Pornografie als Christ
Hi,
ich habe eine Frage mit der ich mich schon lange beschäftige, und zwar ob es als Christ okay ist Pornos zu gucken. Meine Situation ist das seit 3 Jahren in einer Beziehung bin und meine Partnerin nun mal nicht immer so viel Lust hat wie ich was ja auch voll okay ist jeder Mensch ist da halt ein bisschen eigen. Sie meint, dass ich ruhig Pornos gucken kann und sie damit kein Problem hat sonst würde, das für mich auch nicht in Frage kommen. Also habe ich viel recherchiert und im Internet finde ich ganz verschiedene Meinungen dazu. Viele die damit sehr locker um gehen und manche die da sehr streng sind. Da es das früher so noch nicht gab, sind die Bibelstellen, die man dazu findet meistens zu eigentlich anderen Themen. Von vielen hört man das man keine Pornos gucken soll, weil man sich seine Sexualität für seine Partnerin oder Partner aufsparen soll. Bei mir ist das aber nicht so das dieser Porno Konsum und die damit verbundene Selbstbefriedigung dazu führt, dass ich weniger Lust auf meine Partnerin habe. Ich habe auch schon viel gebetet und auch mal eine Zeit ohne Pornos versucht aber irgendwie fehlt mir dann halt was und die Lust verschwindend halt auch nicht so. Ich möchte auch nicht meine Partnerin oder druck setzen oder so weswegen mir die Pornos aus guter Ausgleich erschienen. Der andere Punkt ist, der das man ja keinen anderen Frauen hinterhergucken soll. Jedoch ist das für mich irgendwie was anderes, weil ich das klar trenne. Eher, wenn ich keine Pornos gucke, tue ich das, weil ich dann die ganze Zeit diese Lust verspüre.
Deshalb hatte ich eigentlich für mich das Fazit gezogen, das es so lange es keine Sucht ist, also man jetzt nicht jeden Tag Pornos gucken muss und die Dinge die ich mir da angucke auch nicht frauenverachtend oder so sind okay ist. Ich habe schon viel gebetet dazu aber irgendwie habe ich das gefühlt ich habe bis jetzt noch keine Antwort bekommen.
Was denkt ihr darüber?
Hallo nochmal @AWHler
Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, ausführlich zu schreiben und jetzt auch so fair und gelassen reagierst. Ich weiß das zu schätzen, auch wenn wir bei diesem Thema klar unterschiedlich denken.
Du hast Recht: Ich bin nicht auf jeden einzelnen deiner Gedanken eingegangen – nicht aus Ignoranz, sondern weil ich glaube, dass der Kern der Sache nicht durch mehr Nuancen „relativ“ wird. Ich respektiere deine Suche nach Komplexität, aber ich sehe gerade hier einen Punkt, an dem geistliche Klarheit nötig ist, nicht weitere Graustufen.
Ich stimme dir zu: Es gibt viele Formen von Pornografie, viele Beweggründe, viele Geschichten dahinter – keine Frage. Aber genau deshalb braucht es einen festen geistlichen Maßstab, an dem wir uns orientieren. Und für mich ist das die Bibel, das Wesen Gottes und das Bild, das er von Sexualität gezeichnet hat.
Die Fragen, die du gestellt hast – etwa zur Begrifflichkeit, zur kulturellen Darstellung von Erotik, zur Unterscheidung zwischen Konsens und Ausbeutung – sind wichtig. Aber sie betreffen in meinen Augen eher die Analyse der Welt, nicht die Orientierung eines Christen. Ich will nicht wissen, wie bunt die Grauzonen sind, sondern was das Licht sagt.
Und aus meiner Sicht sagt es: „Seid heilig, denn ich bin heilig“ (1. Petrus 1,16). Kein „Aber“.
Ich sehe den Schmerz, die Einsamkeit, die Sehnsucht hinter dem Konsum. Ich verurteile da niemanden. Aber genau deshalb will ich nicht verharmlosen, was aus biblischer Sicht zerstörerisch ist. Es geht mir nicht um „Hände über die Decke“, sondern um ein neues Herz. Und das beginnt mit Buße, nicht mit Einordnung.
Ich wünsche dir von Herzen alles Gute und danke dir nochmal für die ehrliche Auseinandersetzung.
