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Ein Name, der wie eine Bombe einschlägt

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Ratsdaed
Themenstarter
Beiträge : 676

Guten Morgen, guten Abend liebe Leute.

Ich bin noch nicht lange im Geschäft, ich denke ich gelte dahingehend als Neugeborener. Doch habe ich eine Feststellung gemacht.
Der Name Jesus Christus schlägt ein wie eine Bombe. Entweder wird man belächelt oder es herrscht plötzlich eisernes Schweigen im Gespräch.
Gestern sagte ich z.B. nach der Behandlung beim Arzt "Ich hab mich selten so gut aufgehoben gefühlt wie bei Ihnen. Kein Wunder, dass der Herr mich zu Ihnen sandte", er nur lächelnd (ich möchte fast behaupten spöttisch lächelnd) "Wer?", ich "Der Herr Jesus Christus empfahl Sie mir.", er "Ah ja" und ging raus.
Sind solche Erlebnisse im Anfang normal und auch, dass man erstmal Bedenken hat, ob es in Ordnung ist mit dem Namen des Herrn hausieren geht oder gibt es einige Regeln, die es zu beachten gilt?
Ich schäme mich nicht über Gott zu reden, es ist mir sogar eine Freude, doch spüre ich auch die verwunderten Blicke, sobald der Name fällt.

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96 Antworten
Anonymous
 Anonymous
Beiträge : 0

Geschäft ist gut, wirklich gut.

Aber ansonsten sind keine Besonderheiten erkennbar. Die Menschen schmunzeln, wenn jemand IHN bekennt und in den Alltag einbezieht.

Hausieren geht nicht ... aber bezeugen und bekennen. Rede weiterhin über Gott und den Sohn ... bekenne die Dreieinigkeit.

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Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0
Veröffentlicht von: @pvm

Hausieren geht nicht ...

Bedeutet das, dass Du sowas wie "Aktion in jedes Haus" ablehnst?

(Mission, die Gläubige von Tür zu Tür sendet, um IHN auf irgendeine Weise zu verkünden oder ins Gespräch mit Menschen zu bringen.)

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Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0

"Hausieren" ist für mich sehr negativ belegt ... und man erreicht ja kaum Menschen daheim am Tage trotz vieler Arbeitsloser. "Keine Zeit" in allen Varianten ist die Redewendung an der Tür. Früher schon war das von Haus zu Haus schon recht schwierig, die Menschen fühlten sich in die Enge getrieben an der Tür ... da ist das (auch bekennende) Gespräch während einer Begegnung etwas zwangloser.

Paulus war sinngemäß der Sicht das "Hauptsache, fast egal wie" das Bekenntnis zählt. Da mag jede Missionsgesellschaft entscheiden welchen Weg sie einschlägt.

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Anonymous
 Anonymous
Beiträge : 0

Hi,

der Name Jesus kann durchaus manchmal in manchen orten einschlagen wie ne Bombe.

Es gibt Leute, von denen erwartete man nie das sie was mit Gott zu tun haben werden. Und doch, sie werden wiedergeboren, bezeugen Jesus und je nachdem wie Menschen reagieren kommt entweder gutes oder heftiges. Ohne deren viel zutun.

Aber bezeuge deinen Glauben mit Freundlichkeit und Sanftmut nund rechne damit das man dich auslacht, denuziert ...oder ein Segen bist.

Max

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1 Antwort
Ratsdaed
(@ratsdaed)
Beigetreten : Vor 7 Jahren

Beiträge : 676
Veröffentlicht von: @meriadoc

Es gibt Leute, von denen erwartete man nie das sie was mit Gott zu tun haben werden. Und doch, sie werden wiedergeboren, bezeugen Jesus und je nachdem wie Menschen reagieren kommt entweder gutes oder heftiges. Ohne deren viel zutun.

Das erlebe ich bereits auf der Arbeit.

Veröffentlicht von: @meriadoc

Aber bezeuge deinen Glauben mit Freundlichkeit und Sanftmut nund rechne damit das man dich auslacht, denuziert ...oder ein Segen bist.

