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Bleibende Sünden

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AWHler
 AWHler
Themenstarter
Beiträge : 1188

Ich möchte hier mal einen Satz mit Euch teilen - und erklären, was ich damit meine ... also:

"Deine bleibenden Sünden sind nicht deine ewige Verdammnis"

Im Glauben und in der Nachfolge Jesu sind wir gerufen und bemüht, unser Leben "zu heiligen" und ihm alle Lebensbereiche zu "unterstellen". Wir dürfen erfahren, dass uns das gelingt, dass Heiliger Geist unserer Schwachheit aufhilft und dass wir - wo es uns nicht gelingt und wir schuldig werden - bei Gott immer wieder auf's Neue Vergebung und Gnade finden.

Nun gibt es aber auch Dinge, wo selbst Christen erfahren, dass die "Macht der Sünde" auf Dauer größer ist als alle Anstrengungen, Bemühungen, Versuche, Gebete und alles ernsthafte Ringen. Das können "Süchte" sein oder Charaktereigenschaften oder irgendwelche Schwächen (körperlich, geistig, seelisch), die einen immer wieder dahin bringen, zu tun, was man eigentlich nicht will - nach Matthäus 26, 41b und Römer 7,19.

Ich nenne es mal: Die bleibenden Sünden - d.h. Verhaltensweisen, Eigenschaften, Schwächen, die auch für einen Christen nicht "bezwingbar" sind. Sie stehen unter dem Schatten und im Spannungsfeld von Jesaja 59, 2 ("Eure Sünden trennen Euch von Eurem Gott") - Philipper 4,13 ("Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht") und Johannes 8,11 ("So verdamme ich dich auch nicht, aber gehe hin und sündige hinfort nicht mehr")

Gerade bei denen (uns), die "mit Ernst Christen sein wollen" (Fr. Schwarz) hängt oft der Widerhaken in dem Gedanken: "Wenn ich es nicht schaffe, dieses ode jenes zu überwinden, sein zu lassen, mich davon zu lösen, mich zu ändern - dann wird es mich wohl am Ende doch meine Seligkeit kosten!"

Diese Gedanken bzw. diese Frage kam mir in der Beschäftigung mit Brennan Manning (und seiner nie überwundenen Alkoholsucht), im Blick auf die im evangelikalen Bereich strenge Sexualmoral (die - wenn Ehrlichkeit geftragt ist - auch treueste Christen nicht "sündlos" sein lässt) und im Blick auf "unerbauliche" Charaktereigenschaften, die auch unter Christen von ihrer Erziehung, ihren Genen, ihrer Psyche her ein Leben lang nicht ablegbar sind (wie Neigungen zum Zorn, zur Ungeduld, zum Neid etc.)

Aus der Seelsorge, im Gespräch mit anderen Christen  und natürlich auch von mir selbst kenne ich solche "Mauern", vor die wir immer wieder rennen.

Also Zustimmung zu dem Satz: "Deine bleibenden Sünden (Verfehlungen, Defizite, unüberwindbaren Schwächen) sind (bedeuten, bewirken) letzt-endlich nicht deine ewige Verdamnis (Verwerfung und Verurteilung) ???

L'Chaim

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16 Antworten
Stern
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Beiträge : 1629

@awhler 

"Deine bleibenden Sünden sind nicht deine ewige Verdammnis"

Das hört sich nicht wie ein Satz aus der Bibel an. Woher hast du ihn?

Im Glauben und in der Nachfolge Jesu sind wir gerufen und bemüht, unser Leben "zu heiligen" und ihm alle Lebensbereiche zu "unterstellen". Wir dürfen erfahren, dass uns das gelingt, dass Heiliger Geist unserer Schwachheit aufhilft und dass wir - wo es uns nicht gelingt und wir schuldig werden - bei Gott immer wieder auf's Neue Vergebung und Gnade finden.

Das allein ist der Leitfaden. Damit überwindest du auch das, was dir unüberwindbar scheint. Vielleicht nicht heute…aber was weisst du schon über die Zukunft? Schreib sie nicht vorher schon fest…in dem was du nicht willst.

 

Wenn ich es nicht schaffe, dieses ode jenes zu überwinden, sein zu lassen, mich davon zu lösen, mich zu ändern - dann wird es mich wohl am Ende doch meine Seligkeit kosten!"

Eigentlich kostet es dich nicht am Ende deine Seligkeit, sondern jetzt schon.

In der Nachfolge wirst du Stück für Stück seliger, reiner, heiliger (oder heiler). Ich glaube nicht, dass es etwas gibt, irgendeinen Bereich, der prinzipiell davon ausgeschlossen sein kann.

Aber vielleicht liegt der „Fehler“ im es selbst machen wollen, durch eigene Anstrengung Seligkeit erreichen zu wollen. In der Nachfolge lässt du dich verändern, nicht du machst das. Wollen musst du, aufrichtig, und scheitern eingestehen musst du…aber der Rest passiert von alleine, ohne dass du etwas dafür tust. Du kannst kein einziges Haar grau machen! Also, etwas mehr Bescheidenheit, bitte 🙂🙂…ZwinkerZwinker!

ihrer Psyche her ein Leben lang nicht ablegbar sind (wie Neigungen zum Zorn, zur Ungeduld, zum Neid etc.)