Shalom🙏
Hallo Jamezz.rg,
danke für deinen Beitrag! Ich sehe das wie du - Gott will David sagen: wärst du mal zu mir gekommen statt zu sündigen und ich hätte dein Verlangen nach einer Frau übererfüllt. Das heisst doch zumindest, dass er kein Problem damit hatte, dass David seinen sexuelllen Trieb auslebt, dabei hätte er ihn sogar unterstützt, wenn er gekommen wäre. Wenn jetzt Pornos Männer dabei unterstützen, ihren Sexualtrieb zu befriedigen anstatt zu sündigen - dann wäre das doch genau das, was Gott gemacht hätte. Oder?
Veröffentlicht von: @jamezz-rgDanke, dass du dir die Zeit genommen hast, ausführlich zu schreiben und jetzt auch so fair und gelassen reagierst. Ich weiß das zu schätzen, auch wenn wir bei diesem Thema klar unterschiedlich denken.
Ich freue mich über das, was Du da nochmal als freundliche Rückmeldung schreibst ... und es ist schön zu erleben (wo wir uns ja gar nicht kennen), dass der Umgang miteinander - auch bei tiefer gehenden Differenzen - von Gal 5,22 "befruchtet" bleibt 🙂
Gute Wünsche auch von mir & L'Chaim
Veröffentlicht von: @sternWenn jetzt Pornos Männer dabei unterstützen, ihren Sexualtrieb zu befriedigen anstatt zu sündigen - dann wäre das doch genau das, was Gott gemacht hätte. Oder?
Hallo @Stern
Es ist wichtig, dass wir verstehen: Pornografie sollte nie eine Option sein, den Sexualtrieb auszuleben, denn sie stellen eine echte geistliche Gefahr dar. Die Bibel macht klar, dass sexuelle Reinheit und Heiligkeit für uns als Christen ernst zu nehmen sind. Pornografie verzerrt Gottes Plan mit der Sexualität und entfernt uns von der Wahrheit, die uns Leben schenkt.
Gottes Worte zu David sind eindeutig eine ernste Warnung. David hat aus eigenem Verlangen und Ungehorsam gehandelt, nicht im Einklang mit Gottes Willen. Das ist ein Aufruf zur Umkehr und dazu, Gott mehr zu vertrauen als den eigenen Impulsen.
Ich sage das nicht, weil ich "unschuldig" bin (Ich bin alles andere als unschuldig), sondern weil die Bibel uns diese Wahrheit vor Augen stellt: Heiligkeit ist nicht etwas, womit man sich selbst rühmen kann, sondern eine Aufforderung, sich von allem zu trennen, was uns von Gott wegführt – auch wenn das schwierig ist.
ich habe die Problematik schon Jahre, ich will nicht in die Hölle, auf gar keinen Fall. Aber ich habe das Problem, über 20 Jahre verheiratet, meine Frau hat so gut wie keine Libido mehr, meist verstreichen merh als 6 Wochen bis zu Monaten, wo ich keine Chance auf Sex habe und in größeren Abständen immer wieder abgewiesen werde. Ich habe das als "Ersatz" mir erlaubt.wenn der Druck zu groß wird, um nicht durchzudrehen, krank zu werden oder Wut auf meine Frau zu entwickeln. Es ist in letzter Zeit noch weniger geworden. sie sagt immer nur, ich soll sie in Ruhe lassen. Ich bin stark gefrustet und mache mir schon Punkte im Kalender, wenn es mal stattfindet, ich komm dann so auf unter 8-10 im Jahr. Da macht einem Gott ein Geschenk, man liest Hoheslied, und man kriegt ne Partnerin die nach den Kindern sagt, lass es zu das Geschenk. Erstens verhöhnen wir Gottes Geschenk damit, zweitens haben wir keine Freude aneinander. Ich weiß nicht wie ich das noch länger aushalten soll. Es ist einfach nur nervend. Ich hatte schon Wut auf Gott, wieso er mir Geschenke gibt, die ich zulassen soll. Ich hab schon gebetet,nimm mir mein Verlangen, sollen wir als Neutrum oder Brüderchen und Schwesterchen alt werden. Ich halte es nur mit gelegentlichem Pornokonsum aus. Ich freue mich jedes Mal, wenn meine Frau nach langer Zeit wieder mal bereit ist. Dann sagt sie, das sind die