Es gab bisher nichts, was mich davon abgehalten hat und es gibt nichts, was mich davon abhält. Ich gebe aber zu, dass es im Gefühl während man es ausspricht einen immensen Unterschied macht, ob man sagt "Ich glaube an Gott" oder ob man sagt "Jesus Christus ist mein Herr".

Veröffentlicht von: @meriadoc

Max

Thomas

ratsdaed antworten
Suzanne62
Beiträge : 7706
Veröffentlicht von: @ratsdaed

Der Name Jesus Christus schlägt ein wie eine Bombe. Entweder wird man belächelt oder es herrscht plötzlich eisernes Schweigen im Gespräch.

Das kommt, denke ich, sehr darauf an, in welchem Teil Deutschlands man lebt.
Ich kann mir gut vorstellen, dass es in den neuen Bundesländern, in denen kaum jemand christlich sozialisiert wurde, "wie eine Bombe einschlägt", wenn jemand christliche Glaubensinhalte unvermittelt ins Gespräch bringt.
In anderen Gegenden, besonders dort, wo kirchliche Feiertage und christliche Bräuche bis heute die Kultur wesentlich mitprägen, ist das aber nicht so.
Mein Hausarzt an meinem Studienort hatte ein Kruzifix in seinem Sprechzimmer hängen - der hätte sich über deinen Ausspruch wohl gefreut, aber nicht allzu sehr gewundert.
Ich selber möchte Anders- oder Nichtgläubigen nicht unnötig auf den Senkel gehen, aber es darf durchaus jeder wissen, dass Gebete und Gottesdienste Teil meines Lebens und mir wichtig sind.
Ich wüsste auch nicht, was daran peinlich sein sollte.

suzanne62 antworten
27 Antworten
Herbstrose
(@herbstrose)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 14194

Ich kann mir gut vorstellen, dass es in den neuen Bundesländern, in denen kaum jemand christlich sozialisiert wurde, "wie eine Bombe einschlägt", wenn jemand christliche Glaubensinhalte unvermittelt ins Gespräch bringt.

Nach 30 Jahren noch als " neu" zu gelten, das hat schon was.

Es schlug schon zu DDR-Zeiten nicht wie eine Bombe ein, sondern wurde zu unterdrücken versucht (selbstverfreilich vergeblich). Es gab schon damals Viele, die ihren Glauben bekannten und lebten und dich von Repressalien nicht einschüchtern ließen. Die Menschen da kommen damit klar, wenn ihre Nachbarn oder Freunde Christen sind.

herbstrose antworten
Suzanne62
(@suzanne62)
Beigetreten : Vor 8 Jahren

Beiträge : 7706
Veröffentlicht von: @herbstrose

Nach 30 Jahren noch als " neu" zu gelten, das hat schon was.

Es ist eine Bezeichnung, die immer noch gebraucht wird. Und nicht von mir erfunden wurde.

Veröffentlicht von: @herbstrose

Es gab schon damals Viele, die ihren Glauben bekannten und lebten und dich von Repressalien nicht einschüchtern ließen.

Und Christen, die sich mit dem System zu arrangieren versuchten und da, wo sie es vertretbar hielten, Kompromisse machten. Was angesichts der Realität, so wie sie nun mal war, völlig verständlich war - hätte ich wohl auch so gemacht.

Veröffentlicht von: @herbstrose

Die Menschen da kommen damit klar, wenn ihre Nachbarn oder Freunde Christen sind.

Dann ist doch alles fein.

suzanne62 antworten
Herbstrose
(@herbstrose)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 14194

Und Christen, die sich mit dem System zu arrangieren versuchten und da, wo sie es vertretbar hielten, Kompromisse machten. Was angesichts der Realität, so wie sie nun mal war, völlig verständlich war - hätte ich wohl auch so gemacht.