Die Frucht des Heiligen Geistes ersetzt all diese Neigungen…das nicht zu glauben, erschwert die Sache natürlich.

Aus der Seelsorge, im Gespräch mit anderen Christen  und natürlich auch von mir selbst kenne ich solche "Mauern", vor die wir immer wieder rennen.

 

Es gibt diese Mauern, ja. Ich habe aber erlebt, dass sie bröckeln und sich auflösen. Wilhelm Busch wird der Spruch zugeschrieben: „Vorher kam die Sünde fahrplanmäßig, jetzt ist sie, wenn sie auftaucht, eine Katastrophe, ein Zugunglück!“

Es ändert sich was…in dem Sinne: vielleicht gibt es noch den einen oder anderen Brocken von der Mauer…aber nicht mehr die ganze! 

 

Also Zustimmung zu dem Satz: "Deine bleibenden Sünden (Verfehlungen, Defizite, unüberwindbaren Schwächen) sind (bedeuten, bewirken) letzt-endlich nicht deine ewige Verdamnis (Verwerfung und Verurteilung) ???

Ja. Natürlich bewirken sie nicht meine ewige Verdammnis. Dann wäre Jesus ja umsonst gekommen, wenn er nichts ausrichten könnte gegen diese Neigungen und Süchte und Eigenschaften.

Dein ganzes Vertrauen auf ihn zu setzen, dich an ihn zu wenden im Vertrauen darauf, dass er dich retten kann - mehr brauch es nicht.

Und ich weiss wirklich nicht, ob es bleibende Sünden überhaupt gibt.

 

stern antworten
8 Antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 27505

@stern 

Zum Beitrag

Und ich weiss wirklich nicht, ob es bleibende Sünden überhaupt gibt.

Ich würde formulieren: widerspenstige Verhaltensweisen. 

Ein paar Gedanken dazu: 

- Anhand des Baumbildes aus meinem unterrichtet worden sein : es nutzt nichts, die sauren Äpfel abzupflücken, sie wachsen nach. Man muss dem Baum an die Wurzel gehen. Dann verliert er die Kraft saure Früchte zu produzieren. 

- Der fromme Sysiphus: Ich muss das und das in den Griff kriegen.  > in der Faust wild entschlossen festhalten verhindert den Empfang der Änderung. 

- Suchtverhaltensweisen gehen immer mit einer Lügenmacht einher. Das ist der "kleine Mann im Ohr", der gefühlte 1000 Ausreden produziert und den Willen zur Freiheit untergräbt. 

- Verhaltensweisen, die als normal nach dem Vorbild zu Hause eingestuft werden

deborah71 antworten
Stern
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(@stern)
Beigetreten : Vor 7 Monaten

Beiträge : 1629

@deborah71 

es nutzt nichts, die sauren Äpfel abzupflücken, sie wachsen nach. Man muss dem Baum an die Wurzel gehen. Dann verliert er die Kraft saure Früchte zu produzieren. 

Ja…in etwa so meinte ich meinen Beitrag. Irgendetwas passiert, dass man andere Früchte produziert…

stern antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 27505

@stern 

Zum Beitrag

Mir hat mal der Umgang Jesu mit dem einen Feigenbaum eingeleuchtet, der am nächsten Tag verdorrt war. Damals ging es um einen massiven Ablehnungsschaden. Ich hatte mir den Satz Jesu gegriffen und in Jesu Namen den Baum der Ablehnung dem Verdorren übergeben, dass er nie mehr Frucht bringt.  Danach war es leichter die Furcht vor Ablehnung bei Jesus abzugeben und freier zu leben. 

deborah71 antworten
Stern
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(@stern)
Beigetreten : Vor 7 Monaten

Beiträge : 1629

@deborah71

Du meinst, weil Jesus, wenn er was „absterben“,“verdorren“  lassen möchte, dann an die Wurzel geht? Ja, so kann man das auch sehen…

Ich dachte jetzt eher an den Gärtner, der den Besitzer des Weinbergs bittet, nich ein paar mal umgraben zu dürfen, damit er überhaupt Früchte bringt…

stern antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 27505

@stern 

Es gibt zwei Feigenbaumgeschichten. Beide können Verschiedenes bedeuten. 

Der Baum, an den du gedacht hast, da denke ich spontan an Liebesmangel, Vernachlässigung... evtl auch eine Wühlmaus an den Wurzeln.  (Da kommt die Gärtnerin in mir hoch 😆 )

deborah71 antworten
Stern
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(@stern)
Beigetreten : Vor 7 Monaten

Beiträge : 1629

@deborah71 

Es gibt zwei Feigenbaumgeschichten. Beide können Verschiedenes bedeuten.

Wenn ich dich richtig verstanden habe, hast du dich aber schon auf die bezogen, in der Jesus den Feigenbaum verflucht?