Wechseljahre, das kann noch länger dauern, es war aber auch vorher schon fast 10 Jahre so, weil sie 2 Wochen länger standby ist als normal und Arztbesuche scheute. Was hält Männer davon ab, nicht aus so einer Ehe auszusteigen, ich kann zwar viel beten, aber die Lust bleibt. Ich habe manchmal tagelang gebetet, dann war sie einmal bereit und dann wieder wochenlang nicht mehr. Ich hab mich beim Herrn entschuldigt, dass ich ihn auch dafür noch missbrauche, dass er das erst immer schenken muss. Andere Männer haben Frauen, die kommen auf die Männer zu und haben Bedürfnisse. Ich bin auf jeden Fall mit meiner Situation sehr unzufrieden und wenn ich es noch lang aushalten muss, laufe ich gefahr zu gehen. Ich will nicht ehebrechen, warum kann Gott nicht einfach meine Frau reparieren?, Jeder der zu mir sagt, Pornos sind sünde, würde ich sagen, ja direkt ja, aber leb du mal in meiner Beziehung, ich habe mit der Heiratsurkunde kein Zölibat unterschrieben, das wollte ich nie! Ich habe bis zu ihr gewartet und mich für sie aufgespart, ich hätte es in meiner Jugend haben können, und ich habe die Mädchen weggeschickt und nein gesagt, weil ich die christlichen Werte leben wollte. Wenn das die Christliche Ehe ist, ist es für mich ein Trugbild, ich wünsche mir dass es so ist, wie Salomo es beschreibt.
Unser Verhältnis gleicht mittlerweile eher dem von Geschwistern als einem Ehepaar.
Sage ich meiner Frau die Worte von Paulus, Ihr Körper ist meins, mein Körper ist ihrs, wir sollen nur verzichten, wenn wir uns beide zum Beten zurückziehen, sagt sie, stimmt, ja aber hat ein Mann geschrieben, mein Körper gehört mir, ich glaub nicht dass es die Bibel so meint, dass du drüber verfügen kannst. Nur zum Verständnis, sie findet mich trotzdem irgendwie noch attraktiv und kommt auch nie zu kurz. Trotzdem das?
Ganz toll, ich weiß nicht mehr weiter. Ich erdulde,bis das letzte Kind aus dem Haus ist, dann habe ich diese Aufgabe erfüllt, in der Hoffnung dass der Herr was tut, wenn nicht, bin ich irgendwann wieder Single und auf dem Heiratsmarkt. Oder ich laufe Gefahr, dass mich die Versuchung eines Tages überrascht und ich falle. Ich bin einfach müde geworden. Alles was ich versuche, ihr was nettes sagen etc., Geschenke, Zeit, hat alles nichts gebracht, aktuell sitzt sie nur noch am Notebook oder Handy.
Und ich schreibe es hier, weil ich in der Seelsorge keinen Platz gefunden habe, keinen, der mir das mal nachvollziehen kann und ernst nimmt, alle sagen nur, du musst beten, mit Jesus schaffst du das, ja wenn die Frau mitspielt, sie hat ja nen freien Willen, soll sie auch, ja, das Ergebnis nach 10 Jahren steht oben. Und ich sollte auf Rüstzeit fahren und mich mal 3Tage umkrempeln lassen. Meine Frau sieht das als psychologische Freizeit um mir den Kopf zurecht zu rücken und was nützen mir 3 Tage selbsterkenntnis, wenn ich in den Alltag zurückkehre und sie sagt, schön deine fixen neuen Ideen, aber hier bleibt alles so?
Ich weiß nicht mehr weiter. Vielen Dank Euch.
@FirstStoneBack (Beitrag 5.Juni/heute)
Leider ist das kein Diskussionsthread hier, aber was Du schreibst, ist ein Hilferuf.
Es RELATVIERT mMn - als konkrete, leidvolle Lebenssituation - alle "geistlichen" Ideale, Forderungen, Ratschläge und Urteile. Und stellt schlicht die Frage, ob und wie die "klare moralische Ausrichtung" für Jeden von uns auch tatsächlich lebbar ist!!!!
Ich gebe als Antwort: Gott ist Dir NICHT böse!
L'Chaim
Magst du vielleicht einen eigenen Thread zu dem Thema aufmachen?
Vielleicht unter Familie und Partnerschaft?
Da ist es leichter, dir zu antworten.