Solche Leute kenne ich auch. Und ich bin sehr froh darüber, dass in meinem Umfeld niemand Kompromisse gemacht hat. Nicht meine Eltern, nicht die Leute aus der Gemeinde, mit denen wir näheren Umgang hatten und auch ich nicht.

herbstrose antworten
Suzanne62
(@suzanne62)
Beigetreten : Vor 8 Jahren

Beiträge : 7706
Veröffentlicht von: @herbstrose

Und ich bin sehr froh darüber, dass in meinem Umfeld niemand Kompromisse gemacht hat.

Ich kann dafür niemanden verurteilen - es konnte schließlich niemand wissen, ob und wann das Regime verschwinden würde - und der Kirche wegen z.B. auf ein Hochschulstudium verzichten?
Das hätten meine Verwandten niemals von ihren Kindern verlangt.
Das war für sie daher völlig in Ordnung, dass die den ganzen Zirkus bis zu einem gewissen Grad mitgemacht haben.
Dass eine meiner Kusinen sich dem verweigert hat und weder die Jugendweihe mitgemacht hat noch in die FDJ eingetreten ist, war ihr eigener Entschluss.
Ihre Eltern hätten das nie von ihr verlangt.

suzanne62 antworten
Herbstrose
(@herbstrose)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 14194

Bei dir klingt das ganz so, als wäre ich zu irgend etwas gezwungen worden. Im Gegenteil: die Kompromisslosen in meinem Umfeld waren mir Vorbild.

herbstrose antworten
Suzanne62
(@suzanne62)
Beigetreten : Vor 8 Jahren

Beiträge : 7706
Veröffentlicht von: @herbstrose

Bei dir klingt das ganz so, als wäre ich zu irgend etwas gezwungen worden.

Das kann ich selbstverständlich nicht wissen.

Veröffentlicht von: @herbstrose

die Kompromisslosen in meinem Umfeld waren mir Vorbild.

Ich kann mir gut vorstellen, dass man von solchen Menschen beeindruckt ist.
Aber ich verstehe auch diejenigen, die bis zu einem gewissen Grad Kompromisse gemacht und sich mit dem System arrangiert haben - so lange sie niemandem geschadet haben - für Leute, die freiwillig IMs wurden und ihre Freunde und Angehörigen der Stasi ausgeliefert haben, fehlt mir jedes Verständnis.

suzanne62 antworten
Ungehorsam
(@ungehorsam)
Beigetreten : Vor 8 Jahren

Beiträge : 3336

für Leute, die freiwillig IMs wurden und ihre Freunde und Angehörigen der Stasi ausgeliefert haben, fehlt mir jedes Verständnis.

Die Wenigsten machten das freiwillig. Sie wurden von der Stasi erpreßt. Viele waren in Gewissensnöten deshalb.
Aber das ist ein anderes Thema.

ungehorsam antworten
Herbstrose
(@herbstrose)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 14194

Korrekt

herbstrose antworten
Suzanne62
(@suzanne62)
Beigetreten : Vor 8 Jahren

Beiträge : 7706
Veröffentlicht von: @ungehorsam

Die Wenigsten machten das freiwillig. Sie wurden von der Stasi erpreßt. Viele waren in Gewissensnöten deshalb.

Davon gehe ich auch aus. Dennoch gab es auch Leute, die das bereitwillig gemacht haben oder sich sogar angebiedert haben - sei es aus sozialistischer Überzeugung oder um sich irgendwelche Vorteile zu verschaffen.

suzanne62 antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0

Diese Leute gab es definitiv auch.

Veröffentlicht von: @suzanne62

Dennoch gab es auch Leute, die das bereitwillig gemacht haben oder sich sogar angebiedert haben - sei es aus sozialistischer Überzeugung oder um sich irgendwelche Vorteile zu verschaffen.

Es gab sogar sehr viele, die sehr Vieles gemacht haben, um einen Vorteil davon zu haben. Dabei denke ich aber weniger an Stasi-Zuträgerei (dazu gehörte schon Einiges, das freiwillig zu machen), sondern eher an Mitgliedschaft in der SED oder eine der Blockparteien (die auch nur das Gleiche vertreten durften wie die SED, es machte also eigentlich keinen Unterschied, ob man damals in der DDR in der SED war oder in der CDU... das wissen nur leider die Wenigsten...)

