einen die Gesundheit, die einem natürlich persönlich wichtig sein sollte, und zum Anderen das Aussehen bzw. die Wirkung nach aussen.

Nur auf das Aussehen bezogen ist eine positive Einstellung zum Körper auf jeden Fall zu begrüssen. Ich halte das eigentlich auch für eine Voraussetzung, um sich dann auch um seine Gesundheit zu sorgen. Die Alternative wäre ja, seinen Körper abzulehnen und aufzugeben.

Einen übergewichtigen Körper als erstrebenswert zu propagieren ist natürlich absurd - und dabei geht es eben nicht um Schönheitsideale (Natürlich kann ein dicker Mensch schön sein), sondern allein um die Gesundheit.

Lange Rede, kurzer Sinn: Im Grunde ist hier immer nur die Gesundheit der entscheidende Faktor, der Rest ist egal.

lucan-7 antworten


Arcangel
Themenstarter
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Veröffentlicht von: @jack-black

Es geht vermutlich eher darum, darzulegen, dass auch übergewichtige Menschen ein gutes Leben führen können und zwar umso eher, je weniger sie sich für ihr Übergewicht, d.h. ihren Körper, schämen.

Aber genau das stelle ich mal infrage, können stark übergewichtige Menschen ein gutes Leben führen, kurzfristig vielleicht, langfristig stelle ich das infrage, selbst wenn sie sich nicht für ihren Körper schämen und ein positives Verhältnis zu sich haben. Das Anliegen, dass einem Adipositaskranken, nicht auch noch ein gesellschaftliches Stigma angeheftet wird, welches zu psychologischen Stress und weiteren Erkrankungen führt, trage ich voll mit.

Was ich allerdings sehr bedenklich, oder sogar gefährlich betrachte, ist dieses zeichnen einer bunten lebensfrohen heilen Welt, in dem alleine das positive Selbstbild über das Glück entscheidet. Und da hast du natürlich recht, da kommt der Kapitalismus zum Tragen, der seine Produkte verkaufen will.

arcangel antworten
bepe0905
Beiträge : 1195

@arcangel 

Lieber Arcangel, zuerst mal mein Glückwunsch zu deiner Leistung. 
Ich hatte vor etwa 3 Jahren ähnliches - aber in bescheidenerem Rahmen. 
Bei mir waren es nur 15 Kilo, die ich von knapp 100 kg abspeckte. 
Da ich aber ein leidlich guter Koch bin und mir im Herbst außerdem das Knie verletzte (so dass Sport nicht möglich war), kamen bis  Anfang dieses Jahres wieder 6 kg drauf, von denen ich inzwischen aber wieder 3 kg abtrainiert habe. Und mein Ziel, bis Ende dieses Jahres endlich meine "Bikini-Figur" von ca. 80 kg erreicht zu haben, arbeite ich (ohne Hektik und ohne große Anstrengungen) weiter drauf hin. 

Grundsätzlich vermeide ich, Menschen mit Übergewicht darauf anzusprechen. 
Wenn ich aber weiß, dass der Betreffende mit seiner Situation unglücklich ist oder direkt Rat sucht (sich aber nicht traut, das Thema anzusprechen), dann gehe ich auch mal auf ihn zu. 

bepe0905 antworten


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