...........Gott liebt dich trotzdem. Wenn du du dich einmal für IHN entschieden hast, bist und bleibst du sein Kind.
Ich kann deinen Hilferuf verstehen, kenne es aus meinem eigenen Leben. Als ich noch nicht verheiratet war, auch nicht
aufgeklärt wurde, war ich mit meinem sexuellen Drang auch überfordert. Und wusste auch nicht wohin damit.
Und die Frauen wurden immer schöner. Und als Postmann damals unterwegs, kam ich in viele Wohnungen.
Eine Frau hat das echt ausgenutzt, mit wenig angezogen, verführerischen Düften.
Schnell lief ich weiter. Aber dieses schnelle Laufen hat mir geholfen, Sport, wenn ich körperlich ausgelaugt war,
wurde mein sexueller Drang weniger.
Aber ob dir das jetzt hilft, Ratschläge können auch Schläge sein.
Kann jetzt nur noch mit dir mit fühlen und beten. Wenn deine Frau jetzt nur noch vor den Medien sitzt, vielleicht aufstehen,
gemeinsam rausgehen, laufen, Wandern.........in der Natur find ich, lässt sich leichter reden..........
liebe Grüße
https://www.youtube.com/watch?v=TjE71tdAX0A&list=RDTjE71tdAX0A&start_radio=1
aufstehn, rausgehn, aufeinander zugehn............
Na dann wollen wir mal schauen …
Ich habe eine Frage mit der ich mich schon lange beschäftige, und zwar ob es als Christ okay ist Pornos zu gucken.
Also in der Bibel selbst wirst du keinen expliziten Hinweis auf diese Art von Filmen finden, da es „Filme“ zur damaligen Zeit schlichtweg noch nicht gab. Das bedeutet jedoch nicht, dass pornografische Darstellungen in der Antike unbekannt gewesen wären. Im Römischen Reich erfreuten sich sogenannte Lupanaria, die man mit heutigen Bordellen vergleichen könnte, großer Beliebtheit. Darüber hinaus existierten Formen voyeuristischer Unterhaltung, etwa in Gestalt von Schaukästen oder bildlichen Darstellungen erotischer Szenen, die den damaligen Bedürfnissen nach sexueller Stimulation dienten. Die Idee und der Nutzwert einer solchen „Fleischesschau“ waren also durchaus bekannt. Der wesentliche Unterschied zur Gegenwart liegt weniger im Prinzip als vielmehr in den technischen Möglichkeiten und darin, dass entsprechende Inhalte heute wesentlich offener zugänglich sind und nicht mehr verpönt sind.
Die Frage berührt daher nicht primär einen historischen, sondern einen ethischen Bereich. Sie fällt in den Bereich der christlichen Ethik, weshalb man versuchen sollte, eine möglichst fundierte und theologisch tragfähige Antwort zu finden.
Situation ist das seit 3 Jahren in einer Beziehung bin und meine Partnerin nun mal nicht immer so viel Lust hat wie ich
So, wie du die Situation beschreibst, erscheint sie tatsächlich nicht ideal. Dennoch war Gott menschlichen Herausforderungen dieser Art nicht fremd, und die Bibel bietet auch hierzu Orientierung. Theologisch betrachtet ist die Antwort durchaus eindeutig, auch wenn dies Vertretern eines stärker liberal geprägten Zeitgeistes mitunter missfallen mag. Fragt man beispielsweise Paulus, so findet man in 1. Korinther 7,3–4 eine klare Aussage, die zugleich begründet wird. Eine weitere Bestätigung findet sich in Epheser 5 ab Vers 21.
Letztlich stellt sich hier die Frage, für welche Form des Christseins man sich entscheidet. Vertraut man dem Wort Gottes, wie es in der Bibel überliefert ist, und hält daran fest? Oder passt man die Auslegung den jeweiligen gesellschaftlichen Entwicklungen an und macht das Verständnis des Wortes Gottes variabel? Beide Wege werden vertreten; die Entscheidung darüber muss jeder Christ selbst treffen.
Der andere Punkt ist, der das man ja keinen anderen Frauen hinterhergucken soll.