Anonymous antworten
Herbstrose
(@herbstrose)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 14194

Aber ich verstehe auch diejenigen, die bis zu einem gewissen Grad Kompromisse gemacht und sich mit dem System arrangiert haben - so lange sie niemandem geschadet haben -

Es ist also für dich ok, den eigenen Glauben zu leugnen und mit dem Strom zu schwimmen um dadurch Vorteile zu haben? Das ist nämlich das, was Teile unserer Verwandtschaft gemacht haben.

herbstrose antworten
Ungehorsam
(@ungehorsam)
Beigetreten : Vor 8 Jahren

Beiträge : 3336

um dadurch Vorteile zu haben?

Vorteile hatte man dadurch auch nicht. Man hatte keine oder weniger Nachteile.

ungehorsam antworten
Herbstrose
(@herbstrose)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 14194

In der mir verwandten Familie ging es klar um Vorteile (bessere Wohnung, lukrative Dienstreisen, ...)

herbstrose antworten
Ungehorsam
(@ungehorsam)
Beigetreten : Vor 8 Jahren

Beiträge : 3336

Ich sehe, auch in solchen Fällen muß man klar differenzieren.

ungehorsam antworten
Herbstrose
(@herbstrose)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 14194

Auf jeden Fall.

herbstrose antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0

So ist es.

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Suzanne62
(@suzanne62)
Beigetreten : Vor 8 Jahren

Beiträge : 7706
Veröffentlicht von: @herbstrose

Es ist also für dich ok, den eigenen Glauben zu leugnen und mit dem Strom zu schwimmen um dadurch Vorteile zu haben?

Ich bin aufgewachsen mit Demokratie, Meinungs- und Religionsfreiheit. Es hat nie zur Debatte gestanden, dass ich etwa wegen meines Glaubens hätte auf ein Hochschulstudium verzichten müssen.
Wer bin ich, mir ein Urteil anzumaßen über Menschen, die mit einem Regime wie dem in der DDR klarkommen mussten.
Von "Glauben leugnen" habe ich nichts geschrieben. Mit "Kompromisse machen" meine ich, dass man z.B. an der Jugendweihe teilnahm oder in die FdJ eintrat, um nicht von vornherein auf ein Studium verzichten zu müssen.
Wer das getan hat, hat ja niemandem geschadet.
Ob und wann es mit dem Regime vorbei sein würde, konnte ja keiner wissen.

suzanne62 antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0
Veröffentlicht von: @suzanne62

Wer bin ich, mir ein Urteil anzumaßen über Menschen, die mit einem Regime wie dem in der DDR klarkommen mussten. Von "Glauben leugnen" habe ich nichts geschrieben. Mit "Kompromisse machen" meine ich, dass man z.B. an der Jugendweihe teilnahm oder in die FdJ eintrat, um nicht von vornherein auf ein Studium verzichten zu müssen.

Danke, Suzanne!

Wobei es auch Fälle gab wie den meinen: Ich war Mitglied bei Pionieren und FDJ, habe sogar die Jugendweihe mitgemacht (hätte ich nicht sollen, aber ich war zu jung, wirklich noch zu sehr Kind, um mit 14 das besser entscheiden zu können).

Aber ein Jahr später bin ich auch zur Konfirmation gegangen.

Und offenbar wusste der Staat DDR trotz der - sehr begrenzten - Anpassereien meinerseits (das machten 99% der DDR-Bürger, weil man sonst tatsächlich jeden gewünschten Berufsweg von vornherein vergessen konnte, danke für dein Verständnis, Suzanne) - also dieser Staat wusste wohl trotzdem sehr sehr gut, was er von mir zu halten hatte.

Meine Anpasserei hat mir nämlich trotzdem gar nichts genützt. Vorteile hatte ich davon ganz bestimmt nicht.