Ich fand ee jedenfalls erhellend, dass du das Gleichnis auf das „Verdorren“ von unliebsamen Sachen anwendest.

stern antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 27505

@stern 

Ja, denn die andere Stelle gibt das nicht her. 

Frühe erfahrene starke Ablehnung kann sehr tief verwurzelt sein und dadurch lange nachwirken und auch die Gottesbeziehung stören. 

 

deborah71 antworten
Stern
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(@stern)
Beigetreten : Vor 7 Monaten

Beiträge : 1629

@deborah71 

Ja, verstehe…da ist das ein wirklich hilfreiches Bild.

stern antworten


neubaugoere
Beiträge : 18419

@awhler 

Kurz gesagt: Ich denke nicht, dass diese (Tat)Sünden uns trennen von Gott. Ich denke demgegenüber aber auch, dass niemand so bleiben muss, wie er ist. - Dabei geht es mir eher darum, ob jemand daran arbeitet, aus dieser "Falle" herauszukommen, oder ob er sich darauf ausruht.

Außerdem ist da noch dieses Beziehungsding mit Jesus ... Sünde trennt, auch die "Tatsünde", komme ich vor seinen Thron und bekenne sie, vergibt er mir - und wir sind wieder vereint. (<-- mal so ausgedrückt)

Als ich noch neu war im Glauben (und das beobachte ich auch bei vielen anderen), kam auch bei mir die Frage auf, na wenn uns Gott doch vergeben hat in Jesus Christus, dann brauch ich doch nicht mehr ... 

Nee, gerade dann --> weil es dieses Beziehungsding is. Ich will dann nicht mehr (der Heilige Geist bewirkt dies), tue es aber dennoch. Und das teile ich mit meinem Gott = in Beziehung leben.

Ich hatte beim Schreiben Brennan Manning im Hinterkopf und meine eigenen "kleinen" (es gibt ja keinen Unterschied in groß oder klein, Sünde ist Sünde) Sünden des - früher nannte ich es - sozialistischen Umlagerns, kurz: Diebstahls. Auch der Block oder der Klebestreifen, der aus dem Büro nach Hause wandert mit dem Gedanken, na, die ha'm doch genug, ist Diebstahl. Und der Heilige Geist weist mich darauf hin. Beziehung eben. Und es liegt an mir, zu re-agieren (Gott agiert, ich re-agiere darauf). Er verfiel immer wieder, hatte wohl nie wirklich die Kraft ... die Umstände kennt niemand von uns genau. Er war ein Gott hingegebener Mensch und hat nicht nur schöne Lieder geschrieben. Er hatte Kämpfe und machte keinen Hehl drum wie viele andere, die so "sündlos scheinen".

neubaugoere antworten
Martha
 Martha
Beiträge : 1173

@awhler 

"Deine bleibenden Sünden sind nicht deine ewige Verdammnis",

denn:

Was könnte mich trennen von der Liebe meines Herrn?

Es wäre zu prüfen:

Offenbarung 2, 4-5

__________

👆 Bitte prüfen u das Gute behalten. 😉

 

martha antworten


AWHler
 AWHler
Themenstarter
Beiträge : 1188

Danke zunächst für all Eure Antworten und Überlegungen.

Fakt bleibt wohl, dass wir unserem Glauben und dem Evangelium gemäß  - so oder so - allein durch die Gnade, Barmherzigkeit und Liebe Gottes (jetzt schon und 'in Ewigkeit') unsere Seligkeit haben und finden.

Und auf dieser Grundlage (1. Korinther 3,11) bleiben wir berufen, diese Gnade nicht zur "billigen Gnade" (Bonhoeffer) verkommen zu lassen, sondern mit Gottes Hilfe (Heiliger Geist hilft unserer Schwachheit auf) und mit unserem Willen und unserer Empfänglichkeit dafür auf dem Weg zu bleiben.

Trotzdem gibt es aber hier und da auch einen christlichen "Triumphalismus", der von "sieghaftem Leben" predigt, wenn Du nur "richtig und genug" glaubst, der auch (so meine Erfahrung mit einer bestimmten Frömmigkeit und Menschen, die darin zu Hause waren ) viel Resignation, Depression und auch Glaubensverluste & Glaubensabkehr bewirkt, weil es sich eben - auch für die treuesten Seelen - NICHT  erfüllt hat mit bestimmten Sachen (Neigungen, Süchte, Gebundenheiten) fertig zu werden.

L'Chaim

 

 

awhler antworten
Chai
 Chai
Beiträge : 3510

Ich lese ja immer wieder - trotz besserem Wissen - 'bleibende Schäden'. ...

Mein Gedanke ist der, dass gewisse Neigungen und Veranlagungen das sind, was Paulus den 'Stachel im Fleisch' nennt. 
Und ich gehe davon aus, dass jedes von uns einen solchen hat - einfach, damit wir nicht übermütig und / oder überheblich werden. 
Gewisse Neigungen kann man möglicherweise überwinden, aber zu selbstsicher sollte man nicht werden. 

chai antworten


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