Vielleicht hilft an dieser Stelle eine vernunftorientierte Betrachtung. Wie kann man mit einer Frau fremdgehen oder flirten, die lediglich aus Bildpunkten besteht, also aus einer künstlerischen oder digitalen Darstellung? Das wäre vergleichbar damit, ein medizinisches Fachbuch über Viren zu lesen und sich allein dadurch mit einem Virus anzustecken. Oder ein Werbeplakat mit einem appetitlichen Kuchen zu betrachten und dadurch unmittelbar an Gewicht zuzunehmen. Rein logisch betrachtet erscheint es daher wenig plausibel, dass durch das bloße Betrachten pornografischer Inhalte bereits ein tatsächlicher Ehebruch erfolgt, weder körperlich noch geistlich. Hebräer 13,4 scheint in diesem Zusammenhang nicht unmittelbar anwendbar zu sein, da nach antikem Lehrverständnis durch das bloße Betrachten keine Ehe gebrochen wird.
Nun gibt es die häufig zitierten Verse Matthäus 5,27–28, die in dieser Diskussion regelmäßig angeführt werden. Auf den ersten Blick könnte man die Worte Jesu tatsächlich in diese Richtung verstehen. Doch was sagt der Text tatsächlich? Jesus bezieht sich hier auf den Dekalog, insbesondere auf 2. Mose 20,14, und begründet seine Aussage im Zusammenhang mit 2. Mose 20,17. Das entscheidende Wort lautet ἐπιθυμῆσαι (epithymēsai), abgeleitet von epithymeō, das im Deutschen meist mit „begehren“ übersetzt wird. Im antiken Sprachgebrauch bezeichnete dieses Wort ein intensives, zielgerichtetes Verlangen im Sinne eines unbedingten Haben-Wollens. Gemeint ist nicht ein flüchtiger Blick oder ein vorübergehendes Interesse, sondern ein bewusst gepflegtes und besitzergreifendes Begehren.
Daran wird deutlich, dass Jesus hier auf etwas anderes abzielt. Es ist grundsätzlich wichtig, die Bibel aus der Perspektive ihrer Autoren zu lesen und zunächst zu fragen, was diese ihren ursprünglichen Lesern mitteilen wollten, bevor spätere kirchliche Interpretationen herangezogen werden.
Bei mir ist das aber nicht so das dieser Porno Konsum und die damit verbundene Selbstbefriedigung dazu führt, dass ich weniger Lust auf meine Partnerin habe.
An dieser Stelle ergeben sich zwei weitere Fragen: Kann man solche Filme auch betrachten, ohne sich dabei körperlich selbst zu befriedigen? Oder setzt der Konsum solcher Inhalte zwangsläufig Masturbation voraus?
Wie bereits dargelegt, dürfte das bloße Betrachten aus theologischer Perspektive nicht das eigentliche Problem darstellen. Daher lohnt es sich, die Frage nach der Masturbation selbst näher zu betrachten. Ist sie biblisch erlaubt?
Einige Christen verweisen auf 1. Mose 38,9–10 und argumentieren, dass jede Form der Selbstbefriedigung sündhaft sei. Doch steht das tatsächlich dort? Auch hier ist es notwendig, den Kontext sorgfältig zu beachten. Bestraft Gott Onan, weil er masturbiert hat, oder weil er seiner Pflicht nicht nachkam? Die Antwort findet sich bereits in 1. Mose 38,8. Onans Schuld bestand darin, seinem verstorbenen Bruder Nachkommen vorzuenthalten und damit seine familiäre Verpflichtung bewusst zu sabotieren. Es ging um Treuebruch und Verantwortungslosigkeit, nicht um Selbstbefriedigung als solche. Gottes Gericht richtet sich gegen seinen Ungehorsam und seine illoyale Absicht.
Zur weiteren Untermauerung der Auffassung, dass Selbstbefriedigung aus theologischer Sicht nicht als Sünde bezeichnet wird, lohnt sich ein Blick auf 3. Mose 15,16–18. Dort wird deutlich zwischen ritueller Unreinheit und moralischer Schuld unterschieden. Die kultische Unreinheit des mosaischen Gesetzes ist nicht mit moralischer Sünde gleichzusetzen. Sie betrifft Reinheitsvorschriften für den Gottesdienst und nicht ethische Verfehlungen.
Damit bleibt noch eine Frage, die heute selten gestellt wird: Welche positiven oder negativen Auswirkungen haben Pornografie und Masturbation überhaupt?