Und rote Linien hatte ich mehrere: Parteieintritt, in welche Partei auch immer, kam nicht in Frage, Tätigkeit für die Stasi sowieso nicht. Aber genauso kam nicht in Frage, dass ich mich an Aktivitäten beteilige, die z.B. Mitschüler ausgrenzen. Ich kann mich auch erinnern, dass meine Kommilitionen und ich im Studium kein Blatt vor den Mund genommen haben, wenn es mal wieder darum ging, dass der Unterricht in Marx.-leninistischer Philosophie, Polit. Ökonomie oder Wiss. Kommunismus (Pflicht für alle...) überhaupt nichts mit der täglich erlebten Realität zu tun hatte.

Ich kann mich auch erinnern, dass wir einen Aufruf für die Wiederzulassung der sowjetischen Zeitschrift "Sputnik" gestartet hatten, im Frühjahr 89. Woraufhin wir Beteiligten alle mit dem sofortigen Rausschmiss bedroht wurden. (was absolut lächerlich war, weil fast niemand von uns das Fach, in dem wir uns befanden, überhaupt studieren wollte... wir hatten also nicht viel zu verlieren). Wir haben den Aufruf auch nicht zurückgenommen. Komischerweise, passiert ist dann nichts.

Ähnliches kann ich auch von der Kommunalwahl im Mai 89 berichte, wo Viele aus meinem Studiengang mit Nein gestimmt, den Zettel zerrissen haben, nicht hingegangen sind. (Ich habe versucht, eine Nein-Stimme abzugeben, was gar nicht so einfach war - denn normalerweise wurden sogar Zettel noch gezählt, die zerrissen oder beschmiert waren...) Dann hatten wir einige "Wahlbeobachter" im Studienjahr. Die darauf hinwiesen, dass, nachdem die Urnen eine Nacht auf dem Flur in der Uni standen, die Nummern auf den Siegeln andere waren als am Abend davor. Man beschied sie, "sie sollten doch nicht so kleinlich sein". Und das war noch zahm. Ich kenne eine Dame, die damals auch sich geweigert hat, bei der Wahlfälschung mitzumachen (sie war sonst absolut unpolitisch und sicher kein "Staatsfeind") - ihr wurde mehr oder weniger unverhohlen angedroht, dass man ihr als unzuverlässiger Person ihren Sohn doch lieber wegnehmen sollte.

Ja, und auch das will heute niemand gewesen sein - obwohl der Drohende wahrscheinlich sogar auch noch lebt...

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Beigetreten : Vor 1 Sekunde

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Veröffentlicht von: @herbstrose

Es ist also für dich ok, den eigenen Glauben zu leugnen und mit dem Strom zu schwimmen um dadurch Vorteile zu haben? Das ist nämlich das, was Teile unserer Verwandtschaft gemacht haben.

So einfach war das damals nicht. Auch ich habe manches getan, was man als Kompromisse und Schwimmen mit dem Strom betrachten könnte. So bin ich nach meiner Bekehrung bewußt in der FDJ geblieben. Das haben viele in meiner Gemeinde nicht verstanden. Doch für mich gab es zwei Gründe:

Erstens bin ich ziemlich bald nach der Bekehrung auf Römer 13 gestoßen: "Jeder sei untertan der Obrigkeit." Ich habe lange damit gerungen, bis ich eingesehen habe, daß Gott das wirklich will. (Heute ringe ich als Selbständiger auf ähnliche Weise mit dem Wort "Gib dem Kaiser, was des Kaisers ist".) Verstanden hatte ich das damals nicht, doch aus heutiger Sicht kann ich sagen, daß mir diese Unterordnung viel Vollmacht in der ideologischen Auseinandersetzung gegeben hatte. Ich war dadurch auf Augenhöhe mit den Genossen und konnte mit deren eigenen Waffen kämpfen. Hätte ich auf anti gemacht, dann hätten sie ein leichtes Spiel mit mir gehabt.

Zweitens sagte die FDJ, sie sei offen für Menschen aller Weltanschauungen und Glaubensrichtungen - klar, um sie alle mit ihrer eigenen Ideologie indoktrinieren zu können. Ich habe mir das nicht zweimal sagen lassen, aber den Spieß umgedreht: Auch sie brauchen Jesus. So wie Paulus den Juden ein Jude und den Griechen ein Grieche wurde, so wurde ich den FDJlern ein FDJler.

Es hat sich beispielsweise ergeben, daß ich in unserer FDJ-Betriebsgruppe einen "aktuell-politischen Vortrag zum Nahostproblem" gehalten habe - aus biblischer Sicht. Das hat einigen Ärger mit der Partei gebracht, in den von Amts wegen auch unsere arme FDJ-Sekretärin verwickelt war. Sie fragte mich hinterher, wieso ich so ruhig sein konnte, als ich in der Auseinandersetzung mit den Genossen Rede und Antwort stand. Ich war es, weil ich der Obrigkeit untertan geblieben war und mich an die Regeln (z.B. Missionsverbot im Betrieb) gehalten hatte. Der FDJ-Sekretärin konnte ich dann Rede und Antwort zu meinem Glauben stehen - trotz des Missionsverbotes, denn: "Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen." Erst nach der Wende erfuhr ich, daß sie sich bekehrt hatte.

Es war nicht einfach, den richtigen Weg zwischen diesen beiden "Leitplanken" des Glaubens zu finden (sich einer gottlosen Obrigkeit unterordnen, aber dennoch Gott mehr gehorchen als den Menschen). Und wo Christen in Situationen gerieten, daß sie ihren Glauben sogar verleugneten, kann man nicht einfach "von außen" darüber richten. Man weiß ja nicht, ob man es selbst besser getan hätte.

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(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0
Veröffentlicht von: @joseph

Erstens bin ich ziemlich bald nach der Bekehrung auf Römer 13 gestoßen: "Jeder sei untertan der Obrigkeit."

Das war der Grund, warum ich zwar auf allen Montagsdemos in Leipzig war, von der allerersten am 4.9.89 bis zum 2.10. 89, dann aber nicht auf der entscheidenden Demo am 9.10.89.

Da habe ich den ganzen Abend mit Freunden betend zu Hause gesessen.

Heute erscheint mir das absurd, und ich sage, selbstverständlich hätte ich da hingehen müssen! Dieses System war menschenverachtend, in vielen Punkten, und natürlich hätte man auch als Christ dagegen vorgehen dürfen - ja, müssen!

Aber gut, hinterher ist man immer schlauer. Und wenigstens habe ich meinen Beitrag geleistet, wenn auch aus absurden Gründen nicht bis zum Schluss. Eben, wie gesagt, nicht aus Angst, dass vielleicht geschossen, geknüppelt oder verhaftet würde (das war ja vorher auch schon so...), sondern wegen des Bibelworts.

Ich fürchte, dass mit diesem Wort auch sehr viel Schindluder getrieben wird und wurde, es ist definitiv eines der Worte, die ich nur sehr selten zur Hand nehme.

Veröffentlicht von: @joseph

Zweitens sagte die FDJ, sie sei offen für Menschen aller Weltanschauungen und Glaubensrichtungen -

Veröffentlicht von: @joseph

Zweitens sagte die FDJ, sie sei offen für Menschen aller Weltanschauungen und Glaubensrichtungen

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Anonymous
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(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

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die FDJ offen für alle...?
Jesus. de hängt mal wieder.

Also, dass sie offen sie für alle, das hat die FDJ in Sachsen definitiv nicht gesagt. Sie waren dort erklärt atheistisch unterwegs.

Aber das habe ich auch von meinem Mann schon gehört: In Brandenburg und Berlin waren auf jeden Fall nicht so viele "Scharfmacher" unterwegs.

In Sachsen gab es eine klarer Grenze: Nie wäre möglich gewesen, dass ein SED-Mitglied auch gleichzeitig Kirchenmitglied ist. In den Dörfern Brandenburgs war das zum Teil noch möglich.