Diese Frage lässt sich auf unterschiedlichen Ebenen betrachten. Auf psychologischer Ebene könnte argumentiert werden, dass pornografische Inhalte unter bestimmten Umständen dazu beitragen können, sexuelle Spannungen abzubauen und Menschen von problematischen Handlungen abzuhalten. In diesem Fall könnte man ihren Nutzen funktional bewerten. (weniger Sexualstraftaten)
Auch eine moralische Betrachtung ist möglich. Was wäre problematischer: gewaltverherrlichende Horror-Thriller mit brutalen Tötungsszenen und exzessiver Gewalt oder die Darstellung zweier Menschen, die einvernehmlich Sexualität miteinander ausleben? Hier könnte man die Frage stellen: Welche Form der Darstellung würde Gott vermutlich als weniger problematisch ansehen?
Schließlich sollte man im Licht von 1. Korinther 3,16–17 auch die gesundheitliche Dimension betrachten. Schadet etwas dem Körper oder nützt es ihm?
Hier empfiehlt es sich, wissenschaftliche Studien sorgfältig zu prüfen und miteinander zu vergleichen. Die medizinische Fachliteratur weist auf verschiedene mögliche positive Effekte von Masturbation hin, darunter die Unterstützung der urologischen Gesundheit, eine mögliche Verringerung bestimmter Risiken im Bereich der Prostata sowie die Ausschüttung von Neurotransmittern wie Dopamin, Serotonin und Oxytocin, die sich positiv auf das psychische Wohlbefinden auswirken können. Vor diesem Hintergrund erscheint Masturbation als ein natürlicher Bestandteil menschlicher Sexualität und nicht als etwas, das automatisch mit Sünde gleichgesetzt werden müsste.
Zusammengefasst:
Ist es für Christen also problematisch, pornografische Inhalte zu konsumieren, um dadurch sexuelle Spannungen und körperliche Bedürfnisse auszugleichen? Meine Antwort lautet: Nein, ich halte dies grundsätzlich nicht für problematisch. Dabei zähle ich mich selbst zu den konservativ-fundamental orientierten Christen. Gerade deshalb vertrete ich diese Auffassung, weil ich versuche, aus der Bibel herauszulesen, was die Autoren tatsächlich vermitteln wollten, und nicht primär das, was spätere kirchliche Traditionen daraus gemacht haben.
Man könnte an dieser Stelle noch ausführlicher darauf eingehen, weshalb kirchliche Institutionen Sexualität häufig kritisch betrachtet haben. Dies hat nicht zuletzt historische Gründe und steht teilweise im Zusammenhang mit Fragen von Machterhalt und sozialer Kontrolle. Wer den Körper kontrolliert, übt häufig auch Einfluss auf das Denken und Verhalten der Menschen aus. Aspekte wie Reproduktionskontrolle, soziale Disziplinierung sowie Eigentums- und Erbschaftsfragen spielten dabei historisch durchaus eine Rolle. Die Kirche griff über lange Zeiträume hinweg tief in das Privatleben der Menschen ein. Historische Berichte über Missstände in einzelnen kirchlichen Einrichtungen zeigen, dass dabei mitunter auch Maßnahmen angewandt wurden, die aus heutiger Sicht schwerwiegende Übergriffe darstellen. Eine angemessene Aufarbeitung dieses komplexen Themas würde jedoch den Rahmen dieser Antwort deutlich überschreiten.
Meine persönliche Einschätzung orientiert sich stets am konkreten Einzelfall. In deiner geschilderten Situation erkenne ich aus theologischer Sicht keine offensichtlichen Probleme, da die von dir genannten Faktoren auf Freiwilligkeit und gegenseitigem Einverständnis beruhen.
Grundsätzlich unterscheide ich in allen Lebensbereichen zwischen Gebrauch und Missbrauch. Vernunft und reflektiertes Denken spielen dabei eine zentrale Rolle. Bezogen auf Bibel und Theologie gilt für mich: Was die Schrift nicht ausdrücklich als Sünde bezeichnet, sollte nicht vorschnell zu einem Verbot erklärt werden.
Dennoch möchte ich eine Warnung aussprechen. Bei allem, was wir tun, besteht die Gefahr, abhängig zu werden. Sobald etwas Macht über einen Menschen gewinnt und Gott nicht mehr den ersten Platz im Leben einnimmt, entsteht tatsächlich ein geistliches Problem. Genau auf diesen Grundsatz weist Paulus in 1. Korinther 6,12 hin.
LG.