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Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

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Ja, ich meine, das im Statut so gelesen zu haben. Oder zumindest so verstanden zu haben. Allerdings habe ich bei einer schnellen Suche im Internet den damaligen Wortlaut nicht gefunden. Nur ein Foto: https://www.ddr-museum.de/de/objects/1009696

1990 versuchte die FDJ einen Neustart mit einem neuen Statut, darin positioniert sie sich "links" und versteht sich als:

offen für die Mitgliedschaft von Jugendlichen, die sich politisch und weltanschaulich erst orientieren wollen, die mit linkem Gedankengut sympathisieren bzw. diese Ideen vertreten. Er fördert die solidarische und kameradschaftliche Zusammenarbeit seiner Mitglieder unabhängig von Geschlecht, sozialer Stellung, geistigen und körperlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten, sexueller Orientierung, Religion und Nationalität
https://www.ddr89.de/wo/FDJ.html

Interessant, mal in die Geschichte einzutauchen. Wer las denn damals schon das Statut? 😉

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Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

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Veröffentlicht von: @polyglott

Das war der Grund, warum ich zwar auf allen Montagsdemos in Leipzig war, von der allerersten am 4.9.89 bis zum 2.10. 89, dann aber nicht auf der entscheidenden Demo am 9.10.89.

Da habe ich den ganzen Abend mit Freunden betend zu Hause gesessen.

Damit habt Ihr wahrscheinlich den wichtigsten Dienst überhaupt getan - eben daß dort nicht geschossen wurde.

Veröffentlicht von: @polyglott

Ich fürchte, dass mit diesem Wort auch sehr viel Schindluder getrieben wird und wurde

Das ist wahr. Vor allem, wenn die Obrigkeit selbst darauf pocht.

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Herbstrose
(@herbstrose)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

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Ja, es ist richtig, sich der Obrigkeit unterzuordnen. Es ist aber nicht richtig, deren Gesetzesverstöße zu unterstützen.

Ich zitiere mal aus der Verfassung:

Art. 4. Alle Maßnahmen der Staatsgewalt müssen den Grundsätzen entsprechen, die in der Verfassung zum Inhalt der Staatsgewalt erklärt sind. Über die Verfassungsmäßigkeit der Maßnahmen entscheidet die Volksvertretung gemäß Artikel 66 dieser Verfassung. Gegen Maßnahmen, die den Beschlüssen der Volksvertretung widersprechen, hat jedermann das Recht und die Pflicht zum Widerstand. Jeder Bürger ist verpffichtet, im Sinne der Verfassung zu handeln und sie gegen ihre Feinde zu verteidigen.

Art. 9. Alle Bürger haben das Recht, innerhalb der Schranken der für alle geltenden Gesetze ihre Meinung frei und öffentlich zu äußern und sich zu diesem Zweck friedlich und unbewaffnet zu versammeln. Diese Freiheit wird durch kein Dienst- oder Arbeitsverhältnis beschränkt; niemand darf benachteiligt werden, wenn er von diesem Recht Gebrauch macht.

Eine Pressezensur findet nicht statt.

Art. 35. Jeder Bürger hat das gleiche Recht auf Bildung und auf freie Wahl seines Berufes. Die Bildung der Jugend sowie die geistige und fachliche Weiterbildung der Bürger werden auf allen Gebieten des staatlichen und gesellschaftlichen Lebens durch die öffentlichen Einrichtungen gesichert.

Anmerkung: Davon hab ich nichts gemerkt.

Art. 41. Jeder Bürger genießt volle Glaubens- und Gewissensfreiheit. Die ungestörte Religionsausübung steht unter dem Schutz der Republik.

Einrichtungen von Religionsgemeinschaften, religiöse Handlungen und der Religionsunterricht dürfen nicht für verfassungswidrige oder parteipolitische Zwecke mißbraucht werden. Jedoch bleibt das Recht der Religionsgemeinschaften, zu den Lebensfragen des Volkes von ihrem Standpunkt aus Stellung zu nehmen, unbestritten.

Art. 42. Private oder staatsbürgerliche Rechte und Pflichten werden durch die Religionsausübung weder bedingt noch beschränkt. Die Ausübung privater oder staatsbürgerlicher Rechte oder die Zulassung zum öffentlichen Dienst sind unabhängig von dem religiösen Bekenntnis.

Ach nee! Selbstverständlich gab es Repressalien, wenn man seinen Glauben aktiv (wir erinnern uns: man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen) gelebt hat.Von wegen, "alle Bürger werden gleich behandelt.

herbstrose antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

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Das war die Verfassung der DDR???
Woher hast du denn das?
(Ich muss gestehen, ich habe die Verfassung der DDR nie gelesen).

Umgesetzt wurde davon, wie wir ja wissen - nichts.

Man hätte mal versuchen sollen, im Zentrum Leipzigs zu viert ungefähr eine halbe Stunde zusammenzustehen...

freie Berufswahl - ha! - welch ein Hohn!

Anonymous antworten
Herbstrose
(@herbstrose)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 14194
Veröffentlicht von: @polyglott

Woher hast du denn das?
(Ich muss gestehen, ich habe die Verfassung der DDR nie gelesen).

Es ist unglaublich, was man im Internet alles findet. Verfassungen.de ist nur eine von vielen Quellen.

Veröffentlicht von: @polyglott

Man hätte mal versuchen sollen, im Zentrum Leipzigs zu viert ungefähr eine halbe Stunde zusammenzustehen...

oder in Dresden an der Frauenkirche. Wir hatten immer vorsorglich eine Zahnbürste dabei. Oder am 4. Oktober 1989 am Hauptbahnhof. Es gab dort wahllose Verhaftungen. Einer meiner Freunde wurde da verhaftet.

herbstrose antworten
Ratsdaed
(@ratsdaed)
Beigetreten : Vor 7 Jahren

Beiträge : 676

Kurz zur Information. Ich lebe seit Jahrzehnten in einem alten Bundesland. Um genauer zu sein in Niedersachsen und dort mache ich die genannten Erfahrungen.

ratsdaed antworten


Anonymous
 Anonymous
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Spontan fiel mir da das Buch "Man trifft sich nie von ungefähr" von Ernie Klaassen ein.
Er hat aus jeder Begegnung eine Mission gemacht.
Das ist einem gegeben oder nicht, denke ich mal, das kann man nicht erzwingen wollen.
Wenn er ein Ticket gekauft hat, hat er zum Verkäufer gesagt "Hauptsache, Sie haben Ihr Ticket in den Himmel schon", usw.

Das war aber immer auf den anderen Menschen ausgerichtet.
Gott kann alles nutzen, wer weiß wofür es dem Arzt gut war, dass Du den Namen "der Herr Jesus Christus empfahl Sie mir" sagte.
Doch suspekt ist es doch, wie ER das getan haben soll, usw.

Ich denke, Ernie hätte da eher so etwas gesagt wie "wissen Sie eigentlich, dass wir (oder dass Sie) bei Jesus (oder "beim Herrn Jesus Christus") auch so gut aufgehoben sein können (oder sind)?

Regeln schränken den Heiligen Geist doch da eher ein, Sein Wirken ist etwas, dass den anderen Menschen erreicht.
Das muss nichts sein, was uns gut oder logisch erscheint, das muss aber halt etwas sein, was der Heilige Geist bewirkt hat und nutzen möchte und kann.
Und das tut er doch, wenn wir in Jesus bleiben.
Das nun in eigene Ideen, Vorstellungen und Regeln packen zu wollen, finde ich da eher hinderlich.
Lass' Dich nicht verbiegen oder hindern, bleibe einfach im Herrn Jesus.
Gute Begegnungen wünsche ich Dir.
Karibu

Nachtrag vom 10.11.2019 1906
genau genommen gehört da natürlich ein "Aber" vor das "Regeln schränken ....ein".
Weil es das, was ich vorher schreibe, ja wieder in Frage stellt. Zu Recht (?)

Anonymous antworten
Seite 2 / 2
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